Parteien in Sagradien: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Sagradien
Zur Navigation springenZur Suche springen
Zeile 12: Zeile 12:
 
In der Zeit der [[Emilianische Restauration|Emilianischen Restauration]] wurde das persönliche Regiment König [[Gabriel X.|Gabriel Emil]]s und seiner Ministerien vor allem durch den Adel, große Teile der Landbevölkerung und das konservativ gestimmte Bürgertum getragen. Dagegen stammte die liberale Opposition der [[Konstitutionalisten]] vornehmlich aus der mittelständischen und gehobeneren Bourgeoisie, die für ihre ökonomische Stellung eine entsprechende politische Mitsprache einforderte. In der [[Decada del Terror]] der 1840er Jahre wurden die Liberalen bekämpft und ihre politische Mobilisierung unterdrückt, was ihren Forderungen aber zusätzlichen Auftrieb verlieh.
 
In der Zeit der [[Emilianische Restauration|Emilianischen Restauration]] wurde das persönliche Regiment König [[Gabriel X.|Gabriel Emil]]s und seiner Ministerien vor allem durch den Adel, große Teile der Landbevölkerung und das konservativ gestimmte Bürgertum getragen. Dagegen stammte die liberale Opposition der [[Konstitutionalisten]] vornehmlich aus der mittelständischen und gehobeneren Bourgeoisie, die für ihre ökonomische Stellung eine entsprechende politische Mitsprache einforderte. In der [[Decada del Terror]] der 1840er Jahre wurden die Liberalen bekämpft und ihre politische Mobilisierung unterdrückt, was ihren Forderungen aber zusätzlichen Auftrieb verlieh.
  
Die [[Aprilrevolte 1848]] brachte schließlich den Durchbruch der konstitutionalistischen Bewegung und ihrer Forderung nach einer liberalen Verfassung. In den folgenden Jahrzehnten verloren Konservative und Ultrakonservative an Einfluss und in der  [[Abgeordnetenkammer (Monarchie)|Abgeordnetenkammer]] der Generalstände stellte fortan der [[Partíu Liberal]] die Mehrheit der Abgeordneten, während sich Kritiker des neuen Systems im [[Partíu Conservador]] sammelten. Unter dem langjährigen leitenden Minister und Kronkanzler [[Jacquel de Montevil]] dominierten die ''Liberales'' in den 1850er und 1860er Jahren das politische Geschehen ([[Era Liberal]]), während die ''Conservadores'' die Regierung Montevil nur zeitweise tolerierten, die meiste Zeit über aber bekämpften.  
+
Die [[Aprilrevolte 1848]] brachte schließlich den Durchbruch der konstitutionalistischen Bewegung und ihrer Forderung nach einer liberalen Verfassung. In den folgenden Jahrzehnten verloren Konservative und Ultrakonservative an Einfluss und in der  [[Abgeordnetenkammer (Monarchie)|Abgeordnetenkammer]] der Generalstände stellte fortan der [[Partíu Liberal]] die Mehrheit der Abgeordneten, während sich Kritiker des neuen Systems im [[Partíu Conservador]] sammelten. Bei diesen "Parteien" handelte es sich aber um keine formellen Organisationen, sondern um reine Sammelbegriffe zur Benennung der wesentlichen Gruppierungen und Strömungen im sagradischen Parlament.
 +
 
 +
Unter dem langjährigen leitenden Minister und Kronkanzler [[Jacquel de Montevil]] dominierten die ''Liberales'' in den 1850er und 1860er Jahren das politische Geschehen ([[Era Liberal]]), während die ''Conservadores'' die Regierung Montevil nur zeitweise tolerierten, die meiste Zeit über aber bekämpften.  
  
 
Erst in der Endphase der Regierung Montevil um 1870 spaltete sich die Liberale Partei in der Abgeordnetenkammer dauerhaft, indem sich die Radikalen von der gemäßigten Mehrheit der Partei lossagten und den linksliberalen [[Partíu Progresista]] begründeten. Im Gegensatz zur Mehrheit der Liberalen traten die Fortschrittlichen für eine Ausweitung des Wahlrechts auf alle männlichen Bürger sowie für eine effektive Trennung von Staat und Kirche ein. Außerdem wurden teilweise bereits Interessen der zunehmenden Industriearbeiterschaft vertreten. Erst in den 1880er Jahren kam es dann zur Gründung der ersten sozialistischen Parteien, ehe der von [[Eduardo Lemante]] begründete reformistische [[Partíu Socialista Lavorista]] und der marxistische [[Partíu Socialista Revolucionário]] unter der Führung von [[Piero Columes]] sich 1887 zum [[Partíu Socialista|Partíu Socialista Unificâu]] vereinten.
 
