Geschichte der Sagradischen Republik: Unterschied zwischen den Versionen
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Die [[Unión Popular]] konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die [[Wahl zur sagradischen Nationalversammlung 1925|Parlamentswahl des Jahres 1925]] für sich entscheiden. Mit 148 Abgeordneten wurden die Katholiken knapp stärkste Kraft im Parlament und unterbreiteten den geschwächten [[AR|Liberalen]] ein Angebot zur Zusammenarbeit. Präsident Sánchez ernannte daraufhin widerwillig den Kandidaten der neuen Koalition [[Estefán Gaeta]] zum [[Ministerpräsident]]en. | Die [[Unión Popular]] konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die [[Wahl zur sagradischen Nationalversammlung 1925|Parlamentswahl des Jahres 1925]] für sich entscheiden. Mit 148 Abgeordneten wurden die Katholiken knapp stärkste Kraft im Parlament und unterbreiteten den geschwächten [[AR|Liberalen]] ein Angebot zur Zusammenarbeit. Präsident Sánchez ernannte daraufhin widerwillig den Kandidaten der neuen Koalition [[Estefán Gaeta]] zum [[Ministerpräsident]]en. | ||
| − | Nachdem die Amtszeit vo Präsident Sánchez im Dezember 1927 ausgelaufen war, konnte der [[Bloco Nacional]] ihren Parteiführer [[Estefán Gaeta]] als Nachfolger durchsetzen. Gaeta verfolgte von Beginn an das Konzept einer starken persönlichen Präsidentschaft und ernannte mit seinem Parteifreund [[Dián Ybagarriz]] bewusst einen Politiker aus der zweiten Reihe zum Regierungschef, der die anvisierte Verfassungsreform zugunsten eines stärker autoritären Systems mit präsidentieller Regierung nicht durchsetzen konnte. 1929 musste Ybagarriz schließlich für seinen Parteifreund [[Cesar Iruain]] Platz machen, der | + | Nachdem die Amtszeit vo Präsident Sánchez im Dezember 1927 ausgelaufen war, konnte der [[Bloco Nacional]] ihren Parteiführer [[Estefán Gaeta]] als Nachfolger durchsetzen. Gaeta verfolgte von Beginn an das Konzept einer starken persönlichen Präsidentschaft und ernannte mit seinem Parteifreund [[Dián Ybagarriz]] bewusst einen Politiker aus der zweiten Reihe zum Regierungschef, der die anvisierte Verfassungsreform zugunsten eines stärker autoritären Systems mit präsidentieller Regierung nicht durchsetzen konnte. 1929 musste Ybagarriz schließlich für seinen Parteifreund [[Cesar Iruain]] Platz machen, der die konservativ-liberale Koalition fortführte. |
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Version vom 22:05, 16. Okt 2021
Inhaltsverzeichnis
- 1 Die Zweite Republik
- 1.1 Vorgeschichte und Revolution
- 1.2 Übergang zur Republik
- 1.3 Beginn des 20. Jahrhunderts
- 1.4 Die Zwanziger und Dreißiger Jahre
- 1.4.1 Verfassungsreform 1919
- 1.4.2 Spaltung der Linken und Große Koalition (1917-1925)
- 1.4.3 Vorherrschaft der Volksunion und die Präsidentschaft Gaeta (1925-1929)
- 1.4.4 Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1929-1934)
- 1.4.5 Herbstkrise 1934
- 1.4.6 Volksfrontwahl 1936
- 1.4.7 Golenkrise 1936/37
- 1.4.8 Auflösung der Volksfront und Laval-Attentat (1937-1938)
- 1.4.9 Ende der Volksfront und Regierung Sants
- 1.5 Geschichte Sagradiens im Zweiten Weltkrieg (1940-1945)
- 2 Die Dritte Republik
Die Zweite Republik
Vorgeschichte und Revolution
Soziale und ökonomische Krise
Nach dem Rücktritt des langjährigen sagradischen Premierministers Jacquel de Montevil im Jahr 1873 wurde in Sagradien eine Ära der relativen Restauration eingeleitet. Die Spaltung der Liberalen in einen radikalen und einen moderaten Flügel begünstigte den konservativen Partíu Conservador, der sich für ein starkes Königtum und eine Einhegung der bürgerlichen Rechte aussprach und bei mehreren Wahlen der 1870er Jahre eine deutliche parlamentarische Mehrheit erringen konnte. Gleichzeitig begann sich neben der radikal-liberalen auch eine sozialistische Linke zu formieren, deren Einfluss auf die Arbeiterbewegung im Zuge der Industrialisierung stieg. Dazu kam seit den 1870er Jahren auch eine handfeste ökonomische Krise in Form einer langjährigen Depression, die die soziale Lage vor allem der Arbeiterschaft verschlimmerte und die sozialen Spannungen verstärkte.
Konstitutionelle und politische Krise
In den 1880er Jahren kam zur ökonomisch-sozialen Krise eine Reihe von verfassungspolitischen Auseinandersetzungen, in denen sich die monarchisch-katholische Rechte auf der Seite der Regierungsmacht und die liberale Linke auf Seite einer stärkeren Parlamentarisierung gegenüberstanden.
Nachdem die Liberalen die Parlamentswahl 1884 gewinnen konnten, kam es zum Dauerkonflikt zwischen Parlament und den konservativen königlichen Regierungen. Nachdem König Philipp X. 1887 das Parlament aufgelöst hatte und es zu einem neuerlichen Sieg der Liberalen gekommen war, weigerte sich der König im Streit um einen neuen Haushalt kurzerhand, das Parlament noch einmal einzuberufen und setzte unter dem Vorwand juristischer Untersuchungen den Parlamentspräsidenten Cornélio de Martín fest, um ihn an einer selbständigen Einberufung des Parlaments zu hindern. Die damit ausgelöste Verfassungskrise, in der der König ohne das Parlament regierte, kostete vor allem die gemäßigte Linke an Ansehen, die zwar gegen das Verhalten des Königs empört demonstrierte, eine gewaltsame Auseinandersetzung aber fürchtete. In der Folge kam es im ganzen Land zu einem Erstarken radikaler, republikanischer und sozialistischer Kräfte.
Erst Mitte 1888 konnte die Krise beigelegt werden und das wieder zusammengetretene Parlament legitimierte nachträglich einige Entscheidungen des Königs, weigerte sich aber dem König eine Indemnität auszusprechen, sodass dieser das Haus bald wieder auflöste und Neuwahlen ansetzte, von denen vor allem die Republikaner profitieren, die trotz Zensuswahl und benachteiligendem Mehrheitswahlrecht auf 11 Prozent der Stimmen kamen und in einigen Großstädten sogar stärkste Kraft wurden. Philipps Premierminister José-Luis de Planxet reagierte mit der Verhaftung führender Republikaner und einer Verschärfung von Zensur und Versammlungsrecht.
Sagradische Berberkriege
Nachdem Sagradien im Jahr 1872 das heutige Belhami zum Protektorat erklärt hatte, kam es zwischen 1885 und 1897 zu mehreren Kriegen gegen einheimische Berber. Der Zweite Berberkrieg der Jahre 1887-1889 endete schließlich mit einer völlig unerwarteten Niederlage Sagradiens, das seine Ambitionen in Westafrika auf Jahre hin begraben musste. Die Niederlage rief heftige Empörung in der sagradischen Öffentlichkeit und wurde weithin als nationale Schmach empfunden. Sie führte schließlich zum Sturz der Regierung von José-Luis de Planxet und trug mit dazu bei, das Ansehen König Philipps X. nachhaltig zu schmälern.
Winterkrise 1890 und Januarrevolution 1891
Nach einem harten Winter 1889/1890 heizten Hungersnöte die ohnehin gespannte Lage an und im ganzen Jahr 1890 kam es überall im Land zu Verhaftungen republikanischer und sozialistischer Agitatoren und zu Aufständen gegen die konservative Regierung des Conte de Montxerent, bei denen immer wieder Arbeiter festgenommen, verletzt oder getötet wurden.
Der von der Sozialistischen Partei im Dezember 1890 verhängte Generalstreik führte schließlich zur Eskalation. Nachdem sich Arbeiter im ganzen Land mit streikenden Arbeitern in den Industriegebieten von Bordez und Oller solidarisiert hatten, kam es zum gewaltsamen Einsatz bewaffneter Truppen gegen die Streikenden, der zu heftigen Protesten auch in manchen bürgerlichen Kreisen führten. In vielen Städten sammelten sich Arbeiter und bürgerliche Protestanten zu Demonstrationen gegen die Regierung, die sich bald auch gegen den König selbst zu wenden begannen.
Als sich aufständische Arbeiter Zutritt zum Rathaus von Semest verschafften und die Kontrolle über das Stadtzentrum übernahmen, fürchtete die Mehrheit der Abgeordneten in der Deputiertenkammer eine soziale Revolution. Inzwischen hatten sich in Semest und in einigen anderen Großstädten des Landes Revolutionäre Räte gebildet, die von radikalen Republikanern und Sozialisten beherrscht wurden. Unter dem Druck der Straße mussten König und Regierung am 21. und 22. Januar 1891 die Stadt verlassen. Nach mehreren Resolutionen erklärte die linke Mehrheit in der Abgeordnetenkammer am 26. Januar eigenmächtig die Regierung des konservativen Grafen von Montxerent für abgesetzt und suchte auf diesem Weg eine Parlamentarisierung herbeizuführen. Bereits am Folgetag, dem 27. Januar erließ die Kammer eine neue Wahlresolution, die die Ausarbeitung eines neuen Wahlrechts auf Grundlage der allgemeinen Volkswahl ankündigte. Zudem bestellte sie einen "Exekutivausschuss" unter der Führung des liberalen Abgeordneten Cornel Gil-Lerma, der in Abwesenheit einer königlichen Regierung die Amtsgeschäfte übernehmen solle. Der Ausschuss, der später als "Regierungsrat" bezeichnet wurde, wurde von einer heterogenen Koalition liberaler Monarchisten sowie gemäßigter und radikaler Republikaner getragen. Im Parlamentsbeschluss beriefen sich die Abgeordneten auf die "ständische Tradition der Codices Magni" und setzten sich damit über den Willen der Nobelnkammer hinweg, die erst gar nicht mehr einberufen wurde.
