Partido Popular - Convergência Social Democrática: Unterschied zwischen den Versionen
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Die ohne Mehrheit regierende Koalition war schließlich im Winter 1969/70 am Ende und Favales Ministerpräsidentschaft gescheitert. Präsident Ortega beauftragte den UDS-Chef und Vizepremier Carles Méndez mit der Bildung eines neuen Kabinetts, das die PRD einschließen sollte und sich damit auf eine Mehrheit im Parlament stützen sollte. Favale stimmte angesichts schlechter Wahlprognosen bei sofortigen Neuwahlen schließlich zu und trat dem Kabinett als Minister ohne Geschäftsbereich bei, das unter Führung von Méndez aus dessen UDS, der CSD und den liberalkonservativen Republikanern sowie dem PRD bestand und im Parlament eine - wenn auch fragile - Mehrheit besaß, die sie jedoch nach einem Linksschwenk der Radikaldemokraten bereits nach wenigen Monaten wieder einbüßte. Aus [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970|vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 1970]] gingen die Sozialisten unter ihrem charismatischen Spitzenkandidaten [[Joán Caval]] als klarer Sieger hervor und überschritten erstmals die 40-Prozent-Marke. Die Volkspartei unter Favale fiel wieder auf unter 33 Prozent zurück und landete damit abgeschlagen auf dem zweiten Rang ohne jede Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung. Die Niederlage drängte die PP-CSD damit zurück in die Opposition und führte zum Rückzug Favales vom Parteivorsitz. | Die ohne Mehrheit regierende Koalition war schließlich im Winter 1969/70 am Ende und Favales Ministerpräsidentschaft gescheitert. Präsident Ortega beauftragte den UDS-Chef und Vizepremier Carles Méndez mit der Bildung eines neuen Kabinetts, das die PRD einschließen sollte und sich damit auf eine Mehrheit im Parlament stützen sollte. Favale stimmte angesichts schlechter Wahlprognosen bei sofortigen Neuwahlen schließlich zu und trat dem Kabinett als Minister ohne Geschäftsbereich bei, das unter Führung von Méndez aus dessen UDS, der CSD und den liberalkonservativen Republikanern sowie dem PRD bestand und im Parlament eine - wenn auch fragile - Mehrheit besaß, die sie jedoch nach einem Linksschwenk der Radikaldemokraten bereits nach wenigen Monaten wieder einbüßte. Aus [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970|vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 1970]] gingen die Sozialisten unter ihrem charismatischen Spitzenkandidaten [[Joán Caval]] als klarer Sieger hervor und überschritten erstmals die 40-Prozent-Marke. Die Volkspartei unter Favale fiel wieder auf unter 33 Prozent zurück und landete damit abgeschlagen auf dem zweiten Rang ohne jede Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung. Die Niederlage drängte die PP-CSD damit zurück in die Opposition und führte zum Rückzug Favales vom Parteivorsitz. | ||
| − | === Die | + | === Die Oppositionszeit der Siebziger === |
Neuer Parteivorsitzender der PP-CSD wurde noch im Spätherbst 1970 Fraktionschef [[Márcio Ellévez Perón]], der bisher stets in der zweiten Reihe der Politik gestanden hatte und als Kompromisskandidat der Parteiflügel galt. Im Gegensatz zu dem bisweilen europaskeptischen Favale stand Ellévez für eine pro-europäische Außenpolitik und eine liberale Wirtschaftspolitik, die auf die Kräfte des Marktes zur Überwindung der wirtschaftlichen Probleme des Landes setzte. In der Innenpolitik versuchte Ellévez moderate Kurskorrekturen durchzubringen, die den konservativen mit dem liberalen Parteiflügel versöhnen sollten. Die Aufgabe Ellévez’ wurde es daher, die Reformpolitik der [[Linksregierung Caval|Kabinett Caval I]] zu bekämpfen und bürgerliche Alternativen aufzuzeigen. | Neuer Parteivorsitzender der PP-CSD wurde noch im Spätherbst 1970 Fraktionschef [[Márcio Ellévez Perón]], der bisher stets in der zweiten Reihe der Politik gestanden hatte und als Kompromisskandidat der Parteiflügel galt. Im Gegensatz zu dem bisweilen europaskeptischen Favale stand Ellévez für eine pro-europäische Außenpolitik und eine liberale Wirtschaftspolitik, die auf die Kräfte des Marktes zur Überwindung der wirtschaftlichen Probleme des Landes setzte. In der Innenpolitik versuchte Ellévez moderate Kurskorrekturen durchzubringen, die den konservativen mit dem liberalen Parteiflügel versöhnen sollten. Die Aufgabe Ellévez’ wurde es daher, die Reformpolitik der [[Linksregierung Caval|Kabinett Caval I]] zu bekämpfen und bürgerliche Alternativen aufzuzeigen. | ||
