Sechzigjähriger Krieg

Aus Sagradien
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Fünfzigjähriger Krieg ist die Bezeichnung für eine Reihe von Kriegen im sagradisch-micolinischen Konflikt, der nach dem Ende der Union von Alágua 1386/90 aufflammte. Traditionell werden der Beginn des Kriegs mit dem Einfall Karl VI. von Micolinien 1396 in Perucía und sein Ende mit dem Friedensvertrag von Tesqué 1443 angesetzt. Jedoch können bereits der so genannte Micolinische Revolutionskrieg (Guerra de la Revolutió) von 1386-1390 sowie der sagradische Bürgerkrieg der zwei Herzöge (Guerra de Ducas) von 1392-1396 als erste Phasen des Fünfzigjährigen Kriegs angesehen werden, dessen Kampfhandlungen weitestgehend bereits 1439 endeten.

Im einzelnen umfasst der Fünfzigjährige Krieg:

Anlass

Nach dem Tod des sagradischen Königs Jakob II. und seinem Sieg über Danadier von Scola 1321 hatte König Serge I. aus dem Haus Redanior-Gerón, seit 1318 als Nachfolger Rodriques I. von Micolinien, die beiden Königreiche von Sagradien (inklusive Perucía und Golen) und Micolinien in der Union von Alágua in Personalunion vereint. Die Herrschaft seines Enkels Gabriel dem Schönen hatte 1386 jedoch zur Rebellion der micolinischen Stände unter der Führung von Karl von Interea, einem illegitimen Nachkommen der micolinischen Saloa-Könige, geführt, der sich als Karl V. zum micolinischen König machte und seine Herrschaft im Micolinischen Unabhängigkeitskrieg von 1386-1390 sicherte. Im Vertrag von Albero musste Gabriel IV. 1390 seine Ansprüche auf die micolinische Krone fallen lassen, behielt aber Perucía und Golen, während Karl VI. wiederum auf alle Ansprüche in Sagradien verzichtete. Nach dem Tod Gabriels 1395 kam es in Sagradien zum Krieg zwischen seinen möglichen Nachfolgern Michael von Vesaey und Joseph von Óstino, in dem der Ostinenser sich mit Karl VI. von Micolinien, seit 1391 Nachfolger Karls V. verbündete und zunächst siegte, ehe Michael von Vesaey aber 1396 die Oberhand gewann und seinen Kontrahenten zur Abdankung zwang. Da Karl VI. sich vom Bündnis mit dem Ostinenser den Gewinn Perucías erhofft hatte, fiel er 1396 mit einem Heer in Perucía ein, um seine Ansprüche gegen Michael I. von Vesaey durchzusetzen, womit es zum Krieg kam. Nach dem Tod Josephs von Óstino 1398 erklärte Karl zunächst dessen 13-jährigen Sohn Johann das Kind zum König, erhob nach dessen Tod 1402 aber selbst Anspruch auf die sagradische Krone und widerrief damit den Vertrag von Albero.

Parteien

Auf sagradischer Seite kämpften zweitweise die Republik Tulis sowie das im Krieg um Lonéa befindliche Haus Salóa-Servette in Micolinien, mit dem micolinischen König waren u.a. die Häuser Óstino und Esqués verbündet, ehe nach einem Seitenwechsel in der Endphase auch der Herzog von Salóa-Servette als potenter Geldgeber Karls VI. eine Schlüsselrolle spielte. Während es für Karl VI. um die Eroberung Perucías und Golens und zeitweise auch den Gewinn der sagradischen Krone ging, versuchte Sagradien unter Michael I. und Michael II. seine Besitzungen im Norden der micolinischen Halbinsel zu halten. Die Tulinesische Republik sah in einer neuerlichen sagradisch-micolinischen Union unter Karl VI. eine Gefahr für die eigene Unabhängigkeit und kämpfte um seine Vorherrschaft im Blaumeer sowie seine Kolonien in Ostmicolinien. Für die nur zeitweise und auch nur indirekt gegen Karl VI. kämpfenden Servettenser ging es vor allem um eine Stärkung der eigenen Hausmacht in Südmicolinien, während die Anmeldung eigener Ansprüche auf die micolinische Krone vor allem taktischer Natur war.

