Geschichte der Sagradischen Republik
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte der Zweiten Republik
- 1.1 Die Begründung der Republik
- 1.2 Sagradien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
- 1.2.1 Bloco de Sinistra und Zentrumskoalitionen (1917-1925)
- 1.2.2 Die Ära der wechselnden Rechtskoalitionen (1925-1929)
- 1.2.3 Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1929-1932)
- 1.2.4 Präsidentschaft Alemà Sobrantes (1932-1935)
- 1.2.5 Die Volksfront (1935-1938)
- 1.2.6 Radikalisierung der Rechten, Februarputsch und Aprilwahlen 1938
- 1.3 Geschichte Sagradiens im Zweiter Weltkrieg (1940-1945)
- 2 Dritte Sagradische Republik
- 2.1 Die Neubegründung der Republik (1945/46)
- 2.2 Begründung des Nachkriegskonsenses
- 2.3 Zeit der großen Konsensregierungen (1946-1953)
- 2.4 Christdemokratische Vorherrschaft (1953-1962)
- 2.5 Ende des sagradischen Kolonialreichs
- 2.6 Rückkehr der Sozialisten in die Regierung (1962-1967)
- 2.7 Konservative Regierung und gesellschaftlicher Reformaufbruch (1967-1970)
Geschichte der Zweiten Republik
Die Begründung der Republik
Krise und letzte Jahre der Monarchie (1884-1891)
Mit dem Sieg der reformistischen Linken bei der Parlamentswahl 1884 endete die Phase der Entspannung und es kam zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen König Philipp VIII. und Parlament. Nachdem er das Parlament 1887 aufgelöst hatte und es zu einem neuerlichen Sieg der Liberalen gekommen war, weigerte sich der König im Streit um einen neuen Haushalt kurzerhand, das Parlament noch einmal einzuberufen und setzte unter dem Vorwand juristischer Untersuchungen den Parlamentspräsidenten Cornélio de Martín fest, um ihn an einer selbständigen Einberufung des Parlaments zu hindern. Die damit ausgelöste Verfassungskrise, in der der König ohne das Parlament regierte, kostete vor allem die gemäßigte Linke an Ansehen, die zwar gegen das Verhalten des Königs empört demonstrierte, eine gewaltsame Auseinandersetzung aber fürchtete. In der Folge kam es im ganzen Land zu einem Erstarken der radikalen Republikaner.
Erst Mitte 1888 konnte die Krise beigelegt werden und das wieder zusammengetretene Parlament legitimierte nachträglich einige Entscheidungen des Königs, weigerte sich aber dem König eine Indemnität auszusprechen, sodass dieser das Haus bald wieder auflöste und Neuwahlen ansetzte, von denen vor allem die Republikaner profitieren, die trotz Zensuswahl und benachteiligendem Mehrheitswahlrecht auf 11 Prozent der Stimmen kamen und in einigen Großstädten sogar stärkste Kraft wurden. Philipps Premierminister Gustavo Conte de Montxerent reagierte mit der Verhaftung führender Republikaner und einer Verschärfung von Zensur und Versammlungsrecht. Hungersnöte in der armen Bevölkerung heizten die ohnehin gespannte Lage zusätzlich an und im ganzen Jahr 1890 kam es überall im Land zu Verhaftungen republikanischer Agitatoren und zu Aufständen gegen die Regierung Montxerent, die schließlich 1891 in die Januarrevolution mündeten. Im Dezember hatte die Regierung Montxerent die vom Parlament beschlossenen Armengelder gestrichen, woraufhin es zu einer neuerlichen Krise kam. Nachdem in Semess eine Demonstration gegen die erzwungene Schließung einer Nationalwerkstätte gewaltsam aufgelöst worden war, gingen in Semess Handwerker und Arbeiter auf die Barrikaden. Bald folgten auch in anderen Großstädten des Landes und vereinzelt auch auf dem Land bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen Aufständischen und der Staatsmacht.
Januarrevolution und Juni-Proklamation 1891
Am 21. Januar 1891 musste Filipe die Stadt verlassen und floh nach Novil, während in Semess die von Republikanern gebildeten Revolutionsräte die Macht an sich rissen. In den Folgetagen folgten auch in anderen Städten so genannte Tochterräte mit der Machtübernahme. Am 26. Januar verließ Filipe schließlich das Land und erklärte in der Nacht vom 26. zum 27. Januar 1891 seine Abdankung zugunsten seines Sohnes Prinz José Filipe (Thronfolger), den er als Philipp IX. zum neuen König proklamierte. Sein ältester Sohn Gabriel hatte nach dem Bruch mit seinem Vater und der Hochzeit mit der russischen Bürgerlichen Elena Leczynska bereits 1885 auf den Thron verzichtet.
Die Proklamation Joseph Philipps zum König blieb schließlich folgenlos. Die Abgeordnetenkammer der Cortes tagte noch in den frühen Morgenstunden und verständigte sich darauf, "in ständischer Tradition der Codices Magna" – wie es in einer Resolution hieß – den neuen König nicht anzuerkennen, ehe dieser nicht den Eid auf die geltende Verfassung geleistet habe. Die provisorische Regierungsgewalt wurde - "in Abwesenheit des Königs" – an einen 11-köpfigen Regierenden Rat unter dem Liberalen Cornel Gil-Lerma delegiert, der Verhandlungen mit dem Thronfolger aufnehmen sollte. Unterdessen einigten sich die Parteiführer auf baldige Neuwahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung, die ein neues Staatsgrundgesetz ausarbeiten sollte.
Mitten im Wahlkampf kam es zur sogenannten "Lunes-Affäre", in der der Thronfolger von republikanisch gesinnten Liberalen als reaktionärer Feind der Cortes diffamiert und erfolgreich diskreditiert wurde. In der aufgeheizten Atmosphäre schlugen sich zahlreiche frühere Anhänger der parlamentarischen Monarchie auf die Seite der Republik, "weil der parlamentarische Monarch in diesem Land nicht vorhanden ist", wie der Schriftsteller Cornell Demarques festhielt. Vor diesem Hintergrund gingen aus den Aprilwahlen 1891 schließlich die Anhänger der Republik überraschend deutlich als Sieger hervor. In ihrer konstituierenden Sitzung am 1. Juni 1891 verabschiedete die neue Verfassungsgebende Versammlung auf Antrag des liberalen Parteiführers Luis Cavaller und mit deutlicher Mehrheit die sogenannte "Juni-Proklamation", in der sich die sagradische Nationalversammlung zur "alleinigen Inhaberin der Regierungsgewalt der Sagradischen Republik" erklärte ("la sola poder governante de la República es síu nela Asamblea Nacional"). Noch in der selben Sitzung wurde Luis Cavaller zum Präsidenten der provisorischen Regierung gewählt. Damit war das sagradische Königtum de facto abgeschafft. Die Kommission, die Verhandlungen mit dem Thronfolger zur Übernahme des Throns führen sollte, blieb zwar bestehen, der Thronfolger weigerte sich vor diesem Hintergrund aber, "König von Gnaden der Feinde Gottes" zu sein, wie er die Nationalversammlung wissen ließ.
Vom Novemberstatut zur Aprilverfassung (1891-1892)
Die Nationalversammlung arbeitete zunächst ein provisorisches Verfassungsstatut aus, das im November in Kraft trat. Darin wurde die gewählte Nationalversammlung zum Inhaber der vollen Staatsgewalt erklärt und die zuvor bereits aufgelöste Nobelnkammer endgültig abgeschafft. Als Oberhaupt der Republik wurde das Amt eines Präsidenten der Republik eingeführt, der von der Nationalversammlung gewählt werden sollte und dem die Exekutive unterstand.
In der Zwischenzeit gingen in Semess die Kämpfe weiter, nachdem eine Gruppe radikaler Republikaner die soziale Revolution weiterführen und die Eigentumsordnung anfechten wollten. Unter Kriegsminister Luis María del Castós mussten die Aufstände gewaltsam niedergeschlagen werden.
Bis April 1892 wurden durch die Nationalversammlung weitere Grundgesetze verabschiedet, die gemeinsam mit dem Novemberstatut schließlich zur endgültigen Aprilverfassung zusammengefasst wurden. Darin wurde Sagradien erstmals auch offiziell als Republik bezeichnet, die Symbole des Königtums wurden abgeschafft und durch neue republikanische Symbole ersetzt.
