Geschichte Sagradiens
Geschichte Sagradiens
Inhaltsverzeichnis
- 1 Sagradien im Altertum
- 2 Sagradien im Frühmittelalter
- 2.1 Einfall der Germanen und Zerfall der römischen Herrschaft
- 2.2 Einfall der muslimischen Numerer in Alconía
- 2.3 Roderich der Große und der Aufstieg des Skantenreiches
- 2.4 Krise des Skantenreichs und Gründung des Königreichs Sarmay
- 2.5 Aerich der Große und der Beginn der sagradischen Reconquista
- 2.6 Martin der Eroberer und die Gründung des Reiches
- 3 Sagradien im Hochmittelalter
- 4 Sagradien im Spätmittelalter
- 5 Die Großmacht Sagradien unter den Santori
- 6 Sagradien im 18. Jahrhundert: Bürgerkrieg und Ständemacht
- 7 Sagradien im 19. Jahrhundert
- 8 Sagradien in der Ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
- 9 Nachkriegszeit und Dritte Republik
Sagradien im Altertum
Sagrische Frühgeschichte
Die ersten Zeugnisse einer sagrischen Frühkultur stammen aus dem 14. Jahrhundert v.Chr.; die ersten indogermanischen Völkerwanderungsstämme aus Osteuropa ließen sich in Sagradien und Mikolinien im 12. Jahrhundert v. Chr. nieder und vermischten sich rasch mit der Urbevölkerung. Den Römern waren diese Stämme später als 'Sagrer' (Sagri) bekannt, wobei grob zwischen süd- und mittelsagrsichen sowie asumarischen Stammesgruppen unterschieden werden kann. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. drangen keltische Stämme aus Gallien auf die Halbinsel vor und siedelten besonders im Norden und Nordosten der sagradischen Halbinsel. Dabei kam es auch oft zu Verschmelzungen mit einheimischen sagrischen Stämmen, sodass man häufig von einer sagrokeltischen Kultur spricht. Im Süden entwickelte sich eine ausgeprägte sagrische Kultur. Besonders der Blaumeerraum wurde zu einem Zentrum sagrischer Siedlungen mit den Piäern (lat. Piaei) und Sisinen (lat. Sisini) als wichtigste Stämme an der östlichen und Mikoläern (lat. Micolaei) als dominierende Stammesgruppe an der westlichen Blaumeerküste.
Eroberung Sagradiens durch die Römer und römische Herrschaft
Bereits Iulius Caesar eroberte in den gallischen Kriegen seit 59 v.Chr. Teile Nordostsagradiens, indem er zunächst die gallischen Stämme der Vikier und Amorier unterwarf. Im Jahr 54 v. Chr. riefen die Saloer Caesar zur Hilfe gegen die keltischen Cabeser und Liener, die zu dieser Zeit nach Süden und Westen drängten und damit die Saloer bedrohten. Caesar nutzte die Gelegenheit, um den keltischen Norden der Halbinsel zu erobern und als Provincia Sagradia Citerior dem römischen Herrschaftsbereich einzugliedern. Zu dieser Zeit unterhielt Rom zu einigen sagrischen Stämmen, besonders zu den Aidern an der Südküste der Halbinsel freundschaftliche Verhältnisse und betrieb regen Handel mit ihnen. Unter Augustus wurde die Eroberung Sagradiens durch die Römer fortgesetzt. Nachdem zunächst die Streitigkeiten der sagrischen Stämme untereinander und mit den Sagrokelten, die den Römern weniger feindlich gegenüberstanden, weitergeführt worden waren, schlossen verschiedene sagrische Stämme ein Bündnis, welches aber auch die Invasion der römischen Legionen nicht aufhalten konnte. Augustus selbst eroberte im Jahr 25/24 v.Chr. ganz Sagradien, konsolidierte die Herrschaft im Gebiet bis zum Fluvius Saidelius und Fluvius Bordeus und gründete die Provinz Sagradia Ulterior. Rom trennte damit erstmals die beiden Teile der Halbinsel in ein römisches Sagradien östlich von Blaumeer und Konsetten und ein Gebiet westlich dieser natürlichen Grenzen, das erst unter Kaiser Claudius im 43 als Provincia Micolina unter römische Herrschaft kam.
Seit 18 v. Chr. trat der römische Statthalter beider Sagradien, Q. Valerius Tullianus Sagradianus, mehrere Feldzüge gegen eine sagrische Allianz aus Aidern, Micoläern und Sisinen an, die mit der Eroberung Sagradiens endeten. Augustus teilte daraufhin im Jahr 14 v. Chr. die Sagradia Ulterior in eine kaiserliche Provincia Sisinia mit der Hauptstadt Tulisium (das heutige Tulis) und eine senatorische Provincia Belacionensis mit der Hauptstadt Belacio (das heutige Belaçón) auf. Ein letzter großer sagrischer Aufstand unter dem aidischen Feldherrn Asilië endete für Rom verlustreich, konnte von Tullianus aber im Jahr 8 v. Chr. niedergeschlagen werden. Ihr Anführer Asilië wurde später als sagradischer Nationalheld verehrt.
Die Kelten wurden sehr schnell assimiliert, aber auch die Sagrer nahmen nach den anfänglichen Widerständen in den folgenden Jahrhunderten die Herrschaft und Kultur Roms an, sodass eine sagro-römische Mischkultur entstand. Mit den großen Städten Geronia, Noviogarum, Colonia Duerensis und Tulisium entstanden neue Zentren der römischen Kultur in Sagradien. Aus dem auf der Halbinsel gesprochenen Vulgärlatein entwickelten sich allmählich die sagradischen Dialekte und die gesamte sagroromanische Sprachgruppe. Nach der diokletianischen Verwaltungsreform wurden die drei Sagradien einer eigenen Dioecesis Sagradiae eingegliedert und die Provincia Geroniensis (seit 27 v. Chr. Name der Sagradia Citerior) in die Provinzen Ligria, Sagradia Ostiniensis und Sagradia Nogarensis unterteilt.
Sagradien im Frühmittelalter
Einfall der Germanen und Zerfall der römischen Herrschaft
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts drangen mit den Alkonen und Herkanden von der iberischen Halbinsel aus germanische Stämme auf das Gebiet des römischen Sagradiens vor und gründeten frühe Reiche, von denen das Alkonenreich im Süden zum ersten germanischen Staat in Sagradien wurde. Die Herkanden wurden wiederum zur Mitte des Jahrhunderts von den einfallenden Skanten nach SüdMikolinien verdrängt, zwischen 450 und 480 folgten die Golen, die sich an der Nordküste des Blaumeers ansiedelten. Die fast 500-jährige unumschränkte Herrschaft Roms auf der Halbinsel endete 462, als der letzte römische Statthalter in Tulis getötet wurde.
Das große Reich der Skanten, die den gesamten Norden Sagradiens und Mikoliniens besiedelten, zerfiel bald in kleinere Stammesgruppen. Als 476 der letzte weströmische Kaiser abdankte, erstreckte sich die germanische Herrschaft schon fast über ganz Sagradien. Die Stämme verschmolzen relativ rasch mit der romanischen Bevölkerung, wobei die Germanen nicht selten die Führungsschicht bildeten. Die lange Zeit florierenden Städte erlebten einen Niedergang und wurden zum Teil schwer verwüstet. Nachdem die arianischen Skanten bereits im im frühen 6. Jahrhundert die lateinisch-trinitarische Religion der romanischen Bevölkerungsmehrheit angenommen hatten, ließ sich mit dem Alkonenkönig Berrakred I. der letzte arianische Herrscher Sagradiens katholisch taufen. Auch die vulgärlateinische Sprache der Bevölkerung wurde bald von den germanischen Eliten in allen Reichsteilen angenommen.
Einfall der muslimischen Numerer in Alconía
In einem alkonischen Erbstreit zu Hilfe gerufen, fielen zur Mitte des 8. Jahrhunderts nach Christus im Süden Sagradiens muslimische Mauren aus Spanien ein, die in Sagradien den Namen Numerer erhielten. Diese konnten rasch das gesamte Gebiet der Alkonen erobern und besiegten 757 den letzten Alkonenkönig Rikkrik (Regrigo). Sie errichteten das zunächst vom Kalifat in Damaskus abhängige Emirat von Duerez (arabisch: Dohraz), das sein Herrschaftsgebiet im Laufe der folgenden Jahre bis kurz vor Tulis und Óstino ausbauen konnte und die verschiedenen alkonisch-romanischen Bevölkerungsgruppen aufnahm. Die muslimischen Numerer verhielten sich gegenüber der christlichen Bevölkerung weitgehend tolerant und verzichteten auf eine Zwangsislamisierung. Während der Herrschaftsjahre der arabischen Emire blühten im Süden Kultur und Handelswesen, wovon auch die christlichen Königreiche im Norden profitierten, die die Herrschaft nach kurzer Zeit der Kriege akzeptierten und rege Handelsbeziehungen mit den Numerern aufnahmen. Die Städte gewannen wieder an Bedeutung. Unter der Herrschaft der Numerer in Südsagradien wurden u.a. die Städte Al Hamaz (Lemez) und Ain Al Qaz (Nalcaz) gegründet.
Roderich der Große und der Aufstieg des Skantenreiches
Im Skantenreich konnte der Adlige Segila sich um 753 als König der Mittelskanten etablieren und die dortige Orsonidendynastie beerben. Seinem seit 761 regierenden Sohn Roderich dem Großen gelang es 763 die streitenden Großen seines Reichs unter seiner Führung gegen die arabische Bedrohung zu vereinen. 763 besiegte sein Heer bei Tarravillas die anstürmenden Numerer, was zusammen mit dem Sieg Karl Martells bei Tours und Portiers als Ende der muslimischen Expansion in Westeuropa angesehen wird. Nach der Schlacht bei Tarravillas zerfiel die Allianz jedoch wieder. Die Reichsteile Scantias, seit Jahrzehnten bereits ohne gemeinsame Herrschaft, bekundeten wieder ihre Eigenständigkeit. In mehreren Kriegszügen gelang es Rodrigo jedoch, zunächst den mächtigen lohandischen und dann die ligrischen und westligrischen Provinzfürsten zu besiegen und zentralskantische, lohandische und ligrische Reichsteile wieder unter seiner Herrschaft zu vereinen. Er schuf eine straffe Verwaltungsstruktur und führte Scantia dadurch zu einer kulturellen und politischen Blüte. In Kriegen gegen Golen, Bretonen und Herkanden sowie gegen die zurückweichenden Numerer eroberte er neue Gebiete für das Skantenreich. Bei seinem Tod 797 erstreckte sich das Reich Roderichs auf beiden Seiten des Ligrischen Meers von Albero bis in die Bretagne und von Perin bis an die sagradische und mikolinische Nordküste.
