Andrés Colón: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | '''Andrés Olivera Colón''' (*26.11.1930 in [[Noyar]]) ist ein [[Sagradien|sagradischer]] [[ASUL|sozialistischer]] Politiker. Er begleitete in den Siebziger und frühen Achtziger Jahren mehrere Ministerposten und trat bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1986|Parlamentswahl 1986]] als Spitzenkandidat der sozialdemokratischen [[ASUL]] an. Von 1982 bis 1984 war er Vizegeneralsekretär unter [[Joán Caval]] und nach dessen Tod im Dezember 1984 bis 1987 selbst Parteichef der Sozialisten, von 1991 bis 1997 schließlich Präsident der [[Fundación Santiago Laval|Santiago-Laval-Stiftung]] (FSL). | ||
== Leben == | == Leben == | ||
=== Jugend, Ausbildung und frühe politische Karriere === | === Jugend, Ausbildung und frühe politische Karriere === | ||
| − | Der studierte Jurist Colón trat nach seinem Abschluss zunächst in die Finanzverwaltung der Stadt [[ | + | Der studierte Jurist Colón trat nach seinem Abschluss zunächst in die Finanzverwaltung der Stadt [[Semest]] ein und machte dort Karriere. Im Jahr 1962 wurde er Justizoberrat und daraufhin von Bürgermeister [[Joán Caval]] als politisches Nachwuchstalent entdeckt. Dieser holte das ASUL-Mitglied Colón 1964 als Mitarbeiter ins Rathaus. 1965 wurde Colón zum stellvertretenden Sekretär der [[Juventú Socialista|Sozialistischen Jugend]] gewählt, ein Amt, das er bis 1968 ausübte. In dieser Zeit erwarb sich Colón den Ruf eines linken Reformers, der die [[Guarda Jovén|Junge Garde]] der Partei um Caval, [[Paulo Centavo]] und [[Martín Solano]] unterstützte und gegen das Machtkartell der Führungstroika [[Iacovo Del Pérez]], [[Carles Domínguez-Arrás]] und [[Stefano Nacoma]] ankämpfte. Zudem gehörte er zu den Unterstützern der [[Studentenbewegung 1968 in Sagradien|Studentenbewegung des Jahres 1968]], bei der er sich bemühte, zwischen den Studenten und der Mitte-Links-Opposition zu vermitteln. |
Nach der Wahl seines Mentors Joán Caval zum Generalsekretär der Sozialisten im Jahr 1969 berief ihn dieser auf den neugeschaffenen Posten eines Nationalen Koordinator der Partei. Wesentlicher Aufgabenbereich Colóns war die Organisation des Wahlkampfs für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970]], die mit einem Erdrutschsieg der Linken endete. Während Cavals damaliger Büroleiter [[David Cabarel]] gemeinsam mit [[David Luis Aragón]] wesentlich für die reibungslose Organisation des Wahlkampfs verantwortlich zeichnete, gehörte Colón zusammen mit [[Martín Solano]] und [[José Helguerra]] zu den Köpfen hinter dem Wahlprogramm Cavals, das unter dem Titel „[[Renovación Democrática]]“ umfangreiche Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Justizpolitik versprach. Colón wurde von Ministerpräsident Caval 1972 als [[Minister der Präsidentschaft|Kabinettschef im Ministerrang]] in die Regierung berufen, wo er als Cheforganisator der Regierungsarbeit wirkte. | Nach der Wahl seines Mentors Joán Caval zum Generalsekretär der Sozialisten im Jahr 1969 berief ihn dieser auf den neugeschaffenen Posten eines Nationalen Koordinator der Partei. Wesentlicher Aufgabenbereich Colóns war die Organisation des Wahlkampfs für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970]], die mit einem Erdrutschsieg der Linken endete. Während Cavals damaliger Büroleiter [[David Cabarel]] gemeinsam mit [[David Luis Aragón]] wesentlich für die reibungslose Organisation des Wahlkampfs verantwortlich zeichnete, gehörte Colón zusammen mit [[Martín Solano]] und [[José Helguerra]] zu den Köpfen hinter dem Wahlprogramm Cavals, das unter dem Titel „[[Renovación Democrática]]“ umfangreiche Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Justizpolitik versprach. Colón wurde von Ministerpräsident Caval 1972 als [[Minister der Präsidentschaft|Kabinettschef im Ministerrang]] in die Regierung berufen, wo er als Cheforganisator der Regierungsarbeit wirkte. | ||
