Joán Caval: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 11:15, 25. Jan 2014

Joán Fernando Caval (*24.07.1924 in Semess, †21.12.1982) war ein sagradischer Politiker, langjähriger Generalsekretär der sozialistischen ASUL (1969-1982) und zweimal sagradischer Ministerpräsident (1970-1977 und 1981-1982).

Er war von 1960 bis 1967 Bürgermeister von Semess und danach für kurze Zeit Wirtschaftsminister im Kabinett Del Pérez III. Nach seinem historischen Wahlsieg 1970 wurde er erstmals sagradischer Ministerpräsident. Nach einer Niederlage bei der Parlamentswahl 1977 kehrte Caval 1981 ein zweites Mal ins oberste Regierungsamt zurück und konnte bei der Parlamentswahl 1982 einen erneuten Wahlsieg feiern.

Caval kam im Dezember 1982 nur wenige Stunden nach Vereinigung seiner fünften Regierung bei einem Autounfall ums Leben.

Seine Ministerpräsidentschaft in den Siebziger Jahren wird auch als so genanntes "linkes Septennat" in Sagradien bezeichnet. Als Generalsekretär der sozialistischen ASUL, der er 1969 bis zu seinem Tod vorstand, prägte er fast zwei Jahrzehnte lang die Politik der sagradischen Linken und gilt bis heute als eine der Ikonen der sagradischen und der europäischen Sozialdemokratie. Von 1980 bis zu seinem Tod amtierte Caval zudem als Präsident der Sozialdemokratischen Partei Europas.

Leben

Jugend, Exil und Rückkehr nach Sagradien

Der 1920 in Semess geborene Caval stammt aus einer Intellektuellenfamilie, engagierte sich aber bereits als Schüler für die politische Linke. Mit 15 Jahren gehörte er zu den leidenschaftlichen Anhängern der Volksfrontregierung und nannte den sozialistischen Parteiführer und Staatspräsidenten Santiago Laval später als sein politisches Vorbild. 1938 machte Caval sein Abitur und ging kurz darauf in den offenen Straßenkampf. Nach Schlägereien mit den Truppen der faschistischen Divisionsbewegung lag er mehrere Wochen im Krankenhaus, ging nach Einleitung eines Strafverfahrens aber nach Paris, wo er ein Studium der Philosophie und Literatur begann und sich einem linksextremistischen Studentenzirkel anschloss. In Frankreich trat er in die SFIO ein und schrieb seit 1939 für das sozialistische sagradische Exilblatt l'Ôculo de la Sinistra. Vor dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich im Jahr 1940 floh Caval nach London, ehe er 1941 nach Sagradien zurückkehrte.

Nach dem Eintritt Sagradiens in den Zweiten Weltkrieg wurde Caval Soldat und kämpfte an der Front in Nordsagradien gegen die Wehrmacht. Nach seiner Entlassung 1944 wohnte Caval wieder in seiner Heimatstadt und begann 1945 in Semess ein Jurastudium, das er 1950 abschloss. 1944 bereits war Caval in die wiedergegründete Sozialistische Partei eingetreten, von 1948 bis 1950 amtierte er als Nationaler Sekretär des Sozialistischen Studentenbundes (COSES). 1951 trat Caval eine Stelle als Anwalt im ligrischen Disiés an, wo er ein Jahr später für die Sozialisten in den Stadtrat gewählt wurde.

Karriere in Semess und Zeit als Bürgermeister

1954 kandidierte der 34-jährige Caval erstmals für ein Parlamentsmandat und zog für den PS in die sagradische Abgeordnetenkammer ein. 1955 kehrte er ganz nach Semess zurück, wo er 1956 in den Stadtrat gewählt wurde. Der junge Jurist machte sich hier einen Namen als fähiger Redner und politisches Talent. 1959 übernahm er den Vorsitz der sozialistischen Stadtratsgruppe und führte als Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen 1960 die sozialdemokratisch orientierte ASUL zu einem klaren Wahlsieg. Caval wurde zum Bürgermeister der Hauptstadt gewählt und war mit 40 Jahren der bis dahin jüngste Inhaber des Amtes. Mit diesem „Hauptstadt-Coup“ katapultierte sich Caval zum Shootingstar der Sozialisten und zum Führer einer neuen jungen Generation undogmatischer Realpolitiker, die bald parteiintern und in den Medien als Guarda Jovén bezeichnet wurde. Neben Caval gehörten zu dieser Jungen Garde der ehemalige Avante-Chefredakteur und amtierende Fraktionsgeschäftsführer Paulo Centavo, der Gewerkschafrsreformer Martín Solano sowie der spätere lojandinische Regionalsekretär Francisco Fernandez.

