Paulo Satyres Blanco: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
'''Paulo Gustavo Satyres Blanco''' (*10.10.1947 in Algier/Algerien) ist ein [[Sagradien|sagradischer]] linkssozialistischer Politiker. Er war von 1990 bis 1997 Präsident der [[Region Bordez]] und 1998 bis 2000 [[Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales|Arbeits- und Sozialminister]] im [[Kabinett De la Costa I|ersten Kabinett De la Costa]]. Von 1992 bis 2000 amtierte er als Vizegeneralsekretär der sozialdemokratischen [[ASUL]]. Nach seinem Austritt aus der Asul gründete er 2000 die linkssozialistische [[PRS]], er er bis 2006 vorstand. Seitdem ist er Generalsekretär der [[DSS]]. | '''Paulo Gustavo Satyres Blanco''' (*10.10.1947 in Algier/Algerien) ist ein [[Sagradien|sagradischer]] linkssozialistischer Politiker. Er war von 1990 bis 1997 Präsident der [[Region Bordez]] und 1998 bis 2000 [[Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales|Arbeits- und Sozialminister]] im [[Kabinett De la Costa I|ersten Kabinett De la Costa]]. Von 1992 bis 2000 amtierte er als Vizegeneralsekretär der sozialdemokratischen [[ASUL]]. Nach seinem Austritt aus der Asul gründete er 2000 die linkssozialistische [[PRS]], er er bis 2006 vorstand. Seitdem ist er Generalsekretär der [[DSS]]. | ||
| + | == Leben und Karriere == | ||
| + | === Jugend und frühe Parteikarriere in der ASUL === | ||
Der Sohn des Diplomaten [[Oscar Satyres Blanco]] (u.a. sagradischer Botschafter in Algier, Paris und London), wurde im damals noch französischen Algerien geboren und wuchs in Paris und London auf, bevor er sich entschloss, in Paris und Moskau Soziologie und Jura zu studieren. Bereits in seinem Studium kam er mit linksradikalen Gruppen in Verbindung, beteiligte sich 1968 an Studentenprotesten in Paris und gewann 1969 ein Stipendium der linken [[Academía Carles Iudeta|Iudeta-Akademie]] für ein Studium in der russischen Hauptstadt. Bereits während des Studiums arbeitete Satyres in der Führung der sozialistischen Studentenvereinigung [[COSES]] mit und baute den Auslandsverband in Moskau auf. Nach dem Sieg der Sozialisten bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970|Kammerwahlen 1970]] folgte der Beitritt zur ASUL, nach Aussage Satyres' aufgrund seiner Bewunderung für das linke Projekt des damaligen Sozialistenführers [[Joán Caval]]. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Satyres als Rechtsanwalt und war als junger Jurist auch an der Verteidigung einiger linker Terroristen des [[Grupo Sêcolo Rôiso]] beteiligt, was ihm landesweite Aufmerksamkeit bescherte. | Der Sohn des Diplomaten [[Oscar Satyres Blanco]] (u.a. sagradischer Botschafter in Algier, Paris und London), wurde im damals noch französischen Algerien geboren und wuchs in Paris und London auf, bevor er sich entschloss, in Paris und Moskau Soziologie und Jura zu studieren. Bereits in seinem Studium kam er mit linksradikalen Gruppen in Verbindung, beteiligte sich 1968 an Studentenprotesten in Paris und gewann 1969 ein Stipendium der linken [[Academía Carles Iudeta|Iudeta-Akademie]] für ein Studium in der russischen Hauptstadt. Bereits während des Studiums arbeitete Satyres in der Führung der sozialistischen Studentenvereinigung [[COSES]] mit und baute den Auslandsverband in Moskau auf. Nach dem Sieg der Sozialisten bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970|Kammerwahlen 1970]] folgte der Beitritt zur ASUL, nach Aussage Satyres' aufgrund seiner Bewunderung für das linke Projekt des damaligen Sozialistenführers [[Joán Caval]]. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Satyres als Rechtsanwalt und war als junger Jurist auch an der Verteidigung einiger linker Terroristen des [[Grupo Sêcolo Rôiso]] beteiligt, was ihm landesweite Aufmerksamkeit bescherte. | ||
1974 veröffentlichte Satyres Blanco sein erstes Buch „Das Kapital und der demokratische Weg zum Gesellschaftssozialismus“ beim linken „[[Roses-Verlag]]", dem Hausverlag der Sozialistischen Partei. Im gleichen Jahr wurde er zum Vizesekretär der [[Juventú Socialista|Jungsozialisten]] gewählt und engagierte sich in der Gewerkschaft [[CSSL]]. 1978 stieg Satyres zum Nationalen Sekretär der Sozialistischen Jugend auf. Im Folgejahr wurde er erstmals für die Asul in die [[Abgeordnetenkammer]] gewählt. Bereits zu dieser Zeit galt er als Anhänger des Führers der Parteilinken, [[Andrés Colón]], der die ASUL 1982 auch als Spitzenkandidat in die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1982|Kammerwahlen]] führte. Satyres gehörte damals zum engeren Mitarbeiterstab Andrés Colóns. Nach der Wahlniederlage versuchte er, in der Führung der Kammergruppe der Sozialisten Fuß zu fassen, verlor aber die Kampfabstimmung um das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der ASUL-Gruppe gegen [[Damián Ornelo]]. Nach dem Rücktritt Ornelos im Jahr 1984 verzichtete Satyres auf eine neuerliche Kandidatur. | 1974 veröffentlichte Satyres Blanco sein erstes Buch „Das Kapital und der demokratische Weg zum Gesellschaftssozialismus“ beim linken „[[Roses-Verlag]]", dem Hausverlag der Sozialistischen Partei. Im gleichen Jahr wurde er zum Vizesekretär der [[Juventú Socialista|Jungsozialisten]] gewählt und engagierte sich in der Gewerkschaft [[CSSL]]. 1978 stieg Satyres zum Nationalen Sekretär der Sozialistischen Jugend auf. Im Folgejahr wurde er erstmals für die Asul in die [[Abgeordnetenkammer]] gewählt. Bereits zu dieser Zeit galt er als Anhänger des Führers der Parteilinken, [[Andrés Colón]], der die ASUL 1982 auch als Spitzenkandidat in die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1982|Kammerwahlen]] führte. Satyres gehörte damals zum engeren Mitarbeiterstab Andrés Colóns. Nach der Wahlniederlage versuchte er, in der Führung der Kammergruppe der Sozialisten Fuß zu fassen, verlor aber die Kampfabstimmung um das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der ASUL-Gruppe gegen [[Damián Ornelo]]. Nach dem Rücktritt Ornelos im Jahr 1984 verzichtete Satyres auf eine neuerliche Kandidatur. | ||
| + | === Karriere in der Region Bordez === | ||