Krise des Skantenreichs und Gründung des Königreichs Sarmay
Nach dem Tod Roderichs des Großen zerfiel dessen Reich wieder unter den Söhnen Roderichs. Der Vertrag von Disiés bewirkte 799 die Teilung Scantias. Der älteste Sohn Barungar erhielt den Westen des Reichs mit dem gesamten Norden Mikoliniens, Teilen Litiens und Gebieten nördlich und sülich des Ligre, sein jüngerer Bruder Albreth der Kluge den Osten mit Lojandía, der Mesa und den amorischen Grenzgebieten, jedoch konnte er das umstrittene Zentralscantia zwischen Ligre und Konsetten weitgehend unter seine Herrschaft bringen. Der jüngste Sohn Ferrigo erhob 808 ebenfalls Anspruch auf die Königswürde, was zum Bruderkrieg führte. Im Vertrag von Torell 812 einigte man sich auf eine Dreiteilung aufkosten Albreths, der die südlichen Teile seines Gebiets an Ferrigo abgeben musste. Die Thronstreitigkeiten im Skantenreich schufen an der numerisch-skantischen Grenze zu einem Machtvakuum, in das der Provinzfürst Dián von Sarmay stieß, der im Kampf gegen die Numerer mehrere angrenzende Gebiete erobern und sich vom Skantenreich weitgehend unabhängig machen konnte. Nach dem Tod Ferrigos nahm Dián von Sarmay 818 den Königstitel an und übernahm die Kontrolle über die südlichen Reichsgebiete, namentlich Sagonte, Teile Sesíns, Croer und Óstino. Auch die als Markgrafschaften eingerichteten Gebiete am Blaumeer konnten bald eine erhebliche Eigenständigkeit vom Skantenreich erhalten. Die sich seit dem späten 8. Jahrhundert ständig wiederholenden Angriffe norwegischer Wikinger auf das sagradische und nordmikolinische Festland schwächte die Skanten zunehmend. Mit der Gründung eines eigenen nordischen Reichs an der Nordküste Mikoliniens, dem sogenannten Perutingerreich, wurden die Skanten weitgehend aus NordMikolinien verdrängt. Nach dem Tod König Barungars 825 trat Albreth der Kluge die Alleinherrschaft im Rest des Skantenreichs an und beendete vorerst die Zeit der inneren Schwäche, jedoch konnte er Sarmay und Perucía nicht zurückerobern.
Aerich der Große und der Beginn der sagradischen Reconquista
Bereits seit Beginn des 9. Jahrhunderts machten sich im westlichen Teil des Numererreichs Auflösungserscheinungen breit. Die alkonischen Eliten beugten sich nur ungern unter die arabische Herrschaft und bereiteten der Zentralmacht Duerez' mit mehreren Rebellionen große Schwierigkeiten. 852 machte sich der westalkonische Fürst Berrigo zum Dux Alconum und sagte sich von der muslimischen Oberhoheit des Emirats von Duerez los. In mehreren Kriegen konnte er seine Herrschaft konsolidieren, doch zerfiel sie wieder unter seinen streitenden Söhnen Arrigo und Regrigo. Nachdem sich Arrigo 859 durchgesetzt hatte, nahm er die Kriege seines Vaters wieder auf und eroberte Oller und Südpin. Danach wandte er sich gegen Sarmay und eroberte Teile Sesíns. 877 erreichte er die Auslieferung der Alkonenkrone durch die Numerer, 878 wurde sein Reich endgültig auch von Sarmay anerkannt. Jedoch zerfiel es nach seinem Tod 882 wieder unter seinen Söhnen Arrigo II. und Fildrigo, Südsesín musste wieder an Sarmay abgegeben werden. Erst Arrigo III. (898-915) erreichte wieder ein vergleichbar machtvolles Königtum wie Arrigo der Große. Er konnte von den zahlreichen Teilungen und Thronstreitigkeiten in Sarmay profitieren, indem er Einfluss auf die mächtigen Provinzfürsten im Sarmayenreich ausübte.
Martin der Eroberer und die Gründung des Reiches
Nach dem Tod Dians III. von Sarmay im Jahr 878 kam es zu Thronstreitigkeiten im Königreich Sarmay zwischen dessen Söhnen Docién und Armondo, die 882 zugunsten einer Reichsteilung entschieden wurden. Die permanente Schwäche Sarmays suchten sowohl Skanten als auch Alkonen in der Folgezeit für sich auszunutzen. Mit der Übernahme der skantischen Alleinherrschaft 897 begann Martin I. von Scantia (König seit 892) eine aggressive Machtpolitik. Er verheiratete seinen Sohn Philipp mit seiner Nichte, Prinzessin Lara von Liez, der Tochter König Arrigos III. Nachdem dieser 912 gestorben war, ohne einen männlichen Thronfolger zu hinterlassen, erhob Martin I. als Schwiegervater der ältesten Tochter Arrigos Anspruch auf den alkonischen Thron. Gleichzeitig übernahm ein Neffe Arrigos III. als Arrigo IV. die Herrschaft im christlichen Süden. Martin entschloss sich daraufhin zu einem Feldzug nach Süden. Das 907 unter Armondo II. wiedervereinigte Sarmaienreich, wurde 915 geschlagen und musste die Oberherrschaft Martins anerkennen (Vertrag von Tantallas). Mit sarmayischen Truppen führte dieser seine Eroberungskriege seit 916 gegen den alconischen König Arrigo IV. fort. Martin nannte sich nun „Rex Sagradiae“ und besiegte 922 in der Schlacht von Pergía auch endgültig Arrigo IV. Im Vertrag von Vesaey 923 mussten Sarmay und Arrigo IV. offiziell die Herrschaft Martins des Eroberers über den gesamten christlich beherrschten Teil der sagradischen Halbinsel anerkennen. Damit gilt er als erster König des gesamten christlichen Sagradiens, auch wenn der Südosten noch immer in arabischer Hand blieb. Martin ernannte 930 seinen Sohn Philipp zum Mitherrscher, um seine Dynastie zu konsolidieren.
Sagradien im Hochmittelalter
Philipp der Große und die Zeit der Konsolidierung
Bereits vor dem Tod Martins I. kam es zu neuen Kriegen in Sagradien. Martins Sohn und Nachfolger Philipp I. der Große (933-969) konnte sich erst nach mehreren Kriegen wieder die Macht über ganz Sagradien sichern. Nach der Schlacht von Tantallas 938 war Philipp wieder allgemein anerkannt. 939 wurde Philipp im Noyarenser Dom zum König von Sagradien gesalbt. 942 erließ Philipp mit dem Codex Magnus ein einheitliches Recht für seinen gesamten Herrschaftsbereich. Im Innern baute Filipe die Infrastruktur aus, setzte die Erbmonarchie in der männlichen Linie durch, um zukünftige Erbteilungen zu verhindern, förderte Kunst, Wissenschaft und Literatur sowie den Bau von Königspfalzen, Klöstern und Kirchen und stärkte die Macht des Königs im Laufe seiner Regierungszeit noch mehr. Nach Außen setzte er die Eroberungskriege seines Vaters fort und zerschlug das Emirat von Duerez, übrig blieb nur das kleine numerische Königreich Malesc. Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 969 überließ er seinem Sohn und Nachfolger Albreth IV. dem Barmherzigen (969-980) eine gesicherte Königsherrschaft. Im 10. Jahrhundert entwickelte sich auch die Region zwischen Pin und Lieno zum Zentrum des Reiches.
Ausbau der Zentralmacht und Kämpfe um die Krone
Albreth IV., der sich besonders als Städtegründer (u.a. von Semess) hervortat, nahm die Grenzkriege seines Vorgängers gegen Perutinger und Golen wieder auf und konnte die Bretonen 971 endgültig befrieden. Im Innern aber zeigte er sich nicht in der Lage, die aufstrebende Macht der Herzöge einzudämmern, die nach Albreths Tod auch die Erbthronfolge anfochten. Martin II. der Gute (980-994), Bruder Albreths, musste nach Kämpfen gegen Arrigo von Bordez 984 den Reichsherzögen erweiterte Rechte zugestehen, band diese jedoch durch geschickte Heiratspolitik ans Reich. In der Bulle von Malesc setzte er 992 eine lehensrechtliche Bindung der Untervasallen an den König durch und verminderte dadurch die Chance der Herzöge zu bewaffneten Aufständen gegen die Zentralgewalt. Philipp II. der Katholische (996-1019) erreichte 999 mit der Eroberung von Malesc den Abschluss der Numererkriege, die später auch als sagradische Reconquista bezeichnet wurden. Unter seinen Nachfolgern Philipp III. (1019-1042) und Roderich III. dem Kurzen (1042-1069) begann der rasche Machtverfall der skantischen Könige im sagradischen Regnum und der Adel wurde zunehmend stärker. Während sich Filipe III. und Rodrigo III. immer wieder mit den Machtansprüchen Don Joáns, des Bruders Filipes III., (1026-1029 Gegenkönig Filipes, 1042-1048 Regentschaft für Rodrigo, Ermordung Rodrigos 1069, 1069-1071 Kanzler Martins III.) auseinandersetzen mussten, wurde dieser 1072 von seinem Neffen, König Martin III. dem Frommen (1069-1078), hingerichtet. Martin tat sich besonders als Förderer des Klostertums hervor und verbrachte große Zeit in den Klöstern Martinez, Meném und Casterley (daher auch der Spitzname „Mönch mit Krone“). Die Regierungsgeschäfte überließ er weitgehend den Erzbischöfen António de Martinez und Carles von Noyar. Im Edikt von Meném von 1075 wurden die letzten Moslems christianisiert oder gewaltsam aus dem Land vertrieben.
Sagradien unter den ersten Diannidenkönigen
Im Kampf um die Nachfolge Martins III. kam es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen, in denen sich Johann I. von Cliêce (1078-1094), Herzog von Alconía und Schwager Martins III., mithilfe der Kirche gegen Rodrigo I. dem Langen von Scantia, den mächtigsten der Vasallen, durchsetzen konnte. Der Dualismus zwischen dem neuen Königshaus der Dianniden und den skantischen Herzögen aus dem Geschlecht der Lusoniden sollte sich aber noch lange hinziehen. Johann unterstützte zunächst im Investiturstreit Papst Gregor gegen den deutschen Kaiser Heinrich IV. und erneuerte die Schutzverträge mit dem Kirchenstaat, fiel später jedoch selbst in Streit mit dem Reformpapsttum und stand seit 1091 unter Kirchenbann. Herzog Martin der Kühne von Scantia nutzte dies, um wiederum einen Krieg gegen Johann zu beginnen, in dem Johann 1094 ermordet wurde. Sein Sohn und legitimer Nachfolger Johann II. der Löwe (1094-1121) musste den Krieg gegen Martin den Kühnen von Scantia fortführen. Nach Johanns Sieg 1095 wurde Martin festgenommen. Johann II. nahm 1096-1099 auf dem Ersten Kreuzzug teil und versöhnte sich dadurch wieder mit Rom. Martin von Scantia aber nutzte die Gelegenheit, um sich zu befreien und die Herrschaft an sich zu reißen. Als Johann 1100 zurückkehrte, kam es zur zwischenzeitlichen Versöhnung zwischen Martin dem Kühnen und König Johann II. Martin kehrte nach Scantia zurück.
Nach dem Tod des letzten peruzinischen Königs Jouan dem Kurzen, der nur eine Tochter zurückließ, erhob Martin der Kühne für seine dritte Frau Berta von Perucía Anspruch auf die Krone des nordmikolinischen Reiches. Dafür startete er eigenmächtig einen Feldzug nach Perucía und ließ sich 1101 in Alessa zum König ausrufen. Mit dem Ersten peruzinischen Erbfolgekrieg 1101-1112 begründete Martin der Kühne das mächtige lusonidische Reich um die Krone Perucías und die Ländereien der skantischen Herzöge in Sagradien. Dennoch half Johanns große Reichsreform von 1102, die Macht der Herzöge einzudämmen. Sein Sohn Antonio I. der Starke (1121-1132) musste seine Herrschaft gegen keine Gegenkönige mehr sichern und konnte das Diannidenkönigtum behaupten und sichern, führte allerdings mehrere erfolglose Kriege mit Frankreich um die Erweiterung der sagradischen Besitzungen in der Bretagne.