Als Mitglied der Programmkommission war Caval an der Formulierung des 1962 angenommenen und für die sagradischen Sozialisten wegweisenden Lemezer Programms beteiligt. Hier knüpfte er auch intensive Kontakte mit den führenden Vertretern des so genannten Mitternachtskartells Iacovo Del Pérez und Stefano Nacoma, deren Parteiführung er bald kritisieren sollte. Als Caval 1964 wiedergewählt wurde, stieg er in den engeren Parteivorstand auf, wurde zum Sekretär der Partei für Staatsreformen und erlangte nationale Popularität. In der Folge machte Caval durch öffentliche Kritik an der als autoritär empfunden Parteiführung um Del Pérez, Nacoma und Carles Domínguez Arrás auf sich aufmerksam. Mit lauter werdender Kritik suchte Del Pérez als Ministerpräsident seit 1964 den Ausgleich mit den jungen Reformkräften und band einige von ihnen in seine Regierung ein.

Minister und Generalsekretär

Im Januar 1967 trat schließlich auch Caval als Wirtschaftsminister in das Kabinett Del Pérez III ein, das allerdings nur wenige Monate im Amt war und im Mai von einer Mitte-Rechts-Regierung unter Carles Angel Favale abgelöst wurde. Bei den vorgezogenen Kammerwahlen 1967 zog Caval wieder ins sagradische Parlament ein. Im Frühjahr 1968 kandidierte er auf dem ASUL-Parteitag erfolgreich für das prestigeträchtige Amt des Parteisekretärs für Wirtschafts- und Industriepolitik und gründete seinen eigenen „Corrente“, den er "Mâis Democrácia – Mâis Solidaritá" nannte und als linke Reformbewegung positionierte. Er machte sich besonders für gesellschaftspolitische Reformen stark und schuf damit große Synergien mit den revoltierenden Studenten, die ihn in großen Teilen unterstützten. Mit seiner harten Kritik am Vietnam-Krieg und seinem Engagement für internationale Abrüstung und den Ost-West-Dialog, Positionen, die seine politische Agenda fortan prägten, wurden nun erstmals lautstark vertreten und wirkten als Kontrapunkt zur stark westlich orientierten Regierung Favale. Seine Teilnahme an einer Anti-Vietnamkriegs-Demonstration in Semess brachte ihm im Juni 1968 harsche Kritik der politischen Rechten ein, stärkte aber sein Image als Mann der Jugend.

In der Folge kam es zu Krisenerscheinungen des bis dahin allmächtigen Mitternachtskartells in der Partei, das dem Druck der Jungen nicht mehr standhalten konnte und darüber hinaus durch persönliche Differenzen und Machtränke geschwächt war. Die Jungen in der Partei störten sich vor allem an dem Bündnis der Parteiführung mit den Vertretern des konservativen, gewerkschaftsnahen Sugares-Kreis, die gemeinsam die Macht in der Partei monopolisiert hatten und in den Augen der Jungen den eingeforderten Gesellschaftsreformen im Weg standen. Caval brachte sich danach mit Unterstützung einiger reformorientierter Regionalverbände als potenzieller Nachfolger Del Pérez’ im Amt des Generalsekretärs der Partei in Stellung. Sein Fernziel war die Spitzenkandidatur für die Sozialisten bei den Kammerwahlen 1971. Gleichzeitig verlor Del Pérez auch zunehmend die Unterstützung seiner Mitstreiter Domínguez-Arrás und Nacoma, die zunächst Marcelo Bérgamo als Nachfolger an der Parteispitze zu favorisieren schienen.

