Movimiento de Fraternitá Popular: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | + | 1959 gründete sich die Volksbruderschaft als lokales Bündnis gegen die staatliche Steuererinspektion und verbreitete sich schnell im ganzen Land. Mit seinen Warnungen vor einer Enteignung durch die ''sozialistischen'' Parteien schürte Blanxard Rovira vor allem Ressentiments im Mittelstand. Die Volksbruderschaftsbewegung sprach sich aber auch gegen die zunehmende kulturelle Liberalisierung aus und setzte sich für die Interessen des von Abstiegsängsten geplagten alten Mittelstands und der Landbevölkerung ein. Profitieren konnte die Partei vor allem von der wirtschaftlichen Krise, die Mitte der Sechziger Jahre zu einer Stagnation und zu einem vorübergehenden Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Nachkriegszeit führte. | |
Zum politischen Profil der Partei gehörten gleichermaßen eine Ablehnung des modernen Kapitalismus wie eine dezidierte Gegnerschaft zum Kommunismus, Kritik an der als "Parteienherrschaft" angesehenen parlamentarischen Demokratie und die Präferenz für ein korporativistisch-autoritäres Staatssystem. Der politische Pluralismus wurde als Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft angesehen, die europäische Einigung als Bedrohung für die staatliche Souveränität und die Integrität der Nation abgelehnt. | Zum politischen Profil der Partei gehörten gleichermaßen eine Ablehnung des modernen Kapitalismus wie eine dezidierte Gegnerschaft zum Kommunismus, Kritik an der als "Parteienherrschaft" angesehenen parlamentarischen Demokratie und die Präferenz für ein korporativistisch-autoritäres Staatssystem. Der politische Pluralismus wurde als Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft angesehen, die europäische Einigung als Bedrohung für die staatliche Souveränität und die Integrität der Nation abgelehnt. | ||
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| + | Vor allem die Rückkehr der seit 1953 oppositionellen Sozialisten in die Regierung nutzte Blanxard, um gegen angeblich geplante Zwangskollektivierungen zu mobilisieren. Den größten Wahlerfolg erreichten die Blanxardisten daraufhin bei der [[Parlamentswahl 1967]], bei der die MFP mit sechs Prozent der Stimmen und 26 Deputierten in die [[sagradische Abgeordnetenkammer]] einziehen konnte. Dort wurde die Partei zunächst durch die von ihr als Kartell bezeichneten Konkurrenten ausgeschlossen, doch blieb das Verhältnis zur konservativ-liberalen [[Kabinett Favale II|Minderheitsregierung]] unter [[Carles Angel Favale]] letztlich ungeklärt, die bei einigen Gesetzesakten wie einer umfassenden Steuererleichterung im Parlament durch Blanxards Partei unterstützt wurde. Die indirekte Zusammenarbeit zwischen Konservativen und Blanxardisten führte zu Protesten und trug unter anderem zur Politisierung der Studentenbewegung in Sagradien bei, die in Blanxards Partei eine neue faschistische Bewegung erblickte. | ||
Nachdem die Auseinandersetzungen in den Jahren 1967-1969 eine Höhepunkt erreicht hatten, folgte der rasche Abstieg der populistischen Volksbruderschaftsbewegung. Durch die [[Kabinett Méndez|Regierung]] des [[UDS|liberalen]] [[Ministerpräsident]]en [[Carles Méndez]] isoliert, und durch Korruptionsvorwürfe gegen Blanxard Rovira unter Druck, erlitt die Partei bei der [[Parlamentswahl 1970]] eine Niederlage und verpasste mit einem Stimmenanteil von 2,7 Prozent der Stimmen den Einzug in die Abgeordnetenkammer. Danach versank die Partei rasch in der Bedeutungslosigkeit. Ohne ihren Gründer und Anführer Blanxard, der 1972 wegen Korruption zu einer Haftstrafe zur Bewährung verurteilt wurde, schied die Partei aus allen Parlamenten aus und erhielt bei der [[Parlamentswahl 1974]] nur noch 0,9 Prozent der Stimmen und löste sich daraufhin auf. | Nachdem die Auseinandersetzungen in den Jahren 1967-1969 eine Höhepunkt erreicht hatten, folgte der rasche Abstieg der populistischen Volksbruderschaftsbewegung. Durch die [[Kabinett Méndez|Regierung]] des [[UDS|liberalen]] [[Ministerpräsident]]en [[Carles Méndez]] isoliert, und durch Korruptionsvorwürfe gegen Blanxard Rovira unter Druck, erlitt die Partei bei der [[Parlamentswahl 1970]] eine Niederlage und verpasste mit einem Stimmenanteil von 2,7 Prozent der Stimmen den Einzug in die Abgeordnetenkammer. Danach versank die Partei rasch in der Bedeutungslosigkeit. Ohne ihren Gründer und Anführer Blanxard, der 1972 wegen Korruption zu einer Haftstrafe zur Bewährung verurteilt wurde, schied die Partei aus allen Parlamenten aus und erhielt bei der [[Parlamentswahl 1974]] nur noch 0,9 Prozent der Stimmen und löste sich daraufhin auf. | ||
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Version vom 15:04, 15. Jan 2017
Die Volksbruderschaftsbewegung (Movimiento de Fraternitá Popular, kurz MFP) war eine sagradische politische Bewegung und eine populistische Partei, die Ende der Sechziger Jahre Erfolge feiern konnte. Nach ihrem Führer António Blanxard Rovira wird sie auch als Blanxardistische Bewegung bezeichnet.
