Johanna von Sagradien
Johanna I. (von Sagradien, Dona Joana I) (*1520, †1585) war die erste regierende Königin von Sagradien (1543-1568) und gleichzeitig Herzogin von Servette (1543-1567). Sie folgte 1543 als älteste lebende Tochter ihrem Vater David I. auf den Thron und regierte bis 1552 gemeinsam mit ihrem Vetter und Ehemann Michael III. 1567/68 dankte sie zugunsten ihres Sohnes Philipp VII. Jakob ab.
Jugend und Erbfolgestreit
Johanna Maria von Sagradien wurde 1520 als drittes Kind und zweitälteste Tochter Davids I. und dessen erster Frau Luisa von Portugal geboren. Nachdem ihre beiden älteren Geschwister Andrés Pietro (†1534) und Luísa (†1536) binnen zwei Jahren gestorben waren, blieb Johanna als älteste und damit erbberechtigte Tochter Davids zurück. 1535 heiratete die damals erst fünfzehnjährige Prinzessin ihren fünf Jahre älteren Vetter Miguel de Valier, Sohn ihres Onkels Filipe de Sántori. Beide gingen in der Folge nach Servette, wo sie als Statthalter Davids I. fungierten.
Nachdem auch die zweite Ehe Davids mit Marguerite de Valois erbenlos geblieben war, setzte David seine Tochter Johanna und ihren Ehemann Miguel 1539 als Erben der sagradischen Krone ein. Deren gemeinsamer Sohn Don David Filipe (*1539) sollte seinem Großvater als König unter der Vormundschaft seiner Eltern nachfolgen, doch starb der Knabe bereits 1540 im Alter von dreizehn Jahren. Für diesen Fall waren Johanna und Michael selbst als Königin und König vorgesehen. In Portugal und Tulis-Cuentez sollte stattdessen ihr Onkel Infante Dom Joao nachfolgen.
Dem Tod Davids I. wurden Johanna und Miguel dem Testament des Vaters gemäß zum Herrscherpaar Sagradiens ausgerufen. Sie sollten gleichberechtigt über Sagradien und über das Herzogtum Servette mit den angeschlossenen Gebieten herrschen. Widerstände gab es lediglich von Johannas Onkel Joseph dem Schönen, einem Halbbruder Davids I. und Johann des Frommen, der ebenfalls am Erbe beteiligt werden wollte, von David aber bewusst unberücksichtigt geblieben war. Gegen ihn konnten sich Johanna und Miguel jedoch schnell durchsetzen.
Regentschaft, Abdankung und Verbannung
Bis 1552 regierte Johanna gemeinsam mit ihrem als Michael III. geführten Ehemann das Königreich. Das Paar verlegte den Königssitz von Tulis nach Vierna und anschließend nach Semess und engagierte sich für die katholische Gegenreformation. Da Johanna bei ihrem Regierungsantritt erst 23 Jahre alt war, stand sie lange im Schatten ihres Ehemannes. Nach dem Tod Michaels 1552 regierte Johanna alleine weiter. Sie stand zeitweise unter dem Einfluss ihres wichtigsten Beraters und Vertrauten, des Grafen von Nerval, der die antiprotestantische Politik fortsetzte. Großer Gegenspieler zu dieser Zeit war Johannas Schwager Heinrich von Esqués, Bruder Miguel de Valiers und Herzog von Viça, der nach seiner Heirat mit Madeleine de Bourbon zum protestantischen Glauben übergetreten war und nun versuchte, an Stelle Johannas die Macht im Königreich zu übernehmen.
Entgegen der Hoffnungen Heinrichs und der mit ihm verbündeten Adligen erwies sich Johanna auch nach dem Tod ihres Ehemanns als starke Regentin. Nach dem zwischenzeitigen Friedensschluss mit Heinrich von Esqués im Jahr 1563 bemühte sich Johanna um ein entspannteres Verhältnis zu ihren protestantischen Untertanen, was sie in Gegensatz zur streng katholischen Hofpartei um den Grafen Roberto de Monteblanxard brachte. Gegen deren Willen setzte Johanna 1565 die Verlobung ihres Sohnes Philipp Jakob mit Louise von Navarra, der ältesten Tochter Jeanne d'Albrets und Antoine de Bourbons durch, die bis dahin im protestantischen Glauben erzogen worden war. Ein Jahr später erließ sie schließlich gemeinsam mit ihrem Sohn Philipp Jakob, den sie zum Mitregenten gemacht hatte, das Toleranzedikt von Viça, das als Aussöhnung mit der Protestantenpartei gedacht war.
Nachdem ihr Sohn Philipp Jakob seine Verlobte Louise de Bourbon 1567 geheiratet hatte, dankte Johanna zunächst in Servette und 1568 auch in Sagradien zugunsten Philipp Jakobs ab, beeinflusste diesen anfänglich jedoch nachwievor, ehe sie sich um 1574 mit Königin Louise, der neuen starken Frau am Hof, und ihren französischen Beratern entzweite und vom Hof verbannt wurde. Der gescheiterte Versuch einer Hofintrige um den ebenfalls entmachteten Grafen von Nerval gegen Philipp mit dem Ziel, Johanna wieder als Königin einzusetzen, führte schließlich im Jahr 1575 zu ihrer Verhaftung. Ihren Lebensabend verbrachte Johanna in der Folge im skantischen Kloster Santa María de Laval.
Vermächtnis
Johanna I. gilt als eine der wichtigsten Frauengestalten in der sagradischen Nationalgeschichte und als bedeutendste der drei aus eigenem Recht heraus regierenden Königinnen des Landes. Wie bereits ihr Vater war sie eine engagierte Förderin der Künste und Wissenschaften und gilt als einer der wichtigsten Mäzene des sagradischen "Sêcolo d'Oro", deren mittlere Phase auch als Era Joannita bezeichnet wird. Zusammen mit ihrem Mann holte sie 1549 den bis dahin in Tulis lebenden António Volero an den neuen Königshof in Semess, dessen Schüler Tulinês sie danach zum Hofmaler machte. Auch betätigte sich Johanna als bedeutende Bauherrin in der neuen Hauptstadt Semess, wo der unter ihr gepflegte Baustil auch als Stilo Reina Joana bezeichnet wird. Unter ihr entstand auch die königliche Residenz in Novil nahe Semess.
Der Legende nach war die beim Tod ihres Mannes 1552 erst 32 Jahre alte Königin eine verführerische Schönheit, die zu vielen ihrer Höflinge eine romantische Beziehung pflegte. So soll der Legende nach auch der berühmte Dichter Celiano Nacoma in seinen jungen Jahren eine innige Liebe zur Königin empfunden haben und ihr seine frühen Liebessonette gewidmet haben.
Umstritten bleibt das religionspolitische Vermächtnis der Königin, die gegenüber den Protestanten im Land keine einheitliche Linie fuhr, sondern aus machtpolitischen Erwägungen heraus mal auf Konflikt und mal auf Annäherung setzte. Ziel dieser Politik war, das Land vor einem anhaltenden Bürgerkrieg zu bewahren. Als sie sah, dass ihre harte Oppressionspolitik gegenüber den Protestanten zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte, scheute sie eine weitere Eskalation und ging auf Versöhnungskurs über, was aber wiederum zu Konflikten mit der erzkatholischen Hofpartei führte. Diese Konflikte plagten auch ihren Sohn und Nachfolger noch lange, ehe unter dem leitenden Minister Joán María Belavís nach 1580 wieder ein harter antiprotestantischer Kurs verfolgt wurde.