Paulo Luciaro: Unterschied zwischen den Versionen

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* 1949-1960: [[Ministerpräsident]] ([[Kabinett Luciaro II]], [[Kabinett Luciaro III|III]], [[Kabinett Luciaro IV|IV]], [[Kabinett Luciaro V|V]], [[Kabinett Luciaro VI|VI]] und [[Kabinett Luciaro VII|VII]])
* 1955-1957: zugleich [[Außenminister]] ([[Kabinett Luciaro V]])
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* 1953-1955: zugleich [[Außenminister]] ([[Kabinett Luciaro IV]])
  
 
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Version vom 19:04, 11. Mai 2013

Paulo Manuel Luciaro (*1888 in Nouberez, †1963 in Semess) war ein sagradischer christdemokratischer Politiker und Staatsmann. Er war mehrmals sagradischer Außenminister (1945-1946 und 1953-1955) sowie Ministerpräsident (1946 sowie 1949-1960). Bis heute ist er der am längsten amtierende Regierungschef der Dritten Republik. Von 1945 bis 1948 war Luciaro zudem Parteisekretär und 1954 bis 1961 Parteivorsitzender der PPC.

Von 1960 bis 1962 stand Luciaro der Europäischen Parlamentarischen Versammlung vor. Er gilt als einer der Gründerväter der Europäischen Union sowie der europäischen Christdemokratie und als eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Sagradien.

Leben

Jugend und politische Karriere in der Zweiten Republik

Der aus der Bretagne stammende Luciaro besuchte ein Jesuiten-Gymnasium in seiner Heimatstadt und studierte danach Rechts- und Staatswissenschaften in Vice, Semess und Vierna. Während des Studiums gehörte er verschiedenen katholischen Studentenvereinen an. Nach seiner Promotion ließ sich Luciaro 1913 im sagontinischen Vierna nieder, wo er zunächst für einen Rechtsanwalt arbeitete. Zugleich begann er, als Redakteur für verschiedene kleinere Zeitungen zu schreiben.

Im Jahr 1920 wurde Luciaro erstmals in den Stadtrat von Vierna gewählt, wenig später kam er in Kontakt mit der liberalkatholischen Vertá-Gruppe um Don Martín de León und Ariel de la Roya, seit 1922 schrieb er regelmäßig für das Blatt. Er war zudem Mitglied der Liga del Pôpolo Jovén, einer Vereinigung junger Katholiken, die der katholischen Acción Popular nahestand und christdemokratische und christlich-soziale Ideen entwickelte. 1925 gehörte er schließlich zu den Gründern der Demokratischen Volkspartei (PDP), der ersten christdemokratischen Partei Sagradiens, die im Gegensatz zur klerikal-konservativen Volksunion progressive christlichsoziale Positionen vertrat. Er wurde ein enger Vertrauter des Parteichefs Don Martín und 1927 dessen persönlicher Sekretär. Im Jahr 1932 wurde Luciaro Bürgermeister von Vierna. Der seit 1935 amtierenden Volksfrontregierung stand er von Beginn an kritisch gegenüber, jedoch lehnte er auch den zunehmend autoritär-konservativen Kurs der rechtskatholischen Volksunion ab. Dennoch sprach sich Luciaro nach den Aprilwahlen 1938 für eine Regierungsübernahme durch Manuel Álamo aus, da er sich dadurch eine politische Stabilisierung erhoffte.

Nach den Augustgesetzen 1940 legte Luciaro sein Amt als Bürgermeister nieder. Er gehörte fortan zu den Befürwortern eines sagradischen Kriegseintritts auf alliierter Seite. 1943 schloss er sich der sagradischen Resistença in Nordostsagradien an, wo er zusammen mit De la Roya und dem Linkskatholiken Nino Cabal den katholischen Flügel (Resistença Cristiana) vertrat.

