Donado Ricardes: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 17: | Zeile 17: | ||
=== Ministerpräsident === | === Ministerpräsident === | ||
| − | Nach dem Tod Joán Cavals in Folge eines | + | Nach dem Tod Joán Cavals in Folge eines Autounfalls im Dezember 1982 wurde Ricardes von der Sozialistischen Allianz als Nachfolger Cavals als Ministerpräsident nominiert und von Präsident [[Iacovo Del Pérez]] berufen. |
| − | + | Als Premierminister und seit 1983 auch als Parteichef betrieb Ricardes im Angesicht einer anhaltenden Wirtschaftskrise eine Austeritätspolitik und wandt sich damit endgültig von der linkskeynesianischen Politik der 1970er Jahre ab. | |
| − | + | Nicht nur damit geriet Ricardes bald in Widerspruch zu den Parteilinken und v.a. zu den Anhängern einer neuen ökologischen Wirtschafts- und Umweltpolitik, die mit dem Erstarken der [[Verdes|Grünen]] auch innerhalb der Allianzpartei anwuchsen. Besonders eine Generation jüngerer sozialistischer Politiker wie [[Paulo Satyres]] oder [[Mariano Larcón]] vertrat das Konzept einer Annäherung an die Grünen, dazu gehörten auch eher der Mitte zugeneigte Politiker wie der Abgeordnete [[António Delvequio]], der sich die grüne Option aus strategischen Gründen offenhalten wollte. Dagegen galt Ricardes als Anhänger einer konservativen Energiepolitik und als Gegner rot-grüner Bündnisse. | |
=== Rücktritt und weitere Tätigkeiten === | === Rücktritt und weitere Tätigkeiten === | ||
Version vom 03:08, 25. Jan 2014
Donado Morrier Ricardes (*4.5.1930 in Martiniac, Ligre Scantia) ist ein sagradischer Ökonom und Politiker. Er war von 1976 bis 1977 sagradischer Wirtschafts- und danach von 1981 bis 1982 Finanzminister. Nach dem Tod Joán Cavals wurde Ricardas im Dezember 1982 als Nachfolger Cavals zum sagradischen Ministerpräsidenten ernannt. Dieses Amt behielt er bis zur Wahlniederlage 1986.
Von 1983 bis 1990 war Ricardes zudem Generalsekretär der sozialdemokratischen ASUL. Nach der erneuten Niederlage seiner Partei bei der Parlamentswahl 1990 trat er von diesem Amt zurück.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jugend und Beruf
Donado Ricardes, Sohn eines Gymnasiallehrers aus Martiniac im Norden Ligre-Scantias, ging in seinem Heimatort zur Schule, das Gymnasium besuchte er in Bosa und begann dort auch 1949 sein Studium der Rechtswissenschaften, welches er fünf Jahre später in Semess beendete. In dieser Zeit trat Ricardes auch der Sozialistischen Allianz bei. Nach seiner Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften mit dem Spezialgebiet Wirtschaftsrecht wechselte Ricardes von der Verwaltungshochschule in Semess in die Staatswirtschaft und wurde zunächst Verwaltungsbeamter beim staatlichen Energiekonzern CES.
Später gehörte Ricardes zum Leitungsstab im sagradischen Finanzministerium, ehe er 1973 zum Generaldirektor der sagradischen Staatsholding ENIP berufen wurde.
Start der politischen Karriere
Im Jahr 1976 erfolgte Ricardes' Wechsel in die Politik. Unter Finanzminister Francisco Montone wurde er zunächst zum Staatssekretär im Finanzministerium berufen. Nur kurze Zeit später übernahm Ricardes nach dem Rücktritt des sozialistischen Wirtschaftsministers Andrés Colón im Oktober 1976 dessen Ministeramt im dritten Kabinett von Joán Caval. Die Ablösung des Parteilinken Colón durch den langjährigen Manager wurde verschiedentlich als wirtschaftspolitischer Richtungswechsel gedeutet.
Nach dem Sieg der Christdemokraten bei der Parlamentswahl 1977 schied Dorado Ricardes aus dem Amt, kehrte aber im Jahr 1981 als Finanzminister in die Regierung zurück. Als solcher versuchte er zusammen mit dem konservativen Wirtschaftsminister Alfonso Guivares die Folgen der zweiten Ölkrise in den Griff zu bekommen.
