Lorenzo Estrubal: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | Lorenzo Estrubal stammte aus einer vermögenden [[Ceundâlia|ceundalischen]] Industriellenfamilie aus Márbaro am Unterlauf der [[Veza]] in der Nähe von [[Óstino]], wo sein Vater, ein Unternehmer und [[Aliança Republicana|republikanisch-liberaler]] Politiker, eine Eisenfabrik führte. Nach dem Besuch der Schule studierte Estrubal Rechtswissenschaften und schlug eine Anwalts- und Richterkarriere ein. Seine politische Karriere begann Estrubal als Abgeordneter im Stadtparlament von [[Óstino]] für die liberalkonservative Sammlungspartei [[MPD]], die er jedoch 1952 verließ, ehe diese in der konservativ-katholischen [[ | + | Lorenzo Estrubal stammte aus einer vermögenden [[Ceundâlia|ceundalischen]] Industriellenfamilie aus Márbaro am Unterlauf der [[Veza]] in der Nähe von [[Óstino]], wo sein Vater, ein Unternehmer und [[Aliança Republicana|republikanisch-liberaler]] Politiker, eine Eisenfabrik führte. Nach dem Besuch der Schule studierte Estrubal Rechtswissenschaften und schlug eine Anwalts- und Richterkarriere ein. Seine politische Karriere begann Estrubal als Abgeordneter im Stadtparlament von [[Óstino]] für die liberalkonservative Sammlungspartei [[MPD]], die er jedoch 1952 verließ, ehe diese in der konservativ-katholischen [[PPC]] aufging. Bei den [[Kommunalwahlen 1952]] kandidierte er erfolgreich als Unabhängiger und rief danach mit einigen Mitstreitern seine eigene Partei, die [[Coalición Democrática del Progreso]] ins Leben, die als eine Art liberale Nachfolgeorganisation des MPD bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954]] 0,4 Prozent der Stimmen erhielt. Neben Estrubal, der zugleich als Parteisekretär der CDP fungierte, zog der gute Freund seines Vaters [[Walter Marcián]] ins Parlament ein, wo die Partei zur Mitte-Rechts-Mehrheit der [[Kabinett Luciaro V|Regierung Luciaro]] gehörte. |
| − | Als Staatssekretär im [[Verteidigungsministerium]] unter dem [[PND|rechtsliberalen]] Minister [[Márcio Montone]] erhielt Estrubal 1955 im Alter von nur 35 Jahren sein erstes Regierungsamt, das er bis zu einer [[Kabinett Luciaro VI|Kabinettsumbildung im Jahr 1957]] inne hatte. Nachdem er zwischenzeitig mit [[Paulo Luciaro]] gebrochen hatte, trat der Parteichef der [[CDP]] bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1958]] auf der gemeinsamen Liste seiner Partei mit dem sozial-liberalen [[Partido Democrático de la Libertá]] (PDL) von [[Jorge Estrasser]] an, die mit einem Stimmenanteil von 0,9 Prozent auf vier Mandate in der [[Abgeordnetenkammer]] kam. Wiederum unterstützte Estrubal die Mitte-Rechts-Koalition, stand aber weiterhin in kritischer Distanz zu [[Paulo Luciaro]]s christlich-konservativer [[ | + | Als Staatssekretär im [[Verteidigungsministerium]] unter dem [[PND|rechtsliberalen]] Minister [[Márcio Montone]] erhielt Estrubal 1955 im Alter von nur 35 Jahren sein erstes Regierungsamt, das er bis zu einer [[Kabinett Luciaro VI|Kabinettsumbildung im Jahr 1957]] inne hatte. Nachdem er zwischenzeitig mit [[Paulo Luciaro]] gebrochen hatte, trat der Parteichef der [[CDP]] bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1958]] auf der gemeinsamen Liste seiner Partei mit dem sozial-liberalen [[Partido Democrático de la Libertá]] (PDL) von [[Jorge Estrasser]] an, die mit einem Stimmenanteil von 0,9 Prozent auf vier Mandate in der [[Abgeordnetenkammer]] kam. Wiederum unterstützte Estrubal die Mitte-Rechts-Koalition, stand aber weiterhin in kritischer Distanz zu [[Paulo Luciaro]]s christlich-konservativer [[PPC]]. Nach dem Zerfall der [[CDP]]/[[PDL]]-Allianz im Jahr 1959 schloss sich Estrubal als Unabhängiger der liberalen [[Unión Democrática]] an und wurde in der [[Kabinett Favale I|Regierung Favale]] 1960 als Staatssekretär ins Justizministerium berufen. Seine Partei ging in der Folge in der aus dem UD-Wahlbündnis heraus entstandenen [[UDS|Demokratischen Union Sagradiens]] (UDS) auf, zu deren Gründungsmitgliedern und ersten Parteivorstand Estrubal schließlich zählte. |