In der Folge nahm die Kammer Verhandlungen mit den aufständischen Revolutionären Räten auf und setzte sich mit dem König in Verbindung, der noch immer fernab der Hauptstadt weilte und die Entwicklung abzuwarten suchte. Unterdessen einigten sich die Parlamentarier auf baldige Neuwahlen zu einer Nationalversammlung nach den Bestimmungen eines neuen Wahlgesetzes, das "im Namen des Volkes, der Stände und des Königs" promulgiert wurde, ohne dass König Philipp X. Einfluss auf den Prozess hätte nehmen können. Vor vollendete Tatsachen gestellt, rief König Philipp widerwillig dazu auf, den Exekutivausschuss unter der Führung Gil-Lermas als provisorische Regierung anzuerkennen, verweigerte diesem aber die offizielle Ernennung zum Kronkanzler und Ministerpräsidenten.
Übergang zur Republik
Aprilwahlen und Juni-Proklamation 1891
Mitten im Wahlkampf kam es zur sogenannten "Lunes-Affäre", in der der Thronfolger von republikanisch gesinnten Liberalen als reaktionärer Feind der Cortes diffamiert und erfolgreich diskreditiert wurde. In der aufgeheizten Atmosphäre schlugen sich zahlreiche frühere Anhänger der parlamentarischen Monarchie auf die Seite der Republik, "weil der gütige parlamentarische Monarch in diesem Land nicht vorhanden ist", wie der Schriftsteller Cornell Demarques festhielt.
Vor diesem Hintergrund gingen aus den Aprilwahlen 1891 schließlich Liberale, Radikale und Sozialisten als Sieger hervor. König Philipp verließ noch in der Wahlnacht das Land und erklärte seine Abdankung zugunsten seines Sohnes José Filipe, den er als Philipp XI. zum König erhob. In ihrer Sitzung am 5. Juni 1891 verabschiedete die neue Verfassungsgebende Versammlung mit deutlicher Mehrheit die sogenannte "Juni-Proklamation", in der sich die sagradische Nationalversammlung zur "alleinigen Inhaberin der Regierungsgewalt der Sagradischen Nation" erklärte ("la sola poder governante de la Nación es síu nela Asamblea Nacional"). Ein Antrag auf Ausrufung der Republik wurde zwar nicht zur Abstimmung gestellt, ebensowenig erkannte die Versammlung aber den neuen König an und erklärte sich auf Antrag monarchistischer Parlamentarier lediglich zu "Beratungen mit dem Prinzen Joseph Philipp [...] über eine Erhebung zum König" bereit.
Damit war das sagradische Königtum zwar noch nicht abgeschafft. Es wurde auch eine Kommission gebildet, die Verhandlungen mit dem Thronfolger zur Übernahme des Throns führen sollte. Das Parlament erklärte sich de facto aber zum alleinigen Souverän und machte die Erhebung zum König vom eigenen Gutdünken abhängig. In einer vielzitierten Antwortnote ließ der Thronfolger am 11. Juni das neue Parlament wissen, als "König von Gnaden der Feinde Gottes" nicht zur Verfügung zu stehen.
Räterevolution 1891
Die Verhandlungen zwischen Nationalversammlung und Thronfolger sowie die Versuche der parlamentarischen Mehrheit, für Stabilität zu sorgen, führten dazu, dass die im Januar 1891 begonnene Revolution fortgeführt wurde. Der Regierung gelang es nicht, die revolutionären Räte flächendeckend aufzulösen. Vor allem in Semest, Tulis und anderen Großstädten versuchten insbesondere sozialistische Kräfte, von der Internationalen bestärkt, das bürgerliche Regime der Nationalversammlung zu stürzen, die Eigentumsordnung zu ändern und eine radikaldemokratische Räterepublik mit sozialistischem Profil zu errichten.
Nachdem die Kämpfe im Sommer 1891 eskaliert waren, trat die Regierung von Cornel Gil-Lerma im August 1891 zurück. Die Nationalversammlung übertrug daraufhin dem Militär die Regierungsgewalt und benannte General Luis María de Castós zum provisorischen Regierungschef und Kriegsminister. De Castós gelang es in der Folge, die Kämpfe einzudämmen und den Räteaufstand schließlich gewaltsam zu zerschlagen. Im Dezember gab De Castós die Exekutivgewalt schließlich zurück an die Regierung, die den Liberalen Francès de Píu-Castellán zum neuen Präsidenten des Exekutivrates wählte.
Vom Novemberstatut zur Ausrufung der Republik (1891-1893)
Parallel dazu arbeitete die Nationalversammlung ein provisorisches Verfassungsstatut aus, das im November als Estatú de Governo in Kraft trat. Darin wurde die gewählte Nationalversammlung zum Inhaber der vollen Staatsgewalt erklärt und die zuvor bereits aufgelöste Nobelnkammer endgültig abgeschafft, womit Sagradien ein Einkammerparlament erhielt. Das Novemberstatut vermied es, Bestimmungen über das Staatsoberhaupt zu erlassen. Anträge der radikalen Republikaner unter Piero Celeste und Lorís Manuel, die Republik ausuzurufen, scheiterten.
Im Laufe des Jahres 1892 kamen die Verhandlungen mit dem weiterhin exilierten Thronfolger José Filipe zum Halt, der sich weiterhin weigerte, die Macht der Nationalversammlung anzuerkennen. Nach dem Bekanntwerden des "Briefes aus Chateauvieille", in dem der Thronfolger seine Verachtung für die Nationalversammlung ausgesprochen hatte, war das Tischtusch endgültig zerschnitten. Ein monarchistischer Aufstandversuch wurde schließlich im Dezember niedergeschlagen.
In Abwesenheit der royalistischen Abgeordneten, die die Abstimmung boykottierten, verkündete Francès de Píu-Castellán schließlich am 2. Januar 1893 endgültig die Monarchie für abgeschafft. Zuvor waren Versuche einer Minderheit, den Grafen von Casigón und früheren Thronfolger, der 1885 auf seine Rechte verzichtet hatte, zu einer Thronkandidatur zu bewegen, gescheitert. Die Symbole des Königtums wurden nun durch neue republikanische Symbole ersetzt.
Versammlungsrepublik (1893-1895)
Die Nationalversammlung erließ im März 1893 eine Reihe von Verfassungsgesetzen, die an die Stelle des provisorischen Regimes eine dauerhafte republikanische Staatsordnung setzten. Die Sagradische Republik wurde nun auch formell als Republik der Versammlung begründet. Luis Cavaller, seit Januar Regierungspräsident, wurde gemäß Verfassungsgesetzen mit dem neuen Titel eines Präsidenten der Republik ausgestattet und trat damit offiziell die Nachfolge des Königs als sagradisches Staatsoberhaupt an.
Historisch versuchte das junge Gemeinwesen an die Tradition der ständischen Ersten Republik von 1721-30 und die Codices Magni anzuknüpfen. Die gesamte Staatsmacht befand sich nun in den Händen der direkt gewählten Nationalversammlung, die als Einkammerparlament fungierte und neben der Gesetzgebung und dem Haushaltsrecht auch die Wahl des Präsidenten beanspruchte. Wahlen zur Nationalversammlung sollten nun alle vier Jahre nach den Grundsätzen des allgemeinen Wahlrechts stattfinden, wobei alle Männer über 25 Jahre wahlberechtigt waren.
Da die politische Krise anhielt, geriet die Republik schnell auch unter Druck von rechts. Feinde der neuen Staatsform fanden sich einerseits im Adel und in der Kirche, die die Ersetzung der alten Ordnung durch die Herrschaft des liberalen Bürgertums nicht akzeptierten, andererseits durch breite Volksschichten, die sich ebenfalls nicht durch die liberale Elite an der Spitze des neuen Gemeinwesens repräsentiert sahen. Hinzu kamen Auseinandersetzungen zwischen der Parlamentsmehrheit und dem Präsidenten um das Recht, Minister zu ernennen und zu entlassen. Nachdem Luis Cavaller im April 1893 den liberal-republikanischen Innenminister José-León Delacrûce mit dem Ministerium für allgemeine Fragen betraut hatte, sprach die Nationalversammlung mehreren Ministern das Misstrauen aus und setzte im Dezember 1893 eine erste Kabinettsneubildung durch.
Verfassungsrevision 1895
Nach einer neuerlichen Regierungskrise setzte Präsident Cavaller im Oktober 1894 ein neues Ministerium unter dem liberalen Abgeordneten Damián Carnales ein, das aber ebenfalls nicht lange hielt und schon zum Jahreswechsel 1894/95 gestürzt wurde. In der Folge machten Gerüchte die Runde, Generalstabschef Luis María de Castós plane einen Staatsstreich, um das Parlament zu entmachten und ein neues Präsidialregime durchzusetzen. Cavaller betraute daraufhin Leopoldo Narcís Itúrriz mit der Bildung einer "unabhängigen Regierung" und verfügte die Auflösung der Nationalversammlung und die Ansetzung von Neuwahlen.
Aus der vorgezogenen Neuwahl im Mai 1895 gingen die radikalen Republikaner geschwächt hervor. Gestärkt wurden vor allem die gemäßigten und konservativen Kräfte, denen die einseitige Ausgestaltung der Verfassung zugunsten des Parlaments zu weit ging. Die neue Regierung unter dem gemäßigt-konservativen Republikaner Luciano Tropexas unterbreitete schließlich der neuen Nationalversammlung umfangreiche Vorschläge für eine Verfassungsrevision, um die Exekutive zu stärken.
Die im Juli 1895 erlassenen Verfassungsrevisionen 1895 wichen schließlich deutlich vom Konzept der ungeteiligen Parlamentsherrschaft ab und knüpften vielmehr an die konstitutionell-monarchische Ordnung der Liberalen Ära unter Jacquel de Montevil an. Die Ära des "Parlamentsabsolutismus" wurde nun durch ein stärker gewaltenteiliges System ersetzt. An die Stelle des Einkammerparlaments trat wieder ein traditionelles Zweikammersystem, in dem neben die direkt gewählte Abgeordnetenkammer eine indirekt gewählte Senatskammer trat, die als konservatives Gegengewicht gegen die Deputierten fungieren sollte.
Noch deutlicher wirkte sich die Stärkung des Amtes des Präsidenten der Republik aus, dessen Amtszeit mit unmittelbarer Wirkung auf sieben Jahre verlängert wurde. Zudem setzte der Präsident de facto seine Prärogative über die Einsetzung und Absetzung der Regierung durch, die zwar weiterhin an das Vertrauen des Parlaments gebunden blieb, ebenso aber auch vom Präsidenten abhängig blieb.
