Joán Caval
Joán Fernando Caval (*24.07.1924 in Semest, †21.12.1984) war ein sagradischer sozialistischer Politiker. Er war von 1969 bis zu seinem Tod Generalsekretär der sagradischen sozialistischen Partei ASUL und 1970 bis 1979 sagradischer Ministerpräsident.
Nach seinem historischen Wahlsieg 1970 wurde er sagradischer Ministerpräsident und blieb insgesamt neun Jahre in diesem Amt. 1981 vereinbarte er eine Große Koalition unter Ministerpräsident Sandro de la Nada und gehörte dessen Regierung ein Jahr lang als Außenminister und Vizeministerpräsident an.
Seine Ministerpräsidentschaft in den Siebziger Jahren wird auch als so genanntes "linkes Jahrzehnt" in Sagradien bezeichnet. Als Generalsekretär der sozialistischen ASUL, der er 1969 bis zu seinem Tod vorstand, prägte er fast zwei Jahrzehnte lang die Politik der sagradischen Linken und gilt bis heute als eine der Ikonen der sagradischen und der europäischen Sozialdemokratie. Von 1980 bis zu seinem Tod amtierte Caval als Präsident der Sozialdemokratischen Partei Europas. Caval kam 1984 gemeinsam mit seinem Chauffeur bei einem Autounfall ums Leben.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Leben
- 1.1 Jugend, Exil und Rückkehr nach Sagradien
- 1.2 Karriere in der Semestiner Kommunalpolitik
- 1.3 Minister und Generalsekretär
- 1.4 Wahlsieg 1970 und die ersten Jahre der Ministerpräsidentschaft
- 1.5 Zweite und dritte Amtsperiode
- 1.6 Ende der Ministerpräsidentschaft
- 1.7 Bilanz der Ministerpräsidentschaft
- 1.8 Oppositionsführer
- 1.9 Außenminister der Großen Koalition
- 1.10 Erneut Oppositionsführer
- 1.11 Tod und Nachfolge
- 1.12 Cavals politisches Erbe
- 1.13 Persönliches
- 2 Politische Funktionen
Leben
Jugend, Exil und Rückkehr nach Sagradien
Der 1924 in Semest geborene Caval stammt aus einer Intellektuellenfamilie, engagierte sich aber bereits als Schüler für die politische Linke. In jungen Jahren gehörte er zu den Anhängern der Volksfrontregierung und nannte den sozialistischen Parteiführer und Staatspräsidenten Santiago Laval später als sein politisches Vorbild. 1942 machte Caval sein Abitur.
Nach dem Eintritt Sagradiens in den Zweiten Weltkrieg wurde Caval Soldat und kämpfte an der Front in Nordsagradien gegen die Wehrmacht. Nach seiner Entlassung 1944 wohnte Caval wieder in seiner Heimatstadt und begann 1945 in Semest ein Jurastudium, das er 1950 abschloss. Dazwischen unternahm er längere Studienreisen nach Paris und Stockholm.
1944 bereits war Caval in die wiedergegründete Sozialistische Partei eingetreten, von 1952 bis 1956 amtierte er als Nationaler Sekretär des Sozialistischen Studentenbundes (COSES). 1953 trat Caval eine Stelle als Anwalt im ligrischen Disiés an, kehrte 1954 aber bereits nach Semest zurück.
Karriere in der Semestiner Kommunalpolitik
1954 kandidierte der 34-jährige Caval erstmals für ein Parlamentsmandat und zog für die ASUL in die sagradische Abgeordnetenkammer ein. 1956 wurde er zudem in den Stadtrat von Semest gewählt. Der junge Jurist machte sich hier einen Namen als fähiger Redner und politisches Talent. 1959 übernahm er den Vorsitz der sozialistischen Stadtratsgruppe und wurde nach den Kommunalwahlen 1960 unter Bürgermeister Paulo Centavo zum Vizebürgermeister ernannt. In der Folge stieg er zu einem der bekannteren Vertreter einer neuen jungen Generation undogmatischer Realpolitiker auf, die bald parteiintern und in den Medien als Guarda Jovén bezeichnet wurde.
