Geschichte der Sagradischen Republik

Aus Sagradien
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Geschichte der Zweiten Republik

Bloco de Sinistra und Große Koalition (1917-1925)

Im Jahr 1917 wurden die ersten sagradischen Parlamentswahlen nach dem Modus der Verhältniswahl mit Listen durchgeführt. Den Sieg trugen dabei die Parteien der Linken davon. Die Sozialisten, unter den Bedingungen der Mehrheitswahl meist aufgrund des Wahlkreiszuschnitts benachteiligt, wurden mit einem Stimmenanteil von über 30 Prozent erwartungsgemäßg stärkste Kraft. Die Radikalen und Radikalsozialisten kamen zusammen auf über 20 Prozent, sodass die Linksparteien des Bloco de Sinistra gemeinsam eine Mehrheit der Abgeordneten stellen konnten. Neuer Regierungschef wurde der Radikaldemokrat Francisco Calbane. Gegen die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung spaltete sich jedoch der linke Flügel ab und bildete den oppositionellen Partido Socialista Independiente, dem sich aber nur eine Minderheit von 21 Abgeordneten anschloss. Mit dem bisherigen Parteichef Carles Ferro Rodríguez trat der erste sozialistische Minister in ein Kabinett ein, ließ seine Parteimitgliedschaft aber ruhen, ehe 1919 auch offiziell Minister der PS in die Regierung eintraten.

Ziel der Regierung des Bloco de Sinistra war es, die laizistischen Reformen der sinistra laica, unter Donado Salgado nur unvollständig durchgesetzt und inzwischen von mehreren Rechtsregierungen revidiert, endgültig zu einem Ende zu bringen und die strikte Trennung von Staat und Kirche durchzusetzen, um den Einfluss der als reaktionär betrachteten katholischen Kirche auf den sagradischen Staat zu brechen. Daneben pochten die Sozialisten auf weitgehende Sozialreformen, welche schließlich den modernen sagradischen Wohlfahrtsstaat begründen sollten. Die Linksblockregierung arbeitete außerordentlich erfolgreich und konnte in ihren vier Regierungsjahren mit dem Schulgesetz von 1918 und der Sozialgesetzgebung von 1919/20 ihre wichtigsten Reformvorhaben umsetzen. Auch der Rücktritt Calbanes 1920 bedeutete letztlich keinen Bruch der Koalition, da auch die Nachfolgeregierung unter Carles Simón López von den Sozialisten unterstützt wurde.

Dies erreichte die Regierung trotz heftiger parteiinterner Auseinandersetzungen in der Sozialistischen Partei, die sich infolge der russischen Oktoberrevolution 1917 und im Streit um das Verhältnis zur Komintern nochmals spaltete. Da es derartige Auseinandersetzungen aber auch innerhalb des PSI gab, wo sich die Terceristas durchsetzen konnten und den Partido Comunista Sagradês begründeten, kehrten die gemäßigten Unabhängigen 1919/22 wieder in die Mutterpartei zurück, die damit eine nachhaltige Schwächung verhindern konnte.

Bei den Parlamentswahlen 1921 wurde der PS erneut stärkste Partei, die nun im PRSD wiedervereinigten Radikalen und Radikalsozialisten erlitten aber schwere Verluste, sodass der Bloco de Sinistra seine Mehrheit im Parlament einbüßte. Erstmals traten auch die Kommunisten an und gewannen 30 Mandate in der Abgeordnetenkammer. Relativer Sieger der Wahl war die rechtsliberale Aliança Republicana, die sich von 56 auf 74 Mandate verbessern konnte und nun mit den Parteien des Linksblocks eine Regierung der Großen Koalition (Governo del Horizonte Largo) unter dem Radikalen António Diaz bildeten. Die neue von der gemäßigten Linken zur gemäßigten Rechten reichende Regierung ergänzte die laizistischen Reformen und trug damit erheblich zu deren Etablierung bei. Mit den Stimmen der neuen Koalition wurde schließlich der Radikaldemokrat Carles Simón López als Nachfolger Cristoval Sánchez' zum vierten Präsidenten der Republik gewählt.

Die Regierung Diaz scheiterte zwar im Januar/Februar 1924, jedoch amtierten bis 1925 noch weitere Linksblock-Regierungen, die teilweise von den Liberalen toleriert wurden. Im Mai 1924 wurde mit António Sarabal schließlich der erste Sozialist Regierungschef, im Dezember desselben Jahres folgte ihm der ehemalige Staatspräsident Cristoval Sánchez, der nun für wenige Moante auf den Stuhl des Regierungschefs zurückkehrte, ehe ihm sein Parteifreund Angel Colón mit seinem ersten Kabinett folgte.

Die Ära der wechselnden Rechtskoalitionen (1925-1930)

Die Vorherrschaft der Linken und der laizistischen Parteien hatte in Kombination mit dem neuen Verhältniswahlsystem innerhalb der Rechten zu einem Umstrukturierungsprozess geführt. Anlässlich der Parlamentswahlen 1917 hatten sich verschiedene monarchistische und nationalkonservative Gruppen und Abgeordnete, die zuvor nicht parteipolitisch organisiert waren, zur Fraktion der Conservadores Sagradés (COSA) vereinigt. Daneben war aus ultrakonservativen Kreisen nach dem Vorbild der Action française die reaktionäre Liga de la Renovación Sagradêsa entstanden, die den rechten Rand des sagradischen Parteienspektrums abdeckte. Renovación und Cosa kämpften nun gemeinsam energisch gegen die kirchenfeindliche Politik der laizistischen Linken und linken Mitte. Hierin wurden sie von der insgesamt gemäßigteren Acción Popular von Francisco Tropexas unterstützt, die sich jedoch im Zuge der Auseinandersetzungen um die Laizismus-Reformen der Linken zunehmend radikalisierte und schließlich spaltete. Eine progressive Minderheit, die sich christlich-sozialen und christdemokratischen Ideen geöffnet hatte, bildete aus der Liga del Pôpolo Jovén und dem Vertá-Kreis heraus den zentristischen Partido Democrático Popular, während die Parteimehrheit auf deutlichen Abstand zur Linken ging und schließlich 1924/25 unter Einbeziehung zahlreicher Conservadores die rechtskonservative Unión Popular begründete, die sich deutlich skeptischer gegenüber der parlamentarischen Republik zeigte und nicht nur im Kirchenkampf einen radikaleren Ton anschlug als zuvor.

Die Unión Popular konnte schließlich erfolgreich die Katholiken im Land mobilisieren und auf diese Weise die Parlamentswahl des Jahres 1925 für sich entscheiden. Mit 107 Abgeordneten wurden die Katholiken zwar nur zweitstärkste Kraft, da eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und liberalen Republikanern aber scheiterte, gelangte die UP in eine Schlüsselstellung. Präsident López beließ jedoch die Minderheitsregierung Colón im Amt und weigerte sich, eine Rechtsregierung unter Beteiligung der Volksunion zu ernennen, womit er eine handfeste politische Krise auslöste. Nachdem sich López' eigene Partei jedoch mit der Aliança auf die Bildung einer Minderheitsregierung geeinigt hatte, die von den Rechten toleriert werden sollte, erklärte Präsident López seinen Rücktritt. Die Wahl seines Nachfolgers wurde zu einer der schwierigsten Wahlen der Zweiten Republik. Am Ende konnte sich überraschend der Kandidat der Volksunion Domênco Scalfín durchsetzen, der mit der Unterstützung der Rechtsparteien zum fünften Präsidenten der Republik gewählt wurde und u.a. gegen den Ex-Präsidenten Cristoval Sánchez vom Partido Radical siegte.

Die Weltwirtschaftskrise und die Präsidentschaft Alemà Sobrantes' (1930-1934)

Die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929 stürzte Sagradien in eine schwere Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahr 1930 rapide an und die Wirtschaftsleistung nahm ab. Soziale Krisen überströmten das Land.

