Koalition der Moral
Die Koalition der Moral (Coalición de la Moral) war ein politisches Bündnis mehrerer konservativer und nationalistischer Gruppierungen in der frühen Zweiten Sagradischen Republik. Das Bündnis wurde in Folge der Parlamentswahl 1903 begründet und fasste die wesentlichen Unterstützerparteien der Regierung von Miquel Fernando Luisanto zusammen, die sich selbst als Regierung der Moral (Governo de la Moral) stilisierte. Zum Bündnis gehörte die Unión Conservador Luisantos, der radikalnationalistische Partíu Nacional Renovador von Daniel Lafontán sowie weitere katholische und monarchistische Gruppierungen. Die Koalition stand damit in der Tradition des Partíu Conservador der konstitutionellen Monarchie.
Die Koalition konstituierte sich in Reaktion auf die laizistische und kirchenfeindliche Politik der regierenden Sinistra Laica aus moderaten und radikalen Liberalen. Ziel der Koalition war es, die Reformen der Regierungen Salgado und Sánchez rückgängig zu machen und den Staat auf eine konservativere und kirchenfreundlichere Grundlage zu stellen. Große Teile der Koalition strebten zudem die Wiedereinsetzung der Vienne-Dynastie auf den Thron an, die Rückkehr zur monarchischen Staatsform gehörte aber nicht zur offiziellen Politik der "Regierung der Moral".
Nach das erste Kabinett Luisanto schon nach kurzer Zeit gescheitert war, stützte die Koalition mehrere Nachfolgekabinette, die aber meist nur einen Teil der Rechtsparteien hinter sich vereinen konnten. Bei der Präsidentschaftswahl 1905 konnten sich die Parteien ebenfalls auf keinen gemeinsamen Kandidaten einigen: Während die Unionisten mehrere Kandidaten ins Rennen schickten, unterstützten Lafontisten und viele Monarchisten den früheren Putschisten Stefano Perón de Carilla. Am Ende wurde mit dem parteilosen Militär Joán Cardinal ein Kompromisskandidat der Koalition zum Präsidenten gewählt, womit das Bündnis seinen größten Erfolg feiern konnte.
Auch bei der Parlamentswahl 1907 gingen die Parteien der Rechten, trotz eines Einbruchs der Lafontanisten, als Sieger hervor. Die Koalition war aber bereits zuvor zerfallen und konnte aufgrund anhaltender Streitigkeiten innerhalb der rechten Parteien nicht mehr dauerhaft wiederbelebt werden. Die vorgezogene Parlamentswahl 1909 führte schließlich zu einer klaren Niederlage der Rechten, die fortan auf die Zusammenarbeit mit den gemäßigten Liberalen der Republikanischen Allianz angewiesen waren.