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Nach der [[Parlamentswahl 1976]] wurde Colón auf Vorschlag Cavals hin zum Sprecher der sozialistischen Fraktion in der Abgeordnetenkammer gewählt. In den folgenden Jahren profilierte sich Colón als parteiinterner Führer der Parteilinken, die zunehmend Kritik am Regierungskurs der sozialistisch-bürgerlichen Koalition übten. Am Entwurf des 1977 verabschiedeten [[Manifesto de Semesta 1977|Semestiner Programms]] war Colón als Mitglied der zuständigen Kommission führend beteiligt. Das Programm betonte den Charakter der Partei als linke Reformpartei und wurde als pointiertes Absetzungsmanöver vom liberalen Koalitionspartner gewertet. Vor allem die Passagen zum Arbeitnehmerschutz und zur Mitbestimmung sowie zur Möglichkeit der Eingriffe des Staates ins kapitalistische Wirtschaftssystem wurden von Colón konzipiert. | Nach der [[Parlamentswahl 1976]] wurde Colón auf Vorschlag Cavals hin zum Sprecher der sozialistischen Fraktion in der Abgeordnetenkammer gewählt. In den folgenden Jahren profilierte sich Colón als parteiinterner Führer der Parteilinken, die zunehmend Kritik am Regierungskurs der sozialistisch-bürgerlichen Koalition übten. Am Entwurf des 1977 verabschiedeten [[Manifesto de Semesta 1977|Semestiner Programms]] war Colón als Mitglied der zuständigen Kommission führend beteiligt. Das Programm betonte den Charakter der Partei als linke Reformpartei und wurde als pointiertes Absetzungsmanöver vom liberalen Koalitionspartner gewertet. Vor allem die Passagen zum Arbeitnehmerschutz und zur Mitbestimmung sowie zur Möglichkeit der Eingriffe des Staates ins kapitalistische Wirtschaftssystem wurden von Colón konzipiert. | ||
| − | === Comeback 1979 und | + | === Comeback 1979 und Führer der Parteilinken === |
| − | Seine Führungsstellung innerhalb der Parteilinken untermauerte Colón bald auch durch die Gründung einer eigenen Strömung. Sein 1978 gegründeter Corrente stellte einen Versuch dar, die alte Traditionslinke der Partei mit der jüngeren aus den Neuen Sozialen Bewegungen stammenden Linken zu verbünden. Seine Anhängerschaft im Corrente „[[Corrente Colonista|Solidaritá Justa]]“ umfasste einen Großteil des alten Gewerkschaftsflügels der Partei sowie jüngere Mitglieder und drängte auf weitergehende Sozialstaats- und Wirtschaftsreformen. Der gestiegene Einfluss Colóns in der Partei spiegelte sich in seiner Berufung ins Wahlkampfteam der Sozialisten bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer | + | Seine Führungsstellung innerhalb der Parteilinken untermauerte Colón bald auch durch die Gründung einer eigenen Strömung. Sein 1978 gegründeter Corrente stellte einen Versuch dar, die alte Traditionslinke der Partei mit der jüngeren aus den Neuen Sozialen Bewegungen stammenden Linken zu verbünden. Seine Anhängerschaft im Corrente „[[Corrente Colonista|Solidaritá Justa]]“ umfasste einen Großteil des alten Gewerkschaftsflügels der Partei sowie jüngere Mitglieder und drängte auf weitergehende Sozialstaats- und Wirtschaftsreformen. Der gestiegene Einfluss Colóns in der Partei spiegelte sich in seiner Berufung ins Wahlkampfteam der Sozialisten bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1978|neuerlichen vorgezogenen Parlamentswahlen im Jahr 1978]] wider, wo Colón für die Sozialpolitik verantwortlich zeichnete. Die Sozialisten verloren die Wahl und wurden erstmals seit neun Jahren wieder nicht stärkste Kraft im Parlament. |
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| + | In der Opposition zur Mitte-Rechts-Regierung unter [[Sandro de la Nada]] gehörte Colón neben Parteichef [[Joán Caval]], [[Donado Ricardes]] und [[Stefano Nacoma]] zu den landesweit bekannten Führungspersönlichkeiten der Partei. Er bemühte sich als Führer der Parteilinken vor allem um einen Schulterschluss mit der jüngeren Generation und mit den neuen sozialen Bewegungen wie der Friedens- und der Anti-Atomkraft-Bewegung. | ||
