Geschichte Sagradiens
Geschichte Sagradiens
Inhaltsverzeichnis
- 1 Sagradien im Altertum
- 2 Sagradien im Frühmittelalter
- 2.1 Einfall der Germanen und Zerfall der römischen Herrschaft
- 2.2 Einfall der muslimischen Numerer in Alconía
- 2.3 Roderich der Große und der Aufstieg des Skantenreiches
- 2.4 Krise des Skantenreichs und Gründung des Königreichs Sarmay
- 2.5 Aerich der Große und der Beginn der sagradischen Reconquista
- 2.6 Martin der Eroberer und die Gründung des Reiches
- 3 Sagradien im Hochmittelalter
- 4 Sagradien im Spätmittelalter
- 5 Die Großmacht Sagradien unter den Santori
- 6 Sagradien im 18. Jahrhundert: Bürgerkrieg und Ständemacht
- 7 Sagradien im 19. Jahrhundert
- 8 Sagradien in der Ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
- 9 Nachkriegszeit und Dritte Republik
Sagradien im Altertum
Sagrische Frühgeschichte
Die ersten Zeugnisse einer sagrischen Frühkultur stammen aus dem 14. Jahrhundert v.Chr.; die ersten indogermanischen Völkerwanderungsstämme aus Osteuropa ließen sich in Sagradien und Micolinien im 12. Jahrhundert v. Chr. nieder und vermischten sich rasch mit der Urbevölkerung. Den Römern waren diese Stämme später als 'Sagrer' (Sagri) bekannt, wobei grob zwischen süd- und mittelsagrsichen sowie asumarischen Stammesgruppen unterschieden werden kann. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. drangen keltische Stämme aus Gallien auf die Halbinsel vor und siedelten besonders im Norden und Nordosten der sagradischen Halbinsel. Dabei kam es auch oft zu Verschmelzungen mit einheimischen sagrischen Stämmen, sodass man häufig von einer sagrokeltischen Kultur spricht. Im Süden entwickelte sich eine ausgeprägte sagrische Kultur. Besonders der Blaumeerraum wurde zu einem Zentrum sagrischer Siedlungen mit den Piäern (lat. Piaei) und Sisinen (lat. Sisini) als wichtigste Stämme an der östlichen und Mikoläern (lat. Micolaei) als dominierende Stammesgruppe an der westlichen Blaumeerküste.
Eroberung Sagradiens durch die Römer und römische Herrschaft
Bereits Iulius Caesar eroberte in den gallischen Kriegen seit 59 v.Chr. Teile Nordostsagradiens, indem er zunächst die gallischen Stämme der Vikier und Amorier unterwarf. Im Jahr 54 v. Chr. riefen die Saloer Caesar zur Hilfe gegen die keltischen Cabeser und Liener, die zu dieser Zeit nach Süden und Westen drängten und damit die Saloer bedrohten. Caesar nutzte die Gelegenheit, um den keltischen Norden der Halbinsel zu erobern und als Provincia Sagradia Citerior dem römischen Herrschaftsbereich einzugliedern. Zu dieser Zeit unterhielt Rom zu einigen sagrischen Stämmen, besonders zu den Aidern an der Südküste der Halbinsel freundschaftliche Verhältnisse und betrieb regen Handel mit ihnen. Unter Augustus wurde die Eroberung Sagradiens durch die Römer fortgesetzt. Nachdem zunächst die Streitigkeiten der sagrischen Stämme untereinander und mit den Sagrokelten, die den Römern weniger feindlich gegenüberstanden, weitergeführt worden waren, schlossen verschiedene sagrische Stämme ein Bündnis, welches aber auch die Invasion der römischen Legionen nicht aufhalten konnte. Augustus selbst eroberte im Jahr 25/24 v.Chr. ganz Sagradien, konsolidierte die Herrschaft im Gebiet bis zum Fluvius Saidelius und Fluvius Bordeus und gründete die Provinz Sagradia Ulterior. Rom trennte damit erstmals die beiden Teile der Halbinsel in ein römisches Sagradien östlich von Blaumeer und Konsetten und ein Gebiet westlich dieser natürlichen Grenzen, das erst unter Kaiser Claudius im 43 als Provincia Micolina unter römische Herrschaft kam.
Seit 18 v. Chr. trat der römische Statthalter beider Sagradien, Q. Valerius Tullianus Sagradianus, mehrere Feldzüge gegen eine sagrische Allianz aus Aidern, Micoläern und Sisinen an, die mit der Eroberung Sagradiens endeten. Augustus teilte daraufhin im Jahr 14 v. Chr. die Sagradia Ulterior in eine kaiserliche Provincia Sisinia mit der Hauptstadt Tulisium (das heutige Tulis) und eine senatorische Provincia Belacionensis mit der Hauptstadt Belacio (das heutige Belaçón) auf. Ein letzter großer sagrischer Aufstand unter dem aidischen Feldherrn Asilië endete für Rom verlustreich, konnte von Tullianus aber im Jahr 8 v. Chr. niedergeschlagen werden. Ihr Anführer Asilië wurde später als sagradischer Nationalheld verehrt.
Die Kelten wurden sehr schnell assimiliert, aber auch die Sagrer nahmen nach den anfänglichen Widerständen in den folgenden Jahrhunderten die Herrschaft und Kultur Roms an, sodass eine sagro-römische Mischkultur entstand. Mit den großen Städten Geronia, Noviogarum, Colonia Duerensis und Tulisium entstanden neue Zentren der römischen Kultur in Sagradien. Aus dem auf der Halbinsel gesprochenen Vulgärlatein entwickelten sich allmählich die sagradischen Dialekte und die gesamte sagroromanische Sprachgruppe. Nach der diokletianischen Verwaltungsreform wurden die drei Sagradien einer eigenen Dioecesis Sagradiae eingegliedert und die Provincia Geroniensis (seit 27 v. Chr. Name der Sagradia Citerior) in die Provinzen Ligria, Sagradia Ostiniensis und Sagradia Nogarensis unterteilt.
Sagradien im Frühmittelalter
Einfall der Germanen und Zerfall der römischen Herrschaft
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts drangen mit den Alkonen und Herkanden von der iberischen Halbinsel aus germanische Stämme auf das Gebiet des römischen Sagradiens vor und gründeten frühe Reiche, von denen das Alkonenreich im Süden zum ersten germanischen Staat in Sagradien wurde. Die Herkanden wurden wiederum zur Mitte des Jahrhunderts von den einfallenden Skanten nach Südmicolinien verdrängt, zwischen 450 und 480 folgten die Golen, die sich an der Nordküste des Blaumeers ansiedelten. Die fast 500-jährige unumschränkte Herrschaft Roms auf der Halbinsel endete 462, als der letzte römische Statthalter in Tulis getötet wurde.
Das große Reich der Skanten, die den gesamten Norden Sagradiens und Micoliniens besiedelten, zerfiel bald in kleinere Stammesgruppen. Als 476 der letzte weströmische Kaiser abdankte, erstreckte sich die germanische Herrschaft schon fast über ganz Sagradien. Die Stämme verschmolzen relativ rasch mit der romanischen Bevölkerung, wobei die Germanen nicht selten die Führungsschicht bildeten. Die lange Zeit florierenden Städte erlebten einen Niedergang und wurden zum Teil schwer verwüstet. Nachdem die arianischen Skanten bereits im im frühen 6. Jahrhundert die lateinisch-trinitarische Religion der romanischen Bevölkerungsmehrheit angenommen hatten, ließ sich mit dem Alkonenkönig Berrakred I. der letzte arianische Herrscher Sagradiens katholisch taufen. Auch die vulgärlateinische Sprache der Bevölkerung wurde bald von den germanischen Eliten in allen Reichsteilen angenommen.
Einfall der muslimischen Numerer in Alconía
In einem alkonischen Erbstreit zu Hilfe gerufen, fielen zur Mitte des 8. Jahrhunderts nach Christus im Süden Sagradiens muslimische Mauren aus Spanien ein, die in Sagradien den Namen Numerer erhielten. Diese konnten rasch das gesamte Gebiet der Alkonen erobern und besiegten 757 den letzten Alkonenkönig Rikkrik (Regrigo). Sie errichteten das zunächst vom Kalifat in Damaskus abhängige Emirat von Duerez (arabisch: Dohaz), das sein Herrschaftsgebiet im Laufe der folgenden Jahre bis kurz vor Tulis und Óstino ausbauen konnte und die verschiedenen alkonisch-romanischen Bevölkerungsgruppen aufnahm. Die muslimischen Numerer verhielten sich gegenüber der christlichen Bevölkerung weitgehend tolerant und verzichteten auf eine Zwangsislamisierung. Während der Herrschaftsjahre der arabischen Emire blühten im Süden Kultur und Handelswesen, wovon auch die christlichen Königreiche im Norden profitierten, die die Herrschaft nach kurzer Zeit der Kriege akzeptierten und rege Handelsbeziehungen mit den Numerern aufnahmen. Die Städte gewannen wieder an Bedeutung. Unter der Herrschaft der Numerer in Südsagradien wurden u.a. die Städte Al Hamaz (Lemez) und Ain Al Qaz (Nalcaz) gegründet.
Roderich der Große und der Aufstieg des Skantenreiches
Im Skantenreich konnte der Adlige Segila sich um 753 als König der Mittelskanten etablieren und die dortige Orsonidendynastie beerben. Seinem seit 761 regierenden Sohn Roderich dem Großen gelang es 763 die streitenden Großen seines Reichs unter seiner Führung gegen die arabische Bedrohung zu vereinen. 763 besiegte sein Heer bei Tarravillas die anstürmenden Numerer, was zusammen mit dem Sieg Karl Martells bei Tours und Portiers als Ende der muslimischen Expansion in Westeuropa angesehen wird. Nach der Schlacht bei Tarravillas zerfiel die Allianz jedoch wieder. Die Reichsteile Scantias, seit Jahrzehnten bereits ohne gemeinsame Herrschaft, bekundeten wieder ihre Eigenständigkeit. In mehreren Kriegszügen gelang es Rodrigo jedoch, zunächst den mächtigen lohandischen und dann die ligrischen und westligrischen Provinzfürsten zu besiegen und zentralskantische, lohandische und ligrische Reichsteile wieder unter seiner Herrschaft zu vereinen. Er schuf eine straffe Verwaltungsstruktur und führte Scantia dadurch zu einer kulturellen und politischen Blüte. In Kriegen gegen Golen, Bretonen und Herkanden sowie gegen die zurückweichenden Numerer eroberte er neue Gebiete für das Skantenreich. Bei seinem Tod 797 erstreckte sich das Reich Roderichs auf beiden Seiten des Ligrischen Meers von Albero bis in die Bretagne und von Perin bis an die sagradische und micolinische Nordküste.