Stattdessen wechselte Satyres im Jahr 1985 in die Regionalpolitik. Auf Vorschlag Colóns hin holte ihn der [[Bordez|bordezische]] Regionalsekretär [[Simón Asprilla]] als Wahlkampfleiter in sein Kampagnenteam und machte ihn im Anschluss an die Wahlen zum Generalsekretär der [[Regionaljunta]]. Gleichzeitig wurde er auch auf der sozialistischen Liste in den [[Regionalrat]] gewählt. In der Zeit in Bordez emanzipierte sich Satyres von seinem Mentor Colón und präsentierte einige moderne Grundsatzpapiere, die den Weg der Asul hin zu einer modernen ökologischen Linkspartei öffnen sollten. Damit erarbeitete sich Satyres den Ruf eines linken Reformers und wurde bald als herausragender Exponent der neuen [[Guarda Jovén|Jungen Garde]] in der Partei angesehen, zu denen bald auch [[Julio De la Costa]] oder [[Mariano Larcón]] gerechnet wurden. | Stattdessen wechselte Satyres im Jahr 1985 in die Regionalpolitik. Auf Vorschlag Colóns hin holte ihn der [[Bordez|bordezische]] Regionalsekretär [[Simón Asprilla]] als Wahlkampfleiter in sein Kampagnenteam und machte ihn im Anschluss an die Wahlen zum Generalsekretär der [[Regionaljunta]]. Gleichzeitig wurde er auch auf der sozialistischen Liste in den [[Regionalrat]] gewählt. In der Zeit in Bordez emanzipierte sich Satyres von seinem Mentor Colón und präsentierte einige moderne Grundsatzpapiere, die den Weg der Asul hin zu einer modernen ökologischen Linkspartei öffnen sollten. Damit erarbeitete sich Satyres den Ruf eines linken Reformers und wurde bald als herausragender Exponent der neuen [[Guarda Jovén|Jungen Garde]] in der Partei angesehen, zu denen bald auch [[Julio De la Costa]] oder [[Mariano Larcón]] gerechnet wurden. | ||
Satyres stieg 1987 in den Vorstand der bordezischen Sozialisten auf und organisierte erfolgreich den [[Regionalwahlen 1989|Regionalwahlkampf 1989]], in dessen Folge er sich energisch für die Bildung einer Mitte-Links-Koalition mit den [[Verdes|Grünen]] einsetzte. Die neue Koalition wurde schließlich maßgeblich von Satyres ausgehandelt, der in der Folge an die Spitze der regionalen Sozialbehörde wechselte. Wenig später wurde Satyres erstmals in den Vorstand des sozialistischen Nationalverbands gewählt. Nach einer politischen Affäre Asprillas und dessen Rücktritt im Frühjahr 1990 wählte die [[rot-grüne Koalition]] in [[Biniar]] mithilfe der tolerierenden [[PCS|Kommunisten]] Satyres zum neuen Präsidenten der Regionaljunta, wodurch Satyres endgültig zu einem der nationalen Hoffnungsträger der Sozialisten avancierte. | Satyres stieg 1987 in den Vorstand der bordezischen Sozialisten auf und organisierte erfolgreich den [[Regionalwahlen 1989|Regionalwahlkampf 1989]], in dessen Folge er sich energisch für die Bildung einer Mitte-Links-Koalition mit den [[Verdes|Grünen]] einsetzte. Die neue Koalition wurde schließlich maßgeblich von Satyres ausgehandelt, der in der Folge an die Spitze der regionalen Sozialbehörde wechselte. Wenig später wurde Satyres erstmals in den Vorstand des sozialistischen Nationalverbands gewählt. Nach einer politischen Affäre Asprillas und dessen Rücktritt im Frühjahr 1990 wählte die [[rot-grüne Koalition]] in [[Biniar]] mithilfe der tolerierenden [[PCS|Kommunisten]] Satyres zum neuen Präsidenten der Regionaljunta, wodurch Satyres endgültig zu einem der nationalen Hoffnungsträger der Sozialisten avancierte. | ||
| + | === Aufstieg in die engere Parteiführung und Primaries 1992 === | ||
Nach der verlorenen [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990|Parlamentswahl 1990]] und dem Rücktritt von [[Donado Ricardes]] als Parteiführer, unterstützte Satyres den Parteilinken [[Francisco Montero]] bei der Wahl des neuen ASUL-Generalsekretärs, der aber dem von der bisherigen Parteiführung favorisierten [[Luis José López]] den Vortritt lassen musste. Satyres wurde als Sekretär für Außenhandel und Entwicklungspolitik erstmals ins Exekutivkomitee des Parteivorstands gewählt und übernahm wenig später auch die Führung des bordezischen Regionalverbands. Er gründete zudem seinen eigenen Corrente unter dem Namen „[[Corrente Satyrista|Reforma Socialista]]“. Die Stunde Satyres' schlug schließlich auf dem Artirer Parteitag der ASUL im März 1991. Satyres brachte einen Vorschlag, die so genannten "[[Proposiciones de l'Artir]]" in die Debatte ein, die mit ambitionierten postmaterialistisch und ökologisch inspirierten Thesen das alte [[Manifesto de Semesce 1977|Parteiprogramm von 1977]] in entscheidenden Punkten revidieren sollte, was das alte Parteiestablishment und der bis dahin dominierende Zentrumsflügel der Partei als Affront verstanden. Wesentliche Inspirationsquelle des Papiers und einer der Co-Autoren Satyres' war der linke Soziologe [[Carles Nacesta]]. Gegen den Willen der Parteiführung wurde das Papier schließlich verabschiedet und dem Semesker Parteiprogramm von 1977 vorangestellt. Satyres galt schlagartig als Shootingstar der Parteilinken. | Nach der verlorenen [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1990|Parlamentswahl 1990]] und dem Rücktritt von [[Donado Ricardes]] als Parteiführer, unterstützte Satyres den Parteilinken [[Francisco Montero]] bei der Wahl des neuen ASUL-Generalsekretärs, der aber dem von der bisherigen Parteiführung favorisierten [[Luis José López]] den Vortritt lassen musste. Satyres wurde als Sekretär für Außenhandel und Entwicklungspolitik erstmals ins Exekutivkomitee des Parteivorstands gewählt und übernahm wenig später auch die Führung des bordezischen Regionalverbands. Er gründete zudem seinen eigenen Corrente unter dem Namen „[[Corrente Satyrista|Reforma Socialista]]“. Die Stunde Satyres' schlug schließlich auf dem Artirer Parteitag der ASUL im März 1991. Satyres brachte einen Vorschlag, die so genannten "[[Proposiciones de l'Artir]]" in die Debatte ein, die mit ambitionierten postmaterialistisch und ökologisch inspirierten Thesen das alte [[Manifesto de Semesce 1977|Parteiprogramm von 1977]] in entscheidenden Punkten revidieren sollte, was das alte Parteiestablishment und der bis dahin dominierende Zentrumsflügel der Partei als Affront verstanden. Wesentliche Inspirationsquelle des Papiers und einer der Co-Autoren Satyres' war der linke Soziologe [[Carles Nacesta]]. Gegen den Willen der Parteiführung wurde das Papier schließlich verabschiedet und dem Semesker Parteiprogramm von 1977 vorangestellt. Satyres galt schlagartig als Shootingstar der Parteilinken. | ||
