Paulo Luciaro

Aus Sagradien
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Paulo Manuel Luciaro (*1888 in Nouberez, †1963 in Semess) war ein sagradischer christdemokratischer Politiker und Staatsmann. Er war von 1944 bis 1946 in verschiedenen Positionen Mitglied der provisorischen Regierung, zuletzt als deren Präsident. Er war Außenminister von 1947 bis 1949 sowie von 1955 bis 1957 und mit einer Amtszeit von 1949 bis 1960 der bis heute am längsten amtierende Ministerpräsident der Dritten Republik. Von 1944 bis 1947 war Luciaro zudem Parteisekretär der PCC und 1954 bis 1961 Parteivorsitzender der CSD. Von 1960 bis 1962 stand er zudem der Europäischen Parlamentarischen Versammlung vor. Er gilt als einer der Gründerväter der Europäischen Union sowie der europäischen Christdemokratie und als eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Sagradien.

Leben

Jugend und politische Karriere in der Zweiten Republik

Der aus der Bretagne stammende Luciaro besuchte ein Jesuiten-Gymnasium in seiner Heimatstadt und studierte danach Rechts- und Staatswissenschaften in Vice, Semess und Vierna. Während des Studiums gehörte er verschiedenen katholischen Studentenvereinen an. Nach seiner Promotion ließ sich Luciaro 1913 im sagontinischen Vierna nieder, wo er zunächst für einen Rechtsanwalt arbeitete. Zugleich begann er, als Redakteur für verschiedene kleinere Zeitungen zu schreiben.

Im Jahr 1920 wurde Luciaro erstmals in den Stadtrat von Vierna gewählt, wenig später kam er in Kontakt mit der liberalkatholischen Vertá-Gruppe um Don Martín de León und Ariel de la Roya, seit 1922 schrieb er regelmäßig für das Blatt. Er war zudem Mitglied der Liga del Pôpolo Jovén, einer Vereinigung junger Katholiken, die der katholischen Acción Popular nahestand und christdemokratische und christlich-soziale Ideen entwickelte. 1925 gehörte er schließlich zu den Gründern der Demokratischen Volkspartei (PDP), der ersten christdemokratischen Partei Sagradiens, die im Gegensatz zur klerikal-konservativen Volksunion progressive christlichsoziale Positionen vertrat. Er wurde ein enger Vertrauter des Parteichefs Don Martín und 1927 dessen persönlicher Sekretär. 1930 wurde Luciaro erstmals für die PDP in die Abgeordnetenkammer gewählt. Im Jahr 1932 dann wurde er Bürgermeister von Vierna. Der seit 1935 amtierenden Volksfrontregierung stand er von Beginn an kritisch gegenüber, jedoch lehnte er auch den zunehmend antidemokratischen Kurs der rechtskatholischen Volksunion ab. Dennoch sprach sich Luciaro nach dem rechten Februarputsch 1938 für eine Regierungsübernahme durch Manuel Álamo aus, da er sich dadurch eine politische Stabilisierung erhoffte. Nach der Verhaftung de Leóns und dem Verbot der PDP durch das Regime der Comunión Nacional änderte er seine Meinung und verweigerte jede Zusammenarbeit mit dem Regime. Von seinen Ämtern als Bürgermeister und Abgeordneter trat er im Sommer 1938 zurück. Nachdem er zwischen 1939 und 1941 in Haft gesessen hatte, schloss er sich dem sagradischen Widerstand an. Er hielt Kontakt zu dem in London publizierenden De la Roya und gehörte schließlich 1943 zu den Mitgründern des nationalen Widerstandskomitees CNRS, wo er zusammen mit De la Roya und dem Linkskatholiken Nino Cabal den katholischen Flügel (Resistença Cristiana) vertrat.

Gründung des PCC und Arbeit in der Nationalversammlung

Gleichzeitig bemühte sich Luciaro um den Wiederaufbau der alten PDP. Im Herbst wurden die Parteiaktivitäten in Luciaros Privatwohnung wieder aufgenommen und Flugblätter wurden gedruckt, in der die „christlich-demokratische Volkspartei“ benannt wurde. Im Frühjahr 1944 wurde die Partei unter dem Namen Christliche Zentrumspartei (PCC) neugegründet. Luciaro – der zusammen mit de la Roya das Parteileben reorganisierte – wurde zu ihrem Parteisekretär gewählt. Während de la Roya als bekanntes Zugpferd zunächst als Parteiführer galt, übernahm Luciaro die Organisationsarbeit. Seinem Willen nach sollte die PCC eine nicht-konfessionelle christlich-orientierte Sammlungspartei darstellen, die demokratisch und nicht-sozialistisch sein und auch alten Anhängern der Volksunion und des CN-Regimes offenstehen sollte. Dieser pragmatische liberalkatholisch dominierte Kurs setzte sich in der Partei bald durch, nachdem der linkskatholische Flügel um Cabal, der einen christlichen Sozialismus propagierte, bald ins Abseits geriet und die Partei schließlich auch größtenteils verließ.