Lusonidenkriege und Eroberung Golens und Perucías
Nach dem Tod Antonios I., der ohne männlichen Erben blieb, wurde sein Schwiegersohn Jakob von Sacâu (Jakob I. der Kühne, 1132-1165) König, der die Kriege gegen die Lusoniden wieder aufnehmen musste. Es gelang ihm aber nicht, die Macht der Skanten zu brechen. Nach dem Tod Armonts III. von Golen erhob Jakob als Schwiegervater einer Tochter Armonts Anspruch auf die Krone, ebenso wie der mikolinische König, was zum Krieg beider Mächte um Golen führte, in dem Jakob 1165 fiel, den sein Sohn Gabriel I. Juvans (1165-1198) aber erfolgreich zuende führen konnte und daraufhin als erster König Golen mit Sagradien vereinigte. Gabriel Juvans gelang danach ein Durchbruch im Machtkampf mit den Lusonidenherrschern, die Gabriels Oberherrschaft in Sagradien anerkennen und den Großteil ihrer Besitzungen in Sagradien inklusive des Herzogtums Scantia abtreten mussten. Gabriel, seineszeichens ein großer Förderer von Kunst und Kultur, baute zudem das Kirchensystem aus, stärkte die Königsgewalt und nahm am Dritten Kreuzzug teil. Er gilt als bedeutendster sagradischer König des Hochmittelalters und wurde 1537 heilig gesprochen.
Gabriel II. (1201-1220) führte Krieg gegen den abtrünnigen Südbund (Liez, Corar, Sur Pinia) und zwang ihn unter die Krone. Unter Philipp IV. Hermes (1233-1261) endete nach dem Tod Martin Posthumus’ 1249 die Herrschaft der Lusoniden in Perucía und Philipp der Schweigsame von Redanior setzte sich mithilfe des sagradischen Königs gegen den unehelichen Sohn Martins, Renart von Soria durch, der in der Schlacht von Porinéi 1255 vernichtend geschlagen wurde. Philipp von Redanior wurde König von Perucía und erkannte die Oberherrschaft Sagradiens über sein Territorium an.
Sagradien im Spätmittelalter
Redanior-Königtum und Union von Alagua
Nach dem frühen Tod König Philipps V. des Klugen (1261-1264), der 1263 erstmals die Stände einberief, um seine Nachfolge zu regeln, gelangte mit seinem zwölfjährigen Neffen König Martin IV. Felix (1264-1289) das Haus Redanior auf den sagradischen Thron, der 1275 die Herrschaft über Perucía mit der sagradischen Krone vereinte. Seine Nachfolger Robert I. (1289-1292) und Philipp VI. der Gerechte (1292-1301) mussten 1290-1313 Aufstände der Peruzinischen Stände niederschlagen, die sich im Bund von Alessa gegen die sagradische Herrschaft vereint hatten.
Mit Serge I. von Gerón bestieg das Haus Redanior 1315 in einer jüngeren Linie den mikolinischen Thron, während in Sagradien seit 1301 Serges Onkel Jakob II. (1301-1320) herrschte, der 1301 seinen Neffen Martin V. den Wahnsinnigen (1301) entmachtet hatte. Als dieser 1320 jedoch starb, wurde Serge I. von Mikolinien nächster Anwärter auf den Thron. Gegen den in Mikolinien weilenden Monarchen usurpierte in Sagradien jedoch Danadier I. (1320-1321) von Scola den Thron und ließ sich von den Ständen anerkennen, die eine Union mit Mikolinien fürchteten. Als Serge im Jahr 1321 in Sagradien einfiel, um seinen legitimen Thronanspruch durchzusetzen, besiegte und tötete er jedoch Danadier in der Schlacht bei Alágua und bestieg als Sergius I. (1321-1354, der Große) selbst den Thron. Er vereinte damit als erster König die mikolinische und die sagradische Krone unter seiner Herrschaft und beendete die seit Jahrhunderten herrschenden Kriege (Pax Sergiana). Innenpolitisch gelang es ihm die Macht des Herrschers in beiden Reichsteilen zu stärken und die Doppelmonarchie zu einer wirtschaftlichen und politischen Hochblüte zu bringen. Er führte in beiden Teilreichen zentrale Rechnungshöfe ein, erhöhte die Steuern und zog das Vermögen des mächtigen, 1345 verbotenen Fallenserordens in SüdMikolinien ein. Ihm folgten Sergius II. (1354-1378) und Gabriel IV. (1378-1395) nach, welcher 1386/1387 in einem Aufstand gegen seine sagrophile Herrschaft die mikolinische Krone an Charl de Interea verlor und ohne Erben blieb.
Fünfzigjähriger Krieg
Bereits vor dem Tod Gabriels kam es zwischen den potenziellen Thronfolgern Miquel de Vesaey und José de Óstino zum „Krieg der Herzöge“, aus dem mit mikolinischer Unterstützung (Vertrag von Nantés) José de Óstino als Sieger hervorging, der nach Gabriels Tod 1395 als Joseph III. (1395-1396) den Thron bestieg. Er wurde allerdings bereits 1396 von seinem Gegenkönig Michael I. de Vesaey (1396-1421) bei Xenópolis besiegt und ins Kloster Martiniac verbannt, während Charl VI. von Mikolinien in Perucía einfiel und den Fünfzigjährigen Krieg zwischen Sagradien und Mikolinien auslöste. Von der Alberenser Union als König von Perucía anerkannt, hielt er als Schwager Johanns von Ostino an dessen Königtum fest und bestritt die Legitimität Miquel de Vesaeys. Zwischenzeitig erhob Karl sogar als Schwager des 1398 verstorbenen José selbst Anspruch auf den sagradischen Thron und berief sich auf die Bulle von Servette und die darin festgelegte Unteilbarkeit des Reiches. In dem ein halbes Jahrhundert andauernden Krieg kämpften seit 1398 die unabhängige Tulinesische Republik sowie zeitweise auch Servette auf sagradischer Seite, während sich Mikolinien mit den Häusern Ostino und Esqués verbündete. In Perucía wurde der Kampf der mikolinisch-freundlichen Union mit den Anti-Karlisten in Form eines blutigen Bürgerkriegs ausgefochten.
Nach anfänglichen schweren Niederlagen Sagradiens (Abfall Álberos und Montanas 1409, offener Aufstand in Westligre 1417, Belagerung Geróns 1420) übernahm 1420 der königliche Prinz Don António, zweiter Sohn Miquels I., den Oberbefehl über die sagradischen Heere. Nach dem Tod Miquels I. in der Schlacht von Valés konnte Don António Siege bei Gerón, Sancristo und Alágua feiern und dadurch einen mikolinischen Sieg vereiteln. Er starb 1424 an einer Lungenentzündung. König Michael II. (1421-1457) gelang es mit der Unterstützung tulinesischer Truppen unter Luis Filipe von Santori und besonders mithilfe der tulinesischen Flotte unter Conte David von Santori, Mikolinien empfindliche Niederlagen zuzusetzen. So schlug er in einer sagradischen Offensive seit 1427 das mikolinische Heer bei Cania und konnte 1431 die Stadt Bosa erfolgreich verteidigen. Nach dem endgültigen Abfall Contes im Jahr 1432 konnten beide Seiten keine entscheidenden Siege mehr verbuchen, sodass die Kämpfe 1439 weitgehend eingestellt wurden.
Die Großmacht Sagradien unter den Santori
Aufstieg zur Großmacht
Nach dem Friedensschluss zwischen Mikolinien und Sagradien im Frieden von Tesqué 1443, in welchem die endgültige Trennung beider Kronen vorgeschrieben und die Grenzen vereinbart wurden, die in groben Zügen bis heute gültig sind (so genannte ‚Medéolinie’), hinterließ Michael II. eine gefestigte Krone, wobei sich der Verlust des ständigen Unruheherds Perucía an Mikolinien langfristig zugunsten der königlichen Macht auswirkte. Mit dem Tod Miquels II. 1457 starb das Haus Vesaey aus und die Königskrone fiel an das tulinesische Regentenhaus Santori. Für den bei Amtsantritt erst acht-jährigen Thronfolger Jakob III. (1457-1491), Enkel von Miquel I., herrschte bis 1468 sein Vater Conte David de Santori, Herzog von Golen. Dieser baute die Hausmacht der Santori aus und verknüpfte die Stärke Sagradiens eng mit der der Santori und dem Comitat Tulis. Sein Sohn Jakob eroberte 1475 das abtrünnige Tulis und verleibte die Comitat-Republik endgültig dem Königreich ein. In drei Kriegen gegen Mikolinien (1477-1479, 1492-1497, 1505/06), konnte sich Sagradien das Servettinische Erbe in SüdMikolinien sichern und etablierte so seine Herrschaft im Süden und Osten der mikolinischen Halbinsel. Außerdem wurde das seit 1494 mikolinisch besetzte Golen bis 1499 zurückerobert und als sagradisches Kronland verteidigt. Diese Entwicklung des Machtgewinns nahm unter König Jakob IV. (1491-1502) ihren weiteren Lauf. Thronfolgeauseinandersetzungen innerhalb des Hauses Santori, die 1502 zwischen Peter I. (1502-1509) und seiner Nichte Catarina de Sántori zur gewaltsamen Eskalation führten (Lilienkriege), wurden 1509 mit dem Regierungsantritt Davids I. (1509-1543) beigelegt, der zum politisch wichtigsten Monarchen Sagradiens im 16. Jahrhundert wurde und das so genannte "Große Zeitalter" in der sagradischen Geschichte einleutete.
Renaissancekönigtum und Weltmachtpolitik
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Sagradien zur europäischen Großmacht aufgestiegen und das Königshaus Santori verfügte als Resultat geschickter Heiratspolitik über Herrschaftsgebiete in Mikolinien, den Niederlanden und in Norditalien. Die Besitzungen in Flandern musste David I. 1519-1524 gegen die Habsburger verteidigen, ebenso wie das portugiesische Erbe, das ihm nach dem Tod Manuels I. 1521 durch die Ehe mit dessen Tochter Luisa von Portugal zufiel (Sagradisch-Portugiesische Union). Nach dem Sieg über die Habsburger vereinte David als erster und einziger Monarch die Kronen Sagradiens und Portugals und herrschte über ein Weltreich mit hegemonialem Anspruch in Europa. Zu den portugiesischen Kolonialbesitzungen kamen neue unter sagradischer Flagge eroberte Gebiete in Übersee, vor allem in Afrika und Amerika, die den Entdeckungen der Seefahrer Santo Aziz, Nuno Guavo, Selle Inoza, Carles Diaz und Joán Caballes (eigentlich Giovanni Caballi) zu verdanken waren und die teilweise auf dem von tulinesischen Seefahrern bereits im 15. Jahrhundert gegründete Handelsnetz mit Afrika aufbauten. Während in Afrika und Asien vor allem Handelsstützpunkte gegründet wurden, errichtete Sagradien in Nord- und Südamerika als Flächenkolonien die Vizekönigreiche Nova Sagradia und Guiana.