Zwischen Juniwahlen und Januarrevisionen (1892-1895)
Da die politische Krise anhielt, geriet die Republik schnell auch unter Druck von rechts. Feinde der neuen Staatsform fanden sich einerseits im Adel und in der Kirche, die die Ersetzung der alten Ordnung durch die Herrschaft des liberalen Bürgertums nicht akzeptierten, andererseits durch breite Volksschichten, die sich ebenfalls nicht durch die liberale Elite an der Spitze des neuen Gemeinwesens repräsentiert sah.
Aus der Wahl zur sagradischen Nationalversammlung 1892 gingen die Republikaner daher gegenüber den Vorjahreswahlen deutlich geschwächt hervor. Gestärkt wurden vor allem die gemäßigten und konservativen Kräfte, denen die einseitige Ausgestaltung der Verfassung zugunsten des Parlaments zu weit ging. In der Folge setzte sich auch Präsident Luis Cavaller für eine Revision der jungen Verfassung ein, um die Exekutive zu stärken - dem "Biêniu Democrático" folgte eine Phase der "konservativen Korrektur". Die Januarrevisionen 1895 wichen schließlich deutlich vom Konzept der ungeteiligen Parlamentsherrschaft ab. Indem sie neben der Nationalversammlung einen Rat der Republik als nicht direkt gewähltes Korrektiv zum gewählten Parlament einführten, kehrte die Republik vom Ein- und Zweikammersystem der konstitutionellen Monarchie zurück. Noch deutlicher wirkte sich die Stärkung des Amtes des Präsidenten der Republik aus, dessen Amtszeit mit unmittelbarer Wirkung von drei auf sieben Jahre verlängert wurde und der das Recht erhielt, im Einvernehmen mit dem Rat die Nationalversammlung vorzeitig aufzulösen.
Sagradien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Bloco de Sinistra und Zentrumskoalitionen (1917-1925)
Im Jahr 1917 wurden die ersten sagradischen Parlamentswahlen nach dem Modus der Verhältniswahl mit Listen durchgeführt. Den Sieg trugen dabei die Parteien der Linken davon. Die Sozialisten, unter den Bedingungen der Mehrheitswahl meist aufgrund des Wahlkreiszuschnitts benachteiligt, wurden mit einem Stimmenanteil von über 30 Prozent erwartungsgemäßg stärkste Kraft. Die Radikalen und Radikalsozialisten kamen zusammen auf über 20 Prozent, sodass die Linksparteien des Bloco de Sinistra gemeinsam eine Mehrheit der Abgeordneten stellen konnten. Neuer Regierungschef wurde der Radikaldemokrat Francisco Calbane. Gegen die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung spaltete sich jedoch der linke Flügel ab und bildete den oppositionellen Partíu Socialista Independiente, dem sich aber nur eine Minderheit von 21 Abgeordneten anschloss. Mit dem bisherigen Parteichef Carles Ferro Rodríguez trat der erste sozialistische Minister in ein Kabinett ein, ließ seine Parteimitgliedschaft aber ruhen, ehe 1919 auch offiziell Minister der PS in die Regierung eintraten.
Ziel der Regierung des Bloco de Sinistra war es, die laizistischen Reformen der sinistra laica, unter Donado Salgado nur unvollständig durchgesetzt und inzwischen von mehreren Rechtsregierungen revidiert, endgültig zu einem Ende zu bringen und die strikte Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen, um den Einfluss der als reaktionär betrachteten katholischen Kirche auf den sagradischen Staat zu brechen. Daneben pochten die Sozialisten auf weitgehende Sozialreformen, welche schließlich den modernen sagradischen Wohlfahrtsstaat begründen sollten. Die Linksblockregierung arbeitete außerordentlich erfolgreich und konnte in ihren vier Regierungsjahren mit dem Schulgesetz von 1918 und der Sozialgesetzgebung von 1919/20 ihre wichtigsten Reformvorhaben umsetzen.
Dies erreichte die Regierung trotz heftiger parteiinterner Auseinandersetzungen in der Sozialistischen Partei, die sich infolge der russischen Oktoberrevolution 1917 und im Streit um das Verhältnis zur Komintern nochmals spaltete. Da es derartige Auseinandersetzungen aber auch innerhalb des PSI gab, wo sich die Terceristas durchsetzen konnten und den Partíu Comunista Sagradês begründeten, kehrten die gemäßigten Unabhängigen 1919/22 wieder in die Mutterpartei zurück, die damit eine nachhaltige Schwächung verhindern konnte.
Mit den Stimmen des Linksblocks wurde im Januar 1919 der Radikale Cristoval Sánchez, zuvor zweimal Ministerpräsident des Landes, zum neuen Präsidenten der Republik gewählt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament hatte der liberale Amtsinhaber Francisco Berlioz auf eine Wiederwahl verzichtet. Unter Sánchez' Präsidentschaft wurde die Koalition fortgesetzt.
Bei den Parlamentswahlen 1921 wurde der PS erneut stärkste Partei, die nun im PRSD wiedervereinigten Radikalen und Radikalsozialisten erlitten aber schwere Verluste, sodass der Bloco de Sinistra seine Mehrheit im Parlament einbüßte. Erstmals traten auch die Kommunisten an und gewannen 30 Mandate in der Nationalversammlung. Relativer Sieger der Wahl war die rechtsliberale Aliança Republicana, die sich von 56 auf 74 Mandate verbessern konnte und nun mit den Parteien des Linksblocks eine Regierung der Großen Koalition (Governo del Horizonte Largo) unter dem Radikalen António Diaz bildeten. Die neue von der gemäßigten Linken zur gemäßigten Rechten reichende Regierung ergänzte die laizistischen Reformen und trug damit erheblich zu deren Etablierung bei. Die Regierung Diaz scheiterte zwar im Januar/Februar 1924, jedoch amtierten bis 1925 noch weitere Linksblock-Regierungen, die teilweise von den Liberalen toleriert wurden. Im Februar 1924 wurde mit António Sarabal schließlich der erste Sozialist Regierungschef, im Dezember desselben Jahres folgte ihm der Radikaldemokrat Carles Simón López, der nun für wenige Moante auf den Stuhl des Regierungschefs zurückkehrte.
Die Ära der wechselnden Rechtskoalitionen (1925-1929)
Die Vorherrschaft der Linken und der laizistischen Parteien hatte in Kombination mit dem neuen Verhältniswahlsystem innerhalb der Rechten zu einem Umstrukturierungsprozess geführt. Vor allem ging es um eine festere Organisationsstruktur der zuvor zersplitterten Rechten. Nach den verlorenen Parlamentswahlen 1917 und 1921 reorganisierte sich die katholische Rechte schließlich in der Unión Popular, die als straff organisierte Massenpartei nach Vorbild des erfolgreichen Partíu Socialista aufgebaut wurde.
Die Unión Popular konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die Parlamentswahl des Jahres 1925 für sich entscheiden. Mit 148 Abgeordneten wurden die Katholiken knapp stärkste Kraft im Parlament und unterbreiteten den geschwächten Liberalen ein Angebot zur Zusammenarbeit. Präsident Sánchez ernannte jedoch den Führer der liberalen Republikanischen Allianzpartei Daniel Laponte selbst zum Ministerpräsidenten einer liberal-katholischen Minderheitsregierung.
Die erste liberal-katholische Zusammenarbeit seit zehn Jahren endete schließlich im Januar 1926, als sich beide nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl einigen konnte und die Volksunion schließlich die Regierung verließ. Als Kompromisskandidat der Linken und Rechten wurde schließlich der radikaldemokratische Parlamentspräsident und mehrmaligen Minister Carles Simón López gewählt, der die Regierung Laponte vorerst im Amt beließ. Anders als sein Vorgänger Sánchez führte López sein Amt zurückhaltend und konnte sich gegenüber gegnerischen Parlamentsmehrheiten und starken Persönlichkeiten im Kabinett nur wenig profilieren. Hinzu kam, dass sich der aus einfachen Verhältnissen stammende López in seinem Amt nicht wirklich zurecht fand und zunehmend überfordert wirkte. Besonders schlecht war das Verhältnis zu Gaitán Alemà Sobrantes, den Führer der Volksunion, den er 1927 zum Ministerpräsidenten ernannte, nachdem er dies zuvor längere Zeit ausgeschlossen hatte. Als es 1928 zu einer Verleumdungskampagne gegen den Präsidenten von Seiten der konservativen Presse kam, die ihm unter anderem mit homosexueller Gesellschaft in Zusammenhang brachte, ohne dass sich die Mitte-Rechts-Regierung vor den Präsidenten stellte, erklärte dieser schließlich im August 1928 als erster Amtsinhaber seinen vorzeitigen Rücktritt vom Präsidentenamt, woraufhin auch Alemà seinen Rücktritt einreichen musste.