Erst in der Endphase der Regierung Montevil um 1870 spaltete sich die Liberale Partei in der Abgeordnetenkammer dauerhaft, indem sich die Radikalen von der gemäßigten Mehrheit der Partei lossagten und den linksliberalen [[Partíu Progresista]] begründeten. Im Gegensatz zur Mehrheit der Liberalen traten die Fortschrittlichen für eine Ausweitung des Wahlrechts auf alle männlichen Bürger sowie für eine effektive Trennung von Staat und Kirche ein. Außerdem wurden teilweise bereits Interessen der zunehmenden Industriearbeiterschaft vertreten. Erst in den 1880er Jahren kam es dann zur Gründung der ersten sozialistischen Parteien, ehe der von [[Eduardo Lemante]] begründete reformistische [[Partíu Socialista Lavorista]] und der marxistische [[Partíu Socialista Revolucionário]] unter der Führung von [[Piero Columes]] sich 1887 zum [[Partíu Socialista|Partíu Socialista Unificâu]] vereinten.

Version vom 18:12, 20. Jan 2020

Struktur

Das Parteiensystem Sagradiens entstand im 19. Jahrhundert durch die Herausbildung einer liberalen, auf Bürgerrechte, Modernisierung, Freihandel und parlamentarische Mitsprache ausgerichteten Linken und einer konservativen, auf Erhalt einer starken monarchischen Macht, Einfluss der Kirche und des Staates ausgerichteten Rechten. Im Zuge der Industrialisierung kam dazu ein sozialistische Bewegung, die für die Interessen der Industriearbeiterschaft in Abgrenzung zur bürgerlich-kapitalistischen Macht eintrat. Auf beide Traditionen, die historische Linke und die Rechte, gehen heute die beiden Strömungen der bürgerlichen Rechten, die katholische PPC und die nicht-konfessionelle UDS zurück.

In der frühen Zweiten Republik etablierte sich ein neben der liberalen und der katholischen Strömung eine sozialistische Linke. Während sich die Linke jedoch in Kommunisten und Sozialisten spaltete, teilte sich der liberale Block in eine linke radikale und eine rechte moderate Strömung. Aus der Spaltung der Linken und der liberalen Mitte ging schließlich nach weiteren Umstrukturierungen das Fünfparteiensystem hervor (PCS-ASUL-PRD-UDS-PPC), das Sagradien im Wesentlichen zwischen Mitte der Fünfziger Jahren und Mitte der 1980er Jahren prägte. Am Rechten Rand des konservativen Blocks entstanden zudem zeitweise immer wieder nationalistische und faschistische Bewegungen, die sich aber nur schwer in das Blocksystem einreihen lassen. Zu diesen heterogenen Bewegungen gehören die Lafontanisten der frühen und die faschistische Frente Fraternal der späten Zweiten Republik, die Blanxardisten der 1960er Jahre sowie seit den 1990er Jahren die Delapenisten der rechtspopulistischen PSP.

Im Zuge des zunehmenden Rückgangs radikaler und liberaler Wähleranteile entstand seit den Zwanziger Jahren tendenziell ein bipolares System, in dem sich die Radikalen der sozialistischen Linken, die Rechtsliberalen der katholischen Rechten annäherten. Obwohl zeitweise immer wieder blockübergreifende Koalitionen gebildet wurden, hat sich dieses Zweilagersystem im Wesentlichen bis heute erhalten. Darin stehen PCS und ASUL traditionell links, PPC und UDS rechts der Mitte, während die Radikalen eine Mittelstellung einnehmen. Die neuen Parteien der 1980er und 1990er Jahren wie die Grünen und die PSP reihten sich nach anfänglichen Widerständen schließlich relativ problemlos in das bipolare Lagersystem ein.

