Geschichte der Sagradischen Republik: Unterschied zwischen den Versionen

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Die [[Unión Popular]] konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1925|Parlamentswahl des Jahres 1925]] für sich entscheiden. Mit 107 Abgeordneten wurden die Katholiken zwar nur zweitstärkste Kraft, da eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und liberalen Republikanern aber scheiterte, gelangte die UP in eine Schlüsselstellung. Präsident López beließ jedoch die Minderheitsregierung Colón im Amt und weigerte sich, eine Rechtsregierung unter Beteiligung der Volksunion zu ernennen, womit er eine handfeste politische Krise auslöste. Nachdem sich López' eigene Partei jedoch mit der Aliança auf die Bildung einer Minderheitsregierung geeinigt hatte, die von den Rechten toleriert werden sollte, erklärte Präsident López seinen Rücktritt. Die Wahl seines Nachfolgers wurde zu einer der schwierigsten Wahlen der Zweiten Republik. Am Ende konnte sich überraschend der Kandidat der Volksunion [[Domênco Scalfín]] durchsetzen, der mit der Unterstützung der Rechtsparteien zum fünften Präsidenten der Republik gewählt wurde und u.a. gegen den Ex-Präsidenten [[Cristoval Sánchez]] vom [[Partido Radical]] siegte.
 
Die [[Unión Popular]] konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1925|Parlamentswahl des Jahres 1925]] für sich entscheiden. Mit 107 Abgeordneten wurden die Katholiken zwar nur zweitstärkste Kraft, da eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und liberalen Republikanern aber scheiterte, gelangte die UP in eine Schlüsselstellung. Präsident López beließ jedoch die Minderheitsregierung Colón im Amt und weigerte sich, eine Rechtsregierung unter Beteiligung der Volksunion zu ernennen, womit er eine handfeste politische Krise auslöste. Nachdem sich López' eigene Partei jedoch mit der Aliança auf die Bildung einer Minderheitsregierung geeinigt hatte, die von den Rechten toleriert werden sollte, erklärte Präsident López seinen Rücktritt. Die Wahl seines Nachfolgers wurde zu einer der schwierigsten Wahlen der Zweiten Republik. Am Ende konnte sich überraschend der Kandidat der Volksunion [[Domênco Scalfín]] durchsetzen, der mit der Unterstützung der Rechtsparteien zum fünften Präsidenten der Republik gewählt wurde und u.a. gegen den Ex-Präsidenten [[Cristoval Sánchez]] vom [[Partido Radical]] siegte.
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Unter Präsident Scalfín wechselten sich nacheinander mehrere Mitte-Rechts-Regierungen im Amt ab. Nach dem Scheitern der [[Kabinett Laponte I|Regierung Laponte]] im Herbst 1926 löste Scalfín die Kammern auf und schrieb [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1926|Neuwahlen]] aus, bei der die Volksunion erneut gewinnen konnte. In den kommenden Jahren dominierte eine heterogene rechte Mehrheit von [[UP|Katholiken]] und [[ARD|Rechtsliberalen]] die [[Abgeordnetenkammer]], die zeitweise vom [[Partido Radical]] unterstützt wurde.
  
 
=== Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1930-1932) ===
 
=== Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1930-1932) ===

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Geschichte der Zweiten Republik

Bloco de Sinistra und Große Koalition (1917-1925)

Im Jahr 1917 wurden die ersten sagradischen Parlamentswahlen nach dem Modus der Verhältniswahl mit Listen durchgeführt. Den Sieg trugen dabei die Parteien der Linken davon. Die Sozialisten, unter den Bedingungen der Mehrheitswahl meist aufgrund des Wahlkreiszuschnitts benachteiligt, wurden mit einem Stimmenanteil von über 30 Prozent erwartungsgemäßg stärkste Kraft. Die Radikalen und Radikalsozialisten kamen zusammen auf über 20 Prozent, sodass die Linksparteien des Bloco de Sinistra gemeinsam eine Mehrheit der Abgeordneten stellen konnten. Neuer Regierungschef wurde der Radikaldemokrat Francisco Calbane. Gegen die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung spaltete sich jedoch der linke Flügel ab und bildete den oppositionellen Partido Socialista Independiente, dem sich aber nur eine Minderheit von 21 Abgeordneten anschloss. Mit dem bisherigen Parteichef Carles Ferro Rodríguez trat der erste sozialistische Minister in ein Kabinett ein, ließ seine Parteimitgliedschaft aber ruhen, ehe 1919 auch offiziell Minister der PS in die Regierung eintraten.

Ziel der Regierung des Bloco de Sinistra war es, die laizistischen Reformen der sinistra laica, unter Donado Salgado nur unvollständig durchgesetzt und inzwischen von mehreren Rechtsregierungen revidiert, endgültig zu einem Ende zu bringen und die strikte Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen, um den Einfluss der als reaktionär betrachteten katholischen Kirche auf den sagradischen Staat zu brechen. Daneben pochten die Sozialisten auf weitgehende Sozialreformen, welche schließlich den modernen sagradischen Wohlfahrtsstaat begründen sollten. Die Linksblockregierung arbeitete außerordentlich erfolgreich und konnte in ihren vier Regierungsjahren mit dem Schulgesetz von 1918 und der Sozialgesetzgebung von 1919/20 ihre wichtigsten Reformvorhaben umsetzen. Auch der Rücktritt Calbanes 1920 bedeutete letztlich keinen Bruch der Koalition, da auch die Nachfolgeregierung unter Carles Simón López von den Sozialisten unterstützt wurde.

Dies erreichte die Regierung trotz heftiger parteiinterner Auseinandersetzungen in der Sozialistischen Partei, die sich infolge der russischen Oktoberrevolution 1917 und im Streit um das Verhältnis zur Komintern nochmals spaltete. Da es derartige Auseinandersetzungen aber auch innerhalb des PSI gab, wo sich die Terceristas durchsetzen konnten und den Partido Comunista Sagradês begründeten, kehrten die gemäßigten Unabhängigen 1919/22 wieder in die Mutterpartei zurück, die damit eine nachhaltige Schwächung verhindern konnte.

Bei den Parlamentswahlen 1921 wurde der PS erneut stärkste Partei, die nun im PRSD wiedervereinigten Radikalen und Radikalsozialisten erlitten aber schwere Verluste, sodass der Bloco de Sinistra seine Mehrheit im Parlament einbüßte. Erstmals traten auch die Kommunisten an und gewannen 30 Mandate in der Abgeordnetenkammer. Relativer Sieger der Wahl war die rechtsliberale Aliança Republicana, die sich von 56 auf 74 Mandate verbessern konnte und nun mit den Parteien des Linksblocks eine Regierung der Großen Koalition (Governo del Horizonte Largo) unter dem Radikalen António Diaz bildeten. Die neue von der gemäßigten Linken zur gemäßigten Rechten reichende Regierung ergänzte die laizistischen Reformen und trug damit erheblich zu deren Etablierung bei. Mit den Stimmen der neuen Koalition wurde schließlich der Radikaldemokrat Carles Simón López als Nachfolger Cristoval Sánchez' zum vierten Präsidenten der Republik gewählt.

Die Regierung Diaz scheiterte zwar im Januar/Februar 1924, jedoch amtierten bis 1925 noch weitere Linksblock-Regierungen, die teilweise von den Liberalen toleriert wurden. Im Mai 1924 wurde mit António Sarabal schließlich der erste Sozialist Regierungschef, im Dezember desselben Jahres folgte ihm der ehemalige Staatspräsident Cristoval Sánchez, der nun für wenige Moante auf den Stuhl des Regierungschefs zurückkehrte, ehe ihm sein Parteifreund Angel Colón mit seinem ersten Kabinett folgte.

