Comitat von Tulis
Das Comitat Tulis (lat. Comitatus Tulinensis, asum. Comtàid de Tùles, sagr. Comitá de Tules, seltener Grafschaft Tulis) war ein aufgrund seiner aristokratischen Regierungsweise auch als Tulinesische Republik (sagr. República Tulinêsa, azum. Repùblica Tulinêsa) bezeichneter mittelalterlicher Staat am Blauen Meer mit dem Zentrum in der Stadt Tulis. Ursprünglich im 8. Jahrhundert als skantische Markgrafschaft entstanden, gelang es dem ansässigen Adel sich bis zum 10./11. Jahrhundert vom skantisch-sagradischen Königtum zu lösen und zudem eine aristokratische Herrschaftsordnung in Form einer Wahlmonarchie zu etablieren, die sich bis zum 13. Jahrhundert vollständig entwickelt hatte. Zwar kam es immer wieder zu einer gräflichen Dynastiebildung, etwa der Gaulos im 10. und 11. Jahrhundert oder der Cornells im 12. Jahrhundert, doch gelang es keiner der Adelsfamilien, das Wahlrecht des Adels dauerhaft zu durchbrechen und eine rein monarchische Herrschaftsweise zu etablieren. Erst mit dem Machtaufstieg der Familie Santori wurde diese Ordnung im 14. und 15. Jahrhundert wieder über Bord geworfen und wich einem neuerlichen monarchischen Regime. Seit António de Sántori (Conte 1390-1416) trugen die Contes von Tulis zugleich den Titel eines Fürsten von Cuentez. Mit der seit dem späten 15. Jahrhundert bestehenden Personalunion der tulinesischen Contes mit den sagradischen Königen aus dem Haus Santori endete die Unabhängigkeit des Comitats. De jure blieb der Staat jedoch bis ins 18. Jahrhundert hinein als selbständige Einheit bestehen.
Die Contes von Tulis (Conte Âudaço, lat. Comes Audax) waren seit dem 15. Jahrhundert zugleich Fürsten von Perin und Cuentez, Contes (Markgrafen) von Belavís, Cordês, Barregat und Siedéa, Grafen von Plato und Kont (Südkont) sowie Herren von Villagua.
Wichtigstes Organ der Republik war die als Senàu del Comtàid bezeichnete Adelsversammlung, in der die großen Familien des Comitats zusammenkamen. Der Senat erreichte im 11. Jahrhundert eine zentrale Machtstellung und wählte auf Lebenszeit den Conte, der in der Nachfolge Josefe Cornells auch als Conte Âudaço bezeichnet wurde. Seit dem 13. Jahrhundert musste der Senat jedoch kontinuierlich Macht an die nicht ständig tagenden Generalstände (Cortes de la Comtàid) abtreten, die seit 1230 vom Conte regelmäßig einberufen werden mussten und in denen auch Vertreter des Klerus und der Gilden saßen. Dennoch blieb die Wahl des Conte bis ins 14. Jahrhundert hinein Sache des Senats, den Cortes kam hier nur eine bestätigende Funktion zu. Die Regierung bildete neben dem Conte die Generalitàid de Bonhomes ("Generalität der guten Leute"), die ursprünglich ein Beratungsgremium war, zunehmend aber eigenständig entscheiden konnte und zunächst vom Senat und später von den Generalständen bestimmt wurde.
Inhaltsverzeichnis
Ursprünge des Comitats und Entwicklung zur Republik
Die Ursprünge der Republik liegen in den so genannten Comtàides Azumarèsques, ihreszeichens nominell vom Skantenreich im Norden Sagradiens abhängige Markgrafschaften, die vom Skantenkönig Roderich dem Großen nach der Schlacht von Tantallas 763 zum Schutz gegen die muslimischen Numerer im Süden der Halbinsel eingerichtet worden waren und als christliche Vorhut gegen die weitere Expansion der Numerer dienen sollten. Die Comitates standen unter der Führung eines vom skantischen König eingesetzten Militärführer (comes), der auch dafür zuständig war, dem Skantenkönig den ökonomisch wichtigen Zugang zum Blauen Meer zu sichern, der nicht nur von den Muslimen, sondern auch von einfallenden Golen bedroht war.
