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| − | Als Präsident der Republik versuchte Luciaro größeren Einfluss auf die Regierungspolitik zu nehmen als sein Vorgänger, was zu häufigen Reibungen mit Ministerpräsident [[Carles Favale]] und den Regierungsparteien kam. Als die [[Volkspartei]] unter Luciaros Amtsnachfolger [[Carles Favale]] bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1962|Parlamentswahl 1962]] schwere Verluste hinnehmen musste, drängte Luciaro schließlich gegen den Willen Favales auf die Bildung einer Großen Koalition und ernannte den früheren Innenminister [[Martín Ánibal Costa]] zum neuen Regierungschef. | + | Als Präsident der Republik versuchte Luciaro größeren Einfluss auf die Regierungspolitik zu nehmen als sein Vorgänger, was zu häufigen Reibungen mit Ministerpräsident [[Carles Favale]] und den Regierungsparteien kam. Als die [[Volkspartei]] unter Luciaros Amtsnachfolger [[Carles Favale]] bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1962|Parlamentswahl 1962]] schwere Verluste hinnehmen musste, drängte Luciaro schließlich gegen den Willen Favales auf die Bildung einer Großen Koalition und ernannte den früheren Innenminister [[Martín Ánibal Costa]] zum neuen Regierungschef. Nach Scheitern der Koalition löste er die [[Abgeordnetenkammer]] auf, was de facto aber zum Machtverlust seiner Partei führte. Nach der vorgezogenen [[Parlamentswahl 1963]] sah er sich schließlich gezwungen, den Sozialisten [[António Santiago]] zum Regierungschef zu ernennen. |
Luciaro starb im Januar 1965 wenige Monate vor dem regulären Ende seiner ersten Amtszeit als Präsident. | Luciaro starb im Januar 1965 wenige Monate vor dem regulären Ende seiner ersten Amtszeit als Präsident. | ||
Version vom 12:08, 11. Feb 2020
Paulo Manuel Luciaro (*1888 in Nouberez, †1965 in Semest) war ein sagradischer Jurist, Politiker, Diplomat und Staatsmann, der die Geschicke seines Landes als Außenminister (1941-1946 und 1953-1955), Ministerpräsident (1948-1950 und 1950-1959) sowie als Staatspräsident (1960-1965) prägte. Er gilt als einer der Gründerväter der Europäischen Union sowie der europäischen Christdemokratie und als eine der einflussreichsten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Sagradien.
Der gebürtige Armorer Luciaro begann seine politische Karriere bereits in der Zwischenkriegszeit. Er war Bürgermeister der Stadt Vierna, bekleidete mehrere Ministerämter und gehörte der sagradischen Abgeordnetenkammer an. Nach einer kurzen Zeit als Botschafter in London prägte er als sagradischer Außenminister während des Zweiten Weltkriegs entscheidend die Politik der sagradischen Kriegsregierung unter Ministerpräsident Sergio Dini. Das Außenministeramt bekleidete Luciaro auch nach Kriegsende in der Regierung Saviola, ehe er 1946 Justizminister und im Dezember 1948 Ministerpräsident wurde. Dieses Amt übte er mit einer kurzen Unterbrechung bis Mai 1959 aus und hält mit einer Amtszeit von mehr als zehn Jahren bis heute den Rekord für die längste Amtszeit eines Regierungschefs in der Geschichte der Sagradischen Republik. In dieser Zeit trug er entscheidend zur Stabilisierung der sagradischen Politik und Wirtschaft und zur Verständigung mit den europäischen Nachbarn bei.
Ursprünglich Mitglied der katholisch-konservativen Volksunion wurde Luciaro 1945 Mitbegründer und bis 1948 erster Parteisekretär der christdemokratischen Volkssammlungspartei (PPC), die er anschließend von 1950 bis 1960 als Parteivorsitzender anführte. In dieser Zeit erreichte die Volkspartei ihre historisch größten Wahlerfolge und wurde zu einer der bedeutendsten christdemokratischen Parteigründungen der Nachkriegsära.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jugend und politische Karriere in der Zweiten Republik
Der aus der Bretagne stammende Luciaro besuchte ein Jesuiten-Gymnasium in seiner Heimatstadt und studierte danach Rechts- und Staatswissenschaften in Viça, Semest und Vierna. Während des Studiums gehörte er verschiedenen katholischen Studentenvereinen an. Nach seiner Promotion ließ sich Luciaro 1913 im sagontinischen Vierna nieder, wo er zunächst für einen Rechtsanwalt arbeitete. Zugleich begann er, als Redakteur für verschiedene kleinere Zeitungen zu schreiben.