Die Ära der wechselnden Rechtskoalitionen (1925-1930)

Die Vorherrschaft der Linken und der laizistischen Parteien hatte in Kombination mit dem neuen Verhältniswahlsystem innerhalb der Rechten zu einem Umstrukturierungsprozess geführt. Anlässlich der Parlamentswahlen 1917 hatten sich verschiedene monarchistische und nationalkonservative Gruppen und Abgeordnete, die zuvor nicht parteipolitisch organisiert waren, zur Fraktion der Conservadores Sagradés (COSA) vereinigt. Daneben war aus ultrakonservativen Kreisen nach dem Vorbild der Action française die reaktionäre Liga de la Renovación Sagradêsa entstanden, die den rechten Rand des sagradischen Parteienspektrums abdeckte. Renovación und Cosa kämpften nun gemeinsam energisch gegen die kirchenfeindliche Politik der laizistischen Linken und linken Mitte. Hierin wurden sie von der insgesamt gemäßigteren Acción Popular von Francisco Tropexas unterstützt, die sich jedoch im Zuge der Auseinandersetzungen um die Laizismus-Reformen der Linken zunehmend radikalisierte und schließlich spaltete. Eine progressive Minderheit, die sich christlich-sozialen und christdemokratischen Ideen geöffnet hatte, bildete aus der Liga del Pôpolo Jovén und dem Vertá-Kreis heraus den zentristischen Partido Democrático Popular, während die Parteimehrheit auf deutlichen Abstand zur Linken ging und schließlich 1924/25 unter Einbeziehung zahlreicher Conservadores die rechtskonservative Unión Popular begründete, die sich deutlich skeptischer gegenüber der parlamentarischen Republik zeigte und nicht nur im Kirchenkampf einen radikaleren Ton anschlug als zuvor.

Die Unión Popular konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die Parlamentswahl des Jahres 1925 für sich entscheiden. Mit 107 Abgeordneten wurden die Katholiken zwar nur zweitstärkste Kraft, da eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und liberalen Republikanern aber scheiterte, gelangte die UP in eine Schlüsselstellung. Präsident López beließ jedoch die Minderheitsregierung Colón im Amt und weigerte sich, eine Rechtsregierung unter Beteiligung der Volksunion zu ernennen, womit er eine handfeste politische Krise auslöste. Nachdem sich López' eigene Partei jedoch mit der Aliança auf die Bildung einer Minderheitsregierung geeinigt hatte, die von den Rechten toleriert werden sollte, erklärte Präsident López seinen Rücktritt. Die Wahl seines Nachfolgers wurde zu einer der schwierigsten Wahlen der Zweiten Republik. Am Ende konnte sich überraschend der Kandidat der Volksunion Domênco Scalfín durchsetzen, der mit der Unterstützung der Rechtsparteien zum fünften Präsidenten der Republik gewählt wurde und u.a. gegen den Ex-Präsidenten Cristoval Sánchez vom Partido Radical siegte.

Unter Präsident Scalfín wechselten sich nacheinander mehrere Mitte-Rechts-Regierungen im Amt ab. Nach dem Scheitern der Regierung Laponte im Herbst 1926 löste Scalfín die Kammern auf und schrieb Neuwahlen aus, bei der die Volksunion erneut gewinnen konnte. In den kommenden Jahren dominierte eine heterogene rechte Mehrheit von Katholiken und Rechtsliberalen die Abgeordnetenkammer, die zeitweise vom Partido Radical unterstützt wurde.

Weltwirtschaftskrise in Sagradien (1930-1932)

Die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929 stürzte Sagradien in eine schwere Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahr 1930 rapide an und die Wirtschaftsleistung nahm ab. Soziale Krisen überströmten das Land.

Die Parlamentswahlen im November 1930 standen bereits im Zeichen der Krise und brachten einen deutlichen Rechtsruck. Die Parteien der Mitte, welche die Republik geprägt hatten, Liberale und Radikale, verzeichneten herbe Verluste, während nicht nur die katholisch-konservative Volksunion und die nationalistische PAN an Zustimmung gewannen, sondern auch die Faschisten von León Francês, welche ihren Sitzanteil von 4 auf 25 erhöhen konnten. Damit konnte der „Bloco Nacional“ aus UP, PAN und Landbund zwar keine absolute, aber eine relative Mehrheit der Sitze gewinnen. Ministerpräsident Daniel La Ponte von der rechtsliberalen ARD, der bereits im September seine Mehrheit im Parlament verloren hatte, reichte seinen Rücktritt ein, doch erst im Januar 1931 konnte eine neue Regierung gebildet werden. UP-Führer Gaitán Alemà Sobrantes, bereits als Vizeministerpräsident der starke Mann im Kabinett La Ponte, wurde nun zum Ministepräsidenten ernannt. Alemà Sobrantes bildete ein Rechtskabinett des siegreichen Nationalen Blocks, dem erstmals auch die nationalistische PAN angehörte, während die Zentrumsparteien ihre Unterstützung angekündigt hatten.

Die Regierung Alemà erreichte ihr Ziel, ein umfangreiches öffentliches Kürzungsprogramm zur Überwindung der Wirtschaftskrise nicht. Als die Liberalen ihre Unterstützung im Frühjahr 1932 aufgekündigt hatten, erbat Alemà Sobrantes bei Präsident Domênco Scalfín die Auflösung des Parlaments, der diesem Wunsch entsprach und Neuwahlen für den April 1932 festsetzte. Bei den Wahlen standen sich die Parteien der Linken und erneut der Nationale Block gegenüber, der nun in einer Listengemeinschaft antrat, um stärker vom Wahlsystem zu profitieren. Wieder errang der Bloco Nacional eine relative Mehrheit, verfehlte aber klar die absolute Majorität im Parlament. Die unabhängig vom Bloco antretende faschistische Rechte verbesserte sich schlagartig auf 36 Sitze in der Kammer. Die gemeinsam angetretenen Zentrumsparteien verweigerten dem Block die Unterstützung, woraufhin Präsident Scalfín ein Kabinett Celano López technisches Kabinett aus Vertretern des Zentrums und einzelner „rechter Persönlichkeiten“ unter der Führung des parteilosen Bürokraten Martín Celano López ernannte. Alemà wurde im neuen Kabinett Innenminister.

Präsidentschaft Alemà Sobrantes (1932-1935)

Im August 1932 wurde ein neuer Präsident der Republik gewählt. Mit der Unterstützung seines Nationalen Blocks setzte sich Gaitán Alemà Sobrantes schließlich im fünften Wahlgang gegen seine linken Mitbewerber durch, nachdem Laponte als Bewerber des Zentrums zurückgezogen hatte, und wurde damit Nachfolger von Domênco Scalfín. Stärker als dieser sah Alemà seine Rolle in einer aktiven Amtsführung und dem Ziel, Regierungen seines Vertrauens zu ernennen. Die Macht der zersplitterten Nationalversammlung sollte zurückgedrängt werden. Als einen seiner ersten Schritte löste Alemà die Kammern auf und setzte damit die zweiten Wahlen innerhalb eines Jahres an, nachdem sein Nachfolger im Amt des UP-Chefs Domênco Santês vergeblich versucht hatte, als neuer Ministerpräsident einer Rechtsregierung eine neue Mehrheit hinter sich zu bringen.

Die Dezemberwahlen des Jahres 1932 brachten schließlich eine deutliche Stärkung der Ränder. Die rechtsextremen Parteien erhielten 57, die Kommunisten 85 Mandate im Unterhaus. Alemàs Ziel einer absoluten Mehrheit für seine Volksunion und ihre Verbündeten scheiterte abermals. Der parteilose Pietro Manuel wurde mit der Regierungsbildung beauftragt, Ziel war wieder ein „Kabinett der Persönlichkeiten“, das unabhängig von Parteikämpfen regieren sollte. Für die ersten drei Monate des Jahres 1933 unterstützten auch die Zentrumsparteien und die Radikalen das Kabinett, das aber bereits im März 1933 scheiterte. Domênco Santês wurde daraufhin wieder Premierminister einer Minderheitsregierung des Nationalen Blocks. Mit den Stimmen der rechten Mehrheit erhielt die Regierung Santês im April 1933 für ein halbes Jahr außerordentliche Gesetzgebungsbefugnisse zur Behebung der sozialen Krise.