In der Opposition zur Regierung Caval kam es innerhalb der PP-CSD zu einem Generationenwechsel. Die alten Flügel um Ánibal Costa, Favale und Luciano González verloren zunehmend an Einfluss, während neue Gesichter nachdrängten wie der Regionalpräsident von [[Liez-Corar]] [[Santo de la Nada]], Vertreter des christdemokratisch-liberalen Flügels, [[Francisco Casano]], Führer des christlich-sozialen Arbeitnehmerflügels, oder der ehemalige Bauminister [[Santo Moya]], der als Vertreter des rechten wirtschaftsnahen Flügels wahrgenommen wurde. | In der Opposition zur Regierung Caval kam es innerhalb der PP-CSD zu einem Generationenwechsel. Die alten Flügel um Ánibal Costa, Favale und Luciano González verloren zunehmend an Einfluss, während neue Gesichter nachdrängten wie der Regionalpräsident von [[Liez-Corar]] [[Santo de la Nada]], Vertreter des christdemokratisch-liberalen Flügels, [[Francisco Casano]], Führer des christlich-sozialen Arbeitnehmerflügels, oder der ehemalige Bauminister [[Santo Moya]], der als Vertreter des rechten wirtschaftsnahen Flügels wahrgenommen wurde. | ||
Das Parteiprogramm von 1973 definierte die Partei als „Partei der christlichen und solidarischen Mitte“, basierend auf den Werten der katholischen Soziallehre und dem Primat der eigenverantwortlichen Person. Es wurde allgemein als Sieg der Reformbewegung innerhalb der Partei angesehen, welche die Partei wieder in die Mitte rücken wollte. Dies stand in Kontrast zur harten Oppositionspolitik der Jahre 1970-1974, die größtenteils als antisozialistisch-bürgerlicher Gegenkurs zur Politik der regierenden Linken formuliert worden und dem konservativen Duktus der Sechziger Jahre verhaftet geblieben war. | Das Parteiprogramm von 1973 definierte die Partei als „Partei der christlichen und solidarischen Mitte“, basierend auf den Werten der katholischen Soziallehre und dem Primat der eigenverantwortlichen Person. Es wurde allgemein als Sieg der Reformbewegung innerhalb der Partei angesehen, welche die Partei wieder in die Mitte rücken wollte. Dies stand in Kontrast zur harten Oppositionspolitik der Jahre 1970-1974, die größtenteils als antisozialistisch-bürgerlicher Gegenkurs zur Politik der regierenden Linken formuliert worden und dem konservativen Duktus der Sechziger Jahre verhaftet geblieben war. | ||
Version vom 18:09, 20. Jan 2011
Der Partido Popular - Convergência Social Democrática (kurz PP-CSD, deutsch Volkspartei - Sozialdemokratische Konvergenz), oft nur als Partido Popular bezeichnet, ist eine konservativ-christdemokratische Partei in Sagradien und die größte Mitte-Rechts-Partei des Landes. Derzeit stellt sie mit Parteichef Miguel Ánibal Luisanto und seinem Vorgänger Roberto Vidéas Braga den Ministerpräsidenten und den Staatspräsidenten des Landes. Bekannte Parteivorsitzende der Vergangenheit waren Paulo Luciaro, Santo Moya oder Josep Otero.
Die PP-CSD wurde 1952 unter dem Namen Convergência Social Democrática gegründet und ging aus der christdemokratischen Christlichen Zentrumspartei (PCC) und dem von ihr dominierten Wahlbündnis Convergência hervor, das anlässlich der Senatswahlen 1949 und der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1952 gebildet worden war. Nach einer Fusion mit der liberalen Federación de Democráticoes per la Libertá (FDL) im Jahr 1965 nahm sie ihren heutigen Namen an. In der Öffentlichkeit wird sie aber meist kurz als Volkspartei bezeichnet und tritt meist auch nur unter diesem Namen (jedoch mit dem Kürzel PP-CSD) an.
