Lorenzo Estrubal

Aus Sagradien
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Lorenzo Estrubal Barrí (* 1920 in Márbaro de la Veza; † 2006) war ein sagradischer Politiker und langjähriger Parteivorsitzender der liberalen UDS (1970-1989) sowie Wirtschafts- (1979-1981, 1982-1984) und Außenminister (1984-1990) seines Landes.

Beginn der politischen Karriere und Parteichef der CDP

Lorenzo Estrubal stammte aus einer vermögenden ceundalischen Industriellenfamilie aus Márbaro am Unterlauf der Veza in der Nähe von Óstino, wo sein Vater, ein Unternehmer und republikanisch-liberaler Politiker, eine Eisenfabrik führte. Nach dem Besuch der Schule studierte Estrubal Rechtswissenschaften und schlug eine Anwalts- und Richterkarriere ein. Seine politische Karriere begann Estrubal als Abgeordneter im Stadtparlament von Óstino für die liberalkonservative Sammlungspartei MRL, die er jedoch 1952 verließ. Bei den Kommunalwahlen 1952 kandidierte er erfolgreich als Unabhängiger und rief danach mit einigen Mitstreitern seine eigene Partei, die Coalición Democrática del Progreso ins Leben, die als eine Art liberale Alternative bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954 0,4 Prozent der Stimmen erhielt. Neben Estrubal, der zugleich als Parteisekretär der CDP fungierte, zog der gute Freund seines Vaters Walter Marcián ins Parlament ein, wo die Partei zur Mitte-Rechts-Mehrheit der Regierung Luciaro gehörte.

Als Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter dem rechtsliberalen Minister Márcio Montone erhielt Estrubal 1955 im Alter von nur 35 Jahren sein erstes Regierungsamt, das er bis zu einer Kabinettsumbildung im Jahr 1957 inne hatte. Nachdem er zwischenzeitig mit Paulo Luciaro gebrochen hatte, trat der Parteichef der CDP bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1958 an und holte für seine Partei einen Stimmenanteil von 0,9 Prozent und vier Mandate in der Abgeordnetenkammer. Wiederum unterstützte Estrubal die Mitte-Rechts-Koalition, stand aber weiterhin in kritischer Distanz zu Paulo Luciaros christlich-konservativer PPC. 1959 schloss sich Estrubal als Unabhängiger der liberalen Unión Democrática an und wurde in der Regierung Favale 1960 als Staatssekretär ins Justizministerium berufen. Seine Partei ging in der Folge in der aus dem UD-Wahlbündnis heraus entstandenen Demokratischen Union Sagradiens (UDS) auf, zu deren Gründungsmitgliedern und ersten Parteivorstand Estrubal schließlich zählte.

Eintritt in die UDS und erste Ministerämter

Nachdem er bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1962 für die UDS erneut in die Abgeordnetenkammer gewählt worden war, übernahm er als stellvertretender Fraktionschef eine Führungsaufgabe in der erstmals seit 1955 in der Opposition stehenden liberalen Fraktion. Seither wurde er zunehmend von Parteichef Carles Méndez-León protegiert, der versuchte, die UDS als eigenständige Kraft zwischen den beiden großen Parteien der Rechten und der Linken zu etablieren. Das erstmalige Bündnis mit der sozialdemokratischen ASUL und der Eintritt in die Mitte-Links-Regierung Santiago nach der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1963 wurden daher auch von Estrubal unterstützt, der jedoch Distanz zum zeitweise erstarkten Mitte-Links-Flügel um Lionel Vega und António Morales hielt und sich um mindestens ebenso gute Kontakte zum konservativen Wirtschaftsflügel der Partei bemühte.

Nachdem er 1964 zum Fraktionssprecher der UDS in der Abgeordnetenkammer aufgerückt war, vermittelte er 1966/67 erfolgreich zwischen den zerstrittenen Parteiflügeln und setzte sich schließlich gemeinsam mit dem Wirtschaftsflügel für eine Aufkündigung der Koalition und für eine Rückkehr ins Mitte-Rechts-Lager ein. Spätestens seither galt er als unabhängiger Kopf in der Partei, der sich keinem Flügel zuordnen ließ, aber über ein ausgezeichnetes persönliches Netzwerk in allen Lagern der UDS verfügte. In der Mitte-Rechts-Koalition unter Carles Angel Favale wurde er 1967 Minister für Wirtschaft und Industrie, einen Posten, den er mit einem kurzen Intermezzo im Jahr 1968 bis zum Sturz Favales im Winter 1969/70 innehatte. Im Team mit dem konservativen Finanzminister Alfonso María Guivares und dem rechtsliberalen Außenhandelsminister Miguel Micú stand er für eine dezidiert marktwirtschaftliche Politik. Im Kabinett Méndez-León von Januar bis November 1970 übernahm Estrubal die Funktion des Außenhandelsministers von Miguel Micú, war zudem aber als Minister für besondere Angelegenheiten mit der zeitweiligen Vertretung Méndez-Leóns im Außenministeramt betraut. In den Medien wurde er daher auch - formal nicht korrekt - als "Vizeaußenminister" bezeichnet.