Die anhaltende soziale Notlage führte im ganzen Land zu einer Radikalisierung der politischen Situation. Angeheizt durch die sozialen Missstände florierten die rechten Aktionstruppen, die ständig wuchsen und neue Anhänger der verarmten Mittelschichten anlockten. In Teilen des Landes standen sich seit den Dezemberwochen 1933 rechte und linke Schlägertruppen und paramilitärische Verbände gegenüber. Die kommunistischen Roten Garden stellten sich den rechten Aktionstruppen entgegen und versuchten vielerorts, die Revolution auszulösen. Die Regierung Santês reagierte – von Alemà bestärkt – mit eiserner Hand gegen die Rotgardisten, während die Truppisten vielerorts freie Hand erhielten. Die Politik gegenüber der radikalen Rechten blieb daher ambivalent. Im Januar 1934 wurden zahlreiche - vermeintlich gemäßigte - Truppistenverbände offiziell zu Hilfstruppen des staatlichen Militärs ernannt, nachdem sie sich auf die Regierung verpflichtet hatten. Ein Misstrauensvotum der Opposition gegen die Regierung Santês vom Oktober 1934 blieb praktisch folgenlos, da Alemà lediglich eine Kabinettsumbildung vornahm, die gemäßigten Kräfte aus der Regierung entfernte, den Armeechef Oscar Romero Castro und den Führer des rechten Flügels der UP, Manuel Álamo zu Ministern ernannte und anstelle Santês’ den bisherigen Innenminister Joán César Negrín mit dem Premieramt betraute (Kabinett Negrín).

Die Kabinettsumbildung war der Auftakt für den ereignisreichen Krisenherbst 1934. Am 30. Oktober 1934 wurde Präsident Gaitán Alemà Sobrantes von einem kommunistisch motivierten Attentäter angeschossen. Sofort verhängte die Regierung Negrín eine allgemeine Ausgangssperre, löste die Sitzung der Nationalversammlung auf und bezichtigte die Kommunistische Partei eines Umsturzversuchs. Im ganzen Land kam es daraufhin zu einer Eskalation und zu heftigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Linken und Rechten. Die aufgehetzte Menge stürmte die kommunistische Parteizentrale und tötete dabei einige Mitarbeiter der Parteiführung, nur wenige Stunden später, am Morgen des 1. November 1934 wurde der KP-Chef Lorenzo Sabal von Truppisten gefangengesetzt und ermordet. Noch in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1934 setzte Faschistenführer León Francês zum „Marsch auf Semess" an und versuchte durch einen Putsch, die Macht zu übernehmen. Francês’ Sturmtruppen nahmen binnen weniger Stunden den Platz vor dem Regierungspalais ein und forderten die Machtübergabe an Francês. Die Regierung Negrín, von den Ereignissen überrannt, zeigte sich abwartend, ehe sich Präsident Alemà zu hartem Durchgreifen entschloss und das Militär gegen die faschistischen Putschisten einsetzte. Er verhängte den Ausnahmezustand und übertrug die Exekutivgewalt an General Alfonso Cabarel. Nach wenigen Stunden bereits Militärtruppen unter General Cabarel den Platz vor dem Regierungspalast und schlugen den faschistischen Putschversuch nieder. In der Folgewoche wurden die Aktionstruppen sowie der Frente Fraternal León Francês' verboten. Der Ausnahmezustand wurde am 1. Dezember beendet und ein neues ziviles Kabinett unter Führung des parteilosen Nationalbankpräsidenten Sergio Rafael Dini ernannt. Dini sollte ein unabhängiges Präsidialkabinett leiten, dem Cabarel als Armeeminister mit besonderen Befugnissen angehörte.

Die Lage blieb aber angespannt, zumal der in Golen wütende separatistische Aufstand gegen das rechte Ulisse-Regime auf den golischen Westen Sagradiens überzugreifen drohte, wo sich Sympathisanten des in Alágua ausgerufenen "Estat Gools" sammelten und für eine gesamtgolische Unabhängigkeit Stimmung machten.

Die Volksfront (1935-1938)

Im gemeinsamen Kampf gegen die Bedrohung von rechts hatten sich seit 1932, erstrecht aber nach der Wahl Narcís Coloms zum KP-Sekretär im Herbst 1934 die gemäßigten Kräfte der sagradischen Linken und die Kommunisten angenähert. Für die auf den September 1935 vorgezogenen Parlamentswahlen bildeten die sagradischen Sozialisten unter Santiago Laval, die Kommunisten Coloms und die linksbürgerlichen Radikalen unter Angel Colón ein linkes Wahlbündnis, den Frente Popular (Volksfront), der geschlossen gegen die Parteien der Rechten antreten sollte, die zunehmend Kritik an der parlamentarischen Form der angeblich "sozialistisch unterwanderten" Republik übten und immer offener auf eine autoritäre Verfassungsreform drängten.

Die Parlamentswahlen brachten einen knappen Sieg für die Volksfront mit sich, die von dem modifizierten Wahlsystem profitierte und die absolute Mehrheit der Sitze errang. Der gegnerische Frente Nacional um die von Domênco Santês angeführte Volksunion verlor deutlich an Sitzen und die zahlreichen in Nachfolge des FF entstandenen faschistischen Splitterparteien kamen zusammen nur auf 28 Sitze in der Kammer.

Trotz der neuen Mehrheit im Parlament weigerte sich Präsident Alemà, den Führer der Sozialisten Santiago Laval als Kandidaten der Volksfront zum Regierungschef zu ernennen. Gleichzeitig missachtete er das parlamentarische Misstrauensvotum gegen die Regierung Dini und zwang diese, im Amt zu bleiben. Nach einer anhaltenden Verfassungskrise, in der Ministerpräsident Dini nur noch über ein geschäftsführendes Kabinett verfügte, enthob die Nationalversammlung den Präsidenten des Amtes und wählte Santiago Laval zum neuen Präsidenten der Republik. Zuvor hatte der Präsident bereits ein Auflösungsedikt der Abgeordnetenkammer eingereicht, das der Präsident der Abgeordnetenkammer Luis Bertón jedoch absichtlich übersah und damit die Abstimmung zur Abwahl des Präsidenten vorzog.

Es kam daraufhin zu heftigen parlamentarischen Tumulten der Rechten, die das Abwahlverfahren für verfassungswidrig erklärten und die Kammer verließen. Trotz der angespannten Lage und wochenlanger Lähmung des Gesetzgebungsprozesses fürchteten beide Seiten einen Bürgerkrieg und suchten schließlich einen Kompromiss. Nach einem Generalstreik zugunsten der Parlamentsmehrheit musste die Rechtsopposition sich schließlich dem Mehrheitsvotum richten, woraufhin die neue Volksfrontregierung auf eine Anklage gegen den Ex-Präsidenten des Verfassungsbruchs verzichtete. Alemà übergab daraufhin den Plazarenya an den Sozialisten Santiago Laval. Dieser war der erste Sozialist im höchsten Staatsamt und ernannte sogleich seinen Parteifreund José Saviola zum Regierungschef, der ein sozialistisch-radikales Kabinett bildete, das als erste parlamentarische Regierung von den Kommunisten unterstützt wurde.