Daneben förderte David Kunst, Kultur, Handel und Wissenschaft. Nachdem bereits Jakob III. italienische Künstler und Gelehrte an seinen Hof geholt hatte, darunter die Humanisten Ercule Schiatti, Geert van Stael und Franziskus Aurelianus, wurde der Königshof in Tulis unter David I. zum Hauptknotenpunkt der westeuropäischen Renaissancekultur. Er setzte sich mit der Reformatio Davidi für eine Reform der katholischen Kirche ein, begründete die von Rom weitgehend unabhängige "sagrikanische" Nationalkirche und betätigte sich als Kunstmäzen. Das Zeitalter Davids I. markiert daher zugleich die größte politische Blüte der sagradischen Geschichte als auch den Beginn des so genannten „Großen Zeitalters“ ("la Gran'Etá") der sagradischen Geschichte, das bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts andauern sollte und wegweisende Werke der Malerei, Bildhauerei, Architektur und Literatur hervorbrachte.
Monarchen des Goldenen Jahrhunderts: Von Johanna I. bis Gabriel V.
Der Tod Davids I. 1543 führte zur Teilung des Weltreichs zwischen Davids Tochter Johanna I. (1543-1575) und Davids Bruder Johann dem Frommen. Johanna und ihr Ehemann Michael III. (1543-1552) erhielten das Königreich Sagradien samt Überseebesitz, das Comitat Tulis und die Servettinischen Lande, Johann erbte Portugal und das zugehörige Kolonialreich der iberischen Seefahrernation. Die Santori teilten sich damit wieder in zwei Familienzweige. Unter Johanna I. wurde das mittelsagradische Semess zur dauerhaften Königsresidenz und zur Hauptstadt des Landes ausgebaut. Der 1552 in Tulis ausgebrochene Josephitenaufstand gegen die Union mit Sagradien wurde 1556 endgültig niedergeschlagen. Das Aussterben der portugiesischen Linie des Hauses im Jahr 1578 führte 1580 schließlich zum Erbfolgekrieg um Portugal, in dem die Santori das Land an die spanischen Habsburger verloren. Dennoch konnte Sagradien seine Hegemonie über die Konsettenhalbinsel aufrechterhalten. Das Kolonialreich in Übersee wurde überdies weiter ausgebaut und erreichte im frühen 17. Jahrhundert eine Blütephase.
Die Reformation führte erst in ihrer calvinistischen Form und auch nur in Teilen Sagradiens, vornehmlich im Nordosten zu Resonanz und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer Reihe von religiösen Konflikten, die eng mit politischen Auseinandersetzungen und Machtfragen verbunden waren. Nachdem Königin Johanna und - unter dem Einfluss seiner protestantisch erzogenen Frau Luise von Bourbon - ihr Sohn und Nachfolger Philipp VII. Jakob (1575-1591) eine auf religiöse Toleranz zielende Politik betrieben und damit starke Konflikte mit der ultrakatholischen Partei provoziert hatten, setzte der seit den 1580er Jahren amtierende leitende Minister Joán María de Belavís die Gegenreformation in Sagradien zu einem Erfolg. König Gabriel V. (1591-1640), der einen prächtigen Hof hielt und als großer Förderer der Künste galt, setzte nach dem Tode Belavis’ 1602 dessen Zentralisierungs- und Machtpolitik im Inneren fort und restaurierte zudem durch geschickte Haushalts- und Wirtschaftspolitik (Ansätze eines merkantilistischen Wirtschaftssystems) die durch königliche Repräsentation und militärischen Auseinandersetzungen angeschlagenen Staatsfinanzen. Im Ligrischen Krieg 1620-1624 gegen den Nachbarn Mikolinien erreichte Sagradien noch einmal eine Bestätigung seiner Besitztümer auf der mikolinischen Halbinsel. Gabriels Tod im Jahr 1640 wird allgemein als Schlusspunkt der politischen Blütephase Sagradiens und als Auftakt zu einem lang anhaltenden Niedergang angesehen.
Die Krise der Großmacht
Die elfjährige Regierungszeit Gabriels VI. (1640-1651) war von Hofintrigen und Fremdeinflüssen geprägt (u.a. durch seine Tante Maria Charlotte von Sagradien, die Regentin Mikoliniens, später von verschiedenen Mätressen wie Antonia de Casterley oder Francisca de Simonis) und gilt als Wendepunkt in der sagradischen Geschichte. Sagradiens unglückliche Intervention im Dreißigjährigen Krieg und der für das Königreich enttäuschende Westfälische Frieden von 1648, markieren den relativen Abstieg und den Anfang vom Ende der sagradischen Großmachtstellung in Europa.
Es folgten wechselnde außenpolitische Erfolge und Misserfolge. Zwar konnte der Besitz Golens im Asumarischen Krieg von 1657-1669 gegen Mikolinien gesichert werden, die Unterstützung Ludwigs XIV. bei dessen Krieg gegen Holland und der zeitgleich geführte Spanisch-Sagradische Seekrieg führten zu einer Schwächung Sagradiens und zu einem Verlust mehrerer Kolonien in Übersee. Auch die Beteiligung am Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dem Sagradien nun gegen Ludwig XIV. kämpfte, brachte nicht die erwünschten Erfolge, welche die Großmachtstellung Sagradiens wiederhergestellt hätten.
Innenpolitisch vermochte es Gabriel VII. (1654-1698) jedoch mit Hilfe seines Ersten Ministers Kardinal Bernabêu die Macht des Königs zu konsolidieren und punktuell zu stärken, auch wenn er den Einfluss der Stände nicht gänzlich zurückdrängen konnte. Obgleich die Macht der sagradischen Krone im Innern unter Gabriel VII. nochmals einen Höhepunkt erlebte, legte v.a. die ausschweifende Repräsentationspolitik und die kostspielige Hofhaltung des Königs im neu erbauten Schloss Bernabêu, die nach dem Ableben jenes besonnenen Staatsmannes und Kardinals keinerlei Eindämmung mehr fand, die Grundsteine für den Staatsbankrott und die sich daraus ergebende Krise des frühen 18. Jahrhunderts. Auch barg das gesteigerte Machstreben der Santori-Valier-Dynastie des späten 17. Jahrhunderts den Grundstein für die harten Auseinandersetzungen mit den Ständen um die Rolle von Krone, Adel und Ständen im sagradischen Gemeinwesen, die unter seinen Nachfolgern zum Krieg führen sollten.
Sagradien im 18. Jahrhundert: Bürgerkrieg und Ständemacht
Aufstände und Bürgerkrieg
Trotz des offensichtlichen Geldmangels und der zerrütteten Haushaltslage verstärkte der absolutistisch gesinnte König Danadier II. (1698-1721), spöttisch der ‚Schattenkönig’ genannt in Anlehnung an sein großes Vorbild Ludwig XIV. von Frankreich, die höfische Repräsentation noch mehr und provozierte die Gegnerschaft sowohl des aus zahlreichen Machtpositionen gedrängten Adels als auch des Volkes. Er versuchte, die aufkeimende Opposition im Hochadel durch eine autokratische Führung zu unterdrücken. Seit 1701 unterstützte der König zudem gegen den Willen der Stände Frankreich im Spanischen Erbfolgekrieg und belastete dadurch die Finanzen noch mehr. Die finanziellen und sozialen Missstände führten seit 1708 zu einer ernsten politischen Krise und zu zwei größeren Aufständen (1708 und 1711), die blutig niedergeschlagen wurden.
Die Auflösung der Ständeversammlung, die dem König weitere Kriegskredite verweigert hatte, sowie die für Sagradien problematischen Friedensschlüsse von Cresq 1712 und von Utrecht 1713, in denen die Santori-Monarchie Feiroa und einige Festungen in Lukien an Mikolinien und die Hafenstadt La Cripón sowie die Insel Cereza an Großbritannien abtreten musste, führten schließlich 1713 zum Ausbruch des Sagradischen Bürgerkriegs (Sagradischer Koalitionskrieg), in dem eine ständische Adelskoalition (Coalicionarioes) unter Führung der Herzöge von Sesín und Alconía gegen die königlichen Truppen und die kronloyalen Adelshäuser (Reales) kämpfte. Die Gefangennahme Danadiers II. 1718 und der Übergang zu einer gemeinsamen Regierung aus Ständen und König unter dem Regime der Codices Magna Libertatum führten nur zu einem vorläufigen Ende der Kampfhandlungen, diese wurden vielmehr 1719-21 in Form von royalistischen Aufständen fortgeführt. Außerdem suchte Mikolinien im Krieg von 1718-20 Südkont, Westligrien und Lukien einzunehmen. Der Friede von Guillard 1720 beendete schließlich die Kampfhandlungen und bedeutete den Verlust großer Teile Südkonts an Mikolinien, während der Großteil Lukiens jedoch gehalten werden konnte. Die soziale Notlage und die ständigen Unruhen führten zu einer hohen Verunsicherung der Bevölkerung sowie zu einer Radikalisierung der Parteien.
Interregnum und Erste Republik
Infolge royalistischer Aufstände und Umsturzversuche floh König Danadier II. im Februar 1721, übergab seine Thronrechte an seinen Bruder Philipp Karl von Viça und wurde schließlich durch die Generalstände im Generalakt vom 20. Februar 1721 für abgesetzt erklärt. Die folgende absolute Ständeherrschaft wirkte als Katalysator der Parteikämpfe und der Unzufriedenheit in den niederen Schichten. Die Erstürmung des Plazarenya-Palasts am 23. Mai 1721 gab schließlich das Signal für den radikalen Maiaufstand 1721, in dessen Folge der niederadlige Simón Bernord die Erste Sagradische Republik ausrief und an der Spitze eines regierenden Rates der Sieben die Macht in der Haupstadt sowie im Umland von Semess übernahm. Im Juni 1721 kam es einigen Großstädten zur Gründung von radikalen bürgerlichen Tochterräten, im Juli folgte der Ausbruch eines großen Bauernaufstandes, der den ganzen Süden des Landes in Anarchie versetzte. Erst im Herbst 1721 konnte ein gemeinsames Heer aus Royalisten und ständischen Koalitionstruppen die Hauptstadt einnehmen und die Herrschaft Bernords beenden.
Die erneut zusammengetretenen Generalstände beriefen mit dem Generalrat ein vorläufiges Regierungskomitee. Der Rat stellte neue verfassungsähnliche Gesetze auf, die das Land wieder dezentralisieren und den Einfluss der Cortes vermehren sollten. Im Herbst 1722 stellte Peters jüngerer Bruder Philipp Karl von Viça, der sich selbst als legitimen König sah, in Frankreich ein Heer zusammen, fiel in der Bretagne ein und konnte bis nach Lojandía vordringen. Die Cortes machten sich indes daran, einen neuen König zu erwählen. Es kam zu hitzigen Diskussionen um Erbansprüche und Legitimität. Schließlich fanden Anhänger eines starken Parlaments und einer Wahlmonarchie und Legitimisten einen Kompromiss. Danadiers Bruder Filipe Carles wurde von der Thronfolge ausgeschlossen und der Übergang der Herrschaftsrechte an die Töchter Danadiers II. festgelegt.
Königtum Marias I. und Johanns III.
