Manuel Sants-Igualde: Unterschied zwischen den Versionen
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Nach seiner Promotion zum Dr. jur. arbeitete Sants für einen rechtskatholischen Juristenverband und wurde 1925 Chefredakteur der Zeitschrift ''La Nova Epoca''. Nachdem er bereits zuvor in die nationale Führungsriege der Jugendzirkel aufgestiegen war, wurde er 1927 deren ''Chefe Nacional''. | Nach seiner Promotion zum Dr. jur. arbeitete Sants für einen rechtskatholischen Juristenverband und wurde 1925 Chefredakteur der Zeitschrift ''La Nova Epoca''. Nachdem er bereits zuvor in die nationale Führungsriege der Jugendzirkel aufgestiegen war, wurde er 1927 deren ''Chefe Nacional''. | ||
| − | Als solcher führte er die Jugendorganisation der [[Volksunion]] auf einen autoritär inspirierten Rechtskurs, der die Zirkel zeitweise in Widerspruch zur Mutterpartei brachte. Erklärtes Ziel war die ''geistige Erneuerung'' der sagradischen Nation auf ''völkischer'' (popularer) Grundlage. | + | Als solcher führte er die Jugendorganisation der [[Volksunion]] auf einen autoritär inspirierten Rechtskurs, der die Zirkel zeitweise in Widerspruch zur Mutterpartei brachte. Erklärtes Ziel war die ''geistige Erneuerung'' der sagradischen Nation auf ''völkischer'' (popularer) Grundlage. Dabei nahm Sants-Igualde bewusst Anleihen an den Führungsstrukturen und Inszenierungen faschistischer Parteien seiner Zeit, denen er seine Version eines "demokratischen Führers" entgegenzusetzen suchte. |
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Im Kampf gegen die "linke Republik" tolerierte Sants auch punktuelle Kooperationen mit rechtsextremen Kreisen aus dem Umfeld des Faschistenführers [[León Francês]]. 1937 kam es zu gemeinsamen Demonstrationen von Volksunion und faschistischen Sympathisanten gegen die Linksregierung. Zwar distanzierte sich Sants von Francês und seiner politischen Gewalt, verteidigte aber das gemeinsame Ziel der Abwehr des Kommunismus. Im November 1937 entging Sants nur knapp einem anarchistischen Attentat. Nach dem tödlichen Attentat auf Präsident [[Santiago Laval]] im Mai 1938 durch einen Faschisten distanzierte sich Sants-Igualde deutlich von den Faschisten und kündigte alle lokalen Bündnisse mit der [[Frente Fraternal]] auf. | Im Kampf gegen die "linke Republik" tolerierte Sants auch punktuelle Kooperationen mit rechtsextremen Kreisen aus dem Umfeld des Faschistenführers [[León Francês]]. 1937 kam es zu gemeinsamen Demonstrationen von Volksunion und faschistischen Sympathisanten gegen die Linksregierung. Zwar distanzierte sich Sants von Francês und seiner politischen Gewalt, verteidigte aber das gemeinsame Ziel der Abwehr des Kommunismus. Im November 1937 entging Sants nur knapp einem anarchistischen Attentat. Nach dem tödlichen Attentat auf Präsident [[Santiago Laval]] im Mai 1938 durch einen Faschisten distanzierte sich Sants-Igualde deutlich von den Faschisten und kündigte alle lokalen Bündnisse mit der [[Frente Fraternal]] auf. | ||
| − | Nach dem Zerfall der linken [[Volksfront]] trat Sants-Igualde im Juni 1938 in eine [[Kabinett Cajanier|Regierung der nationalen Solidarität]] unter dem [[PRI|Unabhängigen Radikalen]] [[Julen Cajanier]] ein | + | Nach dem Zerfall der linken [[Volksfront]] trat Sants-Igualde im Juni 1938 in eine [[Kabinett Cajanier|Regierung der nationalen Solidarität]] unter dem [[PRI|Unabhängigen Radikalen]] [[Julen Cajanier]] ein und rückte an die Spitze des [[Außenministerium]]s. Im Januar 1939 übernahm Sants-Igualde schließlich selbst erneut die Führung der Regierung. Da diese aber keine Mehrheit im Parlament hatte, bat er Präsident [[Luciano Capón]] um vorzeitige Auflösung des Parlaments. Aus der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1939|folgenden Parlamentswahl im April 1939]] ging seine Koalition aus [[UP]], [[ARL]] und [[PRI]] siegreich hervor. |