Die Volksfrontregierung Laval-Colón führte zahlreiche Reformen durch. Sie erließ ein allgemeines Streikrecht, führte die 40-Stunden-Woche ein und erhöhte die Löhne im öffentlichen Dienst. Zahlreiche Schlüsselindustrien wurden sozialisiert. Doch hatte sie von Beginn an mit großen außen- und innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die anhaltenden separatistischen Bewegungen im micolinischen Teil Golens und die im sagradischen Teil gehegten Sympathien belasteten die Beziehungen zwischen dem autokratisch regierten Micolinien und der nun linken Bastion Sagradien nachhaltig, zumal sich Teile der neuen sagradischen Regierung wohlwollend zeigten. Als die Regierung Saviola es ablehnte, eine Reihe nach Sagradien geflüchteter, des Hochverrats angeklagter Golen an Micolinien auszuliefern kam es im Herbst 1935 - nur wenige Wochen nach dem Machtwechsel zur Linken – zu einer heftigen diplomatischen Krise (Golenkrise), in deren Lauf es fast zum Krieg zwischen den ideologisch verfeindeten Regierungen Sagradiens und Micoliniens kam, als micolinische Truppen unter dem Vorwand terroristischer Umtriebe im Grenzgebiet auf sagradisches Staatsgebiet vorstießen. Mit dem Vorwurf an die sagradische Regierung, der Lage selbst nicht Herr werden zu können, übernahmen die micolinischen Truppen binnen weniger Tagen die Provinz Pexace sowie den Westen der Escada. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, jedoch zu keiner Kriegserklärung. Der Völkerbund erwirkte einen dreimonatigen Waffenstillstand (Marrel-Moratorium), in dem es aber zu mehreren kleineren Zusammenstößen kam. Erst unter intensiver Vermittlung der internationalen Mächte unter Androhung eines internationalen Krieges erreichte die Staatengemeinschaft den Rückzug Micoliniens aus den besetzten Gebieten mit Ausnahme kleinerer Stützpunkte im Celistal und Teilen des Ambristals, die noch weitere Jahrzehnte besetzt blieben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Lösung dieser Frage gefunden.

Der Ausgang der Golenkrise wurde als schwere Niederlage der neuen Linksregierung gewertet, der ihr abwartendes Verhalten als Schwäche ausgelegt wurde. Abgesehen davon, dass die pazifistischen Sozialisten eine kriegerische Auseinandersetzung ablehnten, waren der Regierung aber weithin die Hände gebunden, da sich das Militär vielerorts kaum bereit zeigte, den Befehlen des sozialistischen Verteidigungsministers zu gehorchen. Es zeigte sich das schwere Autoritätsproblem, das die Volksfrontregierung von Beginn an gegenüber Teilen des Militärs besaß, auch wenn sich der Großteil des Militärs noch loyal zeigte und es in der Folge zu einer Reihe von Disziplinarverfahren gegen renitente Offiziere kam.

Auch bezüglich des 1936 ausgebrochenen Spanischen Bürgerkriegs geriet die Volksfrontregierung in Schwierigkeiten. Während Sozialisten und Kommunisten eine Beteiligung Sagradiens auf Seiten der republikanischen Kräfte forderten, lehnten die Radikalen eine solche ab und stellten die Regierung in Frage. Die zweite Regierung Saviola, seit April 1936 im Amt, sowie die Nachfolgeregierung unter Angel Colón einigten sich daher auf eine Nicht-Intervention.

Als im Oktober 1937 in Alconía ein kommunistischer Aufstand gegen den lokalen Großgrundbesitz ausbrach, der eine sofortige Bodenreform forderte und sich zum blutig geführten „Alkonischen Oktober“ ausweitete, zerbrach die Volksfrontregierung, da Premierminister Colón Truppen einsetzte, um den Aufstand einzudämmen. Die Kommunisten erklärten die Volksfront für beendet und forderten den Rücktritt der Regierung Colón. Dieser blieb aber im Amt und suchte sich neue Mehrheiten durch Einbeziehung liberaler Kräfte.

Neuordnung und Radikalisierung der Rechten

Die Volksfrontregierung führte zu einer Machtverschiebung innerhalb der sagradischen Rechten. Die Niederlage der katholisch-konservativen Volksunion bei den Wahlen 1935 und die Zerschlagung der faschistischen und extremen Rechten führte zu einem Machtvakuum, in das Manuel Álamo Igualde mit seiner radikal-konservativen Jugendzirkel-Bewegung stoßen konnte. Beim Noyarenser Parteitag der UP im Dezember 1935 wurde Álamo Igualde in einer umstrittenen Abstimmung an die Spitze der Partei gewählt. Mit den aus der Truppistenbewegung hervorgegangenen „Juntas Accionistas“ als Leibwache betrat Álamo den Parteitag, kündigte den äußersten Kampf gegen den Kommunismus und die Linke an und warnte seine Gegner vor der „Macht des Volkes“. Unter Historikern ist umstritten, wie der Parteitag von Noyar zu werten ist, doch sprechen einige von einem mehr oder weniger gewaltsamen Putsch Álamos an die Parteispitze.

In der Zwischenzeit reorganisierten sich auch die anderen antiparlamentarischen und antirepublikanischen Kräfte der Rechten neu. Nach dem Verbot der Aktionstruppen und der Faschistischen Front León Francês’ wirkten viele Mitglieder der Bewegung auch weiterhin im Untergrund weiter. Die terroristische rechtsextreme „Organisación d’Acción Patriota“ (OAP) verübte im ganzen Land Anschläge mit dem Ziel, die linke Regierung und die von ihr getragene Republik zu stürzen. In weiten Teilen der Republik bildeten sich zudem neue illegale paramilitärische Truppen, welche die Nachfolge der Truppistenbewegung antraten. Die bedeutendste wurde die von León Francês gegründete División Sagradêsa de Ofensiva Popular. Noch immer mit großem Einfluss unter der faschistischen Rechten, änderte Francês nun seine Strategie. An die Stelle des stark am italienischen Faschismus orientierten antiklerikalen Programms des alten Frente Fascista verbündete sich Francês nun mit den klerikal orientierten Ultrarechten, die zuvor den Bloco Nacional bzw. den Frente Nacional unterstützt hatten.

Die de facto in konkurrierende Flügel zerfallene katholisch-konservative Volksunion wurde unter Manuel Álamo Igualde neu strukturiert. Álamos parteiinterne Gegner wurden entweder aus der Partei gedrängt oder mundtot gemacht, die Parteiorganisation zentralisiert und nach dem Führerprinzip ganz auf den neuen „Chefe“ an der Spitze ausgerichtet. Auf dem Parteikongress von Malesc im Mai 1936 bekannte sich die Volksunion im „Manifesto de Malesc“ zum Programm einer autoritär-korporatistischen Verfassungsreform. Die Republik wurde als Beute der kommunistischen Revolution betrachtet, weswegen sich die Rechte hinter einer starken Persönlichkeit sammeln sollten.

In der Folgezeit kam es auch zu partiellen Annäherungen zwischen der katholischen und der faschistischen Rechten. Divisionistische "Blaumützen" sowie die weiß-blau gekleideten Juntas Accionistas als Verbände der Volksunion kämpften nun vielerorts gemeinsam gegen Kommunisten, Sozialisten und Regierungstruppen. Die Ermorderung der prominenten Kommunistin Mercé Restuça durch Divisonstruppen im Herbst 1937 blieb nur einer von vielen Ausbrüchen der Gewalt.

Februarputsch und Aprilwahlen 1938

Im Januar und Februar 1938 intensivierten sich die Aufstände der Rechten, die in Ceundâlia und Amoria zahlreiche linke Stadtverwaltungen übernahmen und sich der Kasernen bemächtigten. Laval stand dem weitgehend machtlos gegenüber. Der Sturz der Regierung Colón durch ein Misstrauensvotum in der Abgeordnetenkammer im Januar 1938 und die etwa zeitgleich erfolgte Verhängung des Ausnahmezustands besiegelten schließlich das Schicksal der Republik. Die nationale Opposition forderte von Laval die sofortige Ernennung einer "Regierung der Autorität" und die Auflösung der Abgeordnetenkammer. Laval aber war überzeugt, eine Regierung der Rechten bedeute das Ende der Republik und betraute stattdessen nacheinander mehrere Politiker der Mitte mit der Bildung einer Koalition der Einheit, die jedoch alle scheiterten, woraufhin Präsident Laval die Kammern auflöste und Neuwahlen zum Parlament ansetzte.