Die PP-CSD vesteht sich heute als moderne sagradische Volkspartei mit einem liberalen, konservativen und christdemokratischen Ursprung. Trotz ihres Namens hat sie jedoch keine klassisch sozialdemokratischen Wurzeln und vertritt auch keine sozialdemokratische Politik. Das Begriffspaar Social Democrática ist stattdessen als Bekenntnis zum Sozialstaat und zur demokratischen Grundordnung zu verstehen. Die PP-CSD ist Mitglied der Europäischen Volkspartei (EVP) und der Christdemokratischen Internationale (CDI) sowie der Internationalen Demokratischen Union (IDU) vornehmlich konservativer Parteien.
Inhaltsverzeichnis
Parteigeschichte
Bürgerliche Parteien nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zusammenbruch des autoritär-faschistischen Álamo-Regimes und dem Ende des von der katholisch-klerikalen Comunión Nacional beherrschten Ständestaats bildeten sich in Sagradien mehrere Parteien, die sich als bürgerliche Sammlungsbewegungen verstanden. Aus Reihen katholischer Widerstandskämpfer, früherer Aktivisten der christdemokratischen Partido Democrático Popular (PDP) und in Opposition zum Álamo-Regime stehender Menschen wurde im Januar 1944 unter der Führung von Ariel de la Roya und Paulo Luciaro die Partido de Cientro Cristiano (PCC) gegründet, die sich als christdemokratische Partei verstand und vornehmlich Katholiken ansprach, sich aber klar zur parlamentarischen Demokratie bekannte und die Ständestaatskonzepte der "alten" katholischen Rechten ablehnte. Daneben gründeten sich mehrere konservative und liberale bürgerliche Parteien, welche die Zugehörigkeit zu einer sich als christlich verstehenden Konfessionspartei ablehnten und sich in die Tradition der bürgerlich-liberalen nicht-konfessionellen Parteien der Zweiten Republik stellten. Zahlreiche dieser Parteien sammelten sich 1944/45 unter der Führung von Daniel La Ponte im Movimiento Popular Democrático, das zunächst als Wahlbündnis und später als Partei organisiert war. Schließlich versuchte die katholisch-konservative Unión Nacional Popular (UNP) an die Tradition der Volksunion der Zweiten Republik anzuknüpften und die früheren Anhänger des Regimes mit der neuen Demokratie zu versöhnen.
Nach der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung, bei der die Christdemokraten stärkste Kraft im bürgerlichen Lager geworden waren, übernahmen diese bald die Führung in der jungen Republik, bildeten mit Kommunisten, Sozialisten und Radikaldemokraten die so genannte Demokratische Koalition und gehörten allen Regierungen der Vierziger Jahre an. Vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs und nach dem Bruch zuerst mit den Kommunisten und dann auch mit den Sozialisten bemühte sich die PCC unter Paulo Luciaro seit 1948 intensiver, neben den Liberalkonservativen des MPD auch die bis dahin am rechten Rand isolierte UNP einzubinden. Im Gegenzug verließen zahlreiche sozialistisch eingestellte linke Christdemokraten die Partei und die Anhänger der Marktwirtschaft setzten sich in der PCC durch. Im Januar 1949 bildete Paulo Luciaro schließlich die so genannte Regierung der Nationalen Konvergenz als reines Mitte-Rechts-Kabinett, dem erstmals auch Vertreter der durch Spaltungen und Wahlniederlagen gebeutelten UNP angehörten.
Wahlbündnis Convergência Social i Democrática und Parteigründung
Vor den Senatswahlen 1949 verständigten sich PCC, MPD und UNP darauf, in zahlreichen Wahlkreisen jeweils Kandidaten einer der Parteien zu unterstützen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand schließlich vor der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1952 das Wahlbündnis Convergência Social i Democrática. Für die Christdemokraten stellte es den Versuch dar, erstmals auch im Lager der nicht-konfessionellen Wähler zu punkten und den Traum einer großen bürgerlichen Sammlungsbewegung zu verwirklichen. Während die Christdemokraten das Wahlbündnis deutlich dominierten und mit Paulo Luciaro den Spitzenkandidaten stellten, war es vor allem für die UNP, aber auch für das zunehmend Zerfallserscheinungen ausgesetzte MPD ein letzter Versuch, sich als parlamentarische Kraft mit eigenem Einfluss zu behaupten und gleichzeitig ein Abwehrbündnis gegen die in der Volksfront zusammengeschlossenen Kräfte der sozialistisch-kommunistischen Linken zu bilden. Neben PCC, MPD und UNP wurde das Bündnis auch von der agrarisch-konservativen Federación Nacional Campesana unterstützt.