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| + | Nachdem sich Konservative und Sozialisten im Sommer 1981 auf die Bildung einer Großen Koalitionsregierung unter [[Sandro de la Nada]] geeinigt hatten, wurde Colón - obwohl dem Regierungsbündnis äußerst skeptisch gegenüberstehend - in der neuen Regierung mit dem Amt des Arbeitsministers betraut. Als solcher organisierte er in Mitten einer schweren Wirtschaftskrise ein Bündnis zwischen Arbeitgebern, Staat und Arbeitnehmern, das als Grundstein der ökonomischen Erholung angesehen wurde. | ||
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| + | Colóns wiederholte Streitereien mit [[Alfonso Guivares]] und anderen Vertretern des rechten PPC-Flügels, sein Widerstand gegen Teile der Außenpolitik der Regierung sowie sein Versuch, ein zweites, dezidiert arbeitnehmerfreundliches Folge-Übereinkommen zu erzielen, führten zu seiner Isolation im Kabinett und im Dezember 1981 schließlich zum freiwilligen Ausscheiden aus der Regierung. Vorangegangen war eine veritable Regierungskrise, in der wesentliche Teile der Konservativen das Schicksal der Regierung vom Verbleiben des Ministers Colón abhängig gemacht hatten. Colón blieb aber in einer zentralen Machtfunktion in der Partei und stieg 1982 schließlich als Nachfolger von [[Stefano Nacoma]] zum Vize-Generalsekretär der Partei auf. Als solcher galt er auch als präsumptiver Thronerbe und Kronprinz von Parteichef Caval. | ||
| − | + | === Parteichef und Wahlniederlage 1986 === | |
| + | Die Wahlniederlage der Sozialisten bei der [[Parlamentswahl 1982]] wurde von Kritikern zum Teil dem obstruktiven Verhalten Colóns angelastet, er selbst aber ging als Kritiker des Abenteuers Große Koalition, das vom Wähler nicht honoriert worden war, gestärkt aus der Wahl hervor und übernahm anschließend die Führung der sozialistischen Parlamentsgruppe in der Abgeordnetenkammer. | ||
| − | + | Nach der Ermordnung Joán Cavals im Dezember 1984 musste Colón zunächst kommissarisch das Amt des Parteichefs übernehmen und wurde schließlich als Nachfolger Cavals im Amt des Generalsekretärs der Partei bestätigt. Unter seiner Führung steuerte die Partei einen dezidiert regierungskritischen Linkskurs und suchte eine "neosozialistische Renaissance". Die von ihm entwickelten Konzepte wurden jedoch von Kritikern als wachstumsfeindlich zurückgewiesen und lediglich von Teilen der Gewerkschaftsbewegung für gut geheißen. Vor allem der wirtschaftsfreundliche Parteiflügel um [[Donado Ricardes]] und andere ging auf innerparteilichen Konfrontationskurs zum Programm des Vorsitzenden Colón. | |
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| − | + | Die innere Zerstrittenheit der Partei, aber auch das scharfe, stark polarisierende Auftreten des Kandidaten Colón im Wahlkampf trugen zur deutlichen Niederlage der Sozialisten bei der [[Parlamentswahl 1986]] bei. Mit weniger als 30 Prozent der Stimmen musste Colón das bis dahin zweitschlechteste Ergebnis seiner Partei in der Nachkriegsgeschichte verantworten. Die Niederlage führte schließlich zur endgültigen Isolation Colóns in seiner Partei und zur offenen Rebellion der Parteirechten, die auf dem Parteikongress in Noyar 1987 schließlich ihren Kandidaten [[Donado Ricardes]] ins Rennen um das Generalsekretariat der Partei schickten. Colón verlor die Abstimmung gegen Ricardes deutlich und schied aus der engeren Parteiführung aus. | |
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| − | + | === Letzte Karrierejahre === | |