Die Divisionisten unter León Francês versuchten schließlich die unklare Situation für einen neuerlichen Putschversuch zu nutzen. Francês hoffte vor allem auf die Unterstützung der regierungsfeindlichen konservativen Rechten. Am Abend des 21. Februar 1938 wurde der sich im Wahlkampf befindliche Präsident Santiago Laval auf offener Straße von einem divisionistischen Attentäter ermordet. Anschließend versuchten Divisionisten und sympathisierende Soldaten im so genannten „Kommando Februar“ den Präsidentenpalast am Plazarenya zu stürmen und León Francês zum Staatschef zu proklamieren, was allerdings schnell scheiterte. León Francês wurde jedoch nicht festgenommen, stattdessen blieb der Wahlkampf von Gewalt überschattet.

Aus den Aprilwahlen 1938 gingen schließlich die Parteien der Rechten als Sieger hervor. Die zerstrittenen Parteien der ehemaligen Volksfront dagegen erlitten eine klare Niederlage. Interimspräsident Luciano Capón wurde von der Nationalversammlung zum neuen Staatspräsidenten gewählt, neuer Regierungschef wurde UP-Führer Manuel Álamo Igualde. Dieser regierte in der Folge mit einer konservativ-liberalen Mehrheit im Parlament und suchte, sein Vorhaben einer autoritären Verfassungsreform durchzusetzen, wurde aber durch seine liberalen Koalitionspartner blockiert. Gegenüber den Divisionisten legte Álamo in der Folge eine harte Hand an den Tag und verbot die Bewegung, León Francês blieb jedoch ohne Verurteilung. Dagegen wurde die Sagradische Kommunistische Partei verboten und ihre führenden Politiker verfolgt.

Geschichte Sagradiens im Zweiter Weltkrieg (1940-1945)

Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Programm der „Comunión Nacional“

Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Álamo in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte Álamo, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Álamo sein Programm der „Nationalen Kommunion“, in der das ganze Land die Integrität und Sicherheit der Nation verteidigen sollte.

Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Álamo, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein. Das Gesetz erhielt schließlich eine knappe parlamentarische Mehrheit, nachdem auch Teile des Partido Radical zugestimmt hatten.

Mit dem durch den nationalen Notstand erklärten Juni-Gesetz 1940 schlug Sagradien einen zunehmend autoritären Weg ein. Die Befugnisse der Regierung wurden extensiv gebraucht, die Presse deutlich eingeschränkt und schließlich auch Aktivitäten der Linksparteien kriminalisiert. Sozialistische Versammlungen wurden mit der Begründung aufgelöst, sie dienten dem Feind als Angriffsgrund und zwängen Sagradien in den Weltkrieg. Nach anhaltenden Protesten der Sozialisten folgten im August 1940 schließlich weitere Restriktionen gegen führende Politiker des Partido Socialista, Abgeordnete des Partido Radical verließen die Partei und schlossen sich der neuen Comunión Nacional an, die zwar keine Staatspartei im eigentlichen Sinn darstellte, aber wesentliches Propagandainstrument der Regierung Álamo wurde und als „politische Organisation der Volksgemeinschaft“ diente, in der alle Gegensätze und Spannungen der pluralistischen Gesellschaft aufgehen und neutralisiert werden sollten.

Sagradien im Zweiten Weltkrieg

Mit der Augustrevision 1940 wurde die Verfassung aus dem Jahr 1892/95 in zentralen Punkten geändert. Staatsname blieb zwar offiziell „República Sagradêsa“, im öffentlichen Leben wurde aber fortan die Bezeichung „Sagradischer Staat“ (Estado Sagradês) bevorzugt. Die Stellung des Staatspräsidenten wurde deutlich gestärkt, die des Parlamentes geschwächt, da den Präsidenten nicht mehr mit einfacher Mehrheit absetzen konnte. Der Rat der Republik wurde nach ständestaatlichen Vorstellungen als ’’Staatsrat’’ zur korporatistischen Vertretung umgewandelt. Das Näheverhältnis zur katholischen Kirche blieb zwar nicht spannungsfrei, stellte aber eines der wichtigen Fundamente der Nationalen Kommunion dar. Aus dem sagradischen Rechtsstaat wurde unter Álamos Führung nun ein autoritäres Notstandsregime. Die paramilitärischen Einheiten der Volksunion (Juntas Accionistas) wurden in der Miliça Nacional eingegliedert. Als Geheimdienst im Inneren fungierte die Policía Interior de Securitá (PIS), neben der unabhängig der Ordre Secreto besondere Funktionen übernahm und direkt dem Premierminister unterstand.

Zentral für den weiteren Kriegsverlauf sollte die Kontrolle über den Bretagnekanal werden, weswegen beide Kriegsseiten aktiv um die Gunst der Álamo-Regierung in Sagradien warben. Bereits im Frühjahr 1940 hatte es britische Pläne gegeben, eine Invasionsarmee in die sagradische Bretagne zu entsenden, um den wichtigen Kanal unter Kontrolle zu bringen, ehe dies die Deutschen tun konnten. Diese wurden mit Rücksicht auf Sagradiens offiziellen diplomatischen Status aber nicht durchgeführt. Nach dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 begann sich die öffentliche Meinung in Sagradien zum Krieg zu drehen. Die Zugeständnisse an Deutschland, mit dem Ziel die Neutralität zu wahren, wurden auch innerhalb der Nationalen Kommunion zunehmend unpopulär. Dazu kamen anhaltende Verletzungen der sagradischen Neutralität durch – angeblich versehentliche – deutsche Angriffe aus der Luft und auf See sowie Versuche, das Land durch Spione zu infiltrieren. Der Druck auf Álamo, Deutschland den Krieg zu erklären, wurde in der zunehmend anti-deutsch gestimmten Öffentlichkeit immer größer.

In der Konsequenz erklärte Sagradien dem Deutschen Reich am 2. April 1942 den Krieg und trat damit auf Seiten der Alliierten ins Kriegsgeschehen ein. Mit dem Kriegseintritt ging die Entscheidungsgewalt wesentlich auf Präsident Luciano Capón und den Oberbefehlshaber General Oscar Taglle Rodríguez über. Dagegen verloren die Nationale Kommunion und mit ihr Premierminister Manuel Álamo schnell an Einfluss. Nach anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Capón und Álamo wurde der Regierungschef am 5. Juni 1942 entlassen und durch seinen parteiinternen Kontrahenten Amentino Xavier-Castrell ersetzt. Diesem folgte im November schließlich der parteilose frühere Zentralbankchef und Ministerpräsident Sergio Rafael Dini nach, der ein Kabinett der nationalen Verteidigung bildete.

Nach der sagradischen Kriegserklärung nahmen deutsche Truppen schlagartig Fidelfe und weitere Städte an der sagradischen Ostküste ein, um sich den Zugang zum Kanal zu sichern (Operation Roderich). Binnen weniger Tage brachten deutsche Truppen nun große Teile des sagradischen Nordostens unter ihre Kontrolle und setzten dort den entlassenen Stellvertreter Manuel Álamos Caro Mêstre als Chef einer Gegenregierung mit Sitz im ceundalischen Fidelfe ein (Regierung von Fidelfe, die als deutsche Marionettenregierung fungierte. In den besetzten Gebieten begannen die Deutschen – unterstützt von sagradischen Kollaborateuren – mit der Verfolgung der sagradischen Juden. Gleichzeitig bildete sich eine Widerstandsbewegung, die vor allem von Kommunisten und Sozialisten getragen wurde. Der Partisanenbewegung gelangen wichtige Schläge gegen die Deutschen. Unterstützt wurden sie durch eine allgemeine Streikwelle, die das Regime in Fidelfe im Sommer 1944 nachhaltig destabilisierte. Der Landung der Allierten in der Normandie am 6. Juni 1944 folgte der endgültige Sieg der sagradischen Truppen und der Alliierten gegen Deutschland und die Mêstre-Kollaborateure. Die Kapitulation der letzten Regierungstruppen der Regierung von Fidelfe im August 1944 gilt als endgültiges Ende des Zweiten Weltkriegs auf sagradischem Boden.

