Radicales: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Führungsämter seit 2007 ===
 
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* Nationale Sprecher (bis 2012): [[María Logrino Sorín]], [[Jacquel Amenabar]], [[Catarina Eguelnoff]] (alle seit 2007), [[Iano Demetris]] (2007-2009), [[Olivério Marcas]] (seit 2009), [[Antónia Marguellas]] (2007-2010), [[Ana Temper]] (2007), [[David Fernando Riega]] (2007-2009)
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* Sekretärin: [[Catarina Eguelnoff]] (seit 2012)
* Sekretär: [[Javier Ibarra Rodríguez]] (2007-2012), [[Catarina Eguelnoff]] (seit 2012)
 
 
* Fraktionsvorsitzende: [[Nadina Kasparov-Sorín]] (seit 2008)
 
* Fraktionsvorsitzende: [[Nadina Kasparov-Sorín]] (seit 2008)
 
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Version vom 00:18, 16. Dez 2013

Der Partido Radical-Democrático (Abk. PRD) kurz Ils Radicales, ist eine sozialliberale politische Partei in Sagradien. Die Partei wurde 1958 durch linksgerichtete Mitglieder des Partido Republicano Radical (PRR) gegründet, die eine Beteiligung der traditionsreichen Partei am liberalen Wahlbündnis Unión Democrática ablehnten. Mit dem endgültigen Aufgehen der PRR in der neuen Partei UDS im Jahr 1961 beanspruchte der PRD offiziell die Nachfolge des historischen Partido Radical.

Als traditionell linksbürgerliche, soziallliberale Partei öffnete sich die PRD als eine der ersten sagradischen Parteien in den 1970er Jahren postmaterialistischen Orientierungen und neuen Themen wie Umweltschutz, Frauenrechte oder der Förderung alternativer Lebensformen. In sozioökonomischen Fragen tritt sie als zentristische Partei in Erscheinung und setzt sich sowohl für Privateigentum und Eigenverantwortung als auch für soziale Sicherung und Solidarität ein.

Die PRD war seither mit zwei kurzen Unterbrechungen (1970-1974 sowie 1994-1998) stets in der sagradischen Abgeordnetenkammer vertreten. Seit den 1990er Jahren tritt die Partei öffentlich als ils Radicales in Erscheinung.

Geschichte der Partei

Ursprung und Gründung

Die Wurzeln der PRD liegen in der Radikal-Republikanischen Partei der Zweiten Sagradischen Republik, die bis in die 1920er hinein zu den größten und erfolgreichsten Parteien im sagradischen Parlament gehörte und unter anderem zwei sagradische Staatspräsidenten und mehrere Ministerpräsidenten stellte. Als Partei der bürgerlichen Linken gehörte die PRR 1935-1938 zur linken Volksfront mit Sozialisten und Kommunisten, stützte davor und danach aber auch mehrere Mitte-Rechts-Regierungen.

Nachdem die Partei sich anlässlich der Parlamentswahl 1954 mehrheitlich für eine Teilnahme am liberalen Mitte-Rechts-Wahlbündnis Unión Democrática ausgesprochen hatte, spaltete sich eine Minderheit als Movimiento de Radical-Democráticoes (MRD) ab und beteiligte sich am Konkurrenzbündnis Unión Cívica Radical, das sich der linken Mitte zuordnete. 1958 traten die MRD erstmals eigenständig in Konkurrenz zur UD an und zogen mit 17 Abgeordneten in die Kammer ein. Mit dem endgültigen Verschwinden der PRR als eigenständige Partei im Jahr 1961 stießen weitere Gruppen von Radikalen zur MRD, die fortan als Partido Radical-Democrático (PRD) das Erbe der alten Radikalen Partei beanspruchte.

Regierungsbeteiligungen der Sechziger Jahre

In der Opposition zu den Mitte-Rechts-Regierungen Luciaro und Favale sowie zur Großen Koalition unter Martín Ánibal Costa steigerte sich der Stimmenanteil der PRD bis zur Parlamentswahl 1963 auf 6,3 Prozent. 1963 bis 1967 gehörte die Partei den Regierungen Santiago und Del Pérez an stellte mit António Berral, Luciano Quélez und Clemente Orrai drei Minister.

