Johanna von Sagradien

Aus Sagradien
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Johanna (Gemälde von António Volero)

Johanna von Santori (Joana de Sántori, Reina Joana) (*1524, †1590) war Königin von Sagradien (1543-1580) und gleichzeitig Herrin der Saloanischen Lande (1543-1575) sowie Audakin von Tulis (1543-1579). Sie folgte 1543 als älteste lebende Tochter ihrem Vater David I. auf den Thron und gilt neben diesem als wichtigste sagradische Monarchin der sogenannten Gran-Etá. In den ersten neun Jahren ihrer Herrschaft regierte sie gemeinsam mit ihrem Vetter und Ehemann Philipp von Valier. Zwischen 1575 und 1580 dankte sie schrittweise zugunsten ihres Sohnes Danadier I. ab. In ihre Regierungszeit fällt der Erlass des Toleranzedikts von Viça 1567, das den calvinistischen Protestanten im Land Glaubensfreiheit zusicherte.

Jugend und Erbfolge[bearbeiten]

Johanna Maria von Sagradien wurde 1524 als jüngste Tochter Davids I. und seiner ersten Frau Eleonore von Aragon geboren. Sie war damit Enkelin von König Peter von Sagradien und seiner Frau Beatrix von Avis, sowie Enkelin der Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon. Als solche erhielt sie eine humanistische Erziehung nach dem Vorbild ihres Vaters. Zu ihren Lehrern gehörte Florens von Plato, einer der bedeutendsten mikolinischen Philosophen seiner Zeit. Neben ihrer sagradischen Muttersprache lernte Johanna Latein, Griechisch, Französisch und Mikolinisch sowie später auch Armorisch. Sie spielte mehrere Musikinstrumente und verfasste als junge Frau Gedichte, die zum Teil erhalten sind, eine Kunst, die sie später an ihren Sohn Danadier, den "Dichterkönig", weitergab.

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Nachdem ihre älteren Geschwister Andrés Piero (†1534) und Luísa (†1536) binnen zwei Jahren gestorben waren, blieb Johanna als älteste und damit erbberechtigte Tochter Davids zurück. Ihre Mutter war bereits 1535 verstorben, sodass David I. noch einmal heiratete. Als ihm seine zweite Frau Isabelle von Valois aber bis 1539 ebenfalls noch keinen männlichen Thronfolger geschenkt hatte, entschloss sich David, die Erbfolge in einem testamentarischen Sukzessionserlass zu regeln. Sein jüngerer Bruder Johann der Fromme, Statthalter Davids in Portugal, hatte bereits seit längerem darauf gedrängt, von seinem Bruder als Erbe zumindest in einem Teil des Reichs eingesetzt zu werden. In seinem Erlass bestimmte David jedoch seine Tochter Johanna zur Präsumptiverbin der sagradischen Krone sowie der Besitzungen in Mikolinien. In Portugal dagegen sollte Johann der Fromme als König nachfolgen und das Reich Davids I. damit wieder geteilt werden. Mit seiner Erbregelung hoffte David die Differenzen mit seinen Brüdern ausgeräumt und die Thronfolge des Hauses Sántori auch in Portugal gesichert werden, wo man eine Frau auf dem Thron nicht akzeptierte.

Gemeinsame Regierung mit Philipp von Valier[bearbeiten]

1542 heiratete die siebzehnjährige Prinzessin Johanna ihren neun Jahre älteren Vetter Philipp von Valier, Sohn ihres Onkels Danadier de Sántori. Beide gingen in der Folge nach Macedi, wo sie als Statthalter Davids I. fungierten. Nur wenige Monate später starb David I. und Johanna wurde gemäß Sukzessionserlass zur neuen Königin von Sagradien ausgerufen. Johanna und ihr Ehemann wurden daraufhin gemeinsam in der traditionellen Königsstadt Noyar gekrönt und auf den Thron erhoben.

Bis 1552 regierte Johanna gemeinsam mit ihrem als Philipp VIII. geführten Ehemann das Königreich. Beide wurden als gleichberechtigte Monarchen angesehen, erschienen gemeinsam auf Münzen und trugen ein gemeinsames Wappen. Da Johanna bei ihrem Regierungsantritt aber erst 16 Jahre alt war, stand sie zunächst de facto im Schatten ihres Ehemannes, regierte nach dessen Tod 1552 aber alleine weiter und ging keine weitere Ehe mehr ein.

Aufgrund antimonarchischer Stimmungen in Tulis verlegte das Paar den Regierungssitz nach Vierna und anschließend nach Semest. Dort bauten sie den Plazarenya zum groß angelegten Königspalast aus und betätigten sich auch darüber hinaus als Bauherren, um ihrer neuen Hauptstadt Pracht und Ansehen zu verleihen. Hierzu holte das Paar den bekannten tulinesischen Meister António Volero eigens in die neue Hauptstadt, die in den folgenden Jahrhunderten zur größten und wichtigsten Stadt des Landes heranwuchs.

