Sagradischer Bürgerkrieg

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Sagradischer Bürgerkrieg
Guerra Civil Sagradêsa (sagradisch)
1713–1725
Kriegsparteien 1713-1718

Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Sagradische Royalisten

Unterstützt von
Flagge-Kgr-Frankreich.png Frankreich

Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Sagradische Adelskoalition
Flagge-Fsm-Cuentez.png Fürstentum Cuentez

Unterstützt von
FlaggeMikolinien.png Königreich Mikolinien

Heerführer

Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Danadier II.
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Philipp Karl von Viça
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Santiago Corvón, Graf von Casterley
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Manuel de Cambras
Flagge-Kgr-Frankreich.png Antoine duc de Vienne

Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Joseph-August von Sessin
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Alexandro de Vierna
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Carles de Vierna
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Filipe de Piacón
Flagge-Sagradien-Weiß-auf-Blau.png Anton Piakónski
Flagge-Fsm-Cuentez.png Maximilian II. von Cuentez
Flagge-Fsm-Cuentez.png Johann Franz von Cuentez
FlaggeMikolinien.png Claudius Magnus von Mikolinien

Europa1750.png

Als Sagradischer Bürgerkrieg wird eine Reihe von Aufständen, Kriegen und sonstigen gewaltsamen Auseinandersetzungen bezeichnet, die sich im Königreich Sagradien zwischen 1713 und 1725 ereigneten. Darin ging es um einen Machtkampf zwischen dem sagradischen König und seinen absolutistisch gesinnten Anhängern sowie verschiedenen Strömungen, die eine Form des ständischen Regiments im Gegensatz zur monarchischen Alleinregierung anstrebten. Dazu kamen auswärtige Einmischungen von Seiten Frankreichs und Mikoliniens. Kontext der Konflikte waren die seit 1701 ausgetragenen kriegerischen Auseinandersetzungen im Spanischen Erbfolgekrieg und im Zweiten Asumarischen Krieg, die das sagradische Königreich erschöpften und einen günstigen Boden für Aufstände, Protestbewegungen und Gewaltaktionen lieferten.

Im engeren Sinne wird als Sagradischer Bürgerkrieg klassischerweise der in der neueren Forschung meist als Sagradischer Koalitionskrieg oder Krieg der Coalicionáriœs bezeichnete militärische Konflikt zwischen König Danadier II. und der ständisch-oppositionellen Adelskoalition verstanden, der mit Unterbrechungen von 1713 bis 1718 geführt wurde, ehe er 1719-21 in Form von royalistischen Aufständen gegen das Regiment der Stände fortgesetzt wurde. Dagegen zählt die neuere Forschung zum Komplex des Bürgerkriegs auch die Reihe von Aufständen vor 1713 (v.a. den Juliaufstand 1708 und den Septemberaufstand 1711), die Auseinandersetzung mit den Semestiner Republikanern infolge des Maiaufstands 1721 (auch als Zweiter Bürgerkrieg bezeichnet) sowie die so genannten Philippkarlistenkriege, die sich vor allem im Jahr 1721/22 ereigneten und in der Folge bis etwa 1745 andauerten (Dritter und Vierter Bürgerkrieg). Parallel dazu verlief der Dritte Asumarische Krieg zwischen Sagradien und Mikolinien von 1718 bis 1725.

Vorgeschichte[bearbeiten]

Der Bürgerkrieg hatte seine Ursachen vor allem in den sozialen und politischen Entwicklungen in Sagradien während der Regierungszeit König Gabriels VII. (1651-1698). Dieser verfolgte gemäß den absolutistischen Vorbildern seiner Zeit das Ziel, die Zentralgewalt der Krone zulasten der traditionell einflussreichen Stände, den Cortes Generales d'Estadœs zu stärken. Für diesen Zweck benötigte er in erster Linie ein stabiles Finanzsystem. Das alte System zur Steuereintreibung durch die hochadeligen Gouverneure der Provinzen, hatte sich als ineffektiv erwiesen. Gabriel griff daher die Politk seines ersten Ministers Kardinal Bernabêu auf und stärkte die Zugriffsrechte des Königs auf die Verwaltung des Landes. Der Adel verlor auf diese Weise rapide an Einfluss und Autonomie. Vorbild Gabriels war die absolutistische Regierungsform Frankreichs, wie sie unter Ludwig XIV. ausgeübt wurde. Auch in Sachen Hofhaltung und Ausgabenpolitik eiferte Gabriel dem französischen Vorbild nach.

