Unión Democrática Radical
Die Unión Democrática Radical (kurz UDR, deutsch Demokratisch-Radikale Union) war eine liberale Partei in der Frühphase der Dritten Sagradischen Republik, die von 1949 bis 1961 bestand und danach in der Unión Democrática de Sagradia (UDS) aufging.
Inhaltsverzeichnis
Gründung und URRD
Die UDR ging 1949 aus dem Regierungsflügel des linksliberalen sagradischen Radikalen Partei hervor, der sich im Frühjahr 1949 unter der Führung von Luciano Vélez, Franco Ponente und Carles Méndez gegen die Parteimehrheit gestellt und einen Eintritt ins Kabinett Luciaro I gefordert hatte. Da der Mitte-Rechts-Regierung erstmals auch ehemalige Funktionäre der Comunión Nacional angehören sollten, war diese Entscheidung umstritten.
Nachdem Ponente und Méndez ins neue Kabinett eingetreten waren, gründeten sie als neue Partei die UDR, der sich ein großer Teil der Radikalen Partei und eine Mehrheit der Fraktion anschloss. Parteivorsitzender wurde Franco Ponente, Fraktionschef Luciano Vélez. Bei den Kammerwahlen 1950 schnitt die UDR aber mit 2,2 Prozent der Stimmen und neun Mandaten sehr schwach ab und versuchte danach die Wiederannäherung an die aus der Radikalen Partei hervorgegangene UCR. Beide Parteien traten der neuen Zentrumskoalition von Paulo Luciaro (PCC/CSD) und Santo De la Ilpa (PSD) bei und übernahmen Ministerposten im neuen Kabinett Luciaro II. Als gemeinsame Fraktion in der Kammer bildeten UDR und UCR die Unión de Republicanoes Radical-Democráticoes (URRD) unter dem UDR-Abgeordneten Iano Depretis, einem starken Befürworter der Wiederannäherung und mittelfristigen Wiedervereinigung der beiden Parteien.
Nachdem UDR und UCR die Senatswahlen 1952 und die Kommunalwahlen 1952 gemeinsam bestritten hatten und nach dem Tod Franco Ponentes 1953, kam es zu einem Bruch des Bündnisses. Ponentes Nachfolger Luciano Vélez kündigte im Sommer 1953 über Fragen der Wirtschaftspolitik die Koalition auf und verließ das Kabinett. Während die UCR unter Daniel Galindo Ferres das neue Kabinett Luciaro III - obwohl ohne Ministerposten - unterstützte, ging die UDR in die Opposition und beendete die Fraktionsgemeinschaft mit den Bürgerradikalen.
Demokratische Union
Unter der Führung von Luciano Vélez - einem langjährigen Vertreter des eher konservativen Parteiflügels der Radikalen Partei - nahm die Union in der Folge eine Rechtswendung und wechselte die Strategie, indem sie das liberale Profil, auch in ökonomischen Fragen, zu schärfen suchte und ihren Platz in der 'bürgerlichen Mitte' suchte statt an der Seite der Sozialdemokraten. Damit stellte sich die Partei in die Tradition der Liberal-Republikanischen Partei (PLR) der späten Zweiten Republik, die versuchte, einen Mittelweg zwischen der Linken und der bürgerlichen Rechten zu suchen, vollzog zugleich aber - wie bereits bei ihrer Gründung 1949 angedeutet - den historischen Wechsel von der linken in die rechte Mitte, da sie sich nun mit den Kräften verbündete, die sich recht der sagradischen Christdemokraten angesiedelt hatten. Gemeinsam war diesen Parteien die Ablehnung der ausgebauten Sozialgesetzgebung der Zentrumskoalition und eine Betonung der marktwirtschaftlichen Ordnung.