| + | Während die Partei unter Ricardes einen Kurs der Mitte steuerte und eine wirtschafts- und haushaltspolitische Kurskorrektur vornahm, zog sich Colón nach und nach aus den entscheidenden Parteipositionen zurück. Dem 1990 gebildeten [[Kabinett Ricardes I|Kabinett Ricardes]] gehörte er nicht an und zog stattdessen den repräsentativen stellvertretenden Vorsitz der Abgeordnetenkammer vor. Gleichzeitig verschärfte sich seine Kritik an dem aus seiner Sicht zu wirtschaftsliberalen Kurs der Parteiführung um Ricardes. | ||
Im Jahr 1991 wurde Colón schließlich als Nachfolger [[Iacovo Del Pérez]]’ zum Präsidenten der parteinahen [[Santiago-Laval-Stiftung]] (FSL) gewählt. Bei den Urwahlen für das Amt des Generalsekretärs der Partei unterstützte Colón 1992 öffentlich den jungen Linken [[Paulo Satyres]] gegen den Semestiner Bürgermeister [[António Grande Illega]], der aber die Abstimmung für sich entscheiden konnte. Nachdem er 1994 aus der Abgeordnetenkammer ausgeschieden war, trat Colón im Jahr 1997 auch von der Spitze der FSL zurück und zog sich in sein Privathaus auf [[Cuentez]] zurück. Danach schrieb er im Wechsel mit dem konservativen [[Joán Perón]] regelmäßig eine politische Kolumne in der linksliberalen Wochenzeitung [[Il Tiempo]]. | Im Jahr 1991 wurde Colón schließlich als Nachfolger [[Iacovo Del Pérez]]’ zum Präsidenten der parteinahen [[Santiago-Laval-Stiftung]] (FSL) gewählt. Bei den Urwahlen für das Amt des Generalsekretärs der Partei unterstützte Colón 1992 öffentlich den jungen Linken [[Paulo Satyres]] gegen den Semestiner Bürgermeister [[António Grande Illega]], der aber die Abstimmung für sich entscheiden konnte. Nachdem er 1994 aus der Abgeordnetenkammer ausgeschieden war, trat Colón im Jahr 1997 auch von der Spitze der FSL zurück und zog sich in sein Privathaus auf [[Cuentez]] zurück. Danach schrieb er im Wechsel mit dem konservativen [[Joán Perón]] regelmäßig eine politische Kolumne in der linksliberalen Wochenzeitung [[Il Tiempo]]. | ||
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* 1972-1974: [[Minister der Präsidentschaft]] im [[Kabinett Caval II]] | * 1972-1974: [[Minister der Präsidentschaft]] im [[Kabinett Caval II]] | ||
* 1974-1976: [[Minister für Wirtschaft und Industrie]] und [[Vizeministerpräsident]] im [[Kabinett Caval III]] | * 1974-1976: [[Minister für Wirtschaft und Industrie]] und [[Vizeministerpräsident]] im [[Kabinett Caval III]] | ||
| − | * | + | * 1981: [[Minister für Arbeit und Soziale Angelegenheiten]] im [[Kabinett Nada II]] |
| − | * | + | * 1990-1994: Vizepräsident der sagradischen [[Abgeordnetenkammer]] |
=== Parteifunktionen === | === Parteifunktionen === | ||
* 1969-1972: Nationaler Koordinator der [[ASUL]] | * 1969-1972: Nationaler Koordinator der [[ASUL]] | ||
| − | * 1975-1980: | + | * 1975-1980: Parteisekretär der [[ASUL]] in der Provinz [[Semestina-Capital]] |
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* 1982-1986: Fraktionssprecher der [[ASUL]] in der [[Abgeordnetenkammer]] | * 1982-1986: Fraktionssprecher der [[ASUL]] in der [[Abgeordnetenkammer]] | ||
| − | * 1982- | + | * 1982-1984: Vizegeneralsekretär der [[ASUL]] |
| − | * 1984- | + | * 1984-1987: Generalsekretär der [[ASUL]] |
* 1984-1992: Vizepräsident der Sozialistischen Internationale | * 1984-1992: Vizepräsident der Sozialistischen Internationale | ||
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Aktuelle Version vom 7. April 2025, 15:03 Uhr
Andrés Olivera Colón (*26.11.1930 in Noyar) ist ein sagradischer sozialistischer Politiker. Er begleitete in den Siebziger und frühen Achtziger Jahren mehrere Ministerposten und trat bei der Parlamentswahl 1986 als Spitzenkandidat der sozialdemokratischen ASUL an. Von 1982 bis 1984 war er Vizegeneralsekretär unter Joán Caval und nach dessen Tod im Dezember 1984 bis 1987 selbst Parteichef der Sozialisten, von 1991 bis 1997 schließlich Präsident der Santiago-Laval-Stiftung (FSL).