Die Liste der Convergência erhielt bei den Kammerwahlen 36,1 Prozent der Stimmen und wurde mit deutlichem Abstand größte Kraft im Parlament. Gemäß der Wahlvereinbarungen bildeten die Parteien eine gemeinsame Fraktion und traten in ein neues anti-kommunistisches und pro-westliches Kabinett unter Paulo Luciaro ein, das sich neben den Parteien der Konvergenz in der so genannten Zentrumskoalition auch auf die Sozialdemokraten Santo de la Ilpas sowie mehrere liberale Parteien stützte. Trotz der Erfolge des Bündnisses führte die enge Anlehnung der Mitgliedsparteien an die Linie des Christdemokraten Paulo Luciaro zu einer Beschleunigung der Zerfallserscheinungen von MPD und UNP, aus denen sich bald wieder liberale und nationalistische Parteien lösten, die den Kurs Luciaros ablehnten. Um einen völligen Zerfall des Bündnisses zu verhindern, strebte Luciaro seit 1951 offen die Überführung der Convergência in eine politische Partei an. Nachdem die Senatswahlen 1952, bei der es auch zu einzlenen Kampfkandidaturen innerhalb des CSD gekommen war, gezeigt hatten, dass die Bewerber der kleineren Parteien des Bündnisses deutlich schlechtere Wahlchancen hatten, als die christdemokratischen Kandidaten, beschlossen die Delegierten auf dem Kongress der Convergência 1952 in Malesc im November 1952 unter großer Fürsprache von Luciaro und PCC-Ikone De la Roya, aber auch auf Empfehlung von MPD-Parteichef Oscar Manuel Corrado und UNP-Chef Fernando Nergüín hin die Gründung des CSD als politische Partei. Erster Parteipräsident wurde Ariel De la Roya, der zudem zum Kandidaten des CSD für die Präsidentschaftswahlen 1954 nominiert wurde. Die eigentliche Macht lag in der Hand des Exekutivausschusses, an dessen Spitze der Präsident des Exekutivausschusses stand (Presidente de la Junta Executiva). Die Tatsache, dass dieses Amt mit Ánibal Demartín ein enger Vertrauter Luciaros ausfüllte, zeigt die Machtstellung an, die Luciaro von Beginn an in der neuen Partei zukam. Daneben waren die Stellvertretenden Parteichefs in wichtigen Positionen. Da aber weder Oscar Corrado, noch Fernando Nergüín nach 1952 im Kabinett vertreten waren, fehlte ihnen der Zugang zum eigentlichen Machtzentrum, das sich innerhalb der Ministerriege der CSD unter Führung Luciaros konstituierte.
Die CSD unter der Führung Paulo Luciaros
Paulo Luciaro prägte wie kein anderer das Profil der Partei in den Fünfziger Jahren. Als erfolgreicher Wahlkämpfer und mit der Rolle des Ministerpräsidenten ausgestattet, trat Luciaro von Beginn an als Chef der Partei auf, ehe er 1954 auch offiziell das Amt des Parteivorsitzenden übernahm. Die Convergência wurde so zur Regierungspartei schlechthin und wesentlich auf die Funktion ausgerichtet, den konservativen Kern der Regierung zu organisieren. Da sich weder die eigentlichen Führungspersönlichkeiten, noch das neue Parteiprogramm wesentlich von der der PCC unterschieden und die neue Partei vor allem auf die gut ausgebauten Organisationsstrukturen der Christdemokratischen Vorgängerpartei zurückgriff, statt völlig neue aufzubauen, kann die CSD in gewissem Sinn als Fortsetzung der Christlichen Zentrumspartei verstanden werden, die jedoch zunehmend auch säkulare Kreise erreichte, auf diese Weise ein Stück weit aus dem katholischen Milieu ausbrach und zur modernen Catch-All-Party wurde.
