Iacovo Del Pérez
Iacovo Del Pérez (*1904, †1997) war ein sagradischer sozialdemokratischer Politiker. Er war von 1952 bis 1958 Bürgermeister der Stadt Tulis und 1962 bis 1964 sowie erneut 1967 und von 1970 bis 1972 Außenminister der Republik. 1964 folgte er dem verstorbenen António Santiago als Generalsekretär der ASUL (bis 1969) und sagradischer Ministerpräsident (bis 1967) nach, ehe er von 1972 bis 1982 zwei Amtsperioden lang als Präsident der Republik amtierte.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jugend, Exil und Rückkehr
Der in Guiana geborene Del Pérez, Sohn eines Schullehrers, kam im Alter von 10 Jahren nach Sagradien, wo er in Tulis das Gymnasium besuchte und nach dem Abitur Sozialwissenschaften, Philosophie und Literaturwissenschaft studierte. 1925 trat Del Pérez der Sozialistischen Partei bei. Er engagierte sich aktiv in der Parteijugend und betätigte sich als Journalist bei verschiedenen linksgerichteten Zeitungen. 1934 saß Del Pérez einige Zeit im Gefängnis und unterstützte danach die Volksfrontregierungen unter Präsident Santiago Laval, den Del Pérez später als großes Vorbild bezeichnete. 1936/1937 war Del Pérez als Kriegsberichterstatter im Spanischen Bürgerkrieg tätig.
Nach dem Februarputsch 1938 blieb Del Pérez zunächst im Land, wurde 1939 aber wegen oppositioneller Aktivitären inhaftiert Im Jahr 1940 gelang ihm die Flucht nach Frankreich, von wo aus er sofort vor den Nazis weiter nach London floh. Nachdem er 1942 inkognito nach Sagradien zurückgekehrt war, schloss sich Del Pérez bald dem sagradischen Widerstand an. Hier schloss er enge Verbindungen zu Santo De la Ilpa, als dessen persönlicher Sekretär er in der Wiederaufbauphase der Sozialistischen Partei im Jahr 1943/44 arbeitete. Im Frühjahr 1944 übernahm Del Pérez als Chefredakteur die Leitung der wieder gegründeten Parteizeitung Avante und wurde danach für den PS in den Stadtrat von Tulis gewählt.
Politische Karriere in der frühen Dritten Republik
Nach dem Bruch De la Ilpas mit der Sozialistischen Partei blieb Del Pérez zunächst im PS. Im Januar 1947 wurde er von Ministerpräsident De la Ilpa als Unterstaatssekretär ins Kabinettsministerium berufen. Nach dem Austritt seiner Partei aus der Regierung wechselte auch Del Pérez – als grundsätzlicher Anhänger des Westkurses De la Ilpas und überzeugter Antikommunist – zu Ilpas PSD und verblieb in der Regierung, wo er als Kulturminister sein erstes Ministeramt wahrnahm. Seit 1950 stand Del Pérez als Staatssekretär im Außenministerium erneut an der Seite De la Ilpas. 1952 legte er dieses Amt nieder und wurde Bürgermeister von Tulis.
1954 erstmals in die Abgeordnetenkammer gewählt, unterstützte er zunehmend die parteiinterne Opposition gegen Parteichef De la Ilpa, die für eine Wiederannäherung an den alten PS und einen Austritt aus der Regierung Luciaro eintrat. Seit 1953 gehörte er neben Carles Domínguez-Arras, Stefano Nacoma und Luciano Minorel zum so genannten "Mitternachtskartell” führender Sozialisten, Sozialdemokraten und Linkskatholiken, das eine Wiedervereinigung in einer neuen Linkspartei vorbereitete. Nach Ilpas Bruch mit dem PSD stieg Del Pérez als stellvertretender Parteisekretär in den engeren Parteivorstand auf. In der Folge setzte er sich auch offen für eine Wiedervereinigung mit dem PS ein und gehörte zum Gründungskomitee der entstehenden ASUL. Nach der Gründung der Sozialistischen Allianzpartei wurde Del Pérez ins Zentralkomitee und ins Politische Büro der neuen Partei gewählt.
Nach der Kammerwahl 1958 legte Del Pérez seine kommunalen Ämter nieder und wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden der sozialistischen Kammergruppe sowie zum Präsidenten des Auswärtigen Ausschusses der Abgeordnetenkammer gewählt. In dieser Rolle profilierte sich Del Pérez mit einer alternativen Außenpolitik, in der sich der einstige Westkurs-Anhänger neben einer vertieften europäischen Integration für eine Öffnung gegenüber dem kommunistischen Osten einsetzte. In dieser Zeit etablierte sich Del Pérez als Nummer Zwei in seiner Partei hinter Partei- und Fraktionschef António Santiago. 1960 wurde er Stellvertreter des Generalsekretärs und Parteisprecher für Außen- und Sicherheitspolitik. Er war zudem wesentlich an der Formulierung des Parteiprogramms der ASUL beteiligt, das 1962 in Lemez verabschiedet wurde und die Partei ein Stück näher an die Marktwirtschaft heranführte.
