Sagradische Literatur

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Sagradische Literatur

Mittelalter (9.-15.Jahrhundert)

Die mittelalterliche Literatur in Sagradien war dominiert von Ritterromanen, Heldenepen und Minnelyrik. Erhalten blieben die Minnelyrik von Costanço de Valbraga und Manuel Figueras de Sâis sowie die höfischen Epen von Eduardo de Graça. Das Versepos La storia de Don León de Zarraguieta eines unbekannten Verfassers aus dem 13.Jahrhundert wurde zum Nationalepos Sagradiens (Der Held, auch als „Don Leâu“ oder „Dô Lió“ bekannt, taucht in zahlreichen späteren Werken erneut auf). Das Werk Gustavo Patresas ist beherrscht von satirischen Elementen und zeigt den Niedergang der höfischen Kultur. Die Werke des 15.Jahrhunderts von Georgo Frances de Herrera und Mariano Iliegues sind vom italienischen Humanismus beeinflusst und leiten über zur sagradischen Klassik. Als ein weiterer Vertreter der Vorklassik kann Francisco Borrard bezeichnet werden, der vor allem durch seine in asumarischem Dialekt verfasste Geschichtensammlung La Fontana berühmt wurde.

Renaissance, Sêcolo d’Oro und sagradische Klassik (16. und frühes 17. Jahrhundert)

Eingeleitet von der kulturellen und politischen Blüte Sagradiens in der Regierungszeit König Davids I. und seinen Nachfolgern, erreichte auch die sagradische Literatur ihre höchste Blüte in der Renaissance und Klassik des 16. Jahrhundert, dem so genannten „Goldenen Jahrhundert“, die von der italienischen Klassik und Renaissance beeinflusst wurde. Besonders die Dramen und Lyrik Celiano Nacomas und Plácido Cosanças erlangten weltweite Berühmtheit und zeigen starke Rückgriffe auf die antike Klassik. Hauptvertreter der frühen Phase (1500-1540) sind Marcantónio Verosán, Erculo Danieles Scarça, die beide als Dramen- und Komödiendichter bekannt wurden, sowie Manuel Braga, der vor allem durch seine Lyrik Geltung erlangte und die Sonettform in die sagradische Lyrik einführte, die später auch vom „Meister“ Nacoma, der wie sein enger Freund Cosança der mittleren Phase der Klassik (1540-1600) angehörte, übernommen wurde. Hauptvertreter der Duerezer „Besangua“-Literatur, die in epischer Form auf die arabische Numererkultur zurückgreift, sind Rodrigo Mêrces und António Man. Als Vertreter der Spätklassik des frühen 17.Jahrhunderts gilt neben Santiago Calles, der vor allem als Philosoph und Naturwissenschaftler in Erscheinung trat, auch Manuel Orraio, der wiederum durch seine strenge Dramenform die französische Klassik mit beeinflusste und als letzter bedeutender Vertreter des „Sêcolo de Oro“ gilt. Insgesamt bilden die Regierungszeiten der Könige David I. (1509-1543) und Gabriel V. (1591-1640) den politisch-zeitlichen Rahmen für die literarische Phase des goldenen Zeitalters, das auch in eine Tulineser Phase (ca. 1500-1550) und eine Semesker Phase (ca. 1550-1640) eingeteilt wird.

Barock und Aufklärung (17.-18.Jahrhundert)

Die Literatur des sagradischen Barock, die ihre Blütezeit um die Jahrhundertwende vom 17. zum 18.Jahrhundert hatte, ist gekennzeichnet vom Niedergang der Klassik und zeigt vor allem Themen wie Dekadenz, Zerfall, Vergänglichkeit und Tod. Sie bildet einen lyrischen und epischen Gegensatz zum in der Klassik dominierenden Drama. Einflussreiche sagradische Barockdichter waren Hernán Kempes und Bernardo de Montxerent. Beeinflusst durch die französische Aufklärung und besonders durch das Werk Santiago Calles’ entwickelte sich Mitte des 18. Jahrhunderts eine sagradische Literatur der Aufklärung, die stark beeinflusst war von der französischen und mit Pietro Cavalles und Fernando Camûes dels Logres seine Hauptvertreter hatte. Im Gegensatz zum Barock lebte in der Literatur der Aufklärung wieder das Drama auf, das die Kraft des menschlichen Verstandes offen legen sollte und unmittelbar an die Klassik anzuknüpfen suchte.