Beginn des 20. Jahrhunderts
Der gescheiterte Putsch von 1898
Als führende Kraft der Republik konsolidierten sich in der Folge die gemäßigten Kräfte der Moderatas, die sich für eine Konsolidierung der Republik auf Grundlage eines starken Bürgertums einsetzten und auf einen Konsens mit den Kräften des Ancien Régime hinarbeiteten. In Opposition zu den meist großbürgerlichen Moderaten drängten die eher kleinbürgerlichen Radicales auf eine Fortführung der konstitutionellen Revolution auf sozialem und politischem Gebiet.
Das versuchte Bündnis der Moderaten mit den Kräften der Restauration stieß bald an offensichtliche Grenzen und nutzte vor allem letzteren, die sich vor allem in Verwaltung und Militär halten konnten. Mit dem gescheiterten Putschversuch vom 25. April 1898 wurde diese Politik des Ausgleichs letztlich stark diskreditiert. Auslöser der Krise war ein Komplott führender monarchistischer Politiker und rechter Generäle um Arcélio del Carnet, Filipe Conte d'Avís und Stefano Perón de Carilla gegen die demokratische Republik. Die Putschisten verfolgten das Ziel, die Monarchie des Hauses Vienne wieder einzuführen und den Thronfolger José Filipe aus dem Exil zurück auf den Thron zu führen. Die eigentliche Macht sollte damit aus der Hand der gewählten Volksvertreter auf einen kleinen Kreis adliger Eliten übertragen werden. In der Abwesenheit des Präsidenten Luis Cavaller, verbreitete sich am Morgen des 25. April 1898 das Gerücht, die Nationalversammlung sei aufgelöst und die Monarchie unter dem exilierten König Philipp X. wiedereingeführt. Der folgende Versuch der Putschisten, die Nationalversammlung zu besetzen, schlug aber bereits in seinen Ansätzen fehl, da ein Teil der Putschisten noch in den Morgenstunden festgenommen wurde und wesentliche Kommunikationswege abgeschnitten waren. In der Konsequenz gelang es nur wenigen putschistischen Soldaten, das Parlamentsgebäude zu umstellen, zum Sturm des Gebäudes kam es aber zunächst nicht. Dennoch erklärten einige monarchistische Abgeordnete im Gebäude ihre Solidarität mit den Aufständischen.
Präsident Cavaller erklärte sofort den Ausnahmezustand und ernannte General Luis María de Castós zum Inhaber der Exekutivgewalt. Bereits nach wenigen Stunden brach der Putschversuch jedoch in sich zusammen, da sich große Teile der Semestiner Bevölkerung, der Verwaltung sowie Teile des Militärs, die General de Castós loyal gegenüberstanden, mit der republikanischen Regierung solidarisierten und den Staatsstreich boykottierten. Die Putschisten mussten schließlich aufgeben, auch wenn es in der Folge noch wochenlang zu verschiedenen Erhebungen in den Regionen kam.
Sozialgesetzgebung und Laizismus-Streit (1899-1905)
Der April-Putsch 1898 bewirkte letztlich das Gegenteil dessen, was er zu bewirken suchte. Statt die Monarchie zurückzubringen, führte die akute Bedrohung der jungen Republik zu einer Solidarisierung der längst zerstrittenen bürgerlich-liberalen Kreise und zu einem Machtgewinn der republikanischen Linken. Präsident Luis Cavaller, der sich in der Krise als starker Mann präsentiert hatte und dem offenbar die Loyalität führender Militärs sicher war, wurde in der Folge von einer überwältigenden Mehrheit für eine weitere Amtszeit im Präsidentenamt bestätigt und entwickelte sich zur Integrationsfigur der jungen Republik. Die Putschisten von 1898 wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, die Abgeordneten, die sich mit ihnen solidarisiert hatten, verloren ihr Mandat und durften 1899 nicht zur Parlamentswahl antreten.
Bei der Parlamentswahl 1899 profitierten vor allem die Radikalen von der Stimmung im Land und gingen erstmals als stärkste Kraft hervor. Unter der Führung des Radikalen-Politikers Donado Salgate setzte eine laizistische Koalitionsregierung in der Folge zahlreiche Gesetze durch, die in einer "zweiten Revolution" einen Großteil der bis dahin ausgebliebenen Sozialreformen nachholten. Einerseits blieben umfangreiche Landreformen und Enteignungen wie von der aufstrebenden sozialistischen Linken gefordert aus. Andererseits aber wurden in einem weiten Linksbündnis von Liberalen bis hin zu den Sozialisten die Grundlagen für den modernen sagradischen Wohlfahrtstaat gelegt, indem nacheinander umfassende gesetzliche Unfall- und Krankenversicherungen eingeführt wurden, die als Basis für das nach und nach ausgebaute sagradische Sozialversicherungssystem dienten. 1913 folgte die Einführung einer gesetzlichen Rentenversicherung, 1936 die einer gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Darüber hinaus zielten die Reformen der "sinistra laica" auf eine klare Trennung von Staat und Kirche ab, schafften die Konfessionsschulen ab und säuberten den öffentlichen Dienst von Republikfeinden.
Die laizistische Koalition traf auf heftigen Widerstand der katholischen Rechten. Am energischsten stellte sich die radikal-nationalistische und populistische Bewegung der Nacional Renovadores unter der Führung von Daniel Lafontán gegen die "linke Republik". Aber auch katholische und großbürgerliche Republikaner sowie konservative Monarchisten, die sich in der Nationalen Union sammelten, fanden sich in der Opposition zu der "sinistra laica". Unter der Führung Lafontáns und des Unionisten Miquel Fernando Luisanto gewann die vereinigte Rechte die Parlamentswahl 1903 und bildete in der Folge eine Regierung der "Koalition der Moral". Die Koalition führte die Konfessionsschulen wieder ein, stärkte die Klöster und baute den Einfluss der katholischen Kirche wieder aus. Außenpolitisch wurde eine Politik der nationalen Stärke verfolgt, in der sich Sagradien zunehmend isolierte.
Die Präsidentschaft Cardinal (1905-1912)
1905 starb mit Luis Cavaller der erste Präsident der Republik, der in 14 Jahren im Amt eine starke Stellung eingenommen und das Bild einer gemäßigt-bürgerlichen Republik maßgeblich mitbestimmt hatte. Unter seiner Führung führte Sagradien unabhängig von der Zusammensetzung der jeweiligen Regierung und trotz Widerstand aus weiten Teilen der Linken die Kolonialpolitik der Monarchie unter neuen Vorzeichen einer "republikanischen Zivilisationsmission" fort. Als Cavaller 1905 wenige Monate vor Ende seiner zweiten Amtszeit starb, hatte sich aus der provisorischen Republik ein stabiles, wenn auch politisch heftig umkämpftes Gemeinwesen etabliert, das von breiten bürgerlichen Schichten getragen wurde.
Zum Nachfolger Cavallers wählte die rechtsgerichtete Parlamentsmehrheit den unabhängigen Ex-General Joán Cardinal. Mit dem konservativen Militär saß ein Vertreter der alten Eliten im Präsidentenpalast, der der neuen parlamentarischen Republik lange reserviert gegenübergestanden hatte, als Staatsoberhaupt aber die Integrität der Republik verteigite und eine Rückkehr zur Monarchie durch einen Staatsstreich kategorisch ausschloss. Zunächst von Linken äußerst kritisch betrachtet und als potenzielle Gefahr für die Republik angesehen, entwickelte sich die Präsidentschaft Cardinals zu einem Integrationserfolg, indem der erzkatholische und ehemals monarchistische General zahlreiche Republikgegner für das Gemeinwesen gewinnen konnte.
Aus der Parlamentswahl 1907 ging die Rechte geschwächt und zersplittert hervor, sodass das Bündnis von Monarchisten, Nationalisten, Katholiken und konservativen Republikanern schließlich in sich zerfiel. Präsident Cardinal löste im Jahr 1909 erstmals und letztmals bis 1932 das Parlament vorzeitig auf in der Hoffnung, eine gestärkte Basis für eine neuerliche konservative Regierung zu erhalten. Stattdessen ging jedoch die liberale Aliança Republicana als Sieger aus der Wahl hervor. Aus den Trümmern der gescheiterten Rechtskoalition entwickelte sich zudem binnen kurzer Zeit die 1905 gegründete Acción Popular zu einer neuen erfolgreichen Integrationspartei der katholischen Wählerschaft. Mit der Acción Popular und dem ebenfalls deutlich gestärkten Partíu Socialista gehörte nun ca. ein Drittel der Abgeordneten in der Kammer einer der beiden Parteien an, die in der Folge zu den großen Massenintegrationsparteien des Landes anwuchsen und das Ende der radikal-liberalen Dominanz im Parlament einläuteten.
Erster Weltkrieg und Entstehung des Linksblocks (1914-1917)
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der parteilose Pier-Costantín Sant'Estrell zum Ministerpräsidenten einer liberalen Konsensregierung ernannt, die über eine breite parlamentarische Basis verfügte. Präsident Francisco Berlioz und seinem Ministerpräsidenten Sant'Estrell gelang es in der Folge, Sagradien aus dem Krieg herauszuhalten, auch wenn das Land offen mit den Alliierten sympathisierte.
Nach der Parlamentswahl 1917, bei der die Parteien der Linken den Sieg davon trugen, wurde der Radikalliberale Francisco Calbane zum Ministerpräsidenten ernannt. Er führte eine Regierung des Bloco de Sinistra an, die auch von den Sozialisten unterstützt wurde. Mit Carles Sastre trat 1919 der erste sozialistische Minister in die Regierung ein.
Ziel der Regierung des Bloco de Sinistra war es, die laizistischen Reformen der sinistra laica, unter Donado Salgate nur unvollständig durchgesetzt und inzwischen von mehreren Rechtsregierungen revidiert, endgültig zu einem Ende zu bringen und die strikte Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen, um den Einfluss der als reaktionär betrachteten katholischen Kirche auf den sagradischen Staat zu brechen. Daneben pochten die Sozialisten auf weitgehende Sozialreformen, welche schließlich auf Basis der Sozialgesetzgebung von 1900-1902 den modernen sagradischen Wohlfahrtsstaat begründen sollten. Die Linksblockregierung arbeitete außerordentlich erfolgreich und konnte in ihren vier Regierungsjahren mit dem Schulgesetz von 1918, der Sozialgesetzgebung von 1919/20 und der Verfassungsreform von 1919 ihre wichtigsten Reformvorhaben umsetzen.
