Fürstentum Cuentez: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 00:23, 11. Jul 2011
Das Königreich Cuentez, auch als Comitat-Königreich Cuentez-Tulis bekannt, war ein frühneuzeitliches Staatsgebilde im Blaumeerraum und Nachfolgestaat des Tulinesischen Comitats. Das eigentliche Königreich Cuentez beschränkte sich auf die gleichnamige Insel, die bis 1545 als Prinzipat Cuentez bekannt war. Die Könige von Cuentez waren in Personalunion aber Contes von Tulis, Fornat, Cordês, Belavís, Plato und Conte sowie Herren von Villágua, Del Piey und Corell und damit Herrscher über die früher tulinesischen Besitzungen im Blaumeer. Hinzu kam bis 1669 auch die Herrschaft über das Fürstentum Perin, sodass der Begriff des Reino de Cuentez oder Rènju de Cüentìz auf das gesamte mit der Krone von Cuentez verbundene Herrschaftskonglomerat verweist. Die Könige von Cuentez führten die meiste Zeit über die Titel Fürst von Perin (bis 1669), Graf von Tulis, Fornat, Cordês, Belavís, Plato und Conte, Herr von Alágua, Del Piey, Corell und (seit 1669) Scola.
Inhaltsverzeichnis
Entstehung des Santori-Königreichs
Der Titel eines Königs von Cuentez wurde erstmals im 12. Jahrhundert von dem tulinesischen Adligen Mauro de Cornell benutzt, der größere Teile der Insel von Micolinien erobert und daraufhin den Königstitel angenommen hatte. In der Folge war Cuentez aber nicht als Königreich anerkannt worden, sondern als Fürstentum an die Tulinesische Republik gefallen. Die im 11. Jahrhundert etablierte republikanische Ordnung wurde durch die Herrschaft der Santori im 14. und 15. Jahrhundert de facto zur Erbmonarchie. Wichtiges Symbol dafür wurde auch der Fürstentitel. António de Sántori nahm 1390 bereits vor seiner Wahl zum Conte persönlich den Titel eines Fürsten von Cuentez an, um seine Herrschaftansprüche zu untermauern. In der Folge hatten die Sántori den Titel de facto in der Familie weiter vererbt, zunächst an Antónios Sohn David de Sántori und nach dessen Tod 1468 an dessen Sohn Joán Prudente.
Nach dem Tod Joán Prudentes 1475 wurde dessen neunjähriger Sohn Filipe de las Marcas nicht zum Conte gewählt. Stattdessen übernahm der sagradische Sántori-König Jakob III. die Herrschaft in Tulis und auch den Audaken-, nicht aber den Fürstentitel, den er formal seinem Neffen Filipe überließ. Als dieser 1487 daraus auch einen Herrschaftsanspruch in Tulis ableitete und sich gegen seinen Onkel erhob, wurde er von Jakob III. besiegt und seiner Titel beraubt. Jakob nahm nun den Titel eines Königs von Cuentez an und machte seinen Sohn Santiago zum Prinzen von Cuentez. Das Comitat-Königreich von Cuentez und Tulis wurde nun eine Verwaltungseinheit der sagradischen Monarchie mit eigener Ständeversammlung und Verwaltungsordnung, der Königs- bzw. Grafentitel aber fest mit dem sagradischen Königstitel verbunden.
Portugiesische Herrschaft und Jopephitenaufstände
David I. gab Cuentez ohne Tulis 1540 an seinen Bruder Johann den Frommen ab, der nach Davids Tod 1543 das Königreich Portugal erbte. In der Folge wurde die Krone Cuentez-Tulis de facto zu einem Nebengebiet der Könige von Portugal und von einem Statthalter regiert, der gewöhnlich in Tulis residierte, während Johann der Fromme den Hauptsitz seiner Regierung in Lissabon einrichtete. Die Abwesenheit des Königs und die teilweise unglückliche Herrschaft der portugiesischen Statthalter führte im asumarischen Reichsteil zu Verstimmungen, die sich nach dem Tod Johanns und der Proklamation seines dreijährigen Enkels Sebastian zum König zu einem regelrechten Aufstand ausweitete, der nach seinem Anführer Joseph dem Schönen, einem Halbbruder Davids I. und Johanns des Frommen, als Erster Josephitenaufstand bezeichnet wurde. Der portugiesische Regent Heinrich, ebenfalls ein Halbbruder Josephs, bekam den Aufstand lange nicht in den Griff. De facto wurde Tulis zwei Jahre lang von Joseph regiert, der die Restitution der unabhängigen tulinesischen Republik unter seiner Führung versprach. Erst Josephs Tod im Jahr 1559 - womöglich war er vergiftet worden - führte zu einem Zusammenbruch des führerlos gewordenen Aufstands. Die danach ausgerufene kurzlebige Republik Tulis und Cuentez wurde durch die Portugiesen zerschlagen, die bis 1560 das gesamte Gebiet wieder unter Kontrolle bekamen.