Religionspolitik und Toleranzedikt[bearbeiten]

Johannas Minister Jacquel Conte de Nerval

Entgegen den Hoffnungen einiger Adliger erwies sich Johanna auch nach dem Tod ihres Ehemanns als starke Regentin. Wichtigster Berater und Vertrauter war der Graf von Nerval, der als einer der geschicktesten Staatsmänner des 16. Jahrhunderts gilt.

Johannas mittlere Regierungsjahre waren geprägt von politischen und religiösen Auseinandersetzungen zwischen protestantischen und katholischen Adelsparteien. Persönlich zeigte Johanna eine Aufgeschlossenheit gegenüber religiösen Reformen, humanistischem Denken und individuellen Freiheiten, blieb aber dem katholischen Glauben ihres Vaters treu. Der Übertritt von Johannas Schwager Heinrich von Esqués, Herzog von Viça, zum calvinistischen Glauben löste 1560 den Vizanischen Krieg aus. Der von Nerval unterstützte Feldzug einer katholischen Allianz um Roberto de Monteblanxard gegen Esqués und seine Verbündeten scheiterte aber. Mehrere Versuche, Esqués wieder zum Katholizismus zu zwingen, blieben erfolglos. Johanna setzte schließlich 1563 einen Waffenstillstand zwischen den Parteien durch, dem das Friedensabkommen von Fidelfe folgte.

In der Folge bemühte sich die Monarchin um ein entspannteres Verhältnis zu ihren protestantischen Untertanen, was sie in Gegensatz zur streng katholischen Hofpartei um Monteblanxard brachte. Gegen deren Willen setzte Johanna 1565 die Verlobung ihres Sohnes Danadier mit Luise von Navarra, der ältesten Tochter Jeanne d'Albrets und Antoine de Bourbons durch, die bis dahin im protestantischen Glauben erzogen worden war. Anderthalb Jahre erließ sie schließlich gemeinsam mit ihrem Sohn Danadier, den sie zum Mitregenten gemacht hatte, das Toleranzedikt von Viça, das als Aussöhnung mit der Protestantenpartei gedacht war. Das Edikt von 1567 bestätigte die katholische sagradische Nationalkirche und die Reformen ihres Vaters David I., revidierte aber deren antiprotestantischen Vorschriften und gestand konfessionellen Minderheiten religiöse Toleranz und gleiche politische Rechte zu.

Außenpolitik[bearbeiten]

Nach der Trennung der sagradischen von der portugiesischen Krone knüpfte Johanna an die Versuche ihres Vaters an, ein eigenes sagradisches Kolonialreich in Übersee zu gründen. Der sagradische Seefahrer Selle Inoza benannte 1558 das Archipel der Johannarischen Inseln nach Königin Johanna. In den 1570er Jahren wurden die ersten sagradischen Kolonien in Nordamerika begründet.

In Europa setzte Johanna auf eine Politik des strategischen Ausgleichs mit den konkurrienden Großmächten Spanien und Frankreich. Mit der navarresischen Eheverbindung ihres Sohnes suchte sie Mitte der 1560er Jahre Anschluss an die protestantische Partei in den französischen Religionskriegen. Dies endete 1570 mit der Hochzeit ihrer Tochter Isabella mit dem französischen König Karl IX. Ihre Tochter Katharina wurde im selben Jahr die vierte Ehefrau des spanischen Königs Philipp II. und danach Mutter des spanischen Thronfolgers Ferdinand, Prinz von Asturien, und Philipp, dem späteren Philipp III.

Abdankung und Verbannung[bearbeiten]

Nachdem ihr Sohn Danadier seine Verlobte Louise de Bourbon 1567 geheiratet hatte, verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn zunehmend und es kam zu heftigen Spannungen zwischen Johanna und ihrer ehrgeizigen Schwiegertochter. Politisch geriet Johanna unter Druck, als die Josephitenaufstände in Tulis auf den Rest des Landes überzuschwappen drohten. Unter dem Einfluss Luises von Bourbon drängte Johannas Sohn Danadier seit 1570 immer stärker auf eine Machtbeteiligung. Seit 1572 plante Johanna nachweislich ihre vorzeitige Abdankung zugunsten Danadiers, verschob diese aber mehrmals aufgrund der Spannungen zwischen den verschiedenen Hofparteien sowie der außenpolitischen Situation. Nach dem Tod ihres Vetters Sebastian von Portugal 1578 unterstützte sie die Thronbesteigung ihres Onkels Heinrich, konnte damit aber keine langfristige Lösung durchsetzen.