Mit der Mehrheit der Rechtspartei gelang es schließlich, mit Ratspräsident und Interimsstaatsoberhaupt Domênco Scalfín erstmals ein Mitglied der katholischen Volksunion zum Präsidenten der Republik zu wählen. Scalfín konnte sich unter anderem gegen den früheren Präsidenten Cristoval Sánchez durchsetzen, der eine Rückkehr ins höchste Staatsamt anstrebte. Scalfín ernannte eine neue Mitte-Rechts-Regierung unter Joán César Negrín, die jedoch nur wenige Monate im Amt blieb und schließlich durch eine liberale Minderheitsregierung unter Santiago Domingues abgelöst wurde.
Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1929-1932)
Nach vier Jahren komplizierter Mehrheitsverhältnisse in der Nationalversammlung brachte die Parlamentswahl 1929 eine deutliche Mehrheit für die Parteien der katholischen und liberalen Rechten. Gaitán Alemà Sobrantes wurde zum zweiten Mal Präsident des Ministerrats, der von Alemàs Nationalem Block und den Liberalrepublikanern gebildet wurde.
Die Weltwirtschaftskrise stürzte Sagradien 1930 in eine schwere Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahr 1931 rapide an und die Wirtschaftsleistung nahm ab. Soziale Krisen überströmten das Land. Die Regierung Alemà Sobrantes setzte jedoch auf eine Sparpolitik, um die eigene Finanzierungskrise zu überwinden, suchte gleichzeitig aber durch protektionistische Maßnahmen die eigene Wirtschaft zu schützen. Als die Liberalen ihre Unterstützung für diese Politik im Herbst 1931 aufgekündigt hatten, musste Ministerpräsident Gaitán Alemà Sobrantes zurücktreten. Nachfolger wurde der parteilose Daniel Laponte, der ein Kabinett aus Vertretern des Zentrums und einzelner „rechter Persönlichkeiten“ anführte. Alemà wurde im neuen Kabinett Innenminister. Stärker als die Vorgängerregierung verfolgte die neue Mitte-Rechts-Regierung eine Deflations- und Austeritätspolitik, die die sozialen Folgen der Wirtschaftskrise nochmals verschlimmerte.
Präsidentschaft Alemà Sobrantes (1932-1935)
Mitten in der wirtschaftlich-sozialen Krise starb Präsident Domênco Scalfín im Sommer 1932 an einem Schlaganfall. Nach mehrmaliger Sitzungsunterbrechnung fand sich bei der Wahl des Nachfolgers erst im achten Wahlgang eine Mehrheit für den Volksunion-Kandidaten Gaitán Alemà Sobrantes, der ankündigte, in der Krise des Landes eine aktivere Rolle ausfüllen zu wollen als seine Vorgänger. Unter Domênco Santês ernannte Alemà eine Regierung seines Vertrauens, das mit seinem Programm einer autoritären Verfassungsreform aber im Parlament scheiterte. Unmittelbar nach der Niederlage der neuen Regierung löste Alemà Sobrantes schließlich die Nationalversammlung auf und setzte Neuwahlen an.
Die Parlamentswahlen des Jahres 1932 brachten schließlich eine deutliche Stärkung der Ränder. Die rechtsextremen Parteien erhielten 45, die Kommunisten 85 Mandate im Unterhaus. Alemàs Ziel einer absoluten Mehrheit für seine Volksunion und ihre Verbündeten scheiterte abermals. Dennoch gelang es Santês nun, mit einem stärker auf sozialen Ausgleich ausgerichteten Programm, eine neue Mehrheit hinter sich zu bringen, da sich erstmals auch die Sozialisten bereit fanden, mit der Rechten zusammenzuarbeiten und der Regierung außerordentliche Vollmachten zur Behebung der sozialen Krise zu übertragen.
Die anhaltende soziale Notlage führte im ganzen Land zu einer Radikalisierung der politischen Situation. Angeheizt durch die sozialen Missstände florierten die rechten Aktionstruppen, die ständig wuchsen und neue Anhänger der verarmten Mittelschichten anlockten. In Teilen des Landes standen sich seit den Dezemberwochen 1933 rechte und linke Schlägertruppen und paramilitärische Verbände gegenüber. Die kommunistischen Roten Garden stellten sich den rechten Aktionstruppen entgegen und versuchten vielerorts, die Revolution auszulösen. Die Regierung Santês reagierte – von Alemà bestärkt – mit eiserner Hand gegen die Rotgardisten, während die Truppisten vielerorts freie Hand erhielten. Die Politik gegenüber der radikalen Rechten blieb daher ambivalent. Im Januar 1934 wurden zahlreiche - vermeintlich gemäßigte - Truppistenverbände offiziell zu Hilfstruppen des staatlichen Militärs ernannt, nachdem sie sich auf die Regierung verpflichtet hatten. Ein Misstrauensvotum der Opposition gegen die Regierung Santês vom Oktober 1934 blieb praktisch folgenlos, da Alemà lediglich eine Kabinettsumbildung vornahm, die gemäßigten Kräfte aus der Regierung entfernte, den Armeechef Oscar Romero Castro und den Führer des rechten Flügels der UP, Manuel Álamo zu Ministern ernannte und anstelle Santês’ den bisherigen Innenminister Joán César Negrín mit dem Premieramt betraute (Kabinett Negrín).
Die Kabinettsumbildung war der Auftakt für den ereignisreichen Krisenherbst 1934. Am 30. Oktober 1934 wurde Präsident Gaitán Alemà Sobrantes von einem kommunistisch motivierten Attentäter angeschossen. Sofort verhängte die Regierung Negrín eine allgemeine Ausgangssperre, löste die Sitzung der Nationalversammlung auf und bezichtigte die Kommunistische Partei eines Umsturzversuchs. Im ganzen Land kam es daraufhin zu einer Eskalation und zu heftigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Linken und Rechten. Die aufgehetzte Menge stürmte die kommunistische Parteizentrale und tötete dabei einige Mitarbeiter der Parteiführung, nur wenige Stunden später, am Morgen des 1. November 1934 wurde der KP-Chef Lorenzo Sabal von Truppisten gefangengesetzt und ermordet. Noch in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1934 setzte Faschistenführer León Francês zum „Marsch auf Semess" an und versuchte in einem gewaltsamen Putschversuch die Macht zu übernehmen. Francês’ Sturmtruppen nahmen binnen weniger Stunden den Platz vor dem Regierungspalais ein und forderten die Machtübergabe an Francês. Die Regierung Negrín, von den Ereignissen überrannt, zeigte sich abwartend, ehe sich Präsident Alemà zu hartem Durchgreifen entschloss und das Militär gegen die faschistischen Putschisten einsetzte. Er verhängte den Ausnahmezustand und übertrug die Exekutivgewalt auf General Alfonso Cabarel. Nach wenigen Stunden bereits stürmten Militärtruppen unter General Cabarel den Platz vor dem Regierungspalast und schlugen den faschistischen Putschversuch nieder. In der Folgewoche wurden die Aktionstruppen sowie der faschistische Frente Fraternal verboten. Der Ausnahmezustand wurde am 1. Dezember beendet und ein neues ziviles Kabinett unter Führung des parteilosen Nationalbankpräsidenten Sergio Rafael Dini ernannt. Dini sollte ein unabhängiges Präsidialkabinett leiten, dem Cabarel als Armeeminister mit besonderen Befugnissen angehörte.
Die Lage blieb aber angespannt, zumal der in Golen wütende separatistische Aufstand gegen die Nationalregierung unter Pier Ulisse auf den golischen Westen Sagradiens überzugreifen drohte, wo sich Sympathisanten des in Alágua ausgerufenen "Estat Gools" sammelten und für eine gesamtgolische Unabhängigkeit Stimmung machten.
Die Volksfront (1935-1938)
Im gemeinsamen Kampf gegen die Bedrohung von rechts hatten sich seit 1932, erstrecht aber nach der Wahl Narcís Coloms zum KP-Sekretär im Herbst 1934 die gemäßigten Kräfte der sagradischen Linken und die Kommunisten angenähert. Für die auf den September 1935 vorgezogenen Parlamentswahlen bildeten die sagradischen Sozialisten unter Santiago Laval, die Kommunisten Coloms und die linksbürgerlichen Radikalen unter Angel Colón ein linkes Wahlbündnis, den Frente Popular (Volksfront), der geschlossen gegen die Parteien der Rechten antreten sollte, die zunehmend Kritik an der parlamentarischen Form der angeblich "sozialistisch unterwanderten" Republik übten und immer offener auf eine autoritäre Verfassungsreform drängten.