Im Jahr 1920 wurde Luciaro erstmals in den Stadtrat von Vierna gewählt, wenig später kam er in Kontakt mit der liberalkatholischen Vertá-Gruppe um Don Martín de León und Fernando de la Roya, seit 1922 schrieb er regelmäßig für das Blatt. Er war zudem Mitglied der Liga del Pôblu Jovén, einer Vereinigung junger Katholiken, die der katholischen Acción Popular nahestand und christdemokratische und christlich-soziale Ideen entwickelte.
In den dreißiger Jahren machte Luciaro als Mitglied der konservativ-katholischen Volksunion Karriere. Er war von 1930 bis 1934 Bürgermeister der Stadt Vierna in Sarmay und wurde danach zum Staatssekretär im sagradischen Innenministerium berufen und 1936 erstmals in die Abgeordnetenkammer gewählt. Nach den Aprilwahlen 1938 übernahm er in der Regierung von Manuel Sants den Posten des Ministers für öffentliche Verwaltung, wurde 1940 aber als Botschafter nach London geschickt, wo er die Kontakte zur britischen Regierung unter Winston Churchill organisierte.
Weltkrieg und Nachkriegszeit
Nach Beginn des Kriegs gehörte Luciaro zunächst zu den Befürwortern eines Neutralitätskurses, argumentierte aber bald zugunsten eines sagradischen Kriegseintritts auf alliierter Seite. Nach Eintritt Sagradiens in den Weltkrieg im Dezember 1941 galt Luciaro aufgrund seiner Kontakte nach Großbritannien als gefragter Mann und wurde in der Regierung Dini zum Außenminister berufen. Diesen Posten füllte er den gesamten Krieg über aus.
Auch das Programm einer großen christdemokratischen Sammlungspartei, unter dem Namen Convergência bekannt, fand Luciaros Unterstützung. 1945 gehörte er schließlich zu den Gründern der neuen Volkssammlungspartei (PPC), in der die rechtskatholische Volksunion zusammen mit der Volksdemokratischen Partei und verschiedenen linkskatholischen und bürgerlichen Bewegungen aufging.
Während Parteipräsident Amentino Xavier-Castrell und Senatspräsident Fernando De la Roya zunächst als bekannte Zugpferde der Partei galten, übernahm Luciaro die Organisationsarbeit. Als Sekretär des Exekutivkomitees nahm er dabei von Beginn an eine Schlüsselstellung ein. Seinem Willen nach sollte die PPC eine nicht-konfessionelle christlich-orientierte Sammlungspartei darstellen, die demokratisch und nicht-sozialistisch sein sollte. Dieser pragmatische liberalkatholisch dominierte Kurs setzte sich in der Partei bald durch, nachdem der linkskatholische Flügel um Nino Cabal, der einen christlichen Sozialismus propagierte, bald ins Abseits geriet und die Partei schließlich auch größtenteils verließ.
Im August 1945 wurde Luciaro in die sagradische Nationalversammlung gewählt, in der die Volkssammlungspartei als Nachfolgerin der Volksunion die stärkste Fraktion stellte. Nach der Wahl Sergio Dinis zum Staatspräsidenten führten die Christdemokraten die bestehende sogenannte "Demokratische Koalition" mit Kommunisten, Sozialisten und Radikalen fort, die aus der Kriegskoalition Dinis hervorgegangen war.
In der Partei kritisierten Teile des konservativen Flügels Luciaro und die PPC für den „Pakt mit dem Teufel“, namentlich mit Kommunisten und Sozialisten. Luciaro war aber überzeugt, dass allein eine solche Koalition des demokratischen Konsenses das Land wiederaufbauen und eine stabile liberale Demokratie etablieren könne. Vor allem sollte die alte Spannung zwischen linken Säkularen und rechten Katholiken vermieden werden.
Ministerämter und Ministerpräsidentschaft
Nach fünf Jahren als Außenminister in der Kriegsregierung Dini III und in der Nachfolgeregierung Saviola wurde Luciaro 1946 im Kabinett des gemäßigten Sozialisten Santo de l'Ilpa Justizminister und Vizeministerpräsident. Er rückte damit in eine Schlüsselstellung.