=== Zweiter Weltkrieg === | === Zweiter Weltkrieg === | ||
| − | Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Sants in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte Sants, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Sants sein Programm der | + | Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Sants in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte Sants, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Sants sein Programm der „[[Comunión Nacional|Nationalen Kommunion]]“, in der das ganze Land die Integrität und Sicherheit der Nation verteidigen sollte. |
Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Sants, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein. Das Gesetz erhielt schließlich eine klare parlamentarische Mehrheit, nachdem auch Teile der [[Partíu Radical]] mehrheitlich zugestimmt hatte. | Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Sants, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein. Das Gesetz erhielt schließlich eine klare parlamentarische Mehrheit, nachdem auch Teile der [[Partíu Radical]] mehrheitlich zugestimmt hatte. | ||
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=== Nach der Ministerpräsidentschaft === | === Nach der Ministerpräsidentschaft === | ||
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| − | + | Sants' Versuche, die [[Volksunion]] am Ende des Krieges wiederzubeleben, schlugen fehl. Stattdessen setzte die Gruppe um [[Amentino Xavier-Castrell]] im Januar 1945 die Auflösung der UP und die Übertragung ihrer Mittel an den neu gegründeten [[Partíu Popular de Convergência]] durch, der sich als neue Mitte-Rechts-Partei in die Tradition der "popularen" Parteien der Vorkriegszeit stellte. Dessen Führung wurde nun von Personen wie [[Amentino Xavier-Castrell]], [[Fernando de la Roya]] und [[Paulo Luciaro]] dominiert, während Sants-Igualde keine führende Rolle mehr spielte und sich stattdessen ins Privatleben zurückzog. | |
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| − | Sants Versuche, die [[Volksunion]] am Ende des Krieges wiederzubeleben, schlugen fehl. Stattdessen setzte die Gruppe um [[Amentino Xavier-Castrell]] im Januar 1945 die Auflösung der UP und die Übertragung ihrer Mittel an den neu gegründeten [[Partíu Popular de Convergência]] durch, der sich als neue Mitte-Rechts-Partei in die Tradition der "popularen" Parteien der Vorkriegszeit stellte. Dessen Führung wurde nun von Personen wie [[Amentino Xavier-Castrell]], [[Fernando de la Roya]] und [[Paulo Luciaro]] dominiert, während Sants-Igualde keine führende Rolle mehr spielte und sich stattdessen ins Privatleben zurückzog. | ||
=== Historische Einschätzung === | === Historische Einschätzung === | ||
| − | Die Person und Politik Manuel Sants gehört zu den umstrittensten Kapiteln der sagradischen Geschichte. Lange Zeit war das sagradische Geschichtsbild vom Glauben bestimmt, Sagradien habe seit 1891 kontinuierlich einen demokratischen Weg beschritten und habe auch der Gefahr des Faschismus widerstanden. Das lange Festhalten Sagradiens an einer neutralen Position im Zweiten Weltkrieg wurde | + | Die Person und Politik Manuel Sants gehört zu den umstrittensten Kapiteln der sagradischen Geschichte. Lange Zeit war das sagradische Geschichtsbild vom Glauben bestimmt, Sagradien habe seit 1891 kontinuierlich einen demokratischen Weg beschritten und habe auch der Gefahr des Faschismus widerstanden. Das lange Festhalten Sagradiens