António Fiali: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | '''António Fiali Cerres''' (*1939 in Buenos Aires) ist ein argentinisch-[[Sagradien|sagradischer]] Gewerkschafter und Politiker der postkommunistischen [[PCS|Vereinigten Linkspartei]] (PCS). Er bekleidete von | + | '''António Fiali Cerres''' (*1939 in Buenos Aires) ist ein argentinisch-[[Sagradien|sagradischer]] Gewerkschafter und Politiker der postkommunistischen [[PCS|Vereinigten Linkspartei]] (PCS). Er bekleidete von 1991 bis 1997 das Amt des Ersten Sekretärs der Partei und gilt als Begründer des Parteienbündnisses [[SDU|Vereinigte Demokratische Linke]]. Er führte das Linksbündnis bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1994|Parlamentswahlen 1994]],[[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1998|1998]], [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002|2002]], [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006|2006]] und [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2009|2009]] als Spitzenkandidat an. Von 2009 bis 2013 war Fiali Vizepräsident der sagradischen [[Abgeordnetenkammer]]. |
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Bereits in seiner Zeit beim Militär trat Fiali dem [[Partíu Comunista Sagradês]] (PCS) bei und gehörte dort in den Siebziger Jahren zu den Kritikern der eurokommunistischen Öffnung unter [[Dián Aliureto Chabonet]]. Später allerdings söhnte er sich mit diesem aus und gehörte spätestens seit den frühen Achtziger Jahren zu den Reformern in der Partei. Er sprach sich gegen einen Rückfall in die Abhängigkeit Moskaus aus und trat für ein Bündnis der Partei mit den neuen sozialen Bewegungen ein, die er auch von den Eurokommunisten vernachlässigt sah. Vom Aufkommen der [[Verdes Celarcoes|Regenbogen-Grünen]] in den Achtziger Jahren sah er sich in seinem Kurs bestätigt und gehörte in der PCS zur parteiinternen Opposition gegen die Abschottungstendenzen unter Parteisekretär [[Lorenzo Beregas]]. | Bereits in seiner Zeit beim Militär trat Fiali dem [[Partíu Comunista Sagradês]] (PCS) bei und gehörte dort in den Siebziger Jahren zu den Kritikern der eurokommunistischen Öffnung unter [[Dián Aliureto Chabonet]]. Später allerdings söhnte er sich mit diesem aus und gehörte spätestens seit den frühen Achtziger Jahren zu den Reformern in der Partei. Er sprach sich gegen einen Rückfall in die Abhängigkeit Moskaus aus und trat für ein Bündnis der Partei mit den neuen sozialen Bewegungen ein, die er auch von den Eurokommunisten vernachlässigt sah. Vom Aufkommen der [[Verdes Celarcoes|Regenbogen-Grünen]] in den Achtziger Jahren sah er sich in seinem Kurs bestätigt und gehörte in der PCS zur parteiinternen Opposition gegen die Abschottungstendenzen unter Parteisekretär [[Lorenzo Beregas]]. | ||
| − | Seit 1979 als Abgeordneter im Parlament vertreten, blieb Fiali bis in die 1980er Jahre hinein in der zweiten Reihe. Zum ersten Mal trat Fiali auf dem Parteikongress der Kommunisten in [[Noyar]] als Reformer im März 1989 ins Rampenlicht, als er als einer der Anführer einer parteiinternen Erneuerungsbewegung eine umfangreiche Parteireform verlangte. Fiali brachte seinen Antragskatalog zwar nicht durch, erreichte aber einen Kompromiss mit der Parteiführung um Beregas und wurde erstmals ins Politbüro der Partei gewählt. Dort erhielt er als Parteikoordinator und Wahlkampfbeauftragter entscheidende operative Befugnisse, die es ihm erlaubten, seine Macht in der Partei schlagartig auszubauen. De facto bildete er damit zusammen mit dem zentristischen Beregas eine Art Doppelspitze, in der Fiali zunehmend den Ton angab. In der Folge schmiedete er eine Allianz mit dem unorthodoxen radikal-kommunistischen Flügel aus einzelnen Trotzkisten, Maoisten und