Das heutige Siebenparteiensystem lässt sich daher relativ eindeutig in ein linkes (PCS, ASUL, V, RAD) und ein rechtes Lager (PPC, UDS, PSP) einteilen.

Geschichte

Restauration und Liberale Ära

In der Zeit der Emilianischen Restauration wurde das persönliche Regiment König Gabriel Emils und seiner Ministerien vor allem durch den Adel, große Teile der Landbevölkerung und das konservativ gestimmte Bürgertum getragen. Dagegen stammte die liberale Opposition der Konstitutionalisten vornehmlich aus der mittelständischen und gehobeneren Bourgeoisie, die für ihre ökonomische Stellung eine entsprechende politische Mitsprache einforderte. In der Decada del Terror der 1840er Jahre wurden die Liberalen bekämpft und ihre politische Mobilisierung unterdrückt, was ihren Forderungen aber zusätzlichen Auftrieb verlieh.

Die Aprilrevolte 1848 brachte schließlich den Durchbruch der konstitutionalistischen Bewegung und ihrer Forderung nach einer liberalen Verfassung. In den folgenden Jahrzehnten verloren Konservative und Ultrakonservative an Einfluss und in der Abgeordnetenkammer der Generalstände stellte fortan der Partíu Liberal die Mehrheit der Abgeordneten, während sich Kritiker des neuen Systems im Partíu Conservador sammelten. Bei diesen "Parteien" handelte es sich aber um keine formellen Organisationen, sondern um reine Sammelbegriffe zur Benennung der wesentlichen Gruppierungen und Strömungen im sagradischen Parlament.

Unter dem langjährigen leitenden Minister und Kronkanzler Jacquel de Montevil dominierten die Liberales in den 1850er und 1860er Jahren das politische Geschehen (Era Liberal), während die Conservadores die Regierung Montevil nur zeitweise tolerierten, die meiste Zeit über aber bekämpften.

Erst in der Endphase der Regierung Montevil um 1870 spaltete sich die Liberale Partei in der Abgeordnetenkammer dauerhaft, indem sich die Radikalen von der gemäßigten Mehrheit der Partei lossagten und den linksliberalen Partíu Progresista begründeten. Im Gegensatz zur Mehrheit der Liberalen traten die Fortschrittlichen für eine Ausweitung des Wahlrechts auf alle männlichen Bürger sowie für eine effektive Trennung von Staat und Kirche ein. Außerdem wurden teilweise bereits Interessen der zunehmenden Industriearbeiterschaft vertreten. Erst in den 1880er Jahren kam es dann zur Gründung der ersten sozialistischen Parteien, ehe der von Eduardo Lemante begründete reformistische Partíu Socialista Lavorista und der marxistische Partíu Socialista Revolucionário unter der Führung von Piero Columes sich 1887 zum Partíu Socialista Unificâu vereinten.

Philippinische Ära

Mit dem Thronwechsel von König Lucien I. zu seinem Neffen Philipp X. im Jahr 1873 (Philipp war bereits seit 1871 Regent) endete endgültig die Liberale Ära in Sagradien, die wesentlich durch den Partíu Liberal unter Führung von Jacquel de Montevil geprägt war. Dem Rücktritt Montevils folgte ein Wahlsieg des Partíu Conservador, der zwar die liberale Verfassung nicht bekämpfte, in der Verfassungswirklichkeit aber für eine Ausweitung der königlichen Prärogativen eintrat und die Regierung des konservativen Premierministers Olivério de Tesqué unterstützte. Während die Liberalen für eine weitere Parlamentarisierung eintraten, hielt die konservative Mehrheit am konstitutionellen Co-Regime von König und Parlament fest.

Der Sieg der Liberales bei der Parlamentswahl 1884 leitete die krisenhafte Endphase der Monarchie ein, in der sich Parlament und königliche Regierung über weite Strecken feindlich gegenüberstanden und um die Vorherrschaft rangen. Die Radikalität der Conservadores und die zeitweise Kompromissbereitschaft der liberalen Mehrheit führten schließlich zu einem Erstarken des radikalen Flügels der parlamentarischen Linken, der sich im Laufe der 1880er Jahre unter Führung von Santo Cripón de la Moya in der parlamentarischen Gruppe des Partíu Republicano sammelte. Vor allem Verfassungskrise seit 1887 und die harte Linie der Regierung Gustavo de Montxerents nutzte den radikalen Republikanern, die nun erfolgreich Teile des oppositionellen Bürgertums anzogen.