Die Zwanziger und Dreißiger Jahre
Verfassungsreform 1919
Bereits unter Sant'Estrell war 1916 eine Verfassungskommission eingesetzt worden, die umfassende Vorschläge für eine konstitutionelle Revision vorlegte. Unter der seit 1917 amtierenden Linksregierung wurde schließlich 1919 eine umfassende Verfassungsrevision durchgesetzt, die bei der folgenden vorgezogenen Parlamentswahl 1919 erstmals zur Anwendung kam. An die Stelle des allgemeinen Wahlrechts der Männer über 25 Jahren trat nun das allgemeine Wahlrecht für Männer und – das war neu – auch für Frauen über 21 Jahren. Damit wurde in Sagradien wie in den meisten westeuropäischen Ländern zeitgleich auch das Frauenwahlrecht eingeführt. Zudem wurde die bisherige absolute Mehrheitswahl bei Wahlen zur Abgeordnetenkammer durch die Verhältniswahl ersetzt.
Im Jahr 1919 wurden die ersten sagradischen Parlamentswahlen nach dem Modus der Verhältniswahl mit Listen durchgeführt. Den Sieg trugen dabei erneut die Parteien der Linken davon. Die Sozialisten, unter den Bedingungen der Mehrheitswahl meist aufgrund des Wahlkreiszuschnitts benachteiligt, wurden mit einem Stimmenanteil von über 30 Prozent erwartungsgemäßg stärkste Kraft.
Mit den Stimmen des Linksblocks wurde im Januar 1919 der Radikaldemokrat Carles Simón López-Iregui zum neuen Präsidenten der Republik gewählt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament hatte der liberale Amtsinhaber Francisco Berlioz auf eine Wiederwahl verzichtet. López-Ireguis Präsidentschaft bestand jedoch nur wenige Monate. In dieser Zeit litt sich der zögerliche Amtsinhaber unter gesundheitlichen Problemen und musste sich überdies starken Angriffen von Seiten der konservativen Presse erwehren. Im November 1919 zog er die Konsequenzen aus einer Verleumdungskampagne und trat von seinem Amt zurück. Zum Nachfolger wurde sein Parteifreund Cristoval Sánchez gewählt, der die Pressekampagne hart verurteilte und einen Kurs der starken Präsidentschaft ankündigte.
Spaltung der Linken und Große Koalition (1917-1925)
Das Regierungsbeteiligung der Linken führte zu heftigen parteiinternen Auseinandersetzungen in der Sozialistischen Partei. Gegen die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung spaltete sich bereits 1917 der linke Flügel ab und bildete den oppositionellen Partíu Socialista Auténtico, dem sich aber nur eine Minderheit von 21 Abgeordneten anschloss.
Erst die russische Oktoberrevolution 1917 und der Streit um das Verhältnis zur Komintern führte endgültig zur Spaltung der Arbeiterbewegung in zwei konkurrierende Parteien. Während sich die Mehrheit des Partíu Socialista gegen die Komintern und für den eingeschlagenen reformistischen Weg entschied, setzten sich im PSA nach heftigen Auseinandersetzungen die Terceristas durch konnten und begründeten schließlich den Partíu Comunista Sagradês, woraufhin die gemäßigten Unabhängigen 1919/22 wieder in die Mutterpartei zurückkehrten.
Die Spaltung der Sozialistischen Partei trug mit dazu bei, dass der Linksblock bei den Parlamentswahlen 1921 seine parlamentarische Mehrheit verlor. Zwar wurde der PS erneut stärkste Kraft, die Kommunisten gewannen aber ebenfalls 22 Mandate und die Radikalen erlitten schwere Verluste. Relativer Sieger der Wahl war die rechtsliberale Aliança Republicana, die sich auf 74 Mandate verbessern konnte und nun mit den Parteien des Linksblocks eine Regierung der Großen Koalition (Governo del Largo Horizonte) unter dem Radikalen António Diaz bildeten. Die neue von der gemäßigten Linken zur gemäßigten Rechten reichende Regierung ergänzte die laizistischen Reformen und trug damit erheblich zu deren Etablierung bei.
Nachdem die Regierung Diaz Anfang 1924 gescheitert war, wurde im Februar des Jahres mit Santiago Laval erstmals in der Geschichte der bürgerlichen Republik ein Sozialist Regierungschef. Seine sozialistische Minderheitsregierung stand aber von Beginn an auf tönernen Füßen und hielt nur bis Jahresende. Bis zur Parlamentswahl 1925 amtierte schließlich eine Minderheitsregierung der beiden bürgerlichen Parteien PRR und ARL unter dem Liberalen Daniel Laponte.
Vorherrschaft der Volksunion und die Präsidentschaft Gaeta (1925-1929)
Die Vorherrschaft der Linken und der laizistischen Parteien hatte in Kombination mit dem neuen Verhältniswahlsystem innerhalb der Rechten zu einem Umstrukturierungsprozess geführt. Vor allem ging es um eine festere Organisationsstruktur des zuvor zersplitterten konservativen Lagers. Nach den verlorenen Parlamentswahlen 1919 und 1923 reorganisierte sich die katholische Rechte schließlich in der Unión Popular, die als straff geführte Massenpartei nach Vorbild des erfolgreichen Partíu Socialista aufgebaut wurde.
Die Unión Popular konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die Parlamentswahl des Jahres 1925 für sich entscheiden. Mit 148 Abgeordneten wurden die Katholiken knapp stärkste Kraft im Parlament und unterbreiteten den geschwächten Liberalen ein Angebot zur Zusammenarbeit. Präsident Sánchez ernannte daraufhin widerwillig den Kandidaten der neuen Koalition Estefán Gaeta zum Ministerpräsidenten.
Nachdem die Amtszeit vo Präsident Sánchez im Dezember 1927 ausgelaufen war, konnte der Bloco Nacional ihren Parteiführer Estefán Gaeta als Nachfolger durchsetzen. Gaeta verfolgte von Beginn an das Konzept einer starken persönlichen Präsidentschaft und ernannte mit seinem Parteifreund Dián Ybagarriz bewusst einen Politiker aus der zweiten Reihe zum Regierungschef, der die anvisierte Verfassungsreform zugunsten eines stärker autoritären Systems mit präsidentieller Regierung nicht durchsetzen konnte. 1929 musste Ybagarriz schließlich für seinen Parteifreund Cesar Iruain Platz machen, der die konservativ-liberale Koalition fortführte.
Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1929-1934)
Die Weltwirtschaftskrise stürzte Sagradien 1930 in eine schwere Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahr 1931 rapide an und die Wirtschaftsleistung nahm ab. Soziale Krisen überströmten das Land. Die Regierung von César Iruain setzte jedoch auf eine Sparpolitik, um die eigene Finanzierungskrise zu überwinden, suchte gleichzeitig aber durch protektionistische Maßnahmen die eigene Wirtschaft zu schützen. Als die Parlamentsmehrheit ihre Unterstützung für diese Politik im Herbst 1931 aufgekündigt hatten, musste Iruain zurücktreten. Präsident Gaeta berief daraufhin eine parteiungebundene Expertenregierung seines Vertrauens unter der Führung des langjährigen Nationalbankpräsidenten Pier-Ernesto Cajot, unter der sich die Lage aber nicht signifikant verbesserte.
Die allgemeine Krise bestärkte Gaeta in seinem Vorhaben, eine umfangreiche Verfassungsreform durchzusetzen. Diese sollte die Direktwahl des Präsidenten vorsehen und dessen Rolle gegenüber Parlament und Regierung stärken. Um für sein Vorhaben eine parlamentarische Mehrheit zu finden, löste Gaeta Anfang 1932 schließlich die Nationalversammlung auf und führte vorgezogene Neuwahlen im April 1932 herbei, bei denen sich der konservative Bloco Nacional unter Führung der Volksunion erneut als stärkste Kraft durch behaupten konnte. Dennoch verpasste Gaeta die für eine Verfassungsänderung benötigte Zweidrittelmehrheit im Parlament und musste auf sein Reformpläne verzichten.
Der Regierung des Konservativen Manuel Sants-Igualde gelang es aber, mit einem stärker auf sozialen Ausgleich ausgerichteten Programm, eine neue Mehrheit hinter sich zu bringen, da sich erstmals auch die Sozialisten bereit fanden, mit der Rechten zusammenzuarbeiten und der Regierung außerordentliche Vollmachten zur Behebung der sozialen Krise zu übertragen.
Herbstkrise 1934
Die anhaltende soziale Notlage führte aber im ganzen Land zu einer Radikalisierung der politischen Situation. Angeheizt durch die sozialen Missstände florierten rechts- und linksextreme Gruppierungen, die ständig wuchsen und neue Anhänger der verarmten Mittelschichten anlockten. Die kommunistischen Roten Garden stellten sich den rechten Aktionstruppen entgegen und versuchten vielerorts, die Revolution auszulösen. Die Regierung Sants-Igualde reagierte mit eiserner Hand gegen die Rotgardisten, während die Truppisten vielerorts freie Hand erhielten. Die Politik gegenüber der radikalen Rechten blieb daher ambivalent. Ein erster Höhepunkt der Gewalt war die Ermordung des Kommunistenführers Lorenzo Sabal im September 1934.
Nach der Ablösung von Ministerpräsident Sants-Igualde durch Daniel Laponte im Oktober 1934 steigerte sich die Situation zu einer handfesten Systemkrise. Auslöser war die Festnahme einer kleineren Gruppe von Faschisten, die für den Mord an Sabal verantwortlich gemacht wurden. Die faschistische Schwarze Division unter der Führung von León Francês organisierte daraufhin Straßenproteste gegen die "kommunistische Staatsverschwörung", die schließlich zu einem improvisierten Staatsstreichversuch eskalierte. Francês zog mit den Demonstranten am Abend des 30. Oktober in einem "Marsch auf den Plazarenya" in Richtung Präsidentenpalast und forderte dort von Präsident Estefán Gaeta die Ernennung zum Regierungschef. Einzelnen Divisionisten gelang es auch, in das Gebäude einzudringen, sie konnten aber nicht zum Präsidenten vordringen. Gaeta reagierte sofort, indem er den Ausnahmezustand verhängte und General Alfonso Cabarel mit der Exekutivgewalt ausstattete. Als Reaktion darauf löste sich die Demonstration auf. Francês und mehrere Mitstreiter wurden festgenommen und die Schwarze Division aufgelöst.
In den Wochen nach dem Putschversuch blieb der Ausnahmezustand aufrecht und Gaeta regierte mithilfe von Sondervollmachten, die ihm die Nationalversammlung übertrug. Unter dem ehemaligen Militär Sergio Rafael Dini wurde schon am 31. Oktober eine nationale Sammlungsregierung eingesetzt, die übergangsweise für Ordnung sorgen sollte. Hoffnungen der äußeren Rechten, der Präsident werde die verfassungsmäßig nicht zustandegekommene Staatsreform durchsetzen und sich per Staatsstreich über das Ende seiner Amtszeit halten, erfüllte er aber nicht. Auf Druck der politischen Parteien hin erklärte Gaeta Anfang Dezember den Ausnahmezustand für beendet und verzichtete bei der Präsidentschaftswahl im Dezember auf eine erneute Kandidatur.