anderen Dissidenten gegen die zentristisch-orthodoxe Allianz, die in der Parteiführung dominierte. Gleichzeitig suchte er Kontakt zu anderen kommunistischen und nicht-kommunistischen Linksparteien mit dem Ziel eines Wahlbündnisses für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990]]. | + | Seit 1979 als Abgeordneter im Parlament vertreten, blieb Fiali bis in die 1980er Jahre hinein in der zweiten Reihe. Zum ersten Mal trat Fiali auf dem Parteikongress der Kommunisten in [[Noyar]] als Reformer im März 1989 ins Rampenlicht, als er als einer der Anführer einer parteiinternen Erneuerungsbewegung eine umfangreiche Parteireform verlangte. Fiali brachte seinen Antragskatalog zwar nicht durch, erreichte aber einen Kompromiss mit der Parteiführung um Beregas und wurde erstmals ins Politbüro der Partei gewählt. Dort erhielt er als Parteikoordinator und Wahlkampfbeauftragter entscheidende operative Befugnisse, die es ihm erlaubten, seine Macht in der Partei schlagartig auszubauen. De facto bildete er damit zusammen mit dem zentristischen Beregas eine Art Doppelspitze, in der Fiali zunehmend den Ton angab. In der Folge schmiedete er eine Allianz mit dem unorthodoxen radikal-kommunistischen Flügel aus einzelnen Trotzkisten, Maoisten und anderen Dissidenten gegen die zentristisch-orthodoxe Allianz, die in der Parteiführung dominierte. Gleichzeitig suchte er Kontakt zu anderen kommunistischen und nicht-kommunistischen Linksparteien mit dem Ziel eines Wahlbündnisses für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990]]. |
| − | + | Vor dem Parteitag der Kommunisten in [[Artir]] im Februar 1991 stellte eine Reihe von Fiali-Vertrauten öffentlich weitreichende Forderungen zur Umsetzung des reformkommunistischen Katalogs. Auf dem Parteitag setzte die Gruppe um Fiali ihren Reformkatalog durch, der schließlich auch von Parteichef Beregas mitgetragen wurde. Die Partei benannte sich (bei Behaltung des Kürzels PCS) in ''Vereinigte Linkspartei'' um und strich alle Bezüge zum Begriff ''Kommunismus'' aus dem Programm. Eine orthodoxe Minderheit um Carregas-Treue verließ daraufhin die Partei und gründete den [[Partíu Comunista d'Unificación Proletária]] (PCUP) in Konkurrenz zur ihrer Meinung nach sozialdemokratisierten PCS. | |
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| − | Bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990]] trat die PCS als Führungskraft im neuen Linksbündnis [[Unitá de la Sinistra]] (Unitá-PCS) an, das Fiali zuvor geschmiedet hatte. Dem gehörten neben der PCS die Reste der linksalternativen [[Democrâcia Crítica]], die in [[Aziz]] aus dem [[Partíu Comunista d'Aziz]] abgespaltene rot-grüne [[Sinistra Democrática Alternativa]] (SDA), der [[Cuentez|cuentezische]] [[Partíu d'Acción Socialista de Cuentez]] (PASC) sowie der linkssozialistische [[Partíu Socialista Sagradês]] (PSS) an. Bei der Wahl erhielt das Unitá-Bündnis unter der Führung Fialis 5,6 Prozent der Stimmen. Fiali wurde danach Fraktionssprecher der gemeinsamen Linksaußengruppe in der Kammer und | + | === Generalsekretär des PCS (1991-1997) === |
| + | Bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990]] trat die PCS als Führungskraft im neuen Linksbündnis [[Unitá de la Sinistra]] (Unitá-PCS) an, das Fiali zuvor geschmiedet hatte. Dem gehörten neben der PCS die Reste der linksalternativen [[Democrâcia Crítica]], die in [[Aziz]] aus dem [[Partíu Comunista d'Aziz]] abgespaltene rot-grüne [[Sinistra Democrática Alternativa]] (SDA), der [[Cuentez|cuentezische]] [[Partíu d'Acción Socialista de Cuentez]] (PASC) sowie der linkssozialistische [[Partíu Socialista Sagradês]] (PSS) an. Bei der Wahl erhielt das Unitá-Bündnis unter der Führung Fialis 5,6 Prozent der Stimmen. Fiali wurde danach Fraktionssprecher der gemeinsamen Linksaußengruppe in der Kammer und stieg damit zum faktischen Führer der Partei auf. | ||