Januarrevolution und frühe Zweite Republik

Nach einer Reihe direkter Auseinandersetzungen zwischen Republikanern und der Staatsmacht führte die Januarrevolution 1891 schließlich zur Abdankung des Monarchen und letztendlich auch zur Abschaffung der Monarchie. Die Aprilwahlen 1891 brachten im Parlament eine deutliche Mehrheit für das linke Lager. In der nun anbrechenden Republik wurde das Parteiensystem der Monarchie, das von der Polarisierung zwischen Partíu Liberal und Partíu Conservador geprägt war, schrittweise durch ein neuartiges Parteiensystem ersetzt, in dem verschiedene Strömungen des Liberalismus den Ton angaben.

Die alte liberale Partei spaltete sich nun über die Frage der Staatsform in einen republikanischen und einen monarchistischen Flügel, wobei letzterer durch die intransigente Haltung des Thronfolgers José Filipe schnell an Rückhalt verlor. Die Parlamentswahl 1893 führte schließlich zu einem Erdrutschsieg der liberal-republianischen Kräfte, die sich in zwei Fraktionen gruppierten: Beide Richtungen, Moderatas und Radicales, setzten sich nun zwar für eine republikanische Staatsordnung, das allgemeine Wahlrecht und eine Zurückdrängung des kirchlichen Einflusses ein. Während die Radicales aber vornehmlich die Interessen des Kleinbürgertums und der unteren Mittelschichten vertraten und ihre Bündnispartner in der aufstrebenden sozialistischen Arbeiterbewegung erblickten, waren die Moderatas zu weitgehenden Kompromissen mit den alten konservativ-monarchischen Eliten des Landes bereit, um die Interessen des liberalen Großbürgertums zu schützen.

Sinistra laica und Koalition der Moral

Der Sieg der liberalen Moderatas bei der Parlamentswahl 1895 festigte schließlich die konservativ-bürgerliche Gestalt der neuen Republik und schwächte sowohl die radikal-sozialistische Linke als auch die monarchistische Opposition. Der gescheiterte monarchistische Putschversuch von 1898 markierte endgültig die Niederlage der Monarchisten, die bei der Parlamentswahl 1899 eine schwere Niederlage erlitten und kaum noch Zuspruch erhielten.

In Opposition zur laizistischen linken Mehrheit aus Radikalen und Moderat-Liberalen kam es zu einer Neuordnung der politischen Rechten. Von Teilen der alten Eliten und des konservativen Bürgertums etablierte sich am rechten Flügel der Liberalen die pragmatisch-konservative Fraktion der Unionistas, die sich aus früheren Monarchisten und konservativ-liberalen Republikanern gebildet hatte. Sie vertrat vor allem die Interessen der Großgrundbesitzer und der katholischen Kirche und knüpfte insofern an den alten Partíu Conservador an. Daneben sammelte sich hinter dem früheren Monarchisten Daniel Lafontán eine populistische nationalistische Bewegung, die die Ressentiments in Teilen der Bevölkerung gegen die modernisierende Politik der liberal-radikalen Regierungen artikulierte und die republikanische Verfassung ablehnte.

Nach dem Sieg der liberal-antiklerikalen Linken (sinistra laica) und der vernichtenden Niederlage der republikfeindlichen Rechten bei der Parlamentswahl 1899 siegte bei der Parlamentswahl 1903 schließlich die neugeordnete Rechte, die unter Führung des Unionisten Miquel Fernando Luisanto eine Koalition der Moral bildete, innerlich aber zerstritten blieb und bereits nach wenigen Jahren implodierte.

Herausbildung des bipolaren Parteiensystems

Die Ära der Koalition der Moral und der Erfolg der Unionisten und der Lafontanisten markierten letztlich eine Übergangsphase von der alten monarchistischen zu einer neuen katholisch-konfessionellen Rechten. Seit der Parlamentswahl 1907 stieg die 1905 gegründete Acción Popular zur dominanten Kraft der politischen Rechten auf. Anders als die Unionistische Partei als Honoratiorenpartei der konservativen Bourgeoisie und der populistischen Sammlungsbewegung Lafontáns entwickelte sich die Acción Popular binnen kurzer Zeit zu einer Massenpartei und vereinte die konservativ-katholische Tradition des alten Partíu Conservador mit reformistischen Impulsen der katholischen Aktion und der katholischen Soziallehre.