Volksfrontwahl 1936
Die Krise 1934 hatte vor allem innerhalb der politischen Linken für Aufregung gesorgt und die sich seit 1932 vollziehenden Annäherungsprozesse zwischen den zerstrittenen Linksparteien beschleunigt. Treibende Kraft des Sammlungsprozesses war der Sozialistenführer Santiago Laval, der angesichts der Gefahr von Rechts und der anhaltenden sozialen Krise eine vereinigte republikanische Linke zur Abwehr rechter Angriffe auf Republik und Arbeiterschaft zu organisieren suchte. In Person des neuen KP-Chefs Narcís Colom fand Laval schließlich einen Mitstreiter, der die Kommunisten erstmals für die republikanische Zusammenarbeit öffnete.
Für die Aprilwahlen 1936 bildeten die sagradischen Sozialisten unter Santiago Laval, die Kommunisten Coloms und die linksbürgerlichen Radikalen unter Angel Colón ein linkes Wahlbündnis, den Frente Popular (Volksfront), der geschlossen gegen die Parteien der Rechten antreten sollte. Die Volksfront ging aus den Wahlen als deutlicher Sieger hervor. Zum ersten mal fand sich nun eine linke Mehrheit unter Einschluss der Kommunisten für eine Regierungsbildung bereit. PS-Chef Santiago Laval wurde zum zweiten Mal nach 1924 zum Ministerpräsidenten berufen und bildete eine Koalitionsregierung aus PS und PRR, die von den Kommunisten gestützt wurde.
Die Volksfrontregierung Laval II führte zahlreiche Reformen durch. Sie erließ ein allgemeines Streikrecht, führte die 40-Stunden-Woche ein und erhöhte die Löhne im öffentlichen Dienst. Zahlreiche Schlüsselindustrien wurden sozialisiert. Zudem trat anstelle der kirchlich und gewerkschaftlich organisierten "Arbeitslosenhilfefonds" erstmals eine staatliche Arbeitslosenversicherung.
Golenkrise 1936/37
Dennoch hatte die Volksfront von Beginn an mit großen außen- und innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Besonders der schwelende Golische Bürgerkrieg drohte immer mehr auf sagradischen Boden überzuschwappen. Die unter Kommunisten gehegten Sympathien für die Unabhängigkeit Golens belasteten die Beziehungen innerhalb der sagradischen Regierung ebenso wie zwischen Sagradien und der mikolinischen Nationalregierung unter Pier Ulisse. Als die Regierung Saviola es ablehnte, eine Reihe nach Sagradien geflüchteter, des Hochverrats angeklagter Golen an Mikolinien auszuliefern, kam es im Sommer 1936 - nur wenige Wochen nach dem Machtwechsel zur Linken – zu einer heftigen diplomatischen Krise (Golenkrise), in deren Verlauf mikolinische Truppen auf sagradisches Staatsgebiet vordrangen, um golische Terroristen zu verfolgen.
Mit dem Vorwurf an die sagradische Regierung, der Lage selbst nicht Herr werden zu können, übernahmen die mikolinischen Truppen binnen weniger Tage die Provinz Pexace sowie den Westen der Escada. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, jedoch zu keiner Kriegserklärung. Der Völkerbund erwirkte einen dreimonatigen Waffenstillstand (Marrel-Moratorium), in dem es aber zu mehreren kleineren Zusammenstößen kam. Erst unter intensiver Vermittlung der internationalen Mächte unter Androhung eines internationalen Krieges erreichte die Staatengemeinschaft den Rückzug Mikoliniens aus den besetzten Gebieten mit Ausnahme kleinerer Stützpunkte im Celistal und Teilen des Ambristals, die noch weitere Jahrzehnte besetzt blieben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Lösung dieser Frage gefunden.
Der Ausgang der Golenkrise wurde als schwere Niederlage der neuen Linksregierung gewertet, der ihr abwartendes Verhalten als Schwäche ausgelegt wurde. Abgesehen davon, dass die pazifistischen Sozialisten eine kriegerische Auseinandersetzung ablehnten, waren der Regierung aber weithin die Hände gebunden, da sich das Militär vielerorts kaum bereit zeigte, den Befehlen des sozialistischen Verteidigungsministers zu gehorchen. Es zeigte sich das schwere Autoritätsproblem, das die Volksfrontregierung von Beginn an gegenüber Teilen des Militärs besaß, auch wenn sich der Großteil des Militärs noch loyal zeigte und es in der Folge zu einer Reihe von Disziplinarverfahren gegen renitente Offiziere kam.
Auflösung der Volksfront und Laval-Attentat (1937-1938)
Von Beginn an sah sich die Regierung der Volksfront heftigen Angriffen von bürgerlicher Seite und aus dem Kreis der Unternehmerverbände ausgesetzt. Im Parlament verweigerten die katholische Rechte und weite Teile der Liberalen der Regierung jegliche Zusammenarbeit. Hinzu kamen bald nach ihrer Bildung bereits heftige Spannungen innerhalb des Linksbündnisses, vor allem zwischen gemäßigten und bürgerlichen Kräften und dem radikalen Flügel der Kommunisten. Auch bezüglich des 1936 ausgebrochenen Spanischen Bürgerkriegs geriet die Volksfrontregierung in Schwierigkeiten. Während Sozialisten und Kommunisten eine Beteiligung Sagradiens auf Seiten der republikanischen Kräfte forderten, lehnten die Radikalen eine solche ab und stellten die Regierung in Frage. Die Regierung einigte sich daher auf eine Nicht-Intervention, womit das Volksfrontbündnis mit den Kommunisten endgültig zerbrach.
Im Januar 1938 trat der schwer erkrankte Präsident Domênco Scalfín von seinem Amt zurück, nachdem er bereits mehrere Monate lang kaum an den Staatsgeschäften hatte teilnehmen können. Darüber war es zu anhaltenden Konflikten zwischen der linken Parlamentsmehrheit und dem Plazarenya gekommen, in deren Zuge die Volksfrontparteien ein formelles Verfahren in die Wege leiteten, um den Präsidenten für amtsunfähig zu erklären. Der Rücktritt Scalfíns löste damit eine mehrmonatige Verfassungskrise auf.
Zum Nachfolger Scalfíns wurde Anfang Februar 1938 mit Santiago Laval erstmals ein Sozialist gewählt. Seinem Sieg war der längste Wahlgang in der Geschichte der Republik vorausgegangen, weil sich die Parteien der Volksfront nicht mehr auf einen gemeinsamen Kandidaten hatten einigen können.
Die Präsidentschaft Lavals wurde von heftigen verbalen Angriffen der Rechten auf den Präsidenten überschattet, der als einseitig und klassenkämpferisch diffamiert wurde. Das Scheitern der ersten Regierung Saviola im Frühjahr 1938 verstärkte schließlich den Druck auf den Präsidenten, einen Mann der Mitte oder der Rechten zum Regierungschef zu ernennen. Im aufgeheizten Klima wurde Laval schließlich am Abend des 21. Mai 1938 auf offener Straße angeschossen. Noch auf dem Weg ins Krankenhaus starb der Präsident. Als Attentater wurde ein Mitglied der faschistischen División Negra überführt, die trotz Verbots 1934 im Untergrund weiterarbeitete.
Ende der Volksfront und Regierung Sants
Nach dem Tod Lavals wurde Interimspräsident Luciano Capón von der Nationalversammlung zum neuen Staatspräsidenten gewählt. Seine Wahl wurde bereits von einer neuen parlamentarischen Koalition unterstützt, die sich um die Kräfte der Mitte und der rechten Mitte sammelte. Die von Capón berufene Regierung Cajanier wurde von den Parteien des Bloco Nacional sowie von den radikalen Parteien getragen. Auch Manuel Sants-Igualde kehrte als Außenminister in die Regierung zurück und prägte die Koalition als starker Mann, ehe er im Januar 1939 schließlich selbst ins Ministerpräsidentenamt zurückkehrte.
Sants-Igualde trat mit dem Ziel einer umfangreichen Verfassungsreform an und erbat schließlich von Präsident Capón die Auflösung der Abgeordnetenkammer. Aus den vorgezogenen Aprilwahlen 1939 gingen schließlich die Parteien der Rechten als Sieger hervor. Die zerstrittenen Parteien der ehemaligen Volksfront dagegen erlitten eine klare Niederlage. Zu stark war die Enttäuschung auch vieler Linker über den Bruch der Volksfront und ihre politische und ökonomische Bilanz. Ministerpräsident Sants-Igualde regierte in der Folge mit einer konservativ-liberalen Mehrheit im Parlament und suchte, sein Vorhaben einer Verfassungsreform durchzusetzen, wurde aber durch seine liberalen Koalitionspartner blockiert.
Unter Sants setzte sich ein repressiver Kurs gegen radikale Kräfte auf der linken und rechten Seite durch. Gegenüber den Divisionisten legte Sants in der Folge eine harte Hand an den Tag und setzte das Verbot schließlich auch praktisch durch. León Francês blieb jedoch ohne Verurteilung, da er sich ins Ausland absetzen konnte. Gleichzeitig setzte die Regierung auch gegenüber der kommunistischen Linken auf repressive Maßnahmen und griff zum Instrument des Verbots und der Zensur im Namen von Republik, Staat und Volk. Die KPS blieb zwar von einem Verbot verschont, ihre Tätigkeit wurde aber stark limitiert und führende Politiker immer wieder wegen des Verdachts auf staatsgefährdende Tätigkeiten in ihrer Arbeit behindert.
Geschichte Sagradiens im Zweiten Weltkrieg (1940-1945)
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Programm der „Comunión Nacional“
Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Sants in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte der Ministerpräsident, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Dahinter stand die Hoffnung, das Land durch einen strikten Neutralitätskurs aus einem Weltkrieg heraushalten zu können.
Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Sants sein Programm der „Nationalen Kommunion“, in der das ganze Land die Integrität und Sicherheit der Nation verteidigen sollte.
Juni-Gesetze und Verschärfung der Situation
Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Sants, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein.