Nach Bildung der Volksfront drängten die Linksparteien auf einen Regierungswechsel zu ihren Gunsten. Zwar hatte die Regierung Dini bereits sozial konsolidierende Maßnahmen im Sinn einer keynesianischen Nachfragepolitik zur Bekämpfung der Krise eingeleitet, den Linksparteien ging dies aber nicht weit genug. Als die Nationalversammlung der Regierung Dini im Sommer 1935 das Vertrauen entzog, ernannte Präsident Gaitán Alemà Sobrantes keine neue Regierung, sondern löste zum zweiten Mal nach 1932 die Versammlung auf. Dabei ging er wie bereits im Jahr 1932 von einer stillschweigenden Zustimmung des Rates der Republik für sein Vorgehen aus und ließ sich seinen Akt nicht ausdrücklich bestätigen.
Aus den folgenden Neuwahlen im September 1935 ging schließlich gegen die Hoffnung Alemàs nicht die Nationale Front der Rechten, sondern die oppositionelle Volksfront aus Sozialisten, Kommunisten und Radikalen als deutlicher Sieger hervor. Zum ersten mal fand sich nun eine linke Mehrheit unter Einschluss der Kommunisten für eine Regierungsbildung bereit und forderte das Amt des Regierungschefs und die Ernennung einer Volksfrontregierung. Außerdem wurden in den Reihen von Kommunisten und Sozialisten Stimmen laut, die den Rücktritt des Präsidenten verlangten, da dieser sein Auflösungsrecht politisch missbraucht und sich über die Zustimmungspflicht des Rates der Republik hinweggesetzt habe. Alemà Sobrantes wiederum berief sich auf die Unabhängigkeit seines Amtes und lehnte einen Rücktritt ab. Außerdem verweigerte er dem parlamentarischen Mehrheitsführer Santiago Laval die Ernennung zum Ministerpräsidenten und beauftragte stattdessen den unabhängigen Radikalen José Gael Montira mit der Regierungsbildung, womit er letztlich vergeblich hoffte, die Radikale Partei aus dem Volksfront-Bündnis lösen zu können.
Da sich sowohl Präsident als auch Regierungsmehrheit auf eine unterschiedliche Auslegung der Verfassung beriefen, entstand eine handfeste Verfassungskrise, in der sich die Auseinandersetzung zwischen Anhängern einer starken Parlamentsherrschaft und denen einer autoritären präsidialen Exekutive mit dem Kampf zwischen der parlamentarischen Linken und der katholisch-konservativen Rechten verknüpfte.
Als Reaktion auf die Verweigerungshaltung Alemàs verabschiedete die Nationalversammlung mit der Mehrheit der Volksfrontparteien eine ultimative Forderung an den Präsidenten, eine sozialistisch-radikale Regierung zu ernennen oder zurückzutreten, und drohte mit einer formellen, möglicherweise verfassungswidrigen Neuwahl des Präsidenten. Damit war auch klar, dass die Radikale Partei relativ geschlossen im Volksfrontbündnis verbleiben würde. Als schließlich auch der mit der Regierungsbildung beauftragte Montira sein Scheitern einräumte und zudem der noch amtierende Ministerpräsident Sergio Rafael Dini einen weiteren Verbleib im Amt ablehnte, blieb Präsident Alemà nichts mehr übrig als im Verfassungsstreit nachzugeben und seinen Rücktritt einzureichen. Einen dem Präsidenten von ultrakonservativer Seite nahegelegten Staatsstreich gegen das Parlament und eine unmittelbare Wiederauflösung der unliebsamen Nationalversammlung lehnte er dagegen ab.
Nach dem Rücktritt Alemàs am 4. Oktober 1935 wählte das zuständige Wahlkollegium aus Abgeordneten der Nationalversammlung und des Rats der Republik mit der knappen Mehrheit der Volksfrontparteien den linken Mehrheitsführer Santiago Laval zum ersten sozialistischen Präsidenten der Republik. Dieser wiederum ernannte eine sozialistisch-radikale Minderheitsregierung unter Führung des Sozialisten José António Saviola, in der die meisten und die einflussreichsten Ministerien von erfahrenen Ministern des Partíu Radical geführt wurden. Zwar blieb der Partíu Comunista außerhalb der Regierung, unterstützte diese aber im Parlament.
Die Volksfrontregierung Laval-Saviola führte zahlreiche Reformen durch. Sie erließ ein allgemeines Streikrecht, führte die 40-Stunden-Woche ein und erhöhte die Löhne im öffentlichen Dienst. Zahlreiche Schlüsselindustrien wurden sozialisiert. Doch hatte sie von Beginn an mit großen außen- und innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die anhaltenden separatistischen Bewegungen im micolinischen Teil Golens und die im sagradischen Teil gehegten Sympathien belasteten die Beziehungen zwischen der national orientierten micolinischen Zentralregierung unter Pier Ulisse und der nun linken Bastion Sagradien nachhaltig, zumal sich Teile der neuen sagradischen Regierung wohlwollend zeigten. Als die Regierung Saviola es ablehnte, eine Reihe nach Sagradien geflüchteter, des Hochverrats angeklagter Golen an Micolinien auszuliefern kam es im Herbst 1935 - nur wenige Wochen nach dem Machtwechsel zur Linken – zu einer heftigen diplomatischen Krise (Golenkrise), in deren Lauf es fast zum Krieg zwischen den ideologisch verfeindeten Regierungen Sagradiens und Micoliniens kam, als micolinische Truppen unter dem Vorwand terroristischer Umtriebe im Grenzgebiet auf sagradisches Staatsgebiet vorstießen. Mit dem Vorwurf an die sagradische Regierung, der Lage selbst nicht Herr werden zu können, übernahmen die micolinischen Truppen binnen weniger Tage die Provinz Pexace sowie den Westen der Escada. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, jedoch zu keiner Kriegserklärung. Der Völkerbund erwirkte einen dreimonatigen Waffenstillstand (Marrel-Moratorium), in dem es aber zu mehreren kleineren Zusammenstößen kam. Erst unter intensiver Vermittlung der internationalen Mächte unter Androhung eines internationalen Krieges erreichte die Staatengemeinschaft den Rückzug Micoliniens aus den besetzten Gebieten mit Ausnahme kleinerer Stützpunkte im Celistal und Teilen des Ambristals, die noch weitere Jahrzehnte besetzt blieben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Lösung dieser Frage gefunden.
Der Ausgang der Golenkrise wurde als schwere Niederlage der neuen Linksregierung gewertet, der ihr abwartendes Verhalten als Schwäche ausgelegt wurde. Abgesehen davon, dass die pazifistischen Sozialisten eine kriegerische Auseinandersetzung ablehnten, waren der Regierung aber weithin die Hände gebunden, da sich das Militär vielerorts kaum bereit zeigte, den Befehlen des sozialistischen Verteidigungsministers zu gehorchen. Es zeigte sich das schwere Autoritätsproblem, das die Volksfrontregierung von Beginn an gegenüber Teilen des Militärs besaß, auch wenn sich der Großteil des Militärs noch loyal zeigte und es in der Folge zu einer Reihe von Disziplinarverfahren gegen renitente Offiziere kam.
Auch bezüglich des 1936 ausgebrochenen Spanischen Bürgerkriegs geriet die Volksfrontregierung in Schwierigkeiten. Während Sozialisten und Kommunisten eine Beteiligung Sagradiens auf Seiten der republikanischen Kräfte forderten, lehnten die Radikalen eine solche ab und stellten die Regierung in Frage. Die zweite Regierung Saviola, seit April 1936 im Amt, sowie die Nachfolgeregierung unter Angel Colón einigten sich daher auf eine Nicht-Intervention.
Als im Oktober 1937 in Alconía ein kommunistischer Aufstand gegen den lokalen Großgrundbesitz ausbrach, der eine sofortige Bodenreform forderte und sich zum blutig geführten „Alkonischen Oktober“ ausweitete, zerbrach die Volksfrontregierung, da Premierminister Colón Truppen einsetzte, um den Aufstand einzudämmen. Die Kommunisten erklärten die Volksfront für beendet und forderten den Rücktritt der Regierung Colón. Dieser blieb aber im Amt und suchte sich neue Mehrheiten durch Einbeziehung liberaler Kräfte.