Spiegelbildlich dazu stieg die bereits 1887 gegründete Sozialistische Partei zur dominanten Partei der Linken auf und stellte als Massenpartei der Arbeiterbewegung bald die liberalen und radikalen Honoratiorenparteien in den Schatten. 1913 stellte sie erstmals mehr Abgeordnete als der Partíu Radical und erreichte die meisten Stimmen unter allen Parlamentsparteien, nach Einführung des Verhältniswahl bei der Parlamentswahl 1917 wurde sie zudem auch nach Sitzen stärkste Partei des Landes und unterstützte in der Folge erstmals eine linksbürgerliche Regierung unter Francisco Calbane. Über die Frage des Bündnisses der Sozialisten mit dem Partíu Radical im so genannten Bloco de Sinistra und der Position der Partei innerhalb des parlamentarischen Systems kam es schließlich 1917 zur Spaltung des PS, die 1920 zur Gründung des bolschewistischen Partíu Comunista Sagradês führte.

Mit dem Aufstieg des Partíu Socialista zur stärksten Partei der Linken und der Acción Popular (seit 1924: Unión Popular) zur dominanten Kraft der Rechten hatte sich bis Mitte der Zwanziger Jahre ein bipolares Parteiensystem herausgebildet. Zwar blieben der linksbürgerliche Partíu Radical sowie die aus dem PRL hervorgegangene rechtsliberale Aliança Republicana neben anderen kleineren Parteien als potenzielle Mehrheitsbeschaffer einflussreich, konnten aber nicht mehr an ihre alte Stärke anknüpfen und waren auf Koalitionen mit den größeren Massenparteien der Linken und der Rechten angewiesen.

Radikale Bedrohungen der 1930er Jahre

Nach den Jahren linker Vorherrschaft regierte seit der Parlamentswahl 1926 in wechselnden Konstellationen eine Mehrheit der katholischen und der bürgerlich-liberalen Rechten das Land. Dieser gelang es in den 1930er Jahren aber immer weniger, die wachsenden sozialen Spannungen infolge der Weltwirtschaftskrise unter Kontrolle zu bringen. Hinzu kamen äußere (Golenkrise) und innere konstitutionelle Krisen (Verfassungskampf). In dieser Situation erhielten radikale Parteien, Kommunisten, Anarchisten und Trotzkisten auf der Linken, Faschisten und Nationalisten auf der Rechten an Zuspruch, doch gelang es den großen Parteien zeitweise, diese republikfeindlichen Potenziale einzubinden, zeitweise sie zurückzudrängen.

Auch wenn nur ein kleiner Teil der katholischen Volksunion offen Sympathien zur faschistischen Bewegung der Truppisten und ihres parlamentarischen Arms, der Frente Fraternal unter León Francês zeigte, so war doch eine verbreitete Demokratieskepsis in Teilen der konservativen Eliten zu erkennen, die vor allem zugunsten einer Stärkung der Exekutive in Form eines starken Präsidenten und eine Berücksichtigung korporatistischer Verfassungselemente eintraten. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums kam es zur Annäherung der verfeindeten Sozialisten und Kommunisten, die sich bei der Parlamentswahl 1936 in der antifaschistischen Frente Popular zusammenschlossen und die zehnjährige Vorherrschaft der Rechten brechen konnten.

Der Sieg der Volksfront bestätigte aber die antikommunistischen Kräfte und führte zu weiteren Radikalisierungen in Teilen der Rechten, die 1938 schließlich in der Ermordung des sozialistischen Präsidenten Santiago Laval durch faschistische Divisionisten sowie kommunistische Ausschreitungen gipfelten. Nach dem neuerlichen Sieg der konservativ-liberalen Rechtsparteien bei der Parlamentswahl 1938 ging Premierminister Manuel Sants-Igualde hart gegen Kommunisten und Faschisten vor.

