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Version vom 00:31, 28. Nov 2015
Sechzigjähriger Krieg ist die Bezeichnung für eine Reihe von Kriegen im sagradisch-mikolinischen Konflikt, der in der Regierungszeit von König Gabriel IV. begann und zum Ende der Union von Alágua führte.
Als Beginn des Sechzigjährigen Kriegs gilt traditionell die Erhebung der mikolinischen Stände gegen den Unionskönig Gabriel in der sogenannten Konvention von Nanthés 1386. Doch bereits seit 1383 war es in Peruzien und Nordmikolinien zu Aufständen gekommen, die wegen der eher ländlichen Verteilung zu Unrecht als Bauernaufstände bezeichnet wurden. Als Endpunkt gilt der Frieden von Tesqué im Jahr 1443, der die komplexen Kampfhandlungen zu einem Abschluss führte.
Im einzelnen umfasst der Sechzigjährige Krieg folgende Phasen der Auseinandersetzung:
- Bauern- und Adelsaufstände in Peruzien und Nordmikolinien (1383-1385)
- Mikolinischer Revolutionskrieg (1383-1390)
- Krieg der zwei Herzöge (1392-1396)
- Peruzinischer Bürgerkrieg zwischen der pro-mikolinischen Alberenser Union und ihren Gegnern
- Sagradisch-Mikolinischer Krieg um Peruzien, Golen und Skanten (1396-1423, 1427-1443)
- Erster Tulinesisch-Mikolinischer Krieg (1398-1418)
- Tulinesischer Bürgerkrieg (1416-1423)
- Zweiter Tulinesisch-Mikolinischer Krieg (1424-1440)
- Servettinisch-Loneischer Krieg (1420-1429)
Inhaltsverzeichnis
Anlass
Nach dem Tod des sagradischen Königs Jakob II. und seinem Sieg über Danadier von Scola 1321 hatte König Serge I. aus dem Haus Redanior, seit 1313/15 als Nachfolger seines Bruders Philipp als König von Peruzien und König von Mikolinien, die drei Königreiche von Sagradien (inklusive Golen), Peruzien und Mikolinien in der Union von Alágua in Personalunion vereint, doch bereits sein Sohn Sergius II. plante 1386 eine Erbteilung unter seinen Söhnen, die aber nicht zustande kam. Unter Gabriel dem Schönen geriet das Unionsreich schließlich in eine anhaltende Krise.
Mit mehreren Bauern- und Adelsaufständen in Peruzien 1383 und in Nordmikolinien seit 1384 begann sich der Unmut über die unbeliebte Politik Gabriels des Schönen auf der mikolinischen Halbinsel in eine kriegerische Auseinandersetzung zu verwandeln. Dies führte 1385/86 schließlich zur Rebellion der mikolinischen Stände unter der Führung von Karl von Interea, einem illegitimen Nachkommen der mikolinischen Salua-Könige, der sich als Karl V. zum mikolinischen König machte und seine Herrschaft im Mikolinischen Unabhängigkeitskrieg von 1386-1390 sicherte. Die mikolinischen Stände beriefen sich auf die Konvention von Marbore von 1368, in der sie dem Erbteilungsplan Sergis II. zugestimmt hatten, der die Trennung der sagradischen von der mikolinischen und peruzinischen Krone unter Sergis Nachfolgern vorgesehen hatte, jedoch nie wirksam geworden war. Im Vertrag von Albero musste Gabriel IV. 1390 seine Ansprüche auf die mikolinische Krone fallen lassen, behielt aber Peruzien und Golen, während Karl VI. wiederum auf alle Ansprüche in Sagradien verzichtete.
Die Erbenlosigkeit Gabriels und die ungeklärte Lage in Peruzien führten aber dazu, dass der Vertrag lediglich eine Zwischenstation in der Auseinandersetzung blieb. Noch zu Lebzeiten Gabriels begannen in Sagradien bürgerkriegsartige Nachfolgekämpfe zwischen den Häusern Vesaey und Ostino um das Königtum. In Peruzien kristallisierten sich mehrere Adelsparteien heraus, die sich zwar auf die Behauptung des ständischen Wahlrechts, nicht aber auf einen Nachfolgekandidaten einigen konnten. Nach dem Tod Gabriels 1395 kam es in Sagradien schließlich zur Fortführung des Kriegs zwischen seinen möglichen Nachfolgern Michael von Vesaey und Joseph von Óstino, in dem der Ostinenser sich mit Karl VI. von Mikolinien, seit 1391 Nachfolger Karls V. als König von Mikolinien, verbündete und zunächst siegte, ehe Michael von Vesaey aber 1396 die Oberhand gewann und seinen Kontrahenten zur Abdankung zwang.