Radikalisierung der Rechten, Februarputsch und Aprilwahlen 1938
Die Volksfrontregierung führte zu einer Machtverschiebung innerhalb der sagradischen Rechten und zu einem deutlichen Anwachsen der demokratieskeptischen und parlamentarismus-feindlichen Strömungen innerhalb des konservativ-bürgerlichen Lagers, das von antikommunistischen Ressentiments und teilweise auch ständestaatlichen Vorstellung angetrieben wurde. Die Niederlage der katholisch-konservativen Volksunion bei den Wahlen 1935 und die Amtsenthebung ihres starken Mannes Gaitán Alemà Sobrantes führte in der Partei zu einem Machtvakuum, in das schließlich der radikale Parteiflügel mit ihrem Führer Manuel Álamo Igualde treten konnte. Diese vertraten das Konzept einer autoritären Reform, der Stärkung der präsidialen Exekutive gegenüber dem Parlament und der Berücksichtigung korporatistischer Elemente in der Verfassung. Einflussreiche Proponenten dieses Kurses waren unter anderem auch die radikalkonservativen Jungzirkeln der Partei und die paramilitärischen Juntas Accionistas, die aus Teilen der Truppistenbewegung hervorgegangen waren. Beim Noyarenser Parteitag der UP im Dezember 1935 wurde Álamo Igualde an die Spitze der Partei gewählt.
In der Zwischenzeit reorganisierten sich auch die anderen antiparlamentarischen und antirepublikanischen Kräfte der Rechten neu. Nach dem Verbot der Aktionstruppen und der faschistischen Brüderfront León Francês’ wirkten viele Mitglieder der Bewegung auch weiterhin im Untergrund weiter. Die terroristische rechtsextreme „Organisación d’Acción Patriota“ (OAP) verübte im ganzen Land Anschläge mit dem Ziel, die linke Regierung und die von ihr getragene Republik zu stürzen. Gleichzeitig blieben zahlreiche Aktionstruppen trotz Verbots weiterhin aktiv, darunter die von León Francês selbst gegründete División Sagradêsa de Ofensiva Popular. Noch immer mit großem Einfluss unter der faschistischen Rechten, änderte Francês nun seine Strategie. An die Stelle des stark am italienischen Faschismus orientierten antiklerikalen Programms des alten Frente Fraternal verbündete sich Francês nun mit den klerikal orientierten Ultrarechten, die zuvor den Bloco Nacional bzw. den Frente Nacional unterstützt hatten.
Die Erfolge der Faschisten verleiteten auch konservative Katholiken dazu, mit faschistischer Symbolik und teilweise auch Programmatik zu experimentieren. Schon längere Zeit traten die paramilitärsichen Juntas Accionistas uniformiert auf, nun übernahmen auch die Jungzirkel wesentliche Elemente des Faschismus und inszenierten den UP-Führer Álamo Igualde als "Chefe del Movimiento".
Auf dem Parteikongress von Malesc im Mai 1936 bekannte sich die Volksunion im „Manifesto de Malesc“, das wesentlich von den Jungzirkeln beeinflusst wurde, zum Programm einer autoritär-korporatistischen Verfassungsreform. Die Republik wurde als Beute der kommunistischen Revolution betrachtet, weswegen sich die Rechte hinter einer starken Persönlichkeit sammeln sollten.
In der Folgezeit kam es auch zu partiellen Annäherungen zwischen der katholischen und der faschistischen Rechten. Divisionistische "Blaumützen" sowie die weiß-blau gekleideten Juntas Accionistas als Verbände der Volksunion kämpften nun vielerorts gemeinsam gegen Kommunisten, Sozialisten und Regierungstruppen. Die Ermorderung der prominenten Kommunistin Mercé Restuça durch Divisonstruppen im Herbst 1937 blieb nur einer von vielen Ausbrüchen der Gewalt.
Im Januar und Februar 1938 intensivierten sich die Aufstände der Rechten, die in Ceundâlia und Amoria zahlreiche linke Stadtverwaltungen übernahmen und sich der Kasernen bemächtigten. Laval stand dem weitgehend machtlos gegenüber. Der Sturz der Regierung Colón durch ein Misstrauensvotum in der Nationalversammlung im Januar 1938 verschärfte die Krise nochmals.
Die nationale Opposition forderte von Laval die sofortige Ernennung einer "Regierung der Autorität" und die Auflösung der Nationalversammlung. Laval suchte aber vergeblich nach neuen Mehrheiten und betraute nacheinander mehrere Politiker der Mitte mit der Bildung einer Koalition der Einheit, die jedoch alle scheiterten. Als Folge löste Präsident Laval schließlich die Kammern auf und setzte Neuwahlen zum Parlament an. Die Regierung Colón blieb vorerst geschäftsführend im Amt.
Vier Jahre nach dem ersten gescheiterten Putschversuch versuchten die faschistischen Divisionisten unter León Francês schließlich erneut, die unklare Situation für einen Staatsstreich zu nutzen. Francês hoffte vor allem auf die Unterstützung der konservativen Rechten. Am Abend des 21. Februar 1938 wurde der sich im Wahlkampf befindliche Präsident Santiago Laval auf offener Straße von einem divisionistischen Attentäter angeschossen. Nach dem gescheiterten Mordanschlag auf Gaitán Alemà Sobrantes war es das zweite Attentat auf einen Präsidenten binnen weniger Jahre. Anschließend versuchten Divisionisten und sympathisierende Soldaten im so genannten „Kommando Februar“ den Präsidentenpalast am Plazarenya zu stürmen und León Francês zum Führer und Staatschef zu proklamieren, was allerdings schnell scheiterte.
Nachdem der Putschversuch niedergeschlagen worden war, wurde bekannt, dass Präsident Laval an den Folgen des Attentats gestorben war. Als Interimspräsident wurde der parteilose Präsident des Rats der Republik Luciano Capón vereidigt. Ministerpräsident Angel Colón reichte seinen Rücktritt ein und wurde durch Daniel Laponte als Chef einer Übergangsregierung ersetzt. Die Putschisten, darunter auch León Francês, wurden festgenommen, doch blieb der Wahlkampf von Gewalt überschattet.
Aus den Aprilwahlen 1938 gingen schließlich die Parteien der Rechten als Sieger hervor. Die zerstrittenen Parteien der ehemaligen Volksfront dagegen erlitten eine klare Niederlage. Interimspräsident Luciano Capón wurde von der Nationalversammlung zum neuen Staatspräsidenten gewählt, neuer Regierungschef wurde der Wahlsieger Manuel Álamo Igualde. Dieser regierte in der Folge mit einer konservativ-liberalen Mehrheit im Parlament und suchte, sein Vorhaben einer autoritären Verfassungsreform durchzusetzen, wurde aber durch seine liberalen Koalitionspartner blockiert. Gegenüber den Divisionisten legte Álamo in der Folge eine harte Hand an den Tag und verbot die Bewegung, León Francês blieb jedoch ohne Verurteilung, da er sich ins Ausland absetzen konnte. Dagegen wurde die Sagradische Kommunistische Partei verboten und ihre führenden Politiker verfolgt.
Geschichte Sagradiens im Zweiter Weltkrieg (1940-1945)
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Programm der „Comunión Nacional“
Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Álamo in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte Álamo, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Álamo sein Programm der „Nationalen Kommunion“, in der das ganze Land die Integrität und Sicherheit der Nation verteidigen sollte. Im Zweiten Weltkrieg hielt das Land an der bewaffneten Neutralität fest und erklärte die Generalmobilmachung.
Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Álamo, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein. Das Gesetz erhielt schließlich eine knappe parlamentarische Mehrheit, nachdem auch Teile des Partíu Radical zugestimmt hatten.