Von diesen als Comitates bezeichneten Markgrafschaften setzte sich bald das Tulinesische Comitat als mächtigste und de facto unabhängige Macht durch und erreichte die Unterwerfung zahlreicher kleinerer Comitates. Da die schwachen Skantenkönige in der Nachfolge Roderichs des Großen ihrer Schutzfunktion gegenüber der Comitats-Bevölkerung immer weniger nachkommen konnten, wurden die Grafen aus dem Geschlecht der Gaulo im 10. und 11. Jahrhundert de facto zu unabhängigen Territorialherren. Sie belehnten eigenmächtig Untergebene und Günstlinge mit Ämtern und Ländereien und banden einen adligen Kreis um sich. Aus diesem adligen Beraterkreis des Conte begann sich ein ständiges Gremium von Maiores und Nobiles herauszubilden, das als Cosèllu bezeichnet wurde. Die im Cosèllu vertretenen Familien bildeten die Adelsschicht der so genannten Nobiltá, die schon bald nach römischer Tradition von ihren Landsitzen in die Stadt zogen und dort einen Senat bildeten, der zunehmend nach politischer Mitsprache strebte.
Expansion und Imperiumsbildung
Außenpolitisch konnten die Grafen aus dem Geschlecht der Gaulo große territoriale Gewinne verzeichnen. Mit der Errichtung von Außenposten auf den Zwillingsinseln Nerva und Lerça im Jahr 814 hatte Tulis begonnen, auf das Blaumeergebiet auszugreifen. 881 wurde mit der Gründung der Stadt Villagua am alten verwaisten Römerhafen im golischen Aquae die erste Kolonie jenseits des Blaumeeres errichtet, 914 folgte mit Del Piey ein Stützpunkt auf der ansonsten zum Königreich Conte gehörigen Insel Cuentez. In den folgenden Jahrhunderten wurde ein reges Handelsnetz aufgebaut, das den Warenaustausch mit allen umliegenden Mächten, auch den Numerern in Südsagradien und den Mauren in Spanien, aber auch mit Micolinien und Golen organisierte und im 11. Jahrhundert eine erste große Blütephase erlebte. Bald kamen mit [[Tinagua] und Plato wichtige Stützpunkte an der micolinischen Küste hinzu, wo auch das Hinterland besiedelt wurde.
Im 10. Und frühen 11. Jahrhundert kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen den beiden verbliebenen Comitate von Tulis und Belavís, die schließlich zur Eroberung des Comtàids de Belavís durch die Tulinesen und zur Eingliederung in den tulinesischen Herrschaftsverband führten. Das vom micolinischen Königtum abhängige Fürstentum Cuentez (micol. Principat de Cuentèse, cuentes. Principaid de Cüentìz) wurde 1048 durch die Hochzeit des tulinesischen Conte Erresi II. mit der cuentezischen Thronerbin ins tulinesische Herrschaftskonglomerat eingegliedert. Die Contes von Tulis wurden nun auch Fürsten von Cuentez.
Innere Entwicklungen hin zum republikanischen Adelsregime
Die absolute Herrschaft der Contes in der Stadt Tulis geriet bald in Konflikt mit der sich zunehmend emanzipierenden Nobiltá. Höhepunkt dieser Entwicklung waren die Auseinandersetzungen Mitte des 11. Jahrhunderts um die Nachfolge Erresi II. Gaulos, der zwei minderjährige Söhne hinterlassen hatte. Die im Senat versammelten Nobiles wählten daraufhin gegen die Machtansprüche der Gaulo-Familie den Adligen Josefe Cornell zum Regenten und setzten die regelmäßige Einberufung der Senatsversammlung durch, was einen wichtigen Schritt hin zum Adelsdominat darstellte. Die anhaltenden Machtkämpfte zwischen den Adelsparteien und den zunehmend schwachen Gaulo-Contes führte 1167/68 zur Vertreibung des Grafen Erresi III. Gaulo aus der Stadt und zur Errichtung eines oligarchisch-patrizischen Regiments unter den so genannten Maleducas, die eine Gewaltherrschaft errichteten. Vorausgegangen waren heftige Kämpfe zwischen verschiedenen Adelsparteien um das Verhältnis zur sagradischen Krone, die eine Wiedereinsetzung Erresi Gaulos forderte.
