Gabriel X. Emil
Karl Joseph Ludwig II. (von Sagradien) (José Luis II, *1769; †1829, eigentlich Karl Joseph Ludwig Anton Maria Ignatius vom Heiligen Licht von Vienne) war König von Sagradien (1813-1829) aus dem Herrscher-Haus Vienne. Er gelangte 1813 nach der Ermordung seines Neffen Gabriel IX. auf den Thron und herrschte bis zu seinem eigenen Tod 1829. Als Herzog von Alconía hatte Joseph Ludwig bereits von 1797 bis 1805 als Regent für seinen Neffen geherrscht.
Inhaltsverzeichnis
Jugend
Don Carles José Luis António María Ignácio de la Santa Luce de Viena i Borbón, Duca d'Alconía i Liez, wurde 1769 als zweitältester Sohn des sagradischen Kronprinzen Joseph Ludwig und dessen zweiter Frau Marie Isabelle, genannt Maribelle, von Frankreich geboren. Er war damit ein Enkel König Gabriels VIII., der seit 1757 regierte. Nach dem Tod Gabriels VIII. 1792 wurde Karl Joseph Ludwigs Vater Joseph Ludwig I. sagradischer König, der ältere Sohn Gabriel María wurde nun Thronfolger.
Im Jahr 1793 heiratete der als Herzog von Alconía bekannte Karl Joseph Ludwig Prinzessin Johanna von Mikolinien, die Tochter Karls XI., der ein Jahr später den mikolinischen Thron bestieg. Johanna gebar ihm 1795 den Sohn Philipp Albert (Don Filipe Alberto, genannt Filiperto), der den Titel eines Prinzen von Vesaey erhielt. 1799 folgte der Prinz Manuel, späterer Graf von Casigón. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er in zweiter Ehe schließlich die Bourbonenprinzessin Beatrice von Sizilien.
Regentschaft und Exil
1797 starb Joseph Ludwig I. Nachdem der ältere Sohn Gabriel Maria, Prinz von Sarmay bereits 1795 gestorben war, wurde nun dessen siebenjähriger Sohn Luis Gabriel als Gabriel IX. zum König erhoben. Für diesen übernahm Herzog Karl Joseph Ludwig als nächster männlicher Verwandter und Präsumptiverbe die Regentschaft.
Unter der Regentschaft des Herzogs von Alconía versuchte Sagradien die 1795 verlorenen Gebiete im Nordosten des Landes von Frankreich zurückzuerobern und nahm an den Koalitionskriegen teil. Nachdem die Rückeorberung im Koalitionskrieg von 1799 gescheitert war, gerieten der Regent und sein Leitender Minister, León António de Vequia (seit 1798), unter immer größeren Druck liberaler Kräfte, die eine Reformierung des absoluten Regierungssystems forderten. Aus Furcht vor einem Übergreifen der revolutionären Ideen auf Sagradien verschärfte er die innere Zensur. Um die Gebiete im Nordosten wieder zu erlangen, trat Joseph Ludwig 1805 der neuen Koalition gegen den französischen Kaiser Napoléon I. bei und führte einen neuerlichen Krieg gegen Frankreich, das Sagradien in die Kontinentalsperre gegen England zwingen wollte. Schnell geriet er auf die Verliererstraße. Nach der Schlacht von Menar im September 1805 musste Joseph Ludwig mit Frankreich den Vertrag von Challón schließen und auf Druck Napoléons hin die Regentschaft niederlegen. Er wurde in der Folge als faktischer Gefangener im französischen Château de Chambord unter Kontrolle Napoléons gehalten.
In der Folge betrieben Marie Luise von Parma als Regentin und der seit 1808 selbst regierende Gabriel IX. eine pro-französische Politik und standen in enger Abhängigkeit von Napoléon, die im Land zu Unmut und vermehrt auch zu Widerstandsversuchen führten. In seiner Abwesenheit wurde daher des öfteren über die Möglichkeit einer Rückkehr des Herzogs nach Sagradien spekuliert, um selbst wieder die Regentschaft zu übernehmen. Besonders die erstarkende patriotische Bewegung im Land erhoffte sich davon eine Abkehr von der als Belastung und Schande empfundenen Abhängigkeit von Frankreich und eine Hinwendung zur antifranzösischen Allianz.