Nach dem Bruch der Koalition durch die UDS kam es zu Neuwahlen im März 1967, bei denen der PRD auf 3,5 Prozent der Stimmen abrutschte. Danach tolerierte die Partei zwei Jahre lang eine konservativ-liberale Minderheitsregierung unter Carles Angel Favale, ehe sie der Regierung im Herbst 1969 zum zweiten Mal in zwei Jahren die Unterstützung aufkündigte. Im danach gebildeten Kabinett Méndez übernahm die PRD einen Ministerposten für Institutionelle Reformen und beteiligte sich damit erstmas an einer Mitte-Rechts-Regierung. Die Phase der Mitte-Rechts-Orientierung brachte die Partei in große innere Widersprüche und führte zu erheblichen Problemen. Die revoltierenden Studenten der 68er Bewegung nahmen die Radikal-Demokratische Partei, eigentlich mit dem Image einer Intellektuellenpartei ausgestattet, mehrheitlich als konservative Kraft wahr und warfen ihr Kollaboration mit der Rechten vor. Dagegen versuchte eine innerparteiliche Strömung eine im wahren Sinne radikaldemokratische Erneuerung und bemühte sich, der Partei ein stärker linkes, radikal-libertäres Profil zu verleihen.

Nachdem diese Strömung 1969 noch vergeblich nach der Macht in der Partei gegriffen hatte, übernahm mit David Aliguieri ein Vertreter der Linken im Frühsommer 1970 die Führung der Partei, die damit einen gewaltigen Linksrutsch erlitt. Im August 1970 verließ die Partei die Regierung, unterstützte die Sozialisten bei deren Wunsch nach raschen Neuwahlen und erzwang damit die vorzeitige Auflösung der Abgeordnetenkammer. Ziel war die Bildung einer Reformregierung der Linken mit den sagradischen Sozialisten unter deren jungem Parteichef Joán Caval, dessen "Aufruf für den Wechsel" die PRD unterstützte. Heftige Befürworter dieser Wende war die parteinahe Juventú Radical-Democrática (JRD), die von der Studentenrevolte beeinflusst starke Linkspositionen einnahm und in den Folgejahren sogar ein marxistisch inspiriertes Programm annahm.

Krise und progressive Neuorientieruntg in den Siebzigern

Der Versuch der 180°-Wendung misslang jedoch. Bei der vorgezogenen Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970 erreichten Cavals Sozialisten fast 41 Prozent der Stimmen und erzielten gemeinsam mit den Kommunisten eine linke Mehrheit in der Kammer, während die Radikaldemokraten unter ihrem Vorsitzenden David Aliguieri mit einem Stimmenanteil von 2,2 Prozent der Stimmen erstmals unter die Dreiprozent-Hürde rutschten und damit in der neuen Kammer nicht mehr vertreten waren. In den Folgejahren kämpfte die Partei ums Überleben und öffnete sich vermehrt neuen, postmaterialistischen Themen, mit denen sie sich als progressive linkslibertäre Reformpartei zu positionieren suchte.

Bei der Parlamentswahl 1974 schafften die Radikaldemokraten mit einem Anti-Establishment-Ansatz und der Vision einer neuen politischen Ordnung jenseits der politischen Lagerdynamik das Comeback und den Wiedereinzug ins Parlament. Nach einer Übergangsphase trat sich 1976 schließlich der Regierung Caval bei. Mit Carolina Levi-Sánchez stellte sie bis 1979 die erste weibliche Außenministerin des Landes, Parteichef Alberto Macià-Estrell fungierte als Vizepremierminister und Erziehungsminister.

Achtziger und frühe Neunziger Jahre: Erfolge und Absturz

Nachdem die Partei 1979 in die Opposition gewechselt war, erreichten die Radikaldemokraten bei der Parlamentswahl 1982 mit ihrem Spitzenkandidaten Alberto Macià-Estrell 6,7 Prozent der Stimmen und damit das beste Ergebnis der Parteigeschichte, doch erhielt die Partei zunehmend Konkurrenz durch die grün-alterantive Bewegung, in der sich auch viele genuin Radikale engagierten. Während bei den Regionalwahlen 1985 die Listen der Regenbogen-Grünen zahlreiche Erfolge feiern konnten, schafften die Listen der PRD lediglich in der Region Lojandía den Sprung über die Dreiprozenthürde.

Von 1986 bis 1990 gehörten die Radikaldemokraten schließlich zur sozial-liberale Koalitionsregierung unter Donado Ricardes, in der Macià-Estrell erneut als stellvertretender Regierungschef amtierte. Nach der Niederlage der Mitte-Links-Parteien bei der Parlamentswahl 1990 geriet die PRD in eine erneute Krise. Parteiinterne Skandale erschütterten das Anti-Establishment-Image der Partei endgültig, das bereits in der Regierungszeit gelitten hatte. Die erstarkte Konkurrenz seitens der sagradischen Grünen brachte die Partei in zusätzliche Nöte. Dazu kamen parteiinterne Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern einer Linksstrategie und den Transversalisten und Zentristen, die eine unabhängige Positionierung der Partei jenseits oder in der politischen Mitte suchten. Als Höhepunkt der Probleme muss die Parlamentswahl 1994 gesehen werden, bei der die PRD erstmals seit 1974 wieder den Einzug in die Abgeordnetenkammer verfehlte.