Auf wiederholten Druck der protestantischen Hofpartei um ihre Schwiegertochter Luise von Bourbon dankte Johanna schließlich 1575 zunächst in den Saloanischen Landen und 1579/80 auch im Comitat Tulis und auf dem sagradischen Thron ab und zog sich endgültig aus der Regierung zurück.

Nur kurze Zeit später entzweite sich Johanna endgültig mit Louise, deren französische Berater schließlich erfolgreich darauf drängten, Johanna dauerhaft vom Hof zu verbannen. Sie lebte nun dauerhaft im lojandinischen Sagrera, wo sie zusehends von der Außenwelt abgeschnitten wurde. 1581 kam es schließlich in Semest zu einer Hofintrige um den ebenfalls entmachteten Grafen von Nerval, der ohne das Wissen Johannas diese wieder als Königin einzusetzen und seine eigene Machtstellung zu restaurieren suchte. Nachdem die Intrige aufgedeckt werden konnte, wurde Johanna in Sagrera faktisch zur Gefangenen ihres Sohnes und seiner Frau. Ihren Lebensabend verbrachte Johanna in der Folge in Sagrera.

Vermächtnis[bearbeiten]

Königin Johanna gilt als eine der wichtigsten Frauengestalten in der sagradischen Nationalgeschichte und als eine der mächtigsten europäischen Herrscherinnen des 16. Jahrhunderts. Wie bereits ihr Vater war sie eine engagierte Förderin der Künste und Wissenschaften und gilt als eine der größten Mäzeninnen der sagradischen "Gran'Etá", deren mittlere Phase auch als Era Joanária bezeichnet wird. Als ihr bedeutendster Protegé gilt der Renaissance-Maler António Volero, der als Hofmaler Johannas fungierte. Auch betätigte sich Johanna als Bauherrin in der neuen Hauptstadt Semest, wo der unter ihr gepflegte Baustil auch als Estilo Reina Joana bezeichnet wird. Unter ihr entstand auch die königliche Residenz in Novil nahe Semest.

Angeblich war die beim Tod ihres Mannes 1552 erst 27 Jahre alte Königin eine verführerische Schönheit, die zu vielen ihrer Höflinge eine romantische Beziehung pflegte. So soll der Legende nach auch der berühmte Dichter Celiano Nacoma in seinen jungen Jahren eine innige Liebe zur Königin empfunden haben und ihr seine frühen Liebessonette gewidmet haben.

Umstritten bleibt das religionspolitische Vermächtnis der Königin, die gegenüber den Protestanten im Land keine einheitliche Linie fuhr, sondern aus machtpolitischen Erwägungen heraus mal auf Konflikt und mal auf Annäherung setzte. Ziel dieser Politik war, das Land vor einem anhaltenden Bürgerkrieg zu bewahren. Als sie sah, dass ihre harte Oppressionspolitik gegenüber den Protestanten zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte, scheute sie eine weitere Eskalation und ging auf Versöhnungskurs über, was aber wiederum zu Konflikten mit der erzkatholischen Hofpartei führte. Diese Konflikte plagten auch ihren Sohn und Nachfolger noch lange. Das Toleranzedikt von 1567 gilt trotzdem als wichtiges Dokument religiöser Toleranz im frühneuzeitlichen Europa, das zum Vorbild für andere Toleranzedikte wurde. Zwar wurde Sagradien für eine gewisse Zeit zum Zufluchtsort für verfolgte religiöse Minderheiten aus anderen europäischen Ländern. Dies hielt aber nicht lange an, da unter dem leitenden Minister Joán María Belavís nach 1582 die Gegenreformation in Sagradien gestärkt wurde.

Familie und Nachkommen[bearbeiten]

Die Nachkommen Johanns aus ihrer Ehe mit ihrem Cousin und Mitregenten Philipp von Sántori-Valier trugen alle dazu bei, die Macht und den Ruf der Sántori in der Welt zu mehren: Während ihr Sohn Danadier Manuel die Nachfolge als König antrat und zwei ihrer Töchter europäische Könige heirateten, begründeten die jüngeren Söhne Heinrich August von Sessin und Karl Maria von Asterre zwei bedeutende Nebenlinien des Hauses Sántori, letztere als cuentesisches Fürstenhaus.

  • Danadier Manuel (*1545, †1592), als Danadier I. König von Sagradien (1580-1592)
  • Heinrich August (*1547, †1577), Herzog von Sessin
  • Katharina (*1549, †1585) ∞ (4) Philipp II. von Spanien
  • Karl Maria (*1550, †1617), Graf von Asterre und als Karl II. Fürst von Cuentez (jure uxoris, 1594-1617)
  • Eleonore (*/†1550), Zwilling von Karl (starb bei Geburt)
  • Isabel (*1552, †1592) ∞ Karl IX. von Frankreich