Krise des Skantenreichs und Gründung des Königreichs Sarmay
Nach dem Tod Roderichs des Großen zerfiel dessen Reich wieder unter den Söhnen Roderichs. Der Vertrag von Disiés bewirkte 799 die Teilung Scantias. Der älteste Sohn Barungar erhielt den Westen des Reichs mit dem gesamten Norden Micoliniens, Teilen Litiens und Gebieten nördlich und sülich des Ligre, sein jüngerer Bruder Albreth der Kluge den Osten mit Lojandía, der Mesa und den amorischen Grenzgebieten, jedoch konnte er das umstrittene Zentralscantia zwischen Ligre und Konsetten weitgehend unter seine Herrschaft bringen. Der jüngste Sohn Ferrigo erhob 808 ebenfalls Anspruch auf die Königswürde, was zum Bruderkrieg führte. Im Vertrag von Torell 812 einigte man sich auf eine Dreiteilung aufkosten Albreths, der die südlichen Teile seines Gebiets an Ferrigo abgeben musste. Die Thronstreitigkeiten im Skantenreich schufen an der numerisch-skantischen Grenze zu einem Machtvakuum, in das der Provinzfürst Dián von Sarmay stieß, der im Kampf gegen die Numerer mehrere angrenzende Gebiete erobern und sich vom Skantenreich weitgehend unabhängig machen konnte. Nach dem Tod Ferrigos nahm Dián von Sarmay 818 den Königstitel an und übernahm die Kontrolle über die südlichen Reichsgebiete, namentlich Sagonte, Teile Sesíns, Croer und Óstino. Auch die als Markgrafschaften eingerichteten Gebiete am Blaumeer konnten bald eine erhebliche Eigenständigkeit vom Skantenreich erhalten. Die sich seit dem späten 8. Jahrhundert ständig wiederholenden Angriffe norwegischer Wikinger auf das sagradische und nordmicolinische Festland schwächte die Skanten zunehmend. Mit der Gründung eines eigenen nordischen Reichs an der Nordküste Micoliniens, dem sogenannten Perutingerreich, wurden die Skanten weitgehend aus Nordmicolinien verdrängt. Nach dem Tod König Barungars 825 trat Albreth der Kluge die Alleinherrschaft im Rest des Skantenreichs an und beendete vorerst die Zeit der inneren Schwäche, jedoch konnte er Sarmay und Perucía nicht zurückerobern.
Aerich der Große und der Beginn der sagradischen Reconquista
Bereits seit Beginn des 9. Jahrhunderts machten sich im westlichen Teil des Numererreichs Auflösungserscheinungen breit. Die alkonischen Eliten beugten sich nur ungern unter die arabische Herrschaft und bereiteten der Zentralmacht Duerez' mit mehreren Rebellionen große Schwierigkeiten. 852 machte sich der westalkonische Fürst Berrigo zum Dux Alconum und sagte sich von der muslimischen Oberhoheit des Emirats von Duerez los. In mehreren Kriegen konnte er seine Herrschaft konsolidieren, doch zerfiel sie wieder unter seinen streitenden Söhnen Arrigo und Regrigo. Nachdem sich Arrigo 859 durchgesetzt hatte, nahm er die Kriege seines Vaters wieder auf und eroberte Oller und Südpin. Danach wandte er sich gegen Sarmay und eroberte Teile Sesíns. 877 erreichte er die Auslieferung der Alkonenkrone durch die Numerer, 878 wurde sein Reich endgültig auch von Sarmay anerkannt. Jedoch zerfiel es nach seinem Tod 882 wieder unter seinen Söhnen Arrigo II. und Fildrigo, Südsesín musste wieder an Sarmay abgegeben werden. Erst Arrigo III. (898-915) erreichte wieder ein vergleichbar machtvolles Königtum wie Arrigo der Große. Er konnte von den zahlreichen Teilungen und Thronstreitigkeiten in Sarmay profitieren, indem er Einfluss auf die mächtigen Provinzfürsten im Sarmayenreich ausübte.
Martin der Eroberer und die Gründung des Reiches
Nach dem Tod Dians III. von Sarmay im Jahr 878 kam es zu Thronstreitigkeiten im Königreich Sarmay zwischen dessen Söhnen Docién und Armondo, die 882 zugunsten einer Reichsteilung entschieden wurden. Die permanente Schwäche Sarmays suchten sowohl Skanten als auch Alkonen in der Folgezeit für sich auszunutzen. Mit der Übernahme der skantischen Alleinherrschaft 897 begann Martin I. von Scantia (König seit 892) eine aggressive Machtpolitik. Er verheiratete seinen Sohn Philipp mit seiner Nichte, Prinzessin Lara von Liez, der Tochter König Arrigos III. Nachdem dieser 912 gestorben war, ohne einen männlichen Thronfolger zu hinterlassen, erhob Martin I. als Schwiegervater der ältesten Tochter Arrigos Anspruch auf den alkonischen Thron. Gleichzeitig übernahm ein Neffe Arrigos III. als Arrigo IV. die Herrschaft im christlichen Süden. Martin entschloss sich daraufhin zu einem Feldzug nach Süden. Das 907 unter Armondo II. wiedervereinigte Sarmaienreich, wurde 915 geschlagen und musste die Oberherrschaft Martins anerkennen (Vertrag von Tantallas). Mit sarmayischen Truppen führte dieser seine Eroberungskriege seit 916 gegen den alconischen König Arrigo IV. fort. Martin nannte sich nun „Rex Sagradiae“ und besiegte 922 in der Schlacht von Pergía auch endgültig Arrigo IV. Im Vertrag von Vesaey 923 mussten Sarmay und Arrigo IV. offiziell die Herrschaft Martins des Eroberers über den gesamten christlich beherrschten Teil der sagradischen Halbinsel anerkennen. Damit gilt er als erster König des gesamten christlichen Sagradiens, auch wenn der Südosten noch immer in arabischer Hand blieb. Martin ernannte 930 seinen Sohn Philipp zum Mitherrscher, um seine Dynastie zu konsolidieren.
Sagradien im Hochmittelalter
Philipp der Große und die Zeit der Konsolidierung
Bereits vor dem Tod Martins I. kam es zu neuen Kriegen in Sagradien. Martins Sohn und Nachfolger Philipp I. der Große (933-969) konnte sich erst nach mehreren Kriegen wieder die Macht über ganz Sagradien sichern. Nach der Schlacht von Tantallas 938 war Philipp wieder allgemein anerkannt. 939 wurde Philipp im Noyarenser Dom zum König von Sagradien gesalbt. 942 erließ Philipp mit dem Codex Magnus ein einheitliches Recht für seinen gesamten Herrschaftsbereich. Im Innern baute Filipe die Infrastruktur aus, setzte die Erbmonarchie in der männlichen Linie durch, um zukünftige Erbteilungen zu verhindern, förderte Kunst, Wissenschaft und Literatur sowie den Bau von Königspfalzen, Klöstern und Kirchen und stärkte die Macht des Königs im Laufe seiner Regierungszeit noch mehr. Nach Außen setzte er die Eroberungskriege seines Vaters fort und zerschlug das Emirat von Duerez, übrig blieb nur das kleine numerische Königreich Malesc. Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 969 überließ er seinem Sohn und Nachfolger Albreth IV. dem Barmherzigen (969-980) eine gesicherte Königsherrschaft. Im 10. Jahrhundert entwickelte sich auch die Region zwischen Pin und Lieno zum Zentrum des Reiches.
Ausbau der Zentralmacht und Kämpfe um die Krone
Albreth IV., der sich besonders als Städtegründer (u.a. von Semess) hervortat, nahm die Grenzkriege seines Vorgängers gegen Perutinger und Golen wieder auf und konnte die Bretonen 971 endgültig befrieden. Im Innern aber zeigte er sich nicht in der Lage, die aufstrebende Macht der Herzöge einzudämmern, die nach Albreths Tod auch die Erbthronfolge anfochten. Martin II. der Gute (980-994), Bruder Albreths, musste nach Kämpfen gegen Arrigo von Bordez 984 den Reichsherzögen erweiterte Rechte zugestehen, band diese jedoch durch geschickte Heiratspolitik ans Reich. In der Bulle von Malesc setzte er 992 eine lehensrechtliche Bindung der Untervasallen an den König durch und verminderte dadurch die Chance der Herzöge zu bewaffneten Aufständen gegen die Zentralgewalt. Philipp II. der Katholische (996-1019) erreichte 999 mit der Eroberung von Malesc den Abschluss der Numererkriege, die später auch als sagradische Reconquista bezeichnet wurden. Unter seinen Nachfolgern Philipp III. (1019-1042) und Roderich III. dem Kurzen (1042-1069) begann der rasche Machtverfall der skantischen Könige im sagradischen Regnum und der Adel wurde zunehmend stärker. Während sich Filipe III. und Rodrigo III. immer wieder mit den Machtansprüchen Don Joáns, des Bruders Filipes III., (1026-1029 Gegenkönig Filipes, 1042-1048 Regentschaft für Rodrigo, Ermordung Rodrigos 1069, 1069-1071 Kanzler Martins III.) auseinandersetzen mussten, wurde dieser 1072 von seinem Neffen, König Martin III. dem Frommen (1069-1078), hingerichtet. Martin tat sich besonders als Förderer des Klostertums hervor und verbrachte große Zeit in den Klöstern Martinez, Meném und Casterley (daher auch der Spitzname „Mönch mit Krone“). Die Regierungsgeschäfte überließ er weitgehend den Erzbischöfen António de Martinez und Carles von Noyar. Im Edikt von Meném von 1075 wurden die letzten Moslems christianisiert oder gewaltsam aus dem Land vertrieben.