Sêcolo d’Argente und Romantik (18./19.Jahrhundert)

Zum Ende des 18.Jahrhunderts hin legte Marcio Levar mit seinen patriotischen Gedichten und pathetischen Dramen den Grundstein für die sagradische Romantik, deren Hauptvertreter Luis Filipe Neâu war, der wegen seiner Dramen, Balladen und Erzählungen Weltberühmtheit erlangte und neben Celiano Nacoma als größter Dichter Sagradiens gilt. Wegen dieser neuerlichen Blüte der sagradischen Sprache gilt die erste Phase der sagradischen Romantik als "Silbernes Zeitalter". Daneben gilt Neâu wegen seiner Rückbezüge auf die Klassik und Antike in seiner klassizistischen Phase auch neben dem jungen Lorenzo Madrigal als Vertreter der so genannten Neoklassik. Als wichtigster Repräsentant der späteren Phase der Romantik, die im Zuge der sagradischen Befreiungskriege noch mehr das nationale Pathos in den Vordergrund rückte, gilt Dani Caballeri (eigentlich Daniel Caballer i Mârces). Den Niedergang der Romantik zur Mitte des 19. Jahrhunderts hin bezeichnen die Spätwerke Lorenzo Madrigals, die von traumhaft subjektiver Lyrik und sentimentaler Verklärung des Mittelalters bestimmt sind. Als Postromantiker gilt der Cuentesische Lyriker León Mervel, der sich als erster sagradischer Dichter des Mittels der absoluten Metapher bediente und die traumhaft-subjektive Weltsicht der Spätromantik in eine ihm eigene düster-okkultisch wirkende und Stilelemente des Symbolismus und des Surrealismus vorwegnehmende Assoziationsdichtung verwandelt. Damit steht er den Franzosen Nerval und Baudelaire näher als irgendeinem anderen sagradischen Dichter seiner Zeit und gilt daher als Avantgardist der europäischen Moderne.

Realismus, Symbolismus, Naturalismus und Fin de Siècle

Die Epoche des sagradischen Realismus leitete die sozialkritische Romanliteratur Osvaldo Verres’ ein. Hernán Correr traf 1882 mit seinem realistischen Roman "Cocarde" genau den Geist der Zeit und erlangte dadurch Weltruhm. Francisco Olivera sowie Ana Ferrera Sanchis leiten zum Naturalismus über. Von besonderer Relevanz für die sagradische Arbeiterbewegung wurde das naturalistische Werk Keke Sapintos, der von der Philosophie Carles Iudetas beeinflusst wurde und in seinen Romanen vor allem das Elend der Arbeiterschaft aufzeigte. Parallel und als Gegenbewegung zum Realismus entstand um 1885 in Anlehnung an die französischen Symbolisten in Semess ein sagradischer symbolistischer Kreis um die „Meister“ Iano Madris und Josemarí David, die als Bewunderer Baudelaires und Mervels die Schule der "Simbolista" gründeten. Um die Jahrhundertwende wirkten auf die Werke Gerardo Ramírez’, Verena Santís’ und Hernán Colóns zunehmend impressionistische und besonders auf Emilio Grande und Federico López auch expressionistische Einflüsse ein.

Die Moderne im frühen 20. Jahrhundert

Während des ersten Weltkriegs und in den Jahren danach erlangte der expressionistische Dichterkreis der "Noyarenser" um Pepe Gomerra, Santi Nerra und Miguel Gerardo Musca großen Ruhm. Die letzteren beiden vertraten bald die eher rechte, nationalistische Richtung der Literatur. Nerra gehörte den Anhängern von Präsident Gaitán Sobrantes Alemà an und verherrlichte in seinen späten Jahren das autoritäre Regime des Präsidenten und machte ihn nach seiner Ermordung im Versepos "Sagradia" zum heroischen Märtyrer der nationalen Sache. Der dem Noyarenser Kreis nahe stehende, aber eher symbolistisch beeinflusste Sollarer Dichter Fernando Mexés wiederum verherrlichte in seinem 1940 erschienenen Roman „Santa Nación“ den zweiten Weltkrieg als „Endabrechnung mit dem diabolischen Judentum“ und musste nach dem Angriff Nazi-Deutschlands auf Sagradien ins Exil nach Berlin emigrieren, nachdem er einige Jahre lang als Hofdichter des faschistischen Álamo-Regimes gegolten hatte.