Dritte Sagradische Republik

Die Wiederbegründung der Republik

Mit der Übertragung der gesamten Exekutivgewalt auf die Regierung Dini im Januar 1945 begann in Sagradien der zivile Wiederaufbau. Der Kriegszustand wurde beendet. Die korporatistischen Verfassungsrevisionen von 1940 wurden weitgehend revidiert und die Bürgerrechte wieder eingesetzt. Der Staatsrat wurde aufgelöst und die ’’Dritte Sagradische Republik’’ ausgerufen. Die Kommunistische Partei wurde wieder zugelassen und an der Regierung beteiligt. Im August 1945 kam es schließlich zur Wahl zu einer Nationalversammlung, die eine neue Verfassung ausarbeiten sollte. Die Volksunion, de größte Rechtspartei der vergangenen Republik, nahm nicht mehr an den Wahlen teil. Zu sehr war die Herrschaftszeit Manuel Álamos in Verruf geraten. Unter Einfluss des linken und liberalen Flügels der früheren Volksunion wurde als Nachfolgeorganisation der christdemokratisch inspirierte Partido Popular de Convergência gewählt, der sich für eine parlamentarische Demokratie aussprach. Stärkste Kraft bei den Wahlen wurden aber die Sozialisten, gefolgt von den Christdemokraten und den Kommunisten. Zum Präsidenten der Nationalversammlung wurde der Christdemokrat Ariel Fernando De la Roya gewählt. Einen Tag nach der Konstituierung der Versammlung wählte die Versammlung Sergio Dini zum provisorischen Staatsoberhaupt Sagradiens (Presidente Provisional de la República Sagradêsa) und den ehemaligen sozialistischen Ministerpräsidenten José António Saviola zum neuen Präsidenten der Provisorischen Regierung (Presidente del Governo Provisional), der die so genannte "Demokratische Koalition" aus Sozialisten, Christdemokraten, Kommunisten und Radikalen fortführte. In der Opposition dazu standen lediglich die konservativ-liberale Rechte, die jede Zusammenarbeit mit der kommunistischen Linken ablehnten, sowie mehrere rechte Splitterparteien, die als nicht koalitionsfähig angesehen wurden.

In der Folge einigten sich die Parteien der Demokratischen Koalition auf eine liberal-parlamentarische Verfassung sowie auf ein umfassendes Wirtschaftsprogramm, das Sagradien zu einer gemischten Ökonomie aus marktwirtschaftlichen und planwirtschaftlichen Elementen machen sollte, wenngleich der marktwirtschaftliche Rahmen als starke Basis diente. Nichtsdestotrotz führte die Demokratische Koalition die Tariffreiheit ein, erließ eine gesetzliche Mindestlohnregelung und einigte sich auf einige zentrale Verstaatlichungen. Damit gelang es der neuen Regierung, zentrale Streitfragen der Zweiten Republik im breiten Konsens zu lösen und die Polarisierung zwischen der Linken und der Rechten zumindest für eine gewisse Zeit lang zu überwinden. Gleichzeitig wurde der Grundstein für den ausgebauten sagradischen Wohlfahrtsstaat gelegt, der in den Folgejahren als Basis des ökonomischen Aufschwungs betrachtet wurde.

Die von der Demokratischen Koalition erarbeitete Verfassung der Dritten Sagradischen Republik wurde im Juli 1946 in einem Referendum dem Volk zur Abstimmung vorgelegt und wurde mit deutlicher Mehrheit der Wahlberechtigten angenommen. Sie trat daraufhin am 20. Juli 1946 in Kraft. Anders als in der Zweiten Republik sollte der Präsident der Republik als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Truppen zukünftig für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt vom Volk gewählt werden. Daneben wurde aber das parlamentarische Prinzip verankert, da die vom Präsidenten ernannte Regierung unter Führung des Präsidenten des Ministerrats ganz vom Vertrauen der Abgeordnetenkammer abhängig sein sollte. Neben der nach Verhältniswahlrecht gewählten Abgeordnetenkammer wurde auch der Rat in Form eines nach Mehrheitswahl zu bestimmenden Senats wieder eingerichtet, dessen Kompetenzen aber gegenüber denen der Kammer deutlich zurücktraten. Die neue Verfassung glich in großen Teilen einem deutlichen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Regierungsparteien. Während die bürgerlichen Parteien beispielsweise gegenüber den linken ein Zweikammer- gegenüber einem Einkammersystem durchsetzten, wehrten letztere die Überlegungen zur Einführung eines Mehrheitswahlrechts auch für die Kammer ab.

Von der Demokratischen Koalition zum Zentrumsblock

Wenige Wochen nach Inkraftreten der Verfassung kam es erstmals zu Parlamentswahlen zur Abgeordnetenkammer wie für den Senat. Die unterschiedlichen Wahlmodi führten dabei auch zu unterschiedlichen Mehrheitsverhältnissen. Während der Senat mehrheitlich an die bürgerlichen Parteien ging und die christdemokratische Volkspartei die größte Einzelfraktion stellte, wurden bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1946 die Sozialisten knapp stärkste Kraft vor den Christdemokraten und den Kommunisten. Auf die Regierungsparteien der Demokratischen Koalition entfielen über drei Viertel der Stimmen, während die Parteien der antidemokratischen Rechten kaum eine Rolle spielten.

Unter dem Sozialisten Francisco Dorado wurde schließlich die erste konstitutionelle Regierung der Dritten Republik gebildet. Sie bestand wiederum aus den Parteien der Demokratischen Koalition und suchte die Konsenspolitik fortzusetzen. Im Zeichen des entstehenden Kalten Krieges und der Entscheidungen über die außenpolitische Bündnis-Integration Sagradiens kam es zu einer zunehmenden Entfremdung der Regierungspartner, die schließlich auch – nach einer liberalen Wendung der Volkspartei – in der Wirtschaftspolitik zu unterschiedlichen Positionen kamen. In der Auseinandersetzung um die Marshallplanhilfen zerbrach die Demokratische Koalition schließlich im März 1947. Der neuen Regierung unter António Delauro gehörten die Kommunisten nicht mehr länger an. Wenige Monate später folgte auch der Austritt der Sozialistischen Partei aus der Regierung, der jedoch von einigen Ministern nicht mitvollzogen wurde und schließlich zur zeitweiligen Spaltung der Sozialistischen Partei führte. Der rechte Flügel der Sozialisten (PSD) unter der Führung Santo de la Ilpas begründete daraufhin zusammen mit der von Paulo Luciaro angeführten Volkspartei und dem Partido Radical eine neue "Zentrumskoalition", die sich als westliche antiextremistische Konsenskoalition verstand. Bis 1949 amtierte Santo de la Ilpa als Ministerpräsident, ehe er von Paulo Luciaro abgelöst wurde, der mit dem PPC schließlich die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950 deutlich gewann und bis 1960 Ministerpräsident blieb.