Sagradien unter den ersten Diannidenkönigen
Im Kampf um die Nachfolge Martins III. kam es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen, in denen sich Johann I. von Cliêce (1078-1094), Herzog von Alconía und Schwager Martins III., mithilfe der Kirche gegen Rodrigo I. dem Langen von Scantia, den mächtigsten der Vasallen, durchsetzen konnte. Der Dualismus zwischen dem neuen Königshaus der Dianniden und den skantischen Herzögen aus dem Geschlecht der Lusoniden sollte sich aber noch lange hinziehen. Johann unterstützte zunächst im Investiturstreit Papst Gregor gegen den deutschen Kaiser Heinrich IV. und erneuerte die Schutzverträge mit dem Kirchenstaat, fiel später jedoch selbst in Streit mit dem Reformpapsttum und stand seit 1091 unter Kirchenbann. Herzog Martin der Kühne von Scantia nutzte dies, um wiederum einen Krieg gegen Johann zu beginnen, in dem Johann 1094 ermordet wurde. Sein Sohn und legitimer Nachfolger Johann II. der Löwe (1094-1121) musste den Krieg gegen Martin den Kühnen von Scantia fortführen. Nach Johanns Sieg 1095 wurde Martin festgenommen. Johann II. nahm 1096-1099 auf dem Ersten Kreuzzug teil und versöhnte sich dadurch wieder mit Rom. Martin von Scantia aber nutzte die Gelegenheit, um sich zu befreien und die Herrschaft an sich zu reißen. Als Johann 1100 zurückkehrte, kam es zur zwischenzeitlichen Versöhnung zwischen Martin dem Kühnen und König Johann II. Martin kehrte nach Scantia zurück.
Nach dem Tod des letzten peruzinischen Königs Jouan dem Kurzen, der nur eine Tochter zurückließ, erhob Martin der Kühne für seine dritte Frau Berta von Perucía Anspruch auf die Krone des nordmicolinischen Reiches. Dafür startete er eigenmächtig einen Feldzug nach Perucía und ließ sich 1101 in Alessa zum König ausrufen. Mit dem Ersten peruzinischen Erbfolgekrieg 1101-1112 begründete Martin der Kühne das mächtige lusonidische Reich um die Krone Perucías und die Ländereien der skantischen Herzöge in Sagradien. Dennoch half Johanns große Reichsreform von 1102, die Macht der Herzöge einzudämmen. Sein Sohn Antonio I. der Starke (1121-1132) musste seine Herrschaft gegen keine Gegenkönige mehr sichern und konnte das Diannidenkönigtum behaupten und sichern, führte allerdings mehrere erfolglose Kriege mit Frankreich um die Erweiterung der sagradischen Besitzungen in der Bretagne.
Lusonidenkriege und Eroberung Golens und Perucías
Nach dem Tod Antonios I., der ohne männlichen Erben blieb, wurde sein Schwiegersohn Jakob von Sacâu (Jakob I. der Kühne, 1132-1165) König, der die Kriege gegen die Lusoniden wieder aufnehmen musste. Es gelang ihm aber nicht, die Macht der Skanten zu brechen. Nach dem Tod Armonts III. von Golen erhob Jakob als Schwiegervater einer Tochter Armonts Anspruch auf die Krone, ebenso wie der micolinische König, was zum Krieg beider Mächte um Golen führte, in dem Jakob 1165 fiel, den sein Sohn Gabriel I. Juvans (1165-1198) aber erfolgreich zuende führen konnte und daraufhin als erster König Golen mit Sagradien vereinigte. Gabriel Juvans gelang danach ein Durchbruch im Machtkampf mit den Lusonidenherrschern, die Gabriels Oberherrschaft in Sagradien anerkennen und den Großteil ihrer Besitzungen in Sagradien inklusive des Herzogtums Scantia abtreten mussten. Gabriel, seineszeichens ein großer Förderer von Kunst und Kultur, baute zudem das Kirchensystem aus, stärkte die Königsgewalt und nahm am Dritten Kreuzzug teil. Er gilt als bedeutendster sagradischer König des Hochmittelalters und wurde 1537 heilig gesprochen.
Gabriel II. (1201-1220) führte Krieg gegen den abtrünnigen Südbund (Liez, Corar, Sur Pinia) und zwang ihn unter die Krone. Unter Philipp IV. Hermes (1233-1261) endete nach dem Tod Martin Posthumus’ 1249 die Herrschaft der Lusoniden in Perucía und Philipp der Schweigsame von Redanior setzte sich mithilfe des sagradischen Königs gegen den unehelichen Sohn Martins, Renart von Soria durch, der in der Schlacht von Porinéi 1255 vernichtend geschlagen wurde. Philipp von Redanior wurde König von Perucía und erkannte die Oberherrschaft Sagradiens über sein Territorium an.
Sagradien im Spätmittelalter
Redanior-Königtum und Union von Alagua
Nach dem frühen Tod König Philipps V. des Klugen (1261-1264), der 1263 erstmals die Stände einberief, um seine Nachfolge zu regeln, gelangte mit seinem zwölfjährigen Neffen König Martin IV. Felix (1264-1289) das Haus Redanior auf den sagradischen Thron, der 1275 die Herrschaft über Perucía mit der sagradischen Krone vereinte. Seine Nachfolger Robert I. (1289-1292) und Philipp VI. der Gerechte (1292-1301) mussten 1290-1313 Aufstände der Peruzinischen Stände niederschlagen, die sich im Bund von Alessa gegen die sagradische Herrschaft vereint hatten.
Mit Serge I. von Gerón bestieg das Haus Redanior 1315 in einer jüngeren Linie den micolinischen Thron, während in Sagradien seit 1301 Serges Onkel Jakob II. (1301-1320) herrschte, der 1301 seinen Neffen Martin V. den Wahnsinnigen (1301) entmachtet hatte. Als dieser 1320 jedoch starb, wurde Serge I. von Micolinien nächster Anwärter auf den Thron. Gegen den in Micolinien weilenden Monarchen usurpierte in Sagradien jedoch Danadier I. (1320-1321) von Scola den Thron und ließ sich von den Ständen anerkennen, die eine Union mit Micolinien fürchteten. Als Serge im Jahr 1321 in Sagradien einfiel, um seinen legitimen Thronanspruch durchzusetzen, besiegte und tötete er jedoch Danadier in der Schlacht bei Alágua und bestieg als Sergius I. (1321-1354, der Große) selbst den Thron. Er vereinte damit als erster König die micolinische und die sagradische Krone unter seiner Herrschaft und beendete die seit Jahrhunderten herrschenden Kriege (Pax Sergiana). Innenpolitisch gelang es ihm die Macht des Herrschers in beiden Reichsteilen zu stärken und die Doppelmonarchie zu einer wirtschaftlichen und politischen Hochblüte zu bringen. Er führte in beiden Teilreichen zentrale Rechnungshöfe ein, erhöhte die Steuern und zog das Vermögen des mächtigen, 1345 verbotenen Fallenserordens in Südmicolinien ein. Ihm folgten Sergius II. (1354-1378) und Gabriel IV. (1378-1395) nach, welcher 1386/1387 in einem Aufstand gegen seine sagrophile Herrschaft die micolinische Krone an Charl de Interea verlor und ohne Erben blieb.
Fünfzigjähriger Krieg
Bereits vor dem Tod Gabriels kam es zwischen den potenziellen Thronfolgern Miguel de Vesaey und José de Óstino zum „Krieg der Herzöge“, aus dem mit micolinischer Unterstützung (Vertrag von Nantés) José de Óstino als Sieger hervorging, der nach Gabriels Tod 1395 als Joseph III. (1395-1396) den Thron bestieg. Er wurde allerdings bereits 1396 von seinem Gegenkönig Michael I. de Vesaey (1396-1421) bei Xenópolis besiegt und ins Kloster Martiniac verbannt, während Charl VI. von Micolinien in Perucía einfiel und den Fünfzigjährigen Krieg zwischen Sagradien und Micolinien auslöste. Von der Alberenser Union als König von Perucía anerkannt, hielt er als Schwager Johanns von Ostino an dessen Königtum fest und bestritt die Legitimität Miguel de Vesaeys. Zwischenzeitig erhob Karl sogar als Schwager des 1398 verstorbenen José selbst Anspruch auf den sagradischen Thron und berief sich auf die Bulle von Servette und die darin festgelegte Unteilbarkeit des Reiches. In dem ein halbes Jahrhundert andauernden Krieg kämpften seit 1398 die unabhängige Tulinesische Republik sowie zeitweise auch Servette auf sagradischer Seite, während sich Micolinien mit den Häusern Ostino und Esqués verbündete. In Perucía wurde der Kampf der micolinisch-freundlichen Union mit den Anti-Karlisten in Form eines blutigen Bürgerkriegs ausgefochten.
Nach anfänglichen schweren Niederlagen Sagradiens (Abfall Álberos und Montanas 1409, offener Aufstand in Westligre 1417, Belagerung Geróns 1420) übernahm 1420 der königliche Prinz Don António, zweiter Sohn Miguels I., den Oberbefehl über die sagradischen Heere. Nach dem Tod Miguels I. in der Schlacht von Valés konnte Don António Siege bei Gerón, San Cristo und Alágua feiern und dadurch einen micolinischen Sieg vereiteln. Er starb 1424 an einer Lungenentzündung. König Michael II. (1421-1457) gelang es mit der Unterstützung tulinesischer Truppen unter Luis Filipe von Santori und besonders mithilfe der tulinesischen Flotte unter Conte David von Santori, Micolinien empfindliche Niederlagen zuzusetzen. So schlug er in einer sagradischen Offensive seit 1427 das micolinische Heer bei Cania und konnte 1431 die Stadt Bosa erfolgreich verteidigen. Nach dem endgültigen Abfall Contes im Jahr 1432 konnten beide Seiten keine entscheidenden Siege mehr verbuchen, sodass die Kämpfe 1439 weitgehend eingestellt wurden.
