Partido Radical-Democrático: Unterschied zwischen den Versionen

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In der Folge öffneten sich die Radikaldemokraten auch wieder Regierungsbeteiligung, mäßigten ihr Programm und suchten die sozialliberale Nische auszufüllen, die die [[ASUL]] unter ihrem Spitzenkandidaten [[Andrés Colón]] zeitweise aufgegeben hatte. Die Hinwendung der ASUL zu einem neuen Wirtschaftskurs und die Öffnung gegenüber den Liberalen führten 1986 schließlich zur Bildung einer gemeinsamen sozial-liberalen Koalitionsregierung aus [[ASUL]], [[UDS]] und [[PRD]] unter [[Donado Ricardes]], in der die Radikaldemokratische Partei erstmals seit 1970 wieder drei Minister stellte.
 
In der Folge öffneten sich die Radikaldemokraten auch wieder Regierungsbeteiligung, mäßigten ihr Programm und suchten die sozialliberale Nische auszufüllen, die die [[ASUL]] unter ihrem Spitzenkandidaten [[Andrés Colón]] zeitweise aufgegeben hatte. Die Hinwendung der ASUL zu einem neuen Wirtschaftskurs und die Öffnung gegenüber den Liberalen führten 1986 schließlich zur Bildung einer gemeinsamen sozial-liberalen Koalitionsregierung aus [[ASUL]], [[UDS]] und [[PRD]] unter [[Donado Ricardes]], in der die Radikaldemokratische Partei erstmals seit 1970 wieder drei Minister stellte.
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Nach der Niederlage der Mitte-Links-Parteien bei der [[Parlamentswahl 1990]] geriet die PRD in eine erneute Krise. Parteiinterne Skandale erschütterten das Anti-Establishment-Image der Partei endgültig, das bereits in der Regierungszeit gelitten hatte. Die erstarkte Konkurrenz seitens der [[Verdes|sagradischen Grünen]] brachte die Partei in zusätzliche Nöte. Dazu kamen parteiinterne Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern einer Linksstrategie und den ''Transversalisten'' und ''Zentristen'', die eine unabhängige Positionierung der Partei jenseits oder in der politischen Mitte suchten.
  
 
=== Auflösung, "radikale Diaspora" und Neugründing "Die Radikalen" ===
 
=== Auflösung, "radikale Diaspora" und Neugründing "Die Radikalen" ===

Version vom 17:34, 6. Jan 2013

Der Partido Radical-Democrático (kurz PRD, deutsch Radikal-Demokratische Partei) war eine sozialliberale Partei in Sagradien. Gegründet wurde die Partei im Jahr 1955 unter dem Namen Movimiento de Radical-Democráticoes (MRD, Bewegung der Radikaldemokraten) durch linksgerichtete Abweichler der Demokratisch-Radikalen Union und Mitglieder der Radikalen Bürgerunion, die das Ziel hatten, die 1949/50 gespaltene Radikale Partei wiederzugründen. Nachdem die UCR als linke Nachfolgeorganisation des Partido Radical zerfallen war und sich 1957 schließlich ganz auflöste, schlossen sich die meisten ihrer Mitglieder der Radikaldemokratischen Bewegung (MRD) an, woraufhin die Partei ihren späteren Namen annahm. Die PRD war bis 1970 und erneut von 1986 bis 1992 in der sagradischen Abgeordnetenkammer vertreten und ging danach mehrheitlich in der sozialdemokratischen ASUL auf. Die Partei war Mitglied der Liberalen Internationale.

Geschichte der PRD

Ursprung und Gründung

Die Wurzeln der PRD liegen in der Radikal-Republikanischen Partei der Zweiten Sagradischen Republik, die nach ihrem Verbot 1943 wiedergegründet wurde. Die neue Radikale Partei zerfiel jedoch 1949 in einen rechten Flügel, der die Unión Democrática Radical (UDR) gründete, und einen linken Flügel, der 1950 in der Unión Cívica Radical aufging. Nach zwischenzeitlichen Wiedervereinigungsversuchen schloss sich die UDR der rechtsliberalen Demokratischen Union an, während die UCR infolge des schwachen Abschneides bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954 erodierte und in mehrere Gruppen zerfiel.