Als Mitglied der Programmkommission war Caval an der Formulierung des 1962 angenommenen und für die sagradischen Sozialisten wegweisenden Lemezer Programms beteiligt. Hier knüpfte er auch intensive Kontakte mit den führenden Vertretern des so genannten Mitternachtskartells Iacovo Del Pérez und Stefano Nacoma, deren Parteiführung er bald kritisieren sollte. Als Caval 1964 wiedergewählt wurde, stieg er in den engeren Parteivorstand auf, wurde zum Sekretär der Partei für Staatsreformen und erlangte nationale Popularität. In der Folge machte Caval durch öffentliche Kritik an der als autoritär empfunden Parteiführung um Del Pérez, Nacoma und Carles Domínguez Arrás auf sich aufmerksam. Mit lauter werdender Kritik suchte Del Pérez als Ministerpräsident seit 1964 den Ausgleich mit den jungen Reformkräften und band einige von ihnen in seine Regierung ein.
Minister und Generalsekretär
In der Regierung von Iacovo Del Pérez wurde Joán Caval 1964 zum sagradischen Erziehungsminister berufen. In diesem Amt leitete er umfangreiche Bildungsreformen ein, die vor allem sozialen Unterschieden beim Bildungszugang entgegentreten sollte und die höhere Bildung auch für Arbeiterkinder sowie für Frauen öffnen sollte.
Nach einer Kabinettsumbildung wurde Caval 1966 sagradischer Justizminister. Auch in diesem Amt trat er für Reformen ein, die das sagradische Strafrecht modernisieren sollten.
Bei den vorgezogenen Kammerwahlen 1967 zog Caval wieder ins sagradische Parlament ein. Im Frühjahr 1968 kandidierte er auf dem ASUL-Parteitag erfolgreich für das prestigeträchtige Amt des Parteisekretärs für Wirtschafts- und Industriepolitik und gründete seinen eigenen „Corrente“, den er "Mâis Democrácia – Mâis Solidaritá" nannte und als linke Reformbewegung positionierte. Er machte sich besonders für gesellschaftspolitische Reformen stark und schuf damit große Synergien mit den revoltierenden Studenten, die ihn in großen Teilen unterstützten. Mit seiner harten Kritik am Vietnam-Krieg und seinem Engagement für internationale Abrüstung und den Ost-West-Dialog, Positionen, die seine politische Agenda fortan prägten, wurden nun erstmals lautstark vertreten und wirkten als Kontrapunkt zur stark westlich orientierten Regierung Favale. Seine Teilnahme an einer Anti-Vietnamkriegs-Demonstration in Semest brachte ihm im Juni 1968 harsche Kritik der politischen Rechten ein, stärkte aber sein Image als Mann der Jugend.
In der Folge kam es zu Krisenerscheinungen des mächtigen Mitternachtskartells in der Partei, das dem Druck der Jungen nicht mehr standhalten konnte und darüber hinaus durch persönliche Differenzen und Machtränke geschwächt war. Die Jungen in der Partei störten sich vor allem an dem Bündnis der Parteiführung mit den Vertretern des konservativen, gewerkschaftsnahen Sugares-Kreis, die gemeinsam die Macht in der Partei monopolisiert hatten und in den Augen der Jungen den eingeforderten Gesellschaftsreformen im Weg standen. Caval brachte sich danach mit Unterstützung einiger reformorientierter Regionalverbände als potenzieller Nachfolger Del Pérez’ im Amt des Generalsekretärs der Partei in Stellung. Sein Fernziel war die Spitzenkandidatur für die Sozialisten bei den Kammerwahlen 1971. Gleichzeitig verlor Del Pérez auch zunehmend die Unterstützung seiner Mitstreiter Domínguez-Arrás und Nacoma, die zunächst Marcelo Bérgamo als Nachfolger an der Parteispitze zu favorisieren schienen.
