Andrés Colón
Andrés Olivera Colón (*26.11.1929 in Noyar) ist ein sagradischer sozialistischer Politiker. Er begleitete in den Siebziger und frühen Achtziger Jahren mehrere Ministerposten und trat bei der Parlamentswahl 1982 vergeblich als Spitzenkandidat der sozialdemokratischen ASUL an. Von 1982 bis 1989 war er Vizegeneralsekretär seiner Partei, danach von 1991 bis 1997 Präsident der Santiago-Laval-Stiftung (FSL).
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jugend, Ausbildung und frühe politische Karriere
Der studierte Jurist Colón trat nach seinem Abschluss zunächst in die Finanzverwaltung der Stadt Semess ein und machte dort Karriere. Im Jahr 1962 wurde er Justizoberrat und daraufhin von Bürgermeister Joán Caval als politisches Nachwuchstalent entdeckt. Dieser holte das ASUL-Mitglied Colón 1964 als Mitarbeiter ins Rathaus. 1965 wurde Colón zum stellvertretenden Sekretär der Sozialistischen Jugend gewählt, ein Amt, das er bis 1968 ausübte. In dieser Zeit erwarb sich Colón den Ruf eines linken Reformers, der die Junge Garde der Partei um Caval, Paulo Centavo und Martín Solano unterstützte und gegen das Machtkartell der Führungstroika Iacovo Del Pérez, Carles Domínguez-Arrás und Stefano Nacoma ankämpfte. Zudem gehörte er zu den Unterstützern der Studentenbewegung des Jahres 1968, bei der er sich bemühte, zwischen den Studenten und der Mitte-Links-Opposition zu vermitteln.
Nach der Wahl seines Mentors Joán Caval zum Generalsekretär der Sozialisten im Jahr 1969 berief ihn dieser auf den neugeschaffenen Posten eines Nationalen Koordinator der Partei. Wesentlicher Aufgabenbereich Colóns war die Organisation des Wahlkampfs für die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970, die mit einem Erdrutschsieg der Linken endete. Während Cavals damaliger Büroleiter David Cabarel gemeinsam mit David Luis Aragón wesentlich für die reibungslose Organisation des Wahlkampfs verantwortlich zeichnete, gehörte Colón zusammen mit Martín Solano und José Helguerra zu den Köpfen hinter dem Wahlprogramm Cavals, das unter dem Titel „Renovación Democrática“ umfangreiche Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Justizpolitik versprach. Colón wurde von Ministerpräsident Caval 1972 als Kabinettschef im Ministerrang in die Regierung berufen, wo er als Cheforganisator der Regierungsarbeit wirkte.
Wirtschaftsminister, Affäre und Rücktritt
Nach der erfolgreichen Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974, die in einem erneuten Sieg der Sozialisten endete, stieg Colón abermals auf und wurde im neuen Kabinett Caval III Minister für Wirtschaft und Industrie. Zusammen mit Finanzminister Francisco Montone war er nun für die ökonomische Politik verantwortlich. Als überzeugter Anhänger einer staatsinterventionistischen Wirtschaftspolitik setzte er ein stringentes linkskeynesianisches Programm um, hatte jedoch Schwierigkeiten, den Folgen der Ölkrise von 1973 zu begegnen. Im Herbst 1976, mitten im Wahlkampf der Sozialisten für die vorgezogene Parlamentswahl kam es zu einer politischen Affäre um Colón, dem eine Affäre mit einer Mitarbeiterin nachgewiesen wurde, die er nicht nur mit einer Beförderung auf einen besser bezahlten Posten in seinem Ministerium, sondern auch mit aus der öffentlichen Kasse bezahlten Hotelübernachtungen entlohnte. Colón musste nach heftigen Angriffen auf seine Person seinen Rücktritt erklären, um den Schaden für die Partei zu begrenzen. Nachfolger wurde mit Donado Ricardes ausgerechnet ein Vertreter einer eher liberalen Wirtschaftspolitik, was allgemein als Zeichen für eine Annäherung der ASUL an die bürgerliche Rechte gedeutet wurde.
