Stefano Nacoma
Stefano Nacoma Ricardes (*1907 in Ligre North, †1988 in Semest) war sagradischer Politiker und Journalist. Ursprünglich Mitglied des Partíu Comunista Sagradês (PCS), trat Nacoma während des Zweiten Weltkriegs in die Sozialistische Partei (PSU) ein. 1947 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der ASUL, in der er 18 Jahre lang den Posten des Vizegeneralsekretärs bekleidete (1964-1982). Von 1962 bis 1977 war Nacoma Minister unter vier verschiedenen Regierungschefs und leitete unter anderem das Erziehungsministerium und das Innenministerium.
Nacoma galt bereits seit den 1960er Jahren als "graue Eminenz" der Sozialistischen Partei und bestimmte drei Jahrzehnte lang maßgeblich über den Kurs der Partei mit. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1986 war er insgesamt 45 Jahre lang Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer, darunter 41 Jahre am Stück. In seinen letzten beiden Jahren als Abgeordneter fungierte er zudem als Vizepräsident der Kammer.
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Mitglied und Funktionär der KPS[bearbeiten]
Der Maurersohn Stefano Nacoma engagierte sich früh in verschiedenen linken und anarchistischen Organisationen. 1931 trat er in die Sagradische Kommunistische Partei (KPS) ein und arbeitete von 1933 bis 1937 als Sekretär der kommunistischen Parteijugend. 1935 wurde er für die Kommunisten erstmals in die Nationalversammlung gewählt, wo er anfänglich die sozialistisch geführte Volksfront-Regierungen unterstützte, später aber mit seiner Partei in die Opposition wechselte. In dieser Zeit lieferte er sich hitzige Rededuelle mit Parlamentariern der linken Mitte wie der Rechten.
Nach dem Verbot der Kommunistischen Partei im Jahr 1940 und der zunehmenden Verfolgung von Kommunisten ging Nacoma ins Exil nach Moskau, wo er die kommunistische Exilzeitung Il Nòu Sol begründete und herausgab. Dort erlebte er den "Großen Terror" Stalins gegen seine Gegner, die ihn eigenen Beschreibungen nach vom Kommunismus distanzierte. Er blieb aber zunächst Parteiaktivist. Wohl auch um einer zukünftigen Verfolgung in der Sowjetunion zuvorzukommen, setzte sich Nacoma 1942 ab und kehrte mit dem Auftrag, den kommunistischen Widerstand zu organisieren, nach Sagradien zurück, wo er eine kommunistische Zelle organisierte, aber die Zusammenarbeit mit nicht-kommunistischen Gruppierungen beförderte.
Parteikarriere in PSU und ASUL[bearbeiten]
Bereits 1943 trat Nacoma aus der Kommunistischen Partei aus, 1944 schloss er sich mit anderen linken Persönlichkeiten und Splittergruppierungen dem erweiterten Partíu Socialista (PSU) an, wo er Mitarbeiter des damaligen Ministers Oscar Morientes wurde und zeitweise als hauptamtlicher Funktionär angestellt war.
Im Jahr 1945 wurde Nacoma schließlich erstmals für die Sozialisten in die sagradische Abgeordnetenkammer gewählt. Insgesamt blieb er bis zu seinem Tod 1988 ununterbrochen Mitglied des sagradischen Unterhauses. Neben seiner Abgeordnetentätigkeit baute er 1948 das Jornal del Socialismo auf, als dessen Chefredakteur er bis zur Einstellung des Blattes 1953 fungierte. 1947 gehörte er zudem zu den Gründern der PS-Nachfolgepartei ASUL, deren Ansatz einer schichtübergreifenden linken Sammlungsbewegung er begrüßte und unterstützte. Er wurde unter anderem Mitglied des ersten Parteivorstandes.
1950 wurde Nacoma zum stellvertretenden Fraktionssprecher der Sozialisten in der sagradischen Abgeordnetenkammer gewählt und arbeitete eng mit dem 1954 zum neuen Parteichef gewählten António Santiago zusammen. Für seine Fraktion wirkte Nacoma offiziell als Experte für Wirtschaft, Technologie und Atomenergie, stieg de facto aber zu einem der wichtigsten Strippenzieher und der mächtigsten Mitglieder des Parteivorstandes auf. Als parlamentarischer Sekretär der Fraktion seit 1958 gelangte er auch offiziell in eine Schlüsselstellung.
Minister und Vizeparteichef[bearbeiten]
Nach der Bildung der Großen Koalition im Jahr 1962 unter Ministerpräsident Martín Ánibal Costa wurde Nacoma zum Minister für wissenschaftliche Forschung und Atomenergie berufen. In der sozialistisch-liberalen Nachfolgeregierung unter António Santiago wurde er als Minister Chef der Ratspräsidentschaft, wechselte nach dem frühen Tod Santiagos aber zurück an die Spitze des Forschungsministeriums. Außerdem wurde er als Stellvertreter von Iacovo Del Pérez zum Vizegeneralsekretär der Partei gewählt. Damit war er nominell die Nummer Zwei in der Partei und bildete in diesen Jahren zusammen mit Parteichef und Ministerpräsident Del Pérez sowie dem einflussreichen Fraktionssprecher Carles Domínguez Arrás das so genannte Triumvirat der drei mächtigsten Männer in der Sozialistischen Partei.