Gründung des PPC und Arbeit in der Nationalversammlung

Gleichzeitig bemühte sich Luciaro um den Wiederaufbau der alten PDP. Im Herbst wurden die Parteiaktivitäten in Luciaros Privatwohnung wieder aufgenommen und Flugblätter wurden gedruckt, in der die „christlich-demokratische Volkspartei“ benannt wurde. Zu einer offiziellen Neugründung kam es jedoch nicht. Stattdessen gehörte Luciaro im Januar 1945 zu den Mitbegründern der Volkspartei PPC, zu deren Parteisekretär er gewählt wurde. Während Ariel De la Roya als bekanntes Zugpferd zunächst als Parteiführer galt, übernahm Luciaro die Organisationsarbeit. Seinem Willen nach sollte die PPC eine nicht-konfessionelle christlich-orientierte Sammlungspartei darstellen, die demokratisch und nicht-sozialistisch sein und auch alten Anhängern der Volksunion offenstehen sollte. Dieser pragmatische liberalkatholisch dominierte Kurs setzte sich in der Partei bald durch, nachdem der linkskatholische Flügel um Cabal, der einen christlichen Sozialismus propagierte, bald ins Abseits geriet und die Partei schließlich auch größtenteils verließ.

Luciaro wurde im August 1945 in die sagradische Nationalversammlung gewählt. Die Christdemokraten bildeten hier eine Koalition mit Kommunisten, Sozialisten und Radikalen, die so genannte "Demokratische Koalition”, die eine demokratische Transition zum Ziel hatte. Konservative kritisierten Luciaro und die PPC für den „Pakt mit dem Teufel“, namentlich mit Kommunisten und Sozialisten. Luciaro war aber überzeugt, dass allein eine solche Koalition des demokratischen Konsenses das Land wiederaufbauen und eine stabile liberale Demokratie etablieren könne. Vor allem sollte die alte Spannung zwischen linken Säkularen und rechten Katholiken vermieden werden, die die Zweite Republik an ihren Abgrund geführt hatte.

Luciaro war Mitglied der Regierung unter Sergio Rafael Dini. Hier wirkte er als Minister für öffentliche Verwaltung, unter Dinis Nachfolger Saviola war er schließlich 1945/1946 für die auswärtigen Beziehungen zuständig. Nach dem Rücktritt Saviolas im Frühjahr 1946 wurde Luciaro selbst zum Regierungschef ernannt. Unter seiner Führung wurden die Verhandlungen über die neue Verfassung erfolgreich zum Abschluss gebracht und die neue demokratische Verfassung trat nach einem Referendum im Sommer 1946 in Kraft.

Ministerämter und Ministerpräsidentschaft

Nach der Parlamentswahl 1946 wurde die „Demokratische Koalition“ im Rahmen der ersten verfassungsmäßigen Regierung der Dritten Republik nochmals erneuert. Im Kabinett des Sozialisten Francisco Dorado wurde Luciaro stellvertretender Ministerpräsident und Außenminister. Unter Dorados Nachfolger António Delauro wurde Luciaro im März 1947 Innenminister, seit Dezember amtierte er als Justizminister im Kabinett des Sozialdemokraten Santo de la Ilpa. Luciaro und Ilpa sollten in den Folgejahren zu engen politischen Weggefährten und Vertrauten werden. Im Jahr 1948 gab Luciaro sein Amt als Parteisekretär an Benito Mello ab, er blieb aber eigentlicher Führer der Partei.

Nach dem Scheitern der Regierung Ilpa im Frühjahr 1949 erhielt Luciaro von Präsident Dini den Auftrag zur Regierungsbildung und wurde schließlich zum zweiten Mal Ministerpräsident. Sein Vorgänger Ilpa blieb als Außenminister Mitglied im Kabinett. Dennoch gelang es Luciaro - auch ohne zusätzliches Ministeramt - eine starke Stellung des Regierungschefs zu etablieren. Mit seinem gemäßigt-marktwirtschaftlichen und konservativ-bürgerlichen Kurs schaffte es Luciaro, die Christdemokraten als dominante Kraft des bürgerlichen Lagers zu behaupten. Bei den Kammerwahlen 1950 trat Luciaro als Spitzenkandidat des PPC an, die deutlich stärkste Kraft im Parlament wurde. Der Erfolg brachte Luciaro auf einen Höhepunkt seiner Macht. 1954 wurde er zudem als Nachfolger von Ariel de la Roya zum Vorsitzenden der Partei gewählt.