In der Folge wurde María Luísa de Sántori als Maria I. (1723-1735) zur Königin erhoben. Nach ihrer Hochzeit mit Prinz Johann III. Franz von Cuentez (1723-1749), aus einer Seitenlinie der Sántori, bestieg das Paar 1723 gemeinsam den Thron, musste aber seine Treue auf die Codices Magna schwören, die zum neuen Grundgesetz der Monarchie werden sollten. Damit hatte Sagradien nach zweijährigem Interregnum wieder ein Monarchenpaar, doch die Stände hatten enorm an Macht gewonnen. Johann Franz und Maria regierten in den Folgejahren unter Zustimmung der Generalstände in einer Art konstitutioneller Monarchie, wobei im Laufe der Regentschaft die Macht des Königs gegenüber der der Stände wieder zunehmend ausgebaut werden konnte. Außenpolitisch lehnten sich Johann und Maria enger an England an. Unter ihrer Regentschaft blühten v.a. die Kultur und Philosophie der Aufklärung, die von Frankreich und England nach Sagradien gebracht worden war.
Nach dem Tod Marias I. 1735 regierte Johann III. unter Zustimmung der Stände alleine weiter. Der Akt von Vierna erklärte schließlich die Herrscherwürden des Königreichs Sagradien und des Fürstentums Cuentez für unteilbar. Nach dem Eintritt Sagradiens in den Österreichischen Erbfolgekrieg kam es zum offenen Krieg mit Frankreich, das sich auf Kosten Sagradiens Gebietsgewinne erhofft. Diese Hoffnungen blieben freilich unerfüllt.
Sagradischer Erbfolgekrieg und Beginn der Vienne-Dynastie in Sagradien
Nach dem Tod Johanns III. 1749 wurde sein minderjähriger Sohn David II. (1749-1754) König, starb aber bereits mit neun Jahren. Mit dem Aussterben der Sántori in der männlichen Linie, geriet das Land in eine ernste Nachfolgekrise. Die Regierung seiner Schwester Maria II. Franziska (1754-1757) und ihres Mannes António Ramón de Piacón führte zum Erbfolgekrieg (1756-1760) gegen den Kandidaten Frankreichs Louis-Gabriel de Vienne, der schließlich seit 1757 als Gabriel VIII. (1757-1792) regierte und die Dynastie der Vienne-Könige begründete. Mit dem Friede von Alagua 1760 endete die Großmachtstellung Sagradiens endgültig und Sagradien verlor nicht nur die Servettinischen Lande, sondern auch die Grafschaft Plato mit ganz Lukien an Mikolinien.
Von seinem leitenden Minister, Graf Armand de Calogny (1759-1765), unterstützt, machte sich Gabriel zum Ziel, die Herrschaft der Krone wieder zu stärken und die Macht der Stände in ihre vorrepublikanischen Schranken zu verweisen. Nachdem er noch bei Antritt seiner Regentschaft die Codices Magna bestätigt hatte, setzte er sie 1765 in der Lex Generalis teilweise wieder außer Kraft und dämmte damit die Macht der Generalstände deutlich ein. Außenpolitisch kehrte der Monarch dem Anglismus Lukanischer Prägung den Rücken und lehnte sich wieder mehr an das absolutistische Frankreich an. Als erster europäischer Staat erkannte Sagradien unter Gabriel VIII. die Unabhängigkeit der 13 Kolonien Neuenglands an und unterstützte diese seit 1779 an der Seite Frankreichs im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Unter Gabriels Sohn und Nachfolger Joseph Ludwig I. (1792-1797) und seinem Ersten Minister Frederic de Calzac beteiligte sich Sagradien seit 1792 an den Koalitionskriegen gegen das republikanische Frankreich. In den Kriegen ging die Westbretagne sowie der Nordteil Amorias, wo zuvor die Amorische Republik ausgerufen worden war, an Frankreich verloren, das die neuen Departements Lesker, Kérec, Haut-Ligre und Côte du Cripon der Französischen Republik anschloss. Die kurzlebige Ligrische Republik am Unterlauf des Ligre konnte dagegen niedergeschlagen werden.
Sagradien im 19. Jahrhundert
Napoleonische Fremdherrschaft, Befreiungskrieg und Novemberrevolution
Nach der kurzen Regierungzeit Joseph Ludwigs folgte ihm 1797 sein erst siebenjähriger Enkel Gabriel IX. als König nach, für den sein Onkel Karl Joseph Ludwig von Alconía die Regentschaft ausübte. Nach verlorenem Krieg gegen das napoleonische Frankreich zwang der Kaiser der Franzosen im Herbst 1805 den Regenten zur Abdankung. Unter Gabriels Mutter Marie Luise von Parma wurden in der Folge liberale Reformen durchgeführt, jedoch war Sagradien politisch von Napoléon abhängig, der weiterhin Besatzungstruppen in Sagradien hielt. Gabriel IX., seit 1808 selbst regierend, lehnte sich noch stärker an Frankreich an, ließ eine Verfassung ausarbeiten und heiratete 1810 Napoleons Nichte Julie Bonaparte. Seine unpopuläre Herrschaft endete 1812 in seiner Ermordung, woraufhin es zum Winterkrieg 1812/13 zwischen französischen und anti-französischen Truppen kam.
Der aus Mikolinien dirigierte Widerstand erhielt rasch Zulauf und ein sagradisch-mikolinisch-britisches Heer siegte 1813 bei Colón gegen Napoléon. Julie Bonaparte musste schließlich zusammen mit den napoleonischen Truppen das Land verlassen, der frühere Regent kehrte nach Sagradien zurück und bestieg als Joseph Ludwig II. den sagradischen Thron. Dieser erkannte die von den Cortes von Diegue ausgearbeitete liberale Verfassung von 1812 nicht an und machte sich an eine absolutistisch gesinnte Restauration des Königtums der vornapoleonischen Ära (Cuartêniu Absoluta). Als Folge daraus formierte sich ein neuerlicher Widerstand im sagradischen Adel und im Bürgertum und es kam zur liberalen Novemberrevolution 1817, in deren Folge José Luis II. die liberale Novemberverfassung erlassen musste, die sich weitgehend am Entwurf der Cortes orientierte.
Restauration und Revolution
Auf dem Wiener Kongress musste Sagradien auf die gesamten Gebiete auf der mikolinischen Halbinsel sowie auf den größten Teil Golens verzichten. Damit endete die seit Gründung der sagradischen Königreiche im Frühmittelalter anhaltende sagradische Präsenz jenseits der Konsetten. 1817 besetzte Mikolinien zudem die noch bei Sagradien verbliebenen Gebiete, woraufhin König Joseph Ludwig II. in zwei großen Golenkriegen (1819-1825 u. 1827-1829) versuchte, die verlorenen Gebiete in Golen und Mikolinien zurückzuerobern. Im Frieden von Diegue 1829 musste Sagradien schließlich einer Teilung Golens zustimmen. Innenpolitisch versuchte Joseph Ludwig den Ausgleich zwischen den zerstrittenen ultrakonservativen und liberalen Kräften zu erreichen, begann seit Mitte der Zwanziger Jahre aber unter Druck der ultraroyalistischen Kräfte, die Novemberverfassung von 1817 und die Rechte des Parlamentes kontinuierlich einzuschränken. Nach seinem Tod 1829 wurde sein Bruder Emil I. Johann von Viena (1829-1849) König. Emilio – überzeugter Parteigänger der ultrakonservativen Partei - regierte reaktionär und antiliberal und restaurierte die absolutistische Monarchie, indem er die von seinem Vorgänger oktroyierte Verfassung im Jahr 1832 außer Kraft setzte und fortan ohne konstitutionelle Einschränkungen herrschte (Emilianische Restauration). Die Folgen der Wirtschaftskrise der Jahre 1846/1847, in der zahlreiche Bauern und Arbeiter an den Rand des Existenzverlustes gerieten, und die strikte Weigerung des Königs zu sozialen und politischen Reformen führten im April 1848 zu einer Reihe heftiger von Arbeitern und Bürgern getragener Aufstände (Aprilrevolution) gegen die restaurative Politik des Königs und seines reaktionären Kronkanzlers, des Grafen von Lesta. Als die Lage im Jahr 1849 erneut eskalierte, dankte Emilio Joán ab und übergab die Regentschaft an seinen Sohn Lucién I. (1849-1871), der die die "Decada del Terror" beendete, die liberale Novemberverfassung von 1817 mit Gewaltenteilung und Zensuswahlrecht wiedereinführte und die Situation dadurch beruhigen konnte.
"Era Liberal" und Montevilismus
Infolge der Aprilrevolution und nach dem überragenden Wahlerfolg der liberalen Konstitutionalisten bei den Wahlen 1855 setzte König Lucién den liberalkonservativen Realpolitiker Jacquel de Montevil (1855-1857 u. 1861-1873) als Kronkanzler ein, nahm ab 1862 aus Krankheitsgründen fast gar nicht mehr aktiv an den Staatsgeschäften teil und stand seit 1867 unter der Regentschaft seines jüngeren Bruders Prinz Philipp Emilian. Unter der Regierung Montevil festigte sich Sagradiens konstitutionelle Monarchie und es begann die so genannte „Liberale Ära“, auch „Epoche des Montivilismus“ genannt.
Außenpolitisch vertrat der Regierungschef einen konservativen Kurs, der auf der internationalen Isolierung Frankreichs beruhte und im gewonnenen Sagro-Französischen Krieg (1860/61) seinen Ausdruck fand. Die Konfrontation mit Napoleon III. wurde durch Anlehnung an England und Mikolinien ausgeglichen. Innenpolitisch konnte Montevil zahlreiche liberale Reformen durchsetzen. Er revolutionierte das Heereswesen sowie das Bildungssystem, führte neue Steuergesetze ein und drängte den Einfluss der katholischen Kirche zurück. Getragen wurde die Regierung durch die säkular-konstitutionelle Liberale Partei im Parlament, während konservativ-katholische Kreise der Regierung kritisch gegenüberstanden.
Nach dem Tod Luciéns im Jahr 1871 geriet Montevil immer mehr in Gegensatz zum neuen reaktionär eingestellten König Philipp VIII. (1871-1891). Mit der Demission Montevils 1873 endete die "liberale Ära" in Sagradien und wurde durch eine Phase konservativer Vorherrschaft ersetzt, in der die angeschobene konstitutionelle Entwicklung angehalten und umgekehrt werden sollte. Nacheinander versuchten mehrere konservative Regierungen, die Reformen der Ära Montevil zu revidieren. Zwar hielt sich der König weitestgehend an die Verfassung, schwächte diese aber, indem er Regierungen seines Vertrauens ernannte, immer wieder sein verfassungsmäßiges Vetorecht in wichtigen Reformgesetzesvorhaben einlegte oder das Parlament durch vorzeitige Auflösung zu disziplinieren suchte.
Besonders energisch verfolgte der Monarch eine auf Machtgewinn ausgerichtete Kolonialpolitik und führte das sagradische Kolonialreich zu einem Höhepunkt. Der 1884 erworbenen Kolonie Sagradisch-Somaliland (heute teil Somalias) folgten 1886 Ríu Ogué (das heutige Oguana) und 1889 Sagradisch-Madagaskar (Nordmadagaskar). Da die kolonialen Abenteuer aber nur schleppend vorangingen, geriet der Monarch nicht nur in Gegensatz zu den Antikolonialisten, sondern auch mit Teilen der nationalistischen Rechten, die eine noch intensivere Kolonialpolitik forderten. Wirtschaftspolitisch zielte Philipp gegen den Willen der Liberalen auf neue protektionistische Maßnahmen ab, um die einheimische Wirtschaft zu stärken. Gegen die aufstrebende Arbeiterbewegung wurde das Versammlungsrecht beschnitten.