Die Großmacht Sagradien unter den Santori
Aufstieg zur Großmacht
Nach dem Friedensschluss zwischen Micolinien und Sagradien im Frieden von Tesqué 1443, in welchem die endgültige Trennung beider Kronen vorgeschrieben und die Grenzen vereinbart wurden, die in groben Zügen bis heute gültig sind (so genannte ‚Medéolinie’), hinterließ Miguel II. eine gefestigte Krone, wobei sich der Verlust des ständigen Unruheherds Perucías an Micolinien langfristig zugunsten der königlichen Macht auswirkte. Mit dem Tod Miguels II. 1457 starb das Haus Vesaey aus und die Königskrone fiel an das tulinesische Regentenhaus Santori. Für den bei Amtsantritt erst acht-jährigen Thronfolger Jakob III. (1457-1491), Enkel von Miguel I., herrschte bis 1468 sein Vater David de Santori, Herzog von Golen. Danach baute der Kunstliebhaber Jakob die Hausmacht der Santori aus und verknüpfte die Stärke Sagradiens eng mit der der Santori. 1475 eroberte er das abtrünnige Tulis und verleibte die Comitat-Republik endgültig dem Königreich ein. In drei Kriegen gegen Micolinien (1477-1479, 1492-1497, 1505/06), konnte sich Sagradien das Servettinische Erbe in Südmicolinien sichern und etablierte so seine Herrschaft im Süden und Osten der micolinischen Halbinsel. Außerdem wurde das seit 1494 micolinisch besetzte Golen bis 1499 zurückerobert und als sagradisches Kronland verteidigt. Diese Entwicklung des Machtgewinns nahm unter König Jakob IV. (1491-1502) ihren weiteren Lauf. Thronfolgeauseinandersetzungen innerhalb des Hauses Santori, die 1502 zwischen Peter I. (1502-1509) und seiner Nichte Catarina de Sántori zur gewaltsamen Eskalation führten (Lilienkriege), wurden 1509 mit dem Regierungsantritt Davids I. (1509-1543) beigelegt, der zum politisch wichtigsten Monarchen Sagradiens im 16. Jahrhundert wurde und das so genannte "Goldene Zeitalter" in der sagradischen Geschichte einleutete.
Renaissancekönigtum und Weltmachtpolitik
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Sagradien zur europäischen Großmacht aufgestiegen und das Königshaus Santori verfügte als Resultat geschickter Heiratspolitik über Herrschaftsgebiete in Micolinien, den Niederlanden und in Norditalien. Die Besitzungen in Flandern musste David I. 1519-1524 gegen die Habsburger verteidigen, ebenso wie das portugiesische Erbe, das ihm nach dem Tod Manuels I. 1521 durch die Ehe mit dessen Tochter Luisa von Portugal zufiel (Sagradisch-Portugiesische Union). Nach dem Sieg über die Habsburger vereinte David als erster und einziger Monarch die Kronen Sagradiens und Portugals und herrschte über ein Weltreich mit hegemonialem Anspruch in Europa. Zu den portugiesischen Kolonialbesitzungen kamen neue unter sagradischer Flagge eroberte Gebiete in Übersee, vor allem in Afrika und Amerika, die den Entdeckungen der Seefahrer Santo Aziz, Nuno Guavo, Selle Inoza, Carles Diaz und Joán Caballes (eigentlich Giovanni Caballi) zu verdanken waren und die teilweise auf dem von tulinesischen Seefahrern bereits im 15. Jahrhundert gegründete Handelsnetz mit Afrika aufbauten. Während in Afrika und Asien vor allem Handelsstützpunkte gegründet wurden, errichtete Sagradien in Nord- und Südamerika als Flächenkolonien die Vizekönigreiche Nova Sagradia und Guiana.
Daneben förderte David Kunst, Kultur, Handel und Wissenschaft. Nachdem bereits Jakob III. italienische Künstler und Gelehrte an seinen Hof geholt hatte, darunter die Humanisten Ercule Schiatti, Geert van Stael und Franziskus Aurelianus, wurde der Königshof in Tulis unter David I. zum Hauptknotenpunkt der westeuropäischen Renaissancekultur. Er setzte sich mit der Reformatio Davidi für eine Reform der katholischen Kirche ein, begründete die von Rom weitgehend unabhängige "sagrikanische" Nationalkirche und betätigte sich in seinen späten Lebensjahren als Mäzen der beiden großen Künstler Don Cabal und Antonio Volero. Im Davidianischen Zeitalter erreichte Sagradien die vielleicht größte politische und kulturelle Blüte seiner Geschichte und das so genannte „Goldene Jahrhundert“ der sagradischen Geschichte brach an, das bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts andauern sollte und wegweisende Werke der Malerei, Bildhauerei, Architektur und Literatur hervorbrachte.
Monarchen des Goldenen Jahrhunderts: Von Johanna I. bis Gabriel V.
Der Tod Davids I. 1543 führte zur Teilung des Weltreichs zwischen Davids Tochter Johanna I. (1543-1575) und ihrem Mann Michael III. (1543-1552) einerseits und Davids Bruder Johann dem Frommen andererseits. Johanna und Michael erhielten das Königreich Sagradien samt Überseebesitz, das Comitat Tulis und die Servettinischen Lande, Johann erbte Portugal und das zugehörige Kolonialreich der iberischen Seefahrernation. Die Santori teilten sich damit wieder in zwei Familienzweige. Unter Johanna I. wurde das mittelsagradische Semess zur dauerhaften Königsresidenz und zur Hauptstadt des Landes ausgebaut. Der 1552 in Tulis ausgebrochene Josephitenaufstand gegen die Union mit Sagradien wurde 1556 endgültig niedergeschlagen. Das Aussterben der portugiesischen Linie des Hauses im Jahr 1578 führte 1580 schließlich zum Erbfolgekrieg um Portugal, in dem die Santori das Land an die spanischen Habsburger verloren. Dennoch konnte Sagradien seine Hegemonie über die Konsettenhalbinsel aufrechterhalten. Das Kolonialreich in Übersee wurde überdies weiter ausgebaut und erreichte im frühen 17. Jahrhundert eine Blütephase.
Die Reformation führte erst in ihrer calvinistischen Form und auch nur in Teilen Sagradiens, vornehmlich im Nordosten zu Resonanz und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer Reihe von religiösen Konflikten, die eng mit politischen Auseinandersetzungen und Machtfragen verbunden waren. Nachdem Königin Johanna und - unter dem Einfluss seiner protestantisch erzogenen Frau Luise von Bourbon - ihr Sohn und Nachfolger Philipp VII. Jakob (1575-1591) eine auf religiöse Toleranz zielende Politik betrieben und damit starke Konflikte mit der ultrakatholischen Partei provoziert hatten, setzte der seit den 1580er Jahren amtierende leitende Minister Joán María de Belavís die Gegenreformation in Sagradien zu einem Erfolg. König Gabriel V. (1591-1640), der einen prächtigen Hof hielt und als großer Förderer der Künste galt, setzte nach dem Tode Belavis’ 1602 dessen Zentralisierungs- und Machtpolitik im Inneren fort und restaurierte zudem durch geschickte Haushalts- und Wirtschaftspolitik (Ansätze eines merkantilistischen Wirtschaftssystems) die durch königliche Repräsentation und militärischen Auseinandersetzungen angeschlagenen Staatsfinanzen. Im Ligrischen Krieg 1620-1624 gegen den Nachbarn Micolinien erreichte Sagradien noch einmal eine Bestätigung seiner Besitztümer auf der micolinischen Halbinsel. Gabriels Tod im Jahr 1640 wird allgemein als Ende des sagradischen „Sêglu d’Or“ angesehen.
Die Krise der Großmacht
Die elfjährige Regierungszeit Gabriels VI. (1640-1651), die von Hofintrigen und Fremdeinflüssen geprägt war (u.a. durch seine Tante Maria Charlotte von Sagradien, die Regentin Micoliniens, später von verschiedenen Mätressen wie Antonia de Casterley oder Francisca de Simonis) gilt als Wendepunkt in der sagradischen Geschichte. Sagradiens unglückliche Intervention im Dreißigjährigen Krieg und der für Sagradien enttäuschende Westfälische Frieden von 1648, markieren den relativen Abstieg und den Anfang vom Ende der sagradischen Großmachtstellung in Europa. Es folgten wechselnde außenpolitische Erfolge und Misserfolge. Zwar konnte der Besitz Golens im Asumarischen Krieg von 1657-1669 gegen Micolinien gesichert werden, die Unterstützung Ludwigs XIV. bei dessen Krieg gegen Holland und der zeitgleich geführte Spanisch-Sagradische Seekrieg führten zu einer Schwächung Sagradiens und zu einem Verlust mehrerer Kolonien in Übersee. Auch die Beteiligung am Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dem Sagradien nun gegen Ludwig XIV. kämpfte, brachte nicht die erwünschten Erfolge, welche die Großmachtstellung Sagradiens wiederhergestellt hätten. Innenpolitisch vermochte es Gabriel VII. (1654-1698) jedoch mit Hilfe seines Ersten Ministers Kardinal Bernabêu die Macht des Königs zu konsolidieren und punktuell zu stärken, auch wenn er den Einfluss der Stände nicht gänzlich zurückdrängen konnte. Obgleich die Macht der sagradischen Krone im Innern unter Gabriel VII. nochmals einen Höhepunkt erlebte, legte v.a. die ausschweifende Repräsentationspolitik und die kostspielige Hofhaltung des Königs im neu erbauten Schloss Bernabêu, die nach dem Ableben jenes besonnenen Staatsmannes und Kardinals keinerlei Eindämmung mehr fand, die Grundsteine für den Staatsbankrott und die sich daraus ergebende Krise des frühen 18. Jahrhunderts. Auch barg das gesteigerte Machstreben der Santori-Valier-Dynastie des späten 17. Jahrhunderts den Grundstein für die harten Auseinandersetzungen mit den Ständen um die Rolle von Krone, Adel und Ständen im sagradischen Gemeinwesen, die unter seinen Nachfolgern zum Krieg führen sollten.