In der Wirtschafts- und Sozialpolitik blieb die Koalition des Zentrumsblocks im Grunde dem Kurs der Demokratischen Koalition treu, auch wenn vor allem die Volkspartei von nun an stärkere Akzente auf die marktwirtschaftliche Komponente zu setzen suchte. In der Außenpolitik, die von Ministerpräsident Luciaro (PPC) und Außenminister De la Ilpa (PSD) wesentlich geprägt wurde, setzte die Zentrumskoalition die deutliche Westorientierung Sagradiens gegen Widerstände von rechts und von links durch. Ziele waren die tiefere Integration in NATO, die Aussöhnung mit den westeuropäischen Nachbarn und eine stärkere westeuropäische Zusammenarbeit. Luciaro und Ilpa unterstützten die NATO-Gründung 1949, den Schuman-Plan sowie die Pläne für eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft. Unter der Regierung Luciaro-Ilpa gehörte Sagradien zudem 1951 zu den Gründern der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ('Montanunion'). Luciaro und Ilpa gelten deswegen auch neben Robert Schumann, Jean Monnet, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer als Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft. Außerdem bemühte sich die Koalition um einen Ausgleich mit Micolinien und eine endgültige Regelung der Golen-Frage, die aber erst nach Bruch der Koalition im Sommer 1955 in den Golischen Verträgen erreicht wurde. Sagradien verzichtete in den Golischen Verträgen offiziell auf die 1936 von Micolinien annektierten sagradischen Teile Golens und erreichte eine Kompensationszahlung von der micolinischen Regierung. Außerdem wurden die Rechte der sagradischen Minderheit in Micolinien ausgeweitet und Sagradien erhielt eine wirtschaftliche Privilegierung.

Sagradisches Wirtschaftswunder und Rückkehr der moderaten Polarisierung

Nach den politischen Krisenjahren kam es in den 1950er Jahren in Sagradien wie in vielen anderen westeuropäischen Ländern zu einem deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der dank Wachstum und Arbeit einen Ausbau der sozialstaatlichen Sicherungen auf Grundlage des marktwirtschaftlichen Modells ermöglichte. Der Aufschwung wurde von vielen als Verdienst der christdemokratischen Volkspartei der Konvergenz des populären Ministerpräsidenten Paulo Luciaro angesehen. Unter Luciaro gelang es der katholischen Partei, mit einer Mischung aus pragmatischer Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik im Sinne der katholischen Soziallehre und einem gesellschaftspolitisch konservativen Kurs die politische Mitte in einer Weise zu hegemonialisieren, wie es den sagradischen Christdemokraten danach nie wieder gelingen sollte. Luciaros Volkspartei konnte dabei in großen Teilen das Wählerpotenzial ansprechen, das in der Zweiten Republik zu den Unterstützern der antidemokratischen katholischen Rechten gehört hatte, band diese aber an die demokratische und parlamentarische Ordnung und ließ post- und neofaschistische Wettbewerber auf der politischen Rechten weitgehend chancenlos. Damit verbunden war freilich der Verzicht auf eine konsequente Aufarbeitung der autoritären Vergangenheit der katholischen Rechten und die Anknüpfungspunkte an die Faschisten, von denen sich Luciaros PPC deutlich distanzierte.

In Opposition zum Zentrumsblock standen neben der äußeren Rechten vor allem die Sagradische Kommunistische Partei sowie der linke Flügel des Partido Socialista, der jedoch stetig zwischen Annäherung und Abgrenzung gegenüber den Kommunisten schwankte und stetig an Unterstützung durch die Wähler verlor. 1946 noch die stärkste Partei, erreichte der PS bei den Kommunalwahlen 1948 nicht einmal 20 Prozent der Stimmen und fiel in einigen Hochburgen hinter die Kommunisten zurück. Die KPS gewann zwar durch ihre Widerstandsarbeit ganz neue Wählerpotenziale, schaffte es aber nicht, von der Schwäche der Sozialisten in einem Maß zu profitieren wie etwa die italienischen oder französischen Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg. Stattdessen übersteigten die Wähleranteile der PCS bei nationale Wahlen nur ein einziges Mal die Marke von 17 Prozent und pendelte danach zwischen zehn und 15 Prozent der Stimmen ein, während der PS sich diesem Niveau ebenfalls annäherte. Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950 erreichte die Sozialistische Partei nur noch knapp über 19 Prozent der Wähler und suchte in der Folge wieder eine Annäherung an den abgespaltenen rechten Parteiflügel, der nach der enttäuschenden Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954 mit zusammen nur noch 22 Prozent für die beiden sozialistischen Konkurrenten schließlich gegen den Willen Ilpas aus der Zentrumskoalition ausschied. In der Folge kam es zu einer Neuordnung der politischen Landschaft. Die christdemokratische Volkspartei ging ein Bündnis mit den Parteien der Demokratischen Union ein, einem bürgerlich-liberalen Wahlbündnis, das 1954 gegründet und 1961 schließlich zur Partei UDS umgewandelt wurde. Zur UD gehörten sowohl konservativ-liberale Gruppen wie auch der rechte Flügel des alten Partido Radical, die nun mit den Christdemokraten eine konservativ-liberale Koalition eingingen. Gegenüber dem Zentrumsblock wurden auf diese Weise die großbourgeoisen und wirtschaftsliberalen Elemente gestärkt. Auf der anderen Seite bemühten sich die zersplitterten sozialistischen Gruppierungen auf der Linken um eine Wiedervereinigung des alten PS. Bereits vor dem Ungarn-Aufstand 1956 hatten sich die Sozialisten unter dem neuen Parteisekretär António Santiago von der KPS distanziert und den außenpolitischen Positionen der Rechten angenähert.

1957 schließlich kam es zur Gründung einer neuen sozialistischen Sammlungspartei, der Aliança Socialista d'Unitá Lavorista, in der erstmals nicht nur traditionelle sozialistische Arbeiter, sondern auch Katholiken und Linksbürgerliche eine Heimat finden sollten. Schnell entwickelte sich die neue ASUL zu einem Integrationspol der linken Mitte und als Gegengewicht zum nach rechts treibenden PPC. In den Sechziger Jahren entwickelte sich auf diese Weise ein stabiles moderat polarisiertes Parteiensystem. Formal ähnelte es dem der späteren Zweiten Republik mit einer großen sozialistischen und einer katholischen Partei, einem kommunistischen Flügel, einem schwachen sozialliberalen Zentrum in Form des Partido Radical-Democrático und einer rechtsliberalen Gruppierung. Im Gegensatz zur Zeit vor 1938 begegneten sich nun aber keine unversöhnlichen Lager mehr, die sich gegenseitig bekriegten. Stattdessen orientierte sich auch die ASUL in den 1960er Jahren deutlich zur politischen Mitte hin, erkannte die internationale Bindung Sagradiens in NATO und EG an und operierte zudem auf einer marktwirtschaftlichen Grundlage, während auch die katholische Rechte keine autoritäre Umformung mehr verfolgte.

Die frühen Sechziger Jahre

Die Sechziger Jahre waren schließlich in Sagradien von einer zunehmenden Erosion des Gründungskonsenses zwischen den Lagern und einer zunehmenden politischen Polarisierung geprägt. Mit Paulo Luciaros Rücktritt Anfang 1960 verließ der prägende Politiker der vergangenen fünfzehn Jahre die sagradische Politik. Sein Nachfolger als Premierminister Carles Angel Favale (seit 1964 erst als Parteivorsitzender) repräsentierte stärker als Luciaro den Typus des konservativ-katholischen Rechtsauslegers und polarisierte auch in seiner eigenen Partei. Eine ähnlich unangefochtene Stellung wie Luciaro erreichte er daher zu keiner Zeit. Im Gegenteil erreichte er vor allem die jüngeren Wählerschichten nicht, die sich seit Anfang der Sechziger Jahre zunehmend für eine Liberalisierung gesellschaftlicher Werte und Formen begeistern ließen. Es gelang Favale denn auch nicht, bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1962 an die Erfolge Luciaros anzuknüpfen. Nachdem die Mitte-Rechts-Koalition zunehmend uneinig gewirkt hatte, verlor sie 1962 schließlich ihre parlamentarische Mehrheit in einer Situation, in der eine mittlere Wirtschaftskrise den Wirtschaftsaufschwung der Fünfziger Jahre zu beenden schien. Dass es in der Folge unter dem moderaten Christdemokraten Martín Ánibal Costa zu einer Großen Koalition aus Christdemokraten und Sozialisten kam, bestätigte das grundsätzliche Konsensklima der neuen Republik im Vergleich zur alten. Dies war auch das Ziel der Regierungsparteien, die mit dem Erstarken der politischen Ränder einen Rückfall in die alte Republik befürchteten. Vor allem der Einzug der Volksbruderschaftspartei, einer nationalistischen, populistischen und modernisierungsfeindlichen Sammlungsbewegung der alten Mittelschichten, schürte Erinnerungen an die Erfolge der Faschisten in den Dreißiger Jahren.