Von der Monarchie zur Republik
Obwohl durch das Zensuswahlrecht und praktische Benachteiligungen weitgehend aus dem Parlament verdrängt, wuchs in den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die radikale Republikanische Partei Santo Cripón de la Moyas zu einer dynamischen Gegenkraft des monarchischen Autoritarismus voran, zumal sich die gemäßigt-liberalen Konstitutionalisten als unfähig erwiesen, dem königlichen Revisionismus Einhalt zu gebieten. Vielmehr musste die liberale Parlamentsmehrheit seit der Parlamentswahl 1884 zunehmend Rückschläge einstecken, wie vor allem in der Verfassungskrise 1887/88, in der der König offen gegen die bestehende Verfassung verstieß.
Der Versuch des Königs und seines leitenden Ministers, des Grafen von Montxerent, die Macht des Parlament vollends zu beschneiden, führte 1890 schließlich vor dem Hintergrund einer seit mehreren Monaten schwelenden schweren Wirtschaftskrise im Land zur Eskalation. Als Handwerker und Arbeiter gegen die vom König erzwungene Schließung von Nationalwerkstätten und Kürzung der Sozialleistungen auf die Barrikaden gingen, brachen in den letzten Dezembertagen 1890 zunächst in Semess, bald dann landesweite Aufstände gegen die amtierende Regierung aus. Mitgetragen wurden die Aufstände bald auch vom Bürgertum und teilweise sogar vom Adel, der eine Revolution als letzten Ausweg aus der politischen Bedeutungslosigkeit sah.
Nach anhaltenden Auseinandersetzungen im Januar sahen die Gegner des Königs die Stunde gekommen, den ungeliebten Monarchen loszuwerden. Aus Furcht vor einer sozialen Revolution schlossen sich Liberale, Republikaner und einige Konservative zu einer antimonarchischen Koalition zusammen. In der so genannten Januarrevolution 1891 erklärte die bürgerliche Abgeordnetenkammer in einer Sondersitzung mit deutlicher Mehrheit die amtierende Regierung für abgesetzt und setzte eigenmächtig eine provisorische Regierung ein. Neuwahlen zu einer "Nationalversammlung" wurden erstmals nach dem allgemeinen Männerwahlrecht abgehalten und endeten in einem deutlichen Sieg der revolutionären Kräfte. Noch in der Wahlnacht erklärte König Philipp VIII. seine Abdankung.
Sagradien in der Ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Hauptartikel: Zweite Sagradische Republik, Geschichte der Sagradischen Republik
Anfänge der Zweiten Republik
Nach Abdankung des Königs verweigerte das Parlament die Anerkennung des Thronfolgers und erklärte sich in der Juni-Proklamation zum Vertreter des Souveräns. Zwar existierte keine klare Mehrheit für die Republik, die von einer Mehrheit angestrebte parlamentarische Monarchie scheiterte aber an der Obstruktionshaltung der radikalen Monarchisten. Das provisorische Novemberstatut 1891 kam bereits ganz ohne königliche Befugnisse aus und besiegelte de facto den Übergang zur Republik.
Die Politik basierte auf einer Allianz der linksliberalen Radikalen mit einem Teil der reformfreudigen bürgerlichen Eliten und auf dem Ziel, eine soziale Radikalisierung der Revolution zu verhindern und die sozialrevolutionären Aufstände des Semestiner Revolutionsrates gegen die sich abzeichnende bürgerliche Republik niederzuschlagen. Mit fast diktatorischen Vollmachten ausgestattet, schlug der Kriegsminister Luis María del Castos die Aufstände nieder. Die 1892 in Kraft getretene republikanische Verfassung sah das allgemeine Mehrheitswahlrecht für Männer sowie eine starke Stellung des Einkammerparlaments vor, dem der Präsident und die Minister verantwortlich sein sollten. Zum ersten Präsidenten der Zweiten Republik wählte die Nationalversammlung den liberalen Abgeordneten Luis Cavaller.
Nach erfolgreicher Einführung der Republik zerfiel die republikanisch-liberale Parlamentskoalition bald in mehrere Teile. Die republikanische Bewegung wurde dadurch geschwächt. Dennoch erreichten die Republikaner bei der ersten Wahl zur gesetzgebenden Nationalversammlung 1892 eine Mehrheit. Eine politische Krise im Jahr 1894 führte schließlich zu einer konservativen Verfassungsrevision. Die Januarrevisionen 1895 stärkten die Macht des Staatspräsidenten, der künftig das Parlament auflösen konnte und sah die Einführung einer zweiten, nicht direkt gewählten Parlamentskammer, dem so genannten Rat der Republik vor.
Stärkste Kraft wurden bei den Wahlen 1895 die gemäßigt-republikanischen Moderatas, während die Radicales in die Opposition gingen. Ein letztlich gescheiterter antirepublikanischer Putschversuch im Jahr 1898 führte rasch zu einer Wiederannäherung der republikanischen Linken, die sich daran machten, die Republik durch Reformen abzusichern. Nach dem Sieg der Radikalen bei den Wahlen 1899 führte die streng laizistische Politik der liberal-radikalen Koalitionsregierung Salgado zu einem Erstarken und Zusammenrücken der politischen Rechten und zu einer Allianz der rechten katholischen Monarchisten mit den gemäßigten, eher konservativen Republikanern, die sich gegen den radikalen Laizismus der Linken aussprachen und die Polarisierung im „Schulkrieg“ nutzen konnten.
Phase der Rechtskoalition und Präsidentschaft Cardinal
Die neue Republik setzte in der Außenpolitik weitgehend auf eine Fortsetzung der imperialistischen Kolonialpolitik der alten Monarchie, wenn diese auch innerhalb der Radikalen Partei zunehmend kritisch betrachtet wurde. Im Innern setzte die radikal-liberale Regierung Salgado auf die klare Trennung von Staat und Kirche, verbot die Konfessionsschulen und schaffte den Religionsunterricht ab. Bei den Wahlen 1903 kam es zu einem deutlichen Sieg der als „Koalition der Moral“ vereinigten Rechten, in der jetzt die konservativen Republikaner unter Führung von Miquel Fernando Luisanto sowie die monarchistischen Nacional Renovadores um Daniel Lafontán gemeinsam Regierungsverantwortung übernahmen. Erstmals stützten nun auch Monarchisten eine republikanische Regierung, die der Republik mehr als ablehnend gegenüberstanden, eine Rückkehr zur Monarchie aber gegen die rechten Republikaner nicht durchsetzen konnten.
Vornehmliches Ziel der Rechtskoalition war es, die Reformen der Linken rückgängig zu machen. Die Konfessionsschulen wurden wiedereingeführt, die Klöster gestärkt und der Einfluss der katholischen Kirche enorm ausgebaut. Außenpolitisch wurde eine Politik der nationalen Stärke gefahren, in der sich Sagradien zunehmend isolierte. 1905 schied mit Luis Cavaller der erste Präsident der Republik aus dem Amt, der in 14 Jahren im Amt eine starke Stellung eingenommen und das Bild einer gemäßigt-bürgerlichen Republik maßgeblich mitbestimmt hatte. Zum Nachfolger wählte die rechte Parlamentsmehrheit den unabhängigen Ex-General Joán Cardinal. Damit saß ein äußerst konservativer Vertreter der alten Eliten im Präsidentenpalast, der der neuen parlamentarischen Republik eher reserviert gegenüberstand, eine Rückkehr zur Monarchie durch einen Staatsstreich aber ebenso ablehnte.
Aus den Parlamentswahlen im Jahr 1907 ging die Rechte geschwächt und zersplittert hervor, sodass das Bündnis von Monarchisten, Nationalisten, Katholiken und konservativen Republikanern schließlich zerfiel. Präsident Cardinal löste daraufhin erstmals und letztmals bis 1932 das Parlament vorzeitig auf in der Hoffnung, eine gestärkte Basis für eine neuerliche konservative Regierung zu erhalten. Stattdessen gingen jedoch die Liberalen als Sieger aus der Wahl hervor. Aus den Trümmern der gescheiterten Rechtskoalition entwickelte sich zudem binnen kurzer Zeit die 1905 gegründete Acción Popular zu einer neuen erfolgreichen Integrationspartei der katholischen Wählerschaft.
Vom "Bloco de Sinistra" zum "Bloco Nacional"
Im Januar 1912, wenige Monate vor Ende seines ersten Septennats, starb Präsident Joán Cardinal, Nachfolger wurde der Liberale Francisco Berlioz, unter dessen Präsidentschaft es zu mehreren Kooperationsregierungen der liberalen Aliança Republicana und der katholischen Volksaktion kam. Diese konnten auch bei den Parlamentswahlen 1913 die meisten bzw. zweitmeisten Mandate gewinnen, obwohl die Sozialistische Partei nach Stimmen zur größten Partei aufgestiegen war. Damit entstand ein System von vier etwa gleich starken Lagern, wobei sich nun Katholiken und Liberale einerseits, Radikale und Sozialisten andererseits entlang der sozioökonomischen Konfliktlinie gruppierten.
In der Folge kam es zu einer Wahlrechtsreform, sodass bei den Parlamentswahlen 1917 erstmals das Prinzip der Verhältniswahl zur Anwendung kam. Aus den Wahlen gingen schließlich die Sozialisten als deutlich stärkste Kraft hervor und wurden erstmals an einer Regierung unter Führung des Partíu Radical beteiligt, woraufhin sich der linke Flügel des PS abspaltete, aus dem 1920 die Sagradische Kommunistische Partei (PCS) hervorging. Die Regierung des so genannten Linksblocks griff letztmals das alte Projekt der Linken auf, den kirchlichen Einfluss im Staat auf ein Minimum zu reduzieren, und verabschiedete ein umfangreiches Laizismus-Gesetz, konzentrierte sich vornehmlich aber auf soziale Reformen. Daneben gelten die Einführung des Frauenwahlrechts und die Einbindung der reformsozialistischen Arbeiterbewegung in die Republik als wegweisende Leistungen der Linksregierung, der es 1919 überdies gelang, mit Carles Simón López-Iregui erstmals einen Vertreter des Partíu Radical zum Staatspräsidenten zu wählen. Nach einer Verleumdungskampagne rechtsgerichteter Kreise trat López-Iregui bereits nach mehreren Monaten im Amt als erster Präsident der Republik vorzeitig zurück. Nachfolger wurde sein Parteifreund Cristoval Sánchez, der sich für eine Stärkung des Präsidentenamtes einsetzte.
Im Ersten Weltkrieg blieb Sagradien offiziell neutral, unterstützte aber ähnlich wie Norwegen und andere neutrale Staaten die Alliierten, mit denen das Land enge Wirtschaftsverbindungen unterhielt. Die sagradische Wirtschaft wurde durch den Krieg negativ beeinflusst, was zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führte.