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| + | Auf dem Parteikongress in [[Duerez]] im Dezember 1991 schlug Beregas schließlich, der seinen Einfluss in der Partei immer weiter schwinden sah, Fiali als Nachfolger vor. In einer Kampfabstimmung gegen den vom orthodoxen Flügel favorisierten [[Marcelo Carregas]] wurde Fiali zum neuen Generalsekretär der Partei gewählt. | ||
In den Folgejahren versuchte Fiali, eine umfangreiche Parteireform durchzusetzen. Ziel der Reform war es, die Partei umfassend neu zu strukturieren, zu pluralisieren und die letzten Elemente des demokratischen Zentralismus im Parteiapparat zu beseitigen. An die Stelle des Zentralkomitees sollte ein nationales Exekutivkomitee treten und das Politbüro ganz abgeschafft werden. Programmatisch sollte die PCS endgültig mit dem Leninismus brechen und neue Themen wie Ökologie, Feminismus und Bürgerrechte adaptieren. Die bereits in der eurokommunistischen Phase initiierte Aussöhnung mit dem Parlamentarismus sollte intensiviert werden und die Partei auf eine parlamentarische und eine außerparlamentarische Säule gestellt werden, dies im Bündnis mit neuen sozialen Bewegungen und neuen linken Strömungen, etwa der Ökologie- oder der Frauenbewegung. | In den Folgejahren versuchte Fiali, eine umfangreiche Parteireform durchzusetzen. Ziel der Reform war es, die Partei umfassend neu zu strukturieren, zu pluralisieren und die letzten Elemente des demokratischen Zentralismus im Parteiapparat zu beseitigen. An die Stelle des Zentralkomitees sollte ein nationales Exekutivkomitee treten und das Politbüro ganz abgeschafft werden. Programmatisch sollte die PCS endgültig mit dem Leninismus brechen und neue Themen wie Ökologie, Feminismus und Bürgerrechte adaptieren. Die bereits in der eurokommunistischen Phase initiierte Aussöhnung mit dem Parlamentarismus sollte intensiviert werden und die Partei auf eine parlamentarische und eine außerparlamentarische Säule gestellt werden, dies im Bündnis mit neuen sozialen Bewegungen und neuen linken Strömungen, etwa der Ökologie- oder der Frauenbewegung. | ||
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Während seiner Zeit als Generalsekretär musste Fiali jedoch immer wieder Rücksichten auf die noch immer starken Traditionalisten in der Partei nehmen, Kompromisse schließen und bei seinem ambitionierten Programm Abstriche vornehmen. Mit den erzielten Ergebnissen zeigte er sich jedoch zunehmend unzufrieden. Auch die Dominanz des PCS im linken Wahlbündnis führte nun verstärkt zu Problemen mit den Bündnispartnern, die auf ihre Unabhängigkeit pochten. Eine von Fiali angestrebte Parteineubildung aus dem Unitá-Bündnis heraus scheiterte am Unwillen der Parteimehrheit, die eigenständige Parteitradition aufzugeben. | Während seiner Zeit als Generalsekretär musste Fiali jedoch immer wieder Rücksichten auf die noch immer starken Traditionalisten in der Partei nehmen, Kompromisse schließen und bei seinem ambitionierten Programm Abstriche vornehmen. Mit den erzielten Ergebnissen zeigte er sich jedoch zunehmend unzufrieden. Auch die Dominanz des PCS im linken Wahlbündnis führte nun verstärkt zu Problemen mit den Bündnispartnern, die auf ihre Unabhängigkeit pochten. Eine von Fiali angestrebte Parteineubildung aus dem Unitá-Bündnis heraus scheiterte am Unwillen der Parteimehrheit, die eigenständige Parteitradition aufzugeben. | ||
| − | === | + | === Fraktionschef der Linken (1990-2009) === |
| − | + | Bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1994]] erlebte das postkommunistische Unitá-Bündnis einen Rückschlag und befand sich nach weiteren Niederlagen schließlich im Sommer/Herbst 1996 in einer existenzbedrohenden Krise. In der Folge zog sich Fiali vom Parteivorsitz zurück und konzentrierte sich auf die Aufgabe im Parlament. Nachfolger wurde der auf Ausgleich zwischen Orthodoxen und Reformern bedachte [[Oscar Ricardo Escova]]. | |
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Unter der Führung von António Fiali, nach wie vor einer der populärsten Politiker des Landes, kam die Unitá bei der Wahl auf einen Stimmenanteil von 5,6 Prozent, was ein leichtes Plus gegenüber 1994 bedeutete, Wahlsieger wurde die vom [[ASUL|Sozialisten]] [[Julio De la Costa]] angeführte rot-grüne Mitte-Links-Allianz, die jedoch auf die Bildung einer Regierung auf die Unterstützung Fialis und der Linksparteien angewiesen war. Fiali setzte sich schließlich gegen Widerstände in der eigenen Partei und im Linksbündnis durch und einigte sich mit De la Costa auf die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch die äußere Linke. In den folgenden acht Jahren war De la Costas Koalitionsregierung aus der sozialdemokratischen [[ASUL]] und den sagradischen [[Grünen]] vom Wohlwollen und der indirekten Unterstützung durch die Linkspartei und deren linke Bündnispartner angewiesen. Als Fraktionschef der Unitá-Fraktion in der Abgeordnetenkammer war Fiali nun der starke Mann der Linken und der Garant für die Verlässlichkeit der Links-Allianz. Trotz heftigen Erschütterungen, etwa um die Teilnahme Sagradiens am Kosovokrieg 1999 oder am Afghanistankrieg 2001, hielt die Mehrheit auch nach der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002]], nach der es zur gleichen parlamentarischen Konstellation wie bereits 1998 gekommen war. | Unter der Führung von António Fiali, nach wie vor einer der populärsten Politiker des Landes, kam die Unitá bei der Wahl auf einen Stimmenanteil von 5,6 Prozent, was ein leichtes Plus gegenüber 1994 bedeutete, Wahlsieger wurde die vom [[ASUL|Sozialisten]] [[Julio De la Costa]] angeführte rot-grüne Mitte-Links-Allianz, die jedoch auf die Bildung einer Regierung auf die Unterstützung Fialis und der Linksparteien angewiesen war. Fiali setzte sich schließlich gegen Widerstände in der eigenen Partei und im Linksbündnis durch und einigte sich mit De la Costa auf die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch die äußere Linke. In den folgenden acht Jahren war De la Costas Koalitionsregierung aus der sozialdemokratischen [[ASUL]] und den sagradischen [[Grünen]] vom Wohlwollen und der indirekten Unterstützung durch die Linkspartei und deren linke Bündnispartner angewiesen. Als Fraktionschef der Unitá-Fraktion in der Abgeordnetenkammer war Fiali nun der starke Mann der Linken und der Garant für die Verlässlichkeit der Links-Allianz. Trotz heftigen Erschütterungen, etwa um die Teilnahme Sagradiens am Kosovokrieg 1999 oder am Afghanistankrieg 2001, hielt die Mehrheit auch nach der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002]], nach der es zur gleichen parlamentarischen Konstellation wie bereits 1998 gekommen war. | ||
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| − | * | + | * 1991-1997: Generalsekretär des [[PCS]] |
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Version vom 23:23, 16. Apr 2017
António Fiali Cerres (*1939 in Buenos Aires) ist ein argentinisch-sagradischer Gewerkschafter und Politiker der postkommunistischen Vereinigten Linkspartei (PCS). Er bekleidete von 1991 bis 1997 das Amt des Ersten Sekretärs der Partei und gilt als Begründer des Parteienbündnisses Vereinigte Demokratische Linke. Er führte das Linksbündnis bei den Parlamentswahlen 1994,1998, 2002, 2006 und 2009 als Spitzenkandidat an. Von 2009 bis 2013 war Fiali Vizepräsident der sagradischen Abgeordnetenkammer.