Zeitgleich nahm ein Teil des peruzinischen Adels Verhandlungen mit Karl VI. auf und bot ihm ohne Mehrheit der Stände das Königtum an, was dieser wiederum 1396 zur Intervention in Peruzien nutzte und damit den Krieg mit Sagradien auslöste. Karl und die promikolinische Ständepartei beriefen sich dabei auf die Konvention von Marbore. Nach dem Tod Josephs von Ostino 1398 erklärte Karl zunächst dessen 13-jährigen Sohn Johann das Kind zum sagradischen König, erhob nach dessen Tod 1402 aber kurze Zeit selbst Anspruch auf die sagradische Krone, womit er den Vertrag von 1390 in allen Teilen, aber auch die Konvention von Marbore, auf die er sich bis dahin berufen hatte, für ungültig und sich selbst zum legitimen Erben des Reichs Sergis I. erklärte.
Parteien
Auf sagradischer Seite kämpften zeitweise die Comitat-Republik Tulis sowie das im Krieg um Lonéa befindliche Haus Salua-Servette in Mikolinien, mit dem mikolinischen König waren u.a. die Häuser Óstino, Esqués und Golen-Alagua verbündet, ehe nach einem Seitenwechsel in der Endphase auch der Herzog von Servette als potenter Geldgeber Karls VI. eine Schlüsselrolle spielte. Während es für Karl VI. um die Eroberung Perucías und Golens und zeitweise auch den Gewinn der sagradischen Krone ging, versuchte Sagradien unter Michael I. und Michael II. seine Besitzungen im Norden der mikolinischen Halbinsel zu halten. Die Tulinesische Republik der Sántori-Contes sah in einer neuerlichen sagradisch-mikolinischen Union unter Karl VI. eine Gefahr für die eigene Unabhängigkeit und kämpfte um seine Vorherrschaft im Blaumeer, seine Kolonien in Ostmikolinien sowie beanspruchte Gebiete in Golen. Für die nur zeitweise und auch nur indirekt gegen Karl VI. kämpfenden Servettenser ging es vor allem um eine Stärkung der eigenen Hausmacht in Südmikolinien und die Unabhängigkeit von der Krone, während die Anmeldung eigener Ansprüche auf die mikolinische Krone vor allem taktischer Natur war.
Kriegsverlauf
Die Anfangsphase des Kriegs zwischen Sagradien und Mikolinien brachte Erfolge für Mikolinien, das sich in der Alberenser Union 1409 die Unterstützung der peruzinischen Stände sichern und anschließend bis nach Gerón vordringen konnte, die Belagerung der Stadt aber 1420 aufgeben musste. Zu dieser Zeit fand der Krieg hauptsächlich im Gebiet rechts der Konsetten statt mit mikolinischen und tulinesischen Truppen auf sagradischem Gebiet, wobei die Gewinne António de Sántoris, als Fürst von Valier sagradischer Lehnsträger, gegen den mit Mikolinien verbündeten Markgrafen Ludwig von Golen zwar offiziell im Namen der sagradischen Krone stattfanden, de facto aber die Macht der Sántori vermehrte.
Die gescheiterte Belagerung Geróns 1420 führte zu einer Wende im Krieg. Obwohl Michael I. von Sagradien in der Schlacht von Porto Valés 1421 fiel, siegte sein Sohn Don António 1422 und 1423 bei Sancristo und Alágua, ehe die Kämpfe vorübergehend eingestellt wurden. Während Karl VI. in der Folge mit Gefechten gegen Tulis und das rebellierende Haus Servette beschäftigt war, nahm Sagradien unter Michael II. die Kämpfe im Jahr 1427 wieder auf und rüstete zur Gegenoffensive. In der Schlacht von Cania erlitt Mikolinien eine empfindliche Niederlage und verlor in der Folge große Gebiete Contes an Sagradien. Die Rebellion Contes gegen Sagradien im Jahr 1431 beendete schließlich die sagradische Offensive. Kleinere Gefechte brachten in der Folge keine neuen Entwicklungen, ehe die Kämpfe 1439 weitgehend eingestellt wurden. 1440 schloss Mikolinien einen Separatfrieden mit Tulis, das seine Stützpunkte in Mikolinien behielt, ehe der Krieg im Frieden von Tesqué von 1443 endgültig beendet wurde.