Bei den Parlamentswahlen 1921 verlor der linke Block seine parlamentarische Mehrheit, konnte aber gleichwohl eine Mehrheit der Mitte-Rechts-Parteien verhindern. Im Angesichts der bolschewistischen Bedrohung wurde nun eine große Mitte-Links-Koalition unter António Diaz gebildet, in der erstmals Sozialisten und Rechtsliberale zusammenarbeiteten. Mit Santiago Laval wurde 1924 zudem erstmals ein Mitglied des Partíu Socialista zum Regierungschef ernannt.
Nach acht Jahren linker Vorherrschaft endeten die Parlamentswahlen 1925 mit einer relativen Stärkung der Mitte-Rechts-Parteien. Erstmals ging die katholische Volksunion als stärkste Einzelpartei aus den Wahlen hervor und bildete eine Koalition mit den Liberalen. In der Folge kam es zu einem Machtkampf zwischen der rechten Parlamentsmehrheit und dem linkstendierenden Präsidenten Cristoval Sánchez. Bis zuletzt weigerte sich Sánchez daher auch, den katholischen Mehrheitsführer Estefán Gaeta zum Ministerpräsidenten zu ernennen.
Als Nachfolger Sánchez wurde 1927 mit Domênco Scalfín erstmals ein Vertreter des politischen Katholizismus in den Plazarenya-Palast gewählt, der sofort seinen Parteifreund Gaeta mit der Regierungsführung beauftragte. Bei den Parlamentswahlen 1929 ging schließlich der katholische Bloco Nacional unter Führung von Estefán Gaeta d'Alejandro als klarer Sieger hervor.
Die Krise der Dreißiger Jahre
Nach Jahren der wirtschaftlichen Stabilität und eines enormen Rationalisierungsschubs in der Wirtschaft, welche aber ein strukturelles Reformdefizit verschleierten, stürzte die Weltwirtschaftskrise von 1929 auch Sagradien in Turbulenzen, gegen die die Mitte-Rechts-Regierungen mit austeritäts- und deflationspolitischen Maßnahmen keine geeigneten Mittel fanden. Binnen weniger Monate schnellte die Arbeitslosigkeit in die Höhe und verschärfte die wirtschaftliche, soziale und haushaltspolitische Krise des Landes. In der Folge kam es zu einer Phase politischer Instabilität und Polarisierung und zu einer Stärkung der politischen Ränder, allen voran des Partíu Comunista Sagradês, der faschistischen Frente Fraternal sowie anderer Ableger der antidemokratischen Truppistenbewegung.
Gleichzeitig mehrten sich aber auch in den großen Parteien die Stimmen, die für umfassende Veränderungen des politisch-sozialen Systems eintraten. Während innerhalb des Partíu Socialista die Vertreter marxistischer Positionen an Gewicht gewannen, zeigten sich innerhalb der katholischen Rechten zunehmend weite Kreise skeptisch gegenüber dem parlamentarischen System und seinen instabilen Regierungen und plädierten für eine Stärkung der Autorität des Präsidenten, eine Ausweitung der exekutiven Vollmachten sowie korporatistische Elemente in der Verfassung.
Eine schwere politische Krise erlebte die Republik im Herbst 1934. Nachdem es zur Ermordnung des Kommunistenführes Lorenzo Sabal und zur Festnahme einer Reihe von Verdächtigen aus dem Kreis der rechtsextremen División Negra gekommen war, organisierten die Faschisten unter León Francês Straßenproteste und forderten die Übergabe der Regierungsgewalt, woraufhin es zum Einsatz bewaffneter Truppen kam. In der Folge bildete der parteilose Sergio Rafael Dini eine unabhängige Konsensregierung bildete, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Unter Dini besserte sich auch die ökonomische Lage und wurden erstmals auch Elemente einer keynesianischen Wirtschaftspolitik umgesetzt.
Die Gefahr von Rechts und das unentschlossene Vorgehen der regierenden Mitte-Rechts-Parteien gegen die Faschisten führte zu einer Annäherung der zerstrittenen Linksparteien. Aus den Parlamentswahlen 1936 ging schließlich eine neu formierte linke Volksfront aus Kommunisten, Sozialisten und Radikaldemokraten als Sieger hervor, woraufhin Mehrheitsführer Santiago Laval als erster Sozialist zum Staatsoberhaupt gewählt wurde.
Die erste Volksfrontregierung mit kommunistischer und bürgerlicher Beteiligung wurde gebildet, die zahlreiche Sozial- und Wirtschaftsreformen einleitete, aber heftigen innen- und außenpolitischen Widerständen entgegentreten musste. Innenpolitisch setzte die Regierung den umfassenden Ausbau des zuvor nur rudimentär bestehenden sagradischen Wohlfahrtsstaates durch, weitere die Arbeitslosenhilfe zur Arbeitslosenversicherung aus und verfolgte eine Politik des deficit spending zur Belebung der Wirtschaft.
Im Zuge des Golischen Bürgerkriegs kam es 1935/36 zu starken Spannungen zwischen Sagradien und Mikolinien (Golenkrise), in deren Verlauf mikolinische Truppen zeitweise sagradische Gebiete an der sagradisch-mikolinischen Grenze besetzten und einen offiziell bis 1955 anhaltenden Grenzkonflikt auslösten, der nur durch energische internationale Vermittlung eingedämmt werden konnte. Nach dieser außenpolitischen Herausforderung kam es immer wieder zu Attacken der Rechten gegen die Linksregierung, die schließlich Ende 1937 aber über innere Gegensätze stürzte. Nach der Ermordung Santiago Lavals 1938 wurde der Liberale Luciano Capón Staatspräsident, neuer Ministerpräsident wurde der Katholik Manuel Álamo Igualde, der dem autoritär-katholischen Flügel zugerechnet wurde.
Zweiter Weltkrieg
Die Regierung unter Manuel Álamo reihte sich international unter den Unterstützern der Appeasement-Politik gegenüber Deutschland ein und suchte eine Gewalteskalation zu verhindern. Auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges blieb Sagradien zunächst neutral und suchte eine Verständigung mit allen Kriegsparteien. Mit dem erfolgreichen Frankreichfeldzug der deutschen Wehrmacht stieg in Sagradien jedoch die Angst vor einem deutschen Angriff schlagartig und steigerte sich zu einer weitverbreiteten Bereitschaft, Vorbereitungen zu treffen und sich hinter der Regierung Álamo zu sammeln. Dieser propagierte im Juni 1940 die Nationale Kommunion als Programm der Loyalität zum sagradischen Staat, ein Programm, das den nationalen Zusammenhalt bestärken und auch Republikgegner ansprechen sollte, am antisozialistischen Kurs der Regierung aber keinen Zweifel ließ. Mit dem Ermächtigungsgesetz vom Juni und den Augustrevisionen 1940, die durchaus in der Kontinuität der konservativen Verfassungsvorstellungen der frühen Dreißiger Jahre standen und vor allem die Exekutive stärken sollten, schlug Sagradien unter Álamos Regierung der Nationalen Kommunion eine zunehmend autoritäre Richtung ein. Bürgerrechte wurden teilweise suspendiert, die kommunistische Linke wie die faschistische Rechte verboten, die Sozialistische Partei und ihre Organe behindert und das Parlament gegenüber der Exekutive vorübergehend entmachtet.
Mit anhaltendem Krieg nahm jedoch in Sagradien die Stimmung zugunsten eines Kriegseintritts und zulasten der Regierungsmaßnahmen zu, zumal Deutschland immer mehr Entgegenkommen Sagradiens forderte und sagradische Schiffe angriff. Gleichzeitig verlor Álamos Regierung der Nationalen Kommunion an Zuspruch und er selbst an Autorität innerhalb der politischen Rechten, zumal es ihm nicht gelang, einen breiten nationalen Konsens herzustellen. Seiner Entlassung durch Präsident Luciano Capón im Dezember 1941 folgte der Eintritt Sagradiens auf alliierter Seite in den Zweiten Weltkrieg. Unter dem parteilosen Ministerpräsidenten Sergio Rafael Dini wurden auch die Oppositionsparteien wieder in eine breite Kriegskoalition aufgenommen und damit in den nationalen Konsens integriert. Im Nordosten Sagradiens kam es zunächst zu einer deutschen Besatzung unter der Marionettenregierung von Fidelfe, gegen die sich die kommunistisch und sozialistisch geführte Resistença Sagradêsa organisierte. Die Niederlage Deutschlands und der Sieg der mit den Alliierten verbündeten sagradischen Truppen und der Partisanenkämpfer führten 1944 zum endgültigen Ende der Besatzung und zum Gegenschlag unter Beteiligung Sagradiens.
Nachkriegszeit und Dritte Republik
Beginn der Dritten Republik und christdemokratische Ära
Im Zweiten Weltkriegs, der für Sagradien mit dem Sieg über die deutsche Gefahr endete, gelang es endlich, nach den harten Auseinandersetzungen und Kämpfen der 1930er Jahren, ein Klima des nationalen Konsenses über die politischen Lager hinweg zu etablieren, der auch nach Kriegsende anhielt. Der neue Konsens stützte sich auf eine Ablehnung der polarisierenden Maßnahmen der Álamo-Regierung, die Hoffnung auf eine Überwindung der Lagerkämpfe und auf eine Neugründung des demokratischen Gemeinwesens im Licht des nationalen Triumphs. Die Kommunistische Partei, deren Anhänger wesentlich im Krieg aktiv gewesen waren, wurde wieder zugelassen und erstmals überhaupt sogar in die Regierung eingebunden. Aus der katholischen Volksunion ging unter dem Einfluss der christlich-sozialen "Convergência"-Bewegung um Fernando de la Roya und Paulo Luciaro im Jahr 1945 die PPC als neue christdemokratische Sammlungspartei hervor, während diverse liberale Gruppierungen sich in einem neuen Wahlbündnis zusammenschlossen.
Erstmals seit 1938 kam es im Sommer 1945 zu Parlamentswahlen, aus denen die Parteien der konsensualen Demokratischen Koalition als Sieger hervorgingen. Als eine der ersten Maßnahmen beschloss die neue Nationalversammlung die Ausarbeitung einer neuen parlamentarisch-demokratischen Verfassung, die den Verfassungskämpfen der Vorkriegsjahre endgültig ein Ende setzen sollte und schließlich nach einem erfolgreichen Referendum am 20. Juli 1946 in Kraft trat. Sagradien blieb damit eine parlamentarische Republik, doch sollte der Präsident künftig direkt gewählt werden. Außerdem wurden erstmals plebiszitäre Elemente in der Verfassung verankert. Statt der diskreditierten Beschneidung des Parlamentarismus durch exekutive Sondervollmachten und eine korporatistische Zweite Kammer wagte Sagradien nun mehr Demokratie.
Die ersten beiden Präsidenten der Republik Sergio Rafael Dini und der 1949 erstmals direkt gewählte Radikaldemokrat David Pizarro Cortez prägten das Amt durch eine zurückhaltende Amtsführung. Zum starken Mann entwickelte sich dagegen der seit 1949 als Ministerpräsident amtierende Christdemokrat Paulo Luciaro, der gemeinsam mit den Sozialdemokraten unter Santo De la Ilpa, seit 1954 im Bündnis mit den Liberalen, wesentlich die Nachkriegspolitik bestimmte und die Westintegration des Landes durchsetzte. 1945 war Sagradien Gründungsmitglied der UN und 1949 der NATO und führte auch in den Folgejahren den europäischen Einigungsprozess mit an (u.a. Gründungsmitglied der EWG). Außerdem leitete Luciaro die Aussöhnung mit Mikolinien ein, die 1955 in den Verträgen von Alagua und Pexace gipfelte und den Verzicht Sagradiens auf Golen sowie Mikoliniens auf Cuentez festschrieb.