Fiali ist heute Mitherausgeber der linken Zeitung l'Humanitá.
Inhaltsverzeichnis
Leben und Karriere
Jugend und Gewerkschaftslaufbahn
Geboren wurde Fiali 1939 in Buenos Aires als Sohn eines italienisch-stämmigen Argentiniers und einer Sagradierin. Mit neun Jahren kam der bis dahin in Südamerika aufgewachsene Fiali nach Sagradien, wo er alleine mit seinen beiden Brüdern von seiner geschiedenen Mutter erzogen wurde. Nach seinem Schulabschluss absolvierte er seinen Militärdienst bei der Luftwaffe und machte eine Ausbildung zum Maschinenbauer, ehe er sein Abitur nachholte und mit einem Stipendium der kommunistischen Gewerkschaft CGL ausgestattet, Politikwissenschaft, Philosophie und Recht studierte. Nach seinem Jura-Examen arbeitete Fiali als Anwalt und parallel dazu für die Gewerkschaft CGL, in der er in den Achtziger Jahren in die Führung aufstieg, bis er 1984 auf den Posten des Stellvertreters des Ersten nationalen Sekretärs der Gewerkschaft gewählt wurde, womit er den zweithöchsten Posten in der CGL bekleidete.
Aufstieg ins Politbüro der Kommunistischen Partei
Bereits in seiner Zeit beim Militär trat Fiali dem Partíu Comunista Sagradês (PCS) bei und gehörte dort in den Siebziger Jahren zu den Kritikern der eurokommunistischen Öffnung unter Dián Aliureto Chabonet. Später allerdings söhnte er sich mit diesem aus und gehörte spätestens seit den frühen Achtziger Jahren zu den Reformern in der Partei. Er sprach sich gegen einen Rückfall in die Abhängigkeit Moskaus aus und trat für ein Bündnis der Partei mit den neuen sozialen Bewegungen ein, die er auch von den Eurokommunisten vernachlässigt sah. Vom Aufkommen der Regenbogen-Grünen in den Achtziger Jahren sah er sich in seinem Kurs bestätigt und gehörte in der PCS zur parteiinternen Opposition gegen die Abschottungstendenzen unter Parteisekretär Lorenzo Beregas.
Seit 1979 als Abgeordneter im Parlament vertreten, blieb Fiali bis in die 1980er Jahre hinein in der zweiten Reihe. Zum ersten Mal trat Fiali auf dem Parteikongress der Kommunisten in Noyar als Reformer im März 1989 ins Rampenlicht, als er als einer der Anführer einer parteiinternen Erneuerungsbewegung eine umfangreiche Parteireform verlangte. Fiali brachte seinen Antragskatalog zwar nicht durch, erreichte aber einen Kompromiss mit der Parteiführung um Beregas und wurde erstmals ins Politbüro der Partei gewählt. Dort erhielt er als Parteikoordinator und Wahlkampfbeauftragter entscheidende operative Befugnisse, die es ihm erlaubten, seine Macht in der Partei schlagartig auszubauen. De facto bildete er damit zusammen mit dem zentristischen Beregas eine Art Doppelspitze, in der Fiali zunehmend den Ton angab. In der Folge schmiedete er eine Allianz mit dem unorthodoxen radikal-kommunistischen Flügel aus einzelnen Trotzkisten, Maoisten und anderen Dissidenten gegen die zentristisch-orthodoxe Allianz, die in der Parteiführung dominierte. Gleichzeitig suchte er Kontakt zu anderen kommunistischen und nicht-kommunistischen Linksparteien mit dem Ziel eines Wahlbündnisses für die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990.