Trotz diesem Willem zum Konsens bei den Regierungsparteien gestaltete sich die Arbeit in der Regierung schwierig, zumal die Volkspartei vor allem von eigenen Machtkämpfen in der Partei geschwächt war und ASUL-Chef António Santiago es vorzog, außerhalb der Kabinettsdisziplin zu verbleiben. Es gelang der Koalition zwar, einige wirtschaftliche Aufschwungprogramme in Gang zu setzen, nach einem Jahr kam es aber zu vorgezogenen Neuwahlen, bei denen die liberale UDS von ihrer Oppositionsrolle profitieren konnte. Gleichzeitig wurden die Sozialisten zum ersten Mal seit 1946 wieder die stärkste Kraft im Parlament. DIe Volksbruderschaftspartei unter ihrem populistischen Anführer Álvaro Blanxard Rovira konnte sich erneut auf fast sieben Prozent der Stimmen steigern. Im Wahlkampf waren deren Anhänger uniformiert und protestierend durch die Städte gezogen und hatten dabei nationalistische und teilweise auch antisemitische Parolen verkündet. Die Partei verfügte über kein konsistentes Parteiprogramm und setzte vor allem auf Vorurteile und in Teilen der Bevölkerung noch immer verbreitete Ressentiments gegen die parlamentarische Demokratie. Die Unfähigkeit der Großen Parteien zur konstruktiven Zusammenarbeit nutzte er, um ähnlich wie die Rechte der Zweiten Republik für eine autoritäre Umgestaltung in Form einer Präsidialdemokratie mobil zu machen. Vor allem aber stellte sich die Partei gegen den verbreiteten Willen der sagradischen Kolonien nach Unabhängigkeit, dem die großen Parteien einer nach dem anderen nachzugeben schienen. Vor allem der christlich-sozialistische Kolonialminister Nino Cabal wurde zur Zielscheibe der verbalen Angriffe der Blanxardisten, die seiner Politik Verrat an den nationalen Interessen vorwarf. Sagradien sei dabei, mit seinen Kolonien seine historische Größe zu verschenken.

Nach der gescheiterten Großen Koalition blieben wenige Alternativen zur Bildung einer erneuten lagerübergreifenden Regierung, dieses Mal unter Führung des ASUL-Generalsekretärs António Santiago. Dieser gab schließlich der schwierigen Option einer erneuten Großen Koalition die Alternative einer Zusammenarbeit mit den beiden liberalen Parteien den Vorrang und bildete die erste sozialistisch-liberale Koalitionsregierung der Dritten Republik aus sozialistischer ASUL, linksliberaler PRD und rechtsliberaler UDS. Als Santiago nach wenigen Monaten im Amt verstarb, folgte ihm schließlich Außenminister Iacovo Del Pérez als Ministerpräsident und ASUL-Sekretär nach.

1964 schied mit Präsident Ariel Fernando De la Roya - acht Jahre nach dem Tod Santo de la Ilpas und vier Jahre nach dem Rücktritt Paulo Luciaros – eine weitere Identifikationsfigur der neuen Republik aus dem Amt. De la Roya hatte bereits in der Zweiten Republik zur liberal-katholischen Minderheit gehört und danach wesentlich die Idee einer demokratisch-katholischen Partei verfolgt. 1945 war er Präsident der Nationalversammlung und danach des Senats geworden. 1948 zum zweiten Mal Bürgermeister von Semess - bis 1988 als letzter Christdemokrat - wurde er schließlich 1954 zum dritten Präsidenten der Dritten Republik gewählt und 1959 mit überragender Mehrheit bereits im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Als sozial engagierter Katholik mit einem gewinnenden Auftreten erreichte De la Roya große Beliebtheitswerte. Seine zurückhaltende, aber nicht unpolitische Art der Amtsführung prägte das Amt nachhaltiger als die seiner beiden Vorgänger. Vor allem außenpolitisch setzte Roya Akzente in europäischen Integrationspolitik, aber auch in der "Entdeckung" der Dritten Welt. Er wurde vor allem als Repräsentant der neuen demokratischen, wenn auch paternalistischen Republik wahrgenommen und von der Bevölkerung liebevoll als "Onkel" bezeichnet. Royas Nachfolger Carles María Ortega erreichte derartige Popularitätswerte nicht. Als langjähriger Diplomat und Parteivorsitzender des PPC besaß er eine weniger offene Art als sein Vorgänger und übte sich in staatsmännischer Würde.

Radikalisierung und Revolte in den späten Sechziger Jahren

Die sozialistisch-liberale Regierung unter Iacovo Del Pérez litt ähnlich wie die Vorgängerregierung der Großen Koalition unter den geringen politischen Schnittmengen der Koalitionspartner. Dennoch gelang es Del Pérez über zweieinhalb Jahre, eine Mehrheit für seine Regierung zu organisieren. Akzente legte die neue Regierung vor allem in der Verwaltungspolitik, in dem sie erstmals die überfälligen, schon in der Verfassung von 1946 angekündigte, Gesetzgebung über die Einrichtung von regionalen Selbstverwaltungsorganen verabschiedete. Damit wurde die unitarische Republik ein Stück weit dezentralisiert, in dem neben den bestehenden vier Autonomen Provinzen auch die eingerichteten 17 Regionen des Mutterlandes eigene Volksvertretungen und Administrationen erhalten sollten. Die ersten Regionalräte traten schließlich 1968 als Delegiertenversammlungen der Provinzialverwaltungen zusammen und gaben ihrer Region jeweils ausführende Statuten. 1969 fanden schließlich wie vorgesehen die ersten Direktwahlen zu den Räten der Regionen statt. Die Autonomen Provinzen Ambristal, Bretagne, Cuentez sowie Aziz erhielten zudem den Status Autonomer Regionen und behielten ihre erweiterten Autonomierechte. Die im Código Cabal durchgeführte Verwaltungsreform ist als wichtige Wegmarke im sagradischen Devolutionsprozess anzusehen, der bis heute anhält. Daneben wurde unter Del Pérez auch die letzten Kolonien Mosambik, Guinea-Bissau und Oguana in die endgültige Unabhängigkeit entlassen. Außenpolitisch setzte sich die Regierung Del Pérez für eine Intensivierung des Dialogs mit den westlichen Nachbarn ein, die nicht den Europäischen Gemeinschaften angehörten. Im Sommer 1965 nahmen Micolinien, Sagradien und San Cristo offizielle Dreistaatengespräche über eine verstärkte Zusammenarbeit auf, die fortan zweijährlich wiederholt werden sollten.

Mit dem Austritt der rechtsliberalen Unionsdemokraten aus der Regierung Anfang 1967 verlor die Mitte-Links-Regierung Del Pérez schließlich ihre parlamentarische Mehrheit. Del Pérez wurde durch ein Misstrauensvotum der Rechten sowie der Kommunisten gestürzt. Aus vorgezogenen Neuwahlen zur Abgeordnetenkammer ging schließlich die oppositionelle Volkspartei unter Carles Angel Favale als Sieger hervor. Favale kehrte damit nach fünf Jahren in die Präsidentschaft des Ministerrats zurück und bildete eine konservativ-liberale Minderheitsregierung seiner Partei mit der UDS, die anfänglich von den Radikaldemokraten gestützt wurde. Kontrovers war in dieser Konstellation von Beginn an das Verhältnis der Minderheitsregierung zur blanxardistischen PFP, die ankündigte, eine anti-sozialistische Regierung Favale unter bestimmten Umständen zu unterstützen.