Durch seine schnellen Erfolge, die ein rapides Anwachsen der Wirtschaftskraft des Landes verzeichneten, gewann er auch einige Anhänger in der Sozialistischen Partei und es entwickelte sich um Ricardes eine parteiinterne Strömung der reformistischen Mitte, die eine soziale Gestaltung der Marktwirtschaft anstrebte und die marxistisch geprägte Linie der alten Linken ablehnte. 1979 gründete Ricardes seinen eigenen Corrente, dem er den schlichten Namen "Progreso Social" gab. Die „Linie Ricardes“ gewann in den folgenden Jahren der Großen Koalition unter dem konservativen Premierminister Sandro de la Nada zunehmenden Einfluss vor allem im Regierungsflügel der ASUL, blieb aber in der weiterhin von Caval geführten Partei zunächst in der Minderheit.
Ministerpräsident
Nach dem Tod Joán Cavals in Folge eines Autounfalls im Dezember 1982 wurde Ricardes von der Sozialistischen Allianz als Nachfolger Cavals als Ministerpräsident nominiert und von Präsident Iacovo Del Pérez berufen.
Als Premierminister und seit 1983 auch als Parteichef betrieb Ricardes im Angesicht einer anhaltenden Wirtschaftskrise eine Austeritätspolitik und wandt sich damit endgültig von der linkskeynesianischen Politik der 1970er Jahre ab.
Nicht nur damit geriet Ricardes bald in Widerspruch zu den Parteilinken und v.a. zu den Anhängern einer neuen ökologischen Wirtschafts- und Umweltpolitik, die mit dem Erstarken der Grünen auch innerhalb der Allianzpartei anwuchsen. Besonders eine Generation jüngerer sozialistischer Politiker wie Paulo Satyres oder Mariano Larcón vertrat das Konzept einer Annäherung an die Grünen, dazu gehörten auch eher der Mitte zugeneigte Politiker wie der Abgeordnete António Delvequio, der sich die grüne Option aus strategischen Gründen offenhalten wollte. Dagegen galt Ricardes als Anhänger einer konservativen Energiepolitik und als Gegner rot-grüner Bündnisse.
Rücktritt und weitere Tätigkeiten
Nach den neuerlichen Wahlerfolgen der Grünen ging Ricardes im Hinblick auf die Kammerwahlen 1990 zu einer neuen Strategie über und versuchte die Wähler der Grünen wieder an die eigene Partei zu binden. 1989 holte er den populären ehemaligen Grünen Julio de la Costa als Umweltminister in sein Kabinett, um einen Politikwechsel zu signalisieren. Auch die Parteilinke wurde ab 1988/89 stärker berücksichtigt, was die Koalition mit den Liberalen zunehmend belastete. Trotz eingeschlagener Kurskorrekturen hin zu einer eher traditionellen sozialdemokratischen Wirtschafts- und Sozialpolitik einerseits und wenigen postmaterialistischen Akzenten andererseits musste Ricardes bei den Kammerwahlen 1990 eine deutliche Niederlage hinnehmen und wurde durch den Konservativen Josep Otero als Ministerpräsident abgelöst.
In der Folge der Wahl trat Ricardes von seinem Amt als Parteichef der Sozialisten zurück, nachdem er im Parteivorstand der heftigen Kritik der Linken ausgesetzt worden war. Sein Mandat als Abgeordneter nahm er weiterhin wahr, zog sich aber aus der Führung zurück. Im Jahr 1992 kam es zum Bekanntwerden eines Parteispendenskandals in der ASUL. Besonders Ricardes geriet in die Kritik und musste bald zugeben, als Parteichef Parteispenden wiederholt falsch deklariert zu haben. Er gab sein Abgeordnetenmandat zurück und zog sich vorübergehend aus der Politik zurück. Stattdessen arbeitete er fortan als Berater in der freien Wirtschaft. Nachdem er lange Zeit als Kandidat der Sozialisten für die Präsidentschaftswahlen 1994 gehandelt worden waren, musste er derartige Ambitionen ebenfalls aufgeben.
Senator
Nach dem Sieg der Sozialisten bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1998 wurde Ricardes dennoch Vorsitzender einer außerparlemantarischen Expertenkommission, die Vorschläge für eine Reform des Gesundheitswesens ausarbeiten sollte. Im Juni 1999 feierte Ricardes sein politisches Comeback und zog für die Sozialisten ins Europäische Parlament ein. Hier war er im Haushalts- und Währungsausschuss vertreten. Nach einer Legislaturperiode verzichtete er im Jahr 2004 auf eine Wiederwahl. Stattdessen kehrte er als Aufsichtsratsmitglied verschiedener Unternehmen in die Wirtschaft zurück. Im Jahr 2005 wurde der 75-jährige Ricardes von Staatspräsident António Grande Illega zum Senator auf Lebenszeit ernannt.