Als ASUL-Chef Iacovo Del Pérez im Frühjahr 1969 auf das Amt des Generalsekretärs verzichtete, kandidierte Caval gegen den langjährigen Wirtschafts- und Finanzminister Marcelo Bérgamo und erhielt eine deutliche Mehrheit der Delegiertenstimmen. Bereits im Vorhinein hatte er sich die Unterstützung Nacomas gesichert, der zunehmend alleine die Rolle des Strategen und Strippenziehers hinter den Kulissen einnahm. Der Pakt mit Nacoma bedeutete auch, dass Nacoma und Domínguez-Arrás auch weiterhin in den Schlüsselpositionen stellvertretender Generalsekretäre verbleiben sollten. Mit der Unterstützung Nacomas im Rücken schaffte es Caval, einige seiner politischen Weggefährten wie Paulo Centavo oder Francisco Fernandez ins Exekutivkomitee der Partei zu bringen. Außerdem band er eine Reihe junger Talente an sich, darunter den 40-jährigen Andrés Colón, dem er in das neu geschaffene Amt des Nationalen Koordinators der Partei verhalf, oder den 35-jährigen David Cabarel, der Cavals Büroleiter und später einer seiner Staatssekretäre wurde. Colón, Solano und der ebenfalls erst 41-jährige José Helguerra waren auch für das Wahlkampfkonzept verantwortlich, das unter dem Titel „Renovación Democráctica“ weitreichende Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Rechtspolitik versprach.

Wahlsieg 1970 und die ersten Jahre der Ministerpräsidentschaft

Als Spitzenkandidat seiner Partei bei den vorgezogenene Kammerwahlen 1970 trug Caval mit seinem Programm der „Renovación Democrática“ einen historischen Sieg davon, indem er mit knapp 41% der Stimmen das beste Ergebnis für die ASUL bei Kammerwahlen überhaupt herausholte. Cavals Sieg versetzte die politische Linke in eine ungekannte Aufbruchstimmung, die es seinem sozialistischen Minderheitskabinett erlaubte, mit Unterstützung der Kommunisten die umfassenden demokratischen und sozialen Reformen auf den Weg zu bringen, den das Land dringend benötigte. Im Vordergrund seiner Regierung standen liberale und soziale Reformen in der Justiz-, Sozial- und Sicherheitspolitik, die zum Teil auch von den Unionsdemokraten mitgetragen wurden.

In Cavals Kabinett waren mit Del Pérez als Außenminister, Domínguez-Arrás als Vizepremier und Finanz- und Wirtschaftsminister sowie Stefano Nacoma als Bildungs- und Forschungsminister alle Protagonisten der alten Parteiführung vertreten und sie alle besetzten Schlüsselressorts. Nacoma war neben der Schul- und Hochschulreform auch für die Organisation der Zusammenarbeit mit den Kommunisten verantwortlich, da er als Kontaktmann zu KP-Chef Dián Aliureto Chabonet fungierte und dem inoffiziellen Kontaktkomitee aus sozialistischen und kommunistischen Abgeordneten vorstand. Die gemeinsame Arbeit im Parlament organisierte Fraktionschef Pietro Cellar, der aber 1972 durch Nacoma selbst ersetzt wurde.

Obwohl neben den genannten drei Parteigrößen auch mit Rinaldo Sugares der Führer der konservativen Gewerkschaftler in der Partei im Kabinett Schlüsselressorts begleiteten, waren mit Ausnahme des Fraktionsvorsitzes alle unmittelbaren Organisationsposten in Partei und Regierung mit Cavals „Jungs“ besetzt: Andrés Colón als Nationaler Koordinator und David Cabarel als Leiter des Büros des Generalsekretärs kontrollierten die wichtigen Parteigremien und David Luis Aragón als Chef der Ministerratspräsidentschaft die Kabinettsarbeit. Colón folgte Aragón 1972 im Kabinett nach und wurde in der Partei durch Nícola Zamorra ersetzt, während Cabarel zeitgleich Regierungssprecher wurde und Aragón an der Seite Nacomas in die Fraktionsspitze wechselte und dem mächtigen Vizegeneralsekretär dort als Geschäftsführer auf die Finger schauen sollte. Als inneres Machtzirkel in Cavals Regierung bildete sich bald das so genannte "Zigarren-Kabinett" heraus, bestehend aus Vizegeneralsekretär Stefano Nacoma, Cavals Kabinettschef David Luis Aragón, der 1972 durch Andrés Colón abgelöst wurde, sowie zweitweise auch Pietro Cellar, Carles Domínguez Arrás und Nícola Zamorra. Hier wurden sowohl Regierungs- als auch Parteientscheidungen getroffen und zukünftige Strategien ausgeknobelt.