Als ASUL-Chef Iacovo Del Pérez im Frühjahr 1969 auf das Amt des Generalsekretärs verzichtete, kandidierte Caval gegen Marcelo Bérgamo und erhielt eine deutliche Mehrheit der Delegiertenstimmen. Bereits im Vorhinein hatte er sich die Unterstützung Nacomas gesichert, der zunehmend alleine die Rolle des Strategen und Strippenziehers hinter den Kulissen einnahm. Der Pakt mit Nacoma bedeutete auch, dass Nacoma weiterhin in der Schlüsselpositionen eines stellvertretenden Generalsekretärs verbleiben sollte. Mit der Unterstützung Nacomas im Rücken schaffte es Caval, einige seiner politischen Weggefährten wie Paulo Centavo oder Francisco Fernandez ins Exekutivkomitee der Partei zu bringen. Außerdem band er eine Reihe junger Talente an sich, darunter den 40-jährigen Andrés Colón, dem er in das neu geschaffene Amt des Nationalen Koordinators der Partei verhalf, oder den 35-jährigen David Cabarel, der Cavals Büroleiter und später einer seiner Staatssekretäre wurde. Colón, Solano und der ebenfalls erst 41-jährige José Helguerra waren auch für das Wahlkampfkonzept verantwortlich, das unter dem Titel „Renovación Democráctica“ weitreichende Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Rechtspolitik versprach.
Wahlsieg 1970 und die ersten Jahre der Ministerpräsidentschaft
Als Spitzenkandidat seiner Partei bei den vorgezogenene Kammerwahlen 1970 trug Caval mit seinem Programm der „Renovación Democrática“ einen historischen Sieg davon, indem er mit knapp 41% der Stimmen das beste Ergebnis für die ASUL bei Kammerwahlen überhaupt herausholte. Cavals Sieg versetzte die politische Linke in eine ungekannte Aufbruchstimmung, die es seinem sozialistischen Minderheitskabinett erlaubte, mit Unterstützung der Kommunisten die umfassenden demokratischen und sozialen Reformen auf den Weg zu bringen, den das Land dringend benötigte. Im Vordergrund seiner Regierung standen liberale und soziale Reformen in der Justiz-, Sozial- und Sicherheitspolitik, die zum Teil auch von den Unionsdemokraten mitgetragen wurden.
In Cavals Kabinett waren mit Iacovo Del Pérez als Außenminister, Carles Domínguez-Arrás als Finanz- und Wirtschaftsminister sowie Stefano Nacoma als Bildungs- und Forschungsminister alle Protagonisten der alten Parteiführung vertreten und sie alle besetzten Schlüsselressorts. Nacoma war neben der Schul- und Hochschulreform auch für die Organisation der Zusammenarbeit mit den Kommunisten verantwortlich, da er als Kontaktmann zu KP-Chef Dián Aliureto Chabonet fungierte. Die gemeinsame Arbeit im Parlament organisierte Fraktionschef Pietro Cellar.
Die unmittelbaren Organisationsposten in Partei und Regierung waren mit Cavals „Jungs“ besetzt: Andrés Colón als Nationaler Koordinator und David Cabarel als Leiter des Büros des Generalsekretärs kontrollierten die wichtigen Parteigremien und David Luis Aragón als Chef der Ministerratspräsidentschaft die Kabinettsarbeit. Als inneres Machtzirkel in Cavals Regierung bildete sich bald das so genannte "Zigarren-Kabinett" heraus, bestehend aus Vizegeneralsekretär Stefano Nacoma, Cavals Kabinettschef David Luis Aragón, der 1972 durch Andrés Colón abgelöst wurde, sowie zweitweise auch Pietro Cellar, Carles Domínguez Arrás und Nícola Zamorra. Hier wurden sowohl Regierungs- als auch Parteientscheidungen getroffen und zukünftige Strategien ausgeknobelt.