Kriegsverlauf

Die Anfangsphase des Kriegs zwischen Sagradien und Micolinien brachte Erfolge für Micolinien, das bis nach Gerón vordringen konnte, die Belagerung der Stadt aber 1420 aufgeben musste. Die gescheiterte Belagerung Geróns führte zu einer Wende im Krieg. Obwohl Michael I. von Sagradien in der Schlacht von Porto Valés 1421 fiel, siegte sein Sohn Don António 1422 und 1423 bei San Cristo und Alágua, ehe die Kämpfe vorübergehend eingestellt wurden. Während Karl VI. in der Folge mit Gefechten gegen Tulis und das rebellierende Haus Saloa-Servette beschäftigt war, nahm Sagradien unter Michael II. die Kämpfe im Jahr 1427 wieder auf und rüstete zur Gegenoffensive. In der Schlacht von Cania erlitt Micolinien eine empfindliche Niederlage und verlor in der Folge große Gebiete Contes an Sagradien. Die Rebellion Contes gegen Sagradien im Jahr 1431 beendete schließlich die sagradische Offensive. Kleinere Gefechte brachten in der Folge keine neuen Entwicklungen, ehe die Kämpfe 1439 weitgehend eingestellt wurden. 1440 schloss Micolinien einen Separatfrieden mit Tulis, das seine Stützpunkte in Micolinien behielt, ehe der Krieg im Frieden von Tesqué von 1443 endgültig beendet wurde.

Folgen

Mit dem Frieden von Tesqué endete die von 1321 mit 1386 bestehende und danach von verschiedenen Seiten angestrebte sagradisch-micolinische Union endgültig und die seit dem 11. Jahrhundert andauernden Kämpfe um Perucía wurden aufgegeben. Mit dem Verzicht Sagradiens auf Perucía und dem Micoliniens auf Golens sowie die Festschreibung der so genannten "Medeo-Linie" als Grenze beider Staaten wurde die bis 1815 und mit leichten Veränderungen in Bezug auf Golen bis ins 20. Jahrhundert hinein gültige Grenze zwischen beiden Staaten festgelegt. Der Vertrag von Tesqué kann darüber hinaus als Gründungsstunde des modernen micolinischen Nationalstaates gelten, da das neue Königreich erstmals überhaupt neben Süd- und Mittelmicolinien auch den peruzinischen Norden umfasste, der heute als integraler Bestandteil Micoliniens angesehen wird.

Der Frieden mit Micolinien bildete die Grundlage für den Aufstieg Sagradiens zur europäischen Großmacht und zur Weltmacht im 16. Jahrhundert (so genanntes Goldenes Jahrhundert). Das Haus Saloa-Servette konnte sich im Süden de facto als unabhängige Macht etablieren, deren Besitztümer am Ende des Jahrhunderts an die sagradischen Santori-Könige fiel. Die im Krieg gegründete Allianz der Häuser Santori und Vesaey ist zudem Fundament der 1490 vollzogenen sagradisch-tulinesischen Union sowie der bis zum 18. Jahrhundert andauernden Herrschaft der Santori in Sagradien. In Micolinien konnte sich das Königtum des Hauses Interea stabilisieren, dessen Herrschaft in Nebenlinien bis heute andauert.

Der Frieden zwischen Sagradien und Micolinien hielt nicht einmal ein halbes Jahrhundert. Mit dem Ende der Servettiner Dynastie im Süden kam es seit 1477 zu neuerlichen Kriegen zwischen Sagradien und Micolinien um das Erbe der Saloa in Südmicolinien, in denen sich schließlich die sagradischen Santori durchsetzen konnten.

Einschätzung

Die micolinische Nationalgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts sah den Fünfzigjährigen Krieg mehrheitlich als Fortsetzung des Befreiungskriegs gegen Sagradien und als micolinischen Einigungskrieg. Dagegen wurde der Krieg in Sagradien als erfolgreicher Abwehrkrieg der micolinischen Expansionsbestrebungen angesehen. Die neuere Forschung betont den machtpolitischen Charakter des Erbfolge- und Bürgerkriegs und bezeichnet die Auseinandersetzungen als Beispiel eines Staatsbildungskriegs.