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Bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974]] konnte sich die UDS leicht verbessern, scheiterte aber mit ihrem Vorhaben eines Regierungswechsels, den Estrubal unter dem Stichwort des ''cânviu económico'' versprochen hatte. Auf das schlechter Ergebnis der zunehmend desolat wirkenden Konservativen reagierte Estrubal daraufhin mit einem Strategiewechsel und einer weniger konfrontativen Oppositionsstrategie. Die zunehmenden Spannungen innerhalb der linken Mehrheit aus Sozialisten und Kommunisten nutzte er aus, um seiner Partei bei Einzelfragen die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers der sozialistischen Minderheitsregierung zukommen zu lassen. Vor der vorgezogenen [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1976]] kündigte er zwar einen Politikwechsel an, ließ sich aber auf keine Koalition mit der konservativen Rechten festlegen. Das Wahlergebnis gab der Strategie Estrubals schließlich recht, da die UDS sich zwar wieder auf ein zweistelliges Ergebnis steigern konnte, die Konservativen aber weiterhin weit hinter den Sozialisten stagnierten. Es kam in der Folge zu schwierigen Verhandlungen zwischen LIberalen und Sozialisten über die Bildung einer sozialistisch-liberalen Regierung, die schließlich erst im Frühjahr 1977 zu einem erfolgreichen Abschluss kamen. Im [[Kabinett Caval IV]] wurde Estrubal [[Außenminister]] und [[Vizepremierminister]]. | Bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974]] konnte sich die UDS leicht verbessern, scheiterte aber mit ihrem Vorhaben eines Regierungswechsels, den Estrubal unter dem Stichwort des ''cânviu económico'' versprochen hatte. Auf das schlechter Ergebnis der zunehmend desolat wirkenden Konservativen reagierte Estrubal daraufhin mit einem Strategiewechsel und einer weniger konfrontativen Oppositionsstrategie. Die zunehmenden Spannungen innerhalb der linken Mehrheit aus Sozialisten und Kommunisten nutzte er aus, um seiner Partei bei Einzelfragen die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers der sozialistischen Minderheitsregierung zukommen zu lassen. Vor der vorgezogenen [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1976]] kündigte er zwar einen Politikwechsel an, ließ sich aber auf keine Koalition mit der konservativen Rechten festlegen. Das Wahlergebnis gab der Strategie Estrubals schließlich recht, da die UDS sich zwar wieder auf ein zweistelliges Ergebnis steigern konnte, die Konservativen aber weiterhin weit hinter den Sozialisten stagnierten. Es kam in der Folge zu schwierigen Verhandlungen zwischen LIberalen und Sozialisten über die Bildung einer sozialistisch-liberalen Regierung, die schließlich erst im Frühjahr 1977 zu einem erfolgreichen Abschluss kamen. Im [[Kabinett Caval IV]] wurde Estrubal [[Außenminister]] und [[Vizepremierminister]]. | ||
| − | In der nur keine zwei Jahre andauernden Zeit der sozialistisch-liberalen Koalition kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den Regierungspartnern, v.a. in Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Im Winter 1978/79 folgte schließlich der Koalitionsbruch und Estrubal und seine Parteikollegen verließen das Kabinett, nachdem es innerhalb der Partei zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen war. Aus [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1979|vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 1979]] ging die UDS deutlich geschwächt hervor und wurde nach 1962/63 zum zweiten Mal in die Opposition zu einer Großen Koalition aus [[ | + | In der nur keine zwei Jahre andauernden Zeit der sozialistisch-liberalen Koalition kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den Regierungspartnern, v.a. in Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Im Winter 1978/79 folgte schließlich der Koalitionsbruch und Estrubal und seine Parteikollegen verließen das Kabinett, nachdem es innerhalb der Partei zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen war. Aus [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1979|vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 1979]] ging die UDS deutlich geschwächt hervor und wurde nach 1962/63 zum zweiten Mal in die Opposition zu einer Großen Koalition aus [[PPC]] und [[ASUL]] verbannt. Estrubal geriet heftig in die Kritik und konnte sich nur knapp im Amt halten. In der Folge leitete er eine neoliberale Wende in der Partei ein und ging auf deutlichen Abstand zur vergangenen Regierungsarbeit. Die unpopuläre Große Koalition erlaubte es Estrubal, sich als energischer Anführer der Opposition zu präsentieren und auch innerhalb der regierenden [[Volkspartei]] Sympathien zu erwerben. |
=== Außenminister und Vizepremier === | === Außenminister und Vizepremier === | ||
Version vom 23:22, 2. Feb 2012
Lorenzo Estrubal Barrí (* 1920 in Márbaro de la Veza; † 2006) war ein sagradischer Politiker und langjähriger Parteivorsitzender der liberalen UDS (1970-1989) sowie der bis heute am längsten amtierende Außenminister der Sagradischen Republik (1977-1979; 1982-1992).