Mit dem durch den nationalen Notstand erklärten Juni-Gesetz 1940 schlug Sagradien in der Bedrohungssituation einen zunehmend autoritären Weg ein. Die Befugnisse der Regierung wurden extensiv gebraucht und die Presse deutlich eingeschränkt. Die öffentliche Meinung wurde durch Zensur kontrolliert, extremistische und staatsgefährdende Propaganda wurde grundsätzlich verboten. Dazu gehörte auch, dass Aktivitäten der Linksparteien zunehmend kriminalisiert wurden. Sozialistische Versammlungen wurden mit der Begründung aufgelöst, sie dienten dem Feind als Angriffsgrund und zwängen Sagradien in den Weltkrieg. Nach anhaltenden Protesten der Sozialisten folgten im August 1940 schließlich weitere Restriktionen gegen führende Politiker des Partíu Socialista und der Kommunisten.
Seit Winter 1939/1940 wurden in Sagradien insgesamt zwölf Internierungslager errichtet, in denen im Laufe der Jahre Kriegsflüchtlinge, gestrandete ausländische Soldaten, aber auch Kommunisten, Syndikalisten und Pazifisten festgehalten wurden.
Das Programm der "Comunión Nacional" stärkte zwar einerseits das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter Volksschichten im Zeichen der außenpolitischen Bedrohung, führte aber auch zu einer Exklusion opponierender Kräfte aus dem nationalen Konsens. Im Inneren kam es zudem zu Notstandsmaßnahmen, die die republikanischen Freiheitsrechte der Bevölkerung merklich einschränkten. Die Sagradische Kommunistische Partei wurde 1940 verboten und die Aktivitäten "extremer" politischer Organisationen eingeschränkt. Als Geheimdienst im Inneren fungierte die Policía Interior de Securitá (PIS), neben der unabhängig der Ordre Secreto besondere Funktionen übernahm und direkt dem Premierminister unterstand. Vor allem Kommunisten und Trotzkisten, aber auch bekennende Faschisten gerieten ins Fadenkreuz der Behörden.
Zentral für den weiteren Kriegsverlauf sollte die Kontrolle über den Bretagnekanal werden, weswegen beide Kriegsseiten aktiv um die Gunst der Sants-Regierung in Sagradien warben. Bereits im Frühjahr 1940 hatte es britische Pläne gegeben, eine Invasionsarmee in die sagradische Bretagne zu entsenden, um den wichtigen Kanal unter Kontrolle zu bringen, ehe dies die Deutschen tun konnten. Diese wurden mit Rücksicht auf Sagradiens offiziellen diplomatischen Status aber nicht durchgeführt. Im Laufe des Jahres 1941 begann sich die öffentliche Meinung in Sagradien zum Krieg zu drehen. Die Zugeständnisse an Deutschland, mit dem Ziel die Neutralität zu wahren, wurden auch innerhalb der Nationalen Kommunion zunehmend unpopulär. Dazu kamen anhaltende Verletzungen der sagradischen Neutralität durch – angeblich versehentliche – deutsche Angriffe aus der Luft und auf See sowie Versuche, das Land durch Spione zu infiltrieren. Der Druck auf Sants, Deutschland den Krieg zu erklären, wurde in der zunehmend anti-deutsch gestimmten Öffentlichkeit immer größer.
Angriff Japans und Kriegseintritt
Es kam in der Folge zu Spannungen zwischen Sants und Präsident Luciano Capón, der sich stärker an die Alliierten anlehnte und vor allem Großbritannien Unterstützung gegen die deutsche Bedrohung versprach. Ausschlaggebend für den Eintritt Sagradiens in den Zweiten Weltkrieg waren aber schließlich die Ereignisse in Übersee. Bereits seit längerer Zeit hatte sich das Verhältnis Sagradiens zu Japan verschlechtert, nachdem es zu Vorfällen im Pazifik gekommen war. Dem Überfall Japans auf Pearl Harbour am 7. Dezember folgte wenige Stunden später schließlich der Angriff japanischer Truppen auf Sagradisch-Ostindien als Teil des japanischen Südostasien-Kampagne gegen die britischen, niederländischen, amerikanischen und sagradischen Besitzungen in Südostasien. Binnen weniger Wochen wurden die Inseln schließlich von Japan besetzt.
In Reaktion auf den Überfall erklärte die sagradische Nationalversammlung in einer Sondersitzung am 8. Dezember 1941 dem Kaiserreich Japan den Krieg. Die folgenden diplomatischen Versuche der Regierung Sants-Igualde, den Krieg auf Übersee zu beschränken, schlugen fehl. Präsident Capón und der amerikanische Präsident Roosevelt versprachen sich gegenseitige Unterstützung und am 11. Dezember erklärten Deutschland und Italien den Vereinigten Staaten sowie der Sagradischen Republik den Krieg. Sofort nahmen deutsche Truppen schlagartig Fidelfe und weitere Städte an der sagradischen Ostküste ein, um sich den Zugang zum Kanal zu sichern (Operation Roderich). Binnen weniger Tage brachten deutsche Truppen nun große Teile des sagradischen Nordostens unter ihre Kontrolle.
Die Angriff auf Sagradien führte schließlich am 15. Dezember zum Rücktritt der Regierung Sants, deren Neutralitätspolitik als gescheitert galt. Zum Nachfolger ernannte Capón den parteilosen Sergio Rafael Dini, der über eigene militärische Erfahrungen verfügte und als überparteilich anerkannt galt. Sants blieb zwar Chef der Comunión, verlor ohne Regierungsamt aber zunehmend an Einfluss. Mit dem Kriegseintritt ging die Entscheidungsgewalt zudem wesentlich auf Präsident Luciano Capón und den Oberbefehlshaber General Oscar Taglle Rodríguez über. Dagegen verlor die Nationale Kommunion schnell an Einfluss und wurde de facto aufgelöst. Unter Sergio Rafael Dini wurde zudem ein Kriegskabinett gebildet.
Am 2. Januar 1942 unterzeichnete die Sagradische Republik die Erklärung der Vereinten Nationen und wurde damit auch formell Teil der Alliierten.
Die Deutschen setzten im April 1942 im Nordosten des Landes den entlassenen Stellvertreter Manuel Sants Caro Mêstre als Chef einer Gegenregierung mit Sitz im ceundalischen Fidelfe ein (Regierung von Fidelfe), die als deutsche Marionettenregierung fungierte. In den besetzten Gebieten begannen die Deutschen – unterstützt von sagradischen Kollaborateuren – mit der Verfolgung der sagradischen Juden. Gleichzeitig bildete sich eine Widerstandsbewegung, die vor allem von Kommunisten und Sozialisten getragen wurde.
Der Partisanenbewegung gelangen wichtige Schläge gegen die Deutschen. Unterstützt wurden sie durch eine allgemeine Streikwelle, die das Regime in Fidelfe nachhaltig destabilisierte. Der Landung der Allierten in der Normandie am 6. Juni 1944 folgte der endgültige Sieg der sagradischen Truppen und der Alliierten gegen Deutschland und die Mêstre-Kollaborateure. Die Kapitulation der letzten Regierungstruppen der Regierung von Fidelfe im August 1944 gilt als endgültiges Ende des Zweiten Weltkriegs auf sagradischem Boden.
Die Dritte Republik
Sagradien in der Nachkriegszeit
Begründung des Nachkriegskonsenses (1945-1949)
Mit der Übertragung der gesamten Exekutivgewalt auf die Regierung Dini im Januar 1945 begann in Sagradien der zivile Wiederaufbau. Der Kriegszustand wurde beendet und die historische Zäsur zu einer Neubegründung der demokratischen Republik genutzt. Durch die Bedrohung des Krieges hatte sich nach den Auseinandersetzungen und Kämpfen der 1930er Jahre erstmals wieder ein nationaler Konsens etabliert, der genutzt werden sollte, auch dauerhaft ein Klima der Aussöhnung und der Zusammenarbeit über Lager und Klassen hinweg zu erreichen. Die Bürgerrechte wurden wieder in vollem Umfang eingesetzt und die verschärften Gesetze gegen Staatsfeinde wieder entschärft.
Im August 1945 kam es schließlich erstmals seit 1938 wieder zu einer Parlamentswahl. Bereits im Vorfeld der Wahlen war aus der katholisch-konservativen Volksunion und der kleinen sozialkatholischen PDP mit dem Partíu Popular de Convergência eine stark von der katholischen Soziallehre geprägte christdemokratische Sammlungspartei hervorgegangen, die sich im Gegensatz zur Vorgängerorganisation offen gegenüber einer Zusammenarbeit mit der politischen Linken zeigte. Die Christdemokraten gewannen auch die erste Parlamentswahl nach dem Krieg und konnten sich in der Folge als stärkste Partei der Nachkriegszeit behaupten. Dem Erfolg der neuen Sammlung im Mitte-Rechts-Lager folgte 1947 eine Neugründung im linken Lager, wo sich die Sozialistische Partei mit kleineren Mitte-Links-Gruppierungen zur Sozialistischen Allianz vereinigte.
Der Krieg hatte erreicht, dass die scharfen politischen und sozialen Konflikten der 1930er Jahre, die vor allem zwischen Linken und Rechten ausgefochten wurden, nun einem breiten nationalen Konsens und der Bereitschaft zur lagerübergreifenden Zusammenarbeit Platz machten. Kurz nach ihrer Konstituierung wählte die sagradische Nationalversammlung 1945 im breiten überparteilichen Einvernehmen Sergio Dini zum neuen Staatspräsidenten Sagradiens, der wiederum den ehemaligen Ministerpräsidenten José António Saviola vom linksliberalen Partíu Radical zum neuen Präsidenten der Ministerrats ernannte. Unter Saviola wurde die am Ende des Krieges entstandene "Demokratische Koalition" aus Sozialisten, Christdemokraten, Kommunisten und Radikalen fortgeführt. In der Opposition dazu standen lediglich die konservativ-liberale Rechte, die weiterhin jede Zusammenarbeit mit der kommunistischen Linken ablehnte, sowie mehrere Splitterparteien. Die Partner der "Demokratischen Koalition" einigten sich auf ein umfassendes Wirtschaftsprogramm, das Sagradien zu einer gemischten Ökonomie aus marktwirtschaftlichen und planwirtschaftlichen Elementen machen sollte. Der Markt, so der Konsens, sollte durch einen starken Staat gebändigt werden. Zugleich führte die Demokratische Koalition die Tariffreiheit ein, erließ eine gesetzliche Mindestlohnregelung und einigte sich auf einige zentrale Verstaatlichungen. Dazu gehörte die Verstaatlichung des Energiesektors (vgl. Coesa, SagraGas), der Montanindustrie (vgl. Sagracêr, Ferrocel) sowie der Luftfahrt (vgl. Sagradêsa d'Aviación). Die Eisenbahn (RNFS) war bereits 1936 verstaatlicht worden. Die Automobilbranche wurde teiverstaatlicht (vgl. Zeda, Cifa).
