Manuel Sants-Igualde
Manuel Rodrigo Álamo Igualde (*1898 in Carrel de Amôria; +1960) war ein sagradischer Politiker der rechtskonservativen UP und sagradischer Ministerpräsident von 1938 bis 1941. Er war der letzte Regierungschef der Zweiten Republik vor dem Zweiten Weltkrieg und verfolgte das Programm einer abwehrbereiten Neutralität. Dabei suchte er außenpolitisch vor allem, sein Land aus einer militärischen Konfrontation mit dem NS-Regime herauszuhalten, setzte innenpolitisch aber auf eine teilweise Beschneidung politischer Opposition und Kritik. Neben dem Amt des Premierministers bekleidete er zudem zeitweise das des Außen- und das des Innenministers. Seine Regierung der Nationalen Kommunion endete 1941 mit seiner Entlassung durch Präsident Luciano Capón.
Inhaltsverzeichnis
Jugend und frühe Karriere
Manuel Álamo Igualde wurde 1898 in der amorischen Kleinstadt Carrel geboren. Er war der Sohn eines erzkatholischen Lehrers und besuchte ein katholisches Gymnasium. Danach studierte er Rechtswissenschaft und wurde Anwalt. Bereits in Studentenjahren engagierte er sich in mehreren katholischen Organisationen und trat der Acción Popular bei. Er beteiligte sich an Gründung und Aufbau der Círculoes de la Juventú, die sich zur Jugendorganisation der katholischen Unión Popular entwickelte. Bis 1928 schrieb er für die Zirkel-nahe Zeitschrift La Nova Epoca und wurde 1926 deren Chefredakteur. Nach seiner Promition zum Dr. jur. arbeitete Álamo für einen rechtskatholischen Juristenverband. Nachdem er bereits zuvor in die nationale Führungsriege der Jugendzirkel aufgestiegen war, wurde 1929 deren Chefe Nacional.
Aufstieg in Jugendzirkeln und Regierung
Als Chefe Nacional der Jugendzirkel führte Álamo die Jugendorganisation der Volksunion auf einen autoritär inspirierten Rechtskurs, der die Zirkel in Widerspruch zur Mutterpartei brachte. Nach der Wahl des UP-Führers Estefán Gaeta d'Alejandro unterstützte Álamo dessen Programm der Renovación Nacional, vor allem zur Stärkung der Exekutive, der ständischen Elemente und der "organischen Einheit" von Volk und Staat.
Unter der Präsidentschaft Gaetas bekleidete Álamo mehrere Ministerämter, darunter das des Ministers für öffentliche Wohlfahrt im Kabinett Negrín. In einer Regierungserklärung nannte Álamo die korporatistische Ausrichtung der Gesellschaft als Ziel seiner Politik und sagte den "Feinden des Staates von links" den Kampf an.
Nach dem Scheitern der Regierung Negrín im Herbst 1934 hoffte Álamo vergeblich auf eine Berufung zum Premierminister, musste aber dem parteilosen Konsenskandidaten Sergio Rafael Dini den Vortritt lassen. In dessen erster Regierung wurde Álamo Staatssekretär, verzichtete Anfang 1935 aber auf ein Ministeramt.
Übernahme der Parteiführung
Bei der Parlamentswahl 1936 verlor die regierende Rechtskoalition gegen die linke Volksfront. In der Folge stieg Álamo als Nachfolger von Estefán Gaeta zum neuen Führer der Volksunion auf und konnte sich auf dem Noyarenser Parteitag mit seinem Programm der radikalen Opposition gegen die Linke durchsetzen. In der Folge begann er, die Partei ganz auf seine Person hin auszurichten, wie es ihm bereits zuvor mit den Zirkeln und den Juntisten geglückt war. Die linke Volksfrontregierung wurde zum Hauptfeind erklärt.