Inhaltsverzeichnis
Beginn der politischen Karriere und Parteichef der CDP
Lorenzo Estrubal stammte aus einer vermögenden ceundalischen Industriellenfamilie aus Márbaro am Unterlauf der Veza in der Nähe von Óstino, wo sein Vater, ein Unternehmer und republikanisch-liberaler Politiker, eine Eisenfabrik führte. Nach dem Besuch der Schule studierte Estrubal Rechtswissenschaften und schlug eine Anwalts- und Richterkarriere ein. Seine politische Karriere begann Estrubal als Abgeordneter im Stadtparlament von Óstino für die liberalkonservative Sammlungspartei MPD, die er jedoch 1952 verließ, ehe diese in der konservativ-katholischen PPC aufging. Bei den Kommunalwahlen 1952 kandidierte er erfolgreich als Unabhängiger und rief danach mit einigen Mitstreitern seine eigene Partei, die Coalición Democrática del Progreso ins Leben, die als eine Art liberale Nachfolgeorganisation des MPD bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954 0,4 Prozent der Stimmen erhielt. Neben Estrubal, der zugleich als Parteisekretär der CDP fungierte, zog der gute Freund seines Vaters Walter Marcián ins Parlament ein, wo die Partei zur Mitte-Rechts-Mehrheit der Regierung Luciaro gehörte.
Als Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter dem rechtsliberalen Minister Márcio Montone erhielt Estrubal 1955 im Alter von nur 35 Jahren sein erstes Regierungsamt, das er bis zu einer Kabinettsumbildung im Jahr 1957 inne hatte. Nachdem er zwischenzeitig mit Paulo Luciaro gebrochen hatte, trat der Parteichef der CDP bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1958 auf der gemeinsamen Liste seiner Partei mit dem sozial-liberalen Partido Democrático de la Libertá (PDL) von Jorge Estrasser an, die mit einem Stimmenanteil von 0,9 Prozent auf vier Mandate in der Abgeordnetenkammer kam. Wiederum unterstützte Estrubal die Mitte-Rechts-Koalition, stand aber weiterhin in kritischer Distanz zu Paulo Luciaros christlich-konservativer PPC. Nach dem Zerfall der CDP/PDL-Allianz im Jahr 1959 schloss sich Estrubal als Unabhängiger der liberalen Unión Democrática an und wurde in der Regierung Favale 1960 als Staatssekretär ins Justizministerium berufen. Seine Partei ging in der Folge in der aus dem UD-Wahlbündnis heraus entstandenen Demokratischen Union Sagradiens (UDS) auf, zu deren Gründungsmitgliedern und ersten Parteivorstand Estrubal schließlich zählte.
Eintritt in die UDS und erste Ministerämter
Nachdem er bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1962 für die UDS erneut in die Abgeordnetenkammer gewählt worden war, übernahm er als stellvertretender Fraktionschef eine Führungsaufgabe in der erstmals seit 1955 in der Opposition stehenden liberalen Fraktion. Seither wurde er zunehmend von Parteichef Carles Méndez protegiert, der versuchte, die UDS als eigenständige Kraft zwischen den beiden großen Parteien der Rechten und der Linken zu etablieren. Das erstmalige Bündnis mit der sozialdemokratischen ASUL und der Eintritt in die Mitte-Links-Regierung Santiago nach der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1963 wurden daher auch von Estrubal unterstützt, der jedoch Distanz zum zeitweise erstarkten Mitte-Links-Flügel um Lionel Vega und António Morales hielt und sich um mindestens ebenso gute Kontakte zum konservativen Wirtschaftsflügel der Partei bemühte.