Infolge des [[ASUL-Parteispendenaffäre 1992|Parteispendenskandals in der ASUL]] und dem Rücktritt López’ vom höchsten Parteiamt, bezog Satyres – ermutigt von seiner neuen Machtstellung – öffentlich Stellung und forderte eine rücksichtslose Aufklärung der Verfehlungen. Zusammen mit den anderen Jungen im Vorstand wie Julio De la Costa setzte er durch, dass es zum ersten Mal in der Parteigeschichte zu einer Mitgliederbefragung über den neuen Generalsekretär der Partei kommen sollte. In den Primaries trat Satyres schließlich gegen [[António Grande Illega]], [[María Benítez]] und [[Nestor Ortega]] an, verlor die Abstimmung gegen Grande Illega aber mit 39 zu 42 Prozent der Stimmen. Auf dem folgenden Parteitag der Sozialisten in Sollar wurde Grande Illega schließlich offiziell neuer Parteiführer, Satyres und Mitkandidatin María Benítez wurden zu Stellvertretern Grandes gewählt, wodurch Satyres zur Nummer Zwei in der Partei aufstieg. Zudem übernahm er nach dem Rückzug Colóns aus der Parteipolitik 1991 und der Verwicklung Francisco Monteros in die Parteiaffäre 1992 die Führung der Parteilinken. | Infolge des [[ASUL-Parteispendenaffäre 1992|Parteispendenskandals in der ASUL]] und dem Rücktritt López’ vom höchsten Parteiamt, bezog Satyres – ermutigt von seiner neuen Machtstellung – öffentlich Stellung und forderte eine rücksichtslose Aufklärung der Verfehlungen. Zusammen mit den anderen Jungen im Vorstand wie Julio De la Costa setzte er durch, dass es zum ersten Mal in der Parteigeschichte zu einer Mitgliederbefragung über den neuen Generalsekretär der Partei kommen sollte. In den Primaries trat Satyres schließlich gegen [[António Grande Illega]], [[María Benítez]] und [[Nestor Ortega]] an, verlor die Abstimmung gegen Grande Illega aber mit 39 zu 42 Prozent der Stimmen. Auf dem folgenden Parteitag der Sozialisten in Sollar wurde Grande Illega schließlich offiziell neuer Parteiführer, Satyres und Mitkandidatin María Benítez wurden zu Stellvertretern Grandes gewählt, wodurch Satyres zur Nummer Zwei in der Partei aufstieg. Zudem übernahm er nach dem Rückzug Colóns aus der Parteipolitik 1991 und der Verwicklung Francisco Monteros in die Parteiaffäre 1992 die Führung der Parteilinken. | ||
| − | Satyres' Sieg bei den [[Regionalwahlen 1993]] stärkte seine parteiinterne Stellung nochmals. Zu dieser Zeit galt er als unumstrittene Nummer Zwei in der Partei und arbeitete mit an der Profilierung der ASUL als linke Alternative zur regierenden Volkspartei, was eine Abkehr vom vormaligen Mitte-Kurs eines Donado Ricardes bedeutete. Ziel war die Bildung einer linken Regierung, gegebenenfalls in Koalition mit den sagradischen Grünen. Satyres’ rot-grüne Koalition in der Industrieregion Bordez, die seit 1993 über eine eigene parlamentarische Mehrheit verfügte, galt dafür als Vorbild für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Sozialisten und Grünen. | + | === Niederlagenserie 1994-1997 === |
| + | Satyres' Sieg bei den [[Regionalwahlen 1993]] stärkte seine parteiinterne Stellung nochmals. Zu dieser Zeit galt er als unumstrittene Nummer Zwei in der Partei und arbeitete mit an der Profilierung der ASUL als linke Alternative zur regierenden Volkspartei, was eine Abkehr vom vormaligen Mitte-Kurs eines Donado Ricardes bedeutete. Ziel war die Bildung einer linken Regierung, gegebenenfalls in Koalition mit den sagradischen Grünen. Satyres’ rot-grüne Koalition in der Industrieregion Bordez, die seit 1993 über eine eigene parlamentarische Mehrheit verfügte, galt dafür als Vorbild für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Sozialisten und Grünen. Im Wahlkampf für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1994]] fungierte Satyres als Experte für Wirtschafts- und Arbeitsmarktfragen im Team von Spitzenkandidat Grande Illega und wurde als sicherer Ministerkandidat gehandelt. Die Sozialisten verloren jedoch die Wahl und verblieben in der Opposition. In der Folge wurden Satyres vermehrt Ambitionen auf eine Ablösung Grandes noch vor den kommenden Wahlen nachgesagt, die er nur vorsichtig dementierte. Als Konkurrent brachte sich nun zunehmend ausgerechnet sein alter Mitstreiter Julio De la Costa in Stellung, der für einen weniger radikalen Linkskurs stand und den Parteirechten als eher vermittelbar galt. Zudem waren Satyres’ europakritische Positionen in der Partei umstritten. | ||
| − | + | Als Grande Illega im Frühjahr 1997 seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärte, meldeten erwartungsgemäß Satyres und De la Costa als einzige ihre Kandidatur bei den in der Folge stattfindenden Primaries an. Während Satyres vom traditionalistisch-linken Parteiflügel favorisiert wurde, sammelten sich die Rechten hinter dem als "kleineres Übel" erscheinenden De la Costa, der sich schließlich gegen Satyres durchsetzen konnte. Der von Satyres hart geführte parteiinterne Wahlkampf wurde von vielen alten Weggefährten kritisiert, die eine Beschädigung des Siegers De la Costa befürchteten. Seine Niederlage bildete zudem eine denkbar schlechte Ausgangslage für die im Herbst stattfindenden [[Regionalwahlen 1997|Regionalwahlen]], bei denen er sich in Bordez einer Wiederwahl stellte. | |
In einem extrem polarisierenden und von Kritikern als populistisch bezeichneten Wahlkampf, in dem Satyres' Gegenkandidat in Bordez, Ex-Wirtschaftsminister [[Miguel Ánibal Luisanto]] besonders das integrationspolitische Programm der ASUL kritisierte, geriet Satyres immer wieder in die politische Schusslinie. Eine politische Affäre um seinen Generalsekretär [[Simón Carrer]] brachte ihn in den Verdacht, öffentliche Gelder für den Wahlkampf zu benutzen. Schließlich drehte Luisanto die politische Stimmung spektakulär gegen die regierenden Sozialisten Satyres' und gewann die Wahl. Satyres musste die zweite bittere Niederlage binnen weniger Monate einstecken. Ein Rückzug Satyres' aus der Politik schien nicht unwahrscheinlich, doch entschied sich dieser zum Verbleib, zunächst als Oppositionsführer in [[Biniar]], später in dem ihm versprochenen Kabinettsamt in [[Semess]]. | In einem extrem polarisierenden und von Kritikern als populistisch bezeichneten Wahlkampf, in dem Satyres' Gegenkandidat in Bordez, Ex-Wirtschaftsminister [[Miguel Ánibal Luisanto]] besonders das integrationspolitische Programm der ASUL kritisierte, geriet Satyres immer wieder in die politische Schusslinie. Eine politische Affäre um seinen Generalsekretär [[Simón Carrer]] brachte ihn in den Verdacht, öffentliche Gelder für den Wahlkampf zu benutzen. Schließlich drehte Luisanto die politische Stimmung spektakulär gegen die regierenden Sozialisten Satyres' und gewann die Wahl. Satyres musste die zweite bittere Niederlage binnen weniger Monate einstecken. Ein Rückzug Satyres' aus der Politik schien nicht unwahrscheinlich, doch entschied sich dieser zum Verbleib, zunächst als Oppositionsführer in [[Biniar]], später in dem ihm versprochenen Kabinettsamt in [[Semess]]. | ||