Bilanz seiner Ministerpräsidentschaft

In der ersten Hälfte der Fünfziger Jahre wurde Sagradien von einer so genannten Zentrumskoalition aus Luciaros Christdemokraten usowie den Sozialdemokraten Santo de la Ilpas regiert. Ministerpräsident Luciaro und Außenminister Ilpa prägten das Land und setzten eine deutliche außenpolitische Orientierung im Hinblick auf eine Westorientierung, NATO-Mitgliedschaft und europäische Zusammenarbeit durch. Unter der Führung Luciaros gehörte Sagradien 1949 zu den Gründernationen der nordatlantischen Verteidigungsallianz NATO sowie des Europarats. Von Beginn an unterstützte Luciaro den so genannten Schuman-Plan, der 1951/52 zur Gründung der so genannten Montanunion führte. Auch die Römischen Verträge von 1957 mit der Gründung von EWG und Euratom gelten als außenpolitische Leistungen Luciaros, der mit seinem Kurs nicht nur dem Widerstand der kommunistischen und nationalistischen Rändern, sondern zeitweise auch der Sozialisten sowie Teilen der Liberalen trotzte. Luciaro gilt deswegen auch neben Robert Schumann, Jean Monnet, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer als einer der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft und wurde im Jahr 1956 mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Die europäische Integration wurde 1954/55 ergänzt durch eine Aussöhnung mit dem micolinischen Nachbarn, für die vor allem Santo de la Ilpa eintrat, und die im Sommer 1955 schließlich zur Lösung der seit 1935 offenen Golen-Frage führte.

Innenpolitisch setzte Luciaro im Bündnis mit Ilpa eine umfangreiche Sozialstaatsgesetzgebung durch, die jedoch nach dem Ausscheiden der Sozialdemokraten 1955 in der neuen liberal-konservativen Koalition durch einen stärker wirtschaftsfreundlichen Kurs ergänzt wurde. Nach seinem erneuten Wahlsieg 1958 geriet Luciaro zunehmend in Gegensatz mit den eher progressiven Kräften seiner Koalition, die anfingen, den autoritär-konservativen Kurs in der Innen- und Justizpolitik zu kritisieren. Dazu gehörten vor allem die aus der radikalen Tradition stammenden Politiker der liberalen Demokratischen Union, die seit 1955 als Bündnispartner der PPC mitregierten. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme Luciaros, der mit Atembeschwerden rang, aber auch eine zunehmend Unzufriedenheit in der Partei über die anhaltende Machtposition Luciaros. Besonders sein lange als Kronprinz gehandelter Finanzminister Carles Angel Favale wurde bald als Gegenspieler betrachtet. Luciaros Versuch, seinen mächtigen Kabinettschef und Wunschnachfolger als Premierminister Dián Jocéntilo Sánchez neben seinem Kabinettsamt zum einflussreichen Exekutivsekretär der Partei wählen zu lassen, führte Anfang 1959 schließlich zum Aufstand der Gegner Luciaros, die an der Stelle Sánchez' den früheren Staatssekretär im Justizministerium, neu ernannten Minister für die Kolonien und Favale-Vertrauten Martín Nêu Regríguez ins Amt wählten. Dies bedeutete eine herbe Niederlage Luciaros und markierte seinen zunehmenden Autoritätsschwund in der Partei.

Als sich auch parteiintern die Stimmen mehrten, die eine vorzeitige Ablösung Luciaros im Regierungsamt wünschten, entschied sich Luciaro schließlich im Herbst 1959, zum Januar 1960 sein Amt niederzulegen und sich aus der Regierungspolitik zurückzuziehen. Anlass dieser Entscheidung waren öffentliche Forderungen, u.a. des neuen Exekutivsekretärs der Partei Martín Nêu Regríguez' an Luciaro, der Öffentlichkeit und seiner Partei mitzuteilen, ob er die Legislaturperiode beenden wolle, um rechtzeitig einen Nachfolger zu bestimmen. Dieses Vorgehen empfand Luciaro als Palastrevolte und zog sich daraufhin aus dem Regierungsamt zurück. Sein Nachfolgefavorit Dián Jocéntilo Sánchez konnte sich schließlich nicht gegen den in der Partei höher angesehenen Carles Angel Favale durchsetzen, der Luciaro als zu wenig kompromissbereit galt. Dennoch wurde Favale schließlich neuer Ministerpräsident.

Leben nach der Ministerpräsidentschaft

Luciaro zog sich weitgehend aus der nationalen Politik zurück und gab 1961 auch sein Parteiamt auf, wurde jedoch zum Ehrenvorsitzenden der PPC ernannt. Sein Nachfolger Favale verlor die Wahl 1962 und musste als Ministerpräsident zurücktreten. Luciaro wurde kurz nach seinem Rücktritt als Regierungschef zum Präsidenten der Europäischen Parlamentarischen Versammlung gewählt, der er bis 1962 vorstand.

Politische Funktionen

Öffentliche Ämter

Mandate

Parteiämter