Bloco Centrista
Als Zentrumsblock (sagr. Bloco Centrista) oder Zentrumskoalition (sagr. Coalición Centrista) wird ein Regierungsbündnis der späten Vierziger und ersten Hälfte der Fünfziger Jahre in Sagradien bezeichnet. Das von den sagradischen Christdemokraten angeführte Bündnis der Mitte beerbte die 1947 zerbrochene Demokratische Koalition aus Christdemokraten, Sozialisten und Kommunisten und versuchte eine republikanische und pro-westliche Kraft als Alternative zur kommunistisch-sozialistischen Linken und zu den nationalistischen und antidemokratischen Kräften des rechten Randes zu etablieren.
Neben den Christdemokraten Paulo Luciaros und den Sozialdemokraten Santo De la Ilpas gehörten dem Bündnis die meiste Zeit über auch die Radikalen und andere liberale Parteien an. Der Zentrumsblock stützte die von Santo de la Ilpa und Paulo Luciaro geführten Regierungen von 1947 bis Januar 1955, ehe sie endgültig auseinander brach und von einer bürgerlichen Koalition der Konservativen und Liberalen abgelöst wurde.
Inhaltsverzeichnis
Bildung und Zusammensetzung
Die nach dem Zweiten Weltkrieg gebildete "Demokratische Koalition" aus Sozialisten, Kommunisten, Radikalen und Christdemokraten war 1947 an den unterschiedlichen innen- und außenpolitischen Ansichten der Koalitionspartner zerbrochen. Nach dem Ausscheiden des PCS aus der Koalition regierten die verbliebenen Parteien in Form des "Bloco Centrista" weiter. Die zweite Regierung von Santo de l'Ilpa (1947-1948) sowie die ersten drei Regierungen von Paulo Luciaro (1948-1953) wurden vom "Bloco Centrista" getragen.
Wesentlich Ziel war es, politische und ökonomische Stabilität wiederherzustellen. Dafür unterstützte der Bloco Centrista einen weiteren Ausbau des Wohlfahrtsstaates sowie eine außenpolitische Allianz mit den Vereinigten Staaten und den westeuropäischen Nachbarn.
Im Vorfeld der Parlamentswahl 1954 zerbrach die Koalition. Die Sozialisten schieden 1953 aus der Regierung aus und gingen auf Distanz zum PPC. Der PRR wiederum spaltete sich und die Mehrheit verbündete sich mit den rechtsliberalen Kräften zur Unión Democrática. Nach der Parlamentswahl 1954 begründeten die Volkspartei und die Parteien der Demokratischen Union schließlich eine neue "bürgerliche" Mitte-Rechts-Koalition.
Wirtschafts- und Sozialpolitik
Die Zentrumskoalition setzte in Sagradien die Marktwirtschaft als grundsätzliches Wirtschaftssystem gegen die von der linken favorisierte Planwirtschaft durch. Die Marktwirtschaft behielt aber bestimmte planwirtschaftliche und korporatistische Elemente im Sinne begrenzter staatlicher Eingriffe und korporativer Einrichtungen, gleichzeitig wurde der sagradische Wohlfahrtsstaat weiter ausgebaut, sodass die Koalition als Bündnis der "sozialen Marktwirtschaft" bezeichnet werden kann. Erst die bürgerliche Nachfolgeregierung stärkte das marktwirtschaftliche Element und drängte die Rolle des Staates weiter zurück. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik war auch der Knackpunkt, an dem die Koalition 1955 zerbrach, nachdem sich die Christdemokraten unter dem Einfluss der Finanzminister Luis Enrico de Piacón (1952-1954) und Carles Ángel Favale (seit 1954) stärker hin zur freien Marktwirtschaft orientiert und sich damit den Vorstellungen der Rechtsliberalen angenähert hatten, die Sozialdemokraten wiederum nach der Wahlniederlage 1954 stärker ihr soziales Element betonten und unter De la Ilpas Nachfolger als Parteisekretär Márico Álvarez eine Linkswende genommen hatten.
Außen- und Sicherheitspolitik
In der Außenpolitik, die von Ministerpräsident Luciaro (PPC) und Außenminister De la Ilpa (PSD) wesentlich geprägt wurde, setzte die Zentrumskoalition die deutliche Westorientierung Sagradiens gegen Widerstände von rechts und von links durch. Ziele waren die tiefere Integration in NATO, die Aussöhnung mit den westeuropäischen Nachbarn und eine stärkere westeuropäische Zusammenarbeit. Luciaro und Ilpa unterstützten die NATO-Gründung, den Schuman-Plan sowie die Pläne für eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft. Unter der Regierung Luciaro-Ilpa gehörte Sagradien zudem 1951 zu den Gründern der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ('Montanunion'). Außerdem bemühte sich die Koalition um einen Ausgleich mit Micolinien und eine endgültige Regelung der Golen-Frage, die aber erst nach Bruch der Koalition im Sommer 1955 in den Golischen Verträgen erreicht wurde.
Historische Einordnung
Die Zentrumskoalition und die von ihr getragene Regierung Luciaro-Ilpa kann einige historische Erfolge vorweisen. Es gelang ihr mit ihrer Politik, sowohl Kritiker auf der Linken wie auf der Rechten von den eigenen Leisgungen zu überzeugen und an die eigene Politik zu binden. So übernahmen nach Wiedervereinigung der Sozialdemokraten mit den Mehrheits-Sozialisten in der ASUL 1957/1960 auch diese in ihrem Lemezer Programm von 1962 in Grundzügen die außenpolitischen Ziele der Zentrumskoalition und sprachen sich für Westbindung und Europäische Integration aus. Gleichzeitig näherten sich darin auch die linken Sozialisten der Marktwirtschaft sozialer Prägung an, welche die Regierung Luciaro-Ilpa befördert hatte, die aber bereits vor Bildung der Zentrumskoalition 1950 von einer nicht unerheblichen Minderheit der sozialistischen Linken befürwortet worden war. Auf der anderen Seite wurden auch die liberalen Parteien an die Politik des Zentrums und an deren Vorstellungen von einer staatlich kontrollierten Marktwirtschaft gebunden, die nach 1955 an die Seite der Christdemokraten in der Bürgerlichen Koalition traten.