Während seine Partei die Wahlen im Herbst 1976 gewinnen konnte und nun eine Koalition mit der liberalen UDS bildete, zog sich Colón aus der nationalen Politik zurück. Ein Comeback feierte er im Sommer 1977, als er für die Sozialisten in der Region Semestina zum neuen Regionalsekretär und Spitzenkandidaten für die anstehenden Regionalwahlen gewählt wurde. Colón verlor die Wahl zwar gegen den konservativen Amtsinhaber Marcelo Iudeta, sein energischer Wahlkampf für die heillos zerstrittene Asul in der Hauptstadtregion brachte ihm aber großen Respekt ein und in der Folge bemühte sich Colón, den Regionalverband der Sozialisten wieder zu einen. In den folgenden Jahren profilierte sich Colón als parteiinterner Führer der Parteilinken, die zunehmend Kritik am Regierungskurs der sozialistisch-bürgerlichen Koalition übten. Am Entwurf des 1977 verabschiedeten Semestiner Programms war Colón als Mitglied der zuständigen Kommission führend beteiligt. Das Programm betonte den Charakter der Partei als linke Reformpartei und wurde als pointiertes Absetzungsmanöver vom liberalen Koalitionspartner gewertet. Vor allem die Passagen zum Arbeitnehmerschutz und zur Mitbestimmung sowie zur Möglichkeit der Eingriffe des Staates ins kapitalistische Wirtschaftssystem wurden von Colón konzipiert.
Comeback 1979 und Gegner des NATO-Doppelbeschlusses
Seine Führungsstellung innerhalb der Parteilinken untermauerte Colón bald auch durch die Gründung einer eigenen Strömung. Sein 1978 gegründeter Corrente stellte einen Versuch dar, die alte Traditionslinke der Partei mit der jüngeren aus den Neuen Sozialen Bewegungen stammenden Linken zu verbünden. Seine Anhängerschaft im Corrente „Solidaritá Justa“ umfasste einen Großteil des alten Gewerkschaftsflügels der Partei sowie jüngere Mitglieder und drängte auf weitergehende Sozialstaats- und Wirtschaftsreformen. Der gestiegene Einfluss Colóns in der Partei spiegelte sich in seiner Berufung ins Wahlkampfteam der Sozialisten bei den neuerlichen vorgezogenen Parlamentswahlen im Jahr 1979 wieder, wo Colón für die Sozialpolitik verantwortlich zeichnete. Die Sozialisten verloren die Wahl und wurden erstmals seit neun Jahren wieder nicht stärkste Kraft im Parlament. Wahlsieger Sandro de la Nada von der PPC bildete daraufhin eine Große Koalition mit der ASUL, in der Colón das Ministerium für Arbeit und Soziales übernahm. Da Parteichef Caval dem Kabinett nicht angehörte, war Colón neben Finanzminister Francisco Montone, dem führenden Vertreter der Parteirechten in der Regierung, einer der wichtigsten Minister der Regierung und repräsentierte den traditionalistisch-linken Flügel der Partei. Hier kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Colón und dem konservativen Wirtschaftsminister Alfonso Guivares, der Colón daraufhin als seinen "Lieblingsfeind" bezeichnete.
Im Zuge der Auseinandersetzungen um den NATO-Doppelbeschluss ergriff Colón energisch Partei gegen die Stationierung amerikanischer Raketen in Europa und trat als Folge eines gegenläufigen Kabinettsbeschlusses im Februar 1981 von seinem Ministeramt zurück. Danach organisierte er mit Zustimmung von Parteichef Caval den parteiinternen Widerstand gegen die Regierungspolitik, womit er maßgeblich Mitverantwortung für das Scheitern der Regierung im Sommer 1982 trug. Nachdem Joán Caval auf die Spitzenkandidatur der Sozialisten verzichtet hatte, wurde Andrés Colón auf dem Parteikongress der Sozialisten in Bosa zum Kandidaten der Partei für das Premieramt gewählt. Außerdem erbte Colón von Stefano Nacoma das Amt des Vizegeneralsekretärs. Damit war er auch in der Partei die Nummer Zwei hinter Caval. Der als potenzieller Gegenkandidat Colóns für die Spitzenkandidatur gehandelte Donado Ricardes hatte auf eine eigene Bewerbung verzichtet.
Wahlniederlage als Spitzenkandidat 1982
Colón zog mit einer klar Lagerwahlkampfstrategie in die Kampagne. Gegenüber Caval konnte er die Ernennung seines ehemaligen Staatssekretärs Miguel Cambrís zum Nationalen Koordinator und Wahlkampfleiter durchsetzen. Ziel Colóns war es, stärker als die Konservativen zu werden, um die neue Regierung anführen zu können. Erst danach sollte die schwierige Koalitionsfrage beantwortet werden. Die Wahl im September 1982 endete schließlich in einem Debakel für die Sozialisten, die erstmals seit 1958 unter die 30-Prozent-Marke abrutschten. Colón ging absolut geschwächt aus der Wahl hervor. War er zuvor als klarer Favorit für die Nachfolge Cavals gehandelt worden, der signalisiert hatte, den Parteivorsitz mittelfristig an Colón abzugeben, so musste er nun um sein politisches Überleben kämpfen und war als direkter Nachfolgekandidat Cavals unvermittelbar. Immerhin wurde er als Nachfolger Stefano Nacomas zum neuen Sprecher der ASUL-Fraktion in der Kammer gewählt. In der Folge musste er allerdings gegen einen sukzessiven Machtgewinn der Rechten in der Partei kämpfen, die das Projekt des Linkskurses als gescheitert ansahen und das politische Comeback Donado Ricardes' vorbereiteten.