Sagradien im 18. Jahrhundert: Bürgerkrieg und Ständemacht
Aufstände und Bürgerkrieg
Trotz des offensichtlichen Geldmangels und der zerrütteten Haushaltslage verstärkte der absolutistisch gesinnte König Danadier II. (1698-1721), spöttisch der ‚Schattenkönig’ genannt in Anlehnung an sein großes Vorbild Ludwig XIV. von Frankreich, die höfische Repräsentation noch mehr und provozierte die Gegnerschaft sowohl des aus zahlreichen Machtpositionen gedrängten Adels als auch des Volkes. Er versuchte, die aufkeimende Opposition im Hochadel durch eine autokratische Führung zu unterdrücken. Seit 1701 unterstützte der König zudem gegen den Willen der Stände Frankreich im Spanischen Erbfolgekrieg und belastete dadurch die Finanzen noch mehr. Die finanziellen und sozialen Missstände führten seit 1708 zu einer ernsten politischen Krise und zu zwei größeren Aufständen (1708 und 1711), die blutig niedergeschlagen wurden.
Die Auflösung der Ständeversammlung, die dem König weitere Kriegskredite verweigert hatte, sowie die für Sagradien problematischen Friedensschlüsse von Cresq 1712 und von Utrecht 1713, in denen die Santori-Monarchie Feiroa und einige Festungen in Lukien an Micolinien und die Hafenstadt La Cripón sowie die Insel Cereza an Großbritannien abtreten musste, führten schließlich 1713 zum Ausbruch des Sagradischen Bürgerkriegs (Sagradischer Koalitionskrieg), in dem eine ständische Adelskoalition (Coalicionarioes) unter Führung der Herzöge von Sesín und Alconía gegen die königlichen Truppen und die kronloyalen Adelshäuser (Reales) kämpfte. Die Gefangennahme Danadiers II. 1718 und der Übergang zu einer gemeinsamen Regierung aus Ständen und König unter dem Regime der Codices Magna Libertatum führten nur zu einem vorläufigen Ende der Kampfhandlungen, diese wurden vielmehr 1719-21 in Form von royalistischen Aufständen fortgeführt. Außerdem suchte Micolinien im Krieg von 1718-20 Südkont, Westligrien und Lukien einzunehmen. Der Friede von Guillard 1720 beendete schließlich die Kampfhandlungen und bedeutete den Verlust großer Teile Südkonts an Micolinien, während der Großteil Lukiens jedoch gehalten werden konnte. Die soziale Notlage und die ständigen Unruhen führten zu einer hohen Verunsicherung der Bevölkerung sowie zu einer Radikalisierung der Parteien.
Interregnum und Erste Republik
Infolge royalistischer Aufstände und Umsturzversuche floh König Danadier II. im Februar 1721, übergab seine Thronrechte an seinen Bruder Philipp Karl von Viça und wurde schließlich durch die Generalstände im Generalakt vom 20. Februar 1721 für abgesetzt erklärt. Die folgende absolute Ständeherrschaft wirkte als Katalysator der Parteikämpfe und der Unzufriedenheit in den niederen Schichten. Die Sturm auf den Plazarenya am 23. Mai 1721 gab schließlich das Signal für den radikalen Maiaufstand 1721, in dessen Folge der niederadlige Simón Bernord die Erste Sagradische Republik ausrief und an der Spitze eines regierenden Rates der Sieben die Macht in der Haupstadt sowie im Umland von Semess übernahm. Im Juni 1721 kam es einigen Großstädten zur Gründung von radikalen bürgerlichen Tochterräten, im Juli folgte der Ausbruch eines großen Bauernaufstandes, der den ganzen Süden des Landes in Anarchie versetzte. Erst im Herbst 1721 konnte ein gemeinsames Heer aus Royalisten und ständischen Koalitionstruppen die Hauptstadt einnehmen und die Herrschaft Bernords beenden.
Die erneut zusammengetretenen Generalstände beriefen mit dem Generalrat ein vorläufiges Regierungskomitee. Der Rat stellte neue verfassungsähnliche Gesetze auf, die das Land wieder dezentralisieren und den Einfluss der Cortes vermehren sollten. Im Herbst 1722 stellte Peters jüngerer Bruder Philipp Karl von Viça, der sich selbst als legitimen König sah, in Frankreich ein Heer zusammen, fiel in der Bretagne ein und konnte bis nach Lojandía vordringen. Die Cortes machten sich indes daran, einen neuen König zu erwählen. Es kam zu hitzigen Diskussionen um Erbansprüche und Legitimität. Schließlich fanden Anhänger eines starken Parlaments und einer Wahlmonarchie und Legitimisten einen Kompromiss. Danadiers Bruder Filipe Carles wurde von der Thronfolge ausgeschlossen und der Übergang der Herrschaftsrechte an die Töchter Danadiers II. festgelegt.
Königtum Marias I. und Johanns III.
In der Folge wurde María Luísa de Sántori als Maria I. (1723-1735) zur Königin erhoben. Nach ihrer Hochzeit mit Prinz Johann III. Franz von Cuentez (1723-1749), aus einer Seitenlinie der Sántori, bestieg das Paar 1723 gemeinsam den Thron und schor seine Treue auf die Codices Magna, die zum neuen Grundgesetz der Monarchie werden sollten. Damit hatte Sagradien nach zweijährigem Interregnum wieder ein Monarchenpaar, doch die Stände hatten enorm an Macht gewonnen. Joán Francisco und María regierten in den Folgejahren unter Zustimmung der Generalstände in einer Art konstitutioneller Monarchie, wobei im Laufe der Regentschaft die Macht des Königs gegenüber der der Stände wieder zunehmend ausgebaut werden konnte. Außenpolitisch lehnten sich Johann und Maria enger an England an. Unter ihrer Regentschaft blühten v.a. die Kultur und Philosophie der Aufklärung, die von Frankreich und England nach Sagradien gebracht worden war.
Nach dem Tod Marias I. 1735 regierte Johann III. unter Zustimmung der Stände alleine weiter. Der Akt von Vierna erklärte schließlich die Königswürden von Sagradien und Cuentez für unteilbar. Nach dem Eintritt Sagradiens in den Österreichischen Erbfolgekrieg kam es zum offenen Krieg mit Frankreich, das sich auf Kosten Sagradiens Gebietsgewinne erhofft. Diese Hoffnungen blieben freilich unerfüllt.
Sagradischer Erbfolgekrieg und Beginn der Vienne-Dynastie in Sagradien
Nach dem Tod Johanns III. 1749 wurde sein minderjähriger Sohn David II. (1749-1754) König, starb aber bereits mit neun Jahren. Mit dem Aussterben der Sántori in der männlichen Linie, geriet das Land in eine ernste Nachfolgekrise. Die Regierung seiner Schwester Maria II. Franziska (1754-1757) und ihres Mannes António Ramón de Piacón führte zum Erbfolgekrieg (1756-1760) gegen den Kandidaten Frankreichs Louis-Gabriel de Vienne, der schließlich seit 1757 als Gabriel VIII. (1757-1792) regierte und die Dynastie der Vienne-Könige begründete. Mit dem Friede von Alagua 1760 endete die Großmachtstellung Sagradiens endgültig und Sagradien verlor nicht nur die Servettinischen Lande, sondern auch die Grafschaft Plato mit ganz Lukien an Micolinien.
Von seinem leitenden Minister, Graf Armand de Calogny (1759-1765), unterstützt, machte sich Gabriel zum Ziel, die Herrschaft der Krone wieder zu stärken und die Macht der Stände in ihre vorrepublikanischen Schranken zu verweisen. Nachdem er noch bei Antritt seiner Regentschaft die Codices Magna bestätigt hatte, setzte er sie 1765 in der Lex Generalis teilweise wieder außer Kraft und dämmte damit die Macht der Generalstände deutlich ein. Außenpolitisch kehrte der Monarch dem Anglismus Lukanischer Prägung den Rücken und lehnte sich wieder mehr an das absolutistische Frankreich an. Als erster europäischer Staat erkannte Sagradien unter Gabriel VIII. die Unabhängigkeit der 13 Kolonien Neuenglands an und unterstützte diese seit 1779 an der Seite Frankreichs im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Unter Gabriels Sohn und Nachfolger Joseph Ludwig I. (1792-1797) und seinem Ersten Minister Frederic de Calzac beteiligte sich Sagradien seit 1792 an den Koalitionskriegen gegen das republikanische Frankreich. In den Kriegen ging die Westbretagne sowie der Nordteil Amorias, wo zuvor die Amorische Republik ausgerufen worden war, an Frankreich verloren, das die neuen Departements der Republik anschloss. Die kurzlebige Ligrische Republik am Unterlauf des Ligre konnte dagegen niedergeschlagen werden.
Sagradien im 19. Jahrhundert
Napoleonische Fremdherrschaft, Befreiungskrieg und Novemberrevolution
Nach der kurzen Regierungzeit Joseph Ludwigs folgte ihm 1797 sein erst siebenjähriger Enkel Gabriel IX. als König nach, für den sein Onkel Karl Joseph Ludwig von Alconía die Regentschaft ausübte. Nach verlorenem Krieg gegen das napoleonische Frankreich zwang der Kaiser der Franzosen im Herbst 1805 den Regenten zur Abdankung. Unter Gabriels Mutter Marie Luise von Parma wurden in der Folge liberale Reformen durchgeführt, jedoch war Sagradien politisch von Napoléon abhängig, der weiterhin Besatzungstruppen in Sagradien hielt. Gabriel IX., seit 1808 selbst regierend, lehnte sich noch stärker an Frankreich an, ließ eine Verfassung ausarbeiten und heiratete 1810 Napoleons Nichte Julie Bonaparte. Seine unpopuläre Herrschaft endete 1812 in seiner Ermordung, woraufhin es zum Winterkrieg 1812/13 zwischen französischen und anti-französischen Truppen kam.