Die CSD der Anfangsjahre setzte in Tradition zur PCC auf eine gemäßigt-gelenkte, auf das Solidaritätsprinzip setzende Marktwirtschaft, vertrat innen- und gesellschaftspolitisch eindeutig konservative Positionen und brachte die Partei wie das Land außenpolitisch auf einen klaren Westkurs. Zudem vertrat Luciaro ein stark europafreundliches Profil, für das auch PSD-Außenminister Santo De la Ilpa sowie innerhalb der CSD Kabinettschef Roberto Helguerra standen. Prägende Wirtschaftspolitiker der CSD waren neben Corrado v.a. dessen Nachfolger als Finanzminister, Luis Enrico de Piacón, sowie bald auch Carles Angel Favale, der seit 1954 das Finanzministerium leitete. Das erste Grundsatzprogramm der CSD aus dem Jahr 1954 war konservativ und dezidiert antimarxistisch geprägt und betonte die Werte Familie, Bildung, Heim, persönliches Eigentum, eine soziale Grundsicherung und die europäische Aussöhnung in enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Zudem sollte eine europäische Aussöhnung angestrebt werden. Damit war nicht nur den linkskatholischen Sozialisierungsbestrebungen, sondern auch allzu nationalistischen Standortbestimmungen eine Absage erteilt. Besonders die Gegnerschaft zur linken Volksfront, die grundsätzliche Betonung des Eigentums sowie das Festhalten an den traditionellen Werten bildeten nun auch programmatisch das einigende Band der Partei, die sich damit als christlich-konservative Partei darstellte.
Unter Luciaros Führung entwickelte sich die Partei zur dominanten Kraft im sagradischen Parteiensystem und zur mit großem Abstand stärksten Kraft im Parlament. Höhepunkt war die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954, bei der die CSD 42 Prozent der Stimmen und damit mehr als doppelt so viele wie die nächstgrößere Partei (PCS mit 16,9 Prozent) auf sich vereinen konnte. Nachdem Luciaro 1950 die Bildung einer Zentrumskoalition mit den Sozialdemokraten de la Ilpas durchgesetzt hatte, kam es nach der Entmachtung de la Ilpas in seiner Partei und dem Austritt der PSD aus der Koalition im Jahr 1955 zur Bildung einer neuen bürgerlichen Mitte-Rechts-Koalition mit der liberalen Demokratischen Union.
Diadochenkämpfe und Große Koalition
Mit zunehmenden gesundheitlichen Problemen Luciaros zum Ende der Fünfziger Jahre hin begann eine parteiinterne Debatte um die Nachfolge des Premierministers und Parteichefs. Besonders Finanzminister Carles Angel Favale entwickelte sich zum aussichtsreichen Kandidaten, da es ihm gelang, den konservativen Flügel hinter sich zu bringen. Gegen Favale gab es jedoch auch große Vorbehalte, nicht zuletzt wegen seiner Vergangenheit im Álamo-Regime und seiner häufig mangelnden Kompromissbereitschaft. Favale, einst UP-Mitglied und Beamter im Kirchenministerium der CN-Diktatur, war erst 1949 als Verwaltungsbeamter in die PCC eingetreten und konnte diesen rasch als Karrieresprungbrett nutzen. 1949 wurde er Staatssekretär, 1950 Minister für Inneres und 1954 erstmals Abgeordneter sowie Finanzminister. Innerhalb des PCC hatte er bereits zum rechten konservativen Flügel gehört. Favale besaß große Sympathien in der Parlamentsfraktion der CSD und schaffte es darüber hinaus 1958, seinen bisherigen Staatssekretär Martín Nêu Regríguez an die Spitze der Exekutivjunta wählen zu lassen. Bald galt Favale als potenzieller Nachfolger Luciaros, der Favale aber als gefährlichen Kontrahenten wahrnahm und eher seinen Kabinettschef Dián Jocéntilo Sánchez zum Nachfolger aufzubauen suchte.