Sukzessiver Rückzug aus der Spitzenpolitik
Im Herbst 1984 musste Colón nach einer Herzoperation von Parteichef Caval dessen Amt als Parteichef vorübergehend übernehmen. Im Januar 1985 präsentierte der noch immer kranke Caval Colón und Ricardes neben Luis José López und Flávio Osório Jimenez als Kern eines politischen Quadrumvirats, das sich künftig die Parteiführung übernehmen sollte. In diesem Zuge bewarb er auf dem Noyarenser Parteitag der Sozialisten im Mai 1985 um das Amt des Generalsekretärs und um die Spitzenkandidatur für die kommenden Parlamentswahlen. In der Abstimmung um die Spitzenkandidatur unterlag er jedoch seinem Kontrahenten Donado Ricardes und verzichtete daraufhin auf das Amt des Generalsekretärs. An seiner Stelle wurde der Semestiner Bürgermeister Flávio Osório zum neuen Parteichef der ASUL gewählt, Colón blieb im Amt des Stellvertreters.
Die Wahlniederlage und der folgende Sieg Donado Ricardes' bei der Kammerwahl 1986 leitete einen kontinuierlichen Machtverlust Colóns in der Partei ein. Während die Partei unter Ricardes, der 1987 auch zum Parteichef der ASUL gewählt wurde, eine Koalitionen mit den Liberalen bildete, einen Kurs der Mitte steuerte und die liberalen Reformen der Regierung Moya im Wesentlichen fortsetzte, zog sich Colón nach und nach aus den entscheidenden Parteipositionen zurück. Dem Kabinett Ricardes gehörte er nicht an und gab bereits kurz nach der Wahl auch die Fraktionsführung ab, nachdem er öffentlich Kritik an der Kabinettsliste und dem künftigen Kurs der Regierung Ricardes geäußert hatte. 1989 gab Colón sein Mandat in der Abgeordnetenkammer zurück und wurde erstmals ins Europäische Parlament gewählt. Die Führung der Parteilinken übergab er an Francisco Montero und gab auch den Posten als Vizegeneralsekretär zurück.
Im Jahr 1991 wurde Colón schließlich als Nachfolger Iacovo Del Pérez’ zum Präsidenten der parteinahen Santiago-Laval-Stiftung (FSL) gewählt. Bei den Urwahlen für das Amt des Generalsekretärs der Partei unterstützte Colón 1992 öffentlich den jungen Linken Paulo Satyres gegen den Semestiner Bürgermeister António Grande Illega, der aber die Abstimmung für sich entscheiden konnte. Nachdem er 1994 aus dem Europaparlament ausgeschieden war, trat Colón im Jahr 1997 auch von der Spitze der FSL zurück und zog sich in sein Privathaus auf Cuentez zurück. Danach schrieb er im Wechsel mit dem konservativen Joán Perón regelmäßig eine politische Kolumne in der linksliberalen Wochenzeitung Il Tiempo.
Politische Funktionen
Öffentliche Ämter
- 1972-1974: Minister der Präsidentschaft im Kabinett Caval II
- 1974-1976: Minister für Wirtschaft und Industrie im Kabinett Caval III
- 1979-1981: Minister für Arbeit und Soziale Angelegenheiten im Kabinett Nada I
Parteifunktionen
- 1969-1972: Nationaler Koordinator der ASUL
- 1977: Spitzenkandidat der ASUL bei den Semestiner Regionalwahlen 1977
- 1977-1980: Regionalsekretär der ASUL in der Region Semestina
- 1982: Spitzenkandidat der ASUL bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1982
- 1982-1986: Sprecher der sozialistischen Fraktion in der Abgeordnetenkammer
- 1984-1991: Vizegeneralsekretär der ASUL
- 1984-1992: Vizepräsident der Sozialistischen Internationale
Mandate
- 1970-1989: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
- 1977-1981: Regionalrat in der Region Semestina
- 1989-1994: Mitglied des Europäischen Parlaments
sonstige Ämter
- 1991-1997: Präsident der Fundación Santiago Laval