| + | === Ministeramt und Rücktritt 2000 === | ||
Im sozialistischen Spitzenteam für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1998|Kammerwahlen 1998]] war der geschwächte Satyres als Experte für Arbeitsmarktfragen und Sozialpolitik vertreten, spielte aber nur eine untergeordnete Rolle. Nach dem überragenden Wahlsieg der Sozialisten im September 1998 gegen die amtierende liberalkonservative Koalition und dem Beginn des Projektes Rot-Grün erhoffte sich die Parteilinke für Satyres das Amt des Wirtschaftsministers, das De la Costa aber mit [[Miguel Chamot]] besetzte. Stattdessen wurde Satyres Minister für Arbeit und Soziales. | Im sozialistischen Spitzenteam für die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1998|Kammerwahlen 1998]] war der geschwächte Satyres als Experte für Arbeitsmarktfragen und Sozialpolitik vertreten, spielte aber nur eine untergeordnete Rolle. Nach dem überragenden Wahlsieg der Sozialisten im September 1998 gegen die amtierende liberalkonservative Koalition und dem Beginn des Projektes Rot-Grün erhoffte sich die Parteilinke für Satyres das Amt des Wirtschaftsministers, das De la Costa aber mit [[Miguel Chamot]] besetzte. Stattdessen wurde Satyres Minister für Arbeit und Soziales. | ||
In der Regierung kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungschef De la Costa und seinem ambitionierten Arbeitsminister Satyres. Die Differenzen zwischen De la Costa und Satyres basierten nicht nur auf persönlichen Gegensätzen und Animositäten, sondern auch auf der Betonung gesellschaftsliberaler Fragen durch De la Costa, welches die Gruppe um Satyres als falsche Akzentsetzung kritisierte. Hinzu kamen außen- und europapolitische Gegensätze. Den Kosovo-Krieg 1999 lehnte Satyres zwar ab, sah von öffentlicher Kritik aber ab, die Euro-Einführung 1999 kommentierte er abfällig und die Reformen der Regierung zum Staatsbürgerschaftsrecht und der Zuerkennung größerer Autonomie für die Regionen lehnte er ab. Als klar wurde, dass sich Satyres mut seinen Vorstellungen einer verkürzten Arbeitswoche und eines zusätzlichen nationalen Feiertags nicht würde durchsetzen können und dafür auch nicht die Unterstützung De la Costas hatte, erklärte Satyres im Juli 2000 seinen Rücktritt von allen Ämtern. | In der Regierung kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungschef De la Costa und seinem ambitionierten Arbeitsminister Satyres. Die Differenzen zwischen De la Costa und Satyres basierten nicht nur auf persönlichen Gegensätzen und Animositäten, sondern auch auf der Betonung gesellschaftsliberaler Fragen durch De la Costa, welches die Gruppe um Satyres als falsche Akzentsetzung kritisierte. Hinzu kamen außen- und europapolitische Gegensätze. Den Kosovo-Krieg 1999 lehnte Satyres zwar ab, sah von öffentlicher Kritik aber ab, die Euro-Einführung 1999 kommentierte er abfällig und die Reformen der Regierung zum Staatsbürgerschaftsrecht und der Zuerkennung größerer Autonomie für die Regionen lehnte er ab. Als klar wurde, dass sich Satyres mut seinen Vorstellungen einer verkürzten Arbeitswoche und eines zusätzlichen nationalen Feiertags nicht würde durchsetzen können und dafür auch nicht die Unterstützung De la Costas hatte, erklärte Satyres im Juli 2000 seinen Rücktritt von allen Ämtern. | ||
| + | === Gründung des PRS === | ||
Wenige Wochen später verließ Satyres auch die sozialistische Kammergruppe und die Partei und kündigte die Gründung einer eigenen "sozialistisch-republikanischen Partei" an. Ihm folgten einige Getreue vom linken und europakritischen Parteiflügel der ASUL, die seit 1997 zunehmend marginalisiert worden waren, darunter aber nur drei Abgeordnete der ASUL. Im Dezember 2001 gründete sich auf einem Kongress in [[Biniar]] der [[Partido Republicano Socialista]] (PRS), der Satyres zum Parteivorsitzenden (Presidente del Partido) wählte. Im Gründungsmanifest bezeichnete sich der PRS als "sozialistische demokratische Bürgerpartei der republikanischen Linken". Neben klassich linkssozialdemokratischen Positionen zum Wohlfahrtsstaat und zum demokratischen Sozialismus sowie pazifistischen und globalisierungskritischen Ansichten bezog der PRS zudem dezidiert europaskeptische Positionen und kritisierte die Europäische Union als neoliberal geprägten antidemokratischen Superstaat, der auf einen Wirtschaftszentralismus ausgerichtet sei. Politische Gegner und Beobachter bezeichneten die PRS als links-populistische Formation mit souveränistischen wie kommunistischen Anleihen. In Satyres' Heimatregion Bordez trat eine ganze Reihe linksgerichteter Kommunalabgeordneter zum PRS über, im dortigen Regionalrat konstituierte sich eine dreimannstarke PRS-Fraktion aus den Reihen der ASUL. Die sozialistischen Bürgermeister der Städte [[Iero]], [[Francisco Helardo]], und [[Korcalla]], [[Mário Arçano]], traten der PRS im Frühjahr 2002 bei. | Wenige Wochen später verließ Satyres auch die sozialistische Kammergruppe und die Partei und kündigte die Gründung einer eigenen "sozialistisch-republikanischen Partei" an. Ihm folgten einige Getreue vom linken und europakritischen Parteiflügel der ASUL, die seit 1997 zunehmend marginalisiert worden waren, darunter aber nur drei Abgeordnete der ASUL. Im Dezember 2001 gründete sich auf einem Kongress in [[Biniar]] der [[Partido Republicano Socialista]] (PRS), der Satyres zum Parteivorsitzenden (Presidente del Partido) wählte. Im Gründungsmanifest bezeichnete sich der PRS als "sozialistische demokratische Bürgerpartei der republikanischen Linken". Neben klassich linkssozialdemokratischen Positionen zum Wohlfahrtsstaat und zum demokratischen Sozialismus sowie pazifistischen und globalisierungskritischen Ansichten bezog der PRS zudem dezidiert europaskeptische Positionen und kritisierte die Europäische Union als neoliberal geprägten antidemokratischen Superstaat, der auf einen Wirtschaftszentralismus ausgerichtet sei. Politische Gegner und Beobachter bezeichneten die PRS als links-populistische Formation mit souveränistischen wie kommunistischen Anleihen. In Satyres' Heimatregion Bordez trat eine ganze Reihe linksgerichteter Kommunalabgeordneter zum PRS über, im dortigen Regionalrat konstituierte sich eine dreimannstarke PRS-Fraktion aus den Reihen der ASUL. Die sozialistischen Bürgermeister der Städte [[Iero]], [[Francisco Helardo]], und [[Korcalla]], [[Mário Arçano]], traten der PRS im Frühjahr 2002 bei. | ||