Damit gelang es der neuen Regierung, zentrale Streitfragen der Zweiten Republik im breiten Konsens zu lösen und die Polarisierung zwischen der Linken und der Rechten zumindest für eine gewisse Zeit lang zu überwinden. Gleichzeitig wurde an die Politik der Volksfrontregierung der Dreißiger Jahre angeknüpft und der noch junge sagradische Wohlfahrtsstaat ausgebaut, der in den Folgejahren als Basis des ökonomischen Aufschwungs betrachtet wurde.
Verfassungsrevision 1949/50
Auch Verfassungspolitisch wagten die Koalitionäre Neuland und machten sich an eine umfassende Revision der Verfassung von 1893, die vor allem der politischen Instabilität der vergangenen Jahrzehnte Abhilfe schaffen sollte. Zentrales Ziel der Reform war es, den Verfassungstext zu aktualisieren und zu modernisieren und Dauerkonflikte zwischen den Verfassungsorganen zu beenden. Teil des Vorhaben war es, einen Grundrechtekatalog in die Verfassung aufzunehmen, der die nur rudimentären Bestimmungen der Verfassung von 1893 umfassend ergänzen sollte. Dem Geist des Nachkriegskonsenses entsprechend wurde nun auch die Sozialpflichtigkeit des Eigentums festgeschrieben. Zugleich sollte aber auch die Regierungsstabilität erhöht und die Macht der parlamentarischen Exekutive gestärkt werden. Erstmals überhaupt wurde das Amt des Ministerpräsidenten auch offiziell in den Verfassungstext aufgenommen. Der Präsident der Republik ernannte zwar weiterhin die Minister, allerdings auf Vorschlag des Ministerpräsidenten, dessen faktisch bereits bestehende Rolle als Regierungschef damit konstitutionell verankert und zusätzlich gestärkt wurde. Schließlich sollte er die Politik der Regierung leiten und die Gesamtverantwortung tragen. Das Instrument des Misstrauensvotums wurde ausdrücklich an eine absolute Mehrheit der Abgeordneten gegen die Regierung gebunden, sodass das Prinzip des negativen Parlamentarismus auch formell in die Verfassung geschrieben wurde.
Konsens bestand zudem darin, dass der Senat, bisher gleichberechtigte zweite Kammer, an Kompetenzen einbüßen sollte, um die Handlungsmöglichkeiten der Regierungen zu erhöhen. Während aber Kommunisten und Sozialisten eine ersatzlose Abschaffung des Senats und den Übergang zum Einkammer-System befürworteten, wollten die bürgerlichen Parteien an der zweiten Kammer festhalten. Als Kompromiss einigte sich die gemeinsame Verfassungskommission der Nationalversammlung schließlich darauf, den Senat zu reformieren und zentraler Kompetenzen zu berauben, aber nicht gänzlich abzuschaffen. Aus dem symmetrischen wurde so ein asymmetrischer Bikameralismus.
Bei der Parlamentswahl 1949 entschieden die Wähler mit deutlicher Mehrheit für die Parteien, die sich für die Verfassungsrevision aussprachen. Die neu gewählte Nationalversammlung verabschiedete das Verfassungsgesetz schließlich am 30. August 1949 mit deutlicher Mehrheit und gab es damit zur Volksabstimmung frei. In einem Referendum am 1. November 1949 sprachen sich fast 80 Prozent der sagradischen Wähler für den neuen Verfassungstext aus, der daraufhin zum 1. Januar 1950 in Kraft trat.
Beginn der Ära Luciaro (1948-1953)
Bereits vor der Verabschiedung der neuen Verfassung war die Nachkriegskoalition aus Christdemokraten, Liberalen, Sozialisten und Kommunisten im Zuge des beginnenden Kalten Kriegs zerfallen. Die Frage der Westbindung der Regierung, vor allem der Inanspruchnahme der amerikanischen Marshallplan-Hilfe führte schließlich zum Bruch mit den Kommunisten, die das Kabinett im März 1947 verlassen mussten. Danach wurde die Koalition als Zentrumsblock ohne die Kommunisten fortgesetzt. Nach einer Regierungskrise Ende 1948 - die Radikalen verließen vorübergehend die Regierungskoalition – wurde der Sozialist Santo de l'Ilpa als Ministerpräsident durch den Christdemokraten Paulo Luciaro abgelöst, blieb aber als Außenminister in der Regierung. Die Koalition blieb damit stabil und wurde auch nach der Parlamentswahl 1949 zunächst fortgeführt, bei der die Christdemokraten sich als stärkste Kraft behaupten konnten.
Unter Luciaro und Ilpa beteiligte sich Sagradien wesentlich am Aufbau eines westlichen Militärbündnisses, so 1948 am Brüsseler Pakt mit Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten sowie 1949 an der Gründung der NATO. In der Folge gehörte Sagradien unter den überzeugten Europäern Luciaro und Ilpa zu den Gründernationen der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und beteiligten sich an den Projekten weiterer europäischer Bündnisse.
Nach Ende der Amtszeit von Präsident Sergio Rafael Dini im Jahr 1950 fanden erstmals Direktwahlen zum Präsidentenamt statt, bei denen der 81-jährige Dini auf eine Wiederwahl verzichtete. Bei der Wahl konnte sich der Kandidat der Christdemokraten, der Senatspräsident und ehemalige Bürgermeister von Semest Fernando de la Roya durchsetzen. De la Roya schloss an die Amtsführung Dinis an und verlieh dem Präsentenamt eine stark repräsentative Prägung, überließ die Tagespolitik aber den Regierungsparteien. Dies wurde durch die ungewohnte Stabilität der Regierungen und Koalition unterstützt, die Sagradien in der Nachkriegszeit prägte. De la Roya wurde schnell zu einer parteiübergreifenden Integrationsfigur für die gesamte Nation und füllte damit die Rolle eines Landesvaters aus.
Christdemokratische Vorherrschaft (1953-1962)
Mit dem Austritt der Sozialisten aus der Regierung Luciaro endete 1953 die Zeit der Zentrumsblock-Regierungen aus Christdemokraten, Sozialisten und Radikalen. Paulo Luciaro blieb aber Ministerpräsident mit Unterstützung der Links- und Rechtsliberalen in der Abgeordnetenkammer. Bei der Parlamentswahl 1954 erreichte die Volkspartei mit 42 Prozent der Stimmen das bis heute beste Ergebnis einer einzelnen Partei bei nationalen Wahlen in Sagradien. Die oppositionelle sozialistische ASUL dagegen fiel unter die 30-Prozent-Marke zurück und verlor für Jahre den Anschluss an die Christdemokraten. Diese regierten in der Folge in einer konservativ-liberalen Regierung mit den Parteien des liberalen Wahlbündnisses Unión Democrática, das sich anlässlich der Parlamentswahl um PRR und MRL gebildet hatte.
Wirtschafts- und sozialpolitisch wurde nun im Bündnis mit den Liberalen eine stärker auf eine freie Marktwirtschaft ausgerichtete Politik verfolgt, ohne aber den Nachkriegskonsens aufzukündigen. Auf den sozialpolitischen Basisentscheidungen der Vorgängerregierungen gründend, wurde diese Politik von weiten Teilen der Bevölkerung als großer Erfolg empfunden, zumal der Nachkriegsboom nun in seine dynamischste Phase überging und für über ein Jahrzehnt wirtschaftliches Wachstum und soziale Sicherheit gleichzeitig ermöglichte.
Außenpolitisch behielt die Regierung Luciaro jedoch den bisherigen Kurs bei und verfolgte weiterhin eine Politik der europäischen Integration. 1957 unterzeichnete Außenminister David Pizarro Cordês für Sagradien die Römischen Verträge, die die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft begründeten. Daneben bemühte sich die Regierung aber auch um eine Aussöhnung mit dem Nachbarn Mikolinien, die 1955 schließlich in den Golischen Verträgen resultierte. Darin wurde die seit Jahrhunderten strittige Frage der Zugehörigkeit der golischen Gebiete endgültig geklärt und den in beiden Staaten lebenden golischen Minderheiten ebenso wie den sagradischen bzw. mikolinischen Minderheiten im jeweils anderen Staat umfassende Schutzrechte zugesichert.
Nachdem Luciaros Mitte-Rechts-Koalition bei der Parlamentswahl 1958 erneut eine deutliche Mehrheit in der Abgeordnetenkammer gewonnen hatte, wurde die Regierung zunächst unter Luciaros Führung fortgesetzt, doch mehrte sich allmählich Kritik am Regierungschef, bei dem zunehmend Alterserscheinungen sichtbar wurden. Luciaro übergab schließlich 1959 sein Amt als Regierungschef an den bisherigen Finanzminister Carles Favale. Stattdessen wurde Luciaro bei der Präsidentschaftswahl 1960 als Nachfolger von Fernando De la Roya ins höchste Staatsamt gewählt und blieb damit eine prägende Gestalt der sagradischen Politik.
Das Ende des sagradischen Kolonialreichs
Das sagradische Kolonialreich in Amerika, Afrika und Asien wurde nach dem 2. Weltkrieg schrittweise dekolonisiert. Ein wichtiger Schritt war dabei die Verfassung von 1949, in der die Überseekolonien zu autonomen Konföderationen der Sagradischen Republik mit eigenen Selbstverwaltungsrechten erklärt wurden. Ziel war es, die bisherigen Kolonien schrittweise und geordnet in eigene Verwaltung zu übergeben, ohne aber die geostrategische und ökonomische Bindung ans Mutterland ganz abreißen zu lassen.
Johannaren
Bereits die Volksfrontregierung hatte mit der Johannarischen Union 1937 auf dem Boden der Kolonie Sagradisch-Ostindien einen semi-unabhängigen Staat im Pazifik geschaffen, innere Autonomie verliehen und damit den Grundstock für die Entwicklungen nach 1945 geschaffen. Die Entwicklungen auf den Johannarischen Inseln verliefen jedoch weniger stabil als erhofft. Mehrere Putschversuche sowie Massenproteste der Opposition gegen den autokratischen Machthaber James Motaro führten 1948 schließlich zum Aufstand und Bürgerkrieg, in dem sich die Befürworter der vollständigen Unabhängigkeit von Sagradien durchsetzen konnten. Die neue Regierung erklärte die Union für aufgelöst und rief die Johannarische Republik aus, die sich von Semest vollständig unabhängig erklärte. Die sagradische Regierung erkannte die Unabhängigkeit schließlich 1949 an.