Luciaro wurde im August 1945 in die konstituierende Nationalversammlung gewählt. Die Christdemokraten bildeten hier eine Koalition mit Kommunisten, Sozialisten und Radikalen, die so genannte "Demokratische Koalition”, die eine demokratische Transition zum Ziel hatte. Konservative kritisierten Luciaro und die PCC für den „Pakt mit dem Teufel“, namentlich mit Kommunisten und Sozialisten. Luciaro war aber überzeugt, dass allein eine solche Koalition des demokratischen Konsenses das Land wiederaufbauen und eine stabile liberale Demokratie etablieren könne. Vor allem sollte die alte Spannung zwischen linken Säkularen und rechten Katholiken vermieden werden, die die Zweite Republik an ihren Abgrund geführt hatte.

Luciaro war Mitglied der provisorischen Regierung unter Sergio Rafael Dini. Hier wirkte er als Minister für öffentliche Verwaltung, unter Dinis Nachfolger Saviola war er schließlich 1945/1946 für die auswärtigen Beziehungen zuständig. Im Frühjahr 1946 wurde Luciaro zum neuen Präsidenten der provisorischen Regierung gewählt. Unter seiner Führung wurden die Verhandlungen über die neue Verfassung erfolgreich zum Abschluss gebracht und die neue demokratische Verfassung trat nach einem Referendum im Sommer 1946 in Kraft. Luciaro führte die Christdemokraten im Sommer 1946 in die erste Wahl zur Abgeordnetenkammer, wo die Partei sich als zweitstärkste Kraft hinter den Sozialisten etablieren konnte.

Ministerämter und Ministerpräsidentschaft

Nach der Wahl wurde die „Demokratische Koalition“ im Rahmen der ersten verfassungsmäßigen Regierung der Dritten Republik nochmals erneuert. Im Kabinett des Sozialisten Francisco Dorado wurde Luciaro stellvertretender Ministerpräsident ohne eigenen Geschäftsbereich. Dieses Amt behielt er auch nach dem Ausscheiden der kommunistischen Minister unter Dorados Nachfolger António Delauro (siehe Kabinett Delauro). Als 1947 der Sozialdemokrat Santo de la Ilpa als Ministerpräsident eine Koalition mit Christdemokraten und Radikalen bildete, wurde Luciaro Außenminister. Beide Politiker, De la Ilpa und Luciaro sollten in den Folgejahren zu engen politischen Weggefährten und Vertrauten werden. Im Jahr 1948 gab Luciaro sein Amt als Parteisekretär an Benito Mello ab, er blieb aber eigentlicher Führer der Partei.

Nachdem die Regierung Ilpa im Frühjahr 1949 ihre Mehrheit verloren hatte, erhielt Luciaro von Präsident Dini den Auftrag zur Regierungsbildung. Erstmals rückte Luciaro vom Konzept der „Demokratischen Koalition“ unter Einbeziehung der Linken ab und bildete eine Mitte-Rechts-Koalition, in die neben Liberalkonservativen und Liberalen auch die konservativ-nationalistische UNP einbezogen wurde. Nach seiner Meinung war die Integration der einstigen Demokratiegegner in die demokratische Regierung nötig, um auch in rechtskonservativen Milieus Akzeptanz für die neue Republik zu schaffen. Der Schritt stellte den endgültigen Bruch mit den Parteilinken dar, die in der Folge das christlich-sozialistische Movimiento Socialista Cristiano (MSC) bildeten und sich der politischen Linken anschlossen. Bereits zuvor hatte sich im PCC gegen die Sozialisierungsbestrebungen einiger Linkskatholiken ein nicht-sozialistischer, d.h. marktwirtschaftlicher Kurs durchgesetzt, den auch Paulo Luciaro vertrat.