Nachdem er die nächsten Monate nutzte, um die Parteiorganisation seiner PRS aufzubauen, nahm er aufgrund schlechter Umfragewerte Kontakt zu den konkurrierenden Linkspartei der [[PCS|Kommunisten]] und der [[PSAP]] auf. Die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002]] bestritt Satyres' PRS als Teil eines Linksbündnisses ([[Unitá de la Sinistra]]), auf deren Liste auch Satyres wieder in die Abgeordnetenkammer einzog. Das Bündnis zwischen Satyres und den Kommunisten und Linkssozialisten zerbrach jedoch bereits 2003 an Satyres strikter Gegnerschaft zur Regierung De la Costa. Bei den [[Europawahlen 2004]] trat Satyres als Spitzenkandidat einer eigenen Wahlliste der ''Republicanoes per l'Europa Alternativa'' an. Auf der Liste kandidierten neben Satyres und anderen PRS-Mitgliedern auch Parteilose, Radikale und Ökosozialisten der [[Alternativa Rôiso-Verde]]. Die Nominierung des als früherer PSP-Anhänger bekannten Europaskeptikers [[Maurício Cabarell]] führte zu öffentlichem Aufsehen und Verwirrung. Linke warfen Satyres daraufhin rechten Populismus vor. Als Cabarell sich zu allem Überdruss auch noch scharf anti-israelisch äußerte, musste sich Satyres schließlich von Cabarell distanzieren, woraufhin dieser auf eine Kandidatur verzichtete. Dennoch schnitt die Liste Satyres' enttäuschend ab und verfehlte mit einem Stimmenanteil von 1,2 Prozent den Einzug ins Parlament deutlich. Bei den zeitgleich abgehaltenen [[Kommunalwahlen 2004]] konnte die Partei lediglich in [[Bordez]] Erfolge erzielen, schnitt im gesamten Land aber schwach ab. | Nachdem er die nächsten Monate nutzte, um die Parteiorganisation seiner PRS aufzubauen, nahm er aufgrund schlechter Umfragewerte Kontakt zu den konkurrierenden Linkspartei der [[PCS|Kommunisten]] und der [[PSAP]] auf. Die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002]] bestritt Satyres' PRS als Teil eines Linksbündnisses ([[Unitá de la Sinistra]]), auf deren Liste auch Satyres wieder in die Abgeordnetenkammer einzog. Das Bündnis zwischen Satyres und den Kommunisten und Linkssozialisten zerbrach jedoch bereits 2003 an Satyres strikter Gegnerschaft zur Regierung De la Costa. Bei den [[Europawahlen 2004]] trat Satyres als Spitzenkandidat einer eigenen Wahlliste der ''Republicanoes per l'Europa Alternativa'' an. Auf der Liste kandidierten neben Satyres und anderen PRS-Mitgliedern auch Parteilose, Radikale und Ökosozialisten der [[Alternativa Rôiso-Verde]]. Die Nominierung des als früherer PSP-Anhänger bekannten Europaskeptikers [[Maurício Cabarell]] führte zu öffentlichem Aufsehen und Verwirrung. Linke warfen Satyres daraufhin rechten Populismus vor. Als Cabarell sich zu allem Überdruss auch noch scharf anti-israelisch äußerte, musste sich Satyres schließlich von Cabarell distanzieren, woraufhin dieser auf eine Kandidatur verzichtete. Dennoch schnitt die Liste Satyres' enttäuschend ab und verfehlte mit einem Stimmenanteil von 1,2 Prozent den Einzug ins Parlament deutlich. Bei den zeitgleich abgehaltenen [[Kommunalwahlen 2004]] konnte die Partei lediglich in [[Bordez]] Erfolge erzielen, schnitt im gesamten Land aber schwach ab. | ||
| + | === Comeback als Sekretär der Linksdemokraten === | ||
Die Niederlage führte schließlich zu einer Strategieänderung, in deren Zusammenhang Satyres sich wieder den anderen Linksparteien annäherte und sich anlässlich der [[Regionalwahlen 2005]] am Bündnis der [[DSS|Sagradischen Linksdemokraten]] beteiligte, das sich im Mai 2006 unter der Führung [[António Fiali]]s als Partei konstituierte. Satyres löste seinen PRS auf und wurde zum ersten Parteisekretär der [[DSS]] gewählt. Als solcher gehörte er zusammen mit [[António Fiali]] und Parteipräsident [[Luca Cardoso]] zur unmittelbaren Führung der neuen Partei, die bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006]] im Bündnis mit der [[PCS|Kommunistischen Partei]] in die Kammer einzog. Im Vorfeld der vorgezogenen Kammerwahlen 2008 erneuerten DSS, PCS ihre Zusammenarbeit und gründeten das Parteienbündnis [[Sinistra Democrática Unida]] (SDU). Anders als die Linken Listen 1998 und 2002 soll die SDU dauerhaft eingerichtet werden und mit einem sechsköpfigen Koordinationsausschuss ein ständiges Führungsorgan haben, dem Paulo Satyres als DSS-Vertreter angehört. | Die Niederlage führte schließlich zu einer Strategieänderung, in deren Zusammenhang Satyres sich wieder den anderen Linksparteien annäherte und sich anlässlich der [[Regionalwahlen 2005]] am Bündnis der [[DSS|Sagradischen Linksdemokraten]] beteiligte, das sich im Mai 2006 unter der Führung [[António Fiali]]s als Partei konstituierte. Satyres löste seinen PRS auf und wurde zum ersten Parteisekretär der [[DSS]] gewählt. Als solcher gehörte er zusammen mit [[António Fiali]] und Parteipräsident [[Luca Cardoso]] zur unmittelbaren Führung der neuen Partei, die bei der [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006]] im Bündnis mit der [[PCS|Kommunistischen Partei]] in die Kammer einzog. Im Vorfeld der vorgezogenen Kammerwahlen 2008 erneuerten DSS, PCS ihre Zusammenarbeit und gründeten das Parteienbündnis [[Sinistra Democrática Unida]] (SDU). Anders als die Linken Listen 1998 und 2002 soll die SDU dauerhaft eingerichtet werden und mit einem sechsköpfigen Koordinationsausschuss ein ständiges Führungsorgan haben, dem Paulo Satyres als DSS-Vertreter angehört. | ||
Version vom 20:24, 23. Feb 2011
Paulo Gustavo Satyres Blanco (*10.10.1947 in Algier/Algerien) ist ein sagradischer linkssozialistischer Politiker. Er war von 1990 bis 1997 Präsident der Region Bordez und 1998 bis 2000 Arbeits- und Sozialminister im ersten Kabinett De la Costa. Von 1992 bis 2000 amtierte er als Vizegeneralsekretär der sozialdemokratischen ASUL. Nach seinem Austritt aus der Asul gründete er 2000 die linkssozialistische PRS, er er bis 2006 vorstand. Seitdem ist er Generalsekretär der DSS.