Die Parlamentswahlen im November 1930 standen bereits im Zeichen der Krise und brachten einen deutlichen Rechtsruck. Die Parteien der Mitte, welche die Republik geprägt hatten, Liberale und Radikale, verzeichneten herbe Verluste, während nicht nur die katholisch-konservative Volksunion und die nationalistische PAN an Zustimmung gewannen, sondern auch die Faschisten von León Francês, welche ihren Sitzanteil von 4 auf 25 erhöhen konnten. Damit konnte der „Bloco Nacional“ aus UP, PAN und Landbund zwar keine absolute, aber eine relative Mehrheit der Sitze gewinnen. Ministerpräsident Daniel La Ponte von der rechtsliberalen ARD, der bereits im September seine Mehrheit im Parlament verloren hatte, reichte seinen Rücktritt ein, doch erst im Januar 1931 konnte eine neue Regierung gebildet werden. UP-Führer Gaitán Alemà Sobrantes, bereits als Vizeministerpräsident der starke Mann im Kabinett La Ponte, wurde nun zum Ministepräsidenten ernannt. Alemà Sobrantes bildete ein Rechtskabinett des siegreichen Nationalen Blocks, dem erstmals auch die nationalistische PAN angehörte, während die Zentrumsparteien ihre Unterstützung angekündigt hatten.

Die Regierung Alemà erreichte ihr Ziel, ein umfangreiches öffentliches Kürzungsprogramm zur Überwindung der Wirtschaftskrise nicht. Als die Liberalen ihre Unterstützung im Frühjahr 1932 aufgekündigt hatten, erbat Alemà Sobrantes bei Präsident Domênco Scalfín die Auflösung des Parlaments, der diesem Wunsch entsprach und Neuwahlen für den April 1932 festsetzte. Bei den Wahlen standen sich die Parteien der Linken und erneut der Nationale Block gegenüber, der nun in einer Listengemeinschaft antrat, um stärker vom Wahlsystem zu profitieren. Wieder errang der Bloco Nacional eine relative Mehrheit, verfehlte aber klar die absolute Majorität im Parlament. Die unabhängig vom Bloco antretende faschistische Rechte verbesserte sich schlagartig auf 36 Sitze in der Kammer. Die gemeinsam angetretenen Zentrumsparteien verweigerten dem Block die Unterstützung, woraufhin Präsident Scalfín ein Kabinett Celano López technisches Kabinett aus Vertretern des Zentrums und einzelner „rechter Persönlichkeiten“ unter der Führung des parteilosen Bürokraten Martín Celano López ernannte. Alemà wurde im neuen Kabinett Innenminister.

Im August 1932 wurde ein neuer Präsident der Republik gewählt. Mit der Unterstützung seines Nationalen Blocks setzte sich Gaitán Alemà Sobrantes schließlich im fünften Wahlgang gegen seine linken Mitbewerber durch, nachdem La Ponte als Bewerber des Zentrums zurückgezogen hatte, und wurde damit Nachfolger von Domênco Scalfín. Stärker als dieser sah Alemà seine Rolle in einer aktiven Amtsführung und hatte von Beginn an das Ziel, eine autoritäre Staatsführung auszuüben und Regierungen seines Vertrauens zu ernennen. Die Macht der zersplitterten Nationalversammlung sollte zurückgedrängt werden. Als einen seiner ersten Schritte löste Alemà die Kammern auf und setzte damit die zweiten Wahlen innerhalb eines Jahres an, nachdem sein Nachfolger im Amt des UP-Chefs Domênco Santês vergeblich versucht hatte, als neuer Ministerpräsident einer Rechtsregierung eine neue Mehrheit hinter sich zu bringen.

Die Dezemberwahlen des Jahres 1932 brachten schließlich eine deutliche Stärkung der Ränder. Die rechtsextremen Parteien erhielten 57, die Kommunisten 85 Mandate im Unterhaus. Alemàs Ziel einer absoluten Mehrheit für seine Volksunion und ihre Verbündeten scheiterte abermals, was diesen in seiner antiparlamentarischen Gesinnung bestärkte. Der parteilose Pietro Manuel wurde mit der Regierungsbildung beauftragt, Ziel war wieder ein „Kabinett der Persönlichkeiten“, das unabhängig von Parteikämpfen regieren sollte. Für die ersten drei Monate des Jahres 1933 unterstützten auch die Zentrumsparteien und die Radikalen das Kabinett, das aber bereits im März 1933 scheiterte. Alemà Sobrantes änderte nun seine Strategie. Santês wurde wieder Premierminister einer Minderheitsregierung des Nationalen Blocks und Alemà begann die Umarmung der Faschisten. Mit den Stimmen der rechten Mehrheit erhielt die Regierung Santês im April 1933 für ein halbes Jahr außerordentliche Gesetzgebungsbefugnisse zur Behebung der sozialen Krise.

Die anhaltende soziale Notlage führte im ganzen Land zu einer Radikalisierung der politischen Situation. Angeheizt durch die sozialen Missstände florierten die rechten Aktionstruppen, die ständig wuchsen und neue Anhänger der verarmten Mittelschichten anlockten. In Teilen des Landes standen sich seit den Dezemberwochen 1933 rechte und linke Schlägertruppen und paramilitärische Verbände gegenüber. Die kommunistischen Roten Garden stellten sich den rechten Aktionstruppen entgegen und versuchten vielerorts, die Revolution auszulösen. Die Regierung Santês reagierte – von Alemà bestärkt – mit eiserner Hand gegen die Rotgardisten, während die Truppisten vielerorts freie Hand erhielten. Nach den kommunistischen und anarchistischen Weihnachtsunruhen 1933 erklärte Alemà den nationalen Notstand, verhängte das Kriegsrecht und setzte das Militär ein. Im Januar 1934 wurden zahlreiche - vermeintlich gemäßigte - Truppistenverbände offiziell zu Hilfstruppen des staatlichen Militärs ernannt. Der Präsident konnte nun mit der Gegenzeichnung der von ihm ernannten Regierung umfangreiche gesetzgeberische Maßnahmen einleiten und damit mehr und mehr am Parlament vorbei regieren. Zwar konnte die Nationalversammlung die Maßnahmen wieder außer Kraft setzen, dieser aber gegen die rechte Mehrheit kaum durchsetzen. Das Dekret vom 25. März 1934 machte es dem Staat möglich, „Bedroher der öffentichen Sicherheit“ auch schon auf Verdacht festzusetzen. In der Folge wurden im ganzen Land Kommunisten und Sozialisten unter Arrest gestellt. Spätestens nun hatte sich Sagradien in ein autoritäres Regime verwandelt. Die Versuch der Linken, über parlamentarischem Weg gegen die Regierung vorzugehen scheiterte. Ein Misstrauensvotum der Opposition gegen die Regierung Santês vom Oktober 1934, das nach einer Spaltung der faschistischen Rechten geglückt war, blieb praktisch folgenlos, da Alemà lediglich eine Kabinettsumbildung vornahm, die gemäßigten Kräfte aus der Regierung entfernte, den Armeechef Oscar Romero Castro und den Führer des rechten Flügels der UP, Manuel Álamo zu Ministern ernannte und anstelle Santês’ den bisherigen Innenminister Joán César Negrín mit dem Premieramt betraute (Kabinett Negrín). Mit Santiago Laval wurde gleichzeitig der Führer der Opposition verhaftet.