Inhaltsverzeichnis
Leben[bearbeiten]
Jugend, Ausbildung und frühe politische Karriere[bearbeiten]
Der studierte Jurist Colón trat nach seinem Abschluss zunächst in die Finanzverwaltung der Stadt Semest ein und machte dort Karriere. Im Jahr 1962 wurde er Justizoberrat und daraufhin von Bürgermeister Joán Caval als politisches Nachwuchstalent entdeckt. Dieser holte das ASUL-Mitglied Colón 1964 als Mitarbeiter ins Rathaus. 1965 wurde Colón zum stellvertretenden Sekretär der Sozialistischen Jugend gewählt, ein Amt, das er bis 1968 ausübte. In dieser Zeit erwarb sich Colón den Ruf eines linken Reformers, der die Junge Garde der Partei um Caval, Paulo Centavo und Martín Solano unterstützte und gegen das Machtkartell der Führungstroika Iacovo Del Pérez, Carles Domínguez-Arrás und Stefano Nacoma ankämpfte. Zudem gehörte er zu den Unterstützern der Studentenbewegung des Jahres 1968, bei der er sich bemühte, zwischen den Studenten und der Mitte-Links-Opposition zu vermitteln.
Nach der Wahl seines Mentors Joán Caval zum Generalsekretär der Sozialisten im Jahr 1969 berief ihn dieser auf den neugeschaffenen Posten eines Nationalen Koordinator der Partei. Wesentlicher Aufgabenbereich Colóns war die Organisation des Wahlkampfs für die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970, die mit einem Erdrutschsieg der Linken endete. Während Cavals damaliger Büroleiter David Cabarel gemeinsam mit David Luis Aragón wesentlich für die reibungslose Organisation des Wahlkampfs verantwortlich zeichnete, gehörte Colón zusammen mit Martín Solano und José Helguerra zu den Köpfen hinter dem Wahlprogramm Cavals, das unter dem Titel „Renovación Democrática“ umfangreiche Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Justizpolitik versprach. Colón wurde von Ministerpräsident Caval 1972 als Kabinettschef im Ministerrang in die Regierung berufen, wo er als Cheforganisator der Regierungsarbeit wirkte.
Wirtschaftsminister, Affäre und Rücktritt[bearbeiten]
Nach der erfolgreichen Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974, die in einem erneuten Sieg der Sozialisten endete, stieg Colón abermals auf und wurde im neuen Kabinett Caval III Minister für Wirtschaft und Industrie. Zusammen mit Finanzminister Francisco Montone war er nun für die ökonomische Politik verantwortlich. Als überzeugter Anhänger einer staatsinterventionistischen Wirtschaftspolitik setzte er ein stringentes linkskeynesianisches Programm um, hatte jedoch Schwierigkeiten, den Folgen der Ölkrise von 1973 zu begegnen. Im Herbst 1976, mitten im Wahlkampf der Sozialisten für die vorgezogene Parlamentswahl kam es zu einer politischen Affäre um Colón, dem eine Affäre mit einer Mitarbeiterin nachgewiesen wurde, die er nicht nur mit einer Beförderung auf einen besser bezahlten Posten in seinem Ministerium, sondern auch mit aus der öffentlichen Kasse bezahlten Hotelübernachtungen entlohnte. Colón musste nach heftigen Angriffen auf seine Person seinen Rücktritt erklären, um den Schaden für die Partei zu begrenzen. Nachfolger wurde mit Donado Ricardes ausgerechnet ein Vertreter einer eher liberalen Wirtschaftspolitik, was allgemein als Zeichen für eine Annäherung der ASUL an die bürgerliche Rechte gedeutet wurde.