Schließlich musste Luciaro 1960 auf Druck der eigenen Partei hin vom Premierministeramt zurücktreten, nachdem er aus gesundheitlichen Gründen mehrmals bereits die Amtsgeschäfte hatte ruhen lassen. Das Exekutivkomitee unter Führung von Nêu Regríguez legte sich schließlich auf Favale als Nachfolger fest, der sowohl Luciaros Wunschkandidaten Sánchez als auch Fraktionschef Martín Ánibal Costa hinter sich lassen konnte. Die Koalition mit der UDS wurde fortgesetzt, auch wenn das Klima zwischen dem konservativen und bisweilen autoritär auftretenden Favale und den zunehmend selbstbewussten Liberalen gespannt war. Favale aber schaffte es in der Folge nicht, die Parteiführung zu übernehmen. Nach dem Wechsel Nêu Regríguez’ ins Kabinett wurde mit Carles Toquero ein Anhänger Costas an die Spitze des Exekutivkomitees gewählt, Daniel Marella, der nationale Geschäftsführer der Partei, galt als Anhänger von Sánchez und neuer Fraktionschef wurde mit Ex-Außenminister Carles María Ortega ein relativer Newcomer, der keine Bindungen zu Favale aufwies. Schließlich folgte Luciaro als Parteivorsitzender der CSD 1961 nicht Favale, sondern Ortega nach, der wegen seiner parteipolitischen Unerfahrenheit eher als schwacher Vorsitzender eingeschätzt wurde. Es wurde allgemein erwartet, dass das Machtzentrum auch weiterhin im Kabinett liegen sollte, jedoch zeigte sich Ortega als Fraktions- und Parteichef in einer günstigen Lage, die er auszunutzen verstand.
Die ständigen Querelen in der Führung, die schlechte Performance im Koalitionsspiel mit den Liberalen und das mangelnde Charisma des Spitzenkandidaten Favale führten bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1962 schließlich zu empfindlichen Einbußen für die CSD, die von 40 auf 35 Prozent der Stimmen abrutschte und damit überraschend die Koalitionsmehrheit einbüßte. Das als Niederlage empfundene Ergebnis führte schließlich schneller als erwartet zur Entmachtung Favales, dem die Basis in der Partei fehlte und der vor allem von den potenziellen Koalitionspartnern abgelehnt wurde und erfolgreichen Verhandlungen über eine Regierungsbildung sowohl mit Sozialisten als auch mit Radikaldemokraten - eine der Parteien wurde für ein Bündnis gebraucht - im Wege zu stehen schien. In einem oft als Putsch gegen Favale bezeichneten Zug verbündeten sich Parteichef Ortega und Ánibal Costa und drängten Favale auf einen Verzicht auf die Regierungsführung. Stattdessen nominierte die Parteiführung Ánibal Costa zum Kandidaten für das Premierministeramt und drängte auf die Bildung einer Großen Koalition mit der Sozialistischen Allianz, die bei den Wahlen an Stimmen gewonnen hatte und sich für eine Koalition zur Verfügung stellte.
Die Große Koalition hielt jedoch keine zwei Jahre. Zu prinzipiellen weltanschaulichen Unterschieden der Partner, Differenzen in Sachfragen und persönlichen Antipathien vieler beteiligter Politiker trug auch die andauernde Zerstrittenheit der CSD-Führung zu ihrem Bruch bei. Während Costa nach wie vor ein Parteiamt fehlte und Parteichef Ortega dem Kabinett fern blieb, fungierte Favale als Finanzminister, befand sich in Dauer-Streit mit dem sozialistischen Wirtschaftsminister Ricardo Moreno und wartete auf seine Chance, die Macht in Partei und Regierung zurückzuerobern. Als die Koalition im Herbst 1963 zerbrach, fehlte der CSD ganz im Gegenteil zu den aufstrebenden Sozialisten unter António Santiago eine klare Führung und ein klares Machtzentrum. Die vorgezogenen Kammerwahlen im Dezember 1963 endeten für die CSD mit ihrem zerstrittenen Spitzentrio Costa-Ortega-Favale und mit Costa als Spitzenkandidaten in einem Debakel. Die Partei verlor gegenüber der Wahl ein Jahr zuvor noch einmal fünf Prozentpunkte und landete nur bei 30 Prozent der Stimmen. Damit schnitt sie erstmals schlechter ab als die sozialdemokratische ASUL und hatte keine Chance auf eine Regierungsmehrheit. Ortega versuchte zwar, eine Neuauflage der Großen Koalition - diesmal als Juniorpartner durchzusetzen, die Sozialisten setzten aber lieber auf eine sozialistisch-liberale Mitte-Links-Allianz mit Radikal- und Unionsdemokraten.