Der aus Micolinien dirigierte Widerstand erhielt rasch Zulauf und ein sagradisch-micolinisch-britisches Heer siegte im 1813 in Colón gegen Napoléon. Königin Julie musste schließlich zusammen mit den napoleonischen Truppen das Land verlassen, der frühere Regent kehrte nach Sagradien zurück und bestieg als Joseph Ludwig II. den sagradischen Thron. Dieser erkannte die von den Cortes von Diegue ausgearbeitete liberale Verfassung von 1812 nicht an und machte sich an eine absolutistisch gesinnte Restauration des Königtums der vornapoleonischen Ära (Cuartênio Absoluta). Als Folge daraus formierte sich ein neuerlicher Widerstand im sagradischen Adel und im Bürgertum und es kam zur liberalen Novemberrevolution 1817, in deren Folge José Luis II. die liberale Novemberverfassung erlassen musste, die sich weitgehend am Entwurf der Cortes orientierte.
Restauration und Revolution
Auf dem Wiener Kongress musste Sagradien auf die gesamten Gebiete auf der micolinischen Halbinsel sowie auf den größten Teil Golens verzichten. Damit endete die seit Gründung der sagradischen Königreiche im Frühmittelalter anhaltende sagradische Präsenz jenseits der Konsetten. 1817 besetzte Golen zudem die noch bei Sagradien verbliebenen Gebiete, woraufhin König Joseph Ludwig II. in zwei großen Golenkriegen (1819-1825 u. 1827-1829) versuchte, die verlorenen Gebiete in Golen und Micolinien zurückzuerobern. Im Frieden von Diegue 1829 musste Sagradien schließlich einer Teilung Golens zustimmen. Innenpolitisch versuchte Joseph Ludwig den Ausgleich zwischen den zerstrittenen ultrakonservativen und liberalen Kräften zu erreichen, begann seit Mitte der Zwanziger Jahre aber unter Druck der ultraroyalistischen Kräfte, die Novemberverfassung von 1817 und die Rechte des Parlamentes kontinuierlich einzuschränken. Nach seinem Tod 1829 wurde sein Bruder Emil I. Johann von Viena (1829-1849) König. Emilio – überzeugter Parteigänger der ultrakonservativen Partei - regierte reaktionär und antiliberal und restaurierte die absolutistische Monarchie, indem er die von seinem Vorgänger oktroyierte Verfassung im Jahr 1832 außer Kraft setzte und fortan ohne konstitutionelle Einschränkungen herrschte (Emilianische Restauration). Die Folgen der Wirtschaftskrise der Jahre 1846/1847, in der zahlreiche Bauern und Arbeiter an den Rand des Existenzverlustes gerieten, und die strikte Weigerung des Königs zu sozialen und politischen Reformen führten im April 1848 zu einer Reihe heftiger von Arbeitern und Bürgern getragener Aufstände (Aprilrevolution) gegen die restaurative Politik des Königs und seines reaktionären Kronkanzlers, des Grafen von Lesta. Als die Lage im Jahr 1849 erneut eskalierte, dankte Emilio Joán ab und übergab die Regentschaft an seinen Sohn Lucién I. (1849-1871), der die die "Decada del Terror" beendete, die liberale Novemberverfassung von 1817 mit Gewaltenteilung und Zensuswahlrecht wiedereinführte und die Situation dadurch beruhigen konnte.
"Era Liberal" und Montevilismus
Infolge der Aprilrevolution und nach dem überragenden Wahlerfolg der liberalen Konstitutionalisten bei den Wahlen 1855 setzte König Lucién den liberalkonservativen Realpolitiker Jacquel de Montevil (1855-1857 u. 1861-1873) als Kronkanzler ein, nahm ab 1862 aus Krankheitsgründen fast gar nicht mehr aktiv an den Staatsgeschäften teil und stand seit 1867 unter der Regentschaft seines jüngeren Bruders Prinz Philipp Emilian. Unter der Regierung Montevil festigte sich Sagradiens konstitutionelle Monarchie und es begann die so genannte „Liberale Ära“, auch „Epoche des Montivilismus“ genannt. Außenpolitisch vertrat der Regierungschef einen konservativen Kurs, der auf der internationalen Isolierung Frankreichs beruhte und im gewonnenen Sagro-Französischen Krieg (1860/61) seinen Ausdruck fand. Die Konfrontation mit Napoleon III. wurde durch Anlehnung an England und Micolinien ausgeglichen. Innenpolitisch konnte Montevil zahlreiche liberale Reformen durchsetzen. Er revolutionierte das Heereswesen sowie das Bildungssystem, führte neue Steuergesetze ein, etablierte erste Ansätze eines Sozialversicherungssystems und oktroyierte 1870 eine neue liberale Verfassung mit umfassendem Grundrechtekatalog und halbparlamentarischem Regierungssystem. Im Parlament stützte er sich auf die Mehrheit der konservativ-liberalen Konstitutionalisten und arbeitete zeitweise mit den linksliberalen Aprilisten (in der Unión Costitucionalista), aber auch mit konservativen Kräften zusammen. Nach dem Tod Luciéns im Jahr 1871 geriet Montevil immer mehr in Gegensatz zum neuen reaktionär eingestellten König Philipp VIII. (1871-1891), der von Beginn an versuchte, die Reformen Montevils zu revidieren. Als 1873 eine Reihe von Verfassungsergänzungen, die Montevil vornehmen wollte und die einer weiteren Beschneidung der königlichen Befugnisse gleichkam, im Abgeordnetenhaus abgelehnt wurden und Montevil damit de facto seine parlamentarische Mehrheit verloren hatte, trat er nach 22 Jahren als führender Mann im Staat von seinem Amt als Kronkanzler zurück.
Von der Monarchie zur Republik
Nach dem Rücktritt seines schärfsten politischen Widersachers setzte König Philipp seine antiparlamentarisch-revisionistische Politik fort und versuchte immer mehr, das neue Staatssystem durch seinen autoritär-reaktionären Regierungsstil auszuhöhlen. Damit folgte auf die liberale Ära des Montevilismus die autoritäre Ära des monarchischen Revisionismus. Zwar hielt sich der König weitestgehend an die Verfassung, schwächte diese aber, indem er immer wieder sein verfassungsmäßiges Vetorecht in wichtigen Reformgesetzesvorhaben der nur teilweise parlamentarisch legitimierten Regierungen einlegte oder diese kurzerhand aus ihren Ämtern entließ. Nachdem er sich lange auf wechselnde Mehrheiten im Parlament stützen konnte, geriet er seit der Wahl 1884 und der Verfassungskrise 1887/88 zunehmend in Gegensatz zur Mehrheit im Abgeordnetenhaus und versuchte dessen Macht zu brechen. Besonders energisch verfolgte der Monarch eine auf Machtgewinn ausgerichtete Kolonialpolitik und führte das sagradische Kolonialreich zu einem Höhepunkt. Der 1884 erworbenen Kolonie Sagradisch-Somaliland (heute teil Somalias) folgten 1887 Ríu Ogué (das heutige Oguana) und 1889 Sagradisch-Westafrika (Benin). Wirtschaftspolitisch sollten neue protektionistische Maßnahmen die einheimische Wirtschaft stärken. Gegen die aufstrebende Arbeiterbewegung wurde das Versammlungsrecht beschnitten.
Obwohl durch das Zensuswahlrecht und praktische Benachteiligungen weitgehend aus dem Parlament verdrängt, wuchs in den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die radikale Republikanische Partei Santo Cripón de la Moyas und Luis Cavallers zur wichtigsten Gegenkraft des monarchischen Autoritarismus voran, zumal sich die gemäßigt-liberalen Konstitutionalisten als unfähig erwiesen hatten, dem königlichen Revisionismus Einhalt zu gebieten. Der Versuch des Königs und seines leitenden Ministers, des Grafen von Montxerent, die Macht des Parlament vollends zu beschneiden, mündete 1891 in die so genannte Januarrevolution, als Handwerker und Arbeiter gegen die vom König erzwungene Schließung von Nationalwerkstätten und Kürzung der Sozialleistungen auf die Barrikaden gingen. Mitgetragen wurden die Aufstände vom Bürgertum und teilweise sogar vom Adel, der eine Revolution als letzten Ausweg aus der politischen Bedeutungslosigkeit sah. Nach der Abdankung König Philipps VIII. rief der Republikaner Luis Cavaller am 27. Januar 1891 die Republik aus und die Republikanische Partei übernahm die politische Führung in der Phase des Umbruchs.
Sagradien in der Ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Hauptartikel: Zweite Sagradische Republik
Anfänge der Zweiten Republik
Nach Abdankung des Königs verweigerte das Parlament die Anerkennung des Thronfolgers und beauftragte den Liberalen Cornel Gil-Lerma mit der Bildung einer provisorischen Regierung, die allgemeine Wahlen zu einer Nationalversammlung vorbereitete. Aus den so genannten "Aprilwahlen" 1891, die erstmals nach dem allgemeinen Männerwahlrecht abgehalten wurden, gingen die republikanischen Kräfte als Erdrutschsieger hervor. Als neue Exekutive fungierte fortan der Volksrat unter Führung des Republikaners Luis Cavaller. Seine Politik basierte auf einer Allianz der linksliberalen Radikalen mit einem Teil der reformfreudigen bürgerlichen Eliten und auf dem Ziel, eine soziale Radikalisierung der Revolution zu verhindern und die sozialrevolutionären Aufstände des Semestiner Revolutionsrates gegen die sich abzeichnende bürgerliche Republik niederzuschlagen. Mit fast diktatorischen Vollmachten ausgestattet, schlug der Kriegsminister Luis María del Castos die Aufstände nieder.
Mit der Mehrheit der Republikaner erklärte die Nationalversammlung am 1. Juni 1891 die Monarchie offiziell für abgeschafft. Am 14. November 1891 erließ die Nationalversammlung ein provisorisches Verfassungsstatut und wählte auf dessen Grundlage Luis Cavaller zum ersten Präsidenten der Republik. Dieser ernannte seinen Parteifreund José Delacrûce zum Präsidenten des Ministerrats. Das Statut sah erstmals das allgemeine Mehrheitswahlrecht für Männer sowie eine starke Stellung des Einkammerparlaments vor, dem der Präsident und die Regierung verantwortlich sein sollten. Die Aprilverfassung 1892 bestätigte die Entscheidungen vom November 1891 im Wesentlichen und konstituierte die Zweite Sagradische Republik als "soziale und demokratische Republik" auf parlamentarischer Grundlage.