Außenminister der Großen Koalition und Ministerpräsident
Nach den Kammerwahlen 1962 wurde Del Pérez im Kabinett der Großen Koalition unter Martín Ánibal Costa zum Außenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt. Damit wurde er zum Bindeglied zwischen Partei und Koalition, da Parteichef Santiago es vorzog, außerhalb des Kabinetts zu bleiben. Bereits in dieser Zeit knüpfte Del Pérez verstärkte Kontakte nach Micolinien, das er näher an die Europäische Gemeinschaft heranzuführen gedachte. Nach dem Bruch der Koalition kam es Ende 1963 zu vorgezogenen Neuwahlen, aus denen die Sozialisten knapp als Sieger hervorgingen. Del Pérez stellte sich an die Spitze jener, die eine Regierung mit der bürgerlich-liberalen UDS anstrebten und war wesentlich an den Verhandlungen mit UDS-Chef Carles Méndez beteiligt. In der neuen Regierung Santiago aus Sozialisten, Radikal- und Liberaldemokraten blieb Del Pérez zunächst Außenminister. Nach dem überraschenden Tod António Santiagos wählte ihn das Exekutivkommitee der ASUL zum Nachfolger Santiagos als Parteichef. Wenige Tage später ernannte ihn der frisch inaugurierte Präsident Carles María Ortega zum neuen Ministerpräsidenten.
Der im Ausland hoch angesehene und auch im bürgerlichen Lager geschätzte Del Pérez wirkte als Gesicht der neuen Mitte-Links-Koalition, welche die Konservativen erstmals überhaupt in der Dritten Republik in die Opposition geschickt hatte und nun auf juristische Reformen drängte. Neben Del Pérez etablierten sich jedoch Domínguez-Arrás und Nacoma als mächtige Strippenzieher in Partei und Regierung und bildeten mit dem oft nur formal vorangestellten Del Pérez eine starke Führungstroika.
Im Sommer 1965 nahmen Micolinien, Sagradien und San Cristo offizielle Dreistaatengespräche über eine verstärkte Zusammenarbeit auf, die fortan zweijährlich wiederholt werden sollten. Seit Sommer 1966 geriet die Koalition Del Pérez-Méndez zunehmend in innere Krisen und zerfiel schließlich im Frühjahr 1967. Nach dem Austritt der UDS aus dem Kabinett Del Pérez kam es zu einem Misstrauensvotum gegen die Minderheitsregierung, in deren Folge Präsident Ortega die Kammer auflöste. Bei vorgezogenen Neuwahlen trat Del Pérez als Spitzenkandidat der Sozialisten an, verlor aber gegen den konservativen PP-CSD von Carles Angel Favale, der eine konservativ-liberale Minderheitsregierung bildete. In der Opposition zur neuen Mitte-Rechts-Regierung geriet der Parteichef zunehmend unter Druck. Streitigkeiten innerhalb der Führungstroika und eine drohende Rebellion der nachrückenden so genannten Jungen Garde um den Semesker Bürgermeister Joán Caval bedrohten die Stellung Del Pérez', der es nach Meinung seiner Kritiker an Kampfgeist und Schlagkraft in der Opposition missen ließ.
Präsident der Republik
Als schließlich immer klarer wurde, dass Del Pérez nicht mehr auf die Unterstützung seiner Partei und vor allem seines mächtigen einstigen Verbündeten Stefano Nacoma setzen konnte, kündigte Del Pérez an, auf dem Parteitag der ASUL 1969 nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Stattdessen ging Del Pérez als Kandidat um das Präsidentenamt ins Rennen, musste sich bei den Wahlen 1969 aber dem konservativen Amtsinhaber Carles María Ortega geschlagen geben.
Nach dem herausragenden Sieg Joán Cavals bei den Kammerwahlen 1970 wurde Del Pérez nochmals als Außenminister in Cavals sozialistisches Minderheitskabinett berufen. Als solcher konnte er den Erfolg seiner Dreistaatenpolitik selbst verwirklichen, indem es im Januar 1972 offiziell zur Gründung des Blaumeerrates zwischen Micolinien, Sagradien und dem Fürstentum San Cristo kam, dessen erster Ratsvorsitzender als sagradischer Außenminister Del Pérez wurde. Nach der schweren Erkrankung Präsident Ortegas und seinem Tod im Jahr 1972 kandidierte Del Pérez erneut bei den Präsidentschaftswahlen. Er konnte sich gegen Martín Ánibal Costa von der Volkspartei durchsetzen und wurde achtundsechzigjährig zum fünften Präsidenten der Dritten Republik gewählt.