Die ersten vier Jahre der Regierung Caval gehören mit der Verbesserung der betrieblichen Mitbestimmung, dem Ausbau des Sozialstaats, einer umfassenden Reform des Ehe- und Familienrechts sowie einer großen Bildungsreform zu den dynamischsten Phasen der Dritten Republik. Das Hochschulwesen wurde demokratisiert, die Gleichberechtigung gesetzlich verankert, Homosexualität legalisiert sowie das Abtreibungsrecht liberalisiert. Als wichtige Reformminister etablierten sich auch Isabela Defernandis, die erste Frau in einem Ministeramt, die 1972 von Nacoma das Erziehungsministerium übernahm, und José Helguerra, der die Gesundheitsreform durchbrachte sowie das Familienrecht reformierte. Die Gesellschaftsreformen der Linksregierung brachten Caval nicht nur Bewunderung und Sympathien besonders in linksintellektuellen Kreisen ein, sondern erweckten auch den erbitterten Widerstand der rechten Opposition, die das konservative Familien- und Gesellschaftsbild der Republik in Gefahr sahen. In Teilen der katholischen Kirche in Sagradien entstand eine erbitterte Opposition zur als atheistisch empfundenen Linksregierung. Im April 1972 konnte ein rechtsradikaler Anschlag auf Caval nur knapp verhindert werden.
Außenpolitisch hielt Caval am traditionellen Kurs Sagradiens im westlichen Bündnis fest. Er bemühte sich aber stärker als vorherige Regierungen um ein gutes Verhältnis zu den Staaten des kommunistischen Ostens. Die unter der Regierung von Iacovo Del Pérez aufgenommene Dreistaatenpolitik mit Mikolinien und Sancristo wurde unter Cavals Ministerpräsidentschaft fortgeführt und mündete 1972 in die Gründung des Blaumeerrats.
Zweite und dritte Amtsperiode
Die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974 bestätigte die Erfolge der Sozialisten, die ihre Minderheitsregierung mithilfe der Kommunisten fortsetzen konnten, doch gestaltete sich die Zusammenarbeit zunehmend schwieriger und begann zu bröckeln, die folgende Legislaturperiode erwies sich daher auch als weitaus konfliktgeladener als noch die erste. Nach dem Abschluss der von Caval als vorrangig erachteten Gesellschaftsreformen drängten nicht nur die Kommunisten, sondern auch große Teile der eigenen Partei immer stärker zu einer Intensivierung der wirtschaftspolitischen Reformbemühungen. Vor allem die großen Betriebe der Montanindustrie sollten nun sozialisiert sowie die Rechte der Arbeitnehmer weiter gestärkt werden. Die Parteirechte der Sozialisten aber lehnte solche weitgehenden Forderungen ab und mahnte stattdessen zu einer moderaten Politik. Erschwert wurde das Klima durch die weltwirtschaftlichen Krisenerscheinungen infolge des „Ölschocks“ von 1973 und der folgenden Krisen, welche die keynesianische Wirtschaftspolitik Cavals bald an ihre Grenzen brachte. Hinzu kam der militante Terror des linken Grupo Sêglu Rôiso (GSR), aber auch rechtsextremistischer Gruppen, welche bald die Republik erschütterten und ein stark polarisiertes und gespanntes politisches Klima erschufen, das zunehmend auch die Regierungspolitik und das Verhältnis der Linksparteien untereinander belastete. Im Herbst 1976 kündigten die Kommunisten schließlich der Regierung die Zusammenarbeit auf und stimmten bei einer Vertrauensfrage gegen Caval, der seinen Rücktritt einreichte und die vorzeitige Auflösung der Abgeordnetenkammer durch Präsident Del Pérez erreichte.
Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Dezember 1976 konnte sich Caval nochmals gegen seinen konservativen Konkurrenten Sandro De la Nada durchsetzen und führte die ASUL zu einem neuerlichen Wahlsieg, der ihm ein klares Mandat für eine Fortsetzung der sozialistisch geführten Regierung brachte.