Nach erfolgreicher Einführung der Republik zerfiel die Republikanische Parlamentspartei bald in ihre konkurrierenden „Correntes“. Die republikanische Bewegung wurde dadurch geschwächt. Dennoch erreichten die Republikaner bei der ersten Wahl zur gesetzgebenden Nationalversammlung 1892 eine Mehrheit, Delacrûce wurde als Ministerpräsident bestätigt. Eine politische Krise im Jahr 1894 führte schließlich zu einer konservativen Verfassungsrevision. Die Januarrevisionen 1895 stärkten die Macht des Staatspräsidenten, der künftig das Parlament auflösen konnte und sah die Einführung einer zweiten, nicht direkt gewählten Parlamentskammer, dem so genannten Rat der Republik vor.
Stärkste Kraft wurden bei den Wahlen 1895 die gemäßigt-republikanischen Moderatas, während die Radicales in die Opposition gingen. Ein letztlich gescheiterter antirepublikanischer Putschversuch im Jahr 1898 führte rasch zu einer Wiederannäherung der republikanischen Linken, die sich daran machten, die Republik durch Reformen abzusichern. Nach dem Sieg der Radikalen bei den Wahlen 1899 führte die streng laizistische Politik der liberal-radikalen Koalitionsregierung Salgado zu einem Erstarken und Zusammenrücken der politischen Rechten und zu einer Allianz der rechten katholischen Monarchisten mit den gemäßigten, eher konservativen Republikanern, die sich gegen den radikalen Laizismus der Linken aussprachen und die Polarisierung im „Schulkrieg“ nutzen konnten.
Phase der Rechtskoalition
Die neue Republik setzte in der Außenpolitik weitgehend auf eine Fortsetzung der imperialistischen Kolonialpolitik der alten Monarchie, wenn diese auch innerhalb der Radikalen Partei zunehmend kritisch betrachtet wurde. Im Innern setzte die radikal-liberale Regierung Salgado auf die klare Trennung von Staat und Kirche, verbot die Konfessionsschulen und schaffte den Religionsunterricht ab. Bei den Wahlen 1903 kam es zu einem deutlichen Sieg der als „Koalition der Moral“ vereinigten Rechten, in der jetzt die konservativen Republikaner unter Führung von Miguel Fernando Luisanto Regierungsverantwortung übernahmen. Erstmals stützten nun auch Monarchisten eine republikanischen Regierung, die der Republik mehr als ablehnend gegenüberstanden, eine Rückkehr zur Monarchie aber gegen die rechten Republikaner nicht durchsetzen konnten. Vornehmliches Ziel der Rechtskoalition war es, die Reformen der Linken rückgängig zu machen. Die Konfessionsschulen wurden wiedereingeführt, die Klöster gestärkt und der Einfluss der katholischen Kirche enorm ausgebaut. Außenpolitisch wurde eine Politik der nationalen Stärke gefahren, in der sich Sagradien zunehmend isolierte. 1905 wurde der unabhängige Ex-General Joán Cardinal zum Präsidenten der Republik gewählt. Damit saß ein äußerst konservativer Vertreter der alten Eliten im Präsidentenpalast, der der neuen parlamentarischen Republik eher reserviert gegenüberstand, eine Rückkehr zur Monarchie durch einen Staatsstreich aber ebenso ablehnte.
Phase der wechselnden Bündnisse
Nach dem erneuten Sieg der Rechten im Jahr 1907 kam es zu zunehmenden Spannungen im Rechtsbündnis, das im März 1909 schließlich ganz zerfiel. Präsident Cardinal löste daraufhin das Parlament auf in der Hoffnung, eine gestärkte Basis für eine neuerliche konservative Regierung zu erhalten. Zunächst wurde eine republikanische Übergangsregierung unter radikaler Führung gebildet, die von Präsident Cardinal jedoch nur ein Mandat bis zu den Neuwahlen erhielt, aus denen zum Unmut Cardinals die Linke als Sieger hervorging. Der Radikaldemokrat Cristoval Sánchez bildete nun eine radikal-liberale Minderheitsregierung, die sich auf die Unterstützung von Teilen der sozialistischen Linken zu stützen versuchte und die Reformen der Jahrhundertwende zu erneuern suchte. Es kam zu einem zeitweiligen Machtkampf zwischen parlamentarischer Linkskoalition und dem konservativen Präsidenten, der mehrmals sein Veto gegen laizistische und soziale Reformen der Regierung Sánchez einlegte. Im Jahr 1912 nutzte Cardinal die Spannung in der Linkskoaliton und ersetzte die Regierung Sánchez durch ein rechtes Minderheitskabinett unter Joán Valderrán. Auch nach den Parlamentswahlen 1913 wurde dieses fragile Bündnis zunächst fortgesetzt, doch setzte ihm der plötzliche Tod Cardinals 1914 ein Ende. Um die Präsidentschaft des Monarchisten Stefano Perón zu verhindern, der von der äußeren Rechten aufgestellt worden war, unterstützten die Liberalen nun doch wieder einen Kandidaten der Linken und wählten in der Nationalversammlung schließlich den Radikaldemokraten Cristoval Sánchez zum neuen Präsidenten der Republik. Bis zum Jahr 1917 amtierten nun Ausgleichs-Regierungen der Mitte aus Radikalen, Liberalen und Zentristen. Vornehmliches außenpolitisches Charakteristikum dieses Bündnisses war die strikte Neutralitätspolitik im Ersten Weltkrieg.
Vom "Bloco de Sinistra" zur Weltwirtschaftskrise
Die Parlamentswahlen 1917, erstmals nach dem Prinzip der Verhältniswahl durchgeführt, brachten einen deutlichen Sieg der Linken, in der sich nun erstmals die bürgerlichen Parteien bereit erklärten, ein formelles Regierungsbündnis mit den Sozialisten zu schließen, die in der Regierung des Linksblocks erstmals gouvernementale Verantwortung übernahmen. Die Regierung griff letztmals das alte Projekt der Linken auf, den kirchlichen Einfluss im Staat auf ein Minimum zu reduzieren, und verabschiedete ein umfangreiches Laizismus-Gesetz, konzentrierte sich vornehmlich aber auf soziale Reformen. Auch die Einführung des Frauenwahlrechts gilt als Leistung der Linksregierung, die seit 1920 zunehmend Auflösungserscheinungen aufwies, was auch mit der Gründung der Kommunistischen Partei zusammenhing. Bei den Parlamentswahlen 1921 verlor der linke Block seine parlamentarische Mehrheit, es wurde nun eine große Mitte-Links-Koalition unter António Diaz gebildet. Nachdem Präsident Sánchez auf eine zweite Amtszeit verzichtet hatte, wurde sein Parteifreund Carles Simón López zum Nachfolger gewählt.
Nachdem im Mai 1924 mit António Sarabal erstmals ein Sozialist Regierungschef geworden war, kam es bei den Parlamentswahlen 1925 zu einem politischen Patt. Präsident López trat nach heftigen politischen Auseinandersetzungen zurück und machte den Weg für den rechtskonservativen Domênco Scalfín frei, der sich nun gegen den Sozialisten Joán Bertón durchsetzen konnte und neuer Präsident der Republik wurde. Die Pattsituation im Parlament veranlasste ihn, das Parlament im Sommer 1926 aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben. Sieger wurde die politische Rechte, in der nun die katholisch-konservative Volksunion von Gaitán Alemà Sobrantes zur stärksten Kraft wurde. Fortan amtierten zahlreiche verschiedene Regierungen, die sich zwar in keinem Fall länger als zwei Jahre halten konnten, sich aber kontinuierlich auf eine Zusammenarbeit der zunehmend antidemokratisch erscheinenden Rechten mit den liberalen Kräften der Mitte stützten.
Die Krise der Dreißiger Jahre: Alemà-Ermordung, Faschistenputsch und Volksfrontregierung
Nach Jahren der wirtschaftlichen Stabilität, welche ein Reformdefizit verschleierte, stürzte die Weltwirtschaftskrise von 1929 auch Sagradien in eine tiefe Erschütterung, die ihren Ausdruck in bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen linken und rechten Kampftruppen sowie separatistischen Aufständen in Golen und der Westbretagne fand. In dieser Situation der Instabilität reagierte der konservative Präsident Gaitán Alemà (1932-1934) durch die Implementierung autoritärer Reformen, die eine Stärkung der präsidentiellen Exekutive zur Folge haben und die Rechte des Parlaments beschränkten sollten. Alemà wurde aber im Oktober 1934 durch einen kommunistischen Attentäter ermordet. Der folgende Versuch der Faschisten unter León Francês mit Hilfe ihrer truppistischen Paramilitärs, die Macht zu übernehmen, wurde von republiktreuen Militärs vereitelt. Deren Führer Alfonso Cabarel wurde von Übergangspräsident Luciano Capón mit der Exekutivgewalt ausgestattet, ehe sie durch eine Zivilregierung unter dem parteilosen Finanzfachmann Sergio Dini ersetzt wurde.
Aus den vorgezogenen Parlamentswahlen 1935 ging eine neu formierte linke Volksfront aus Kommunisten, Sozialisten und Radikaldemokraten als Sieger hervor, die den Sozialistenführer Santiago Laval zum Staatsoberhaupt wählte. Die erste Volksfrontregierung mit kommunistischer und bürgerlicher Beteiligung wurde gebildet, die zahlreiche Sozial- und Wirtschaftsreformen einleitete, aber heftigen innen- und außenpolitischen Widerständen entgegentreten musste. Im Zuge separatistischer Aufstände in Golen kam es 1935/36 zu starken Spannungen zwischen Sagradien und dem autoritär-faschistisch regierten Micolinien (Golenkrise), in deren Verlauf micolinische Truppen zeitweise sagradische Gebiete an der sagradisch-micolinischen Grenze besetzten und einen offiziell bis 1955 anhaltenden Grenzkonflikt auslösten, der nur durch energische internationale Vermittlung eingedämmt werden konnte, ehe er zum Krieg eskalierte. Nach dieser außenpolitischen Herausforderung kam es immer wieder zu rechten Aufständen gegen die Linksregierung, die schließlich Ende 1937 aber über innere Gegensätze stürzte.