Vor dem Parteitag der Kommunisten in Artir im Februar 1991 stellte eine Reihe von Fiali-Vertrauten öffentlich weitreichende Forderungen zur Umsetzung des reformkommunistischen Katalogs. Auf dem Parteitag setzte die Gruppe um Fiali ihren Reformkatalog durch, der schließlich auch von Parteichef Beregas mitgetragen wurde. Die Partei benannte sich (bei Behaltung des Kürzels PCS) in Vereinigte Linkspartei um und strich alle Bezüge zum Begriff Kommunismus aus dem Programm. Eine orthodoxe Minderheit um Carregas-Treue verließ daraufhin die Partei und gründete den Partíu Comunista d'Unificación Proletária (PCUP) in Konkurrenz zur ihrer Meinung nach sozialdemokratisierten PCS.
Generalsekretär des PCS (1991-1997)
Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990 trat die PCS als Führungskraft im neuen Linksbündnis Unitá de la Sinistra (Unitá-PCS) an, das Fiali zuvor geschmiedet hatte. Dem gehörten neben der PCS die Reste der linksalternativen Democrâcia Crítica, die in Aziz aus dem Partíu Comunista d'Aziz abgespaltene rot-grüne Sinistra Democrática Alternativa (SDA), der cuentezische Partíu d'Acción Socialista de Cuentez (PASC) sowie der linkssozialistische Partíu Socialista Sagradês (PSS) an. Bei der Wahl erhielt das Unitá-Bündnis unter der Führung Fialis 5,6 Prozent der Stimmen. Fiali wurde danach Fraktionssprecher der gemeinsamen Linksaußengruppe in der Kammer und stieg damit zum faktischen Führer der Partei auf.
Auf dem Parteikongress in Duerez im Dezember 1991 schlug Beregas schließlich, der seinen Einfluss in der Partei immer weiter schwinden sah, Fiali als Nachfolger vor. In einer Kampfabstimmung gegen den vom orthodoxen Flügel favorisierten Marcelo Carregas wurde Fiali zum neuen Generalsekretär der Partei gewählt.
In den Folgejahren versuchte Fiali, eine umfangreiche Parteireform durchzusetzen. Ziel der Reform war es, die Partei umfassend neu zu strukturieren, zu pluralisieren und die letzten Elemente des demokratischen Zentralismus im Parteiapparat zu beseitigen. An die Stelle des Zentralkomitees sollte ein nationales Exekutivkomitee treten und das Politbüro ganz abgeschafft werden. Programmatisch sollte die PCS endgültig mit dem Leninismus brechen und neue Themen wie Ökologie, Feminismus und Bürgerrechte adaptieren. Die bereits in der eurokommunistischen Phase initiierte Aussöhnung mit dem Parlamentarismus sollte intensiviert werden und die Partei auf eine parlamentarische und eine außerparlamentarische Säule gestellt werden, dies im Bündnis mit neuen sozialen Bewegungen und neuen linken Strömungen, etwa der Ökologie- oder der Frauenbewegung.