Nach dem Eintritt der UDR in die Bürgerblock-Regierung Luciaro im Frühjahr 1955 verließ eine Gruppe oppositioneller Mitglieder die UDR-Fraktion und gründete die Bewegung der Radikaldemokraten (Movimiento de Radical-Democráticoes, MRD) mit dem Ziel, die Radikale Partei wiederzubegründen. Darin liegt die eigentliche Geburtsstunde der neuen Radikaldemokratischen Partei. Vor den Kammerwahlen 1958 stießen zur MRD die Reste der 1957 aufgelösten UCR. Dies waren vor allem jene Kräfte, die das liberale Profil der Radikalen betonten und die Gründung der sozialdemokratischen ASUL ablehnten. Aus gleichem Grund schlossen sich auch ehemalige Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei (PSD) dem MRD an, von denen viele aus der Radikalen Partei der Zweiten Republik stammten. Bei der Kammerwahl 1958 trat die Partei unter dem Namen Movimiento de Radical-Democráticoes/Partido Radical-Democrático (MRD/PRD) an und erhielt 2,4 Prozent der Stimmen. Kurz danach nahm das MRD den Namen Partido Radical-Democrático mit dem Kürzel PRD an.

Regierungsbeteiligungen der Sechziger Jahre

In der Opposition zu den Mitte-Rechts-Regierungen Luciaro und Favale sowie zur Großen Koalition unter Martín Ánibal Costa steigerte sich der Stimmenanteil der PRD auf 4,2 Prozent bei der Wahl 1962 und 5,1 Prozent im Jahr 1963. Danach wurde die Partei Koalitionspartner der sagradischen Sozialisten sowie der liberalen UDS in den Kabinetten Santiago und Del Pérez, wo die PRD mit António Berral und Luciano Quélez zwei Minister stellte.

Nach dem Bruch der Koalition durch die UDS kam es zu Neuwahlen im März 1967, bei denen der PRD auf 3,5 Prozent der Stimmen abrutschte. Danach tolerierte die Partei zwei Jahre lang eine konservativ-liberale Minderheitsregierung unter Carles Angel Favale, ehe sie der Regierung im Herbst 1969 zum zweiten Mal in zwei Jahren die Unterstützung aufkündigte. Im danach gebildeten Kabinett Méndez übernahm die PRD einen Ministerposten für Institutionelle Reformen und beteiligte sich damit erstmas an einer Mitte-Rechts-Regierung. Die Phase der Mitte-Rechts-Orientierung brachte die Partei in große innere Widersprüche und führte zu erheblichen Problemen. Die revoltierenden Studenten der 68er Bewegung nahmen die Radikal-Demokratische Partei, eigentlich mit dem Image einer Intellektuellenpartei ausgestattet, mehrheitlich als konservative Kraft wahr und warfen ihr Kollaboration mit der Rechten vor. Dagegen versuchte eine innerparteiliche Strömung eine im wahren Sinne radikaldemokratische Erneuerung und bemühte sich, der Partei ein stärker linkes, radikal-libertäres Profil zu verleihen.

Nachdem diese Strömung 1969 noch vergeblich nach der Macht in der Partei gegriffen hatte, übernahm mit David Aliguieri ein Vertreter der Linken im Frühsommer 1970 die Führung der Partei, die damit einen gewaltigen Linksrutsch erlitt. Im August 1970 verließ die Partei die Regierung, unterstützte die Sozialisten bei deren Wunsch nach raschen Neuwahlen und erzwang damit die vorzeitige Auflösung der Abgeordnetenkammer. Ziel war die Bildung einer Reformregierung der Linken mit den sagradischen Sozialisten unter deren jungem Parteichef Joán Caval, dessen "Aufruf für den Wechsel" die PRD unterstützte. Heftige Befürworter dieser Wende war die parteinahe Juventú Radical-Democrática (JRD), die von der Studentenrevolte beeinflusst starke Linkspositionen einnahmen und in den Folgejahren sogar ein marxistisch inspiriertes Programm annahm.

Krise und progressive Neuorientieruntg in den Siebzigern

Der Versuch der 180°-Wendung misslang jedoch. Bei der vorgezogenen Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970 erreichten Cavals Sozialisten fast 41 Prozent der Stimmen und erzielten gemeinsam mit den Kommunisten eine linke Mehrheit in der Kammer, während die Radikaldemokraten unter ihrem Vorsitzenden David Aliguieri mit einem Stimmenanteil von 2,8 Prozent der Stimmen erstmals unter die Dreiprozent-Hürde rutschten und damit in der neuen Kammer nicht mehr vertreten waren. In den Folgejahren kämpfte die Partei ums Überleben. Die von Aliguieri eingeleitete Wende blieb innerparteilich umstritten, setzte sich auf dem Parteikongress 1972 aber durch.

Der Versuch, mit einem dezidiert linken Programm bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974 die Rückkehr ins Parlament zu erreichen, schlug fehl. Stattdessen rutschte die Partei nochmals ab auf nun 1,9 Prozent. Die erneute Niederlage brachte ein Umdenken. Zwar blieben die Radikaldemokraten ihrer linken Öffnung treu, doch betonte die Partei in den Folgejahren vermehrt neue, postmaterialistische Themen und positionierte sich als progressive linkslibertäre Reformpartei.