Ende der Ministerpräsidentschaft
Ein koalitionsinterner Streit um den Haushalt des Jahres 1978 brachte die Regierung bereits im Winter 1977/78 eng an den Abgrund des Scheiterns, doch gelange es Caval, einen Pakt mit dem liberalen Parteichef Lorenzo Estrubal auszuhandeln, der der Mitte-Links-Regierung eine Mehrheit sicherte. Die anhaltende Schwäche der Sozialisten bei nationalen Wahlen, faktisch die schmerzlichen Niederlagen bei den Regionalwahlen 1977 brachten Parteichef Caval aber in immer größere Bedrängnis. Die innerparteilichen Stimmen wurden lauter, die ihm zu einer Aufkündigung der Koalition rieten, während andere formelle Koalitionsverhandlungen mit den Liberalen vorschlugen.
Entgegen seinem bisherigen Image als linker Reformer musste Caval in dieser Phase als Vertreter eines starken Staates auftreten und die von ihren Gegnern als kapitalistisch und imperialistisch verunglimpfte Gesellschaft gegen die radikale gewaltbereite Linke verteidigen. Auch das Aufkommen der grünen Anti-Atomkraft-Bewegung führte zu parteiinternen Auseinandersetzungen um die Energiepolitik und die Zukunft der Atomkraft, die auch in seiner eigenen Partei umstritten war und darüber hinaus zu Spannungen mit den überzeugten Atombefürwortern der UDS führte. Während sich Caval lange Zeit der Unterstützung durch den Großteil der Intellektuellen des Landes sicher sein konnte, bröckelte dieses Vertrauen nun. Die neuen sozialen Bewegungen entwickelten sich immer stärker zu einer Oppositionsbewegung gegen die unpopuläre Politik der Regierung, die nun vor allem von einer Zusammenarbeit mit den Liberalen abhängig war.
Die erneut vorgezogenen Neuwahlen im Herbst 1978 endeten in einer Niederlage Cavals und seiner Sozialisten, die hinter der Volkspartei nur Zweite wurden. Alle Versuche Cavals, eine neue Mehrheit durch Zusammenarbeit mit der liberalen UDS zu bilden, scheiterten. Stattdessen einigte sich Cavals bisheriger Koalitionspartner, die Radikaldemokraten mit PPC und UDS auf ein gemeinsames Programm und erklärte seine Unterstützung für eine konservativ-liberale Minderheitsregierung. Der bisherige Oppositionsführer Sandro de la Nada wurde daraufhin zum neuen Ministerpräsidenten berufen.
Bilanz der Ministerpräsidentschaft
Joán Cavals Amtsperiode als Ministerpräsident, mit mehr als acht Jahren die längste nach der Paulo Luciaros (1949-1960), gilt als Blütezeit der sagradischen Sozialdemokratie und als wichtige Reformphase, welche die Republik nachhaltig geprägt und die Gesellschaft mit liberalisiert hat. Außerdem gehen wichtige Sozialreformen auf die Linksregierung zurück. Ein wichtiger Beitrag zum politischen Klima des Landes war auch Cavals Versuch, seit seiner zweiten Ministerpräsidentschaft 1974, sich um eine Entspannung das ramponierten Verhältnisses der Sozialisten zur katholischen Kirche zu bemühen und auf einen gesellschaftlichen Konsens abzuzielen, den er freilich aufgrund des zunehmend polarisierten Klimas nur vorübergehend erreichte.
Wie kaum ein anderer sagradischer Politiker prägte Caval zudem das Ansehen seines Landes im Ausland. Als Kritiker des Vietnamkriegs und Vorreiter der Entspannung im Ost-West-Konflikt erarbeitete sich der Sozialist das Image eines engagierten Friedenspolitikers und wurde so zu einer Ikone der internationalen linken Bewegung. Gemeinsam mit Olof Palme machte er sich für die internationale Abrüstung stark und förderte den Nord-Süd-Dialog. Caval pflegte enge Verbindungen zu Willy Brandt und Bruno Kreisky und nutzte die Netze der Sozialistischen Internationale, deren stellvertretender Vorsitzender in den Jahren 1976 bis 1984 war. Als erster sagradischer Ministerpräsident distanzierte sich Caval, nur eine Dekade nach Ende der Dekolonisierung, von der Kolonialpolitik seines Landes in vorangegangenen Jahrzehnten und proklamierte eine "Politik der Versöhnung und Wiedergutmachung" gegenüber den früheren Kolonien.