Luciaro und Ilpa sollten in den Folgejahren zu engen politischen Weggefährten und Vertrauten werden. Nach dem Austritt des Partíu Radical aus der Regierungskoalition und der Demission der Regierung Ilpa im Herbst 1948 erhielt Luciaro von Präsident Dini schließlich selbst den Auftrag zur Regierungsbildung und wurde schließlich als Nachfolger Ilpas Ministerpräsident. Dieser blieb aber als Stellvertreter Luciaros und Außenminister in der Regierung.
Gleichzeitig gab Luciaro sein Amt als Exekutivsekretär der Volkspartei an Benito Mello ab, blieb aber eigentlicher Führer der Partei, ehe er 1950 als Nachfolger von Fernando de la Roya auch offiziell in das Amt des Parteivorsitzenden gewählt wurde.
In seiner Amtszeit gelang es Luciaro, der zunächst weiterhin das Justizministerium weiterführte, eine starke Stellung des Regierungschefs zu etablieren. Mit seinem gemäßigt-marktwirtschaftlichen und konservativ-bürgerlichen Kurs schaffte es Luciaro, die Christdemokraten als dominante Kraft des bürgerlichen Lagers zu behaupten.
Im August 1950 demissionierte Luciaro als Premierminister, nachdem es zu schweren Vorwürfen gegen seinen Amtsleiter gekommen war, wurde aber zwei Monaten erneut zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Christdemokraten wurden deutlich stärkste Kraft im Parlament, sodass er seine Ministerpräsidentschaft in der Koalition mit Sozialisten und Linksliberalen weiterführen konnte.
Bilanz seiner Ministerpräsidentschaft
In der ersten Hälfte der Fünfziger Jahre wurde Sagradien von einer so genannten Zentrumskoalition aus Luciaros Christdemokraten usowie den Sozialdemokraten Santo de la Ilpas regiert. Ministerpräsident Luciaro und Außenminister Ilpa prägten das Land und setzten eine deutliche außenpolitische Orientierung im Hinblick auf eine Westorientierung, NATO-Mitgliedschaft und europäische Zusammenarbeit durch. Unter der Führung Luciaros gehörte Sagradien 1949 zu den Gründernationen der nordatlantischen Verteidigungsallianz NATO sowie des Europarats. Von Beginn an unterstützte Luciaro den so genannten Schuman-Plan, der 1951/52 zur Gründung der so genannten Montanunion führte. Auch die Römischen Verträge von 1957 mit der Gründung von EWG und Euratom gelten als außenpolitische Leistungen Luciaros, der mit seinem Kurs nicht nur dem Widerstand der kommunistischen und nationalistischen Rändern, sondern zeitweise auch der Sozialisten sowie Teilen der Liberalen trotzte. Luciaro gilt deswegen auch neben Robert Schumann, Jean Monnet, Alcide de Gasperi und Konrad Adenauer als einer der Gründerväter der Europäischen Gemeinschaft und wurde im Jahr 1956 mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Die europäische Integration wurde 1954/55 ergänzt durch eine Aussöhnung mit dem mikolinischen Nachbarn, für die vor allem Santo de la Ilpa eintrat, und die im Sommer 1955 schließlich zur Lösung der seit 1935 offenen Golen-Frage führte.
Innenpolitisch setzte Luciaro im Bündnis mit Ilpa eine umfangreiche Sozialstaatsgesetzgebung durch, die jedoch nach dem Ausscheiden der Sozialdemokraten 1955 in der neuen liberal-konservativen Koalition durch einen stärker wirtschaftsfreundlichen Kurs ergänzt wurde. Nach seinem erneuten Wahlsieg 1958 geriet Luciaro zunehmend in Gegensatz mit den eher progressiven Kräften seiner Koalition, die anfingen, den autoritär-konservativen Kurs in der Innen- und Justizpolitik zu kritisieren. Dazu gehörten vor allem die aus der radikalen Tradition stammenden Politiker der liberalen Demokratischen Union, die seit 1955 als Bündnispartner der PPC mitregierten. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme Luciaros, der mit Atembeschwerden rang, aber auch eine zunehmend Unzufriedenheit in der Partei über die anhaltende Machtposition Luciaros. Besonders sein lange als Kronprinz gehandelter Finanzminister Carles Favale wurde bald als Gegenspieler betrachtet.
