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Version vom 01:31, 6. Dez 2017
Danadier II. (Luis Danadier) (*1682; †1732) war König von Sagradien (1698-1721) aus dem Haus Sántori. Seine verschwenderische und autoritäre Politik, seine außenpolitischen Misserfolge und der daraus erwachsende Konflikt mit den Ständen führte das Land in einen Bürgerkrieg, in dessen Folge er den Großteil seiner Macht verlor und schließlich durch die Stände für abgesetzt erklärt wurde.
Inhaltsverzeichnis
Kronprinz
Luis Danadier María Gabriel Agostín de Sántori wurde 1682 in Semest als Sohn des sagradischen Infanten Gabriel August und dessen Frau Maria Josephine von Pfalz-Neuburg geboren. Als Sohn des Infanten von Sagradien wuchs Danadier am Hof seines Großvaters Gabriel VII. in Semest auf und wurde mit dem Ziel erzogen, dereinst seinem Vater als Monarch zu folgen. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn wird als kalt beschrieben, zog dieser doch angeblich seinen zweitältesten Sohn Filipe Carles (*1685) als Lieblingssohn vor. Jedoch folgte Danadier nach dem Tod seines Vaters 1695 als Kronprinz und Prinz von Sarmay nach. Als sein Großvater 1698 starb, war Danadier gerade einmal sechzehn Jahre alt und folgte als Jugendlicher auf den Thron.
Im Jahr 1699 – Danadier war gerade 17 Jahre alt - wurde er mit der ebenso alten Wittelsbacherprinzessin Maria Anna von Bayern verheiratet. Aus der Ehe ging 1710 mit dem Prinzen Joán Danadier ein Sohn hervor, der aber 1719 starb. Außerdem gebahr Maria Anna dem Santori-Prinzen mehrere Töchter, u.a. die älteste Tochter Isabel (1701-1722) sowie die jüngere Tochter María Luísa (1705-1735), die später den Prinzen von Cuentez Johann III. heiratete und als Maria I. selbst den sagradischen Thron bestieg.
Herrschaftsbeginn und Aufstände
Von Beginn seiner Regierungszeit an versuchte Danadier die von seinem Vater gepflegte Herrschaftsform eines starken Königtums mit absolutistischem Anspruch fortzusetzen und diesen im Glanz der Repräsentation zu übertreffen. Sein großes und unerreichtes Vorbild war dafür in besonderem Maße sein Großvater König Ludwig XIV. von Frankreich, dem er als sagradischer „Sonnenkönig“ nacheifern wollte. Dafür kam bereits früh die spöttische Bezeichnung des „Schattenkönigs“ (Rei d’Ombra) auf. Danadier übernahm von seinem Großvater eine bereits extrem angespannte Staatskasse, die er mit seiner gesteigerten Repräsentation vollends ruinierte.
Auch außenpolitisch handelte Danadier unglücklich. Weder im Spanischen Erbfolgekrieg, noch im zeitgleich stattfindenden Zweiten Asumarischen Krieg von 1703 konnte Sagradien Erfolge verzeichnen. Im Gegenteil verschlang der Krieg gegen Mikolinien nicht nur Unsummen, sondern führte auch zu schweren Niederlagen, die letztlich zum Einflussverlust in Mikolinien führten.
Als Reaktion bildete sich im Hochadel zunehmend Widerstand gegen die Politik des Königs. Dessen leitender Minister Santiago de Corvón Graf von Casterley, bemühte sich vergebens, den Haushalt zu sanieren. Als Danadier Pläne zum Bau eines Lustschlosses in Colegial nach dem Vorbild von Versailles umsetzen wollte und dafür die allgemeinen Steuern anhob, trat Casterley im Jahr 1708 zurück. Es folgte im Juli ein Aufstand der hungernden Stadtbevölkerung in Semest, die blutig unterdrückt wurde.
Im Frieden von Cresq 1711 musste Sagradien schließlich endgültig auf alle Ansprüche auf das Großherzogtum Macedi verzichten, das wieder der mikolinischen Monarchie eingegliedert wurde. Ein neuerlicher innersagradischer Aufstand im September 1711, der sich schnell auf das gesamte Land ausweitere und teilweise von der Adelsopposition gefördert wurde, zwang den König erstmals seit 1632 die Generalstände einzuberufen. Dort bildete sich eine breite Koalition kritischer Adliger, die sich hinter dem Herzog von Sesín, José de Santori-Sesín, versammelten und ein Ende der kostspieligen Bauprogramme forderten. Darüber hinaus verweigerten die Stände im Jahr 1713 weitere Kriegskredite, woraufhin Danadier die Versammlung auflöste, um zu seinem absoluten Regime zurückzukehren.