Während seiner Zeit als Generalsekretär musste Fiali jedoch immer wieder Rücksichten auf die noch immer starken Traditionalisten in der Partei nehmen, Kompromisse schließen und bei seinem ambitionierten Programm Abstriche vornehmen. Mit den erzielten Ergebnissen zeigte er sich jedoch zunehmend unzufrieden. Auch die Dominanz des PCS im linken Wahlbündnis führte nun verstärkt zu Problemen mit den Bündnispartnern, die auf ihre Unabhängigkeit pochten. Eine von Fiali angestrebte Parteineubildung aus dem Unitá-Bündnis heraus scheiterte am Unwillen der Parteimehrheit, die eigenständige Parteitradition aufzugeben.
Fraktionschef der Linken (1990-2009)
Bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1994 erlebte das postkommunistische Unitá-Bündnis einen Rückschlag und befand sich nach weiteren Niederlagen schließlich im Sommer/Herbst 1996 in einer existenzbedrohenden Krise. In der Folge zog sich Fiali vom Parteivorsitz zurück und konzentrierte sich auf die Aufgabe im Parlament. Nachfolger wurde der auf Ausgleich zwischen Orthodoxen und Reformern bedachte Oscar Ricardo Escova.
Unter der Führung von António Fiali, nach wie vor einer der populärsten Politiker des Landes, kam die Unitá bei der Wahl auf einen Stimmenanteil von 5,6 Prozent, was ein leichtes Plus gegenüber 1994 bedeutete, Wahlsieger wurde die vom Sozialisten Julio De la Costa angeführte rot-grüne Mitte-Links-Allianz, die jedoch auf die Bildung einer Regierung auf die Unterstützung Fialis und der Linksparteien angewiesen war. Fiali setzte sich schließlich gegen Widerstände in der eigenen Partei und im Linksbündnis durch und einigte sich mit De la Costa auf die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch die äußere Linke. In den folgenden acht Jahren war De la Costas Koalitionsregierung aus der sozialdemokratischen ASUL und den sagradischen Grünen vom Wohlwollen und der indirekten Unterstützung durch die Linkspartei und deren linke Bündnispartner angewiesen. Als Fraktionschef der Unitá-Fraktion in der Abgeordnetenkammer war Fiali nun der starke Mann der Linken und der Garant für die Verlässlichkeit der Links-Allianz. Trotz heftigen Erschütterungen, etwa um die Teilnahme Sagradiens am Kosovokrieg 1999 oder am Afghanistankrieg 2001, hielt die Mehrheit auch nach der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002, nach der es zur gleichen parlamentarischen Konstellation wie bereits 1998 gekommen war.
Die Unitá ging mit einem Stimmenanteil von nur 3,6 Prozent jedoch deutlich geschwächt aus der Wahl hervor und auch Fiali war nicht mehr unumstritten, da er mit seiner kooperativen Strategie für die Niederlage verantwortlich gemacht wurde. In dieser Zeit konnte er jedoch auf die Hilfe durch PCS-Chef Escova bauen, der Fialis Kurs unterstützte. Zwar wurde die Tolerierung fortgesetzt, das Unitá-Bündnis erlebte jedoch immer größere Erosionserscheinungen, zumal in der regierenden ASUL einflussreiche Kräfte für einen stärker neoliberal geprägten "Reformkurs" eintrat. Der Rückzug mehrerer nicht-parteikommunistischer Abgeordneter aus der gemeinsamen Kammergruppe bedeutete schließlich im Jahr 2004 das Ende des von Fiali wesentlich geprägten Linksbündnisses. In der Folge mehrten sich die Fragen, in denen die Linke bewusst gegen die Linie der Regierung De la Costa abstimmte.