Sagradische Parteien im Zweiten Weltkrieg

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderten sich die Voraussetzungen des Parteiensystems. Unter Premierminister Manuel Sants verfolgte die UP-geführte Regierung einen strikten Neutralitätskurs, der Sagradien aus den Kriegshandlungen heraushalten sollte. Gleichzeitig verstärkten sich unter dem Druck der äußeren Bedrohung die autoritären Tendenzen innerhalb der bürgerlichen Rechten und der Zwang auf die Opposition, sich der Regierungslinie unterzuordnen. Während KPS und Divisionen bereits 1938 verboten worden waren, mussten nun auch Sozialisten und Radikale Repressionen hinnehmen. Mit der Comunión Nacional versuchte Sants zudem, die Parteien der Regierungsmehrheit unter einem gemeinsamen organisatorischen und ideologischen Dach zu vereinen, was vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedrohung und der fehlenden Popularität der Regierungslinie letztlich misslang.

Nach der Entlassung Sants durch Präsident Luciano Capón und dem folgenden Eintritt Sagradiens in den Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten bildete der parteilose Premierminister Sergio Rafael Dini eine Regierung der nationalen Verteidigung, die von einer breiten politischen Koalition unterstützt wurde. Das Parteiverbot gegen die KPS wurde nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion hinfällig und de facto (wenn auch zunächst nicht de jure) aufgehoben, ebenso wie die Repressionen gegen die übrigen Linksparteien, die wesentlich zum Aufbau einer nationalen Partisanenbewegung beitrugen. Durch ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus konnten sich vor allem die sagradischen Kommunisten neue Anhänger erschließen und dazu beitragen, dass der starke Antikommunismus der bürgerlichen Parteien zeitweise deutlich abnahm.

Konsensorientierte Neuordnung des Parteiensystems nach dem Weltkrieg

Nach dem Sieg Sagradiens über die deutsche Bedrohung im Zweiten Weltkrieg standen die politischen Zeichen auf Veränderung. Vor allem die starke Polarisierung der Zwanziger und Dreißiger Jahre, die zu erbitterten politischen Schlachten und teilweise auch zu politischer Gewalt geführt hatte, sollte überwunden werden. Aus der katholisch-konservativen Volksunion und der kleinen christlich-progressiven PDP ging schließlich der Partíu Popular de Convergência hervor, der als Sammlungspartei der demokratischen Rechten versuchte, auch nicht-konfessionelle Wähler anzusprechen. Gleichzeitig versuchten die Sozialisten zunächst im PSU, seit 1947 in der ASUL, neben der klassischen Arbeiterklientel auch bürgerliche und linkskatholische Kräfte zu integrieren. Mit diesem Programm der Öffnung gelang es zunächst in den Fünfziger Jahren den Christdemokraten, seit den Sechziger Jahren auch den Sozialisten, breite Teile der Bevölkerung anzusprechen und regelmäßig mehr als ein Drittel der Wählerschaft anzuziehen.

Mit dem Radikal-Republikanischen Partei und der 1946 aus der ARL hervorgegangenen Republikanischen Freiheitsbewegung (MRL) blieben aber zwei kleinere bürgerlich-liberale Parteien bestehen, die sich 1954 zum Wahlbündnis der Demokratischen Union zusammenschlossen. Während sich die Union 1961 in eine neue liberale Partei überführt wurde, die heutige UDS, ging aus einer Spaltung der Radikalen 1958 der Partíu Radical-Democrático hervor, der als progressiv-liberale Partei das Erbe des Partíu Radical antrat. Die Liberalen blieben daher in zwei konkurrierenden Parteien organisiert. Daneben blieb die Sagradische Kommunistische Partei als eigenständige Kraft bestehen und ging aus dem Zweiten Weltkrieg, in dem sie sich energisch engagiert hatte, deutlich gestärkt hervor. Ihre hohe Zustimmungsrate von 20 Prozent der Stimmen 1945 konnte sie jedoch nicht halten, stabilisierte sich in den Fünfziger Jahren aber bei ca. zehn Prozent der Stimmen.