Auflösung, Neugründung und Neuausrichtung seit 1995

Nach dem Misserfolg 1994 eskalierte der Streit in der Partei endgültig. Eine Gruppe junger Reformer übernahm schließlich auf dem Parteitag 1995 die Macht und leitete eine umfassende Parteireform ein. Fortan sollte ein gleichberechtigter Sprecherrat an der Spitze der Partei stehen. Auch programmatisch vollzog die Partei eine Wende. Das sozialliberale Profil wurde in Richtung einer radikal-libertären Politik in Gesellschafts-, aber auch in Wirtschaftsfragen modifiziert. Treibende Kraft dieser von Kritikern als "neoliberal" zurückgewiesenen Entwicklung war der sagradische Wirtschaftsjournalist Ernesto Joán Kirchner, der nun eine Führungsrolle übernahm.

Mit dem veränderten Profil hatten die Radikalen wieder Erfolg und schafften bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1998 den Wiedereinzug ins Parlament. Dort positionierte sich die Partei in Äquidistanz zu den beiden politischen Blöcken, unterstützte die sozialistisch-grüne Minderheitsregierung De la Costa aber bei wichtigen Reformen und gehörte zeitweise zu deren parlamentarischer Basis.

Nach dem Sieg der Mitte-Rechts-Parteien bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006 nahmen die Radikalen gegenüber der konservativ-liberalen Minderheitsregierung Luisanto eine ähnliche Rolle als punktueller Mehrheitsbeschaffer wahr. Die punktuelle Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen PSP, die zur Regierungsmehrheit gehörte, führte aber zu heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen. Auf dem Kongress der Partei Ende 2007 übernahm schließlich mit Javier Ibarra Rodríguez ein energischer Kritiker der Regierung die Führung der Partei und kündigte mit seinen Unterstützern eine deutliche Oppositionspolitik an.

Mitte-Links-Politik seit 2008

Auch programmatisch wurden die neoliberalen Inhalte seit 1998 sukzessive zurückgenommen. Mit einer Doppelspitze aus der Journalistin Nadina Kasparov-Sorín und dem Bürgerrechtsanwalt Javier Ibarra Rodríguez traten die Radikalen bei der vorgezogenen Parlamentswahl 2008 schließlich als Teil des Mitte-Links-Lagers und mit dem Willen einer Regierungsbildung mit Sozialisten und Grünen an, verpassten aber trotz guten Wahlresultats eine Ablösung der Mitte-Rechts-Regierung.

Die Europawahlen 2009 endeten für die Radikalen aber mit einer Niederlage. Mit 2,1 Prozent der Stimmen verfehlte die Partei auch den Einzug ins Europaparlament deutlich und ist nicht länger in Straßburg und Brüssel vertreten. Bei den Regionalwahlen 2009 in zwölf von 20 Regionen konnten die Radikalen sich nicht verbessern und zogen mit im landesweiten Durchschnitt 2 Prozent der Stimmen nur in vier Regionalräte ein und kamen in keiner Region über mehr als 4 Prozent der Stimmen. Bei den Semestiner und Sarmayer Regionalratswahlen im Sommer 2010 mussten die Radikalen schließlich schmerzliche Niederlagen einstecken. Bei der Neuwahl in der Semestina fielen sie innerhalb eines dreiviertel Jahres von 4 auf 2 Prozent der Stimmen zurück und verfehlten damit den neuerlichen Einzug in den Regionalrat, in Sarmay erhielten sie sogar nur ein Prozent der Stimmen.

Pünktlich zur Parlamentswahl 2012 konnte sich die Partei aber wieder stabilisieren und erlebte ein starkes Comeback. Mit einem Mitte-Links-Programm und 5,1 Prozent der Stimmen schaffte sie unter der Führung Javier Ibarras den gefährdeten Wiedereinzug ins Parlament deutlich und erreichte das zweitbeste Ergebnis in der Parteigeschichte. Im neu gebildeten rot-grünen Kabinett der ASUL-Generalsekretärin Mercé Serrat Cabarell traten die Radikalen mit drei Ministern ein: Javier Ibarra Rodríguez als Justizminister und Vizepremierminister, Marisol Corbier-Armanal als Wirtschaftsministerin und die afrikanisch-stämmige Isabel Mariam Shaoni als Gesundheitsministerin.