Mit dem durch den nationalen Notstand erklärten Juni-Gesetz 1940 schlug Sagradien einen zunehmend autoritären Weg ein. Die Befugnisse der Regierung wurden extensiv gebraucht und die Presse deutlich eingeschränkt. Die öffentliche Meinung wurde durch Zensur kontrolliert, extremistische und staatsgefährdende Propaganda wurde verboten. Dazu gehörte auch, dass Aktivitäten der Linksparteien zunehmend kriminalisiert wurden. Sozialistische Versammlungen wurden mit der Begründung aufgelöst, sie dienten dem Feind als Angriffsgrund und zwängen Sagradien in den Weltkrieg. Nach anhaltenden Protesten der Sozialisten folgten im August 1940 schließlich weitere Restriktionen gegen führende Politiker des Partíu Socialista, Abgeordnete des Partíu Radical verließen die Partei und schlossen sich der neuen Comunión Nacional an, die zwar keine Staatspartei im eigentlichen Sinn darstellte, aber wesentliches Propagandainstrument der Regierung Álamo wurde und als „politische Organisation der Volksgemeinschaft“ diente, in der alle Gegensätze und Spannungen der pluralistischen Gesellschaft aufgehen und neutralisiert werden sollten.
Sagradien im Zweiten Weltkrieg
Mit der Augustrevision 1940 wurde die Verfassung aus dem Jahr 1892/95 in zentralen Punkten geändert. Die Stellung des Staatspräsidenten wurde deutlich gestärkt, die des Parlamentes geschwächt, da den Präsidenten nicht mehr mit einfacher Mehrheit absetzen konnte. Der Rat der Republik wurde nach ständestaatlichen Vorstellungen als ’’Staatsrat’’ zur korporatistischen Vertretung umgewandelt. Das Näheverhältnis zur katholischen Kirche blieb zwar nicht spannungsfrei, stellte aber eines der wichtigen Fundamente der Nationalen Kommunion dar. Aus dem sagradischen Rechtsstaat wurde unter Álamos Führung nun ein autoritäres Notstandsregime. Die paramilitärischen Einheiten der Volksunion (Juntas Accionistas) wurden in der Miliça Nacional eingegliedert. Als Geheimdienst im Inneren fungierte die Policía Interior de Securitá (PIS), neben der unabhängig der Ordre Secreto besondere Funktionen übernahm und direkt dem Premierminister unterstand.
Zentral für den weiteren Kriegsverlauf sollte die Kontrolle über den Bretagnekanal werden, weswegen beide Kriegsseiten aktiv um die Gunst der Álamo-Regierung in Sagradien warben. Bereits im Frühjahr 1940 hatte es britische Pläne gegeben, eine Invasionsarmee in die sagradische Bretagne zu entsenden, um den wichtigen Kanal unter Kontrolle zu bringen, ehe dies die Deutschen tun konnten. Diese wurden mit Rücksicht auf Sagradiens offiziellen diplomatischen Status aber nicht durchgeführt. Im Laufe des Jahres 1941 begann sich die öffentliche Meinung in Sagradien zum Krieg zu drehen. Die Zugeständnisse an Deutschland, mit dem Ziel die Neutralität zu wahren, wurden auch innerhalb der Nationalen Kommunion zunehmend unpopulär. Dazu kamen anhaltende Verletzungen der sagradischen Neutralität durch – angeblich versehentliche – deutsche Angriffe aus der Luft und auf See sowie Versuche, das Land durch Spione zu infiltrieren. Der Druck auf Álamo, Deutschland den Krieg zu erklären, wurde in der zunehmend anti-deutsch gestimmten Öffentlichkeit immer größer.
Es kam in der Folge zu einem Zerwürfnis zwischen Álamo und Präsident Luciano Capón, der sich stärker an die Alliierten anlehnte und vor allem Großbritannien Unterstützung gegen die deutsche Bedrohung versprach. Als Álamo Igualde den Präsidenten ultimativ aufforderte, sich seiner Neutralitätspolitik anzuschließen, wurde er im Dezember 1941, unmittelbar nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten, aus dem Amt entlassen. Zum Nachfolger ernannte Capón Amentino Xavier-Castrell. Álamo blieb zwar Chef der Comunión, verlor ohne Amt aber zunehmend an Einfluss.
Am 2. April 1942 erklärte Sagradien gegen den Rat Álamos dem Deutschen Reich den Krieg und trat damit auf Seiten der Alliierten ins Kriegsgeschehen ein. Mit dem Kriegseintritt ging die Entscheidungsgewalt wesentlich auf Präsident Luciano Capón und den Oberbefehlshaber General Oscar Taglle Rodríguez über. Dagegen verlor die Nationale Kommunion schnell an Einfluss und wurde de facto aufgelöst. Unter Sergio Rafael Dini wurde zudem ein Kriegskabinett gebildet.
Nach der sagradischen Kriegserklärung nahmen deutsche Truppen schlagartig Fidelfe und weitere Städte an der sagradischen Ostküste ein, um sich den Zugang zum Kanal zu sichern (Operation Roderich). Binnen weniger Tage brachten deutsche Truppen nun große Teile des sagradischen Nordostens unter ihre Kontrolle und setzten dort den entlassenen Stellvertreter Manuel Álamos Caro Mêstre als Chef einer Gegenregierung mit Sitz im ceundalischen Fidelfe ein (Regierung von Fidelfe, die als deutsche Marionettenregierung fungierte. In den besetzten Gebieten begannen die Deutschen – unterstützt von sagradischen Kollaborateuren – mit der Verfolgung der sagradischen Juden. Gleichzeitig bildete sich eine Widerstandsbewegung, die vor allem von Kommunisten und Sozialisten getragen wurde. Der Partisanenbewegung gelangen wichtige Schläge gegen die Deutschen. Unterstützt wurden sie durch eine allgemeine Streikwelle, die das Regime in Fidelfe im Sommer 1944 nachhaltig destabilisierte. Der Landung der Allierten in der Normandie am 6. Juni 1944 folgte der endgültige Sieg der sagradischen Truppen und der Alliierten gegen Deutschland und die Mêstre-Kollaborateure. Die Kapitulation der letzten Regierungstruppen der Regierung von Fidelfe im August 1944 gilt als endgültiges Ende des Zweiten Weltkriegs auf sagradischem Boden.
Dritte Sagradische Republik
Die Neubegründung der Republik (1945/46)
Mit der Übertragung der gesamten Exekutivgewalt auf die Regierung Dini im Januar 1945 begann in Sagradien der zivile Wiederaufbau. Der Kriegszustand wurde beendet und die historische Zäsur zu einer Neubegründung der demokratischen Republik genutzt. Durch die Bedrohung des Krieges hatte sich nach den Auseinandersetzungen und Kämpfen der 1930er Jahre erstmals wieder ein nationaler Konsens etabliert, der genutzt werden sollte, auch dauerhaft ein Klima der Aussöhnung und der Zusammenarbeit über Lager und Klassen hinweg zu erreichen. Die korporatistischen Verfassungsrevisionen von 1940 wurden weitgehend revidiert und die Bürgerrechte wieder in vollem Umfang eingesetzt. Der korporatistische Staatsrat wurde aufgelöst und seine Kompetenzen vorübergehend an die Nationalversammlung übertragen. Die Kommunistische Partei war bereits 1943 wieder zugelassen worden und wurde nun erstmals direkt an der Regierung beteiligt.
Im August 1945 kam es schließlich erstmals seit 1938 wieder zu einer Wahl zur Nationalversammlung. Die Volksunion, die größte Rechtspartei der vergangenen Republik, war inzwischen unter dem Einfluss des linken und liberalen Flügels im christdemokratisch inspirierte Partíu Popular de Convergência aufgegangen. Dieser wurde stärkste Kraft bei den Wahlen, knapp vor den Sozialisten, gefolgt von den Kommunisten, die mit 20 Prozent der Stimmen ihr bis heute bestes Ergebnis überhaupt erzielen konnten. Einen Tag nach ihrer Konstituierung wählte die Versammlung Sergio Dini zum neuen Staatspräsidenten Sagradiens und den ehemaligen Ministerpräsidenten José António Saviola vom linksliberalen Partíu Radical zum neuen Präsidenten der Ministerrats, der die so genannte "Demokratische Koalition" aus Sozialisten, Christdemokraten, Kommunisten und Radikalen fortführte. In der Opposition dazu standen lediglich die konservativ-liberale Rechte, die jede Zusammenarbeit mit der kommunistischen Linken ablehnte, sowie mehrere Splitterparteien.