Die Wahl des Mitte-Reformers Santiago Diaz de Velozo zum neuen Parteichef der ASUL im Herbst 2005 und der Austritt einer Reihe von linkssozialistischen Mitgliedern der ASUL aus der Partei ermöglichte es dem PCS, ein neues Bündnis mit linken ASUL-Dissidenten gegen die zunehmend als neoliberal bezeichnete Politik der rot-grünen Regierung zu schließen. Anlässlich der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006 bildete Fiali gemeinsam mit Paulo Satyres und Luca Cardoso, den Führungsfiguren der neuen linkssozialistischen und im Dissens zur ASUL gegründeten Linkspartei DSS, ein neues linkes Wahlbündnis, das mit Fiali als Spitzenkandidaten, Satyres als bekanntem Führungspolitiker und einer radikal-populistischen Anti-ASUL-Kampagne 5,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Die aus dieser Kooperation erwachsende neue vereinigte Linke Sinistra Democrática Unida wurde wesentlich von Fiali mitgeprägt, der darin eine Verwirklichung seines Versuchs der frühen Neunziger Jahre sah, eine neue integrierte linkssozialistische Reformalternative mit einer parteiähnlichen Struktur zu etablieren, die aus dem Schatten der alten KPS heraustreten könnte.
Vizepräsident der Abgeordnetenkammer (2009-2013)
Nachdem die SDU in einem breiteren Bündnis aus PCS, DSS und anderen linken Gruppen bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2009 mit 7,2 Prozent der Stimmen zur viertstärksten Kraft im Land aufgestiegen war, verzichtete Fiali - im Wahlkampf noch Spitzenkandat - auf die erneute Wahl zum Fraktionssprecher und bewarb sich für die SDU um einen Posten als Vizepräsident der Abgeordnetenkammer. Nach seiner erfolgreichen Wahl wurde Nícola Mersenburg-López, der wiederholt als Kronprinz Fialis bezeichnet wurde, zu seinem Nachfolger an der Spitze der Fraktion gewählt. Damit begann für Fiali ein Abschied auf Raten aus der aktiven Politik und aus der Führung der Linken, die im Jahr 2011 mit dem offiziellen Verzicht Fialis auf eine neuerliche Spitzenkandidatur bei der nächsten Parlamentswahl endgültig wurde.
Rückzug aus der Politik
Nach vier Jahren im Parlamentspräsidium erklärte Fiali Anfang 2013 seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur zur Abgeordnetenkammer. Nach Ablauf der Wahlperiode 2009-2013 schied er schließlich aus dem Parlament aus. Wenig später wurde er Mitherausgeber der parteinahen linken l'Humanitá.
Dennoch blieb Fiali auch in der Folge eine Integrationsfigur in seiner Partei und meldete sich vereinzelt auch in der nationalen Politik zu Wort. Nach der Parlamentswahl 2013 übte er in einem Interview mit der Zeitung Il Republicano deutliche Kritik am Kurs des SDU-Spitzenkandidaten und Fraktionssprechers Paulo Satyres und sprach sich für eine konstruktive Zusammenarbeit mit der neuen Mitte-Links-Regierung unter Mercé Serrat Cabarell aus. Seine unmissverständliche Wortwahl und sein Lob für Satyres' fraktionsinternen Gegenspieler Nícola Mersenburg-López wurde öffentlich als Bruch zwischen Fiali und Satyres interpretiert. Nachdem letzterer sich Anfang 2014 jedoch von der Fraktionsführung zurückgezogen hatte, zollte ihm Fiali in einer Rede auf dem folgenden SDU-Kongress Respekt und dankte ihm für seine Verdienste. Er rief zugleich die zerstrittenen Flügel des Linksbündnisses dazu auf, das Projekt einer neuen linken Formation nicht zu gefährden.
Politische Funktionen
Gewerkschafts- und Parteifunktionen
- 1984-1989: Stellvertreter des Ersten nationalen Sekretärs der CGL
- 1989-1991: Parteisekretär des PCS für Koordination und politische Strategie
- 1991-1997: Generalsekretär des PCS
- 1990-2009: Fraktionssprecher der Linksfraktion in der sagradischen Abgeordnetenkammer
Mandate
- 1979-2013: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
Öffentliche Ämter
- 2009-2013: Vizepräsident der sagradischen Abgeordnetenkammer