Blutherbst 1934 und die Regierung Capón-Dini

Die Kabinettsumbildung war der Auftakt für den ereignisreichen Herbst 1934, der als "Blutherbst" in die Geschichte einging. Am 30. Oktober 1934 wurde Präsident Gaitán Alemà Sobrantes von einem kommunistisch motivierten Attentäter erschossen. Sofort verhängte die Regierung Negrín eine allgemeine Ausgangssperre, löste die Sitzung der Nationalversammlung auf und bezichtigte die Kommunistische Partei eines Umsturzversuchs. Im ganzen Land kam es daraufhin zu einer neuerlichen Eskalation und zu heftigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen Linken und Rechten. Die aufgehetzte Menge stürmte die kommunistische Parteizentrale und tötete dabei einige Mitarbeiter der Parteiführung, nur wenige Stunden später, am Morgen des 1. November 1934 wurde der KP-Chef Lorenzo Sabal von Truppisten gefangengesetzt und ermordet. Noch in der Nacht vom 1. auf den 2. November 1934 setzte Faschistenführer León Francês zum „Marsch auf Semess" an und versuchte durch einen Putsch, die Macht zu übernehmen. Francês’ Sturmtruppen nahmen binnen weniger Stunden den Platz vor dem Regierungspalais ein und forderten die Machtübergabe an Francês. Die Regierung Negrín, von den Ereignissen überrannt, zeigte sich überfordert, stand des Putschisten teilweise aber sogar wohlwollend gegenüber und ließ den Angriff auf die Republik geschehen.

Interimspräsident Luciano Capón, der als Senatspräsident nach dem Tod Alemà Sobrantes' zum provisorischen Staatsoberhaupt aufgestiegen war, reagierte schnell und setzte sich mit Teilen des Militäroberkommandos in Verbindung, die er als republiktreu erachtete. Er verhängte den Ausnahmezustand, entließ Regierungschef Negrín aus dem Amt und übertrug mit Zustimmung des Präsidenten der Abgeordnetenkammer die Exekutivgewalt an den ihm bekannten General Alfonso Cabarel. Nach wenigen Stunden bereits stürmten in einem Gegenputsch Militärtruppen unter General Cabarel den Platz vor dem Regierungspalast und schlugen den faschistischen Putschversuch nieder. In der Folgewoche wurde Luciano Capón von der Nationalversammlung in geschlossener Sitzung offiziell zum neuen Präsidenten der Republik gewählt, die Aktionstruppen sowie der Frente Fraternal León Francês' wurden verboten. Die Militärregierung unter General Cabarel blieb vorerst mit der Verwaltung betraut, um die Ordnung wieder herzustellen. Der Ausnahmezustand wurde am 1. Dezember beendet, anstelle der Militärregierung ein neues ziviles Kabinett unter Führung des parteilosen Nationalbankpräsidenten Sergio Rafael Dini ernannt. Dini sollte ein unabhängiges Präsidialkabinett leiten, dem Cabarel als Armeeminister mit besonderen Befugnissen angehörte.

Die Lage blieb aber angespannt, zumal der in Golen wütende separatistische Aufstand gegen das rechte Ulisse-Regime auf den golischen Westen Sagradiens überzugreifen drohte, wo sich Sympathisanten des in Alágua ausgerufenen "Estat Gools" sammelten und für eine gesamtgolische Unabhängigkeit Stimmung machten.

Die Volksfront (1935-1938)

Im gemeinsamen Kampf gegen die Bedrohung von rechts hatten sich seit 1932, erstrecht aber nach der Wahl Narcís Coloms zum KP-Sekretär im Herbst 1934 die gemäßigten Kräfte der sagradischen Linken und die Kommunisten angenähert. Für die auf den September 1935 vorgezogenen Parlamentswahlen bildeten die sagradischen Sozialisten unter Santiago Laval, die Kommunisten Coloms und die linksbürgerlichen Radikalen unter Angel Colón ein linkes Wahlbündnis, den Frente Popular (Volksfront), der geschlossen gegen die Parteien der Rechten antreten sollte, die zunehmend Kritik an der parlamentarischen Form der angeblich "sozialistisch unterwanderten" Republik übten und immer offener auf eine autoritäre Verfassungsreform im Sinne des ermordeten Präsidenten Alemà Sobrantes drängten.

Die Parlamentswahlen brachten einen knappen Sieg für die Volksfront mit sich, die von dem modifizierten Wahlsystem profitierte und die absolute Mehrheit der Sitze errang. Der gegnerische Frente Nacional um die von Domênco Santês angeführte Volksunion verlor deutlich an Sitzen und die zahlreichen in Nachfolge des FF entstandenen faschistischen Splitterparteien kamen zusammen nur auf 28 Sitze in der Kammer. Bereits einen Tag nach der Wahl erklärte Ministerpräsident Dini erwartungsgemäß seinen Rücktritt, woraufhin Präsident Capón pflichtgemäß, aber gegen heftiges Drängen aus der konservativen Rechten und teils auch aus dem Militär den Sozialistenführer Santiago Laval zum neuen Präsidenten des Ministerrats ernannte. Der Schock innerhalb der Rechten über die Wahlniederlage und die Angst vor einem sozialistischen Umsturz auf legalem Weg, wie er von einer Volksfrontregierung drohte, führte zu heftigen verbalen Angriffen auf den Präsidenten, der die durch Aushändigung der Regierungsgewalt an die linke Wahlsieger-Koalition die nationale Sache verraten habe. Capón zog die Konsequenz und reichte schließlich seinen Rücktritt vom Präsidentenamt ein.

Laval übernahm zunächst das alte Kabinett und ließ Dini als Finanzminister im Amt, ehe er wenige Tage später bereits mit der Mehrheit der Volksfrontkoalition als Nachfolger Capóns zum Präsidenten der Republik gewählt wurde. Die bürgerliche Rechte hatte damit durch ihr aggresives Verhalten gegenüber dem bürgerlich eingestellten Capón auch das höchste Staatsamt an die Linke verloren. Laval war der erste Sozialist im höchsten Staatsamt und ernannte sogleich seinen Parteifreund José Saviola zu seinem eigenen Nachfolger als Regierungschef, der ein sozialistisch-radikales Kabinett bildete, das als erste parlamentarische Regierung von den Kommunisten unterstützt wurde.

Die Volksfrontregierung Laval-Colón führte zahlreiche Reformen durch. Sie erließ ein allgemeines Streikrecht, führte die 40-Stunden-Woche ein und erhöhte die Löhne im öffentlichen Dienst. Zahlreiche Schlüsselindustrien wurden sozialisiert. Doch hatte sie von Beginn an mit großen außen- und innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die anhaltenden separatistischen Bewegungen im micolinischen Teil Golens und die im sagradischen Teil gehegten Sympathien belasteten die Beziehungen zwischen dem autokratisch regierten Micolinien und der nun linken Bastion Sagradien nachhaltig, zumal sich Teile der neuen sagradischen Regierung wohlwollend zeigten. Als die Regierung Saviola es ablehnte, eine Reihe nach Sagradien geflüchteter, des Hochverrats angeklagter Golen an Micolinien auszuliefern kam es im Herbst 1935 - nur wenige Wochen nach dem Machtwechsel zur Linken – zu einer heftigen diplomatischen Krise (Golenkrise), in deren Lauf es fast zum Krieg zwischen den ideologisch verfeindeten Regierungen Sagradiens und Micoliniens kam, als micolinische Truppen unter dem Vorwand terroristischer Umtriebe im Grenzgebiet auf sagradisches Staatsgebiet vorstießen. Mit dem Vorwurf an die sagradische Regierung, der Lage selbst nicht Herr werden zu können, übernahmen die micolinischen Truppen binnen weniger Tagen die Provinz Pexace sowie den Westen der Escada. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, jedoch zu keiner Kriegserklärung. Der Völkerbund erwirkte einen dreimonatigen Waffenstillstand (Marrel-Moratorium), in dem es aber zu mehreren kleineren Zusammenstößen kam. Erst unter intensiver Vermittlung der internationalen Mächte unter Androhung eines internationalen Krieges erreichte die Staatengemeinschaft den Rückzug Micoliniens aus den besetzten Gebieten mit Ausnahme kleinerer Stützpunkte im Celistal und Teilen des Ambristals, die noch weitere Jahrzehnte besetzt blieben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Lösung dieser Frage gefunden.