Begründung des Nachkriegskonsenses
Die Regierungsparteien waren sich schnell darüber einig, dass nach den Verfassungskonflikten der 1930er Jahre und der Revision im Zweiten Weltkrieg eine neue Verfassung auf parlamentarischer Grundlage notwendig war. In der Folge einigten sich die Parteien der Demokratischen Koalition auf eine liberal-parlamentarische Verfassung sowie auf ein umfassendes Wirtschaftsprogramm, das Sagradien zu einer gemischten Ökonomie aus marktwirtschaftlichen und planwirtschaftlichen Elementen machen sollte, wenngleich der marktwirtschaftliche Rahmen als starke Basis diente. Nichtsdestotrotz führte die Demokratische Koalition die Tariffreiheit ein, erließ eine gesetzliche Mindestlohnregelung und einigte sich auf einige zentrale Verstaatlichungen. Damit gelang es der neuen Regierung, zentrale Streitfragen der Zweiten Republik im breiten Konsens zu lösen und die Polarisierung zwischen der Linken und der Rechten zumindest für eine gewisse Zeit lang zu überwinden. Gleichzeitig wurde an die Politik der Volksfrontregierung der Dreißiger Jahre angeknüpft und der Grundstein für den ausgebauten sagradischen Wohlfahrtsstaat gelegt, der in den Folgejahren als Basis des ökonomischen Aufschwungs betrachtet wurde.
Die von der Demokratischen Koalition erarbeitete Verfassung der Dritten Sagradischen Republik wurde im Juli 1946 in einem Referendum dem Volk zur Abstimmung vorgelegt und wurde mit deutlicher Mehrheit der Wahlberechtigten angenommen. Sie trat daraufhin am 20. Juli 1946 in Kraft. Anders als in der Zweiten Republik sollte der Präsident der Republik als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Truppen zukünftig für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt vom Volk gewählt werden (statt wie bisher für sieben Jahre durch das Parlament). Daneben wurde aber das parlamentarische Prinzip verankert, da die vom Präsidenten ernannte Regierung unter Führung des Präsidenten des Ministerrats ganz vom Vertrauen der Abgeordnetenkammer abhängig sein sollte. Neben der nach Verhältniswahlrecht gewählten Abgeordnetenkammer wurde auch der Rat in Form eines nach Mehrheitswahl zu bestimmenden Senats wieder eingerichtet, dessen Kompetenzen aber gegenüber denen der Kammer deutlich zurücktraten. Die neue Verfassung betonte gegenüber der Vorgängerverfassung die demokratische Entscheidungsfindung. Sowohl das Parlament als auch der Präsident sollten direkt demokratisch legitimiert sein, außerdem sollte es keine indirekt gewählte oder gar ständisch besetzte zweite Kammer mehr geben. Die neue Verfassung glich in großen Teilen einem deutlichen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Regierungsparteien. Während die bürgerlichen Parteien beispielsweise gegenüber den linken ein Zweikammer- gegenüber einem Einkammersystem durchsetzten, wehrten letztere die Überlegungen zur Einführung eines Mehrheitswahlrechts auch für die Kammer ab.
Zeit der großen Konsensregierungen (1946-1953)
Die Parlamentswahlen 1946 zu Abgeordnetenkammer und Senat führten zu einem Sieg der Christdemokraten vor den Sozialisten, die zunächst gemeinsam die Demokratische Koalition mit Radikalen und Kommunisten fortsetzten. Der gemäßigte Sozialist Santo de l'Ilpa wurde Ministerpräsident, doch nahmen die Spannungen innerhalb der Koalition, nicht zuletzt aufgrund der zunehmend schwierigen Weltlage im beginnenden Ost-West-Konflikt zu. Die Frage der Westbindung der Regierung, vor allem der Inanspruchnahme der amerikanischen Marshallplan-Hilfe führte schließlich zum Bruch mit den Kommunisten, die das Kabinett im März 1947 verlassen mussten. Danach wurde die Koalition als Zentrumsblock ohne die Kommunisten fortgesetzt.
Unter den beiden prägenden Politikern der folgenden Jahre, Santo de l'Ilpa von den Sozialisten und Paulo Luciaro von den Christdemokraten beteiligte sich Sagradien wesentlich am Aufbau eines westlichen Militärbündnisses, so 1948 am Brüsseler Pakt mit Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Staaten sowie 1949 an der Gründung der NATO. Nach einer Regierungskrise Ende 1948 - die Radikalen verließen vorübergehend die Regierungskoalition – wurde Ilpa als Ministerpräsident durch Paulo Luciaro abgelöst, blieb aber als Außenminister in der Regierung. Die Koalition blieb damit stabil und wurde auch nach der Parlamentswahl 1950 zunächst fortgeführt. In der Folge gehörte Sagradien unter den überzeugten Europäern Luciaro und Ilpa zu den Gründernationen der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und beteiligten sich an den Projekten weiterer europäischer Bündnisse.
Nach Ende der Amtszeit von Präsident Sergio Rafael Dini im Jahr 1950 fanden erstmals Direktwahlen zum Präsidentenamt statt, bei denen der 81-jährige Dini auf eine Wiederwahl verzichtete. Bei der Wahl konnte sich der Kandidat der Radikalen, der ehemalige Außenminister und erste Generalsektetär der Vereinten Nationen, David Pizarro Cordês überraschend in der zweiten Runde gegen den Christdemokraten Amentino Xavier-Castrell durchsetzen. In der ersten Runde hatte er noch den zweiten Rang nur knapp vor Außenminister Santo de l'Ilpa belegt. Mit dem Diplomaten Pizarro Cordês erhielt das Amt eine stark repräsentative Prägung. Pizarro Cordês suchte zwar außenpolitisch Akzente zu setzen, verzichtete innenpolitisch aber auf eine aktive Rolle und wurde auch nicht mit ernsthaften Regierungskrisen konfrontiert.
Christdemokratische Vorherrschaft (1953-1962)
Mit dem Austritt der Sozialisten aus der Regierung Luciaro endete 1953 die Zeit der großen Koalitionsregierungen aus Christdemokraten, Sozialisten und Radikalen. Paulo Luciaro blieb aber Ministerpräsident mit Unterstützung der Links- und Rechtsliberalen in der Abgeordnetenkammer. Bei der Parlamentswahl 1954 erreichte die Volkspartei mit 42 Prozent der Stimmen das bis heute beste Ergebnis einer einzelnen Partei bei nationalen Wahlen in Sagradien. Die oppositionelle sozialistische ASUL dagegen fiel unter die 30-Prozent-Marke zurück und verlor für Jahre den Anschluss an die Christdemokraten. Diese regierten in der Folge in einer konservativ-liberalen Regierung mit den Parteien des liberalen Wahlbündnisses Unión Democrática, das sich anlässlich der Parlamentswahl um PRR und MRL gebildet hatte.
Wirtschafts- und sozialpolitisch wurde nun im Bündnis mit den Liberalen eine stärker auf eine freie Marktwirtschaft ausgerichtete Politik verfolgt, ohne aber den Nachkriegskonsens aufzukündigen. Auf den sozialpolitischen Basisentscheidungen der Vorgängerregierungen gründend, wurde diese Politik von weiten Teilen der Bevölkerung als großer Erfolg empfunden, zumal der Nachkriegsboom nun in seine dynamischste Phase überging und für über ein Jahrzehnt wirtschaftliches Wachstum und soziale Sicherheit gleichzeitig ermöglichte.
Außenpolitisch behielt die Regierung Luciaro jedoch den bisherigen Kurs bei und verfolgte weiterhin eine Politik der europäischen Integration. 1957 unterzeichnete Außenminister Carles María Ortega für Sagradien die Römischen Verträge, die die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft begründeten. Daneben bemühte sich die Regierung aber auch um eine Aussöhnung mit dem Nachbarn Micolinien, die 1955 schließlich in den Golischen Verträgen resultierte. Darin wurde die seit Jahrhunderten strittige Frage der Zugehörigkeit der golischen Gebiete endgültig geklärt und den in beiden Staaten lebenden golischen Minderheiten ebenso wie den sagradischen bzw. micolinischen Minderheiten im jeweils anderen Staat umfassende Schutzrechte zugesichert.
Die Vorherrschaft der Christdemokraten wurde auch bei der Präsidentschaftswahl 1955 sichtbar, bei denen sich der langjährige Bürgermeister von Semess und Senatspräsident Fernando de la Roya deutlich durchsetzen konnte. Der christlich-soziale Roya wurde schnell zu einer parteiübergreifenden Integrationsfigur für die gesamte Nation und füllte damit stärker als sein Vorgänger die Rolle eines Landesvaters aus. Obwohl ein Anhänger großer Koalitionen beließ er es bei der eingespielten Mitte-Rechts-Koalition unter Führung Paulo Luciaros, der eindeutig die prägende Politikerpersönlichkeit des Jahrzehnts und der gesamten Nachkriegsphase darstellte.