Parallel zu diesen Entwicklungen in Europa entließ Sagradien bis 1960 den Großteil seiner früheren Kolonien in die volle Unabhängigkeit, nachdem bereits 1946 die Selbstverwaltung aller Kolonien in die sagradische Verfassung aufgenommen worden war und damit den Weg zur Unabhängigkeit ebnete. Katalysator der Entwicklung war ein blutiger Aufstand auf den Joannianen im Jahr 1947, der 1948 mit dem Verzicht Sagradiens auf die frühere Kolonie beendet wurde. In den 1950er Jahren folgten die meisten afrikanischen Kolonien Sagradiens, zurück blieben fast ausschließlich kleinere Inselgebiete mit geringen Bevölkerungszahlen, die in den meisten Fällen freiwillig in der Sagradischen Republik verblieben.
Wirtschafts- und sozialpolitisch einigte sich die Konsenskoalition der ersten Nachkriegsjahre auf einen umfassenden Ausbau des Sozialstaats und die Beförderung einer staatlich mitgelenkten Marktwirtschaft. Darauf aufbauend erlebte Sagradien seit Mitte der Fünfziger Jahre ein Wirtschaftsboom, der zugleich den Wohlstand im Land förderte.
Sozialistische Vorherrschaft und gesellschaftliche Liberalisierung
Die christdemokratische Volkspartei blieb bis zur Parlamentswahl 1963 durchgängig stärkste Kraft und stellte mit Paulo Luciaro, Carles Angel Favale und Martín Ánibal Costa von 1949-1964 ununterbrochen den Regierungschef. Während die Kommunistische Partei nach anfänglichen Erfolgen 1945/46 zu einer Mittelpartei abrutschte, etablierte sich die 1947 gegründete sozialdemokratische ASUL nach ihrem Gang in die Opposition 1953 als größte Oppositionspartei. Sie verfolgte trotz eines traditionell-marxistischen Programms weitgehend gemäßigte Positionen und kehrte 1962 zunächst als Juniorpartner der Christdemokraten, nach ihrem Wahlsieg 1963 mit António Santiago als Chef einer sozialistisch-liberalen Koalition in die Regierung zurück. Nach dem frühen Tod Santiagos folgte sein Parteifreund Iacovo Del Pérez, der sein Amt aber 1967 wieder an den Christdemokraten Favale abgeben musste.
Die Ära christdemokratischer Dominanz endete schließlich endgültig mit dem Sturz Favales und dem überraschend deutlichen Sieg der Sozialisten bei der Schlüsselwahl 1970. Zuvor hatte auch Sagradien 1968 das Aufbegehren einer jungen Generation, vor allem Studenten gegen die konservative Gesellschaft und ihre überholten Wertvorstellungen erlebt. Der junge sozialistische Wahlsieger Joán Caval versprach dagegen gesellschaftliche Reformen und verkörperte einen sozialen und demokratischen Aufbrauch. Erstmals regierten die Sozialisten alleine und mit indirekter Unterstützung der Kommunistischen Partei, die unter ihrem Generalsekretär Dián Aliureto Chabonet einen gemäßigt-eurokommunistischen Kurs einschlug. Anstelle umfangreicher Verstaatlichungen, wie von den Kommunisten gefordert, strebte Caval jedoch danach, die sozialstaatliche Sicherung auszubauen und die Rechte der Arbeitnehmer innerhalb der marktwirtschaftlichen Ordnung zu stärken. Dieser Kontinuitätslinie wurden umfangreiche gesellschaftliche Liberalisierungen, etwa in Fragen der Frauenrechte und des Schwangerschaftsabbruchs, durchgesetzt. Joán Caval konnte zudem u.a. die unter Iacovo Del Pérez 1965 begonnenen Dreistaatengespräche zwischen Mikolinien, Sagradien und Sancristo in eine organisierte Zusammenarbeit innerhalb des Blaumeerrates überführen, der 1972 gegründet wurde.
Die liberalen Achtziger Jahre
Nachdem die Sozialisten nacheinander drei Kammerwahlen hatten gewinnen können, verlor die Partei bei der vorgezogenen Parlamentswahl 1979 ihre Stellung als größte Partei wieder an die Christdemokraten unter Sandro de la Nada, blieb aber aufgrund eines parlamentarischen Patts zusammen mit der Volkspartei in der Regierung.
Erst nach dem Scheitern der Großen Koalition im Jahr 1982 erreichte das konservativ-liberale Bündnis unter Joán Emilio Moya (PPC) und Lorenzo Estrubal (UDS) einen klaren Sieg über die politische Linke und bildete erstmals seit 1970 wieder eine Mitte-Rechts-Regierung, in der Moya Ministerpräsident, Estrubal Außenminister wurde. Bereits zuvor war es gelungen, den als wirtschaftsnah geltenden Minister und früheren Nationalbank-Präsidenten Alfonso María Guivares im Amt des Staatspräsidenten durchzusetzen, der den zehn Jahre lang amtierenden Sozialisten Iacovo Del Pérez ablöste. Die Regierung Moya leitete schließlich unmittelbar eine Politik der umfangreichen wirtschaftspolitischen Liberalisierung ein und der sozialpolitischen Einsparungen ein, die zwar wirtschaftliche Erfolge vorweisen konnte, aber zu sozialen Protesten führte und einen weiteren Anstieg der seit den späten 1970er Jahren wachsenden Arbeitslosigkeit nicht verhindern konnte. Dennoch gelang es, im politischen Diskurs eine liberale Hegemonie zu etablieren, sodass schließlich auch die sozialistisch-liberale Regierung unter Donado Ricardes (1986-1990) im Wesentlichen an diesem Kurs festhielt.
Überschattet wurden die liberalen Achtziger Jahre jedoch durch einige politische Affären, die das Image Sagradiens als korruptionsfreies Land ernsthaft gefährdeten. Bereits 1984 zwang ein Korruptionsskandal den Staatspräsidenten Alfonso María Guivares als erstes Staatsoberhaupt der Dritten Republik zum vorzeitigen Rücktritt. In der Folge wurden auch führende Politiker der Regierungsparteien sowie einzelne Abgeordnete der Opposition in den Skandal verwickelt. Die anhaltenden Enthüllungen und Ermittlungen beförderten nicht nur die Niederlage der Christdemokraten bei der Parlamentswahl 1986, sondern führten schließlich auch zu einer Verurteilung Moyas wegen Mitwisserschaft in der Korruptionsaffäre. Während die Sozialisten von der Guivares-Affäre schließlich profitiert hatten, kam es nur kurze Zeit später zu einer Parteispendenaffäre, die nach mehreren Jahren 1992 schließlich in ihrer ganzen Tragweite bekannt wurde und zum Rücktritt des gesamten Parteivorstands führte.
Sagradien in den 1990er und 2000er Jahren
Die seit 1986 in Koalition mit PRD und UDS regierenden Sozialisten verloren schließlich die Parlamentswahl 1990 deutlich gegen die unter Josep Carles Otero wieder erstarkte Volkspartei. Unter dessen bürgerlicher Koalitionsregierung beteiligte sich Sagradien 1991 mit eigenen Truppen am Zweiten Golfkrieg gegen den Irak, nachdem bereits Ricardes 1990 entgegen ablehnender Stimmen in den eigenen Reihen seine Unterstützung der anti-irakischen Koalition zugesagt hatte. Außerdem setzte Otero die bereits unter Moya eingeleitete und unter dem Sozialisten Ricardes grundsätzlich fortgeführte Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik fort und bemühte sich auf Europäischer Ebene um eine Intensivierung der Europäischen Zusammenarbeit. Es gelang ihm schließlich, in Sagradien eine deutliche Mehrheit in der Bevölkerung für das wiederbelebte Integrationsprojekt zu gewinnen und die Gegner des Vertrags von Maastricht und einer gemeinsamen europäischen Währung in der Opposition wie in der eigenen Partei zu überspielen.
Dennoch verloren Oteros Christdemokraten aufgrund wirtschaftlicher Probleme und einer äußerst unpopulären Sozialpolitik die Parlamentswahl 1998 deutlich gegen die Opposition unter dem sozialistischen Spitzenkandidaten Julio de la Costa. Dieser bildete nach seinem deutlichen Wahlsieg erstmals eine Koalitionsregierung mit den sagradischen Grünen und knüpfte vor allem mit einer gesellschaftlichsliberalen Reformpolitik an die sozialistischen Erfolge der 1970er Jahre an. In den rot-grünen Jahren reformierte Sagradien sein Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsrecht, führte die in den 1960er Jahren begonnene Politik der Devolution zugunsten starker regionaler Selbstverwaltungsrechte fort und führte als vierter Staat in Europa die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ein. Zugleich beschloss die Regierung den Ausstieg Sagradiens aus der Atom-Energie und führte eine ökologische Steuerreform durch. In wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Fragen suchte De la Costa eine Mischung aus neokeynesianischen und neueren, angebotsorientierten Politikrezepten sowie Ansätze einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durchzusetzen. In der Europapolitik knüpfte auch die Regierung De la Costa an die integrationsfreundliche Linie der Vorgängerregierungen an und setzte sich aktiv, wenn auch weniger erfolgreich als sein Vorgänger für eine Intensivierung der europäischen Integration ein. Außerdem beteiligte sich Sagradien 1999 am NATO-Einsatz im Kosovo und 2003 an der Operation Enduring Freedom in Afghanistan. Dagegen gehörte Sagradien im Zusammenhang mit dem amerikanischen Irak-Krieg 2003 zu den Skeptikern und verweigerte eine Beteiligung der sagradischen Streitkräfte.
Nachdem die Regierung De la Costa aufgrund schlechter wirtschaftlicher Zahlen seit 2003 zunehmend an Zustimmung in der Bevölkerung wie an Reformdynamik verloren hatte, endete die Parlamentswahl 2006 schließlich mit einem deutlichen Sieg für die oppositionellen Mitte-Rechts-Parteien unter Führung des Christdemokraten Miquel Ánibal Luisanto. Die fortan regierende Minderheitskoalition aus PPC und UDS stützte sich im Parlament erstmals auf die Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen PSP unter Joán De la Pênia, die mit europa- und einwanderungskritischen Parolen erstmals 1994 in die Abgeordnetenkammer eingezogen war und seither stetig an Zustimmung in der Bevölkerung gewann. Entsprechend leitete Luisanto einen konservativen Politikwechsel ein, verschärfte die Einwanderungsbestimmungen und die Vorkehrungen für die innere Sicherheit. Gleichzeitig kürzte die neue Regierung die Sozialleistungen und setzte flexiblere Mindestlohnregelungen durch. Die Frist für den Atomausstieg wurde zudem verlängert. Entgegen mancher Befürchtungen wurden jedoch weitere zentrale Reformen der Vorgängerregierungen zur gesellschaftlichen Gleichstellung nicht zurückgenommen, zudem rückte Luisanto während seiner Amtszeit als Ministerpräsident von früheren radikal-neoliberalen Positionen ab und führte eher moderate Reformen durch.