Oppositionsführer
Nach mehr als acht Jahren an der Regierungsspitze kehrte Caval Anfang 1979 in die Funktion des Oppositionsführers zurück. Gleichzeitig konzentrierte er sich in der Folge auf seine internationalen Kontakte und suchte sich weiterhin als global agierender Friedenspolitiker zu positionieren. Neben dem Amt des Vizepräsidenten der Sozialistischen Internationale, an deren Spitze er eng mit Willy Brandt und Olof Palme zusammenarbeitete, übernahm Caval 1980 die Führung des Bundes Sozialdemokratischer Parteien in der Europäischen Gemeinschaft und setzte sich für eine Wiederbelebung des stagnierenden europäischen Integrationsprozesses ein. Auf internationaler Bühne trat Caval vor allem für Abrüstung und einen Ausgleich mit den Staaten der Dritten Welt ein. Er wurde zu einem der globalen Ikonen der Postkolonialismus-Bewegung, die sich in Sagradien vor allem für freundschaftliche Beziehungen der ehemaligen Kolonialmacht zu seinen früheren Kolonien in Amerika, Asien und Afrika einsetzte.
Im Frühjahr 1981 schließlich erschütterte die Solano-Affäre die Sozialistische Partei. Bereits im Herbst 1980 waren Gerüchte über die Verwicklung hoher Parteivertreter in illegale Machenschaften des insolventen Solano-Immobilienkonzerns laut geworden. Keine gute Figur machte dabei Joán Caval selbst, der als persönlicher Freund von Névito Solano galt und bald im Fadenkreuz der Ermittler stand. Zwar wurden die Ermittlungen gegen Caval bald eingestellt, doch nahm der ASUL-Chef dadurch erheblichen Schaden, zumal sein Büroleiter Dián Costa in Folge der Ermittlungen zurücktreten musste und vielen als Bauernopfer Cavals galt.
Außenminister der Großen Koalition
Die Mitte-Rechts-Regierung unter Sandro de la Nada kämpfte erfolglos gegen die anhaltende Wirtschaftskrise in Sagradien, die als Folge der zweiten Ölkrise begonnen hatte und sich in den Jahren 1980 und 1981 deutlich verschärfte. Mit wirtschaftlicher Stagnation, steigender Arbeitslosigkeit und einer hohen Inflation erinnerte sie stark an die Krise Mitte der Siebziger Jahre und zeigte strukturelle Probleme der sagradischen Wirtschaft auf. Die von der Regierung angewandten wirtschaftspolitischen Mittel, die zwischen alten keynesianischen Rezepten und einer rigiden Haushaltspolitik schwankten, konnten die Krise nicht in den Griff bekommen. Allerdings versprachen auch die Sozialisten Cavals keine dezidierte Alternative zur erfolglosen Regierungspolitik.
Nach einer anhaltenden Regierungskrise im Frühjahr/Sommer 1981, in der Mitte-Rechts-Koalition zerbrach, die großen Parteien aber aufgrund eigener Probleme vor vorgezogenen Neuwahlen zurückschreckten, führten schließlich zu einem Pakt zwischen den verfeindeten politischen Lagern. Nach längeren Verhandlungen unter Vermittlung des Staatspräsidenten Iacovo Del Pérez, der auf einen nationalen Krisenkonsens drängte, einigten sich Sandro de la Nada und Joán Caval als Führer der beiden großen Parteien des Landes auf eine gemeinsame Regierung der nationalen Solidarität. Cavals ließ dabei Nada den Vortritt als Regierungschef und begnügte sich selbst mit den Ämtern eines Vizeministerpräsidenten und Außenministers. Im Gegenzug gaben die Konservativen das Finanzministerium an die Sozialisten ab. Mit Donado Ricardes besetzte der profilierteste Finanzpolitiker der Sozialisten dieses Amt, sein Vorgänger Alfonso Guivares wechselte ins Wirtschaftsressort.