Anlässlich der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954 bildete die UDR schließlich das bürgerliche Mitte-Rechts-Bündnis Unión Democrática mit dem konservativ-liberalen Partido Liberal Democrático und dem Partido Nacional Democrático, das mit dem Ziel einer bürgerlich-marktwirtschaftlichen Mitte-Rechts-Regierung in die Wahlen ging und mit 8,9 Prozent der Stimmen einen großen Erfolg erzielte. Nach einem kurzen Intermezzo einer gescheiterten Neuauflage der Zentrumskoalition bildete Paulo Luciaro eine neue Bürgerblock-Regierung seiner christlich-konservativen CSD mit den Parteien der Demokratischen Union. UDR-Parteichef Vélez trat im Frühjahr 1955 als Innenminister ins Kabinett Luciaro V ein, doch bereits im September 1955 folgte ihm in beiden Ämtern Carles Méndez nach, der als Architekt des UD-Bündnisses und der Bürgerblock-Koalition und als strategischer Vordenker der Partei galt.
Der Eintritt in die Regierung Luciaro führte schließlich zum endgültigen Bruch mit der parteiinternen Opposition der so genanten Reunionisten und radikalen Traditionalisten, welche den Rechtskurs der Parteiführung ablehnten und eine Wiedervereinigung mit den UCR-Radikalen forderten. Diese verließen nun die Partei und gründeten unter der Führung von Maximilián Ferndandez das linksliberal ausgerichtete Movimiento de Radical-Democráticoes, aus dem schließlich 1958 die wiedervereinigte Radikal-Demokratische Partei (PRD) hervorging.
Unter Carles Méndez festigte sich die Demokratische Union und die UDR wurde zum Kraftzentrum und Kern der Parteienkoalition, die sich bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1958 mit 9,7 Prozent der Stimmen als vierte Kraft im Land nach Konservativen, Sozialisten und Kommunisten etablierte. Die bürgerliche Koalition wurde unter Luciaro und seit 1960 unter dessen Nachfolger Carles Angel Favale fortgesetzt. Sie festige die marktwirtschaftlichen Elemente der sagradischen Wirtschaftsordnung, setzten den klaren pro-europäischen Kurs der Zentrumskoalition fort und suchte in der Bildungs- und Kulturpolitik einen Ausgleich zwischen den katholischen Kräften der PP-CSD und der laizistischen Tradition der Liberalen, vornehmlich der UDR, welche weiterhin auf einer strikten Trennung zwischen Staat und Kirche bestand.
Unión Democrática de Sagradia (UDS)
Wie von Carles Méndez angestoßen, vereinigten sich die Parteien der Demokratischen Union im Jahr 1961 in einer gemeinsamen bürgerlich-liberalen Partei, der noch heute bestehenden Unión Democrática de Sagradia (UDS), deren erster Vorsitzender Carles Méndez wurde. Die UDR ging vollständig in der UDS auf und hörte damit auf zu bestehen. Die UDR stellte danach den sozialliberalen und bürgerrechtsliberalen Flügel der UDS, aber auch Vertreter der eher wirtschaftsliberalen Ausrichtung stammten ursprünglich aus der UDR. Die UDR brachte aber vor allem das reformistisch-radikaldemokratische Erbe in die UDS ein, die sich damit auf beide Hauptströmungen, links- wie rechtsliberale, des sagradischen Liberalismus und Republikanismus berufen kann.
Die UDS übernahm von der UDR zudem nicht nur den Großteil der Parteistrukturen, sondern auch die Mitgliedschaft in der Liberalen Internationale.
Parteiführung
- Parteivorsitzende : Franco Ponente (1949), Luciano Vélez (1949-1955), Carles Méndez (1955-1961)
- Fraktionsvorsitzende in der Abgeordnetenkammer: Luciano Vélez (1949-1951), Iano Depretis (1951-1953, URRD-Fraktion), Carles Méndez (1954-1955, UD-Fraktion), Stefano Grau Deixú (PLS, 1955-1961, UD-Fraktion)
- stellvertretender Vorsitzende der UD-Fraktion von der UDR: Mariano Acosta (1955-1958), Alfonso Cubano (1958-1961)