Regierung der Comunión Nacional
Im Kampf gegen die "linke Republik" tolerierte Álamo auch punktuelle Kooperationen mit rechtsextremen Kreisen aus dem Umfeld des Faschistenführers León Francês. 1937 kam es zu gemeinsamen Demonstrationen von Volksunion und faschistischen Sympathisanten gegen die Linksregierung. Zwar distanzierte sich Álamo von Francês und seiner politischen Gewalt, verteidigte aber das gemeinsame Ziel der Abwehr des Kommunismus. Im November 1937 entging Álamo nur knapp einem anarchistischen Attentat.
Nach der Ermordnung des sozialistischen Staatspräsidenten Santiago Laval im Februar 1938 führte Álamo das Bündnis seiner Volksunion bei der folgenden Parlamentswahl im April zu einem klaren Sieg. Álamo wurde daraufhin zum Ministepräsidenten einer katholisch-liberalen Koalitionsregierung ernannt.
Zweiter Weltkrieg
Gegenüber der aggressiven Außenpolitik Hitlers reihte sich Manuel Álamo in die internationale Reihe der Appeasement-Politiker ein und suchte einen Krieg zu verhindern. Auch nach dem Angriff Deutschlands auf Polen im Herbst 1939 erklärte Álamo, keinen Grund für eine sagradische Intervention zu sehen. Sagradien blieb in der Folge neutral, steigerte aber die Rüstungsausgaben. Mit Beginn der Invasion Frankreichs durch deutsche Truppen im Mai 1940 stieg auch in Sagradien die Furcht vor einer Verwicklung in den Krieg. Die zahlreichen Anhänger eines Kriegseintritts auf Seiten der Alliierten verstummten mit zunehmendem Erfolg der Deutschen im Blitzkrieg. Der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland im Juni 1940 bestätigte die Regierung darin, dass ein neutrales Sagradien der beste Weg wäre, den befürchteten Angriff Deutschlands zu vereiteln. Am 1. Juni 1940 erklärte Premierminister Álamo sein Programm der „Nationalen Kommunion“, in der das ganze Land die Integrität und Sicherheit der Nation verteidigen sollte.
Wenige Tage nach dem Waffenstillstand in Compiègne kam es am 30. Juni zu einer parlamentarischen Abstimmung über ein Ermächtigungsgesetz gegenüber der Regierung Álamo, das der Exekutive erlauben sollte, exekutive und legislative Abwehrmaßnahmen gegen einen befürchteten deutschen Angriff zu ergreifen. Auch Bürgerrechte wie die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit sollten betroffen sein. Das Gesetz erhielt schließlich eine knappe parlamentarische Mehrheit, nachdem auch Teile des Partíu Radical zugestimmt hatten.
Mit dem durch den nationalen Notstand erklärten Juni-Gesetz 1940 schlug Sagradien einen zunehmend autoritären Weg ein. Die Befugnisse der Regierung wurden extensiv gebraucht, die Presse deutlich eingeschränkt und schließlich auch Aktivitäten der Linksparteien kriminalisiert. Sozialistische Versammlungen wurden mit der Begründung aufgelöst, sie dienten dem Feind als Angriffsgrund und zwängen Sagradien in den Weltkrieg. Nach anhaltenden Protesten der Sozialisten folgten im August 1940 schließlich weitere Restriktionen gegen führende Politiker des Partíu Socialista, Abgeordnete des Partíu Radical verließen die Partei und schlossen sich der neuen Comunión Nacional an, die zwar keine Staatspartei im eigentlichen Sinn darstellte, aber wesentliches Propagandainstrument der Regierung Álamo wurde und als „politische Organisation der Volksgemeinschaft“ diente, in der alle Gegensätze und Spannungen der pluralistischen Gesellschaft aufgehen und neutralisiert werden sollten.