an einer neutralen Position im Zweiten Weltkrieg wurde mit pazifistischen und sicherheitspolitischen Motiven erklärt. Das Regime Sants wurde dabei von mehreren Generationen von Historikern mehrheitlich als Notstandsregime verstanden, das auf einem Mehrheitskonsens in der Bevölkerung beruht habe. Lediglich die Einschränkung von Bürgerrechten wurde kritisiert, aber unter Verweis auf die Notsituation relativiert. Eine solche Auffassung wurde auch von der offiziösen Geschichtspolitik der sagradischen Nachkriegsregierungen vertreten und prägt noch heute das Denken von großen Teilen der politischen Rechten in Sagradien. |
| − | Erst in den Sechziger Jahren wurde größere Kritik an diesem Geschichtsbild geäußert. Vor allem von Seiten der politischen Linken wurde Sants nun verstärkt mit den diversen faschistischen und autoritativen Strömungen im Europa der Zwischenkriegszeit in Verbindung gebracht. Die neue Kritik wurde bald auch durch Quellen untermauert, die | + | Erst in den Sechziger Jahren wurde größere Kritik an diesem Geschichtsbild geäußert. Vor allem von Seiten der politischen Linken wurde Sants nun verstärkt mit den diversen faschistischen und autoritativen Strömungen im Europa der Zwischenkriegszeit in Verbindung gebracht. Die neue Kritik wurde bald auch durch Quellen untermauert, die Sants' Verhältnis zu Faschismus und Nationalsozialismus deutlich werden ließen. Wie aus Dokumenten hervorgeht, zeigte Sants in den Zwanziger und noch in den Dreißiger Jahren gegenüber Vertrauten eine Bewunderung für die Person Mussolinis. An Hitler kritisierte er anfänglich die antiklerikalen Tendenzen, gewann ihm aber auch positive Seiten ab. So zeigte er sich außenpolitisch noch nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überzeugt, Hitler vertrete legitime Anliegen. Inwieweit dies Sants' eigene Politik beeinflusste ist jedoch ebenso umstritten, wie die Frage nach den eigenen staatspolitischen Zielen. |
| − | Heutige Forscher weisen mehrheitlich auf die Verwurzelung Sants in der katholisch-konservativen Rechten der Zwischenkriegszeit hin, in der der Gedanke einer autoritativen Transformation und der Stärkung der Exekutive zulasten des Parlaments weit verbreitet war. Zwar konnte sich kein allgemeiner antidemokratischer Konsens herausbilden wie in anderen Ländern Europas, doch zeigten sich auch in Sagradien antiparlamentarische Tendenzen sowohl auf der Linken wie auf der Rechten. Nach wie vor aber wird die Phase der "Nationalen Kommunion" in Sagradien kontrovers beurteilt. | + | Heutige Forscher weisen mehrheitlich auf die Verwurzelung Sants' und seines Umfelds in der katholisch-konservativen Rechten der Zwischenkriegszeit hin, in der der Gedanke einer autoritativen Transformation und der Stärkung der Exekutive zulasten des Parlaments weit verbreitet war. Zwar konnte sich kein allgemeiner antidemokratischer Konsens herausbilden wie in anderen Ländern Europas, doch zeigten sich auch in Sagradien antiparlamentarische Tendenzen sowohl auf der Linken wie auf der Rechten. Nach wie vor aber wird die Phase der "Nationalen Kommunion" in Sagradien kontrovers beurteilt. |
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Aktuelle Version vom 11. September 2024, 17:11 Uhr
José Manuel Sants-Igualde (*1895 in Carrel d'Armôria; +1960) war ein sagradischer Jurist und Politiker. Als Parteichef der rechtskonservativen Unión Popular, Führer des Nationalen Blocks und als langjähriger sagradischer Ministerpräsident von 1932 bis 1934, von 1934 bis 1936 sowie erneut von 1939 bis 1941 war er während er Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts eine der dominanten Persönlichkeiten der sagradischen Politik.