Cortes von Tulis und Bürgerkrieg
Unmittelbar nach der Auflösung flohen zahlreiche Oppositionelle ins benachbarte Königreich von Cuentez, wo sie sich unter den Schutz von Johann III. von Cuentez stellten und die oppositionellen Cortes de Tulis einberiefen. Führende Männer waren der Herzog von Sesín und der Herzog von Scantia. Danadier – offiziell noch immer im Krieg mit dem cuentezischen Nachbarn – erklärte Sesin und seine Anhänger zu Hochverrätern und enthob sie ihren Ämtern. Nachdem Danadier im Frieden von Utrecht 1713 die strategisch wichtigen Westseestützpunkte La Cripón und Cereza an Großbritannien abtreten musste, erklärten die Cortes von Tulis den König für abgesetzt und und beriefen sich dabei auf den Eid, den der König geleistet hatte und in dem er versprochen hatte, nur zum Nutzen der sagradischen Nation zu handeln. Die Tulinesischer Stände stellten ein eigenes Heer zu Verfügung, das auf Semest losmarschierte. Mit der Schlacht bei Tantallas 1713 zwischen königlichen Truppen und Anhängern Sesíns begann der Bürgerkrieg.
Der König stützte sich auf seine alten Anhänger aus dem Norden des Landes sowie auf das Haus Bourbon und seine französischen Kontakte. Sesín versammelte hinter sich eine Koalition aus oppositionellen Adligen, vornehmlich aus den Häusern Santori-Sesín, Piacón und Todesce. Nachdem der mikolinische König Georg I. jede Verwicklung in die Kämpfe verweigert hatte, bewilligte sein Nachfolger Georg II. die Entsendung eines Freiwilligenheers zur Unterstützung der Koalition. Unter dem Oberbefehl von Alexandro Graf Vierna konnte das Koalitionsheer schnell einige Erfolge feiern, jedoch keine Entscheidung erzwingen.
1715 holte Danadier Casterley zurück und machte ihn zu seinem leitenden Minister. Nachdem dieser 1717 versucht hatte, gegen den Willen Danadiers einen Waffenstillstand und Kompromissfrieden mit José de Sesín auszuhandeln, wurde er entlassen, festgesetzt und wegen Hochverrats verurteilt und hingerichtet. Nach der Übernahme des Oberbefehls der koalitionären Truppen durch Filipe de Piacón im Jahr 1717 geriet der König immer mehr unter Druck.
Tod und Ende der Kämpfe
Im Frühjahr 1718 stand Danadier II. vor einer endgültigen Niederlage und bemühte sich um ein Übereinkommen mit den Ständen. Er berief eine neue Generalständeversammlung ein und akzeptierte ein Generalkomitee der Stände als faktisches Kontrollorgan. Seine Unterschrift unter das Codex Magnum Libertatum der Stände 1719 diskreditierte ihn endgültig auch bei der ultraroyalistischen Partei unter Führung seines Bruders Philipp Karl von Viça, zumal das ständische Sagradien im Krieg gegen Mikolinien erneut keine Gebietsgewinne erreichen konnte. Nach neuerlichen Aufständen der Royalisten wurde Danadier 1720 zusammen mit seiner Familie im Plazarenya-Palast festgesetzt, den Winter über regierte er als de facto entmachteter König nur noch offiziell, während eine Abordnung der Generalstände die eigentliche Macht ausübte. Gleichzeitig übernahm Philipp Karl von Viça de facto die Führung der königlichen Familie, während Danadier zunehmend unter Depressionen litt.
Die sich zuspitzende Situation führte schließlich im Februar 1720 zur Aufgabe Danadiers, seiner Flucht nach Frankreich und der von dort aus bekannt gegebenen Abdankung zugunsten seines radikaleren Bruders Philipp Karl von Viça. Nach Bekanntwerden der Abdankung erklärten die Generalstände im Generalakt vom 20. Februar 1721 den König rückwirkend für abgesetzt und erkannten die Thronfolge seines Bruders nicht an, ohne aber eine andere Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu bestimmen. Damit begann das Interregnum.