Die Regierung der Großen Koalition einigte sich auf ein umfangreiches Notmaßnahmenpaket mit Konjunkturmaßnahmen bei gleichzeitigen harten Einschnitten im Haushalt. Gleichzeitig erzielte der sozialistische Arbeitsminister Andrés Colón eine Einigung mit Arbeitnehmern und Gewerkschaften auf ein gemeinsames Lohnpaket, zog sich aber nach Auseinandersetzungen mit der Industrieseite und mit dem Koalitionspartner Ende 1981 aus der Regierung zurück.
Erneut Oppositionsführer
Die Große Koalition erreichte mittelfristig eine deutliche Besserung der wirtschaftlichen Daten, rieb sich aber schnell zwischen den widerstreitenden Konzepten des linken ASUL-Flügels unter Andrés Colón und dem wirtschaftsliberalen Flügel der Volkspartei unter Emilio Moya auf. Nach längeren Auseinandersetzungen um ein neuerliches wirtschaftliches Reformpaket im Sommer 1982, in deren Verlauf Joán Caval heftigen Widerstand aus den eigenen Reihen gegen die Koalitionspolitik aushalten musste, sprach sich die Parteiführung der ASUL schließlich für einen Austritt aus der Koalition aus, nachdem es zuvor zu einer gezielten Provokation der PPC-Fraktion unter Emilio Moya gekommen war. Nachdem die ASUL-Minister im Juli 1982 – wenige Monate vor Ende der regulären Legislaturperiode – die Regierung verlassen hatten, wurde die Parlamentswahl 1982 auf Oktober vorgezogen.
Nach einem politischen Putsch des Wirtschaftsflügels der Volkspartei gegen Regierungschef Sandro de la Nada und der Wahl Emilio Moyas zum Regierungschef sollte es schließlich nach Planung der Sozialisten zu einem offenen Showdown zwischen der wirtschaftsliberalen und neokonservativen PPC unter Emilio Moya und der ASUL unter Caval kommen, die sich als Hüterin des sagradischen Wohlfahrtsstaats präsentierte. Der deutlich polarisierte Wahlkampf ging als einer der schärfsten und angriffslustigsten in die sagradische Geschichte ein, obwohl beide Parteien kurz zuvor noch gemeinsam am Regierungstisch gesessen hatten. Am Ende konnte sich Moyas "Wendeprogramm" knapp gegen Cavals defensiveres Programm der Verteidigung des Wohlfahrtsstaats durchsetzen. Die Sozialisten wurden erneut nur Zweiter hinter der Volkspartei, die dank des starken Ergebnisses der UDS künftig eine Mehrheitsregierung der rechten Mitte anführen konnten. Caval wurde erneut Oppositionsführer - mit der erklärten Ansage, den drohenden neoliberalen Kahlschlag bis zuletzt zu bekämpfen. Dabei suchte Caval, zugleich vom linken Parteiflügel dazu gedrängt, den Schulterschluss mit den Gewerkschaften ebenso wie mit der starken Friedensbewegung. In der Wirtschaftspolitik allerdings verzichtete Caval auf ein radikales Linksprogramm, wie es von Andrés Colón und anderen vertreten wurde, sondern suchte auch die Parteirechte und die liberalen Reformer um Donado Ricardes einzubinden.
Tod und Nachfolge
Zum Jahresende 1984 galt Caval wieder als starker Mann in seiner Partei und als Favorit für die kommende Parlamentswahl 1986 gegen den zwischenzeitig äußerst unpopulären Ministerpräsidenten Emilio Moya. In dieser Zeit entdeckte Caval auch seine Leidenschaft für die Umweltpolitik und begann, im Kampf gegen die sagradischen Grünen, deren Themen zu besetzen, um eine weitere Spaltung der Linken zu verhindern.