Folgen
Mit dem Frieden von Tesqué endete die von 1321 bis 1386 bestehende und danach von verschiedenen Seiten angestrebte sagradisch-mikolinische Union von Alagua endgültig und die seit dem 11. Jahrhundert andauernden Kämpfe um Peruzien wurden aufgegeben. Der Friedensvertrag berief sich inhaltlich auf die Konvention von Marbore von 1368, bestätigte aber de facto lediglich den im Krieg entstandenen Status Quo.
Mit dem Verzicht Sagradiens auf Peruzien und dem Mikoliniens auf Golen sowie die Festschreibung der so genannten "Medeo-Linie" als Grenze beider Staaten wurde die bis 1815 und mit leichten Veränderungen in Bezug auf Golen bis ins 20. Jahrhundert hinein gültige Grenze zwischen beiden Staaten festgelegt. Der Friedensvertrag von Tesqué kann darüber hinaus als Gründungsstunde des modernen mikolinischen Nationalstaates gelten, da das neue Königreich erstmals überhaupt seit dem Frühmittelalter neben Süd- und Mittelmikolinien auch den peruzinischen Norden umfasste, der heute als integraler Bestandteil Mikoliniens angesehen wird. In Mikolinien konnte sich in der Folge das Königtum des Hauses Interea stabilisieren, dessen Herrschaft in Nebenlinien bis heute andauert.
Der Frieden mit Mikolinien bildete die Grundlage für den Aufstieg Sagradiens zur europäischen Großmacht und zur Weltmacht im 16. Jahrhundert (so genanntes Goldenes Jahrhundert). Die Servettensischen Herzöge konnten sich im Süden de facto als unabhängige Macht etablieren, deren Besitztümer am Ende des Jahrhunderts an die sagradischen Santori-Könige fiel. Die Tulinesische Adelsrepublik ging nach Eroberungen, Bürgerkämpfen, Verlusten und neuerlichen Siegen schließlich als de facto unabhängige Monarchie der Santori hervor, die als Fürst-Grafen von Valier, Tulis, Golen, Conte und Plato zum eigenen Machtfaktor aufgestiegen waren. Durch das Ehebündnis zwischen den Sántori und den Haus Vesaey gelangte das kurzlebige Konglomerat schließlich 1457 zum Königreich Sagradien der Sántori-Könige und bildete neben Servette eine wesentliche Stütze der frühneuzeitlichen Santori-Monarchie.
Der Frieden zwischen Sagradien und Mikolinien hielt jedoch nicht einmal ein halbes Jahrhundert. Mit dem Ende der Servettiner Dynastie im Süden kam es seit 1477 zu neuerlichen Kriegen zwischen Sagradien und Mikolinien um das Erbe der saluanischen Herzöge in Südmikolinien, in denen sich schließlich die sagradischen Santori durchsetzen konnten (Servettinische Kriege).
Einschätzung
Die mikolinische Nationalgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts sah den Sechzigjährigen Krieg mehrheitlich als Fortsetzung des Befreiungskriegs gegen Sagradien und als mikolinischen Einigungskrieg. Dagegen wurde der Krieg in Sagradien als erfolgreicher Abwehrkrieg der mikolinischen Expansionsbestrebungen angesehen. Die neuere Forschung betont den machtpolitischen Charakter des Erbfolge- und Bürgerkriegs und bezeichnet die Auseinandersetzungen als Beispiel eines Staatsbildungskriegs, aus dem schließlich nicht nur die moderne mikolinisch-peruzinische Monarchie, sondern auch der sagradische Santori-Staat der frühen Neuzeit in Grundzügen hervorgegangen ist.