Ende der Ministerpräsidentschaft
Nachdem die Volkspartei bei der Parlamentswahl 1958 erstmals hatte Verluste hinnehmen müssen, mehrten sich die Stimmen in der Partei, die auf eine baldige Wachablösung an der Regierungsspitze drängten. Als sich auch parteiintern die Stimmen mehrten, die eine vorzeitige Ablösung Luciaros im Regierungsamt wünschten und auf seine Gesundheit verwiesen, entschied sich Luciaro schließlich, im zum Mai 1959 sein Amt niederzulegen und sich aus der Regierungspolitik zurückzuziehen. Anlass dieser Entscheidung waren öffentliche Forderungen, unter anderem des neuen Exekutivsekretärs der Partei Martín Nêu Regríguez' an Luciaro, der Öffentlichkeit und seiner Partei mitzuteilen, ob er die Legislaturperiode beenden wolle, um rechtzeitig einen Nachfolger zu bestimmen. Dieses Vorgehen empfand Luciaro als Palastrevolte und zog sich daraufhin aus dem Regierungsamt zurück.
Als Nachfolger empfahl Luciaro schließlich seinen Finanzminister Carles Favale, mit dem es aber schon zuvor zu Spannungen gekommen war. Favale wurde schließlich neuer Ministerpräsident, Luciaro blieb aber Vorsitzender der Volkspartei und nahm als solcher auch weiterhin Einfluss auf die Regierungspolitik.
Präsident der Republik
Nach dem Ausscheiden aus der Regierung wurde Luciaro zum Präsidenten der parlamentarischen Versammlung des Europarats gewählt. Bei der Präsidentschaftswahl 1960 kandidierte Luciaro um die Nachfolge seines Parteifreunds Fernando de la Roya und wurde schließlich zum neuen Staatspräsidenten Sagradiens gewählt.
Als Präsident der Republik versuchte Luciaro größeren Einfluss auf die Regierungspolitik zu nehmen als sein Vorgänger, was zu häufigen Reibungen mit Ministerpräsident Carles Favale und den Regierungsparteien kam. Als die Volkspartei unter Luciaros Amtsnachfolger Carles Favale bei der Parlamentswahl 1962 schwere Verluste hinnehmen musste, drängte Luciaro schließlich gegen den Willen Favales auf die Bildung einer Großen Koalition und ernannte den früheren Innenminister Martín Ánibal Costa zum neuen Regierungschef. Nach Scheitern der Koalition löste er die Abgeordnetenkammer auf, was de facto aber zum Machtverlust seiner Partei führte. Nach der vorgezogenen Parlamentswahl 1963 sah er sich schließlich gezwungen, den Sozialisten António Santiago zum Regierungschef zu ernennen.
Luciaro starb im Januar 1965 wenige Monate vor dem regulären Ende seiner ersten Amtszeit als Präsident.
Politische Funktionen
Öffentliche Ämter
- 1930-1934: Bürgermeister von Vierna
- 1934-1936: Staatssekretär im sagradischen Innenministerium
- 1938-1940: Minister für öffentliche Verwaltung im Kabinett Sants-Igualde IV
- 1940-1941: Botschafter Sagradiens im Vereinigten Königreich
- 1941-1946: Außenminister der Regierungen Dini und Saviola
- 1946-1950: Justizminister im Kabinett Ilpa I und II sowie im Kabinett Luciaro I und II
- 1946-1948: Stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Ilpa I und II
- 1948-1950: Sagradischer Ministerpräsident (Kabinett Luciaro I und II)
- 1950-1959: Sagradischer Ministerpräsident (Kabinett Luciaro III, IV, V, VI und VII)
- 1953-1955: zugleich Außenminister im Kabinett Luciaro IV
- 1959-1960: Präsident deer Parlamentarischen Versammlung des Europarats
- 1960-1965: Präsident der Sagradischen Republik
Mandate
- 1920-1932: Stadtrat von Vierna
- 1930-1932: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
- 1945-1960: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
- 1959-1960: Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats
Parteiämter
- 1945-1948: Sekretär des Exekutivkomitees des Partíu Popular de Convergência (PPC)
- 1950-1960: Parteivorsitzender des Partíu Popular de Convergência (PPC)
- posthum: Ehrenvorsitzender der PPC