Sants-Igualde war der letzte Regierungschef der Zweiten Republik vor dem Zweiten Weltkrieg und gilt bis heute als eine der umstrittensten historischen Figuren Sagradiens im 20. Jahrhundert. Außenpolitisch setzte er nach seinem Amtsantritt auf eine Appeasement-Politik gegenüber dem Deutschen Reich, und nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf eine abwehrbereite Neutralität. Um sein Land aus einer militärischen Konfrontation mit dem NS-Regime herauszuhalten, war er auch zu Zugeständnissen gegenüber Deutschland bereit. Innenpolitisch wiederum setzte er, mit weitreichenden exekutiven Vollmachten ausgestattet, auf autoritäre Führung und die Beschneidung politischer Opposition.
Während sich seine "Regierung der Nationalen Kommunion" anfänglich auf eine breite Koalition bürgerlicher, antikommunistischer und neutralistischer Kräfte stützen konnte, mehrte sich im Laufe der Zeit die Kritik im In- und Ausland. Mit dem Angriff Japans auf die Johannarischen Inseln im Dezember 1941 und dem Eintritt Sagradiens in den Zweiten Weltkrieg galt die Regierung der Nationalen Kommunion als gescheitert. Sants-Igualde wurde schließlich von Präsident Luciano Capón aus dem Ministerpräsidentenamt entlassen und durch Sergio Dini ersetzt. Er blieb auch danach Führer der Volksunion, spielte in der Kriegskoalition aber nur noch eine untergeordnete Rolle.
Inhaltsverzeichnis
Jugend und Karriere in den Jugendzirkeln[bearbeiten]
Manuel Sants-Igualde wurde 1895 in der armorischen Kleinstadt Carrel geboren. Er war der Sohn eines Lehrers und besuchte ein katholisches Gymnasium. Danach studierte er Rechtswissenschaft und wurde Anwalt. Bereits in Studentenjahren engagierte er sich in mehreren katholischen Organisationen und trat der Acción Popular bei. Er beteiligte sich an Gründung und Aufbau der Jugendzirkelbewegung, die sich zur Jugendorganisation der katholischen Unión Popular entwickelte.
Nach seiner Promotion zum Dr. jur. arbeitete Sants für einen rechtskatholischen Juristenverband und wurde 1925 Chefredakteur der Zeitschrift La Nova Epoca. Nachdem er bereits zuvor in die nationale Führungsriege der Jugendzirkel aufgestiegen war, wurde er 1927 deren Chefe Nacional. Als solcher führte er die Jugendorganisation der Volksunion auf einen autoritär inspirierten Rechtskurs, der die Zirkel zeitweise in Widerspruch zur Mutterpartei brachte. Erklärtes Ziel war die geistige Erneuerung der sagradischen Nation auf völkischer (popularer) Grundlage. Dabei nahm Sants-Igualde bewusst Anleihen an den Führungsstrukturen und Inszenierungen faschistischer Parteien seiner Zeit, denen er seine Version eines "demokratischen Führers" entgegenzusetzen suchte.
Aufstieg in Partei und Regierung[bearbeiten]
Innerhalb der Volksunion unterstützten Sants und die Jugendzirkel zunächst den Parteiführer Estefán Gaeta d'Alejandro und dessen Programm der Renovación Nacional, vor allem zur Stärkung der Exekutive, der ständischen Elemente und der "organischen Einheit" von Volk und Staat. Nach der Wahl Gaetas zum Staatspräsidenten im Jahr 1927 wuchs Sants zunehmend selbst in die Rolle des starken Mannes der Partei, wurde von Gaeta aber als potenzieller Konkurrent um die Macht gesehen. In der Regierung von César Iruain wurde Sants-Igualde 1929 schließlich zum Innenminister berufen und rückte damit auch in eine exekutive Schlüsselstellung.
Nachdem die Volksunion aus der Parlamentswahl 1932 erneut als stärkste Kraft hervorgegangen war, wurde Sants zum Ministerpräsidenten einer Mitte-Rechts-Regierung ernannt. In einer Regierungserklärung nannte Sants die korporatistische Ausrichtung der Gesellschaft als Ziel seiner Politik und sagte den "Feinden des Staates" den Kampf an, namentlich Kommunisten, Sozialisten sowie den aufstrebenden faschistischen Gruppierungen des Landes. Dennoch gelang es ihm mit seiner Politik nicht, die politische und ökonomische Krise zu überwinden.