Der Ausgang der Golenkrise wurde als schwere Niederlage der neuen Linksregierung gewertet, der ihr abwartendes Verhalten als Schwäche ausgelegt wurde. Abgesehen davon, dass die pazifistischen Sozialisten eine kriegerische Auseinandersetzung ablehnten, waren der Regierung aber weithin die Hände gebunden, da sich das Militär vielerorts kaum bereit zeigte, den Befehlen des sozialistischen Verteidigungsministers zu gehorchen. Es zeigte sich das schwere Autoritätsproblem, das die Volksfrontregierung von Beginn an gegenüber Teilen des Militärs besaß, auch wenn sich der Großteil des Militärs noch loyal zeigte und es in der Folge zu einer Reihe von Disziplinarverfahren gegen renitente Offiziere kam.

Auch bezüglich des 1936 ausgebrochenen Spanischen Bürgerkriegs geriet die Volksfrontregierung in Schwierigkeiten. Während Sozialisten und Kommunisten eine Beteiligung Sagradiens auf Seiten der republikanischen Kräfte forderten, lehnten die Radikalen eine solche ab und stellten die Regierung in Frage. Die zweite Regierung Saviola, seit April 1936 im Amt, sowie die Nachfolgeregierung unter Angel Colón einigten sich daher auf eine Nicht-Intervention.

Als im Oktober 1937 in Alconía ein kommunistischer Aufstand gegen den lokalen Großgrundbesitz ausbrach, der eine sofortige Bodenreform forderte und sich zum blutig geführten „Alkonischen Oktober“ ausweitete, zerbrach die Volksfrontregierung, da Premierminister Colón Truppen einsetzte, um den Aufstand einzudämmen. Die Kommunisten erklärten die Volksfront für beendet und forderten den Rücktritt der Regierung Colón. Dieser blieb aber im Amt und suchte sich neue Mehrheiten durch Einbeziehung liberaler Kräfte.

Neuordnung und Radikalisierung der Rechten

Die Volksfrontregierung führte zu einer Machtverschiebung innerhalb der sagradischen Rechten. Die Niederlage der katholisch-konservativen Volksunion bei den Wahlen 1935 und die Zerschlagung der faschistischen und extremen Rechten führte zu einem Machtvakuum, in das Manuel Álamo Igualde mit seiner radikalen Jugendzirkel-Bewegung stoßen konnte. Beim Noyarenser Parteitag der UP im Dezember 1935 übernahm Álamo Igualde in einer umstrittenen Abstimmung die Macht in der Partei. Mit den aus der Truppistenbewegung hervorgegangenen „Juntas Accionistas“ als Leibwache betrat Álamo den Parteitag, kündigte den äußersten Kampf gegen den Kommunismus und die Linke an und warnte seine Gegner vor der „Macht des Volkes“. Unter Historikern ist umstritten, wie der Parteitag von Noyar zu werten ist, doch sprechen einige von einem mehr oder weniger gewaltsamen Putsch Álamos an die Parteispitze.

In der Zwischenzeit reorganisierten sich auch die anderen antiparlamentarischen und antirepublikanischen Kräfte der Rechten neu. Nach dem Verbot der Aktionstruppen und der Faschistischen Front León Francês’ wirkten viele Mitglieder der Bewegung auch weiterhin im Untergrund weiter. Die terroristische rechtsextreme „Organisación d’Acción Patriota“ (OAP) verübte im ganzen Land Anschläge mit dem Ziel, die linke Regierung und die von ihr getragene Republik zu stürzen. In weiten Teilen der Republik bildeten sich zudem neue illegale paramilitärische Truppen, welche die Nachfolge der Truppistenbewegung antraten. Die bedeutendste wurde die von León Francês gegründete División Sagradêsa de Ofensiva Popular. Noch immer mit großem Einfluss unter der faschistischen Rechten, änderte Francês nun seine Strategie. An die Stelle des stark am italienischen Faschismus orientierten antiklerikalen Programms des alten Frente Fascista verbündete sich Francês nun mit den klerikal orientierten Ultrarechten, die zuvor den Bloco Nacional bzw. den Frente Nacional unterstützt hatten.

Die nach der Ermordung Gaitán Alemà Sobrantes' de facto in konkurrierende Flügel zerfallene katholisch-konservative Volksunion wurde unter Manuel Álamo Igualde neu strukturiert. Álamos parteiinterne Gegner wurden entweder aus der Partei gedrängt oder mundtot gemacht, die Parteiorganisation zentralisiert und nach dem Führerprinzip ganz auf den neuen „Chefe“ an der Spitze ausgerichtet, der von den Círculoes geradezu als Messias gefeiert wurde. Die als Leibgarde Álamos fungierenden und ihm loyal ergebenen „Juntas Accionistas“ übernahmen die Macht in der Partei, die Círculoes sorgten für die theoretische Fundierung des neuen Kurses, der schließlich beim Parteikongress von Malesc im Mai 1936 im „Manifesto de Malesc“ niedergeschrieben wurde. Die Volksunion vollzog darin die endgültige Abkehr von der Republik und forderte einen „Novo Estado“ auf ständischer Grundlage und autoritärer Führung. Die „Nación i Familia Católica“ sollten deren Fundament sein, der „Chefe“ der UP ihr Führer. Das antidemokratische und deutlich korporatistisch bis faschistisch inspirierte Manifest wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen, Gegner waren bereits zuvor ferngehalten worden oder trauten sich unter dem Eindruck der Juntas nicht mehr zu widersprechen.

Im Frühjahr 1937 kam es schließlich zu einer folgenschweren Übereinkunft. Nach privaten Korrespondenzen und Geheimverhandlungen einigten sich UP-Chef Manuel Álamo und der Divisionistenführer León Francês auf ein politisches Bündnis. Auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Selva de Croel bildeten die ultrakonservative UP, die División Negra und die eher unbedeutende monarchistische Frente Integral (FI) die „Liga de la Comunión Nacional“ als gemeinsames antidemokratisches Kampfbündnis "gegen Linksrepublik und Kommunismus“. Binnen weniger Tage erklärten zahlreiche andere rechte Organisationen wie der Partido d’Acción Nacional (PAN) und der Landbund (UC), aber auch faschistische Organisationen wie der „Novo Partido Social“ (NPS) und das „Movimiento Antibolxevista“ (MAB) ihre Solidarität mit der neuen Liga, als deren gleichberechtigte Führer Álamo und Francês auftraten. Als konservative Galeonsfigur diente der Ex-General Mariano de Vicentis.

Binnen weniger Monate gelang es der Liga, die Führung über große Teile der zuvor zersplitterten äußeren Rechten zu gewinnen und im ganzen Land Aufstände gegen die Regierung Colón zu initiieren. Divisionistische "Blaumützen" sowie die weiß-blau gekleideten Juntas Accionistas kämpften nun gemeinsam gegen Kommunisten, Sozialisten und Regierungstruppen und führten die sagradischen Bürgerkrieg der Dreißiger Jahre zu einem neuen Höhepunkt. Die Ermorderung der prominenten Kommunistin Mercé Restuça durch Divisonstruppen im Herbst 1937 blieb nur einer von vielen Ausbrüchen der Gewalt. Spätestens seit Winter 1937/38 war die Regierung Colón kaum noch in der Lage, die staatliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Verhängung des Ausnahmezustands durch Präsident Santiago Laval im Januar 1938 zeigte dessen ganze Ohnmacht, als ihm ganze Truppenverbände die Unterstützung versagten und sich vielerorts mit den rechten Aufständischen solidarisierten.