Rückkehr und Thronbesteigung
Im Dezember 1812 kam es zu einem Attentat auf das Leben König Gabriels IX., in deren Folge der junge König starb. Es folgte die so genannte Winterkrise 1812/13, in der Napoléon vergeblich versuchte, mit militärischem Druck die Witwe des Königs, Julie Bonaparte, eine Nichte Napoléons, als regierende Königin zu etablieren. Die von liberalen Patrioten dominierten Cortes von Diegue erhoben stattdessen Karl Joseph Ludwig zum neuen König, der sich jedoch noch immer in französischer Gefangenschaft befand. Don Miquel de Vuelta, ein Cousin Joseph Ludwigs, übernahm nun den Oberbefehl über ein Heer sagradischer Exilanten und konnte zusammen mit Wellington und dem mikolinischen General Joann Osvalt Cresq in der Schlacht bei Colón einen entscheidenden Sieg gegen Napoléon feiern, der zur Flucht Julie Bonapartes aus Sagradien und zur Freilassung Joseph Ludwigs führte. Im Vertrag von Chambord einigten sich Joseph Ludwig und Napoléon auf Konditionen eines Friedens, der Sagradien von allen Tributverpflichtungen und von den Besatzungstruppen befreite.
Joseph Ludwig kehrte nach Sagradien zurück, bestieg als Joseph Ludwig II. den Thron und betrieb in der Folge eine strikte Neutralitätspolitik. Damit geriet er aber im europäischen Konzert der Mächte ins Abseits, wo sich eine Koalition gegen Napoléon versammelt hatte. Die Versuche Joseph Ludwigs, sich der antifranzösischen Koalition anzuschließen, kamen zu spät. Auf dem Wiener Kongress erhielt Joseph Ludwig zwar Cereza und Cripón von Großbritannien, Cuentez von Mikolinien sowie Nordostsagradien von Frankreich zurück. Sagradien verlor aber den Großteil Golens an das Königreich Mikolinien, lediglich der kleinere Ostteil Golens blieb in sagradischer Hand.
Novemberrevolution
Im Innern machte sich Joseph Ludwig schnell daran, das Ancien Régime zu restaurieren, und wehrte sich gegen die Forderungen der entstehenden liberalen Bewegung in Sagradien. Er lehnte es ab, die von den Cortes von Diegue 1812 erarbeitete liberale Verfassung anzuerkennen, löste die Cortes auf und setzte auch den Code Civil außer Kraft. Stattdessen wurde wieder zum alten landständischen Regierungssystem zurückgekehrt, das sich an keine konstitutionellen Prinzipien gebunden fühlte. Die folgenden vier Jahre werden daher als "Cuartênio Absoluta" bezeichnet. Die von den Cortes immer wieder gemachten Vorstöße zu einer konstitutionellen Charta wurden von Joseph Ludwig abgelehnt und gleichzeitig zeigten sich Zeichen von Altersschwäche, die den König immer wieder bei der Ausführugn seiner Amtsgeschäfte störten und ihn gleichzeitig unfähig machten, die Notwendigkeiten der politischen Realität zu erkennen.
Dabei geriet er nach den Misserfolgen auf dem Wiener Kongress zunehmend unter heftigen inneren Druck, da die liberale Nationalbewegung die Rückeroberung Golens forderte. Ende Oktober 1817 begann schließlich unter liberalen Offizieren und Adligen ein Aufstand gegen den König, der großen Anklang im Bürgertum fand und als Novemberrevolution in die sagradische Geschichte einging. Aus dem militärischen Aufstand drohte im November 1817 ein Bürgerkrieg zu werden.