Unter Gabriels Nachfolger Danadier II. (1698-1721) wurde diese unpopuläre Politik fortgeführt und erreichte einen Höhepunkt, der die Staatsfinanzen an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte. Die Beteiligung Danadiers am Spanischen Erbfolgekrieg und der zeitgleiche Zweiten Asumarischen Krieg gegen Mikolinien führten zu einem rapiden Anwachsen der Staatsschulden, die der König durch Steuern in den Griff zu bekommen suchte. Schnell weitete sich die Kritik im Land, die zunächst vor allem von den Städten aufgekommen war, auf den gesamten Regierungsstil Danadiers aus, der als autokratisch und absolutistisch empfunden wurde. Besonders gegen die verschwenderische Finanzpolitik des Königs wehrten sich die Gegner.

Vom Juliaufstand 1708 bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs[bearbeiten]

Nach der Erhöhung der allgemeinen Steuern im Jahr 1708 – sie hatten zum Rücktritt des leitenden Ministers Santiago Corvón, Graf von Casterley, geführt – schlug die Missstimmung auf die hungernde Semestiner Stadtbevölkerung über, die ihren Unmut im Juli 1708 in einem allgemeinen Aufstand (Juliaufstand 1708) zum Ausdruck brachte. Danadier ließ die Aufstände niederschlagen. Die Kritik am König hielt aber an.

Im Frieden von Cresq 1711 musste Sagradien endgültig auf das Großherzogtum Macedi verzichten. Nachdem der König die Abgaben des Adels zur Kriegsfinanzierung angehoben hatte, war es im September 1711 der niedere Landadel, der sich gegen den König erhob (Septemberaufstand 1711). Der König reagierte schließlich und berief die Generalstände ein, die nun über mögliche Finanzierungsmöglichkeiten des Kriegs beraten sollten.

In den einberufenen Generalständen kristallisierte sich jedoch schnell ein oppositionelles Lager um mehrere führende Adlige heraus, die dem Krieg ablehnend gegenüberstanden und einen raschen Friedensschluss befürworteten. Mehrere Resolutionen der Stände wurden vom König als Affront betrachtet und barsch zurückgewiesen. Die Versuche seines leitenden Ministers Carles de Granval, zu vermitteln, scheiterten allesamt. Granval wurde schließlich entlassen, sein Nachfolger Manuel de Cambras setzte auf eine Konfrontation mit den Ständen.

Als die neuen Generalstände dem König die Zusicherung weiterer Kredite verweigerten, löste dieser schließlich im April 1713 die Versammlung auf und kehrte zu seiner autokratischen Politik zurück. Gleichzeitig musste Danadier im Friede von Utrecht die strategisch wichtigen Westseestützpunkte La Cripón und Cereza an Großbritannien abtreten. Eine Abordnung der gerade aufgelösten Generalstände versuchte nun auf Einladung des Herzogs von Sesin, José-Augusto de Sántori, einem Schwager des Königs, in Vesaey das weitere Vorgehen zu erörtern. Dabei sollte ein neuerlicher Kompromiss mit dem König gefunden werden. Schließlich verabschiedete die Versammlung die so genannte Erklärung von Vesaey, in der die Versammlung vom König die Wiedereinberufung der Stände forderte.

Dies wurde von Minister Cambras als Akt des Verrats gegen den König interpretiert, die Versammlung wurde gewaltsam aufgelöst und der Herzog von Sesin festgenommen, was schließlich den Bürgerkrieg auslöste, da dessen Anhänger nun aus dem Hochadel Truppen zusammenzogen und Aufstände gegen den König anzettelten.