Danach kam es vermehrt zu Differenzen zwischen Ricardes und seiner Partei. Ricardes gehörte innerhalb seiner Partei zu jenen Mitgliedern, die sich vehement gegen eine Zusammenarbeit mit der äußeren Linken aussprachen. Parteichef Santiago Diaz de Velozo, der ebenfalls diesen Kurs vertrat, warf er aber Führungsschwäche vor. Innerhalb der Sozialistischen Partei wurde Ricardes vermehrt vorgeworfen, der konservativen Rechtskoalition von Ánibal Luisanto nahezustehen. Hinzu kamen persönliche Differenzen zwischen Ricardes und Diaz de Velozo, da der Asul-Chef aus parteitaktischen Erwägungen heraus Ricardes den prestigereichen Vorsitz des Nationalkonvents der Partei verweigerte, von dem sich Ricardes die parteiinterne Rehabilitation für seine Vergehen im Parteispendenskandal der späten Achtziger und frühen Neunziger versprach.
Vor den Kammerwahlen 2008 eskalierte der Streit Ricardes’ mit seiner Partei. Im Hinblick auf das Wahlprogramm der Sozialisten sprach Ricardes von einem „Linksruck“ und wirtschafts- und energiepolitischem „Unsinn“. Bereits zuvor hatte Ricardes als Anhänger einer konservativen Energiepolitik den Ausstieg aus der Atomenergie kritisiert und sich für längere Laufzeiten ausgesprochen. Nach der Niederlage der Sozialisten bei den Kammerwahlen 2008 gehörte Ricardes zu den wenigen in der Partei, die die Kandidatur des wirtschaftsnahen Außenseiter-Kandidaten Joán Gras Brianforte unterstützten. Einen Tag nach der Wahl der gemäßigt-linken Mercé Serrat Cabarell zur neuen Generalsekretärin der Asul erklärte Ricardes in einem Interview mit der konservativen Tageszeitung Il Mundo, seine Parteimitgliedschaft ruhen lassen zu wollen. Außerdem trat er aus der sozialistischen Gruppe im Senat aus und firmierte danach als Unabhängiger. Einladungen des Generalsekretärs der Volkspartei Névito Ramos Iliega, der konservativen Fraktion beizutreten, kommentierte Ricardes zunächst nicht, antwortete dann aber, er wolle sich momentan nicht mehr parteipolitisch binden. Einen endgültigen Austritt aus seiner Partei lehnte er aber „aus Verbundenheit zur Vergangenheit und dem Erbe der Partei“ ab. Er bleibe auch über "Differenzen mit Persönlichkeiten und Gruppen in der aktuellen Parteiführung" hinweg "Sozialdemokrat in freiheitlich-demokratischer Tradition".
Nach der Wahl von Senatspräsident Roberto Vidéas Braga zum Präsidenten der Republik im Frühjahr 2009 wurde Ricardes von konservativen Politikern überraschend als Nachfolger ins Spiel gebracht. Ricardes ließ mehrere Tage offen, ob er kandidieren wolle, lehnte schließlich jedoch eine Nominierung durch die konservative PPC-Fraktion ab.
Politische Funktionen
Berufliche Funktionen
- Bis 1970: Karriere in der Companía d'Energía Sagradêsa (CES), zuletzt als Verwaltungsdirektor
- 1970-1973: Abteilungsleiter im sagradischen Finanzministerium
- 1973-1976: Generaldirektor der ENIP (Entitá Nacional de Investimiento i Participaciones)
Öffentliche Ämter
- 1976: Staatssekretär im sagradischen Finanzministerium
- 1976-1977: Minister für Wirtschaft und Industrie im Kabinett Caval III
- 1981-1982: Finanzminister im Kabinett Caval IV und im Kabinett Caval V
- 1982-1986: Präsident des Ministerrats
Mandate
- 1986-1992: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
- 1999-2004: Mitglied des Europäischen Parlaments
- Seit 2005: Senator (auf Lebenszeit ernannt)
Parteifunktionen
- 1983-1990: Generalsekretär der ASUL