Movimiento Popular Democrático
Das Movimiento Popular Democrático (kurz MPD, deutsch Demokratische Volksbewegung) war ein bürgerliches Wahlbündnis und später eine Mitte-Rechts-Partei in der Frühphase der Dritten Sagradischen Republik.
Inhaltsverzeichnis
Gründung als Wahlbündnis
Das MPD wurde anlässlich der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung 1945 als Wahlbündnis mehrerer reformistischer und liberalkonservativer Mitte-Rechts-Parteien gegründet. Zugpferd waren zunächst der Partido Democrático Reformador (PDR) des ehemaligen ARD-Vorsitzenden Daniel La Ponte, das Cientro Reformista von Oscar Corrado sowie der Junta-nahe Partido Democrático Conservador (PDC). Dazu kamen u.a. der konservativ-liberale Partido Republicano von Gerardo Ferrera, der klassisch-liberale Partido Liberal de Sagradia (PLS) von António Miguel Verón sowie die eher sozialliberal ausgerichtete Alianza Democrática Social (ADS). Die meisten dieser Parteien standen in personeller oder ideologischer Tradition zu den bürgerlich-säkularen Mitte-Rechts-Parteien der Zweiten Republik wie der Alianza Republicana oder dem Partido Liberal-Republicano, so vor allem PDR und PLS.
Ausrichtung
Das MPD sah sich selbst als reformistische, republikanische und demokratische Sammlungspartei und kann insgesamt als gemäßigt-konservative Partei angesehen werden, die vor allem auf die alte Wählerklientel der Unión Popular, aber auch der republikanisch-liberalen Parteien der Vorkriegszeit abzielte. Ähnlich wie die meisten Mitte-Rechts-Parteien der Vorkriegszeit war auch das MPD mehr eine Wahl- und Honoratioren- als eine Massenpartei und konnte nur auf eine sehr geringe Mitgliederzahl bauen. In der Gründungsphase des MPD nahm Daniel La Ponte eine Schlüsselstellung ein, der als einer der erfahrensten und politisch unvorbelasteten Politiker des Landes über eine große Zugkraft verfügte. Er vertrat das Konzept einer gemäßigt-säkularen, aber keinesfalls kirchenfeindlichen Partei der Mitte, die Liberale und Konservative gegen die Vorherrschaft von Sozialisten und Kommunisten sammeln sollte. In diesem Anspruch stieß der MPD allerdings auf die Konkurrenz der im PCC gesammelten Christdemokraten, deren Katholizismus das MPD allerdings ablehnte. Damit zählte das MPD vor allem auf jene bürgerliche Kreise, die sich vom Klerikalismus des PCC distanzierten und sich auf die säkular-bürgerliche Tradition des sagradischen Republikanismus beriefen. Das MPD war die am stärksten marktwirtschaftlich ausgerichtete Partei der frühen Republik.
Entwicklung als Partei bis 1949
Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung 1944 erreichte das MPD 15 Prozent der Wählerstimmen und blieb damit deutlich hinter dem PCC mit 24 Prozent zurück. Als Probleme erwiesen sich vor allem die dezentrale Führungsstruktur und die deutliche Ablehnung der nach wie vor einflussreichen katholischen Kirche. In der neu gebildeten Demokratischen Koalition aus Christdemokraten, Sozialisten und Kommunisten war das MPD nicht vertreten, das weiterhin jede Zusammenarbeit mit der sozialistischen Linken ablehnte. Aufgrund des eher enttäuschenden Wahlergebnisses bemühte sich Daniel La Ponte bald um eine Umwandlung des locker organisierten Bündnisses in eine zugkräftige Partei. Aufgrund der ideologischen Vielfalt der Mitglieder gestaltete sich dies als schwierig. Zwar gelang im Herbst 1945 die Parteigründung unter der Führung La Pontes, jedoch verließen sowohl Vertreter des reformistisch-zentristischen Flügels in Richtung der Parteien der Mitte, als auch Vertreter des rechten Flügels das MPD. Letztere gründeten den nationalliberalen Partido Nacional Democrático (PND) oder schlossen sich anderen Rechtsparteien an.