Nachdem Luciaros Mitte-Rechts-Koalition bei der Parlamentswahl 1958 erneut eine deutliche Mehrheit in der Abgeordnetenkammer gewonnen hatte, wurde die Regierung zunächst unter Luciaros Führung fortgesetzt, doch mehrte sich allmählich Kritik am Regierungschef, bei dem zunehmend Alterserscheinungen sichtbar wurden. Luciaro übergab schließlich zum Jahreswechsel 1959/60 sein Amt als Regierungschef an den bisherigen Finanzminister Carles Angel Favale, der sich parteiintern gegen Luciaros Favoriten Dián Jocéntilo Sánchez und den Außenminister Carles María Ortega hatte durchsetzen können.
Ende des sagradischen Kolonialreichs
Rückkehr der Sozialisten in die Regierung (1962-1967)
Unter Ministerpräsident Carles Angel Favale wurden zunehmend Probleme der deutlichen Vorherrschaft der Christdemokraten sichtbar. Anders als sein Vorgänger fehlten ihm wesentliche Integrationskompetenzen, stattdessen neigte der konservative Regierungschef eher dazu, das politische Feld zwischen Anhängern und Gegnern zu polarisieren. Es fehlte ihm aber auch an parteiinterner Macht zu einer starken Führung, die erst sich nach wie vor mit dem Parteivorsitzenden Luciaro teilen musste. In Kombination mit den Ansätzen einer gesellschaftlichen Liberalisierung gerieten die Christdemokraten nun in eine Krise, die bei der Parlamentswahl 1962 zu deutlichen Verlusten für die Volkspartei führten.
Nach den Wahlen kam es schließlich zur Bildung einer Großen Koalition aus PPC und ASUL unter dem bisherigen Innenminister Martín Ánibal Costa. Zuvor hatten die Sozialisten ihre Regierungsbeteiligung von einer Ablösung Favales abhängig gemacht, woraufhin Präsident De la Roya den beidseitig akzeptablen Costa mit der Regierungsbildung beauftragt hatte. Favale blieb als Finanzminister im Kabinett, für die Sozialisten wurde Iacovo Del Pérez Vizepremier und Außenminister. Anders als zehn Jahre zuvor blieb die Zeit der nunmehrigen Großen Koalition aber nur eine Übergangsphase. Von Beginn an fehlte es den Koalitionspartnern an gemeinsamen Politikprojekten, die einen politischen Konsens und ein längerfristiges Regierungsprogramm begründet hätten. Nach nicht einmal einem Jahr im Amt zerbrach die Koalition, woraufhin Präsident Roya mit Zustimmung der beiden Regierungsparteien erstmals die Abgeordnetenkammer auflöste.
Aus Neuwahlen zur Abgeordnetenkammer im Dezember 1963 gingen schließlich erstmals in der Nachkriegszeit die Sozialisten als knapp stärkste Partei hervor. Deren Generalsekretär António Santiago erhielt von Präsident Roya den Regierungsbildungsauftrag und konnte sich nach schwierigen Koalitionsverhandlungen schließlich auf eine Koalition seiner ASUL mit den beiden liberalen Parteien PRD und UDS einigen. Die innerlich zerstrittenen Christdemokraten dagegen wurden erstmals überhaupt in der Nachkriegszeit in die Opposition verbannt, wo ein schwieriger Neuordnungsprozess und ein handfester Machtkampf um die Parteiführung ausgetragen wurden. Aus diesem ging schließlich Carles Angel Favale als Sieger hervor, der 1964 die Führung von Partei und Opposition übernahm. Sein Konkurrent Carles María Ortega konnte sich dagegen bei der Präsidentschaftswahl 1965 als Nachfolger von Ariel de la Roya durchsetzen, der nach zehn Jahren nicht erneut kandidieren konnte.
Unter Führung der Sozialisten wurde die große Linie der bisherigen Nachkriegspolitik im Grunde fortgesetzt. Vor allem außenpolitisch knüpfte die Mitte-Links-Koalition an die Politik der Vorgängerregierungen an und suchte sowohl die europäische Integration als auch die Zusammenarbeit mit Micolinien (in Form von Dreistaatengesprächen) fortzuführen. Die Koalition bemühte sich aber um eine innenpolitische Liberalisierung und setzte schließlich eine umfangreiche Verwaltungsreform durch, die Sagradien dezentralisierte und umfassende Selbstverwaltungsrechte an die neu begründeten Regionen des Landes übertrug.
Regierungschef António Santiago verstarb im Juni 1964 nach nur wenigen Monaten im Amt an den Folgen eines Herzinfarktes. Nachfolger wurde sein Parteifreund und bisheriger Außenminister Iacovo Del Pérez, der die Regierungskoalition mit den Liberalen fortsetzte. Diese geriet seit 1966 aber in zunehmende wirtschaftspolitische Gegensätze, nachdem es zu einer deutlichen Flaute in der Konjunktur gekommen war, die den Nachkriegsboom vorerst beendete. Da sich Sozialisten und Liberale nicht auf eine gemeinsame Lösung der Krise einigen konnten, zerbrach die Koalition im Januar 1967. Dem Austritt der UDS-Minister aus dem Kabinett folgte ein Misstrauensvotum gegen Del Pérez in der Abgeordnetenkammer, woraufhin Präsident Carles María Ortega das Parlament vorzeitig auflöste.
Konservative Regierung und gesellschaftlicher Reformaufbruch (1967-1970)
Aus der vorgezogenen Parlamentswahl 1967 ging schließlich die oppositionelle Volkspartei wieder als Sieger hervor. Deren Vorsitzender Carles Angel Favale wurde zum zweiten Mal zum Regierungschef einer Koalition aus PPC und UDS ernannt, die jedoch von der Unterstützung der linksliberalen PRD abhängig war. Das politische Führungspersonal blieb damit im wesentlichen das Alte. Doch zeichnete sich bei der Wahl auch der Keim neuer politischer Instabilität ab. Mit der Volksbruderschaftsbewegung des Publizisten António Blanxard Rovira zog eine neue populistische Kraft ins Parlament ein, die vor allem die Unsicherheit großer Teile der Bevölkerung mit der zunehmenden Modernisierung des Landes und der sich abzeichnenden gesellschaftlichen Liberalisierung repräsentierte. Mit Parolen gegen den angeblich sozialistischen Konsens der dominierenden Parteien und gegen die Steuerlast des Sozialstaates bediente die Bewegung Ressentiments und Abstiegsängste besonders des zunehmend marginalisierten Alten Mittelstandes.
Auf der anderen Seite drängte aber ein zunehmender Teil der Bevölkerung und der jüngeren Eliten auf weitergehende gesellschaftliche Reformen und eine Öffnung des als erstarrt empfundenen sozialen Systems und der moralischen Standards. Sichtbarster Ausdruck dieses Bestrebens wurde bald schon die linke Studentenbewegung, die in der neuen konservativ-liberalen Regierung und besonders in ihrem Chef Favale das kapitalistisch-reaktionäre Feindbild sah. Viele Protestaktionen richteten sich gegen den autoritären Geist der konservativen Gesellschaft, gegen den nach Meinung vieler Studenten und Intellektueller um sich greifenden Materialismus der Wohlstandsgesellschaft und gegen die sich ausbreitende Technokratie. Neben konkreten Zielen, wie Verbesserung der Studienbedingungen, Demokratisierung der Hochschulen sowie der Gesellschaft und einem Ende des Vietnamkriegs, standen auch unterschiedliche Forderungen nach einer anderen Gesellschaft und nach einer Überwindung der rigiden konservativen Sexualmoral.
Die Proteste der Studenten, die bereits Ende 1967 begonnen hatten und verschiedene Ziele gleichzeitig verfolgten, mündeten im Folgejahr schließlich in einer politischen Krise, nachdem es im April 1968 bei der Besetzung der Luis-Cavaller-Universität in Semess zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war, bei denen ein Student tödich verletzt wurde. Es kam in der Folge zu heftigen Anschuldigungen gegen die Regierung und zu weiteren Demonstrationen, die im Juli schließlich in einer Regierungskrise mündeten, nachdem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eine Mitschuld des damaligen Innenministers Santiago Quixón festgestellt hatte. Der Austritt der liberalen Minister aus der Regierung zwang Carles Angel Favale schließlich, Quixón und den zuständigen Staatssekretär zu entlassen und eine umfangreiche Aufklärung zuzusichern.