Inhaltsverzeichnis
Leben und Karriere
Jugend und frühe Parteikarriere in der ASUL
Der Sohn des Diplomaten Oscar Satyres Blanco (u.a. sagradischer Botschafter in Algier, Paris und London), wurde im damals noch französischen Algerien geboren und wuchs in Paris und London auf, bevor er sich entschloss, in Paris und Moskau Soziologie und Jura zu studieren. Bereits in seinem Studium kam er mit linksradikalen Gruppen in Verbindung, beteiligte sich 1968 an Studentenprotesten in Paris und gewann 1969 ein Stipendium der linken Iudeta-Akademie für ein Studium in der russischen Hauptstadt. Bereits während des Studiums arbeitete Satyres in der Führung der sozialistischen Studentenvereinigung COSES mit und baute den Auslandsverband in Moskau auf. Nach dem Sieg der Sozialisten bei den Kammerwahlen 1970 folgte der Beitritt zur ASUL, nach Aussage Satyres' aufgrund seiner Bewunderung für das linke Projekt des damaligen Sozialistenführers Joán Caval. Nach seinem Studienabschluss arbeitete Satyres als Rechtsanwalt und war als junger Jurist auch an der Verteidigung einiger linker Terroristen des Grupo Sêcolo Rôiso beteiligt, was ihm landesweite Aufmerksamkeit bescherte.
1974 veröffentlichte Satyres Blanco sein erstes Buch „Das Kapital und der demokratische Weg zum Gesellschaftssozialismus“ beim linken „Roses-Verlag", dem Hausverlag der Sozialistischen Partei. Im gleichen Jahr wurde er zum Vizesekretär der Jungsozialisten gewählt und engagierte sich in der Gewerkschaft CSSL. 1978 stieg Satyres zum Nationalen Sekretär der Sozialistischen Jugend auf. Im Folgejahr wurde er erstmals für die Asul in die Abgeordnetenkammer gewählt. Bereits zu dieser Zeit galt er als Anhänger des Führers der Parteilinken, Andrés Colón, der die ASUL 1982 auch als Spitzenkandidat in die Kammerwahlen führte. Satyres gehörte damals zum engeren Mitarbeiterstab Andrés Colóns. Nach der Wahlniederlage versuchte er, in der Führung der Kammergruppe der Sozialisten Fuß zu fassen, verlor aber die Kampfabstimmung um das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der ASUL-Gruppe gegen Damián Ornelo. Nach dem Rücktritt Ornelos im Jahr 1984 verzichtete Satyres auf eine neuerliche Kandidatur.
Karriere in der Region Bordez
Stattdessen wechselte Satyres im Jahr 1985 in die Regionalpolitik. Auf Vorschlag Colóns hin holte ihn der bordezische Regionalsekretär Simón Asprilla als Wahlkampfleiter in sein Kampagnenteam und machte ihn im Anschluss an die Wahlen zum Generalsekretär der Regionaljunta. Gleichzeitig wurde er auch auf der sozialistischen Liste in den Regionalrat gewählt. In der Zeit in Bordez emanzipierte sich Satyres von seinem Mentor Colón und präsentierte einige moderne Grundsatzpapiere, die den Weg der Asul hin zu einer modernen ökologischen Linkspartei öffnen sollten. Damit erarbeitete sich Satyres den Ruf eines linken Reformers und wurde bald als herausragender Exponent der neuen Jungen Garde in der Partei angesehen, zu denen bald auch Julio De la Costa oder Mariano Larcón gerechnet wurden.
Satyres stieg 1987 in den Vorstand der bordezischen Sozialisten auf und organisierte erfolgreich den Regionalwahlkampf 1989, in dessen Folge er sich energisch für die Bildung einer Mitte-Links-Koalition mit den Grünen einsetzte. Die neue Koalition wurde schließlich maßgeblich von Satyres ausgehandelt, der in der Folge an die Spitze der regionalen Sozialbehörde wechselte. Wenig später wurde Satyres erstmals in den Vorstand des sozialistischen Nationalverbands gewählt. Nach einer politischen Affäre Asprillas und dessen Rücktritt im Frühjahr 1990 wählte die rot-grüne Koalition in Biniar mithilfe der tolerierenden Kommunisten Satyres zum neuen Präsidenten der Regionaljunta, wodurch Satyres endgültig zu einem der nationalen Hoffnungsträger der Sozialisten avancierte.
Aufstieg in die engere Parteiführung und Primaries 1992
Nach der verlorenen Parlamentswahl 1990 und dem Rücktritt von Donado Ricardes als Parteiführer, unterstützte Satyres den Parteilinken Francisco Montero bei der Wahl des neuen ASUL-Generalsekretärs, der aber dem von der bisherigen Parteiführung favorisierten Luis José López den Vortritt lassen musste. Satyres wurde als Sekretär für Außenhandel und Entwicklungspolitik erstmals ins Exekutivkomitee des Parteivorstands gewählt und übernahm wenig später auch die Führung des bordezischen Regionalverbands. Er gründete zudem seinen eigenen Corrente unter dem Namen „Reforma Socialista“. Die Stunde Satyres' schlug schließlich auf dem Artirer Parteitag der ASUL im März 1991. Satyres brachte einen Vorschlag, die so genannten "Proposiciones de l'Artir" in die Debatte ein, die mit ambitionierten postmaterialistisch und ökologisch inspirierten Thesen das alte Parteiprogramm von 1977 in entscheidenden Punkten revidieren sollte, was das alte Parteiestablishment und der bis dahin dominierende Zentrumsflügel der Partei als Affront verstanden. Wesentliche Inspirationsquelle des Papiers und einer der Co-Autoren Satyres' war der linke Soziologe Carles Nacesta. Gegen den Willen der Parteiführung wurde das Papier schließlich verabschiedet und dem Semesker Parteiprogramm von 1977 vorangestellt. Satyres galt schlagartig als Shootingstar der Parteilinken.