Bis 1947 bildeten Christdemokraten, Sozialisten, Radikale und Kommunisten die so genannte Demokratische Koalition als Konsensregierung in Nachfolge der Kriegskoalition mit dem wesentlichen Effekt, dass die das Parteiensystem der Zweiten Republik kennzeichnende Polarisierung in Linke und Rechte überwunden und eine konsensorientiertere politische Kultur etabliert werden konnte. Dieses Bündnis zerbrach erst im Zusammenhang mit den zunehmenden internationalen Spannungen des anbrechenden Kalten Kriegs, doch setzten PPC, ASUL und PRR bis 1953 ihre breite Koalition der Mitte fort.

Gemäßigt polarisiertes Fünfparteiensystem der 1960er und 1970er Jahre

Mit dem Bruch der großen Zentrumskoalition im Jahr 1953 nahm das Parteiensystem wieder eine deutlich stärker polarisierte Struktur an, da ASUL und PPC abwechselnd um die Führungsrolle einer Mitte-Links- bzw. Mitte-Rechts-Koalition stritten. Gleichzeitig etablierte sich aber mit der Einführung einer landesweiten Dreiprozenthürde und den Integrationserfolgen der beiden großen Parteien das Fünfparteiensystem aus Kommunisten, Sozialisten, Radikalen, Liberalen und Christdemokraten, in dem ASUL und PPC eine Zweiparteiendominanz ausübten. Lediglich bei der Parlamentswahl 1967 gelang es mit der populistischen MFP einer weiteren Partei vorübergehend, zu den etablierten Fünf hinzuzustoßen, doch schon bei der Folgewahl im Jahr 1970 scheiterte diese wieder an der Sperrhürde.

Während die Sozialisten bis zu ihrem historischen Wahlerfolg im Jahr 1970 auf die Zusammenarbeit mit den liberalen Parteien angewiesen waren, gelang es in den Folgejahren, eine Minderheitsregierung durch Unterstützung der Kommunisten zu etablieren und diese damit stärker ins Parteiensystem zu integrieren. Voraussetzung dieser Entwicklung waren eine deutliche Hinwendung der Liberalen zur politischen Rechten, eine zwischenzeitige Schwäche der Radikalen sowie eine eurokommunistische Entwicklung innerhalb der Kommunistischen Partei seit Mitte der 1960er Jahre, die sich mit dem parlamentarischen System arrangierte und vom Ideal der Diktatur des Proletariats Abstand nahm.

Pluralisierung und verstärkte Blockbildung

Die Zeitspanne von den 1970er zu den 1990er Jahren führte zu einer weiteren Pluralisierung des Parteiensystems. Zunächst wandten sich die Radikalen Themen der "neuen Politik" wie Umweltschutz und Selbstbestimmung zu, ehe in den 1980er Jahren mit den Grünen eine neue Partei entstand, die sich diesen Themen verstärkt annahm. In den 1990er Jahren wiederum folgte der Wandel der eurokommunistischen PCS zu einer demokratisch-sozialistischen Linkspartei sowie der Aufstieg der PSP als neuer populistischer Kraft auf der politischen Rechten, nachdem die Erfolge der UPOS in den 1980er Jahren noch ein temporäres Phänomen geblieben waren.

Damit verfestigte sich in den 1990er Jahren das Blocksystem der sagradischen Politik abermals, wobei sich die Radicales zeitweilig neoliberalen Positionen zuwandten und sich bewusst zwischen den beiden Blöcken positionierten.

Infolge der verstärkten Einbindung der PSP ins rechtsbürgerliche Lager, der Weltfinanzkrise 2008/2009 sowie der Eurokrise entstanden abermals neue Herausforderer wie Fâcem auf der politischen Linken, Cientro Uníu in der bürgerlichen Mitte sowie den europakritischen Progresistas, von denen aber nur letztere den Sprung ins nationale Parlament schafften, wo sie sich als Teil des rechten Blocks ebenso reibungslos in das bestehende Lagersystem einordneten wie Grüne und PSP vor ihnen. Der zu beobachtende Stimmenrückgang bei den beiden Großparteien hat daher bislang nicht zu einer Auflösung des Lagersystems beigetragen, das sich lediglich auf regionaler Ebene zum Teil offener zeigte.