Die ersten vier Jahre der Regierung Caval gehören mit der Verbesserung der betrieblichen Mitbestimmung, dem Ausbau des Sozialstaats, einer umfassenden Reform des Ehe- und Familienrechts sowie einer großen Bildungsreform zu den dynamischsten Phasen der Dritten Republik. Das Hochschulwesen wurde demokratisiert, die Gleichberechtigung gesetzlich verankert, Homosexualität legalisiert sowie das Abtreibungsrecht liberalisiert. Als wichtige Reformminister etablierten sich auch Isabela Defernandis, die erste Frau in einem Ministeramt, die 1972 von Nacoma das Erziehungsministerium übernahm, und José Helguerra, der die Gesundheitsreform durchbrachte sowie das Familienrecht reformierte. Die Gesellschaftsreformen der Linksregierung brachten Caval nicht nur Bewunderung und Sympathien besonders in linksintellektuellen Kreisen ein, sondern erweckten auch den erbitterten Widerstand der rechten Opposition, die das konservative Familien- und Gesellschaftsbild der Republik in Gefahr sahen. Auch der von der Linken angestoßene Diskussions- und Aufarbeitungsprozess des Faschismus in Sagradien stieß bei der Rechten auf energische Ablehnung. In Teilen der katholischen Kirche in Sagradien entstand eine erbitterte Opposition zur als atheistisch empfundenen Linksregierung. Im April 1972 konnte ein rechtsradikaler Anschlag auf Caval nur knapp verhindert werden.

Zweite und dritte Amtsperiode

Die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974 bestätigte die Erfolge der Sozialisten, die ihre Minderheitsregierung in Koalition mit der Radikaldemokratischen Partei fortsetzen konnten, doch gestaltete sich die Zusammenarbeit zunehmend schwieriger und begann zu bröckeln, die folgende Legislaturperiode erwies sich daher auch als weitaus konfliktgeladener als noch die erste. Nach dem Abschluss der von Caval als vorrangig erachteten Gesellschaftsreformen drängten nicht nur die Kommunisten, sondern auch große Teile der eigenen Partei immer stärker zu einer Intensivierung der wirtschaftspolitischen Reformbemühungen. Vor allem die großen Betriebe der Montanindustrie sollten nun sozialisiert sowie die Rechte der Arbeitnehmer weiter gestärkt werden. Die Parteirechte der Sozialisten aber lehnte solche weitgehenden Forderungen ab und mahnte stattdessen zu einer moderaten Politik. Erschwert wurde das Klima durch die weltwirtschaftlichen Krisenerscheinungen infolge des „Ölschocks“ von 1973 und der folgenden Krisen, welche die keynesianische Wirtschaftspolitik Cavals bald an ihre Grenzen brachte. Hinzu kam der militante Terror des linken Grupo Sêglu Rôiso (GSR), aber auch rechtsextremistischer Gruppen, welche bald die Republik erschütterten und ein stark polarisiertes und gespanntes politisches Klima erschufen, das zunehmend auch die Regierungspolitik und das Verhältnis der Linksparteien untereinander belastete. Im Herbst 1976 kündigten die Kommunisten schließlich der Regierung die Zusammenarbeit auf und stimmten bei einer Vertrauensfrage gegen Caval, der seinen Rücktritt einreichte und die vorzeitige Auflösung der Abgeordnetenkammer durch Präsident Del Pérez erreichte.

Aus der Opposition zurück in die Regierung

Bei den vorgezogenen Neuwahlen 1977 trug die politische Rechte aus Christdemokraten und Liberalen einen Sieg davon. Caval wurde im Amt des Regierungschefs durch den PPC-Vorsitzenden Sandro de la Nada abgelöst.