Februarputsch, Ständestaat und Zweiter Weltkrieg
Hauptartikel: Estado Sagradês
Der politische Wiederstand gegen die Volksfrontregierung führte im Jahr 1936 zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen regierungstreuen Truppen und rechtsfaschistischen Paramilitärs, der so genannten „Schwarzen Divisionen“ unter Führung des Faschistenführers León Francês, die im Bündnis mit Manuel Álamos rechtsoppositioneller Volksunion standen, welche wiederum die bürgerliche und die radikal-faschistische Opposition gegen die Volksfront zusammenführte. Im Februar 1938 schließlich kam es zum Staatsstreich der radikalen Rechten gegen den nach dem Sturz der Regierung Colón politisch angeschlagenen Staatspräsidenten Laval. Einem verfassungsrechtlich wirkungslosen Misstrauensvotum der Ratskammer gegen den Präsidenten folgte die nur vordergründig legitimierte gewaltsame Amtsentfernung Lavals durch rechte Militärs unter General Oscar Romero Castro (Februarputsch). Die vorgezogenen Neuwahlen des Parlaments im April 1938 wurden von der Gewalt divisionärer Schlägertrupps der Rechten geprägt und führten zu einem Sieg der faschistisch-autoritären „Comunión Nacional“ Manuel Álamos, die in der Folge unter der Präsidentschaft Romero Castros und der Ministerpräsidentschaft Manuel Álamos zur Staatspartei wurde. Álamo verbot als Regierungschef die Parteien der Linken und der Mitte und erließ die faschistisch-ständestaatliche Augustverfassung nach dem Vorbild des Austrofaschismus. Sein Regime stützte sich auf die alten Eliten Militär und Kirche und wandelte Sagradien zum „sagrofaschistischen Ständestaat“, dem so genannten „Estado Sagradês“, dessen Präsident formal bis 1940 Romero Castro, seither Iacovo Jimenez, sein Führer jedoch Álamo selbst war.
Obwohl Sagradien im Zweiten Weltkrieg zunächst neutral blieb, unterstützte Álamo offen das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten. Die folgenden wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen der Alliierten sowie die Schwäche Álamos gegenüber deutschen Gebietsforderungen an der sagradisch-französischen Küste führten 1943 zu einer Erosion des autoritär-faschistischen Machtapparats des "Estado" und der "Comunión". In einem Staatsstreich wurde Álamo entmachtet und festgenommen und eine Gruppe anti-deutscher Militärs unter Führung von General Oscar Taglle Rodríguez übernahm die Macht. Dagegen fielen deutsche Truppen in Nordost-Sagradien ein und setzten die Regierung von Fidelfe als Marionettenregierung ein. Die Niederlage Deutschlands und der Sieg der mit den Alliierten verbündeten Mai-Junta Taglle Rodríguez' und der Partisanenkämpfer der antifaschistischen Resistença Sagradêsa führten 1944 zum endgültigen Ende des Estado Sagradês.
Nachkriegszeit und Dritte Republik
Beginn der Dritten Republik und liberalkonservative Ära
Das Mai-Regime unter Oscar Rodríguez übergab seine Exekutivfunktionen bald an eine neue provisorische Regierung unter Sergio Dini, der auch Vertreter des Widerstands und der bald als Demokratische Koalition bezeichneten Parteien der Linken und der Mitte angehörten. Im Jahr 1945 kam zu demokratischen Wahlen zu einer konstituierenden Nationalversammlung, als deren Ergebnis am 4. August 1946 nach einem Referendum die neue parlamentarisch-demokratische Verfassung in Kraft trat. Dini wurde noch von der Konstituierenden zum ersten Präsidenten der Dritten Republik gewählt. 1949 folgte der direkt gewählte Radikaldemokrat David Pizarro Cortez. Seit 1949 amtierte der Christdemokrat Paulo Luciaro bis 1960 als Ministerpräsident, der gemeinsam mit dem Sozialdemokraten Santo De la Ilpa die Nachkriegspolitik bestimmte. Außenpolitisch setzten beide die Westintegration des Landes durch. 1945 war Sagradien Gründungsmitglied der UN und 1949 der NATO und führte auch in den Folgejahren den europäischen Einigungsprozess mit an (u.a. Gründungsmitglied der EWG). Außerdem leitete Luciaro die Aussöhnung mit Micolinien ein, die 1955 in den Verträgen von Alagua und Pexace gipfelten und den Verzicht Sagradiens auf Golen sowie Micoliniens auf Cuentez festschrieb. Wirtschaftlich konnte Sagradien die katastrophalen Kriegsfolgen erst allmählich abfangen, doch setzte mit der Entscheidung für die Marktwirtschaft seit Mitte der Fünfziger Jahre ein Wirtschaftsboom ein. Seit 1955 regierte Luciaro in einer liberalkonservativen „Bürgerblock“-Regierung mit der bürgerlichen UD-Koalition. Seine christlich-konservative PPC-Partei blieb bis 1962 stärkste Kraft.
Sozialistische Vorherrschaft und Guivares-Affäre
Die Spaltung des sozialistischen Lagers in einen prowestlichen (PSD) und einen neutralistischen Flügel (PS) wurde 1957 mit der Gründung der prowestlich-sozialistischen ASUL beendet, die 1962 erstmals Regierungsverantwortung in einer Großen Koalition unter Ministerpräsident Martín Ánibal Costa (PPC) übernahm und 1964 unter António Santiago (ASUL) eine sozialliberale Koalition bildete. Von separatistischen Bestrebungen in den sagradischen Kolonien und regionalistischen Tendenzen im Mutterland veranlasst, setzte die Große Koalition einen umfangreichen Verwaltungsreformprozess in Gang, der die Entlassung der meisten Kolonien in die Unabhängigkeit sowie die teilweise Dezentralisierung des Landes durch Einrichtung von Regionen mit sich brachte. Dem seit 1954 amtierenden Christdemokraten Ariel De la Roya folgte 1964 sein konservativer Parteifreund Carles María Ortega im Amt des Staatspräsidenten. Nach dem überraschenden Tod António Santiagos im Sommer 1964 folgte Iacovo Del Pérez als Ministerpräsident, doch zerfiel seine Koalition 1967. Aus vorgezogenen Neuwahlen ging die PPC wieder als Sieger hervor. Premierminister wurde wie bereits 1960-1962 Carles Angel Favale, der unter Tolerierung der linksbürgerlichen PRD, zeitweise auch der rechten PFP regierte, 1970 aber vom liberalen Carles Méndez mit einem Übergangskabinett abgelöst wurde. Nach überragendem Wahlerfolg der ASUL im Jahr 1970 wurde deren Führer Joán Caval Ministerpräsident, welcher in diesem Amt insgesamt neun Jahre lang (bis 1979) verweilte.
Joán Caval konnte u.a. die unter Iacovo Del Pérez 1965 begonnenen Dreistaatengespräche zwischen Micolinien, Sagradien und San Cristo in eine organisierte Zusammenarbeit innerhalb des Blaumeerrates überführen, der 1972 gegründet wurde. Die vorgezogene Parlamentswahl 1979 führte zu einem Patt der politischen Lager und zur Bildung einer Großen Koalition aus Christdemokraten und Sozialisten unter Sandro De la Nada (PPC). Der Sozialist Del Pérez wurde 1972 zum Präsidenten der Republik gewählt. Er prägte mit außenpolitischen Anstößen das Amt und erarbeitete sich eine große Popularität im Volk. Ihm folgte 1982 der Konservative Alfonso María Guivares, der 1984 im Zuge einer Korruptionsaffäre zurücktreten musste. Der Skandal weitete sich zur größten Polit-Affäre der Republik aus und stürzte das Land in eine tiefe Vertrauens- und Verfassungskrise.
Die jüngere Geschichte
Der bürgerlichen Regierung unter Emilio Moya (1982-1986) folgte 1986 eine ASUL-UDS-Koalition unter dem Sozialdemokraten Donado Ricardes, die 1990 nach überragendem Wahlerfolg der Christdemokraten von einer konservativ-liberalen Koalition unter Josep Carles Otero (PPC) abgelöst wurde. Unter der bürgerlichen Regierung beteiligte sich Sagradien 1991 mit eigenen Truppen am Zweiten Golfkrieg gegen den Irak, nachdem bereits Ricardes 1990 entgegen ablehnender Stimmen in den eigenen Reihen seine Unterstützung der anti-irakischen Koalition zugesagt hatte. Außerdem setzte Otero die bereits unter Moya eingeleitete und unter dem Sozialisten Ricardes grundsätzlich fortgeführte Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik fort. Der Regierung Otero folgte nach dem Wahlsieg der ASUL 1998 der sozialistische Spitzenkandidat Julio De la Costa im Amt des Ministerpräsidenten nach. Seine rot-grüne Koalitionsregierung wurde 2002 in einem deutlichen Votum gestützt. Dem seit 1991 amtierenden Staatspräsidenten Santiago Montoya (PP-SCD) folgte 1999 der Sozialist António Grande Illega im Amt. 1999 bzw. 2002 führte Sagradien die europäische Gemeinschaftswährung Euro als Zahlungsmittel ein. Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006 trat De la Costa nicht mehr an und die PPC ging als Sieger hervor, woraufhin deren Vorsitzender Miguel Ánibal Luisanto zum Chef einer Mitte-Rechts-Koalition aus Christdemokraten und Liberalen ernannt wurde, die im Parlament vom Vertrauen der rechtspopulistischen PSP Joán De la Pênias abhängig war. Bei der infolge einer schweren Koalitionskrise im Sommer 2008 abgehaltenen Neuwahl zur Abgeordnetenkammer wurde Luisanto als Chef einer konservativ-liberalen Minderheitsregierung bestätigt. Im Frühjahr 2009 wurde der konservative ehemalige PPC-Chef Roberto Vidéas Braga als Nachfolger des äußerst populären A.Grande Illega zum Präsidenten der Republik gewählt.