Nachdem Sants-Igualdes Regierung Anfang Oktober 1934 hatte zurücktreten müssen, kam es gegen seinen Nachfolger Daniel Laponte zu einem missglückten Putschversuch der faschistischen Rechten. Im Dezember 1934 kehrte Sants-Igualde an die Spitze der Regierung zurück. Er regierte bis zur Parlamentswahl 1936 weiter, verlor die Wahl aber gegen die linke Volksfront. Dennoch konnte sich Sants-Igualde innerhalb der Volksunion behaupten und setzte sich auf dem Noyarenser Parteitag mit seinem Programm der radikalen Opposition gegen die Linke durch. In der Folge begann er, die Partei ganz auf seine Person hin auszurichten, wie es ihm bereits zuvor mit den Zirkeln geglückt war. Die linke Volksfrontregierung wurde zum Hauptfeind erklärt.
Regierung der Comunión Nacional[bearbeiten]
Im Kampf gegen die "linke Republik" tolerierte Sants auch punktuelle Kooperationen mit rechtsextremen Kreisen aus dem Umfeld des Faschistenführers León Francês. 1937 kam es zu gemeinsamen Demonstrationen von Volksunion und faschistischen Sympathisanten gegen die Linksregierung. Zwar distanzierte sich Sants von Francês und seiner politischen Gewalt, verteidigte aber das gemeinsame Ziel der Abwehr des Kommunismus. Im November 1937 entging Sants nur knapp einem anarchistischen Attentat. Nach dem tödlichen Attentat auf Präsident Santiago Laval im Mai 1938 durch einen Faschisten distanzierte sich Sants-Igualde deutlich von den Faschisten und kündigte alle lokalen Bündnisse mit der Frente Fraternal auf.
Nach dem Zerfall der linken Volksfront trat Sants-Igualde im Juni 1938 in eine Regierung der nationalen Solidarität unter dem Unabhängigen Radikalen Julen Cajanier ein und rückte an die Spitze des Außenministeriums. Im Januar 1939 übernahm Sants-Igualde schließlich selbst erneut die Führung der Regierung. Da diese aber keine Mehrheit im Parlament hatte, bat er Präsident Luciano Capón um vorzeitige Auflösung des Parlaments. Aus der folgenden Parlamentswahl im April 1939 ging seine Koalition aus UP, ARL und PRI siegreich hervor.
Zweiter Weltkrieg[bearbeiten]
Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Sants in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte Sants, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Sants sein Programm der „Nationalen Kommunion“, in der das ganze Land die Integrität und Sicherheit der Nation verteidigen sollte.
Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Sants, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein. Das Gesetz erhielt schließlich eine klare parlamentarische Mehrheit, nachdem auch Teile der Partíu Radical mehrheitlich zugestimmt hatte.
Mit dem durch den nationalen Notstand erklärten Juni-Gesetz 1940 schlug Sagradien einen zunehmend autoritären Weg ein. Die Befugnisse der Regierung wurden extensiv gebraucht, die Versammlungsfreiheit deutlich eingeschränkt und eine umfangreiche Zensur der Presse und der Briefkorrespondenz eingeführt. Im Rahmen der Notstandsvollmachten wurden auch die Aktivitäten der oppositionellen Linksparteien deutlich erschwert. Immer wieder wurden Versammlungen der Sozialisten und Kommunisten mit der Begründung aufgelöst, sie dienten dem Feind als Angriffsgrund und zwängen Sagradien in den Weltkrieg. Nicht selten kam es zu politisch motivierten Verhaftungen von linken Politikern und Aktivisten.