Mit der Augustrevision 1940 wurde die Verfassung aus dem Jahr 1892/95 in zentralen Punkten geändert. Staatsname blieb zwar offiziell „República Sagradêsa“, im öffentlichen Leben wurde aber fortan die Bezeichung „Sagradischer Staat“ (Estàu Sagradês) bevorzugt. Die Stellung des Staatspräsidenten wurde deutlich gestärkt, die des Parlamentes geschwächt, da den Präsidenten nicht mehr mit einfacher Mehrheit absetzen konnte. Der Rat der Republik wurde nach ständestaatlichen Vorstellungen als ’’Staatsrat’’ zur korporatistischen Vertretung umgewandelt. Das Näheverhältnis zur katholischen Kirche blieb zwar nicht spannungsfrei, stellte aber eines der wichtigen Fundamente der Nationalen Kommunion dar. Aus dem sagradischen Rechtsstaat wurde unter Álamos Führung nun ein autoritäres Notstandsregime. Die paramilitärischen Einheiten der Volksunion (Juntas Accionistas) wurden in der Miliça Nacional eingegliedert. Als Geheimdienst im Inneren fungierte die Policía Interior de Securitá (PIS), neben der unabhängig der Ordre Secreto besondere Funktionen übernahm und direkt dem Premierminister unterstand.
Absetzung und Exil
Zentral für den weiteren Kriegsverlauf sollte die Kontrolle über den Bretagnekanal werden, weswegen beide Kriegsseiten aktiv um die Gunst der Álamo-Regierung in Sagradien warben. Bereits im Frühjahr 1940 hatte es britische Pläne gegeben, eine Invasionsarmee in die sagradische Bretagne zu entsenden, um den wichtigen Kanal unter Kontrolle zu bringen, ehe dies die Deutschen tun konnten. Diese wurden mit Rücksicht auf Sagradiens offiziellen diplomatischen Status aber nicht durchgeführt. Im Laufe des Jahres 1941 begann sich die öffentliche Meinung in Sagradien zum Krieg zu drehen. Die Zugeständnisse an Deutschland, mit dem Ziel die Neutralität zu wahren, wurden auch innerhalb der Nationalen Kommunion zunehmend unpopulär. Dazu kamen anhaltende Verletzungen der sagradischen Neutralität durch – angeblich versehentliche – deutsche Angriffe aus der Luft und auf See sowie Versuche, das Land durch Spione zu infiltrieren. Der Druck auf Álamo, Deutschland den Krieg zu erklären, wurde in der zunehmend anti-deutsch gestimmten Öffentlichkeit immer größer.
Es kam in der Folge zu einem Zerwürfnis zwischen Álamo und Präsident Luciano Capón, der sich stärker an die Alliierten anlehnte und vor allem Großbritannien Unterstützung gegen die deutsche Bedrohung versprach. Als Álamo Igualde den Präsidenten ultimativ aufforderte, sich seiner Neutralitätspolitik anzuschließen, wurde er im Dezember 1941, unmittelbar nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten, aus dem Amt entlassen. Zum Nachfolger ernannte Capón den früheren Premierminister Sergio Rafael Dini.
Álamo blieb zwar Chef der Comunión, verlor ohne Amt aber zunehmend an Einfluss. In der Konsequenz erklärte Sagradien gegen den Rat Álamos dem Deutschen Reich den Krieg und trat damit auf Seiten der Alliierten ins Kriegsgeschehen ein. Mit dem Kriegseintritt ging die Entscheidungsgewalt wesentlich auf Präsident Luciano Capón und den Oberbefehlshaber General Oscar Taglle Rodríguez über. Dagegen verlor die Nationale Kommunion schnell an Einfluss. Nach dem Kriegseintritt wurde Xavier-Castrell auch als Führer des Zentralkomitees für die Nationale Kommunion zum Nachfolger Álamos bestimmt. Álamo dagegen zog sich aufs Land zurück.