Als Staatsoberhaupt verdiente sich Del Pérez breites Ansehen in allen politischen Lagern und große Popularität im Volk, wie sie zuvor nur der stets großväterlich auftretende Ariel De la Roya genossen hatte. Immer wieder thematisierte er heikle Themen und setzte sich für soziale Gerechtigkeit und internationale Friedenssicherung ein. Besonders die Abrüstung war ihm ein großes Anliegen. Politisch unterstützte er lange Zeit die sozialistische Minderheitsregierung Cavals, ernannte 1977 aber eine sozialistisch-liberale und 1979 schließlich eine Große Koalition.
Außenpolitisch erlaubte Pérez sich stets größere Freiheiten, als sie einige seiner Vorgänger genossen hatten. Besonders im internationalen Ost-West-Dialog sowie in den Beziehungen Sagradiens zu seinen ehemaligen Kolonien in Afrika setzte er wichtige Akzente. Er verurteilte die Apartheid in Südafrika, die Militärdiktaturen in Südamerika und die Intervention der UdSSR in Afghanistan. Während der Periode der gestiegenen Spannungen zwischen Rechten und Linken und des Terrorismus des Grupo Sêcolo Rôiso war er ein strenger Verteidiger der Institutionen des Rechtsstaats und sprach offen die vermutete Verbindung zwischen den GSR und der UdSSR an. Forderungen der Konservativen nach weitgehenden Einschnitten der bürgerlichen Freiheiten lehnte er aber ab und kassierte ein Gesetz zur polizeilichen Hausdurchsuchung, das die Regierung Nada 1979 eingebracht hatte.
Leben nach der Präsidentschaft
Im Jahr 1977 wurde Iacovo Del Pérez mit großer Mehrheit im ersten Wahlgang wiedergewählt. 1982 endete seine zweite Amtszeit. Bis dahin konnte Del Pérez als einer der populärsten Präsidenten der sagradischen Nachkriegsgeschichte gelten. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt nahm Del Pérez seinen Anspruch auf ein Senatsmandat auf Lebenszeit wahr und wurde 1984 an die Spitze der ASUL-nahen Santiago-Laval-Stiftung gewählt, der er bis 1991 vorstand.
In der verhehrenden politischen Krise, welche die so genannte Guivares-Affäre ausgelöst hatte, mahnte Del Pérez als Präsident a.D. zu Besonnenheit und konnte Kraft seiner Autorität einiges dazu beitragen, die schwere Vertrauenserschütterung der Bevölkerung in die politischen Institutionen des Landes im Maß zu halten. Del Pérez veröffentlichte seine Memoiren zwischen 1984 und 1988 in drei Bänden. Seit 1993 ließ er sein Senatsamt endgültig ruhen. Del Pérez verstarb im Jahr 1997 im hohen Alter von 93 Jahren an einer Herzschwäche. Er galt bis zu seinem Tod neben Joán Caval als wichtigste Identifikationsfigur der Sozialistischen Partei und war seit 1991 Ehrenvorsitzender der Asul.
Politische Funktionen
Öffentliche Ämter
- 1947-1949: Unterstaatssekretär und Sprecher des Ministerrats
- 1949: Kulturminister im Kabinett Ilpa II
- 1950-1952: Staatssekretär im Außenministerium
- 1952-1958: Bürgermeister von Tulis
- 1962-1964: Außenminister im Kabinett Costa sowie im Kabinett Santiago
- 1964-1967: Präsident des Ministerrats (Ministerpräsident)
- 1967: zugleich Außenminister im Kabinett Del Pérez III
- 1970-1972: Außenminister im Kabinett Caval I
- 1972-1984: Präsident der Republik
Mandate
- 1945-1960: Stadtrat in Tulis
- 1954-1972: Abgeordneter
- 1958-1962: Präsident des Außenausschusses der Abgeordnetenkammer
- 1984-1997: Senator auf Lebenszeit
Parteiämter
- 1955-1957: Vizesekretär des Partido Socialista Democrático (PSD)
- 1958-1962: stellvertretender Sprecher der Sozialistischen Kammerfraktion
- 1960-1964: Vize-Generalsekretär der ASUL
- 1964-1969: Generalsekretär der ASUL
- seit 1991: Ehrenpräsident der ASUL
sonstige Ämter
- 1972: Präsident des Blaumeerrats
- 1984-1991: Präsident der Fundación Santiago Laval