Politische Positionen

Die Radikale Partei sieht sich als progressive Partei der radikalen Demokratie und damit in der Tradition der linksbürgerlichen Radikalen Partei, auf deren laizistische, sozialprogressive und reformerische Grundorientierung sich die Partei beruft. Die Radikale Partei verfolgt in gesellschaftspolitischen Fragen liberale bis libertäre Positionen und setzt sich für gesellschaftlichen Fortschritt und Pluralismus ein. Sie befürwortet eine Legalisierung weicher Drogen, die vollständige Gleichstellung von Frauen, Homosexuellen, Menschen mit Behinderung und gesellschaftlichen Minderheiten in allen Lebensbereichen und einen strikten Datenschutz für die Bürger. Zudem befürwortet die Partei eine Stärkung direktdemokratischer Elemente.

Energiepolitisch sieht die Radikale Partei die Zukunft Sagradiens in der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffe und setzt sich für die staatliche Förderung regenerativer Energien ein. Sie verfolgt das Konzept einer wirtschaftsfreundlichen Energiewende im Konsens mit den Energiekonzernen. Den Ausstieg aus der Atomenergie sieht die Partei als nicht revidierbar an. Auch in anderen Bereichen hat sich die Partei ein grünes Profil gegeben. So setzt sie sich für eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen und für eine klimafreundliche Infrastruktur ein.

Dagegen betont die Partei stärker als die fest in der sagradischen Linken und den neuen sozialen Bewegungen verankerten Grünen auch liberale Positionen in ökonomischer Hinsicht. Zwar befürwortet sie den Wohlfahrtsstaat und sieht sich als Partei der solidarischen Gesellschaft, doch verficht sie das Konzept einer zugleich frei und sozial ausgestalteten Marktwirtschaft. Mit dem Modell der Zivilprämie visiert die Partei die Einführung eines staatlich bereitgestellten Grundeinkommens anstelle des bisherigen Sozial- und Arbeitslosengelds an. Finanzpolitisch setzt sich die Partei für eine nachhaltige Haushaltspolitik ein, die von der Aufnahme weiterer Schulden absieht. In der Steuerpolitik verfolgen die Radikalen eine Vereinfachung des bisherigen Systems der gestaffelten Steuersätze und eine gleichzeitige Reduktion des Spitzensteuersatzes zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit.

In staatspolitischer Hinsicht befürwortet die Partei eine Fortsetzung und Intensivierung der rot-grünen Verwaltungsreformen und strebt mittel- bis langfristig einen Föderalstaat an. Die Radikale Partei befürwortet die EU und setzt sich für die Stärkung der Demokratie bei gleichzeitiger Intensivierung der europäischen Integration ein. Leitbild soll dabei ein "föderales Europa" sein.

Wahlergebnisse

Ergebnisse bei nationalen Parlamentswahlen

Wahljahr - Wahlliste Stimmanteil Sitze / gesamt Spitzenkandidat
1958 MRD 4,0 % 17 / 411 Maximilián Fernandez
1962 PRD 5,2 % 22 / 411 António Berral
1963 PRD 6,3 % 27 / 411 António Berral
1967 PRD 3,5 % 15 / 411 António Berral
1970 PRD 2,2 % 0 / 411 David Aligueri
1974 PRD 3,2 % 14 / 411 David Aligueri
1976 PRD 4,9 % 21 / 411 Alberto Macià-Estrell
1979 PRD 4,3 % 19 / 411 Alberto Macià-Estrell
1982 PRD 6,7 % 29 / 411 Alberto Macià-Estrell
1986 PRD 4,7 % 20 / 411 Alberto Macià-Estrell
1990 PRD 4,0 % 17 / 411 Ana-Lorel Cabral
1994 PRD 2,2 % 0 / 411 Alberto Macià-Estrell
1998 RAD 3,2 % 13 / 411 Ernesto Joán Kirchner
2002 RAD 3,0 % 13 / 411 María Dolores Bernat
2006 RAD 3,5 % 14 / 411 María Dolores Bernat
2008 RAD 4,9 % 21 / 411 Nadina Kasparov-Sorín
2012 RAD 6,0 % 26 / 411 Javier Ibarra Rodríguez

Parteiorganisation und Führungspersönlichkeiten

Parteisekretäre

Führungsämter seit 2007