Nach der Parlamentswahl 1976 wurde Colón auf Vorschlag Cavals hin zum Sprecher der sozialistischen Fraktion in der Abgeordnetenkammer gewählt. In den folgenden Jahren profilierte sich Colón als parteiinterner Führer der Parteilinken, die zunehmend Kritik am Regierungskurs der sozialistisch-bürgerlichen Koalition übten. Am Entwurf des 1977 verabschiedeten Semestiner Programms war Colón als Mitglied der zuständigen Kommission führend beteiligt. Das Programm betonte den Charakter der Partei als linke Reformpartei und wurde als pointiertes Absetzungsmanöver vom liberalen Koalitionspartner gewertet. Vor allem die Passagen zum Arbeitnehmerschutz und zur Mitbestimmung sowie zur Möglichkeit der Eingriffe des Staates ins kapitalistische Wirtschaftssystem wurden von Colón konzipiert.
Comeback 1979 und Führer der Parteilinken[bearbeiten]
Seine Führungsstellung innerhalb der Parteilinken untermauerte Colón bald auch durch die Gründung einer eigenen Strömung. Sein 1978 gegründeter Corrente stellte einen Versuch dar, die alte Traditionslinke der Partei mit der jüngeren aus den Neuen Sozialen Bewegungen stammenden Linken zu verbünden. Seine Anhängerschaft im Corrente „Solidaritá Justa“ umfasste einen Großteil des alten Gewerkschaftsflügels der Partei sowie jüngere Mitglieder und drängte auf weitergehende Sozialstaats- und Wirtschaftsreformen. Der gestiegene Einfluss Colóns in der Partei spiegelte sich in seiner Berufung ins Wahlkampfteam der Sozialisten bei den neuerlichen vorgezogenen Parlamentswahlen im Jahr 1978 wider, wo Colón für die Sozialpolitik verantwortlich zeichnete. Die Sozialisten verloren die Wahl und wurden erstmals seit neun Jahren wieder nicht stärkste Kraft im Parlament.
In der Opposition zur Mitte-Rechts-Regierung unter Sandro de la Nada gehörte Colón neben Parteichef Joán Caval, Donado Ricardes und Stefano Nacoma zu den landesweit bekannten Führungspersönlichkeiten der Partei. Er bemühte sich als Führer der Parteilinken vor allem um einen Schulterschluss mit der jüngeren Generation und mit den neuen sozialen Bewegungen wie der Friedens- und der Anti-Atomkraft-Bewegung.
Minister der Großen Koalition[bearbeiten]
Nachdem sich Konservative und Sozialisten im Sommer 1981 auf die Bildung einer Großen Koalitionsregierung unter Sandro de la Nada geeinigt hatten, wurde Colón - obwohl dem Regierungsbündnis äußerst skeptisch gegenüberstehend - in der neuen Regierung mit dem Amt des Arbeitsministers betraut. Als solcher organisierte er in Mitten einer schweren Wirtschaftskrise ein Bündnis zwischen Arbeitgebern, Staat und Arbeitnehmern, das als Grundstein der ökonomischen Erholung angesehen wurde.
Colóns wiederholte Streitereien mit Alfonso Guivares und anderen Vertretern des rechten PPC-Flügels, sein Widerstand gegen Teile der Außenpolitik der Regierung sowie sein Versuch, ein zweites, dezidiert arbeitnehmerfreundliches Folge-Übereinkommen zu erzielen, führten zu seiner Isolation im Kabinett und im Dezember 1981 schließlich zum freiwilligen Ausscheiden aus der Regierung. Vorangegangen war eine veritable Regierungskrise, in der wesentliche Teile der Konservativen das Schicksal der Regierung vom Verbleiben des Ministers Colón abhängig gemacht hatten. Colón blieb aber in einer zentralen Machtfunktion in der Partei und stieg 1982 schließlich als Nachfolger von Stefano Nacoma zum Vize-Generalsekretär der Partei auf. Als solcher galt er auch als präsumptiver Thronerbe und Kronprinz von Parteichef Caval.
Parteichef und Wahlniederlage 1986[bearbeiten]
Die Wahlniederlage der Sozialisten bei der Parlamentswahl 1982 wurde von Kritikern zum Teil dem obstruktiven Verhalten Colóns angelastet, er selbst aber ging als Kritiker des Abenteuers Große Koalition, das vom Wähler nicht honoriert worden war, gestärkt aus der Wahl hervor und übernahm anschließend die Führung der sozialistischen Parlamentsgruppe in der Abgeordnetenkammer.