Infolge des Parteispendenskandals in der ASUL und dem Rücktritt López’ vom höchsten Parteiamt, bezog Satyres – ermutigt von seiner neuen Machtstellung – öffentlich Stellung und forderte eine rücksichtslose Aufklärung der Verfehlungen. Zusammen mit den anderen Jungen im Vorstand wie Julio De la Costa setzte er durch, dass es zum ersten Mal in der Parteigeschichte zu einer Mitgliederbefragung über den neuen Generalsekretär der Partei kommen sollte. In den Primaries trat Satyres schließlich gegen António Grande Illega, María Benítez und Nestor Ortega an, verlor die Abstimmung gegen Grande Illega aber mit 39 zu 42 Prozent der Stimmen. Auf dem folgenden Parteitag der Sozialisten in Sollar wurde Grande Illega schließlich offiziell neuer Parteiführer, Satyres und Mitkandidatin María Benítez wurden zu Stellvertretern Grandes gewählt, wodurch Satyres zur Nummer Zwei in der Partei aufstieg. Zudem übernahm er nach dem Rückzug Colóns aus der Parteipolitik 1991 und der Verwicklung Francisco Monteros in die Parteiaffäre 1992 die Führung der Parteilinken.
Niederlagenserie 1994-1997
Satyres' Sieg bei den Regionalwahlen 1993 stärkte seine parteiinterne Stellung nochmals. Zu dieser Zeit galt er als unumstrittene Nummer Zwei in der Partei und arbeitete mit an der Profilierung der ASUL als linke Alternative zur regierenden Volkspartei, was eine Abkehr vom vormaligen Mitte-Kurs eines Donado Ricardes bedeutete. Ziel war die Bildung einer linken Regierung, gegebenenfalls in Koalition mit den sagradischen Grünen. Satyres’ rot-grüne Koalition in der Industrieregion Bordez, die seit 1993 über eine eigene parlamentarische Mehrheit verfügte, galt dafür als Vorbild für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Sozialisten und Grünen. Im Wahlkampf für die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1994 fungierte Satyres als Experte für Wirtschafts- und Arbeitsmarktfragen im Team von Spitzenkandidat Grande Illega und wurde als sicherer Ministerkandidat gehandelt. Die Sozialisten verloren jedoch die Wahl und verblieben in der Opposition. In der Folge wurden Satyres vermehrt Ambitionen auf eine Ablösung Grandes noch vor den kommenden Wahlen nachgesagt, die er nur vorsichtig dementierte. Als Konkurrent brachte sich nun zunehmend ausgerechnet sein alter Mitstreiter Julio De la Costa in Stellung, der für einen weniger radikalen Linkskurs stand und den Parteirechten als eher vermittelbar galt. Zudem waren Satyres’ europakritische Positionen in der Partei umstritten.
Als Grande Illega im Frühjahr 1997 seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärte, meldeten erwartungsgemäß Satyres und De la Costa als einzige ihre Kandidatur bei den in der Folge stattfindenden Primaries an. Während Satyres vom traditionalistisch-linken Parteiflügel favorisiert wurde, sammelten sich die Rechten hinter dem als "kleineres Übel" erscheinenden De la Costa, der sich schließlich gegen Satyres durchsetzen konnte. Der von Satyres hart geführte parteiinterne Wahlkampf wurde von vielen alten Weggefährten kritisiert, die eine Beschädigung des Siegers De la Costa befürchteten. Seine Niederlage bildete zudem eine denkbar schlechte Ausgangslage für die im Herbst stattfindenden Regionalwahlen, bei denen er sich in Bordez einer Wiederwahl stellte.
In einem extrem polarisierenden und von Kritikern als populistisch bezeichneten Wahlkampf, in dem Satyres' Gegenkandidat in Bordez, Ex-Wirtschaftsminister Miguel Ánibal Luisanto besonders das integrationspolitische Programm der ASUL kritisierte, geriet Satyres immer wieder in die politische Schusslinie. Eine politische Affäre um seinen Generalsekretär Simón Carrer brachte ihn in den Verdacht, öffentliche Gelder für den Wahlkampf zu benutzen. Schließlich drehte Luisanto die politische Stimmung spektakulär gegen die regierenden Sozialisten Satyres' und gewann die Wahl. Satyres musste die zweite bittere Niederlage binnen weniger Monate einstecken. Ein Rückzug Satyres' aus der Politik schien nicht unwahrscheinlich, doch entschied sich dieser zum Verbleib, zunächst als Oppositionsführer in Biniar, später in dem ihm versprochenen Kabinettsamt in Semess.
Ministeramt und Rücktritt 2000
Im sozialistischen Spitzenteam für die Kammerwahlen 1998 war der geschwächte Satyres als Experte für Arbeitsmarktfragen und Sozialpolitik vertreten, spielte aber nur eine untergeordnete Rolle. Nach dem überragenden Wahlsieg der Sozialisten im September 1998 gegen die amtierende liberalkonservative Koalition und dem Beginn des Projektes Rot-Grün erhoffte sich die Parteilinke für Satyres das Amt des Wirtschaftsministers, das De la Costa aber mit Miguel Chamot besetzte. Stattdessen wurde Satyres Minister für Arbeit und Soziales.
In der Regierung kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungschef De la Costa und seinem ambitionierten Arbeitsminister Satyres. Die Differenzen zwischen De la Costa und Satyres basierten nicht nur auf persönlichen Gegensätzen und Animositäten, sondern auch auf der Betonung gesellschaftsliberaler Fragen durch De la Costa, welches die Gruppe um Satyres als falsche Akzentsetzung kritisierte. Hinzu kamen außen- und europapolitische Gegensätze. Den Kosovo-Krieg 1999 lehnte Satyres zwar ab, sah von öffentlicher Kritik aber ab, die Euro-Einführung 1999 kommentierte er abfällig und die Reformen der Regierung zum Staatsbürgerschaftsrecht und der Zuerkennung größerer Autonomie für die Regionen lehnte er ab. Als klar wurde, dass sich Satyres mut seinen Vorstellungen einer verkürzten Arbeitswoche und eines zusätzlichen nationalen Feiertags nicht würde durchsetzen können und dafür auch nicht die Unterstützung De la Costas hatte, erklärte Satyres im Juli 2000 seinen Rücktritt von allen Ämtern.