Nach anhaltenden Protesten der Sozialisten folgten im August 1940 schließlich weitere Restriktionen gegen führende Politiker des Partíu Socialista, Abgeordnete des Partíu Radical verließen die Partei und schlossen sich der neuen Comunión Nacional an, die zwar keine Staatspartei im eigentlichen Sinn darstellte, aber wesentliches Propagandainstrument der Regierung Sants wurde und als „politische Organisation der Volksgemeinschaft“ diente, in der alle Gegensätze und Spannungen der pluralistischen Gesellschaft aufgehen und neutralisiert werden sollten. Das Näheverhältnis zur katholischen Kirche blieb zwar nicht spannungsfrei, stellte aber eines der wichtigen Fundamente der Nationalen Kommunion dar. Die paramilitärischen Einheiten der Volksunion (Juntas Accionistas) wurden in die Miliça Nacional eingegliedert. Als Geheimdienst im Inneren fungierte die Policía Interior de Securitá (PIS), neben der unabhängig der Ordre Secreto besondere Funktionen übernahm und direkt dem Premierminister unterstand.
Absetzung[bearbeiten]
Zentral für den weiteren Kriegsverlauf sollte die Kontrolle über den Bretagnekanal werden, weswegen beide Kriegsseiten aktiv um die Gunst der Sants-Regierung in Sagradien warben. Bereits im Frühjahr 1940 hatte es britische Pläne gegeben, eine Invasionsarmee in die sagradische Bretagne zu entsenden, um den wichtigen Kanal unter Kontrolle zu bringen, ehe dies die Deutschen tun konnten. Diese wurden mit Rücksicht auf Sagradiens offiziellen diplomatischen Status aber nicht durchgeführt. Im Laufe des Jahres 1941 begann sich die öffentliche Meinung in Sagradien zum Krieg zu drehen. Die Zugeständnisse an Deutschland, mit dem Ziel die Neutralität zu wahren, wurden auch innerhalb der Nationalen Kommunion zunehmend unpopulär. Dazu kamen anhaltende Verletzungen der sagradischen Neutralität durch – angeblich versehentliche – deutsche Angriffe aus der Luft und auf See sowie Versuche, das Land durch Spione zu infiltrieren. Der Druck auf Sants, Deutschland den Krieg zu erklären, wurde in der zunehmend anti-deutsch gestimmten Öffentlichkeit immer größer. Dazu kamen Spannungen mit Präsident Luciano Capón, der seine guten Kontakte in die Vereinigten Staaten nutzte, um an der Regierung vorbei einen Kriegseintritt Sagradiens vorzubereiten.
Zum Fall der Regierung Sants kam es schließlich im Dezember 1941. Mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour, Thailand, Malaya, Singapur sowie die sagradischen Besitzung auf den Johannarischen Inseln wurde Sagradien schließlich doch in den Krieg hineingezogen, ohne dass die Neutralitätspolitik der Regierung Sants dies hätte verhindern können. Dem japanischen Überfall folgte am 8. Dezember die Kriegserklärung der sagradischen Abgeordnetenkammer an Japan sowie vier Tage später die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an Sagradien und die Vereinigten Staaten. Damit waren auch Sants Versuche, die Kriegshandlungen auf Asien zu beschränken, faktisch fehlgeschlagen. Binnen kürzester Zeit nahmen deutsche Truppen Fidelfe und weitere Städte an der sagradischen Ostküste ein, um sich den Zugang zum Bretagnekanal zu sichern (Operation Roderich). In nur wenigen Tagen brachten deutsche Truppen nun große Teile des sagradischen Nordostens unter ihre Kontrolle. Am 15. Dezember entließ Präsident Capón schließlich die erfolglose Regierung Sants-Igualde und ernannte den Militär Sergio Dini zum Regierungschef.
