Jungzirkel-Bewegung
Círculōes de la Juventú (deutsch Jugendzirkel) war der Name der ursprünglichen Jugendorganisation der katholisch-konservativen Unión Popular. Sie entstanden in den Zwanziger Jahren als studentische und akademische Vereinigungen und als rechte Gegenbewegung zur progressiven Liga del Pôpolo Jovén, der zuvor der Acción Popular nahegestanden hatten.
Die Mitglieder der Jugendzirkel waren nicht älter als 35 Jahre und sahen sich als nationale Jugendbewegung und Speerspitze der konservativen Revolution in Sagradien. Während die Mutterpartei Volksunion noch katholisch-konservative Konzepte verfolgte, näherten sich die Jugendzirkel seit Ende der Zwanziger Jahre schon rechtsautoritären bis faschistischen Konzepten an und traten deutlich radikaler auf als die Volksunion. Anders als die paramilitärische Truppistenbewegung verstanden sich die meisten Jugendzirkel selbst als Führungseliten und erarbeiteten neue theoretische Konzepte, doch engagierten sich zahlreiche Mitglieder der Zirkel auch in einer der paramilitärischen Vereinigungen der politischen Rechten. Die Zirkel lehnten den Parlamentarismus als Form der "bürokratischen Ochlokratie" ab und entwickelten Konzepte einer "autoritären Staatsführung". Liberalismus und Modernismus standen die Zirkel ebenso feindlich gegenüber wie Kommunismus, Sozialismus und Klassenkampf. Stattdessen suchten sie die Lösung in einem "sozial-katholischen" Korporatismus mit deutlicher Nähe zu faschistischen Vorstellungen.
1929 wurde der Manuel Álamo zum nationalen Führer der Jugendzirkelbewegung gewählt und schnitt die Organisation danach ganz auf seine Person zu. Seit Anfang der Dreißiger Jahre ließ er sich nach faschistischem Vorbild auch als Chefe titulieren und pflegte einen autoritären Führungsstil. Seit 1934 dienten die aus den blauen Truppistenbewegung hervorgegangenen Juntas Accionistas als paramilitärischer Flügel der Jugendzirkel. In der Krise der sagradischen Republik seit Anfang der Dreißiger Jahre gewannen die Jugendzirkel rasch an Bedeutung. Sie unterstützten zunächst größtenteils die autoritäre Prägung der Alemà-Präsidentschaft als Ausweg aus dem „parlamentarischen Stillstand“, lehnten seit 1933 aber zunehmend dessen Strategie des autoritären Regimes unter formaler Beibehaltung der bisherigen Staatsstrukturen ab und forderten die „radikale Erneuerung des Staates“ im Sinne einer beschleunigten ständestaatlichen Neuordnung.
Nach der Ermordung Gaitán Alemàs im Oktober 1934 lösten sich die Zirkel de facto von der Volksunion-Führung um Domênco Santês und führten die parteiinterne Opposition gegen dessen Führerschaft an. Nach dem Erfolg der linken Volksfront bei der Parlamentswahl 1935 spielten die Jugendzirkel eine bedeutende Rolle bei der radikalen Neuformierung der Volksunion. Die mithilfe der paramilitärischen Juntas Accionistas erreichte Wahl Manuel Álamos zum Parteichef der Volksunion im Herbst 1935 brachte die Jugendzirkel in eine neue Machtposition, in der sie sich zur ideologischen Herzkammer der Partei entwickelten und für dessen Rechtsschwenk und antidemokratische Ideologisierung verantwortlich zeichneten. Wichtige Ideen und programmatische Eckpunkte der Zirkel fanden sich im Manifesto de Malesc wieder, das die Volksunion 1936 als antiparlamentarisches Gegenprogramm zur linken Regierungspolitik verabschiedete. Nach der Machtergreifung Álamos im Jahr 1938 integrierte dieser die Jugendzirkel in die neue Nationale Kommunion, deren Herrschaft im ständestaatliche Estàu Sagradês in wesentlichen Bereichen nach den Vorstellungen der Jugendzirkel konzipiert wurde. Als neue Jugendorganisation der Comunión fungierte danach die Juventú Nacional.