Gründung des PRS
Wenige Wochen später verließ Satyres auch die sozialistische Kammergruppe und die Partei und kündigte die Gründung einer eigenen "sozialistisch-republikanischen Partei" an. Ihm folgten einige Getreue vom linken und europakritischen Parteiflügel der ASUL, die seit 1997 zunehmend marginalisiert worden waren, darunter aber nur drei Abgeordnete der ASUL. Im Dezember 2001 gründete sich auf einem Kongress in Biniar der Partido Republicano Socialista (PRS), der Satyres zum Parteivorsitzenden (Presidente del Partido) wählte. Im Gründungsmanifest bezeichnete sich der PRS als "sozialistische demokratische Bürgerpartei der republikanischen Linken". Neben klassich linkssozialdemokratischen Positionen zum Wohlfahrtsstaat und zum demokratischen Sozialismus sowie pazifistischen und globalisierungskritischen Ansichten bezog der PRS zudem dezidiert europaskeptische Positionen und kritisierte die Europäische Union als neoliberal geprägten antidemokratischen Superstaat, der auf einen Wirtschaftszentralismus ausgerichtet sei. Politische Gegner und Beobachter bezeichneten die PRS als links-populistische Formation mit souveränistischen wie kommunistischen Anleihen. In Satyres' Heimatregion Bordez trat eine ganze Reihe linksgerichteter Kommunalabgeordneter zum PRS über, im dortigen Regionalrat konstituierte sich eine dreimannstarke PRS-Fraktion aus den Reihen der ASUL. Die sozialistischen Bürgermeister der Städte Iero, Francisco Helardo, und Korcalla, Mário Arçano, traten der PRS im Frühjahr 2002 bei.
Nachdem er die nächsten Monate nutzte, um die Parteiorganisation seiner PRS aufzubauen, nahm er aufgrund schlechter Umfragewerte Kontakt zu den konkurrierenden Linkspartei der Kommunisten und der PSAP auf. Die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2002 bestritt Satyres' PRS als Teil eines Linksbündnisses (Unitá de la Sinistra), auf deren Liste auch Satyres wieder in die Abgeordnetenkammer einzog. Das Bündnis zwischen Satyres und den Kommunisten und Linkssozialisten zerbrach jedoch bereits 2003 an Satyres strikter Gegnerschaft zur Regierung De la Costa. Bei den Europawahlen 2004 trat Satyres als Spitzenkandidat einer eigenen Wahlliste der Republicanoes per l'Europa Alternativa an. Auf der Liste kandidierten neben Satyres und anderen PRS-Mitgliedern auch Parteilose, Radikale und Ökosozialisten der Alternativa Rôiso-Verde. Die Nominierung des als früherer PSP-Anhänger bekannten Europaskeptikers Maurício Cabarell führte zu öffentlichem Aufsehen und Verwirrung. Linke warfen Satyres daraufhin rechten Populismus vor. Als Cabarell sich zu allem Überdruss auch noch scharf anti-israelisch äußerte, musste sich Satyres schließlich von Cabarell distanzieren, woraufhin dieser auf eine Kandidatur verzichtete. Dennoch schnitt die Liste Satyres' enttäuschend ab und verfehlte mit einem Stimmenanteil von 1,2 Prozent den Einzug ins Parlament deutlich. Bei den zeitgleich abgehaltenen Kommunalwahlen 2004 konnte die Partei lediglich in Bordez Erfolge erzielen, schnitt im gesamten Land aber schwach ab.
Comeback als Sekretär der Linksdemokraten
Die Niederlage führte schließlich zu einer Strategieänderung, in deren Zusammenhang Satyres sich wieder den anderen Linksparteien annäherte und sich anlässlich der Regionalwahlen 2005 am Bündnis der Sagradischen Linksdemokraten beteiligte, das sich im Mai 2006 unter der Führung António Fialis als Partei konstituierte. Satyres löste seinen PRS auf und wurde zum ersten Parteisekretär der DSS gewählt. Als solcher gehörte er zusammen mit António Fiali und Parteipräsident Luca Cardoso zur unmittelbaren Führung der neuen Partei, die bei der Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 2006 im Bündnis mit der Kommunistischen Partei in die Kammer einzog. Im Vorfeld der vorgezogenen Kammerwahlen 2008 erneuerten DSS, PCS ihre Zusammenarbeit und gründeten das Parteienbündnis Sinistra Democrática Unida (SDU). Anders als die Linken Listen 1998 und 2002 soll die SDU dauerhaft eingerichtet werden und mit einem sechsköpfigen Koordinationsausschuss ein ständiges Führungsorgan haben, dem Paulo Satyres als DSS-Vertreter angehört.
Bei den Regionalwahlen 2009 kandidierte Paulo Satyres zwölf Jahre nach seiner Niederlage gegen Ánibal Luisanto als Spitzenkandidat der SDU in der Region Bordez. Mit einem Stimmenanteil von 19 Prozent der Stimmen holte Satyres das beste Ergebnis der äußeren Linken bei einer Regionalwahl seit über zwanzig Jahren und das mit Abstand stärkste Ergebnis der SDU landesweit. Er trug damit wesentlich zum Sieg der Linksparteien gegen die Rechte bei, welche die Wahl des linken Sozialisten Santiago Valarosa zum Präsidenten der Region ermöglichte. Auf ein Amt in der neuen Regionaljunta verzichtete Satyres jedoch.
Politische Funktionen
Öffentliche Ämter
- 1985-1989: Generalsekretär der Junta Regional de Bordez
- 1989-1990: Assessor für Soziales, Gesundheit und Frauen der Region Bordez
- 1990-1997: Präsident der Junta Regional de Bordez
- 1998-2000: Minister für Arbeit und Soziale Angelegenheiten im Kabinett De la Costa I
Mandate
- 1979-1986: Mitglied der Abgeordnetenkammer (ASUL)
- 1985-1998: Regionalrat in Bordez (ASUL)
- Seit 2002: Mitglied der Abgeordnetenkammer (ASUL, 2000-2002 fraktionslos, 2002-2003 Unitá de la Sinistra, 2003-2006 fraktionslos, 2006-2008 PCS/DSS, seit 2008 SDU)
- Seit 2009: Regionalrat in Bordez (SDU)
Parteifunktionen
- 1974-1978: Vizesekretär der Juventú Socialista (JUSO)
- 1978-1981: Nationaler Sekretär der JUSO
- 1991-1998: Regionalsekretär der ASUL Bordez
- 1992 Kandidat für das Amt des ASUL-Generalsekretärs
- 1992-2000: Vizegeneralsekretär der ASUL
- 1997 Kandidat für die ASUL-Spitzenkandidatur bei der Kammerwahl 1998
- 2000-2006: Präsident des Partido Republicano Socialista (PRS)
- Seit 2006: Parteisekretär der Democráticoes de la Sinistra Sagradêsa (DSS)
- Seit 2009: Mitglied der Junta Coordinativa der SDU