Nachdem er 1964 zum Fraktionssprecher der UDS in der Abgeordnetenkammer aufgerückt war, vermittelte er 1966/67 erfolgreich zwischen den zerstrittenen Parteiflügeln und setzte sich schließlich gemeinsam mit dem Wirtschaftsflügel für eine Aufkündigung der Koalition und für eine Rückkehr ins Mitte-Rechts-Lager ein. Spätestens seither galt er als unabhängiger Kopf in der Partei, der sich keinem Flügel zuordnen ließ, aber über ein ausgezeichnetes persönliches Netzwerk in allen Lagern der UDS verfügte. In der Mitte-Rechts-Koalition unter Carles Angel Favale wurde er 1967 Minister für Wirtschaft und Industrie, einen Posten, den er mit einem kurzen Intermezzo im Jahr 1968 bis zum Sturz Favales im Winter 1969/70 innehatte. Im Team mit dem konservativen Finanzminister Alfonso María Guivares und dem rechtsliberalen Außenhandelsminister Miguel Micú stand er für eine dezidiert marktwirtschaftliche Politik. Im Kabinett Méndez von Januar bis November 1970 übernahm Estrubal die Funktion des Außenhandelsministers von Miguel Micú.
Parteivorsitzender in den Siebziger Jahren
Das Scheitern der Regierung Méndez und die folgende Niederlage der UDS bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970, bei der es zu einem Erdrutschsieg der Linken kam, führte in der UDS zu einem Aufstand der Unzufriedenen gegen den als allzu mächtig empfundenen Parteichef Méndez, der schließlich sein Amt als Parteichef zur Verfügung stellen musste. Als Nachfolger schlug er Lorenzo Estrubal vor, der als Unabhängiger keinen der verfeindeten Parteiflügel repräsentierte. Nachdem er zunächst kommissarisch die Parteiführung übernommen hatte, wurde er im Frühjahr 1971 von einem Parteitag der UDS zum zweiten Parteivorsitzenden in der Geschichte der Partei gewählt. Estrubal kam in der Folge die schwierige Aufgabe zu, die Partei in der ungewohnten Rolle der "kleinen" Opposition neben der größeren konservativen Volkspartei zu lenken. Er brachte die UDS v.a. in Wirtschaftsfragen auf klaren Oppositionskurs gegenüber der Linksregierung Caval, zeigte sich gegenüber einer Reihe von Reformvorhaben in gesellschaftspolitischer Hinsicht gesprächsbereit. Er behielt damit den Kurs seinen Vorgängers, die UDS als unabhängige liberale Partei zu präsentieren, im Großen und Ganzen bei, ließ an der Opposition gegenüber der Linken aber keinen Zweifel.
Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974 konnte sich die UDS leicht verbessern, scheiterte aber mit ihrem Vorhaben eines Regierungswechsels, den Estrubal unter dem Stichwort des cânviu económico versprochen hatte. Auf das schlechter Ergebnis der zunehmend desolat wirkenden Konservativen reagierte Estrubal daraufhin mit einem Strategiewechsel und einer weniger konfrontativen Oppositionsstrategie. Die zunehmenden Spannungen innerhalb der linken Mehrheit aus Sozialisten und Kommunisten nutzte er aus, um seiner Partei bei Einzelfragen die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers der sozialistischen Minderheitsregierung zukommen zu lassen. Vor der vorgezogenen Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1976 kündigte er zwar einen Politikwechsel an, ließ sich aber auf keine Koalition mit der konservativen Rechten festlegen. Das Wahlergebnis gab der Strategie Estrubals schließlich recht, da die UDS sich zwar wieder auf ein zweistelliges Ergebnis steigern konnte, die Konservativen aber weiterhin weit hinter den Sozialisten stagnierten. Es kam in der Folge zu schwierigen Verhandlungen zwischen LIberalen und Sozialisten über die Bildung einer sozialistisch-liberalen Regierung, die schließlich erst im Frühjahr 1977 zu einem erfolgreichen Abschluss kamen. Im Kabinett Caval IV wurde Estrubal Außenminister und Vizepremierminister.
In der nur keine zwei Jahre andauernden Zeit der sozialistisch-liberalen Koalition kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den Regierungspartnern, v.a. in Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Im Winter 1978/79 folgte schließlich der Koalitionsbruch und Estrubal und seine Parteikollegen verließen das Kabinett, nachdem es innerhalb der Partei zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen war. Aus vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 1979 ging die UDS deutlich geschwächt hervor und wurde nach 1962/63 zum zweiten Mal in die Opposition zu einer Großen Koalition aus PPC und ASUL verbannt. Estrubal geriet heftig in die Kritik und konnte sich nur knapp im Amt halten. In der Folge leitete er eine neoliberale Wende in der Partei ein und ging auf deutlichen Abstand zur vergangenen Regierungsarbeit. Die unpopuläre Große Koalition erlaubte es Estrubal, sich als energischer Anführer der Opposition zu präsentieren und auch innerhalb der regierenden Volkspartei Sympathien zu erwerben.