Koalitionskrieg[bearbeiten]

Sesin kam rasch frei und stellte sich an die Spitze des Aufstandes. Er versammelte hinter sich eine Koalition aus oppositionellen Adligen, die von Mikolinien unterstützt wurde. Auch der de facto vom sagradischen König abhängige Fürst Maximilian II. von Cuentez kämpfte nicht gegen, sondern mit dem ständischen Koalitionsheer.

Unter dem Oberbefehl von Alexandro Graf Vierna konnte das Koalitionsheer schnelle Erfolge feiern, jedoch keine Entscheidung erzwingen. Während sich der König unnachgiebig zeigte, versuchte sein Bruder Don Piero Joán mehrmals, mit den Aufständischen zu vermitteln. 1715 erreichte er einen zeitweiligen Waffenstillstand, der jedoch bald gebrochen wurde. Versuche Pieros, neuerliche Verhandlungen zu erreichen, führten dazu, dass er vom König bald nach Frankreich geschickt wurde.

Nach der Hinrichtung Casterleys im Jahr 1717 und der Übernahme des Oberbefehls der Koalitionstruppen durch Filipe de Piacón geriet der König immer mehr unter Druck. Die Entscheidung des mikolinischen Königs Claudius Magnus, dem sagradischen König offiziell den Krieg zu erklären und mit Truppen in die sagradischen Besitzungen auf der mikolinischen Halbinsel vorzudringen, beschleunigte die Willensbildung bei Ständen und König, die Konflikte niederzulegen.

Im Frühjahr 1718 leitete die im Vergleich zum Ständeheer deutlich schwächere Königspartei schließlich Waffenstillstandsverhandlungen ein, die im August zur Einigung führten. Danadier musste einer Wiedereinberufung der Generalständeversammlung zustimmen und sich unter Kontrolle einer Generalabordnung (Delegación General) der Stände stellen lassen. Der Bürgerkrieg war damit vorerst jedoch nicht beendet, da es in der Folge wiederholt zu royalistischen Aufständen kam. Dennoch demonstrierten König und Stände in der Folge die Wiederherstellung ihrer concordia und beschworen die gemeinsame Verantwortung vor Gott.

Zeit des Ständeregiments (regimen d'estadœs)[bearbeiten]

Im Dezember 1718 kam die neue Ständeversammlung zusammen, in der auch Royalisten vertreten waren und die von Danadier II. umfassende Zugeständnisse verlangte und eine Abordnung bestimmte, die zukünftig als Regierung dienen sollte. König und Stände sollten gemeinsam über die Modalitäten eines neuen Regierungssystems verhandeln, das die alten Freiheiten der Stände wiederherstellen und den Absolutismus durch ein Kondominium von König und Ständen ersetzen sollte, wie es die Vorstellung des Adels und der Mehrheit der Stände war. Der König wäre auf diesem Weg zu einer Art konstitutionellen Monarchen geworden, unter strenger Kontrolle der Stände. Die Ständeversammlung einigte sich im Sommer und Herbst 1719 auf insgesamt drei Teile einer neuen Ordnung, die als Codices Magni Libertatum bezeichnet wurden.

Der König entließ zunächst parallel zu den Beratungen der Stände eigene Dekrete über das künftige Zusammenwirken von Ständen und König, die jedoch von den Generalständen als unzureichend zurückgewiesen wurden. Im Dezember 1719 musste Danadier schließlich auf weiteren Druck der Stände hin erklären, die Codices Magni von König und Ständen künftig einhalten zu wollen. Dabei behielt er sich zwei einzelne Abweichungen vor, dennoch reagierte die ultraroyalistische Partei empört auf das Entgegenkommen des Königs gegenüber den Ständen. Vor allem Danadiers Bruder Herzog Philipp Karl von Viça profilierte sich nun als radikaler Gegenpart zum konzessionsbereiten König. Bald wurden Gerüchte gestreut, der König sei aus Krankheitsgründen unzurechnungsfähig und zum willenlosen Werkzeug der gottlosen Adelspartei verkommen. Tatsächlich zeigte Danadier in der Folge zunehmend Anzeichen von Depressionen und schien die Gerüchte damit zu bestätigen.

Eskalation und Königsabsetzung[bearbeiten]

Trotz des Waffenstillstands und der Übereinkunft zwischen König und Ständen ging der Krieg mit Mikolinien weiter und verlief zunehmend schlecht für Sagradien. Die Besetzung der gesamten sagradischen Besitzungen in Mikolinien verstärkte die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Ständeregiment, das durch Versorgungsprobleme und Hungersnöte ohnehin an Popularität verloren hatte und vornehmlich als Interessenvertretung des Hochadels wahrgenommen wurde. Damit verbunden waren interne Parteikämpfe innerhalb der Stände und Interessengegensätze vor allem zwischen hochadligen und hochklerikalen Gruppen einerseits und den niederadligen und bürgerlichen Schichten andererseits.

Neuerliche royalistische Aufstände führten im Winter 1720/21 zu einer deutlichen Radikalisierung sowohl des Ständeregiments als auch der royalistischen Gegner. Die anti-ständische Propaganda der Royalisten schadete aber vor allem dem gesundheitlich angeschlagenen König selbst, der unter Konspirationsverdacht geriet und mit seiner gesamten Familie unter Hausarrest gestellt wurde, womit er endgültig die Kontrolle über das Geschehen verlor. Der Versuch der ultra-royalistischen Partei um den Königsbruder Philipp Karl von Viça, das Ständeregiment Ende Januar durch einen Staatsstreich zu überwinden, indem er von seinem Bruder als Nachfolger und Regent eingesetzt werden sollte, schlug fehl. Der König dankte zuerst ab, widerrief dies jedoch Stunden später und floh schließlich außer Landes.

Die Generalstände erklärten im Generalakt vom 20. Februar 1721 den König für abgesetzt und seine Maßnahmen für ungültig. Die bereits zerstrittenen Parteien in den Ständen konnten sich jedoch nicht auf eine Nachfolgeregelung einigen. Die Legitimisten hielten trotz des versuchten Putschversuchs und seiner antiständischen Propaganda an einem grundsätzlichen Thronfolgerecht Philipp Karls von Viça fest und setzten sich für Verhandlungen mit diesem ein, womit auch auch die Hoffnung auf eine Mäßigung des zunehmend radikalisierten Ständeregiments durch das königliche Gegengewicht verbunden war. Die Mehrheit der Radikalen votierte dagegen für eine andere Lösung, konnte sich unter den potenziellen Nachfolgekandidaten, dem Herzog von Sessin oder einer der beiden Töchter des Königs, nicht entscheiden. Mit der Ernennung einer neuen Generaldelegation mit voller Exekutivgewalt wurde Sagradien de facto eine Republik, wobei aber nur eine kleine radikale Minderheit in den Ständen diese Staatsform tatsächlich bevorzugte. An der Spitze des Staates stand der Herzog von Sessin als Generalvikar der Stände.

Die ständische und die radikale Republik[bearbeiten]

Während Verhandlungen mit Prinz Philipp Karl über eine mögliche Regierung aufgenommen wurden, ohne dass dieser bereits als König anerkannt worden wäre, kam es im Land zunehmend zu Widerständen gegen das ständische Regiment unter Führung des Herzogs von Sessin und seines mächtigen Sekretärs Graf Luis Ambrôsio de Bonavilla. Die Spaltung der Stände in Hochadel und Radikale wurde immer deutlicher, eine Zusammenarbeit kaum noch möglich. Nachdem ein Putschversuch der Radikalen gegen die Regierung Bonavillas gescheitert war, ging die mächtige Adelspartei hart gegen die Verschwörer vor. Als es am Morgen des 23. Mai zur Hinrichtung des populären Semestiner Bürgers Luis Otero kam, der sich gegen das neue Stände-Regiment ausgesprochen und für eine Fortsetzung des Bürgerkriegs plädiert hatte und dafür des Hochverrats für schuldig befunden worden war, folgte in der Metropole ein blutiger Volksaufstand. Dieser richtete sich nun vor allem gegen den in den Ständen führenden Hochadel. Von den Repressalien, die das Stadtvolk im Krieg erlitten hatte, und von der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lage radikalisiert, bedrohten sie nun die Ständeherrschaft.

In der folgenden Maiblutnacht vom 23. auf den 24. Mai 1721 stürmte ein wütender Mob den Königspalast am Plazarenya, versuchte Bonavillas und des Herzogs von Sessin habhaft zu werden und tötete mehrere Leibwachen des Regenten. Der Herzog konnte entkommen und floh nach Noyar, die Ständeversammlung musste vor der unterschätzten Eskalation ins nahe Vierna flüchten, wo sie sich aber endgültig zerstritt und spaltete. Die Partei der Radikalen unter der Führung des Kleinadligen Simón Bernord rief nun offiziell die Republik aus, erklärte die regierende Generaldelegation der Stände für abgesetzt und übernahm mit einem Heer aus freiwilligen Baronen, Bürgern und Bauern die Herrschaft in Semest. Die geschockten Generalstände bzw. das was von ihnen übrig geblieben war, aktivierten das stehende Heer unter Carles de Vierna gegen die Usurpatoren in der Hauptstadt. Damit war der Bürgerkrieg endgültig von neuem entfacht.

In Semest übernahm ein Rat der Sieben aus Bürgerlichen und Kleinadligen unter Führung Simón Bernords die Herrschaft. Er erklärte die Monarchie für beendet und das Volk zum Souverän, in dessen Namen der Rat zu handeln glaubte. Die Kammern der Stadt wurden nun mit Anhängern der Sieben besetzt und zu wesentlichen Vollzugsorganen erklärt. In der Folge weitete sich der Volksaufstand von Semest aus auf das gesamte Land aus. Im Mai und Juni bildeten sich auch in anderen Städten und teilweise auch auf dem Land radikale Räte und Abordnungen, die sich teilweise den Sieben in Semest unterstellten, teilweise aber auch als eigenständiges Vollzugsorgan auftraten.

Mit der Radikalisierung eines Teils des Volkes gegen den Adel und die Stände erreichte der Bürgerkrieg eine neue Wendung. Die Ermordung des Herzogs von Sessin am 24. Juli 1721 markierte den Höhepunkt der Gewalt. Royalisten und ehemalige Koalitionäre mussten sich nun gegen die Radikalen behaupten und verbündeten sich zu diesem Zweck. Mehrere Heere der Royalisten und Koalitionäre gingen in der Folge gegen die Aufständischen vor. Im Herbst kam es zur Belagerung von Semest, das im November 1721 eingenommen werden konnte. Bernord wurde auf der Flucht festgenommen und schließlich als Verräter angeklagt und hingerichtet. Die Aufstände der Radikalen sowie diverse Bauernaufstände zogen sich noch bis Mitte 1722 hin und konnten erst dann weitgehend beendet werden.

Philippkarlistenkrieg 1722-24[bearbeiten]

Die Stände, die nun die Macht konsolidiert hatten, wählten im Januar 1722 einen Staatsrat, der nun die Regierungsgeschäfte wahrnehmen sollte. Derweil machte sich die im Mai 1722 neu zusammengetretene Ständeversammlung daran, Konditionen einer neuen Ordnung auf Grundlage der Codices Magni festzusetzen. Diese wurden im September 1722 in einem neuerlichen Codex Magnum für verbindlich erklärt. Nach der Ermordung des Herzogs von Sessin scheiterte die Partei des Prinzen Philipp Karl von Viça, des Bruders Danadiers II., mit dem Versuch einer Restauration des Sántori-Königtums unter Führung Philipp Karls. Unterstützt wurde Philipp Karl, der offenbar auch zu einer neuerlichen kriegerischen Konfrontation bereit war, von seinem Schwiegervater, dem französischen Regenten Philipp von Orléans. Noch ehe es zu militärischen Auseinandersetzungen mit dem Heer gekommen war, versuchten beide Seiten sich gütlich zu einigen. Ein Königtum Philipp Karls in Nachfolge seines Bruders wurde von Seiten der Stände in jedem Fall an eine Zustimmung zu den Codices Magni gebunden. Dem stellte sich Philipp Karl entgegen, der seine Verhandlungsposition durch militärische Erfolge zu verbessern versuchte und schließlich im Sommer 1722 mit einem französisch unterstützten Heer in Armorien einfiel, um zunächst sein Herzogtum und anschließend die Krone zu erobern.

Die schnellen Erfolge Philipp Karls führten innerhalb der Stände zu Verunsicherung. Sie wandten sich an Prinz Johann Franz von Cuentez, der im August 1722 zum Oberbefehlshaber des Ständeheeres aufstieg. Nachdem sein Gegner ihm in mehreren Schlachten hatte ausweichen können, stellte das Heer Johanns das von Philipp Karl im November 1722 bei Canar in der Landschaft Soler und errang einen vorentscheidenden Sieg. Philipp Karl verlor in der Folge schlagartig seine Stellung im Nordosten und ging schließlich in Frankreich ins Winterquartier. Ein Versuch, schon im Frühjahr 1723 zurückzuschlagen, war nicht von Erfolg gekrönt. Der militärische Widerstand von Seiten Philipp Karls erlitt dadurch einen schweren Rückschlag, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Zwar gingen die Kämpfe noch weiter, im Herbst 1724 war die Erhebung der Philippkarlisten aber beendet, zu Beginn des Jahres 1725 erklärten die Generalstände daraufhin die Bürgerkriege für beendet. Wenig später schloss Sagradien auch einen Friedensvertrag mit Mikolinien, der den Dritten Blaumeerkrieg beendete. Im Vertrag von Naval musste Sagradien den bereits 1720 eingetretenen Verlust von Lukiens und Südkonts an Mikolinien akzeptieren.

Prinzregentschaft und Königtum Marias I. und Johanns III.[bearbeiten]

Das Bündnis der Stände mit der Partei des Prinzen von Cuentez und der gemeinsame Sieg gegen die Philippkarlisten ebnete den Weg für die Rückkehr zur Monarchie. Johann Franz von Cuentez stieg nun zum Prinzregenten auf und erhielt weitreichende Vollmachten. Als Grundbedingung musste Johann Franz jedoch die Codices Magni anerkennen. Nach der Hochzeit Johann Franz mit Maria Luisa von Santori, einer Tochter Danadiers II., verfolgten Prinz und Stände das Programm einer Versöhnung zwischen den früheren Bürgerkriegsgegnern, das 1730 schließlich zur Wiedereinführung des Königtums führte. Nachdem Maria die Codices Magni beschworen hatte, wurde sie am 6. Januar 1730 in Noyar zur Königin gekrönt.

Die Versuche der Philippkarlisten, durch militärische Operationen von Frankreich aus, vor allem aber durch loyalistische Aufstände eine absolutistische Restauration durchzusetzen, scheiterten, zogen sich aber noch bis 1735 hin. Vor allem der Tod Luis Gabriels, des einzigen Sohnes Philipp Karls von Viça, im Jahr 1728 schwächte die Philippkarlisten, denen der dynastische Nachfolger fehlte. Letztmals unternahm Philipp Karls Schwiegersohn Heinrich von Vallador nach dem Tod Marias I. 1745 mithilfe Frankreichs einen neuerlichen Versuch, die Krone zu erobern, der jedoch niedergeschlagen werden konnte. Sein Versuch, Gegner Johann Franz' auf seine Seite zu ziehen, scheiterte weitgehend.