Februarputsch 1938 und Machtübernahme des Triumvirats

Im Januar und Februar 1938 intensivierten sich die Aufstände der Rechten, die in Ceundâlia und Amoria zahlreiche linke Stadtverwaltungen übernahmen und sich der Kasernen bemächtigten. Laval stand dem weitgehend machtlos gegenüber, weigerte sich aber, den Forderungen der Rechten nachzugeben und sie in die Regierung zu berufen. Der Sturz der Regierung Colón durch ein Misstrauensvotum in der Abgeordnetenkammer im Januar 1938 und die etwa zeitgleich erfolgte Verhängung des Ausnahmezustands besiegelten schließlich das Schicksal der Republik. Die nationale Opposition forderte von Laval die sofortige Ernennung einer "Regierung der Autorität" und die Auflösung der Abgeordnetenkammer. Laval aber war überzeugt, eine Regierung der Rechten bedeute das Ende der Republik und betraute stattdessen nacheinander mehrere Politiker der Mitte mit der Bildung einer Koalition der Einheit, die jedoch alle scheiterten. Zugleich zeigte sich die mit weitreichenden Exekutiv-Vollmachten ausgestattete Militärführung um General Oscar Romero Castro nicht gewillt, mit Entschlossenheit gegen die rechtsgerichteten Aufständischen vorzugehen. Der Versuch Lavals, die Militärstrukturen zu reformieren, um die Macht der örtlichen Truppenführer, aber auch Teilen der Generalität einzudämmen, führte schließlich zum Bündnis des Militärs mit der Rechtsopposition und zum Staatsstreich gegen den gewählten Präsidenten. Der verfassungsmäßig nicht vorgesehene Antrag der rechten Volksunion, Präsident Laval für abgesetzt zu erklären, wurde vom Präsidium der Abgeordnetenkammer nicht zugelassen, erbrachte im Senat jedoch bei einer umstrittenen und letztlich wohl verfassungswidrigen Abstimmung am Morgen des 21. Februar 1938 eine Mehrheit.

Der mit der Exekutivgewalt ausgestattete Armeeführer General Oscar Romero Castro drang daraufhin am Abend des 21. Februar 1938 mit dem von ihm zusammengestellten „Kommando Februar“ in den Präsidentenpalast ein und brachte die Macht an sich. Santiago Laval wurde gezwungen, seine widerrechtliche Absetzung anzuerkennen. Er verweigerte dies formal, erklärte aber seinen Rücktritt, was de facto einer gewaltsamen Entfernung aus dem Amt gleichkam. Die Versuche der geschassten Linken, den Umsturzversuch durch einen Generalstreik zu sanktionieren, wurden gewaltsam niedergeschlagen. Die folgenden kommunistischen Aufstände (Februarkrieg 1938) trugen unfreiwillig dazu bei, die Maßnahmen der Militärregierung zu legitimieren, konnten aber schnell beendet werden. Interimspräsident Selle Miniambres entließ die abgewählte, nur noch geschäftsführende Zivilregierung aus dem Amt und ernannte den Führer der Rechtsopposition Manuel Álamo Igualde zum Premierminister, der auch von der Militärjunta unterstützt wurde und eine "Regierung der nationalen Kommunion" bildete. Obwohl der Regierung Álamo auch einzelne Persönlichkeiten der liberalen und christdemokratischen Parteien angehörte, lehnten deren Parteiführer Daniel La Ponte und Don Martín de León die neue Regierung ab.

Als einer der ersten Akte löste die Kammern des Parlaments auf und setzte Neuwahlen an. Für diese sollte nach einem neuen Wahlsystem gewählt werden, das der Mehrheitsliste automatisch zwei Drittel der Sitze sicherte. Während des Wahlkampfs organisierte sich die Comunión Nacional unter Manuel Álamo Igualde neu und trat als Kraft der Ordnung, Unterstützer des Februarputschs gegen die Linke und Vertreter einer autoritären Verfassungsreform auf, während Santiago Laval um einen Wiedereinzug in die Regierung und für den Erhalt der Republik kämpfte. In einem vom Terror der Divisionisten und Straßenschlachten zwischen Linken und Rechten geprägten Wahlkampf kam es immer wieder zu Willkürmaßnahmen und zu terroristischen Gewaltakten vor allem gegen linke Politiker. Einem solchen Gewaltakt fiel schließlich Anfang April, wenige Tage vor der Parlamentswahl, der ehemalige Präsident und jetzige Oppositionsführer Santiago Laval zum Opfer, der vor der Parteizentrale in Semess von einem mutmaßlichen Divisionistentrupp ermordet wurde.

Aus den Aprilwahlen 1938 gingen schließlich die Listen der rechten Comunión Nacional dank politischer Gewalt und dem neuen Wahlsystem mit einer verfassungsändernden Mehrheit hervor. Damit war der Weg für eine autoritäre Umgestaltung der Republik frei, wie sie von großen Teilen der politischen Rechten angestrebt wurde. In der Folge setzte die Regierung Stück für Stück die Verfassung außer Kraft und demontierte die republikanischen Institutionen. General Oscar Romero Castro wurde zum Staatspräsidenten gewählt. Die Parteien der Linken wurden verboten, wenig später auch die Zentrumsparteien. Die mit Álamos UP verbündeten Parteien wurden nach Vorbild der UP selbst in die „Nationale Kommunion“ eingegliedert und gleichgeschaltet. Außerhalb der Kommunion sollten keine anderen Parteien mehr bestehen. Die neue Mehrheit erkannte die Junta auch offiziell als Staatsorgan an, mit Unterstützung Castros wurde diese aber im Sommer 1938 von allen demokratischen oder „anti-nationalen“, d.h. systemkritischen Mitgliedern gesäubert, welche durch Anhänger Castros, Álamos und Francês’ ersetzt wurden.

Geschiche Sagradiens im Estado Sagradês (1938-1943)

Begründung des Estado Sagradês

Die binnen weniger Wochen erarbeitete und auf alten Plänen der Volksunion beruhende Augustverfassung von 1938 machte Sagradien schließlich zu einem autoritären und faschistisch inspirierten Ständestaat auf korporatistischer Basis. Damit endete die zweite República Sagradêsa nach 47 Jahren und machte dem neuen Estado Sagradês Platz. Staatsoberhaupt war der Presidente d’Estado (bis 1940 General Castro), der vom Staatsrat gewählt wurde, dem ständisch zusammengesetzten Legislativorgan, das an die Stelle eines Parlaments trat. Manuel Álamo wurde als Premier-Ministro bzw. Chefe del Governo und zugleich auch Führer (Grande Chefe) der als Staatspartei festgeschriebenen Comunión Nacional die zentrale Figur des neuen Systems. Aus dem Triumvirat Castro-Álamo-Francês wurde binnen des Jahres 1938/39 eine Alleinherrschaft Álamos, der sich nicht nur als der raffinierteste und machtpolitisch klügste, sondern auch als der charismatischste der drei Machthaber etablierte. Die Säuberung der Junta von Regimekritikern und potenziellen Gegenspielern Romero Castros hatte diesen Álamo angenähert, der sich so die Loyalität des Generals sicherte.

León Francês, durch das Bündnis mit dem machtstrebenden und listenreichen Manuel Álamo mehr geschwächt als gestärkt, verlor zunehmend die Führung über die Divisionen und auch deren Loyalität an seinen mächtigen Verbündeten. Er blieb zunächst Sicherheitsminister, verlor aber zunehmend Zuständigkeiten an neue Instanzen wie den geheimen Sicherheitsdienst Ordre Secreto, der direkt dem Premierminister unterstand. Gleichzeitig wurde Francês zunehmend unzufrieden mit dem neuen System, das ihm zu konservativ und integralistisch erschien. Der Versuch Francês’, sich aus der Umklammerung durch Álamo zu befreien und dessen Führung anzuzweifeln, führten schließlich im Juli 1939 zur Entmachtung Francês infolge eines divisionistischen Aufstands, der am festen Bündnis Romero/Álamo scheiterte und bereits im Keim niedergschlagen wurde. Francês wurde zwar von offensichtlichen Verbindungen zum Putschversuch entlastet, musste jedoch zurücktreten. Obwohl Francês zum Zeitpunkt seines Todes 1942 bereits seit langem politisch kaltgestellt war, wurde er vom Regime als „Vater der Kommunion“ und als Heiliger der Bewegung gefeiert.