Gründung und Ausrichtung
Die Volksbruderschaftsbewegung entstand im Jahr 1959 als bäuerlich-mittelständische Protestbewegung unter Führung des Kaufmanns und Publizisten António Blanxard Rovira. Dieser hatte in den 1930er Jahren der faschistischen Divisionsbewegung angehört und hatte danach im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Anschließend versuchte er sich zunächst ohne größeren Erfolg als Publizist für nationalistische Literatur. Er bekämpfte unter anderem die Dekolonialisierung, sah die große Nachkriegskoalition aus Christdemokraten, Sozialisten, Radikalen und zeitweise auch Kommunisten als Machtkartell an und lehnte die Mitgliedschaft Sagradien in NATO und EWG genauso ab wie die kommunistische Linke.
1959 gründete sich die Volksbruderschaft als lokales Bündnis gegen die staatliche Steuererinspektion und verbreitete sich schnell im ganzen Land. Mit seinen Warnungen vor einer Enteignung durch die sozialistischen Parteien schürte Blanxard Rovira vor allem Ressentiments im Mittelstand. Die Volksbruderschaftsbewegung sprach sich aber auch gegen die zunehmende kulturelle Liberalisierung aus und setzte sich für die Interessen des von Abstiegsängsten geplagten alten Mittelstands und der Landbevölkerung ein. Profitieren konnte die Partei vor allem von der wirtschaftlichen Krise, die Mitte der Sechziger Jahre zu einer Stagnation und zu einem vorübergehenden Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Nachkriegszeit führte.
Zum politischen Profil der Partei gehörten gleichermaßen eine Ablehnung des modernen Kapitalismus wie eine dezidierte Gegnerschaft zum Kommunismus, Kritik an der als "Parteienherrschaft" angesehenen parlamentarischen Demokratie und die Präferenz für ein korporativistisch-autoritäres Staatssystem. Der politische Pluralismus wurde als Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft angesehen, die europäische Einigung als Bedrohung für die staatliche Souveränität und die Integrität der Nation abgelehnt.
Aufstieg und Niedergang
Nach der Gründung der Bewegung nahm Blanxards Partei erstmals an der Parlamentswahl 1962 teil und erreichte dort 1,2 Prozent der Stimmen. Daraufhin konnte sich die Partei durch scharfe Angriffe auf die neue Große Koalition aus Christdemokraten und Sozialisten profilieren. Bei der folgenden vorgezogenen Parlamentswahl 1963 verfehlte die Partei mit 2,8 Prozent nur knapp den Einzug ins Parlament.
Vor allem die Rückkehr der seit 1953 oppositionellen Sozialisten in die Regierung nutzte Blanxard, um gegen angeblich geplante Zwangskollektivierungen zu mobilisieren. Den größten Wahlerfolg erreichten die Blanxardisten daraufhin bei der Parlamentswahl 1967, bei der die MFP mit sechs Prozent der Stimmen und 26 Deputierten in die sagradische Abgeordnetenkammer einziehen konnte. Dort wurde die Partei zunächst durch die von ihr als Kartell bezeichneten Konkurrenten ausgeschlossen, doch blieb das Verhältnis zur konservativ-liberalen Minderheitsregierung unter Carles Angel Favale letztlich ungeklärt, die bei einigen Gesetzesakten wie einer umfassenden Steuererleichterung im Parlament durch Blanxards Partei unterstützt wurde. Die indirekte Zusammenarbeit zwischen Konservativen und Blanxardisten führte zu Protesten und trug unter anderem zur Politisierung der Studentenbewegung in Sagradien bei, die in Blanxards Partei eine neue faschistische Bewegung erblickte.
Nachdem die Auseinandersetzungen in den Jahren 1967-1969 eine Höhepunkt erreicht hatten, folgte der rasche Abstieg der populistischen Volksbruderschaftsbewegung. Durch die Regierung des liberalen Ministerpräsidenten Carles Méndez isoliert, und durch Korruptionsvorwürfe gegen Blanxard Rovira unter Druck, erlitt die Partei bei der Parlamentswahl 1970 eine Niederlage und verpasste mit einem Stimmenanteil von 2,7 Prozent der Stimmen den Einzug in die Abgeordnetenkammer. Danach versank die Partei rasch in der Bedeutungslosigkeit. Ohne ihren Gründer und Anführer Blanxard, der 1972 wegen Korruption zu einer Haftstrafe zur Bewährung verurteilt wurde, schied die Partei aus allen Parlamenten aus und erhielt bei der Parlamentswahl 1974 nur noch 0,9 Prozent der Stimmen und löste sich daraufhin auf.
Erbe
Obwohl nur zeitweise erfolgreich, wurde der Begriff "Blanxardismus" in Sagradien zum Inbegriff des antiparlamentarischen Populismus und der radikalen Parteienkritik. Zahlreiche frühere Anhänger engagierten sich in den folgenden Jahren in rechtsextremen Organisationen und gehörten teilweise rechtsterroristischen Gruppen an. Die in den Achtziger Jahren zeitweise erfolgreiche Unión Popular Social (UPOS) wurde von einem früheren Blanxardisten gegründet. Die seit den 1990er Jahren erfolgreiche rechtspopulistische Partíu Social Popular unter Joán De la Pênia wurde vor allem in ihren Gründerjahren mit der Blanxardistischen Partei vergleichen und bisweilen als "neo-blanxardistisch" bezeichnet.