Die Ära Favale in Opposition und Regierung
Der erstmalige Gang in die Opposition kam für die CSD einem Kulturschock gleich und stürzte die Partei noch tiefer in ihre Krise. Parteichef Ortega, durch das Scheitern seiner Großen-Koalitions-Strategie nachhaltig geschädigt, gab die Führung auf und erklärte stattdessen seine Kandidatur um das Amt des Präsidenten der Republik. Nach der Rekordniederlage stand auch für den Spitzenkandidaten Costa die Parteikarriere vor dem Ende. Im Kampf um die Führung der Partei setzte sich schließlich Carles Angel Favale durch, der als einziger der drei Kontrahenten der vergangenen Jahre zurückgeblieben war. Die Parteikrise führte zu einer umfassenden Umgestaltung der Partei. Diesesmal ging Favale daran, sich die Macht nachhaltig in den Parteigremien zu sichern und reformierte die komplizierte Führungsstruktur, die sich nach dem Rücktritt Luciaros und dem Fehlen einer unumstrittenen Führungsfigur als untauglich erwiesen hatte. Die vielen verschiedenen Ausschüsse des Parteivorstands wurden abgeschafft und lediglich der Exekutivausschuss als wesentliches Gremium beibehalten. An seiner Spitze sollte aber künftig kein starker Präsident mehr stehen. Stattdessen führte der Parteivorsitzende den Vorsitz, unterstützt vom neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs, der vom Parteichef nominiert werden sollte. Erster Generalsekretär wurde auf Vorschlag Favales Joán Aliureto Perón.
Carles María Ortega schied mit seiner Wahl zum Präsidenten der Republik im Sommer 1964 ganz aus der Parteiführung aus und Luciano González wurde neuer Vorsitzender der Parlamentsfraktion, ehe Favale dieses Amt schließlich ebenfalls übernahm und nun alle wichtigen Schlüsselpositionen in der Partei kontrollierte. Als Oppositionsführer gegen die neue Sozialistisch-Liberale Koalition bereitete er sich auf die Spitzenkandidatur 1967 vor. Unter Favales Führung rückte die Partei ein Stück weiter nach Rechts und verleibte sich 1965 die von der UDS abgespalteten Freiheitsdemokraten (FDL) ein. Seither nannte sich das CSD „Volkspartei“ und benutzte das Kürzel PP-CSD. Der unter Ortega noch gefahrene Kurs der Verständigung mit den Sozialisten wurde durch einen harten Oppositionskurs ersetzt. Die Sozialisten wurden als "Stalinisten" diffamiert und in die Ecke der Kommunisten gerückt, die verbalen Attacken gegen die Regierung Santiago bzw. die Regierung Del Pérez nahmen unangenehme Ausmaße an und trugen zur starken Polarisierung der politischen Landschaft bei. Gleichzeitig bemühte sich Favale aber, Kontakte zum wirtschaftsliberalen Flügel der Unionsdemokraten zu halten, die innerhalb der Koalition in immer größere Isolation gerieten und im Jahr 1967 schließlich den vorzeitigen Bruch der Koalition herbeiführten.
Bei den folgenen Kammerwahlen meldete sich die PP-CSD eindrucksvoll zurück und erreichte mit Favale als Spitzenkandidaten ein Plus von über sechs Prozentpunkten auf nunmehr fast 37 Prozent der Stimmen. Auch wenn die angestrebte Mehrheit mit den Unionsdemokraten verfehlt wurde, war die PP-CSD klar stärkste Partei und damit wieder in einer Schlüsselposition. Favale erhielt von Präsident Ortega den Auftrag zur Regierungsbildung und bildete die von ihm erwünschte Rechtskoalition mit der UDS, die sich zunächst auf die PRD stützen wollte, nach deren Abfallen aber schließlich 1968 kurz vor dem Scheitern stand und nur durch die parlamentarische Unterstützung der rechten PFP António Álvaro Blanxards gerettet werden konnte. Vor allem diese punktuelle Zusammenarbeit der Regierung Favale mit der Rechtsaußenopposition führte zu einem zunehmenden Ansehensverlust der Konservativen in der sich im Wandel befindenden Gesellschaft. Favales konservative Politik und sein bisweilen autoritäres Auftreten machten ihn zum Feindbild der 68er Bewegung, die die Rechtskoalition als faschistisch und Favale als Autokraten ablehnte. Dazu kam ein äußerst hartes Vorgehen der konservativen Regierung gegen die aufrührerischen Studenten. Es zeigte sich, dass Favales konservativ-autoritäres Konzept und die vor allem den konservativen Katholizismus repräsentierende Partei nicht willens und nicht fähig war, eine Versöhnung mit der jungen Generation zu erreichen. Stattdessen katalysierte die Politik der PP-CSD und die Haltung ihrer Führungsfiguren gegenüber den "Anarchisten" den Protest gegen Staat und Gesellschaft.