Auch Romero Castro verlor danach - auch aus Krankheitsgründen - zunehmend an Einfluss. Nach der faktischen Auflösung der Junta im Jahr 1939 ging die Funktion des Oberbefehlshabers (Chefe de las Armas) zunächst geschäftsführend und danach permanent an Manuel Álamo über, Romero Castro trat 1940 auch vom Amt des Staatspräsidenten zurück und zog sich, bereits schwer krank, in den Ruhestand zurück, ehe er 1941 in seinem Altersruhesitz auf Gran Aziz starb. Sein Nachfolger als Staatspräsident Iacovo Jimenez Margüís blieb politisch schwach und lange Zeit von Álamo abhängig, der nun als "Chefe de la Comunión Nacional" zur zentralen Führungsfigur des Regimes aufgestiegen war und als nationaler Führer gefeiert wurde. Mit Ende des Jahres 1939 waren alle politischen Gegner oder Machtkonkurrenten Manuel Álamos entweder gestorben oder entmachtet.

Der „Estado“ wurde ganz im Sinne des Manifesto de Malesc auf die Werte der katholischen Kirche und der sagradischen Nation gebaut. Als Motto des „Estado“ fungierten die Schlagworte „Dêus, Pâtria, Familia“, die „Comunión“ verstand sich nicht als Staatspartei, sondern als „politische Organisation der Volksgemeinschaft“, in der alle Gegensätze und Spannungen der pluralistischen Gesellschaft aufgehen und neutralisiert werden sollten. Der Korporatismus faschistischer Prägung wurde zum Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell des „Estado“, Kommunismus, Sozialismus und Liberalismus die Feindbilder. Das Näheverhältnis zur katholischen Kirche blieb zwar nicht spannungsfrei, stellte aber eines der wichtigen Fundamente des Regimes dar, das meist als halbfaschistisch oder autoritär-faschistoid eingestuft wird.

Aus dem sagradischen Rechtsstaat wurde unter Álamo eine autoritäre und bisweilen totalitär anmutende Diktatur. Die paramilitärischen Einheiten von Volksunion (Juntas Accionistas) und Divisionsbewegung (Divisiones) wurden in der Miliça Nacional eingegliedert. Als Geheimpolizeit des Regimes fungierte die Policía Interior de Securitá (PIS), von der unabhängig der Ordre Secreto als kleine Sondereinheit direkt dem "Chefe" Álamo unterstand. Die einflussreichen Jugendzirkel verloren nach Errichtung des „Estado“ zunehmend an Bedeutung. Als Jugendorganisation der Comunión wurde die Juventú Nacional gegründet, die nach Vorbild der Hitlerjugend schon die jüngsten der Gesellschaft erfassen sollte.

Zweiter Weltkrieg und Sturz des Regimes

Das neue Regime der Nationalen Kommunion lehnte sich von Beginn an eng an die ideologisch nahestehenden Mächte Deutschland und Italien an, erklärte sich nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aber für "nicht kriegsführend". Dennoch unterstützte Sagradien die Achsenmächte finanziell und mit einzelnen Freiwilligenverbänden. Mehrmals versuchte Hitler, Álamo Igualde zu einem aktiven Eingreifen in den Krieg auf deutscher Seite zu bewegen, was dieser mit Rücksicht auf die sagradisch-britischen Handelsbeziehungen und aus Furcht vor einem direkten alliierten Angriff auf den Norden des Landes aber ablehnte. Die Erfolge Deutschlands in Frankreich im Sommer 1940 bestärkten die Befürworter eiens Kriegseintritts, da man sich Gebietsgewinne in der Bretagne und in Kolonialafrika erhoffte (Sagradischer Irredentismus). Besonders die faschistischen Divisionisten traten für eine Kriegserklärung an Frankreich ein, die jedoch aufgrund des Waffenstillstands Deutschlands mit Frankreich hinfällig wurde. Das Angebot eines Kriegseintritts an Deutschland, das mit erheblichen Gebietsforderungen verbunden war, kam bereits zu spät, da Deutschland nun bereits fast bis zum Bretagnekanal vorgedrungen war.

Zentral für den weiteren Kriegsverlauf sollte die Kontrolle über den Bretagnekanal werden, weswegen beide Kriegsseiten aktiv um die Gunst des Álamo-Regimes warben. Bereits im Frühjahr 1940 hatte es britische Pläne gegeben, eine Invationsarmee in die sagradische Bretagne zu entsenden, um den wichtigen Kanal unter Kontrolle zu bringen, ehe dies die Deutschen tun konnten. Diese wurden mit Rücksicht auf Sagradiens offiziellen diplomatischen Status aber nicht durchgeführt. Im Januar 1941 drangen stattdessen deutsche Truppen auf sagradisches Gebiet vor und übernahmen unter Berufung auf alte sagradisch-französische Nutzungsabkommen die gesamte Konrolle über den Bretagnekanal, ohne dass es zu einer nennenswerten sagradischen Gegenwehr gekommen wäre (Unternehmen Keltenschlag). Álamos Außenminister Franco Ribero protestierte offiziell, in Geheimverhandlungen einigten sich Álamo und Hitler jedoch auf eine kleine deutsche Besatzungstruppe am Grenzstreifen und den Verkauf der Mehrheitsanteile am Kanal an Nazi-Deutschland. Wenig später trat Sagradien dem zweiten Antikomintern-Pakt bei, ohne jedoch offiziell Mitglied der Achsenmächte zu werden und den Alliierten den Krieg zu erklären.

Nach dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 begann sich die öffentliche Meinung in Sagradien zum Krieg zu drehen und die Aktionen der antifaschistischen Resistença nahmen zu. Das nach den Ereignissen in der Bretagne verhängte alliierte Handelsboykott schwächte die sagradische Wirtschaft nachhaltig. Die verbesserten Handelsbeziehungen mit den Achsenmächten konnten die Verluste durch das britisch-amerikanische Handelsboykott nicht ausgleichen. Im Januar 1943 begannen alliierte Bombenangriffe auf deutsche Stellungen in der Bretagne, die auch zu Opfern bei sagradischen Staatsangehörigen führten. Der Druck auf Álamo, Deutschland den Krieg zu erklären, wurde in der zunehmend anti-deutsch gestimmten Öffentlichkeit immer größer.

Der von Álamo im April 1943 unterschriebene Vertrag von Portofín, in dem sich Sagradien gegenüber Deutschland zu neuerlichen Zugeständnissen in der Handelspolitik verpflichtete und zudem Freiwilligenverbände für Russland zusagte, brachte das Regime schließlich an sein Ende. Lancierte Gerüchte um eine alliierte Invasion in Sagradien überzeugten schließlich im Mai 1943 das sagradische Oberkommando unter dem deutschfeindlichen General Oscar Taglle Rodríguez von der Notwendigkeit eines Regimewechsels.