Nach der Niederlage der Linken bei der Parlamentswahl 1967 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Triumvirn der Partei zusehends, die sich und ihre Anhängern in gegenseitige Macht- und Cliquenkämpfe verstrickten und darüber hinaus durch eine neue Generation junger reformorientierter Sozialisten um Joán Caval und andere im Führungsanspruch herausgefordert wurden. Nacoma spürte am deutlichsten von allen das Sprengpotenzial der parteiinternen Lage und entschloss sich schließlich zu einem Bündnis mit dem Repräsentanten der Nachfolgegeneration Joán Caval, den er auf dem Parteikongress der Sozialisten 1969 öffentlich unterstützte und damit Iacovo Del Pérez zum Verzicht bewegte. Auch unter Caval behielt Nacoma seine Rolle als Strippenzieher und graue Eminenz der Partei und sicherte dem jungen Reformer die Loyalität des Machtapparates. Er setzte unter anderem durch, dass die Sozialisten 1970 das Angebot der Christdemokraten zu einer Großen Koalition ausschlugen und auf Neuwahlen drängten, aus denen die ASUL als deutlich stärkste Kraft hervorging.
Nach dem überzeugenden Wahlsieg der Sozialisten 1970 wurde Nacoma als Minister für Transport und öffentliche Arbeiten in die neue sozialistische Alleinegierung berufen, de facto fiel ihm aber darüber hinaus die Rolle zu, der Minderheitsregierung parlamentarische Mehrheiten, vor allem durch Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei zu sichern. Nach einer Kabinettsumbildung im Jahr 1972 wurde Nacoma zum Innenminister ernannt und blieb in dieser Funktion bis nach der Parlamentswahl 1976, ehe er im Kabinett Caval V den prestigereichen Posten des Kulturministers übernahm. Seine Kabinettsposten, vor allem aber sein Amt als Vizegeneralsekretär der Partei und als unangefochtene Nummer Zwei der Partei hinter Caval nutzte er stets dazu, Macht und Einfluss auszuüben. So galt er lange in Medienkrisen als der "heimliche Machthaber" in der Parteizentrale und bei Gegnern als skrupelloser Realpolitiker neben dem "Visionär" Caval.
Letzte Jahre[bearbeiten]
Nachdem Nacoma 1981 wesentlich am Zustandekommen der Großen Koalition unter Sandro de la Nada beteiligt gewesen war, übernahm er nochmal für mehrere Monate die Funktion des Fraktionssprechers der Sozialisten in der Abgeordnetenkammer. Im Vorfeld der Parlamentswahl 1982 erklärte er schließlich nach 18 Jahren als Vizegeneralsekretär der Partei sein Ausscheiden aus dem Amt und machte den Platz frei für Andrés Colón. Er wurde jedoch erneut in die Abgeordnetenkammer gewählt und wurde 1984 Vizepräsident der sagradischen Abgeordnetenkammer. Sowohl 1982 als auch 1986 eröffnete er die konstituierende Sitzung der Legislaturperiode als Alterspräsident. 1988 starb der 81-jährige Nacoma an den Folgen eines Herzinfarktes, den er nach einer Plenardebatte in der Aula des Parlamentsgebäudes erlitten hatte.
Öffentliche Ämter[bearbeiten]
- 1962-1964: Minister für Wissenschaft und Atomenergie im Kabinett Costa
- Februar-Juni 1964: Präsidentschaftsminister im Kabinett Santiago
- 1964-1967: Minister für Wissenschaft und Atomenergie im Kabinett Del Pérez I und II
- 1970-1972: Minister für Transport und öffentliche Arbeiten im Kabinett Caval I
- 1972-1977: Minister für Inneres im Kabinett Caval II, III und IV
- 1977-1979: Kulturminister im Kabinett Caval V
- 1984-1986: Erster Vizepräsident der sagradischen Abgeordnetenkammer
Mandate[bearbeiten]
- 1936-1940: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer (KPS)
- 1945-1986: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer (PSU, seit 1947 ASUL)
Parteifunktionen[bearbeiten]
- 1933-1937: Sekretär der Kommunistischen Parteijugend
- 1950-1958: stellvertretender Sprecher der ASUL-Fraktion in der Abgeordnetenkammer
- 1958-1962: Parlamentarischer Sekretär der ASUL-Fraktion in der Abgeordnetenkammer
- 1964-1982: Vizegeneralsekretär der ASUL
- 1981-1982: Fraktionssprecher der ASUL in der Abgeordnetenkammer
- 1982-1988: Präsident des Nationalkonvents der ASUL