Movimiento de Fraternitá Popular
Die Volksbruderschaftsbewegung (Movimiento de la Fraternitá Popular, kurz MFP) war eine sagradische politische Bewegung und eine populistische Partei, die in den Sechziger Jahren Erfolge feiern konnte. Nach ihrem Führer António Blanxard Rovira wird sie auch als Blanxardistische Bewegung bezeichnet.
Gründung und Ausrichtung
Die Volksbruderschaftsbewegung entstand nach der Parlamentswahl 1962 als populistische Sammlungsbewegung gegen die Politik der Großen Koalition unter Martín Ánibal Costa. Als Führer der Partei trat der frühere Faschist und Divisionist António Blanxard Rovira auf, der nach der Einbindung der sozialistischen ASUL in die Regierung vor einem kommunistischen Umsturz warnte und damit antikommunistische Ressentiments im Mittelstand schürte. Die Volksbruderschaftsbewegung sprach sich gegen die zunehmende kulturelle Liberalisierung aus und setzte sich für die Interessen des von Abstiegsängsten geplagten alten Mittelstands und der Landbevölkerung ein. Profitieren konnte die Partei vor allem von der wirtschaftlichen Krise, die Anfang der Sechziger Jahre zu einer Stagnation und zu einem vorübergehenden Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Nachkriegszeit führte.
Zum politischen Profil der Partei gehörten gleichermaßen eine Ablehnung des modernen Kapitalismus wie eine dezidierte Gegnerschaft zum Kommunismus, Kritik an der als "Parteienherrschaft" angesehenen parlamentarischen Demokratie und die Präferenz für ein korporativistisch-autoritäres Staatssystem. Der politische Pluralismus wurde als Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft angesehen, die europäische Einigung als Bedrohung für die staatliche Souveränität und die Integrität der Nation abgelehnt. Von Gegnern wurde die Partei als neofaschistisch kritisiert, was durch das Auftreten der Partei bei uniformierten Protestkundgebungen und die Organisation in verschiedenen "Volksbruderschaften" verstärkt wurde.
Aufstieg und Niedergang
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl 1963 zog die blanxardistische Partei mit 6,9 Prozent der Stimmen und 29 Deputierten in die sagradische Abgeordnetenkammer ein. Dort reihte sie sich in die Opposiition zur sozialistisch-liberalen Regierungskoalition ein, wurde aber weitgehend von den bürgerlichen Parteien als Kooperationspartner gemieden. Dies änderte sich teilweise nach der Parlamentswahl 1967, bei der die Blanxardisten mit sechs Prozent der Stimmen und 25 Abgeordneten erneut in die Kammer einzogen. Fortan stand die Parlamentsfraktion der MFP in einem ungeklärten Verhältnis zur konservativ-liberalen Minderheitsregierung unter Carles Angel Favale, die sich teilweise auf die parlamentarische Unterstützung der Volksbruderschaften stützen konnte. Die partielle Zusammenarbeit zwischen Konservativen und Blanxardisten führte zu Massenprotesten und trug zur Politisierung der Studentenbewegung in Sagradien bei. Wiederholt kam es zu Zusammenstößen blanxardistischer Anhänger und linker Demonstranten, die den Einfluss der MFP auf die Regierung als autoritären Rechtsruck interpretierten.
Nachdem die Auseinandersetzungen in den Jahren 1967-1969 eine Höhepunkt erreicht hatten, folgte der rasche Abstieg der populistischen Volksbruderschaftsbewegung. Durch die Regierung des liberalen Ministerpräsidenten Carles Méndez isoliert, und durch Korruptionsvorwürfe gegen Blanxard Rovira unter Druck, erlitt die Partei bei der Parlamentswahl 1970 eine Niederlage und verpasste mit einem Stimmenanteil von 2,7 Prozent der Stimmen den Einzug in die Abgeordnetenkammer. Danach versank die Partei rasch in der Bedeutungslosigkeit. Ohne ihren Gründer und Anführer Blanxard, der 1972 wegen Korruption zu einer Haftstrafe zur Bewährung verurteilt wurde, schied die Partei aus allen Parlamenten aus und erhielt bei der Parlamentswahl 1974 nur noch 0,9 Prozent der Stimmen und löste sich daraufhin aus.