Aktuelle Parteien

Auf nationaler und europäischer Ebene vertretene Parteien

. . . Partei Ausrichtung Position Internat. Gründung
Nationale Parteien
Fâcem - Frente Anticapitalista (FACEM)
Lasst uns machen - Antikapitalistische Liste
Revolutionärer Sozialismus
Antikapitalismus
Linksextrem EACL; GUE-NGL 2013
Logo-SDU-Kompakt.jpg Sinistra Democrática Unida (SDU)
Vereinigte Demokratische Linke
Demokratischer Sozialismus Links EL; GUE-NGL 2006/2010
Logo-Asul-Kompakt.jpg Aliança Socialista d'Unitá Lavorista (ASUL)
Sozialistische Allianz der Einheit der Arbeit
Sozialdemokratie Mitte-Links PES; PASD; SI 1947
Logo-V-Kompakt.jpg Ils Verdes - Alternativa Ecologista (V)
Die Grünen - Ökologische Alternative
Grüne Politik Mitte-Links EGP; V/ALE; Global Greens 1989
Logo-RAD-Kompakt.jpg Ils Radicales (RAD)
Die Radikalen
Sozialliberalismus Mitte; Mitte-Links ALDE; LI 1958
Logo-LIB-Kompakt.jpg Liberales – Unión Democrática de Sagradia (LIB)
Liberale - Demokratische Union Sagradiens
Liberalismus Mitte-Rechts ALDE; LI 1954/1961
Logo-PPC-Kompakt.jpg Partíu Popular de Convergência (PPC)
Volkspartei der Zusammenkunft
Christdemokratie
Liberalkonservatismus
Mitte-Rechts EVP; CDI; IDU 1945
Logo-PRG-Kompakt.jpg Ils Progresistas (PRG)
Die Progressiven
Euroskeptizismus
Wirtschaftsliberalismus
Rechts 2014
Logo-PSP-Kompakt.jpg Partíu Social Popular (PSP)
Volkssoziale Partei
Rechtspopulismus
Nationalkonservatismus
Rechts ECR 1989
Logo-Accion-Kompakt.jpg Acción Sagradêsa
Sagradische Aktion
Ultranationalismus
Ethnopluralismus
Rechtsextrem APF

Regionalparteien

. . . Partei Ausrichtung Position Internat. Gründung
Ambristal
LogoCoalitio.jpg Cŏalitiò Embrisàin (CE)
Ambresanische Koalition
Regionalismus, Zentrismus, Christdemokratie Mitte
Armorien
LogoUNV.jpg Unvaniezh An-Arvor (UDB)
Armorische Union
Regionalismus, Sozialdemokratie, Grüne Politik Links EFA; V/ALE
Inseln von Aziz
Logo-FxA.jpg Fôro per l'Aziz (FxA)
Forum für Aziz
Regionalismus, Konservativer Liberalismus, Wirtschaftsliberalismus Mitte-Rechts 1995; 2002
Logo-Entesa.jpg Entêsa de la Sinistra Regional d'Aziz (E)
Übereinkunft der regionalen Linken Aziz
Regionalismus, Grüne Politik, Ökosozialismus Links EFA; V/ALE 1996
LogoJuntoes.jpg Juntœs per la Libertá (JuLi)
Vereinigt für die Freiheit
Separatismus, Linksnationalismus, Sozialismus Links
Cuentez
LogoNC.jpg Nòu Cüentiz
Neues Cuentez
Regionalismus, Zentrismus, Liberalismus Mitte 2014
LogoCAsi.jpg Cüentiz Así
Cuentez, Ja
Regionalismus, Grüne Politik, Sozialliberalismus Links EFA; V/ALE
Eskada
LogoAE.jpg Alternatiba Eskada (AE)
Eskadische Alternative
Regionalismus, Grüne Politik, Sozialdemokratie Links EFA; V/ALE
Oberskanten
LogoUPAS.jpg Unión del Pôblu Alta-Scantês (UPAS)
Union des Oberskantischen Volkes
Regionalismus, Zentrismus, Agrarianismus Mitte-Rechts
Tescano-Valoní
LogoCTV.jpg Cientro Tescano-Valonês (CTV)
Tescano-Valonesisches Zentrum
Regionalismus, Zentrismus, Christdemokratie Mitte; Mitte-Rechts 2003
Iniciativa per Tescano-Valoní (IxTV)
Initiative für Tescano-Valoní
Regionalismus, Liberalismus Mitte EFA