Die im Sommer 1946 verabschiedete Verfassung wurde vom MPD wesentlich mitgetragen, bei den ersten Kammerwahlen im Jahr 1946 gelang es dem MPD aber nicht, seine Stimmenanteile zu vermehren. Stattdessen fiel die Partei auf knapp 10 Prozent der Stimmen zurück und stand seitdem im Schatten der Christdemokraten, die sich als stärkste Kraft im bürgerlichen Lager etablierten. Dem ersten konstitutionellen Ministerrat unter dem Sozialisten Francisco Dorado gehörte das MPD nicht an, trat aber nach Ausscheiden der Kommunisten aus der Demokratischen Koalition im Frühjahr 1947 dem Kabinett Delauro bei. Seit 1949 beteiligte sich das MPD wieder an der nationalen Regierung, diesesmal unter dem Christdemokraten Paulo Luciaro. Dennoch setzten sich die Erosionserscheinungen fort. Zahlreiche Wähler und auch Mitglieder des MPD wechselten zum erfolgreicheren PCC, bei den Kommunalwahlen 1948 erlitt das MPD schwere Verluste. Dem Vorsitzenden Oscar Corrado fehlte die integrative Kraft, die verschiedenen Faktionen in Balance zu halten, zumal dieser selbst den liberalkonservativen Flügel repräsentierte, der gegenüber den schrumpfenden Progressiven und Nationalisten klar die Oberhand gewann. Aufgrund des Erfolgs der Christdemokraten und deren Einlenken auf eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftspolitik und gemäßigte Positionen in der Kirchenpolitik lehnte sich das MPD immer stärker an die Christdemokraten an, übernahm dessen Positionen in der Wirtschafts- und Außenpolitik weitestgehend und verlor damit zunehmend seine politische Eigenständigkeit, zumal es der Partei nie gelungen war, ausreichende Parteistrukturen aufzubauen.
Beteiligung am Wahlbündnis Convergência und Zerfall
Bei den Senatswahlen 1949 beteiligte sich das MPD zusammen mit anderen Mitte-Rechts-Gruppierungen am Wahlkartell des PCC, bei den Präsidentschaftswahlen unterstützten Christdemokraten den MPD-Kandidaten Daniel La Ponte, der allerdings bereits im ersten Wahlgang knapp aus dem Rennen schied. Schließlich bildeten die Parteien der rechten Mitte zu den Kammerwahlen 1950 das Wahlbündnis Convergência mit einer gemeinsamen Wahlliste, das zur Keimzelle einer neuen Partei werden sollte. Dagegen formierte sich der liberale Flügel als Partido Liberal Democrático neu und schied aus der Partei aus. Nach dem Erfolg der Convergência steuerten die im Bündnis dominierenden Christdemokraten zielstrebig auf eine Parteienfusion hin, um das Wählerpotenzial auch auf säkulare Gruppen zu erweitern. Der Beschluss der Parteiführung um Oscar Corrado, das Angebot der Christdemokraten anzunehmen, spaltete die bereits dezimierte Partei endgültig. Eine kleinere Gruppe von Dissidenten um Gerardo Ferrera verließen die Partei und bildeten zunächst die Colegación de Republicanoes Independientes (CRI), aus der 1955 der wiedergegründete Partido Republicano hervorging. Andere wiederum sammelten sich hinter dem jungen Lorenzo Estrubal in dessen Coalición Democrático del Progreso (CDP). Das Rest-MPD ging schließlich im November 1952 in der neu gegründeten Convergência Social Democrática auf, deren Parteiführer der Christdemokrat Luciaro wurde.
Erbe der Partei
Die aus dem MPD stammenden Persönlichkeiten bildeten innerhalb der CSD (seit 1965 PP-CSD) größtenteils den liberalen und liberalkonservativen Flügel und beeinflussten dessen marktwirtschaftliche Ausrichtung stark, auch wenn die Partei wesentlich von ehemaligen Christdemokraten geprägt wurde. Der Partido Republicano konnte sich auf Dauer nicht als eigenständige Kraft behaupten, wurde in den Sechziger Jahren zum kleinen Bündnispartner der CSD und ging schließlich ganz in dieser auf. Die MPD-Nachfolgegruppen im PLS und der CDP dagegen bildeten zusammen mit Radikalen aus der UDR und dem PND den Kern des liberalen Wahlbündnisses Unión Democrática, das sich 1961 zur Partei UDS vereinigte und als eigenständige liberale Kraft im bürgerlichen Lager behaupten konnte.