Caval wurde damit Oppositionsführer. Gleichzeitig konnte er sich auch weiterhin außenpolitisch profilieren. Er setzte sich dabei besonders für die dritte Welt und für eine Aussöhnung Sagradiens mit seinen ehemaligen Kolonien in Afrika, Asien und Amerika ein.

Nachdem sich die wirtschaftliche Situation infolge der zweiten Ölkrise im Jahr 1980 stark verschlechterte, einigte sich Caval schließlich 1980 auf einen Pakt mit den Christdemokraten unter Ministerpräsident Sandro de la Nada. Bis zum Ende der Legislaturperiode bildeten Sozialisten und Christdemokraten damit unter der Führung Cavals und Nadas.

Entgegen seinem bisherigen Image als linker Reformer musste Caval in dieser Phase als Vertreter eines starken Staates auftreten und die von ihren Gegnern als kapitalistisch und imperialistisch verunglimpfte Gesellschaft gegen die radikale gewaltbereite Linke verteidigen. Auch das Aufkommen der grünen Anti-Atomkraft-Bewegung führte zu parteiinternen Auseinandersetzungen um die Energiepolitik und die Zukunft der Atomkraft, die auch in seiner eigenen Partei umstritten war und darüber hinaus zu Spannungen mit den überzeugten Atombefürwortern führte. Während sich Caval lange Zeit der Unterstützung durch den Großteil der Intellektuellen des Landes sicher sein konnte, bröckelte dieses Vertrauen nun. Die neuen sozialen Bewegungen entwickelten sich immer stärker zu einer Oppositionsbewegung gegen die unpopuläre Politik der Regierung, die nun vor allem von einer Zusammenarbeit mit den Liberalen abhängig war.

Aus der Parlamentswahl 1981 ging keine der beiden großen Parteien als klarer Sieger hervor. Schließlich konnte sich aber Caval mit den beiden liberalen Parteien auf ein begrenztes Kooperationsprogramm einigen und kehrte nach vier Jahren wieder in den Stuhl des Ministerpräsidenten zurück. Abermals bildete er eine Alleinregierung seiner ASUL, die im Parlament meist von den Radikaldemokraten unterstützt wurde, sich aber kein dauerhaftes Fundament im Parlament sichern konnte. Nach wenigen Monaten bat Caval daher Präsident Iacovo Del Pérez darum, die Abgeordnetenkammer aufzulösen und vorzeitige Neuwahlen auszurufen.

Letzter Wahlsieg

Der folgende Wahlkampf zur Parlamentswahl 1982 gilt bis heute als einer der härtesten in der Geschichte des Landes. Vor der Wahl hatte die christdemokratische Volkspartei ihren kompromissbereiten Parteivorsitzenden Sandro de la Nada durch den energischer auftretenden Emilio Moya ersetzt. Dieser setzte in der Kampagne gegen die Sozialisten ganz auf eine Koalition mit der liberalen UDS und warb für eine klare wirtschaftspolitische Wende im Land, während Caval vor einer "neokonservativen Gegenrevolution" warnte und den Sozialstaat gegen Angriffe der liberalkonservativen Opposition verteidigte. Stattdessen versprach Caval, mit seinem populären Finanzminister Donado Ricardes eine moderate Reformpolitik zur Stabilisierung des Landes in der wirtschaftlichen Not.

Aus der Wahl ging schließlich Cavals Sozialistische Allianz abermals als Sieger hervor und bildete eine neue Minderheitsregierung der Sozialisten mit der Radikaldemokratischen Partei. Erneut kündigte Caval an, sowohl bei Liberalen als auch bei Kommunisten um Zustimmung für sein Regierungsprogramm zu werben. Gleichzeitig übte er Kritik an der Aufrüstung auch der westlichen Partner, vor allem der USA.

Tod und Nachfolge

Nur wenige Stunden nach seiner Vereidigung zum Ministerpräsidenten und der Ernennung seines Kabinetts fuhr Caval gemeinsam mit seinem engen Vertrauten David Luis Aragón in seinem Dienstwagen zu einem politischen Treffen. Der Wagen kam schließlich von der Straße ab und landete in einem Graben. Der Fahrer starb noch am Unfallort, Caval wenige Stunden später im Krankenhaus. Die Umstände des Todes konnten nie ganz geklärt werden. Bis heute ranken sich daher Mythen und Verschwörungstheorien um den Tod des Ministerpräsidenten.