Parteivorsitzender in den Siebziger Jahren

Das Scheitern der Regierung Méndez-León und die folgende Niederlage der UDS bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970, bei der es zu einem Erdrutschsieg der Linken kam, führte in der UDS zu einem Aufstand der Unzufriedenen gegen den als allzu mächtig empfundenen Parteichef Méndez-León, der schließlich sein Amt als Parteichef zur Verfügung stellen musste. Als Nachfolger schlug er Lorenzo Estrubal vor, der als Unabhängiger keinen der verfeindeten Parteiflügel repräsentierte. Nachdem er zunächst kommissarisch die Parteiführung übernommen hatte, wurde er im Frühjahr 1971 von einem Parteitag der UDS zum zweiten Parteivorsitzenden in der Geschichte der Partei gewählt. Estrubal kam in der Folge die schwierige Aufgabe zu, die Partei in der ungewohnten Rolle der "kleinen" Opposition neben der größeren konservativen Volkspartei zu lenken. Er brachte die UDS v.a. in Wirtschaftsfragen auf klaren Oppositionskurs gegenüber der Linksregierung Caval, zeigte sich aber gegenüber einer Reihe von Reformvorhaben in gesellschaftspolitischer Hinsicht gesprächsbereit. Er behielt damit den Kurs seinen Vorgängers, die UDS als unabhängige liberale Partei zu präsentieren, im Großen und Ganzen bei, ließ an der Opposition gegenüber der Linken aber keinen Zweifel, der er die Umwandlung Sagradiens in ein sozialistisches Gemeinwesen vorwarf.

Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974 konnte sich die UDS leicht verbessern, scheiterte aber mit ihrem Vorhaben eines Regierungswechsels, den Estrubal unter dem Stichwort des cânviu económico versprochen hatte. Auf das schlechter Ergebnis der zunehmend desolat wirkenden Konservativen reagierte Estrubal daraufhin mit einem Strategiewechsel und einer weniger konfrontativen Oppositionsstrategie. Die zunehmenden Spannungen innerhalb der linken Mehrheit aus Sozialisten und Kommunisten nutzte er aus, um seiner Partei bei Einzelfragen die Rolle eines Mehrheitsbeschaffers der sozialistischen Minderheitsregierung zukommen zu lassen. Eine Neuauflage der Mitte-Links-Koalition der 1960er Jahre lehnte Estrubal zwar ab, ließ sich 1978 aber auf Verhandlungen mit Joán Caval über die Bildung einer gemeinsamen Regierung ein, die schließlich aber platzten.

Nach vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 1978 kehrte die UDS an der Seite der Konservativen 1979 in die Regierung zurück. Lorenzo Estrubal wurde im Kabinett Nada I Wirtschaftsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident. Die Regierung suchte eine wirtschaftspolitische Wende herbeizuführen, kämpfte aber gegen die Folgen der zweiten Ölkrise, zu denen ökonomische Stagnation, hohe Inflation und eine steigende Arbeitslosigkeit gehörten. 1981 verlor die Regierung ihre Mehrheit, was zur Bildung einer Großen Koalition aus PPC und ASUL führte, woraufhin Estrubal die UDS wieder in der Opposition anführte.

Minister und Vizepremier

Bei den Präsidentschaftswahlen 1980 trat Estrubal als einziger Bewerber der rechten Mitte gegen den amtierenden Präsidenten Iacovo Del Pérez an und erhielt im ersten und einzigen Wahlgang 27 Prozent der Stimmen, das bis dahin beste Ergebnis eines liberalen Bewerbers seit David Pizarro Cordês bei einer Präsidentschaftswahl. Zwei Jahre später folgte mit einem klaren wirtschaftsliberalen Programm und einem angriffslustigen Parteichef Estrubal ein überzeugender Erfolg der UDS und der gesamten Mitte-Rechts-Kräfte bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1982, bei der die Unionsdemokraten 12,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnten und damit das beste Ergebnis in der Parteigeschichte feierten. In einer neuen konservativ-liberalen Regierung unter dem Konservativen Emilio Moya wurde Estrubal zunächst erneut Wirtschafts-, nach einer Kabinettsumbildung 1984 schließlich Außenminister und Stellvertretender Ministerpräsident.

Die Regierung Moya-Estrubal machte sich daran, die 1979 eingeschlagene Reformstrategie in einem zweiten Anlauf zu einem Erfolg zu führen und führte eine umfangreiche Wende auf zahlreichen politischen Feldern durch. Bei der Parlamentswahl 1986 wurde der Regierungskurs eindrucksvoll bestätigt.

Im Jahr 1989 erklärte Estrubal nach neunzehn Jahren seinen Rückzug von der Parteispitze der UDS. Nachfolger wurde Wirtschaftsminister Angel Ribero. Nach der Parlamentswahl 1990 schied Estrubal auch aus dem Amt des Außenministers und Vizeministerpräsidenten aus.

Politische Funktionen

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Parteifunktionen