Außenminister und Vizepremier
Sein endgültiges politisches Comeback schaffte der Liberale Estrubal bei den Präsidentschaftswahlen 1982, bei denen er mit 22 Prozent der Stimmen nur knapp den Einzug in den zweiten Wahlgang verfehlte und damit das beste Ergebnis eines liberalen Bewerbers seit David Pizarro Cordês bei einer Präsidentschaftswahl erreichte. Wenige Monate später folgte mit einem klaren wirtschaftsliberalen Programm und einem angriffslustigen Parteichef Estrubal, der sich als eigentlicher Oppositionsführer präsentierte, ein überzeugender Erfolg der UDS und der gesamten Mitte-Rechts-Kräfte bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1982, bei der die Unionsdemokraten 11,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinten. In einer neuen konservativ-liberalen Regierung unter dem Konservativen Santo Moya wurde Estrubal erneut Außenminister und Vizepremierminister. Nach der Guivares-Affäre und dem damit verbundenen Rücktritt von Staatspräsident Alfonso María Guivares im Jahr 1984 trat der populäre Außenminister Estrubal erneut bei der Präsidentschaftswahl an, dieses Mal mit Unterstützung der gesamten Mitte-Rechts-Koalition aus Volkspartei und UDS. Mit einem Ergebnis von 30 Prozent im ersten Wahlgang schaffte es Estrubal in die Stichwahl, unterlag dort aber dem Sozialisten Filipe López.
Nach der Niederlage der Volkspartei bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1986, bei der sich die UDS nochmals auf 12 Prozent der Stimmen verbessern konnte, die Koalition aber ihre Mehrheit einbüßte, setzte Estrubal gegen Widerstände in der eigenen Partei die Wiederholung des Experiments von 1977 durch und trat als Außenminister in eine neue sozialistisch-liberale Regierung unter Donado Ricardes ein. Diesmal stand die Regierungsarbeit aber unter deutlich besseren Vorzeichen, vertrat Ricardes doch eine stärker sozialliberale und vergleichsweise wirtschaftsfreundliche Politik, die in vielen stark mit der UDS-Linie übereinstimmte. Dementsprechend hielt die Koalition die gesamte Legislaturperiode hindurch, verlor in ihrer Endzeit aber deutlich an Linie und Zustimmung in der Bevölkerung. Die zunehmende Kritik am Kurs der Regierung und die fallenden Umfragewerte der UDS veranlassten Estrubal im Jahr 1989, ein Jahr vor der entscheidenden Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990, auf sein Amt als Parteivorsitzender der UDS zu verzichten. Nachfolger wurde Wirtschaftsminister Angel Ribero.
Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990 fiel die UDS wieder unter die magische Zehnprozentmarke, konnte sich aber in eine neue konservativ-liberale Koalition unter Josep Carles Otero retten, in der Estrubal nochmals das Amt des Außenministers und das des Stellvertretenden Regierungschef bekleidete. Der zunehmend amtsmüde wirkende Estrubal ließ aber schon bald anklingen, sich noch vor Ende der Legislaturperiode aus seinem Ministeramt zurückziehen zu wollen. Eine Kabinettsumbildung im Frühjahr 1992 nutzte Estrubal schließlich, um seine Regierungsämter aufzugeben. Bis dahin hatte er fast zehn Jahre lang am Stück als Außenminister sein Land in der Welt repräsentiert.
Politische Funktionen
Öffentliche Ämter
- 1955-1957: Staatssekretär im Verteidigungsministerium im Kabinett Luciaro V
- 1960-1962: Staatssekretär im Justizministerium im Kabinett Favale I
- 1967-1970: Minister für Wirtschaft und Industrie im Kabinett Favale II
- 1970: Minister für Außenhandel im Kabinett Méndez
- 1977-1979: Außenminister und Vizepremierminister im Kabinett Caval IV
- 1982-1992: Außenminister und Vizepremierminister in den Kabinetten Moya I, Moya II, Ricardes I, Ricardes II und Otero I
Mandate
- 1954-1994: Mitglied der Abgeordnetenkammer
- 1996-2006: Ernannter Senator auf Lebenszeit
Parteifunktionen
- 1952-1958: Erster Sekretär der Coalición Democrática del Progreso (CDP)
- 1958-1961: Parteipräsident der CDP
- 1962-1964: Stellvertretender Sprecher der UDS-Fraktion in der Abgeordnetenkammer
- 1964-1967: Sprecher der UDS-Fraktion in der Abgeordnetenkammer