Auf einer öffentlichen Weihnachtsfeier seiner Partei am 21. Dezember 1984, die unter dem Thema des Friedens und der Abrüstung stand, wurde Caval zusammen mit seinem Chauffeur in seinem Dienstwagen in einen Unfall verwickelt und starb wenige Stunden später im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen. Sein Fahrer war noch am Unfallort verstorben.Die Umstände des Unfalltods wurden nie restlos geklärt. Bis heute ranken sich Legenden um einen Mordanschlag auf den Politiker.
Auf dem folgenden Trauergottesdienst waren zahlreiche Vertreter internationaler Regierungen anwesend, um Caval als verdienten Staatsmann und Vorkämpfer für Frieden und Gerechtigkeit zu ehren.
Cavals politisches Erbe
Caval, der 15 Jahre lang die Politik und das Image der Partei prägte und als Parteichef wesentlich den Kurs der Sozialisten bestimmte, gilt noch heute als große Ikone der Partei und als einer der beliebtesten Persönlichkeiten der Republik. Jedoch sehen Caval noch immer zahlreiche Vertreter des konservativen Lagers kritisch.
In der ASUL hinterließ Caval ein Vakuum, das zu einem langen Machtkampf zwischen der Parteilinken um Cavals langjährigen "Kronprinzen" Andrés Colón und seine Verbündeten wie Francisco Montero Vidal und den Rechten um Iano Norriez und Donado Ricardes führte. Der unter der Führung Colóns eingeschlagene Weg einer deutlichen Linksverschiebung mit einem "neosozialistischen" Alternativprogramm führte bei der Parlamentswahl 1986 zu einer deutlichen Niederlage der Sozialisten. Der von Colóns Nachfolger Donado Ricardes wiederum eingeschlagene Reformweg berief sich gleichfalls auf Cavals politische Ideen und dessen Programm der nationalen Solidarität, das die Politik der Großen Koalition geprägt hatte.
Innerhalb der ASUL versuchten auch danach immer wieder Persönlichkeiten das politische Erbe Cavals zu beanspruchen. Dessen ursprünglicher Corrente hat seither eine Reihe von links-progressiven Nachfolgegruppen nach sich gezogen, die als Cavalistas bzw. Neo-Cavalistas bezeichnet werden oder sich selbst so bezeichnen. Zu bekannten Cavalistas wurden oder werden António Grande Illega, Victor Gomes Amarón und jüngst auch Mercé Serrat Cabarell gezählt. Cavals ältester Sohn Maximilián Caval ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Kulturkritiker, sein zweitältester Sohn Fernando ist mittlerweile als Unternehmensberater tätig.
Persönliches
Joán Caval war zweimal verheiratet. Die 1943 geschlossene Ehe mit der deutschstämmigen Exiljüdin Hilda Kubichek hielt nur kurze Zeit und wurde 1944 wieder geschieden. seit 1955 war Caval mit der französisch-amerikanischen Malerin Jeanne Ambroise verheiratet. Gemeinsam hatten sie zwei Söhne und eine Tochter.
Caval litt zeit seines Lebens unter wiederkehrenden Depressionen. In mehreren Phasen seiner Regierungszeit musste er vor der Öffentlichkeit geschützt werden.
Politische Funktionen
Öffentliche Ämter
- 1960-1964: Vizebürgermeister von Semest
- 1964-1966: Erziehungsminister im Kabinett Del Pérez I
- 1966-1967: Justizminister im Kabinett Del Pérez II
- 1970-1979: Ministerpräsident (Kabinett Caval I, II, III, IV und V)
- 1972: zugleich kommissarischer Innenminister im Kabinett Caval I
- 1978-1979: zugleich kommissarischer Verteidigungsminister im Kabinett Caval V
- 1981-1982: Außenminister und Vizeministerpräsident im Kabinett Nada II
Mandate
- 1952-1954: Stadtrat in Disiés
- 1954-1962: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
- 1956-1968: Stadtrat in Semest
- 1967-1984: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer