Philipp IX. Ludwig
Gabriel VIII. (von Sagradien) (*1710, †1770) war Graf von Macôn, Großherzog von Servette (1737-1757) sowie König von Sagradien und Cuentez (1757-1770). Als solcher war er der erste sagradische König aus dem Haus Vienne und Begründer der sagradischen Königsdynastie der Vienne. Gabriel beanspruchte als Urenkel Gabriels VII. nach dem Tod Johanns III. aus dem Haus Santori die sagradische Krone und gewann sie im Erbfolgekrieg von 1756-1760.
Inhaltsverzeichnis
Herkunft
Louis-Gabriel François Philippe de Bourbon duc de Vienne wurde 1710 als Sohn Antoine de Bourbons, Herzog von Vienne und als Antonio I. Herzog von Mantua, und dessen zweiter Ehefrau Ana María de Santori-Valier, Schwester der sagradischen Könige Danadier II. und Peter II. in Versailles geboren. Er stammt aus dem Haus Vienne, einer Nebenlinie der französischen Bourbonen. Sein Vater Antoine de Bourbon-Vienne wurde 1708 als Sohn Maria Francesca de Gonzagas souveräner Herzog von Mantua und heiratete daraufhin die Santori-Prinzessin Ana María. Louis-Gabriels Urgroßvater mütterlicherseits war damit Gabriel VII. von Sagradien. Danadier II. und Peter II., der letzte König vor der Revolution von 1721, waren seine Onkel, Maria I. von Sagradien seine Cousine ersten Grades. Gabriels älterer Bruder Louis Joseph aus der ersten Ehe seines Vaters folgte diesem 1725 (als Luigi III.) als Herzog von Mantua nach.
Servettinischer Erbfolgekrieg
Zunächst trug Louis-Gabriel den Titel eines Grafen von Mâcon. Nach der Hochzeit mit seiner ersten Frau Marie Josephine d'Orléans im Alter von 17 Jahren erhielt Louis-Gabriel de Bourbon den Titel eines Prinzen von Mantua. Das Eheglück weilte jedoch nur kurz, bereits 1731 starb Isabella bei der Geburt eines Sohnes, der ebenfalls die ersten 12 Monate nicht überlebte. 1732 heiratete Gabriel schließlich in zweiter Ehe die erst 16-jährige Santorier-Prinzessin Maria von Servette, Tochter des regierenden Großherzogs Ludwig Philipp II. von Servette.
1734 kam Gabriels ältester Sohn Gabriel Henri Alexandre Antoine zur Welt, ein Jahr später Joseph Louis Philippe François. Im gleichen Jahr starb Ludwig Philipp II. und Marias Bruder Karl VIII. Ferdinand bestieg den Thron in Servette. Da er jedoch bis dahin kinderlos war, zeichnete sich eine Thronfolge Marias ab, sollte Karl Ferdinand keine Kinder mehr bekommen. Bereits zu dieser Zeit rüstete König Karl X. von Micolinien, der selbst mit Marias jüngerer Schwester Antonia verheiratet war, für einen möglichen Krieg, da er vorhatte, sich die Servettinischen Lande einzuverleiben. Der beschriebene Fall trat mit dem Tod Karl Ferdinands im Jahr 1737 tatsächlich ein und Gabriels Ehefrau bestieg als Maria I. selbst den Thron in Servette. Gabriel wurde damit Mitregent in Servette, doch erkannte Karl X. die Nachfolge erwartungsgemäß nicht an und machte für seine Frau Antonia eigene Ansprüche geltend, wodurch es zum Krieg kam, in dem sich das von Frankreich und Spanien unterstützte Paar Maria/Louis-Gabriel vorerst durchsetzen konnte. Im Nantheser Ausgleich von 1739 musste Karl X. Maria I. von Servette als Großherzogin anerkennen.
Sagradischer Erbfolgekrieg
In der Folge zeichnete sich jedoch in Sagradien ein neuerlicher Erbfolgekrieg ab. Nach dem Tod Marias I. von Sagradien 1735 hatten die dortigen Stände ihren Ehemann Johann Franz als alleine regierenden König anerkannt. Da dieser jedoch ohne männlichen Erben war, versuchte er seine Tochter Maria Franziska und ihren Mann António de Piacone als Thronfolger durchzusetzen. Da sich Johann III. aber im Österreichischen Erbfolgekrieg seit 1740 in der antifranzösischen Allianz befand, erkannte Frankreich, die Nachfolgeregelung Johanns III. nicht an und machte für Louis-Gabriel und seine Frau Maria von Servette Ansprüche auf das Erbe der Santori geltend, die von Maria selbst, aber auch von Louis-Gabriel als Nachkomme Gabriels VII. stammten. Mit dem Tod König Johanns und der Erhebung Marias und Antons durch die sagradischen Stände im Jahr 1744 wurde der Streit aktuell und Frankreich erhob Louis-Gabriel als Gabriel VIII. zum neuen sagradischen König und damit zum Gegenspieler der als anti-französisch bekannten Maria II. Franziska und Anton II. Ramón. Unmittelbar in der Folge marschierte Karl X. von Micolinien mit einem Heer in Servette ein und widerrief die Nantheser Regelungen.