Die Josefites, wie die Anhänger eines unabhängigen asumarischen Staates nun bezeichnet wurden, blieben aber ein politischer Faktor. Die harte Rachepolitik des portugiesischen Statthalters Joao de Maio und die unter seiner Ägide nach nach Tulis geholte Inquisition waren alles andere als geeignete Mittel, um die Lage zu beruhigen. In der Folge kam es immer wieder zu kleineren Revolten. Nach seinem Regierungsantritt 1568 besuchte Sebastian I. 1570 erstmals das cuentesische Königreich, jedoch hinterließ der völlig unerfahrene und tief religiöse Sebastian, weder des Sagradischen noch des Asumarischen wirklich mächtig, im vergleichsweise liberalen Tulis zwiespältige Eindrücke. Dennoch gelang es ihm, die Lage vorerst zu beruhigen. Die milde Herrschaft seiner Tante Eleonore I. von Cuentez, von 1571 bis 1574 Statthalterin, führte zu Gegensätzen mit Lissabon.
Nachdem sie 1574 abberufen worden war, kam es zu neuerlichen Unruhen, die sich 1576 schließlich zum Zweiten Josephitenaufstand ausweiteten. Dabei wurden die Aufständischen nun immer stärker auch vom sagradischen König Philipp VII. Jakob unterstützt, der sich einen größeren Einfluss auf Tulis erhoffte. Der überraschende Tod Sebastians 1578 ermöglichte es den Aufständischen schließlich, sich von der ungebliebten portugiesischen Herrschaft loszusagen. Während in Portugal Kardinal Heinrich zum König erhoben wurde, wählten die cuentesischen Stände stattdessen seine Nichte Eleonore von Santori, eine Tochter Johanns des Frommen, die in Sagradien lebte, zur neuen Königin. Eleonore war mit einem Bruder des sagradischen Königs verheiratet und verhieß den Schutz des mächtigen Nachbarn. In der Tat gelang es Heinrich in seiner kurzen Zeit als König nicht, seine Ansprüche auf Tulis und Cuentez aufrechtzuerhalten. Sein Tod 1580 löste schließlich den Portugiesischen Erbfolgekrieg gegen Spanien aus, in dem die Santori die Herrschaft in Portugal an die spanischen Habsburger verloren. Zwar konnte Cuentez-Tulis gegen das mit Micolinien verbündete Spanien behauptet werden, doch musste Sagradien Königin Eleonore I. völlige Unabhängigkeit zusichern und die eigenen Ansprüche auf Cuentez fallen lassen.
Cuentez-Tulis als unabhängiger Staat
Unter Eleonore I., die bis 1610 - zeitweise zusammen mit ihrem Mann Karl von Asterre und danach mit ihrem zweiten Gemahl Heinrich von Exeveste - als starke Monarchin regierte, wurde Cuentez zu einer auch faktisch unabhängig regierenden Macht im Blaumeer, die sich der sagradischen Umklammerung weitgehend entziehen konnte. Eleonore folgte 1610 ihr minderjähriger Enkel Karl II. von Cuentez nach, für den zeitweise seine Mutter Luísa de Sántori regierte. Insgesamt stand das Reich 37 Jahre lang ununterbrochen unter weiblicher Herrschaft.
Karls Bruder und Nachfolger als König Maximilian I. der Prächtige (1617-1654) behauptete das Reich in seiner langen Regierungszeit als unabhängiger Machtfaktor und organisierte im Wesentlichen die cuentesisch-tulinesische Verwaltungsstruktur, die bis zum Ende des Reichs aufrecht blieb. Das Herrschaftskonglomerat wurde de facto weitgehend zentral verwaltet und die einzelnen Herrschaftsgebiete verloren bereits in republikanischer Zeit ihre organisatorische Eigenständigkeit. Stattdessen wurden im 16. Jahrhundert so genannte Viguerías eingerichtet, kleinere Verwaltungsgebiete, an deren Spitze ein vom tulinesischen Hof eingesetzten vicarius oder viguer stand. Die Viguerias orientierten sich aber an den Grenzen der alten Gebietsteile und überschritten diese nur selten.
Nach dem Tod Karls III. 1699 folgte ihm seine einzige noch lebende Tochter Isabel de la Santa Lûce als Königin nach, die ihr gesamtes Leben bis dahin im Kloster verbracht hatte und noch im gleichen Jahr zugunsten ihres Schwagers Manuel de Nadal, dem Mann ihrer verstorbenen Schwester Maria Carlota, abdankte, der die Manuelitische Linie Santori-Nadal auf den Thron brachte.