Nach der sagradischen Kriegserklärung nahmen deutsche Truppen schlagartig Fidelfe und weitere Städte an der sagradischen Ostküste ein, um sich den Zugang zum Kanal zu sichern (Operation Roderich). Binnen weniger Tage brachten deutsche Truppen nun große Teile des sagradischen Nordostens unter ihre Kontrolle und setzten dort den entlassenen Stellvertreter Manuel Álamos Caro Mêstre als Chef einer Gegenregierung mit Sitz im ceundalischen Fidelfe ein (Regierung von Fidelfe), die als deutsche Marionettenregierung fungierte. Álamo musste nun fürchten, als Kollaborateur des Kriegsgegners verfolgt zu werden und setzte sich schließlich nach Mikolinien ab, von wo aus er nach Amerika übersiedelte. Dort verbrachte er seinen Lebensabend.
Historische Einschätzung
Die Person und Politik Manuel Álamos gehört zu den umstrittensten Kapiteln der sagradischen Geschichte. Lange Zeit war das sagradische Geschichtsbild vom Glauben bestimmt, Sagradien habe seit 1891 kontinuierlich einen demokratischen Weg beschritten und habe auch der Gefahr des Faschismus widerstanden. Das lange Festhalten Sagradiens an einer neutralen Position im Zweiten Weltkrieg wurde lange Zeit aus pazifistischen und sicherheitspolitischen Gründen erklärt. Das Regime Álamos wurde dabei von mehreren Generationen von Historikern mehrheitlich als Notstandsregime verstanden, das auf einem Mehrheitskonsens in der Bevölkerung beruht habe. Lediglich die Einschränkung von Bürgerrechten wurde kritisiert, aber unter Verweis auf die Notsituation relativiert. Eine solche Auffassung wurde auch von der offiziösen Geschichtspolitik der sagradischen Nachkriegsregierungen vertreten und prägt noch heute das Denken von großen Teilen der politischen Rechten in Sagradien.
Erst in den Sechziger Jahren wurde größere Kritik an diesem Geschichtsbild geäußert. Vor allem von Seiten der politischen Linken wurde Álamo nun verstärkt mit den diversen faschistischen und autoritativen Strömungen im Europa der Zwischenkriegszeit in Verbindung gebracht. Die neue Kritik wurde bald auch durch Quellen untermauert, die das Verhältnis Álamos zu Faschismus und Nationalsozialismus untersuchten. Wie aus Dokumenten hervorgeht, zeigte Álamo in den Zwanziger und noch in den Dreißiger Jahren gegenüber Vertrauten eine gewisse Bewunderung für die Person Mussolinis. An Hitler kritisierte er anfänglich jedoch die antiklerikalen Tendenzen, gewann ihm aber auch positive Seiten ab. So zeigte er sich außenpolitisch noch nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überzeugt, Hitler vertrete legitime Anliegen. Inwieweit dies Álamos eigene Politik beeinflusste ist jedoch ebenso umstritten, wie die Frage nach den eigenen staatspolitischen Zielen. Während einige Historiker davon ausgehen, Álamo habe das Ziel eines autoritären Ständestaats und der dauerhaften Suspendierung der Demokratie vorgeschwebt, diese habe er lediglich nicht durchsetzen können, halten andere an der Offenheit der Entwicklung fest und halten Álamo zugute, zumindest formal an der demokratischen Verfassung festgehalten zu haben.
Heutige Forscher weisen mehrheitlich auf die Verwurzelung Álamos in der katholisch-konservativen Rechten der Zwischenkriegszeit hin, in der der Gedanke einer autoritativen Transformation und der Stärkung der Exekutive zulasten des Parlaments weit verbreitet war. Zwar konnte sich kein allgemeiner antidemokratischer Konsens herausbilden wie in anderen Ländern Europas, doch zeigten sich auch in Sagradien antiparlamentarische Tendenzen sowohl auf der Linken wie auf der Rechten. Nach wie vor aber wird die Phase der "Nationalen Kommunion" in Sagradien kontrovers beurteilt.