Die ohne Mehrheit regierende Koalition war schließlich im Winter 1969/70 am Ende und Favales Ministerpräsidentschaft gescheitert. Präsident Ortega beauftragte den UDS-Chef und Vizepremier Carles Méndez mit der Bildung eines neuen Kabinetts, das die PRD einschließen sollte und sich damit auf eine Mehrheit im Parlament stützen sollte. Favale stimmte angesichts schlechter Wahlprognosen bei sofortigen Neuwahlen schließlich zu und trat dem Kabinett als Minister ohne Geschäftsbereich bei, das unter Führung von Méndez aus dessen UDS, der CSD und den liberalkonservativen Republikanern sowie dem PRD bestand und im Parlament eine - wenn auch fragile - Mehrheit besaß, die sie jedoch nach einem Linksschwenk der Radikaldemokraten bereits nach wenigen Monaten wieder einbüßte. Aus vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 1970 gingen die Sozialisten unter ihrem charismatischen Spitzenkandidaten Joán Caval als klarer Sieger hervor und überschritten erstmals die 40-Prozent-Marke. Die Volkspartei unter Favale fiel wieder auf unter 33 Prozent zurück und landete damit abgeschlagen auf dem zweiten Rang ohne jede Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung. Die Niederlage drängte die PP-CSD damit zurück in die Opposition und führte zum Rückzug Favales vom Parteivorsitz.
Die Oppositionszeit der Siebziger
Neuer Parteivorsitzender der PP-CSD wurde noch im Spätherbst 1970 Fraktionschef Márcio Ellévez Perón, der bisher stets in der zweiten Reihe der Politik gestanden hatte und als Kompromisskandidat der Parteiflügel galt. Im Gegensatz zu dem bisweilen europaskeptischen Favale stand Ellévez für eine pro-europäische Außenpolitik und eine liberale Wirtschaftspolitik, die auf die Kräfte des Marktes zur Überwindung der wirtschaftlichen Probleme des Landes setzte. In der Innenpolitik versuchte Ellévez moderate Kurskorrekturen durchzubringen, die den konservativen mit dem liberalen Parteiflügel versöhnen sollten. Die Aufgabe Ellévez’ wurde es daher, die Reformpolitik der Kabinett Caval I zu bekämpfen und bürgerliche Alternativen aufzuzeigen. In der Opposition zur Regierung Caval kam es innerhalb der PP-CSD zu einem Generationenwechsel. Die alten Flügel um Ánibal Costa, Favale und Luciano González verloren zunehmend an Einfluss, während neue Gesichter nachdrängten wie der Regionalpräsident von Liez-Corar Santo de la Nada, Vertreter des christdemokratisch-liberalen Flügels, Francisco Casano, Führer des christlich-sozialen Arbeitnehmerflügels, oder der ehemalige Bauminister Santo Moya, der als Vertreter des rechten wirtschaftsnahen Flügels wahrgenommen wurde.
Das Parteiprogramm von 1973 definierte die Partei als „Partei der christlichen und solidarischen Mitte“, basierend auf den Werten der katholischen Soziallehre und dem Primat der eigenverantwortlichen Person. Es wurde allgemein als Sieg der Reformbewegung innerhalb der Partei angesehen, welche die Partei wieder in die Mitte rücken wollte. Dies stand in Kontrast zur harten Oppositionspolitik der Jahre 1970-1974, die größtenteils als antisozialistisch-bürgerlicher Gegenkurs zur Politik der regierenden Linken formuliert worden und dem konservativen Duktus der Sechziger Jahre verhaftet geblieben war.