Indien
Die Kolonialstädte in Sagradisch-Indien Vizagapatam, Masulipatnam und Cannanore wurden 1949 und 1954 per Vertrag an das unabhängig gewordene Indien übergeben.
Afrika
Als erste afrikanische Kolonie erhielt Sagradisch-Westafrika 1946 die Selbstverwaltung in Form der Westafrikanischen Föderation mit einem eigenen Parlament und einer eigenen Regierung. Infolge eines Unabhängigkeitsreferendums ging aus der Föderation 1955 die unabhängige Republik Belhami hervor.
Noch im selben Jahr wie Belhami, 1946, erhielten auch Sagradisch-Ostafrika (Rovuma) und Cenâu die Selbstverwaltung, die zusammen die Konföderation von Rovuma, Niassa und Cenâu bildeten. 1955 erklärte sich Rovuma/Niassa schließlich im Einvernehmen mit der sagradischen Regierung für vollständig unabhängig und bildete den Staat Rovuma. Die zur Kolonie gehörende Insel Cenâu blieb jedoch auf eigenen Wunsch hin sagradisch und ist heute eines der Überseegebiete der Republik.
1948 wurde die Konföderation von Ríu Ogüé und Cabinda als selbstverwaltendes Gebiet auf dem Boden der beiden Kolonien Ríu Ogüé und Sagradisch-Kongo gegründet. Die Konföderation endete 1956 durch die erklärte Unabhängigkeit der Republik Oguana. Cabinda folgte wenig später.
Die Kolonie Sagradisch-Somaliland, de facto bestehend aus den beiden Hafenstädten Hafun und Aluula, wurde 1949 in eine Konföderation der beiden Freistädte umgewandelt, die weiterhin mit Sagradien assoziiert bleiben sollten. Die Freistädte wurden jedoch 1960 nach Begründung der unabhängigen Republik Somalia auf dem Boden des britischen und des italienischen Teils annektiert und schließlich aufgegeben.
Die weitgehend von Weißen bewohnte Siedlerkolonie auf den Inseln von Aziz wurde von Sagradien nicht als Kolonie, sondern als integraler Teil des Mutterlandes betrachtet und entwickelte keine vergleichbar starke Unabhängigkeitsbewegung wie auf dem afrikanischen Festland. Entsprechend war Aziz als eine der sagradischen Provinzen verfasst. Erst auf Druck einer zunehmend einflussreichen Autonomiebewegung hin erhielten die Inseln 1967 die innere Autonomie mit dem Status einer Autonomen Region der Sagradischen Republik.
Sagradien in den 1960er und 1970er Jahren
Rückkehr der Sozialisten in die Regierung (1962-1967)
Unter Ministerpräsident Carles Angel Favale wurden zunehmend Probleme der deutlichen Vorherrschaft der Christdemokraten sichtbar. Anders als sein Vorgänger fehlten ihm wesentliche Integrationskompetenzen, stattdessen neigte der konservative Regierungschef eher dazu, das politische Feld zwischen Anhängern und Gegnern zu polarisieren. Zudem kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Favale als Regierungschef und seinem Vorgänger Paulo Luciaro, der als Staatspräsident eine sehr viel aktivere Rolle zu spielen suchte als sein Vorgänger Fernando De la Roya. Hierzu kamen die Ansätze einer gesellschaftlichen Liberalisierung, die Anfang der sechziger Jahre zu spüren war und die die Autorität der christdemokratisch geführten Regierung zunehmend anzweifelte. Im Ergebnis erlitt die Volkspartei bei der Parlamentswahl 1962 erstmals deutliche Verluste und büßte die gemeinsame Regierungsmehrheit mit den Liberalen ein.
Auf Drängen von Präsident Paulo Luciaro hin kam es nach den Wahlen zur Bildung einer Großen Koalition aus PPC und ASUL unter dem bisherigen Innenminister Martín Ánibal Costa. Zuvor hatten die Sozialisten ihre Regierungsbeteiligung von einer Ablösung Favales abhängig gemacht. Favale blieb als Finanzminister im Kabinett, für die Sozialisten wurde Iacovo Del Pérez Vizepremier und Außenminister. Anders als zehn Jahre zuvor blieb die Zeit der nunmehrigen Großen Koalition aber nur eine Übergangsphase. Von Beginn an fehlte es den Koalitionspartnern an gemeinsamen Politikprojekten, die einen politischen Konsens und ein längerfristiges Regierungsprogramm begründet hätten. Nach nicht einmal einem Jahr im Amt zerbrach die Koalition, woraufhin Präsident Luciaro mit Zustimmung der beiden Regierungsparteien die Abgeordnetenkammer auflöste.
Aus Neuwahlen zur Abgeordnetenkammer im Dezember 1963 gingen schließlich erstmals in der Nachkriegszeit die Sozialisten als knapp stärkste Partei hervor. Deren Generalsekretär António Santiago erhielt den Regierungsbildungsauftrag und konnte sich nach schwierigen Koalitionsverhandlungen schließlich auf eine Koalition seiner ASUL mit den beiden liberalen Parteien PRD und UDS einigen. Erstmals seit den Volksfront-Regierungen 1936-1938 gehörte damit keine konservativ-katholische Partei der Regierung an, weswegen auch von einem "Governo Laico" gesprochen wurde. Unter Führung der Sozialisten wurde die große Linie der bisherigen Nachkriegspolitik im Grunde fortgesetzt. Vor allem außenpolitisch knüpfte die Mitte-Links-Koalition an die Politik der Vorgängerregierungen an und suchte sowohl die europäische Integration als auch die Zusammenarbeit mit Mikolinien (in Form von Dreistaatengesprächen mit Mikolinien und Sancristo) fortzuführen. Die Koalition bemühte sich aber um eine innenpolitische Liberalisierung und setzte unter dem jungen Erziehungsminister Joán Caval eine umfangreiche Bildungsreform durch, die die höheren Bildungseinrichtungen stärker als bislang auch für Arbeiterkinder und Mädchen öffnen sollte. Den Regierungsparteien gelang es zudem, bei der Präsidentschaftswahl 1965, die nach dem Tod Paulo Luciaros fällig wurde, ihren gemeinsamen Kandidaten, den ehemaligen Außenminister und NATO-Generalsekretär David Pizarro-Cordês durchzusetzen, der als erster und bislang letzter Liberaler in der Nachkriegszeit das höchste Parteiamt ausfüllte.
Regierungschef António Santiago verstarb im Juni 1964 nach nur wenigen Monaten im Amt an den Folgen eines Herzinfarktes. Nachfolger wurde sein Parteifreund und bisheriger Außenminister Iacovo Del Pérez, der die Regierungskoalition mit den Liberalen fortsetzte. Diese geriet seit 1966 aber in zunehmende wirtschaftspolitische Gegensätze, nachdem es zu einer deutlichen Flaute in der Konjunktur gekommen war, die den Nachkriegsboom vorerst beendete. Da sich Sozialisten und Liberale nicht auf eine gemeinsame Lösung der Krise einigen konnten, zerbrach die Koalition Ende 1966. Dem Austritt der UDS-Minister aus dem Kabinett folgte Anfang 1967 schließlich ein Misstrauensvotum gegen Del Pérez in der Abgeordnetenkammer, woraufhin das Parlament vorzeitig aufgelöst wurde.
Konservative Regierung und gesellschaftlicher Reformaufbruch (1967-1970)
Aus der vorgezogenen Parlamentswahl 1967 ging schließlich die oppositionelle Volkspartei wieder als Sieger hervor. Diese hatte in der Opposition einen schwierigen Neuordnungsprozess und einen handfesten Machtkampf um die Parteiführung erlebt, in dem sich Carles Favale aber als Parteichef hatte behaupten können. Nach dem Wahlerfolg 1967 wurde Favale schließlich zum zweiten Mal zum Regierungschef einer Koalition aus PPC und UDS ernannt, die jedoch von der Unterstützung der linksliberalen PRD abhängig war. Das politische Führungspersonal blieb damit im wesentlichen das Alte. Doch zeichnete sich bei der Wahl auch der Keim neuer politischer Instabilität ab. Mit der Volksbruderschaftsbewegung des Publizisten António Blanxard Rovira zog eine neue populistische Kraft ins Parlament ein, die vor allem die Unsicherheit großer Teile der Bevölkerung mit der zunehmenden Modernisierung des Landes und der sich abzeichnenden gesellschaftlichen Liberalisierung repräsentierte. Mit Parolen gegen den angeblich sozialistischen Konsens der dominierenden Parteien und gegen die Steuerlast des Sozialstaates bediente die Bewegung Ressentiments und Abstiegsängste besonders des zunehmend marginalisierten Alten Mittelstandes.
Auf der anderen Seite drängte aber ein zunehmender Teil der Bevölkerung und der jüngeren Eliten auf weitergehende gesellschaftliche Reformen und eine Öffnung des als erstarrt empfundenen sozialen Systems und der moralischen Standards. Sichtbarster Ausdruck dieses Bestrebens wurde bald schon die linke Studentenbewegung, die in der neuen konservativ-liberalen Regierung und besonders in ihrem Chef Favale das kapitalistisch-reaktionäre Feindbild sah. Viele Protestaktionen richteten sich gegen den autoritären Geist der konservativen Gesellschaft, gegen den nach Meinung vieler Studenten und Intellektueller um sich greifenden Materialismus der Wohlstandsgesellschaft und gegen die sich ausbreitende Technokratie. Neben konkreten Zielen, wie Verbesserung der Studienbedingungen, Demokratisierung der Hochschulen sowie der Gesellschaft und einem Ende des Vietnamkriegs, standen auch unterschiedliche Forderungen nach einer anderen Gesellschaft und nach einer Überwindung der rigiden konservativen Sexualmoral.
Die Proteste der Studenten, die bereits Ende 1967 begonnen hatten und verschiedene Ziele gleichzeitig verfolgten, mündeten im Folgejahr schließlich in einer politischen Krise, nachdem es im April 1968 bei der Besetzung der Luis-Cavaller-Universität in Semest zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war, bei denen ein Student tödich verletzt wurde. Es kam in der Folge zu heftigen Anschuldigungen gegen die Regierung und zu weiteren Demonstrationen, die im Juli schließlich in einer Regierungskrise mündeten, nachdem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eine Mitschuld des damaligen Innenministers Santiago Quixón festgestellt hatte. Der Austritt der liberalen Minister aus der Regierung zwang Carles Angel Favale schließlich, Quixón und den zuständigen Staatssekretär zu entlassen und eine umfangreiche Aufklärung zuzusichern.