Am 23. Mai 1943 kam es zum erfolgreichen Staatsstreich der Militärführung. General Oscar Taglle Rodríguez zwang Präsident Jimenez Margüís zur Absetzung Manuel Álamos als Oberbefehlshaber, der zeitgleich festgenommen wurde, ehe auch die restlichen Führungsspitzen von Partei und Regierung in Gewahrsam genommen wurden. Die Macht übernahm eine Militärregierung, die sich als „Junta Governante de Defêsa Nacional“ bezeichnete und auch „Junta de 23 Mai“ genannt wird. Am 25. Mai verbot die Junta per Dekret die Comunión Nacional und setzte Álamo auch als Premierminister ab. Jimenez stattete Taglle mit den Befugnissen eines Ministerpräsidenten aus und erklärte auf Druck der Antifaschisten hin am 3. Juni 1943 seinen Rücktritt. Seine Vollmachten übergab er ebenfalls der Militärregierung unter Taglle Rodríguez, welche noch am gleichen Tag die gültige Augustverfassung außer Kraft setzte. Álamos deutschfreundlicher Stellvertreter Caro Mêstre floh daraufhin nach Frankreich, wo er sich in deutsche Obhut begab.

Unmittelbar nach seiner Machtübernahme leitete Taglle Rodríguez Verhandlungen mit den Alliierten ein und forderte Deutschland ultimativ zum Rückzug aus der Bretagne auf. Als deutsche Truppen schlagartig Fidelfe und weitere Städte an der sagradischen Ostküste übernahmen, um sich den Zugang zum Kanal zu sichern (Operation Roderich), erklärte die neue sagradische Regierung den Achsenmächten Deutschland, Italien und Japan den Krieg und trat damit auf alliierter Seite in die Kriegshandlungen ein. Binnen weniger Tage brachten deutsche Truppen nun große Teile des sagradischen Nordostens unter ihre Kontrolle und setzten dort Mêstre als Chef einer Gegenregierung mit Sitz im ceundalischen Fidelfe ein (Regierung von Fidelfe, die als deutsche Marionettenregierung fungierte. Offiziell betrachtete Deutschland Álamo als legitimen Premierminister und Mêstre als seinen amtierenden Stellvertreter. Dieser führte den Estado weiter, erklärte die Militärjunta zu Verrätern und Präsident Jimenez Margüís für abgesetzt. Außerdem wurde den Alliierten der Krieg erklärt. Eine am 5. August versuchte Befreiungsaktion Manuel Álamos durch ein loyales Armeekorps misslang, Álamo wurde bei der Flucht von Partisanen gefangen genommen und erschossen. Mêstre folgte ihm nun auch offiziell als Chef der CN-Regierung in Fidelfe nach. Zudem betrachtete er sich als provisorisches Staatsoberhaupt des Estado Sagradês. Die Regierung von Fidelfe stand unter völliger Vorherrschaft der deutschen Besatzer und war nicht mehr als eine Marionettenregierung. Der Staatsrat wurde aufgelöst und die deutschen Truppen im Nordosten begannen - unterstützt von sagradischen Kollaborateuren - mit der Verfolgung der sagradischen Juden.

Im Sommer 1943 stand der Nordosten Sagradiens unter der Herrschaft der Deutschen, während die Alliierten den Südwesten besetzt hielten. Auf Druck der Alliierten hin musste Taglle Rodríguez die faschistischen Säuberungen in seinem Herrschaftsbereich beschleunigen und die Resistença an der Macht beteiligen. Am 1. Oktober 1943 wurde das Comité Nacional de la Resistença Sagradêsa, gewissermaßen Parlament und Regierung des Widerstands zugleich, von der Junta als beratende Versammlung anerkannt und mit einzelnen exekutiven Vollmachten ausgestattet. Bereits zuvor hatte die Resistence in zahlreichen Orten des Landes de facto die Exekutivgewalt übernommen. Im Nordosten gelangen der Partisanenbewegung wichtige Schläge gegen die Deutschen. Unterstützt wurden sie durch eine allgemeine Streikwelle, die das CN-Regime im Sommer 1944 nachhaltig destabilisierte. Der Landung der Allierten in der Normandie am 6. Juni 1944 folgte der endgültige Sieg der sagradischen Truppen und der Alliierten gegen Deutschland und die Mêstre-Kollaborateure. Die Kapitulation der letzten Regierungstruppen des Estado Sagradês im August 1944 gilt als endgültiges Ende des Estado und des Zweiten Weltkriegs in Sagradien.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Sagradien und der Befreiung des Landes kam es zum allmählichen zivilen Wiederaufbau. Nach langen Verhandlungen mit dem CNRS benannte Taglle Rodríguez im September 1944 den parteilosen Ex-Ministerpräsidenten Sergio Rafael Dini zum Premierminister, der einen Governo Provisional mit Vertretern der im CNRS versammelten Oppositionsparteien bildete. Der CNRS fungierte fortan als provisorisches Parlament, die Mai-Junta blieb bestehen, behielt den Oberbefehl über die Truppen und sollte bis zur Wahl einer neuen Nationalversammlung auch die Funktionen eines Staatsoberhaupt übernehmen. Im Dezember 1944 wurden Kommunalwahlen durchgeführt, bei denen sich die demokratischen Parteien allerorten durchsetzten. Im August 1945 kam es schließlich zur Wahl zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung.

Dritte Sagradische Republik

Die Begründung der Republik

Aus der Wahl im August 1945 gingen die Parteien des CNRS als Sieger hervor. Stärkste Kraft wurden die Sozialisten, gefolgt von den Christdemokraten und den Kommunisten. Zum Präsidenten der Nationalversammlung wurde der Christdemokrat Ariel Fernando De la Roya gewählt. Einen Tag nach der Konstituierung der Versammlung löste sich die Mai-Junta offiziell auf und übertrug ihre Vollmachten auf die Nationalversammlung. Für wenige Tage fungierte nun deren Vorsitzender De la Roya als provisorisches Staatsoberhaupt. General Oscar Taglle Rodríguez blieb zunächst Oberbefehlshaber der Truppen. Kurz danach wählte die Versammlung Sergio Dini zum provisorischen Staatsoberhaupt Sagradiens (Presidente Provisional de la República Sagradêsa) und den ehemaligen sozialistischen Ministerpräsidenten José António Saviola zum neuen Präsidenten der Provisorischen Regierung (Presidente del Governo Provisional), der die so genannte "Demokratische Koalition" aus Sozialisten, Christdemokraten, Kommunisten und Radikalen fortführte. In der Opposition dazu standen lediglich die konservativ-liberale Rechte, die jede Zusammenarbeit mit der kommunistischen Linken ablehnten, sowie mehrere rechtskatholische Parteien, die als nicht koalitionsfähig angesehen wurden.

In der Folge einigten sich die Parteien der Demokratischen Koalition auf eine liberal-parlamentarische Verfassung sowie auf ein umfassendes Wirtschaftsprogramm, das Sagradien zu einer gemischten Ökonomie aus marktwirtschaftlichen und planwirtschaftlichen Elementen machen sollte, wenngleich der marktwirtschaftliche Rahmen als starke Basis diente. Nichtsdestotrotz führte die Demokratische Koalition die Tariffreiheit ein, erließ eine gesetzliche Mindestlohnregelung und einigte sich auf einige zentrale Verstaatlichungen. Damit gelang es der neuen Regierung, zentrale Streitfragen der Zweiten Republik im breiten Konsens zu lösen und die Polarisierung zwischen der Linken und der Rechten zumindest für eine gewisse Zeit lang zu überwinden. Gleichzeitig wurde der Grundstein für den ausgebauten sagradischen Wohlfahrtsstaat gelegt, der in den Folgejahren als Basis des ökonomischen Aufschwungs betrachtet wurde.