Der König wurde schließlich von seinem liberal gesinnten Vetter Miquel Franicsco, Herzog von Vuelta, dem Kriegshelden von 1812/13 gedrängt, einen liberalen Siebenerrat (Septimat) als Mit-Regierung einzusetzen, der als Stellvertretung der Cortes fungieren und Verhandlungen mit der Junta aufnehmen sollte. Ende November schließlich einigten sich die Parteien auf einen Ausgleich. Von meuternden Offizieren dazu gedrängt, dem Ausgleich zuzustimmen, erkannte Joseph Ludwig den Septimat als Mitregierung an und erließ eine liberale Verfassung auf Grundlage des Verfassungsentwurfs von 1812, die so genannte Novemberverfassung. Sagradien wurde damit eine konstitutionelle Monarchie.
Golenkriege
Den Aufstand in Sagradien und die folgenden als "Semanas Liberales" bezeichneten Wochen nutzte der mikolinische König Karl XI. und führte unter dem Vorwand der Wiederherstellung der alten Ordnung ein neues Heer nach Ostgolen. Eigentliches Ziel war jedoch nicht der Sturz der liberalen Regierung, sondern die Einverleibung der gesamten golischen Gebiete ins Königreich Mikolinien. Sagradien rüstete in der Folge zur Rückeroberung Golens.
1819 nutzte Sagradien einen Bauernaufstand in Westgolen dazu, auf Druck der Cortes Generales hin den Vertrag von Vèrisa, der die Abtretung Golens sanktioniert hatte, zu widerrufen. Damit löste es den sogenannten ersten Golenkrieg gegen Mikolinien aus. Nach erfolglosem Kriegsverlauf für Sagradien musste Sagradien 1825 den Friede von Sancristo hinnehmen, der Mikolinien fast ganz Golen zuschrieb und einer Absolutniederlage Sagradiens gleichkam. Der König geriet im Innern unter großen Druck. Um seine Stellung zu sichern, löste er sich endgültig von seinen liberalen Beratern und berief 1825 den Konservativen Bernardo Graf Dirán zum Leitenden Minister. Dieser beschnitt die zuvor gewährten Freiheiten wieder stark und versuchte, die autoritäre Stellung des Königs zu sichern. Dirán forcierte 1827 den Zweiten Golenkrieg gegen Mikolinien, indem er eine innere Schwäche Mikoliniens unter dem neuen König Franz VII. dazu nutzte, Mikolinien erneut den Krieg zu erklären. Diesmal verlief der Krieg weitaus günstiger für Sagradien und Golen konnte bald in großen Teilen wiedererobert werden. Mitten in den Krieg fiel 1829 der Tod des Königs. Da Joseph Ludwigs ältester Sohn Philipp Albert, genannt Filiberto, bereits 1825 gestorben war, wäre eigentlich Joseph Ludwigs zweitältester Sohn Manuel von Casigón nachgefolgt, der jedoch nach der heimlich geschlossenen unstandesgemäßen Ehe mit der Grafentochter Marifrancisca de Clermente auf sein Erbe verzichtet hatte.
Aus Angst vor mikolinischen Ansprüchen wählten die Cortes nun rasch den Bruder des verstorbenen Königs, Emilio Joán de Borbón-Viena, Herzog von Viça, als Emil I. Johann zum neuen König. Dessen Erster Minister, der Abat de Francovil, leitete unmittelbare Friedensverhandlungen mit Mikolinien ein, die zum Friede von Diegue 1829 führten, in dem der Status quo ante von 1815 wiederhergestellt wurde. Alle Versuche von liberaler Seite, den Grafen von Casigón dazu zu bewegen, den Thron zu beanspruchen, scheiterten an dessen ablehnender Haltung. Erst sein Sohn Francisco Javier de Casigón versuchte 1848 vergeblich, den Thron zu beanspruchen. Seine Nachkommen werden als manuelitische Prätendenten bezeichnet.