Im Sagradischen Erbfolgekrieg standen sich nun erneut Frankreich als Unterstützer der Bewerbung Louis-Gabriels de Bourbon und Micolinien als Unterstützer António Ramón de Piacone gegenüber. Karl X. hoffte damit, seine Ansprüche auf Servette erneuern zu können. Als Louis-Gabriels Frau Maria von Servette 1745 selbst starb und damit als Angehörige der Linie Santori-Servette nur noch Karls Frau Antonia übrig blieb, stärkte dies die Ansprüche Micoliniens auf Servette, welche von Maria II. und Anton II. vertraglich bestätigt wurden. Im Krieg um Sagradien konnte sich Frankreich aber bald durchsetzen, dem es gelang, König Anton II. in der Schlacht von Cavalla zu besiegen und gefangen zu nehmen und die Absetzung Marias II. als Königin durchzusetzen. Diese hatte durch Affären und Intrigen am Hof zuvor bereits die Unterstützung großer Teile des sagradischen Klerus und Hochadels verloren. In geheimen Verhandlungen mit den sagradischen Generalständen sicherte Louis-Gabriel nun zu, den Eid auf die Codices Magna, das Staatsgrundgesetz seit 1722/23, zu leisten und damit die Macht der Stände anzuerkennen, was bereits für seine Vorgänger Johann III. und Anton II. unumgänglich gewesen war. Die Stände erkannten Louis-Gabriel und seine 1745 gestorbene Frau Maria posthum als Erben der Santori-Dynastie an.
Im folgenden Friede von Tinagua 1747 kam es schließlich zum französisch-micolinischen Ausgleich, in dem Micolinien die Herrschaft Gabriels VIII. als König von Sagradien anerkennen musste. Im Gegenzug musste Gabriel nach dem Tod seiner Frau jedoch auf das Großherzogtum verzichten, das an Micolinien fiel, welches das Gebiet wieder in sein eigenes Territorium inkorporierte. Diese Regelung entsprach auch dem 1669 geschlossenen Friede von Villagua, der die Trennung Servettes und Sagradiens vorgeschrieben hatte.
Königtum
Mit seiner offiziellen Thronbesteigung im Jahr 1747 begründete Louis-Gabriel de Bourbon-Vienne als Gabriel VIII. das sagradische Königtum der Dynastie Bourbon-Vienne. Der tulinesisch-cuentesische Reichsteil verweigerte aber seine Zustimmung und revoltierte gegen den Bourbonen-Herrscher, der erst um 1750 die Kontrolle über das aufständische Tulis zu gewinnen vermochte. Gabriel VIII. regierte in Sagradien, ohne jedoch die Landessprache zu verstehen. Dennoch gelang es ihm in seiner kurzen Regierungszeit, sein Königtum zu konsolidieren, die Macht der Generalstände einzudämmen und die Thronfolge des Hauses Vienne gegen alle Widerstände zu sichern. Besonders Gabriels leitender Minister, der Franzose Alphonse de Calogny, arbeitete energisch daran, die Macht der Stände einzuschränken und eine absolute Monarchie nach französischem Vorbild zu installieren.
Lex Generalis und absolutistische Innenpolitik
In der Lex Generalis von 1755 wurden die Bestimmungen der Codices Magna zwar nicht aufgehoben, faktisch aber ausgehöhlt und untergraben. Ihre Gültigkeit trat hinter die der Lex Generalis, die nun die Erbmonarchie mit nur sehr beschränktem Einfluss der Stände restaurierte. Statt des Rechts, den neuen König frei auszurufen und den Eid zu verlangen, konnten die Stände fortan nur noch den von Gottes Gnaden und Abstammung thronberechtigten König bestätigen und auch nur noch den Eid auf die Privilegien verlangen. Erst zehn Jahre nach ihrem Inkrafttreten wurde die Lex Generalis 1765 von einer kleinen Ständeversammlung bestätigt. Damit wurde auch das Comitat-Königreich Cuentez-Tulis in den sagradischen Staat inkorporiert und damit auch de jure der letzte Schritt von der Personal- zur Realunion der sagradischen und cuentezischen Krone gemacht. Die bis dahin rechtlich fortbestehenden Teilkönigreiche des Landes Scantia, Sarmay, Gólica, Malesc-Alconía, Liez-Corar und schließlich Cuentez-Tulis wurden aufgelöst und das Land damit weitestgehend zentralisiert.
Außenpolitik
Außenpolitisch setzte Gabriel VIII. zunächst entgegen der Erwartungen keine radikale Kursänderung durch, schwenkte jedoch mit der Zeit auf ein Bündnis mit Frankreich und Spanien ein, womit er letztlich doch mit der pro-englischen und pro-micolinischen Politik seiner Vorgänger brach. Als Hauptgegner wurde nun vielmehr England betrachtet, von dem man die 1713 verlorenen Stützpunkte an der Keltischen See zurückverlangte. 1757 griff Sagradien aufseiten Österreichs und Frankreichs in den Siebenjährigen Krieg ein, wo es hauptsächlich um Kolonien gegen England kämpfte. Im Separatfrieden von San Docién musste Sagradien 1761 den Verlust einiger Kolonien in Amerika hinnehmen, Cereza und La Cripón blieben zunächst britisch, sodass der Gegensatz mit Großbritannien eine Fortsetzung fand.
Tod und Nachfolge
Gabriel VIII. starb im Jahr 1770 im Alter von 58 Jahren. Nachfolger als König wurde sein ältester Sohn Gabriel IX. (*1734), der jedoch bereits 1777 starb, ohne einen Erben zu hinterlassen, sodass sein jüngerer Bruder Joseph Ludwig I. (*1737) den Thron übernahm. Gabriels VIII. jüngster Sohn Karl Johann Herzog von Viena begründete die Nebenlinie der Herzöge von Viena, die mit Emil I. Johann 1829 selbst den Thron bestieg.