Eine dem seit Beginn der Zwanziger Jahre eher rechts gerichteten „Noyarenser-Kreis“ entgegen gesetzte Strömung stellte die linke Literatur des Romanciers und Dichters Maximilián Ferrera, des bissigen Satirikers Fernando Gran Cela sowie des jüdischen Feuilletonisten José Manolo Rosenthal dar. Ein weiterer Gegner der Rechten und Kritiker des Regimes war der äußerst erfolgreiche Dramatiker und Romanautor Miguel Solares, der sich in seinem Werk auf satirische Weise vor allem gegen die Dekadenz der Zeit und die Intoleranz der Politik und Gesellschaft aussprach und dafür 1938 ins Pariser Exil gehen musste und im gleichen Jahr den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Als gänzlich unpolitisch stellte sich die Literatur der sagradischen Surrealisten dar. Von den Lehren Freuds sowie dem französischen Surrealismus beeinflusst, wirkten v.a. Maximilián Casilla und Karlos Marcês nachhaltig auf die sagradische Nachkriegsliteratur, in der sich v.a. António Deçadro vom Surrealismus beeinflusst zeigte. Die Stellung der sagradischen surrealistischen Bewegung in der bildenden Kunst aber konnte die Literatur dieser Richtung nicht erreichen.

Nachkriegsliteratur (seit 1945)

Die sagradische Nachkriegsliteratur war zum einen geprägt von Antikriegsschriften und gesellschaftskritischen Werken, zum anderen von einer distanzreichen Fortführung der symbolistischen und surrealistischen Strömungen der Vorkriegszeit. Bedeutendster Dichter wurde der Duerezer António Deçadro, der bereits vor dem Krieg einen Großteil seiner Werke veröffentlicht hatte (mit geringem Erfolg) und erst nach dem Krieg Aufmerksamkeit erlangte. Er verfasste zahlreiche Parabeln und Erzählungen und schuf darin eine rätselhaft wirkende Symbiose aus Surrealismus, Postrealismus und Symbolismus. Sein Spätwerk war zudem vom französischen Existentialismus beeinflusst. Deçadro, der 1955 den Literaturnobelpreis gewann, gilt als wichtigster Nachkriegsautor Sagradiens. Mit einem ähnlichen Ansatz erreichte in der Lyrik besonders Maximilián Berlín nachhaltigen Weltruhm, der sich in seinen Zeit-, Liebes- und Weltgedichten bewusst auf symbolistische Vorbilder wie Madris, Verlaine, Rimbaud oder David sowie auf die Assoziationsdichtung Mervels berief und einen grotesk-surrealistisch anmutenden Ästhetizimus vertrat. Seine romantisch-melancholischen Liebesgedichte gehören zur weltweit meistgelesenen Lyrik. Jedoch stellen besonders seine auf kryptischer Metaphorik aufbauenden „Weltgesänge“ (so der Titel eines seiner Bände: Cançones Mundiales) ein stetiges Faszinosum der modernen sagradischen Literatur-wissenschaft dar. Weitere wichtige Autoren der ersten Phase der Nachkriegsliteratur waren Luca Mendieta, Carlota Arrist und auch Bernardo Gral, der vor allem die Kurzgeschichte in Sagradien populär machte.

Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger Jahre kam unter dem Einfluss der Studentenunruhen eine neue rebellische Generation von Dichtern auf, die es sich zum Ziel machte, die sagradische Literaturlandschaft umfassend zu verändern. Bedeutendste Vertreter waren Ulisso Carvas de Patra (Nobelpreis 1984), Mónica Belléme und Andrés Nacesta. Wichtige Chansonniers und Liedermacher, die vor allem auch durch den Inhalt ihrer Texte Aufsehen erregten, waren Gerardo Ívan Valles und Francisco Serguieta. Wichtigste Vertreter der „Popliteratur“ der Achtziger Jahre waren die Halbchinesin Li Pérez und der Geroneser Dramatiker Marcelo Vil i Vil. Der recht erfolgreiche Romanautor Diego Scarfín widmete sich hauptsächlich dem Film. Bedeutendste Vertreter der Literatur der Neunziger Jahre sind Diego Fernández Belêu, Arcélio Torres, María Ferrer Vélez, Oscar Domênco Milet sowie Antónia Domíngues und Lauro Nera.