DIe von der Demokratischen Koalition erarbeitete Verfassung der Dritten Sagradischen Republik wurde im Juli 1946 in einem Referendum dem Volk zur Abstimmung vorgelegt und wurde mit deutlicher Mehrheit der Wahlberechtigten angenommen. Sie trat daraufhin am 20. Juli 1946 in Kraft. Anders als in der Zweiten Republik sollte der Präsident der Republik als Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Truppen zukünftig für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt vom Volk gewählt werden. Daneben wurde aber das parlamentarische Prinzip verankert, da die vom Präsidenten ernannte Regierung unter Führung des Präsidenten des Ministerrats ganz vom Vertrauen der Abgeordnetenkammer abhängig sein sollte. Neben der nach Verhältniswahlrecht gewählten Abgeordnetenkammer wurde auch der Rat in Form eines nach Mehrheitswahl zu bestimmenden Senats wieder eingerichtet, dessen Kompetenzen aber gegenüber denen der Kammer deutlich zurücktraten. Die neue Verfassung glich in großen Teilen einem deutlichen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Regierungsparteien. Während die bürgerlichen Parteien beispielsweise gegenüber den linken ein Zweikammer- gegenüber einem Einkammersystem durchsetzten, wehrten letztere die Überlegungen zur Einführung eines Mehrheitswahlrechts auch für die Kammer ab.

Von der Demokratischen Koalition zum Zentrumsblock

Wenige Wochen nach Inkraftreten der Verfassung kam es erstmals zu Parlamentswahlen zur Abgeordnetenkammer wie für den Senat. Die unterschiedlichen Wahlmodi führten dabei auch zu unterschiedlichen Mehrheitsverhältnissen. Während der Senat mehrheitlich an die bürgerlichen Parteien ging und die christdemokratische Volkspartei die größte Einzelfraktion stellte, wurden bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1946 die Sozialisten knapp stärkste Kraft vor den Christdemokraten und den Kommunisten. Auf die Regierungsparteien der Demokratischen Koalition entfielen über drei Viertel der Stimmen, während die Parteien der antidemokratischen Rechten kaum eine Rolle spielten.

Unter dem Sozialisten Francisco Dorado wurde schließlich die erste konstitutionelle Regierung der Dritten Republik gebildet. Sie bestand wiederum aus den Parteien der Demokratischen Koalition und suchte die Konsenspolitik fortzusetzen. Im Zeichen des entstehenden Kalten Krieges und der Entscheidungen über die außenpolitische Bündnis-Integration Sagradiens kam es zu einer zunehmenden Entfremdung der Regierungspartner, die schließlich auch – nach einer liberalen Wendung der Volkspartei – in der Wirtschaftspolitik zu unterschiedlichen Positionen kamen. In der Auseinandersetzung um die Marshallplanhilfen zerbrach die Demokratische Koalition schließlich im März 1947. Der neuen Regierung unter António Delauro gehörten die Kommunisten nicht mehr länger an. Wenige Monate später folgte auch der Austritt der Sozialistischen Partei aus der Regierung, der jedoch von einigen Ministern nicht mitvollzogen wurde und schließlich zur zeitweiligen Spaltung der Sozialistischen Partei führte. Der rechte Flügel der Sozialisten (PSD) unter der Führung Santo de la Ilpas begründete daraufhin zusammen mit der von Paulo Luciaro angeführten Volkspartei und dem Partido Radical eine neue "Zentrumskoalition", die sich als westliche antiextremistische Konsenskoalition verstand. Bis 1949 amtierte Santo de la Ilpa als Ministerpräsident, ehe er von Paulo Luciaro abgelöst wurde, der mit dem PPC schließlich die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950 deutlich gewann und bis 1960 Ministerpräsident blieb.

In der Wirtschafts- und Sozialpolitik blieb die Koalition des Zentrumsblocks im Grunde dem Kurs der Demokratischen Koalition treu, auch wenn vor allem die Volkspartei von nun an stärkere Akzente auf die marktwirtschaftliche Komponente zu setzen suchte. In der Außenpolitik, die von Ministerpräsident Luciaro (PPC) und Außenminister De la Ilpa (PSD) wesentlich geprägt wurde, setzte die Zentrumskoalition die deutliche Westorientierung Sagradiens gegen Widerstände von rechts und von links durch. Ziele waren die tiefere Integration in NATO, die Aussöhnung mit den westeuropäischen Nachbarn und eine stärkere westeuropäische Zusammenarbeit. Luciaro und Ilpa unterstützten die NATO-Gründung 1949, den Schuman-Plan sowie die Pläne für eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft. Unter der Regierung Luciaro-Ilpa gehörte Sagradien zudem 1951 zu den Gründern der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ('Montanunion'). Luciaro und Ilpa gelten deswegen auch neben Robert Schumann, Jean Monnet, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer als Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft. Außerdem bemühte sich die Koalition um einen Ausgleich mit Micolinien und eine endgültige Regelung der Golen-Frage, die aber erst nach Bruch der Koalition im Sommer 1955 in den Golischen Verträgen erreicht wurde. Sagradien verzichtete in den Golischen Verträgen offiziell auf die 1936 von Micolinien annektierten sagradischen Teile Golens und erreichte eine Kompensationszahlung von der micolinischen Regierung. Außerdem wurden die Rechte der sagradischen Minderheit in Micolinien ausgeweitet und Sagradien erhielt eine wirtschaftliche Privilegierung.

Sagradisches Wirtschaftswunder und Rückkehr der Polarisierung

Nach den politischen Krisenjahren kam es in den 1950er Jahren in Sagradien wie in vielen anderen westeuropäischen Ländern zu einem deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der dank Wachstum und Arbeit einen Ausbau der sozialstaatlichen Sicherungen auf Grundlage des marktwirtschaftlichen Modells ermöglichte. Der Aufschwung wurde von vielen als Verdienst der christdemokratischen Volkspartei der Konvergenz des populären Ministerpräsidenten Paulo Luciaro angesehen. Unter Luciaro gelang es der katholischen Partei, mit einer Mischung aus pragmatischer Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik im Sinne der katholischen Soziallehre und einem gesellschaftspolitisch konservativen Kurs die politische Mitte in einer Weise zu hegemonialisieren, wie es den sagradischen Christdemokraten danach nie wieder gelingen sollte.

In Opposition zum Zentrumsblock standen neben der äußeren Rechten vor allem die Sagradische Kommunistische Partei sowie der linke Flügel des Partido Socialista, der jedoch stetig zwischen Annäherung und Abgrenzung gegenüber den Kommunisten schwankte und stetig an Unterstützung durch die Wähler verlor. 1946 noch die stärkste Partei, erreichte der PS bei den Kommunalwahlen 1948 nicht einmal 20 Prozent der Stimmen und fiel in einigen Hochburgen hinter die Kommunisten zurück. Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950 erreichte die Sozialistische Partei nur noch knapp über 19 Prozent der Wähler und suchte in der Folge wieder eine Annäherung an den abgespaltenen rechten Parteiflügel, der nach der enttäuschenden Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1954 schließlich gegen den Willen Ilpas aus der Zentrumskoalition ausschied. In der Folge kam es zu einer Neuordnung der politischen Landschaft. Die christdemokratische Volkspartei ging ein Bündnis mit den Parteien der Demokratischen Union ein, einem bürgerlich-liberalen Wahlbündnis, das 1954 gegründet und 1961 schließlich zur Partei UDS umgewandelt wurde. Zur UD gehörten sowohl konservativ-liberale Gruppen wie auch der rechte Flügel des alten Partido Radical, die nun mit den Christdemokraten eine konservativ-liberale Koalition eingingen. Auf der anderen Seite bemühten sich die zersplitterten sozialistischen Gruppierungen auf der Linken um eine Wiedervereinigung des alten PS. Spätestens nach dem Ungarn-Aufstand 1954 hatten sich die Sozialisten unter dem neuen Parteisekretär António Santiago endgültig von der KPS distanziert und den außenpolitischen Positionen der Rechten angenähert. 1957 schließlich kam es zur Gründung einer neuen sozialistischen Sammlungspartei, der Aliança Socialista d'Unitá Lavorista, in der erstmals nicht nur traditionelle sozialistische Arbeiter, sondern auch Katholiken und Linksbürgerliche eine Heimat finden sollten.