Luciaro schaffte es, seine schwächelnden Koalitionspartner zunehmend in die Abhängigkeit der Christdemokraten zu bringen. Bei den Senatswahlen 1949 kooperierten die Christdemokraten mit dem liberalkonservativen MPD von Daniel La Ponte und Oscar Corrado, die infolge innerer Spannungen und Abspaltungen zunehmend geschwächt wurden. Mit seinem gemäßigt-marktwirtschaftlichen und konservativ-bürgerlichen Kurs schaffte es Luciaro, die Christdemokraten als dominante Kraft des bürgerlichen Lagers zu behaupten. Bei den Kammerwahlen 1950 trat Luciaro als Spitzenkandidat des Mitte-Rechts-Bündnisses Convergência an, das deutlich stärkste Kraft im Parlament wurde. Der Erfolg brachte Luciaro auf einen Höhepunkt seiner Macht. Die 1952 unter Führung Luciaros als Partei gegründete Convergência Social Democrática (CSD) stellte daher faktisch nichts weiter als eine Erweiterung der christdemokratischen PCC durch ihre bisherigen bürgerlichen Satelliten aus MPD, UNP und der Bauernpartei FNC dar. In der neuen Partei begleitete Luciaro zunächst keine Ämter, wurde 1954 aber als Nachfolger des zum Staatspräsidenten gewählten Ariel de la Roya zum Vorsitzenden der Partei gewählt.

Bilanz seiner Ministerpräsidentschaft

In der ersten Hälfte der Fünfziger Jahre wurde Sagradien von einer so genannten Zentrumskoalition aus Luciaros Christdemokraten und seinen konservativen Verbündeten sowie den Sozialdemokraten Santo de la Ilpas regiert. Ministerpräsident Luciaro und Außenminister Ilpa prägten das Land und setzten eine deutliche außenpolitische Orientierung im Hinblick auf eine Westorientierung, NATO-Mitgliedschaft und europäische Zusammenarbeit durch. Unter der Führung Luciaros gehörte Sagradien 1949 zu den Gründernationen der nordatlantischen Verteidigungsallianz NATO sowie des Europarats. Von Beginn an unterstützte Luciaro den so genannten Schuman-Plan, der 1951/52 zur Gründung der so genannten Montanunion führte. Auch die Römischen Verträge von 1957 mit der Gründung von EWG und Euratom gelten als außenpolitische Leistungen Luciaros, der mit seinem Kurs nicht nur dem Widerstand der kommunistischen und nationalistischen Rändern, sondern zeitweise auch der Sozialisten sowie Teilen der Liberalen trotzte. Luciaro gilt deswegen auch neben Robert Schumann, Jean Monnet, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer als einer der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft und wurde im Jahr 1956 mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Die europäische Integration wurde 1954/55 ergänzt durch eine Aussöhnung mit dem micolinischen Nachbarn, für die vor allem Santo de la Ilpa eintrat, und die im Sommer 1955 schließlich zur Lösung der seit 1935 offenen Golen-Frage führte.

Innenpolitisch setzte Luciaro im Bündnis mit Ilpa eine umfangreiche Sozialstaatsgesetzgebung durch, die jedoch nach dem Ausscheiden der Sozialdemokraten 1955 in der neuen liberal-konservativen Koalition durch einen stärker wirtschaftsfreundlichen Kurs ergänzt wurde. Nach seinem erneuten Wahlsieg 1958 geriet Luciaro zunehmend in Gegensatz mit den eher progressiven Kräften seiner Koalition, die anfingen, den autoritär-konservativen Kurs in der Innen- und Justizpolitik zu kritisieren. Dazu gehörten vor allem die aus der radikalen Tradition stammenden Politiker der liberalen Demokratischen Union, die seit 1955 als Bündnispartner der CSD mitregierten. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme Luciaros, der mit Atembeschwerden rang. Als sich auch parteiintern die Stimmen mehrten, die eine vorzeitige Ablösung Luciaros im Regierungsamt wünschten, entschied sich Luciaro schließlich im Herbst 1959, zum Januar 1960 sein Amt niederzulegen und sich aus der Regierungspolitik zurückzuziehen. Als Nachfolger favorisierte er zunächst seinen Kabinettschef Dián Jocéntilo Sánchez. Dieser konnte sich jedoch nicht gegen den in der Partei höher angesehenen Carles Angel Favale durchsetzen, der lange Zeit als Kronprinz Luciaros angesehen worden war, Luciaro selbst aber schließlich als zu wenig kompromissbereit galt. Dennoch wurde Favale schließlich neuer Ministerpräsident.

Leben nach der Ministerpräsidentschaft

Luciaro zog sich weitgehend aus der nationalen Politik zurück und gab 1961 auch sein Parteiamt auf, wurde jedoch zum Ehrenvorsitzenden der CSD ernannt. Sein Nachfolger Favale verlor die Wahl 1962 und musste als Ministerpräsident zurücktreten. Luciaro wurde kurz nach seinem Rücktritt als Regierungschef zum Präsidenten der Europäischen Parlamentarischen Versammlung gewählt, der er bis 1962 vorstand.

Politische Funktionen

Öffentliche Ämter

Mandate

Parteiämter