Nach der Ermordnung Joán Cavals im Dezember 1984 musste Colón zunächst kommissarisch das Amt des Parteichefs übernehmen und wurde schließlich als Nachfolger Cavals im Amt des Generalsekretärs der Partei bestätigt. Unter seiner Führung steuerte die Partei einen dezidiert regierungskritischen Linkskurs und suchte eine "neosozialistische Renaissance". Die von ihm entwickelten Konzepte wurden jedoch von Kritikern als wachstumsfeindlich zurückgewiesen und lediglich von Teilen der Gewerkschaftsbewegung für gut geheißen. Vor allem der wirtschaftsfreundliche Parteiflügel um Donado Ricardes und andere ging auf innerparteilichen Konfrontationskurs zum Programm des Vorsitzenden Colón.
Die innere Zerstrittenheit der Partei, aber auch das scharfe, stark polarisierende Auftreten des Kandidaten Colón im Wahlkampf trugen zur deutlichen Niederlage der Sozialisten bei der Parlamentswahl 1986 bei. Mit weniger als 30 Prozent der Stimmen musste Colón das bis dahin zweitschlechteste Ergebnis seiner Partei in der Nachkriegsgeschichte verantworten. Die Niederlage führte schließlich zur endgültigen Isolation Colóns in seiner Partei und zur offenen Rebellion der Parteirechten, die auf dem Parteikongress in Noyar 1987 schließlich ihren Kandidaten Donado Ricardes ins Rennen um das Generalsekretariat der Partei schickten. Colón verlor die Abstimmung gegen Ricardes deutlich und schied aus der engeren Parteiführung aus.
Letzte Karrierejahre[bearbeiten]
Während die Partei unter Ricardes einen Kurs der Mitte steuerte und eine wirtschafts- und haushaltspolitische Kurskorrektur vornahm, zog sich Colón nach und nach aus den entscheidenden Parteipositionen zurück. Dem 1990 gebildeten Kabinett Ricardes gehörte er nicht an und zog stattdessen den repräsentativen stellvertretenden Vorsitz der Abgeordnetenkammer vor. Gleichzeitig verschärfte sich seine Kritik an dem aus seiner Sicht zu wirtschaftsliberalen Kurs der Parteiführung um Ricardes.
Im Jahr 1991 wurde Colón schließlich als Nachfolger Iacovo Del Pérez’ zum Präsidenten der parteinahen Santiago-Laval-Stiftung (FSL) gewählt. Bei den Urwahlen für das Amt des Generalsekretärs der Partei unterstützte Colón 1992 öffentlich den jungen Linken Paulo Satyres gegen den Semestiner Bürgermeister António Grande Illega, der aber die Abstimmung für sich entscheiden konnte. Nachdem er 1994 aus der Abgeordnetenkammer ausgeschieden war, trat Colón im Jahr 1997 auch von der Spitze der FSL zurück und zog sich in sein Privathaus auf Cuentez zurück. Danach schrieb er im Wechsel mit dem konservativen Joán Perón regelmäßig eine politische Kolumne in der linksliberalen Wochenzeitung Il Tiempo.
Politische Funktionen[bearbeiten]
Öffentliche Ämter[bearbeiten]
- 1972-1974: Minister der Präsidentschaft im Kabinett Caval II
- 1974-1976: Minister für Wirtschaft und Industrie und Vizeministerpräsident im Kabinett Caval III
- 1981: Minister für Arbeit und Soziale Angelegenheiten im Kabinett Nada II
- 1990-1994: Vizepräsident der sagradischen Abgeordnetenkammer
Parteifunktionen[bearbeiten]
- 1969-1972: Nationaler Koordinator der ASUL
- 1975-1980: Parteisekretär der ASUL in der Provinz Semestina-Capital
- 1977-1981: Fraktionssprecher der ASUL in der Abgeordnetenkammer
- 1982-1986: Fraktionssprecher der ASUL in der Abgeordnetenkammer
- 1982-1984: Vizegeneralsekretär der ASUL
- 1984-1987: Generalsekretär der ASUL
- 1984-1992: Vizepräsident der Sozialistischen Internationale
Mandate[bearbeiten]
- 1970-1994: Mitglied der sagradischen Abgeordnetenkammer
- 1977-1981: Regionalrat in der Region Semestina
sonstige Ämter[bearbeiten]
- 1991-1997: Präsident der Fundación Santiago Laval