Nach der Ministerpräsidentschaft[bearbeiten]
Nach seiner Entlassung als Regierungschef blieb Sants-Igualde zwar Chef der Comunión, verlor ohne sein Regierungsamt aber zunehmend an Einfluss und zog sich teilweise aus der Öffentlichkeit zurück. Sein Versuch, die Strukturen als Comunión als Machtbasis in Konkurrenz zu Staatschef Capón und Ministerpräsident Dini zu nutzen, scheiterte. Aber auch die Versuche Hitlers, den entmachteten Sants-Igualde auf seine Seite zu ziehen und zum Führer einer deutschen Marionettenregierung im ceundalischen Fidelfe zu installieren, waren fruchtlos. Sants-Igualde verweigerte jede Zusammenarbeit mit Hitler und erklärte sich loyal gegenüber der kriegführenden Nation. Stattdessen wurde sein früherer Stellvertreter Caro Mêstre zum Chef einer Gegenregierung ernannt (Regierung von Fidelfe).
Sants' Versuche, die Volksunion am Ende des Krieges wiederzubeleben, schlugen fehl. Stattdessen setzte die Gruppe um Amentino Xavier-Castrell im Januar 1945 die Auflösung der UP und die Übertragung ihrer Mittel an den neu gegründeten Partíu Popular de Convergência durch, der sich als neue Mitte-Rechts-Partei in die Tradition der "popularen" Parteien der Vorkriegszeit stellte. Dessen Führung wurde nun von Personen wie Amentino Xavier-Castrell, Fernando de la Roya und Paulo Luciaro dominiert, während Sants-Igualde keine führende Rolle mehr spielte und sich stattdessen ins Privatleben zurückzog.
Historische Einschätzung[bearbeiten]
Die Person und Politik Manuel Sants gehört zu den umstrittensten Kapiteln der sagradischen Geschichte. Lange Zeit war das sagradische Geschichtsbild vom Glauben bestimmt, Sagradien habe seit 1891 kontinuierlich einen demokratischen Weg beschritten und habe auch der Gefahr des Faschismus widerstanden. Das lange Festhalten Sagradiens an einer neutralen Position im Zweiten Weltkrieg wurde mit pazifistischen und sicherheitspolitischen Motiven erklärt. Das Regime Sants wurde dabei von mehreren Generationen von Historikern mehrheitlich als Notstandsregime verstanden, das auf einem Mehrheitskonsens in der Bevölkerung beruht habe. Lediglich die Einschränkung von Bürgerrechten wurde kritisiert, aber unter Verweis auf die Notsituation relativiert. Eine solche Auffassung wurde auch von der offiziösen Geschichtspolitik der sagradischen Nachkriegsregierungen vertreten und prägt noch heute das Denken von großen Teilen der politischen Rechten in Sagradien.
Erst in den Sechziger Jahren wurde größere Kritik an diesem Geschichtsbild geäußert. Vor allem von Seiten der politischen Linken wurde Sants nun verstärkt mit den diversen faschistischen und autoritativen Strömungen im Europa der Zwischenkriegszeit in Verbindung gebracht. Die neue Kritik wurde bald auch durch Quellen untermauert, die Sants' Verhältnis zu Faschismus und Nationalsozialismus deutlich werden ließen. Wie aus Dokumenten hervorgeht, zeigte Sants in den Zwanziger und noch in den Dreißiger Jahren gegenüber Vertrauten eine Bewunderung für die Person Mussolinis. An Hitler kritisierte er anfänglich die antiklerikalen Tendenzen, gewann ihm aber auch positive Seiten ab. So zeigte er sich außenpolitisch noch nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überzeugt, Hitler vertrete legitime Anliegen. Inwieweit dies Sants' eigene Politik beeinflusste ist jedoch ebenso umstritten, wie die Frage nach den eigenen staatspolitischen Zielen.
Heutige Forscher weisen mehrheitlich auf die Verwurzelung Sants' und seines Umfelds in der katholisch-konservativen Rechten der Zwischenkriegszeit hin, in der der Gedanke einer autoritativen Transformation und der Stärkung der Exekutive zulasten des Parlaments weit verbreitet war. Zwar konnte sich kein allgemeiner antidemokratischer Konsens herausbilden wie in anderen Ländern Europas, doch zeigten sich auch in Sagradien antiparlamentarische Tendenzen sowohl auf der Linken wie auf der Rechten. Nach wie vor aber wird die Phase der "Nationalen Kommunion" in Sagradien kontrovers beurteilt.