Bei den Wahlen 1976 schafften die Radikaldemokraten mit einem Anti-Establishment-Ansatz und der Vision einer neuen politischen Ordnung jenseits der politischen Lagerdynamik das Comeback und den Wiedereinzug ins Parlament. Dort verweigerte die Partei zwar eine Regierungsbeteiligung, gehörte aber zu den parlamentarischen Unterstützern der Regierung Caval.

Achtziger und frühe Neunziger Jahre: Erfolge und Absturz

Bei den folgenden Wahlen konnten sich die Radikaldemokraten auf niedrigem Niveau stabilisieren. Mittlerweile war jedoch mit den grün-alterantiven Bewegungen eine neue ernstzunehmende Konkurrenz im linkslibertären Lager entstanden, in denen sich auch viele genuin Radikale engagierten. Während bei den Regionalwahlen 1985 die Listen der Regenbogen-Grünen zahlreiche Erfolge feiern konnten, schafften die Listen der PRD lediglich in der Region Lojandía den Sprung über die Dreiprozenthürde. Damit geriet das libertäre Projekt der PRD zunehmend in eine Krise.

In der Folge öffneten sich die Radikaldemokraten auch wieder Regierungsbeteiligung, mäßigten ihr Programm und suchten die sozialliberale Nische auszufüllen, die die ASUL unter ihrem Spitzenkandidaten Andrés Colón zeitweise aufgegeben hatte. Die Hinwendung der ASUL zu einem neuen Wirtschaftskurs und die Öffnung gegenüber den Liberalen führten 1986 schließlich zur Bildung einer gemeinsamen sozial-liberalen Koalitionsregierung aus ASUL, UDS und PRD unter Donado Ricardes, in der die Radikaldemokratische Partei erstmals seit 1970 wieder drei Minister stellte.

Nach der Niederlage der Mitte-Links-Parteien bei der Parlamentswahl 1990 geriet die PRD in eine erneute Krise. Parteiinterne Skandale erschütterten das Anti-Establishment-Image der Partei endgültig, das bereits in der Regierungszeit gelitten hatte. Die erstarkte Konkurrenz seitens der sagradischen Grünen brachte die Partei in zusätzliche Nöte. Dazu kamen parteiinterne Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern einer Linksstrategie und den Transversalisten und Zentristen, die eine unabhängige Positionierung der Partei jenseits oder in der politischen Mitte suchten.

Auflösung, "radikale Diaspora" und Neugründing "Die Radikalen"

Nachdem zwischenzeitliche Versuche, die Allianz mit dem MRS bei den Europawahlen 1989 keinen Erfolg gezeitigt hatten, löste sich die Partei im Jahr 1992 auf. Die meisten Mitglieder der Führungsebene traten nun der ASUL bei, andere schossen sich den der 1989 gegründeten Partei der sagradischen Grünen an.

Radikale Traditionalisten gründeten 1993 die Unión del Radicalismo (UdR) als Versuch der Fortführung und Wiederbelebung des PRD, die aber nicht über den Status einer Splittergruppe hinauskam. 2000 kam es zur Fusion der UdR mit der kleinen linksliberalen Progressistischen Partei (PRO) zur UdR-PRO, die sich mit einem stark libertären Programm in der Folge wieder zunehmend an Wahlen beteiligte, ohne aber große Erfolge zu erzielen. Die UdR beteiligte sich schließlich im Jahr 2008 an dem Versuch des liberalen Parlamentsabgeordneten Javier Ibarra, eine neue radikale Partei zu gründen und die so genannten "radikale Diaspora" zu überwinden. Die gegründete Partei Democrâcia i Libertá - ils Radicales sieht sich denn auch in der Tradition des PRD und beruft sich auf dessen politisches Erbe.

Internationale und nationale Verbindungen

In der Tradition von PRD und UCR war die Radikaldemokratische Partei Mitglied der Liberalen Internationale. Die 1984 ins Europäische Parlament gewählten Abgeordneten des PRD saßen in der Gruppe der europäischen Liberaldemokraten und Reformisten (LDR).

Als Jugendverband der Partei fungierte lange Zeit die Juventú Radical-Democrática (JRD), die in den Siebziger Jahren aber eine extreme Linksausrichtung mit marxistischen Einflüssen einschlug und sich zunehmend von der sich als zentristische Reformpartei verstehenden PRD entfernte, ehe Partei und Jugendverband sich 1980 trennten. Die JRD besteht bis heute als linker Jugendverband weiter und kooperiert derzeit eng mit der Linksjugend JoSi der sagradischen Linksdemokraten.

Führungspersonen

Parteivorsitzende MRD (1955-1958) und PRD (1958-1992)