Feinde der Maleducas wurden aus der Stadt vertrieben, darunter die Mehrheit des städtischen Senatsadels sowie der Erzbischof Dianus. Dieser suchte beim sagradischen König Gabriel Juvans Hilfe, sodass dieser 1170 mit einem großen Heer die Stadt belagerte. Der Legende nach konnte er die Stadt nach drei Tagen einnehmen, nachdem die Bewohner gehört hatten, der vom Kreuzzug heimgekehrte König habe Teile des Kreuzes Jesu bei sich. Als er in die Stadt einzog, hätten sich die Maleducas ihm bereitwillig unterworfen und der König habe, von der Schönheit der Stadt überwältigt, auf alle Racheakte verzichtet. Stattdessen habe er dem heimgekehrten Erzbischof Dianus ein Stück des Kreuzes geschenkt, das heute im Altar der Gabrielskathedrale eingearbeitet sein soll. In Wahrheit kam es zu keinem größeren Widerstand, da die unbeliebten Maleducas wohl von der Bevölkerung gestürzt worden waren. Der Ort, an dem Gabriel sein Belagerungsheer stationiert hatte, wurde später als Barrí Juvante bezeichnet und ist heute ein Stadtteil von Tulis.
Die Wiedereinsetzung Erresi Gaulos, die nach Streit mit dem königlichen Vikar erst 1173 erfolgte, brachte keine langfristige Befriedung der Lage. Mit Tod Erresis und dem Aussterben der Gaulo-Familie im Jahr 1180 folgte eine Reihe blutiger Auseinandersetzungen um die Nachfolge. Die Nobiles wählten mit Sergi Callas einen Schwiegersohn des letzten Conte aus der Nobiltá zum neuen Grafen, der aber nicht überall anerkannt wurde und sich gegen auswärtige Ansprüche wehren musste. Laurenç d'Elaque, Markgraf von Golen aus dem Haus Alagua eroberte 1186 die Stadt und machte sich selbst zum Conte, konnte sich die Unterstützung des Adels aber nicht sichern. Die zweimalige Vertreibung Carle d'Elaques aus der Stadt in den Jahren 1195 und 1199 führte schließlich zum Durchbruch des Adelsregiments. Die Senatsnobilität erklärte das Comitat 1201 zur Republik (Res Publica Tulinensis), sich selbst zum wahlberechtigten Gremium und wählte Lorenzo Callas, den Sohn Sergis, zum neuen Conte. Die Regierung sollte dieser gemeinsam mit einem vom Senat gewählten Gremium von Beamten, den so genannten Bonhomes, ausüben. Nach Lorenzos Tod 1229 übernahm Jofré Cornell als Regent die Führung der Amtsgeschäfte für Lorenzos minderjährigen Neffen Marcaulo Callas und wurde 1240 schließlich selbst zum neuen Conte gewählt.
Blütezeit der Republik
Nach der Wahl Jofré Cornells zum Conte, der eine weitere Dynastiebildung der Callas verhinderte, konnte sich keine Familie dauerhaft an der Spitze des Comitats etablieren. Für etwa ein Jahrhundert bildete Tulis eine Wahlmonarchie mit stark republikanischen Elementen. Als potenzielle Familien mit Audakenwürde galten fortan die Cornell, Callas und die Machiês, die sich in den folgenden Jahrzehnten in unregelmäßigen Abständen im Amt des Conte abwechselten.
Über Stützpunkte im galizischen La Coruña und im nordportugiesischen Viana kam es bereits im Mittelalter zu regem Technologie- und Güteraustausch mit der iberischen Halbinsel, auch mit deren muslimischen Teilen. Im Laufe des Spätmittelalters stieg Tulis allmählich durch regen Handel mit Micolinien, Spanien, Frankreich und Portugal und als wichtigste Zwischenhandelsstation Micoliniens zu den reichsten Städten Europas auf. Mit ihrem Besitz in Cuentez und in Micolinien, wo die Städte Plato, Corell und Tinágua mit ihrem Umland kontrolliert wurden, sowie mit ihrer großen Handelsmacht mit besten Beziehungen nach Frankreich, Spanien und Portugal stieg die tulinische Grafschaft zu einer unabhängigen See- und Handelsmacht in Westeuropa auf und erreichte eine Hegemoniestellung im Blauen Meer. Mit der Gründung der Celusanto-Universität 1232 durch Jofré Cornell stieg Tulis zudem zu einem bedeutenden Zentrum des spätmittelalterlichen Wissens auf.
Mitte des 13. Jahrhunderts war die bis zum Ende der Republik gültige Verfassungsstruktur der Republik eingerichtet. Mächtigstes Organ blieb der Senat, der sich aus den wichtigsten Adelsfamilien zusammensetzte und auf Lebenszeit den Conte wählte. Im Senat waren die wichtigsten Adelsfamilien der Grafschaft vertreten. Für das tägliche Regierungsgeschäft delegierte er jedoch die Generalitaid de Bonhomes, die als Beratergremium des Conte und de facto als Mitregierung fungierte. Neben dem Senat als engerem Rat wurde in unregelmäßigen Abständen die größere Ständeversammlung der Cortes del Comtàid einberufen, in der auch Bürgerliche und Städtevertreter vertreten waren. Die Cortes bestimmten über Vertretung im Senat, konnten die Generalitaid austauschen, umbesetzen oder neu wählen und bestätigten den Conte, der den Ständen umfangreiche Privilegien zugestehen musste. Da sich sowohl der Adel als auch das Bürgertum in Tulis konzentrierten, trug die Republik wesentliche Züge eines Stadtstaates. Die Vorherrschaft der Adelsfamilien, die um das Amt des Conte und die Vertretung in der Generalitaid konkurrierten, machte die Republik zum Adelsstaat.
Aufstieg der Santori und Ende des republikanischen Regiments
Das Aussterben wichtiger Adelsfamilien führte im Laufe des 13. Jahrhunderts zu einem zunehmenden Machtvakuum im Adel des Comitats, da die Auffüllung der freigewordenen Plätze im Großen Rat aus der Bürgerschaft, die entgegen der bisherigen Abschließungstendenzen stattfand, das Ansehen des Senats als Leitungsgremium des Comitats deutlich schwächte, zumal die verbliebenen Familien der Callas, Machiês und jüngeren Cornell nun zunehmend damit begannen, sich durch Adelstitel außerhalb Tulis' soziales Renommée zu verschaffen. Hinzu kamen anhaltende Auseinandersetzungen mit den golischen Markgrafen und perinischen Fürsten um die Vorherrschaft im nördlichen Blaumeer, die das gesamte 14. Jahrhundert prägten und die Stellung des Comitats als mächtigste de-facto unabhängige Macht im Blauen Meer gefährdeten.
In dieses Machtvakuum stieß im 14. Jahrhundert die bis dahin vor allem in Perin ansässige Adelsfamilie der Sántori, die in der Folge zur mächtigsten Familie im Comitat wurde und vor allem durch ihre militärische Stärke im Kampf gegen Perin und Golen und die Unterstützung in Reihen der Geistlichkeit eine quasi-dynastische Herrschaft ausüben konnten. Seit Julio de Santori 1346 stellten die Santori mit nur wenigen Unterbrechungen den Conte der Stadt und eroberten dadurch eine quasi-monarchische Machtstellung. Mit Ränkespielen und geschickten Schachzügen schaltete Julio de Santori politische Gegner aus oder band sie an sich. Sein Enkel António de Santori benutzte zudem vor allem Gewalt, um seine Macht durchzusetzen, und nahm den Titel eines Fürsten von Cuentez an. Sein Sohn David de Santori kann schließlich endgültig als monarchischer Machthaber in Tulis bezeichnet werden, der auch in seinem Auftreten den sagradischen und europäischen Monarchen nacheiferte und den Senat endgültig entmachtete.
Seit 1398 engagierte sich die Tulinesische Republik unter der Führung António de Santoris auf Seiten Sagradiens im Fünfzigjährigen Krieg und schloss ein enges Bündnis mit dem sagradischen Königshaus Vesaey. An dessen Ende erreichte David de Santori, der wie bereits sein Vater ein Ehebündnis mit den Vesaey einging, die Einsetzung seines Sohnes Santiago de Santori als Erben des sagradischen Königtums und regierte ab 1457 nicht nur als Conte von Tulis, sondern auch als Regent von Sagradien. Der letzte Versuch des Adels, sich von der monarchischen Herrschaft der nun als sagradische Könige auftretenden Santori zu lösten, endete schließlich 1475 in der Einnahme der Stadt und der Auflösung des Senats, womit die Republik de facto aufhörte zu bestehen und das Comitat nun in in dynastischer Folge und in Personalunion von der sagradischen Königskrone regiert wurde.