Durch die Hochzeit des cuentesischen Königs Johann III. Franz mit der sagradischen Kronprinzessin María Luísa und der gemeinsamen Thronbesteigung in Semess im Jahr 1723 wurde das Königreich wieder in Personalunion mit der Krone Sagradiens vereint. Die Codices Magna etablierten für beide Teile der Monarchie eine Ständeherrschaft, doch behielt Cuentez-Tulis zunächst seine Privilegien und seine eigenen Cortes. Erst der Akt von Vierna aus dem Jahr 1735/36 schuf eine gemeinsame Ständevertretung und erklärte beide Reichsteile für untrennbar. Mit dem Tod Johanns 1744 fiel das gesamte Königreich an dessen Tochter María Francisca und ihren Ehemann António Ramírez, doch wurde die Nachfolge in Sagradien von Frankreich nicht anerkannt, das die Krone für Louis-Gabriel de Vienne einforderte. Auch der Herzog von Sesin als letzter männlicher Vertreter der Santori erhob Anspruch. Im Sagradischen Erbfolgekrieg konnte sich schließlich der bourbonische Kandidat als Gabriel VIII. durchsetzen. Mit Bezugnahme auf den Akt von Vierna erklärte Gabriel sich auch zum König von Cuentez und übernahm damit auch die Herrschaft in Tulis. 1765 vollzog Gabriel VIII. schließlich die Realunion und beendete damit endgültig die Eigenstaatlichkeit des Comitat-Königreichs, das auch de jure mit Sagradien verschmolz.
Liste der Könige und Königinnen von Cuentez
| Von | Bis | König (Lebenszeiten) | Sagradischer/Asumarischer Herrschername | besonderes |
| Haus Santori (1487-1746) | ||||
| Sagradische Linie | ||||
| 1487 | 1491 | Jakob I. (1449-1491) | Don Jâcque I | Als Jakob III. König von Sagradien und als Santiago I Conte von Tulis |
| 1491 | 1502 | Jakob II. (1472-1502) | Don Jâcque II | Sohn Jakobs III., als Jakob IV. König von Sagradien und als Santiago II Conte von Tulis |
| 1502 | 1509 | Peter I. (1456-1515) | Don Pietro I | Bruder Jakobs III., König von Sagradien, Conte von Tulis und Herzog von Servette |
| 1502 | 1512 | Katharina I. (1470-1512) | Dona Catarina | Tochter Jakobs III., Titularkönigin |
| 1509 | 1540 | David I. (1491-1543) | Don David I | Sohn Katharinas, König von Sagradien und Portugal, Conte von Tulis und Herzog von Servette |
| Portugiesische Linie | ||||
| 1540 | 1557 | Johann I. der Fromme (1502-1557) | Don Joán I il Píu | Bruder Davids I., seit 1543 König von Portugal |
| 1557 | 1559 | Joseph der Schöne (1517-1559) | Don José il Bêl | erklärte sich im zweiten Josephitenaufstand zum König von Cuentez und Tulis |
| 1557 | 1578 | Sebastian I. (1554-1578) | Don Sebastian | Enkel Johanns I., bis 1568 unter Regentschaft |
| 1578 | 1610 | Eleonore I. (1542-1610) | Dona Leonor la Grande Rêina | Tochter Johanns I., 1545 von den Josefiten zur Königin proklamiert |
| Karlitische Linie | ||||
| 1578 | 1585 | Karl I. von Asterre (1546-1585) | Don Carles d'Asterre | Ehemann und Mitregent Eleonores, Sohn Johanns I. von Sagradien |
| 1588 | 1592 | Heinrich von Exeveste (1537-1592) | Don Enrìc d'Exeveste | Ehemann und Mitregent Eleonores |
| 1610 | 1617 | Karl II. (1598-1617) | Don Carles II | Enkel Leonors und Karls I., bis 1615 unter Regentschaft seiner Mutter Luísa de Sántori |
| 1617 | 1654 | Maximilian I. der Prächtige (1600-1654) | Don Maximilián I il Magnífico | Enkel Leonors und Karls I., Bruder Karls II. |
| 1654 | 1669 | Johann II. (1645-1669) | Don Joán II | Enkel Maximilians I., bis 1659 unter Regentschaft seiner Mutter Isabel de Sántori |
| 1669 | 1699 | Karl III. der Großmütige (1629-1699) | Don Carles III il Magnânimo | Sohn Maximilians I., Onkel Johanns II. |
| 1699 | Isabella vom Heiligen Licht (1664-1715) | Dona Isabel de la Santa Lûce | Tochter Karls III., abgedankt zugunsten Manuels I. | |
| Manuelitische Linie | ||||
| 1699 | 1701 | Manuel I. der Alte (1621-1701) | Don Manuel I il Vello | Enkel Karls II. |
| 1701 | 1725 | Maximilian II. (1669-1725) | Don Maximilián II | Enkel Manuels I. |
| 1725 | 1749 | Johann III. Franz (1700-1749) | Don Joán III Francisco/Joán III Francês | Neffe Maximilians II., Ur-Enkel Manuels I. |
| 1749 | 1754 | David II. (1745-1754) | David II il Rei-Infante | Sohn Johanns III., unter Vormundschaft |
| 1754 | 1757 | Maria Franziska (1725-1765) | Dona María Francisca | Tochter Johann Franz', regierte mit ihrem Ehemann Antonio Raimondo di Piacone |
Seit 1747 herrschten bis zur Abschaffung der Monarchie 1891 die Könige von Sagradien als Könige von Cuentez.