Caval wurde wenige Tage später in einem Staatsakt auf dem Zentralfriedhof in Semess beigesetzt. An der öffentlichen Trauerfeier nahmen mehr als eine Million sagradische Bürger Abschied von ihrem Regierungschef.

Bilanz der Ministerpräsidentschaft

Joán Cavals Amtsperiode als Ministerpräsident, mit neun Jahren die längste nach der Paulo Luciaros (1949-1960), gilt als Blütezeit der sagradischen Sozialdemokratie und als wichtige Reformphase, welche die Republik nachhaltig geprägt und die Gesellschaft mit liberalisiert hat. Außerdem gehen wichtige Sozialreformen auf die Linksregierung zurück. Ein wichtiger Beitrag zum politischen Klima des Landes war auch Cavals Versuch, seit seiner zweiten Ministerpräsidentschaft 1974, sich um eine Entspannung das ramponierten Verhältnisses der Sozialisten zur katholischen Kirche zu bemühen und auf einen gesellschaftlichen Konsens abzuzielen, den er freilich aufgrund des zunehmend polarisierten Klimas nur vorübergehend erreichte.

Wie kaum ein anderer sagradischer Politiker prägte Caval zudem das Ansehen seines Landes im Ausland. Als Kritiker des Vietnamkriegs und Vorreiter der Entspannung im Ost-West-Konflikt erarbeitete sich der Sozialist das Image eines engagierten Friedenspolitikers und wurde so zu einer Ikone der internationalen linken Bewegung. Gemeinsam mit Olof Palme machte er sich für die internationale Abrüstung stark und förderte den Nord-Süd-Dialog. Caval pflegte enge Verbindungen zu Willy Brandt und Bruno Kreisky und nutzte die Netze der Sozialistischen Internationale, deren stellvertretender Vorsitzender in den Jahren 1976 bis 1984 war. Als erster sagradischer Ministerpräsident distanzierte sich Caval, nur eine Dekade nach Ende der Dekolonisierung, von der Kolonialpolitik seines Landes in vorangegangenen Jahrzehnten und proklamierte eine "Politik der Versöhnung und Wiedergutmachung" gegenüber den früheren Kolonien.

Um Caval Nachfolge in der Parteiführung entbrannte schließlich ein parteiinterner Machtkampf, in dem sich mit Donado Ricardes und Andrés Colón zwei Politiker als Rivalen gegenüberstanden, die von Caval gefördert und zeitweise als Kronprinzen aufgebaut worden waren. Auf dem Parteikongress der Sozialisten im Mai in Noyar setzte sich schließlich Ricardes gegen Colón durch.

Cavals politisches Erbe

Caval, der 13 Jahre lang die Politik und das Image seiner Partei prägte und als Parteichef wesentlich den Kurs der Sozialisten bestimmte, gilt noch heute als große Ikone der Partei und als einer der beliebtesten Persönlichkeiten der Republik. Jedoch sehen Caval noch immer zahlreiche Vertreter des konservativen Lagers kritisch. Innerhalb der ASUL versuchten immer wieder Persönlichkeiten das politische Erbe Cavals zu beanspruchen. Dessen ursprünglicher Corrente hat seither eine Reihe von links-progressiven Nachfolgegruppen nach sich gezogen, die als Cavalistas bzw. Neo-Cavalistas bezeichnet werden oder sich selbst so bezeichnen. Zu bekannten Cavalistas wurden oder werden António Grande Illega, Victor Gomes Amarón und jüngst auch Mercé Serrat Cabarell gezählt. Cavals ältester Sohn Maximilián Caval ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Kulturkritiker, sein zweitältester Sohn Fernando ist mittlerweile als Unternehmensberater tätig.

Politische Funktionen

Öffentliche Ämter

Mandate

Parteiämter

  • 1959-1960: Sprecher der sozialistischen Stadtratsfraktion in Semess
  • 1969-1982: Generalsekretär der ASUL
  • 1976-1982: Vizepräsident der Sozialistischen Internationale (SI)
  • 1980-1982: Präsident der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE)