Gabriel VIII.
Joseph Ludwig I. (von Sagradien) (José Luis I, *1757; †1819) war zweimal König von Sagradien und Cuentez (1792-1805 und 1813-1817) sowie als Joseph-Louis I. Herzog von Vienne. Sein Königtum wurde durch die napoleonische Phase unter seinem minderjährigen Sohn Gabriel IX. (1805-1812) unterbrochen. Nach seiner Rückkehr auf den Thron wurde er im Konflikt mit den Ständen nach der Novemberrevolution 1817 erneut gestürzt.
Inhaltsverzeichnis
Jugend, Ehen und Thronbesteigung
Joseph-Louis Charles Marie Innocence Antoine de Vienne wurde 1757 in Servette als zweitältester Sohn von Louis Gabriel Marie de Vienne geboren. Sein Großvater bestieg kurz danach als Gabriel VIII. den sagradischen Thron und sein Vater wurde als Gabriel María sagradischer Thronfolger (Prinz von Sarmay). Joseph Ludwigs älterer Bruder Gabriel Lucien erhielt den Titel eines Herzogs von Bordez und Joseph-Louis den eines Herzogs von Amoria. 1771 starb Gabriel Lucien und Joseph Ludwig erbte auch dessen Titel.
1783 heiratete er in erster Ehe die Bourbonenprinzessin Teresa Anna von Spanien. Aus dieser Ehe ging die Tochter Charlotte (Carlota) hervor, die später seinen Neffen Joseph Ludwig heiratete. Nach dem frühen Tod Teresa Annas war der Herzog von Amoria Joseph Ludwig seit 1790 mit Marie Luise von Parma verheirate, die ihm 1795 mit dem Infanten Luis Gabriel einen Sohn schenkte. Nachdem Joseph Ludwigs Vater Gabriel María bereits 1784 gestorben war, erbte Joseph Ludwig dessen Titel als Prinz von Sarmay und die Stellung als Präsumptiverbe seines Großvaters Gabriel VIII. Nach seinem Tod im Jahr 1792 folgte ihm sein Enkel Joseph Ludwig als Joseph Ludwig I. auf den Thron.
Kriege gegen Frankreich, Abdankung und Exil
Im Inneren setzte Joseph Ludwig die auf ein absolutes Königtum zielende Politik seines Vorgängers fort und regierte damit deutlich gegen die Ziele des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs sowie der 1789 ausgebrochenen Französischen Revolution an. Kurz nach seiner Thronbesteigung wurde Frederic de Calzac (1792-1798) Erster Minister des Königs und Sagradien beteiligte sich an der Koalition des monarchischen Europas gegen das revolutionäre Frankreich. Der Erste Koalitionskrieg lief jedoch unglücklich für Sagradien, das 1795 zum Frieden von Brest gezwungen wurde und den Nordosten Sagradiens mit der Bretagne und Teilen Amorias abtreten musste. Die dort ausgerufene Amorische Republik wurde bald von Frankreich annektiert und der Französischen Republik einverleibt. Als 1799 der zweite Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich ausbrach, nahm auch Sagradien unter Joseph Ludwig teil, scheiterte aber mit dem Versuch, die zuvor von Frankreich annektierten Gebiete in der Bretagne und in Amoria zurückzuerobern.
In der Folgezeit gerieten der König und sein Leitender Minister, León António de Vequia (seit 1798), unter immer größeren Druck liberaler Kräfte, die eine Reformierung des absoluten Regierungssystems forderten. Aus Furcht vor einem Übergreifen der revolutionären Ideen auf Sagradien verschärfte er die innere Zensur immer stärker. Um die Gebiete im Nordosten wieder zu erlangen, trat Joseph Ludwig 1805 der neuen Koalition gegen den französischen Kaiser Napoléon I. bei und führte einen neuerlichen Krieg gegen Frankreich, das Sagradien in die Kontinentalsperre gegen England zwingen wollte. Schnell geriet er auf die Verliererstraße. Nach der Schlacht von Menar im September 1805 musste Joseph Ludwig mit Frankreich den Vertrag von Challón schließen und zugunsten seines zehnjährigen Sohnes Gabriel IX. abdanken. Die Regentschaft sollte Gabriels Mutter Marie Luise übernehmen. Joseph Ludwig verbrachte die Folgejahre im französischen Château de Chambord, wo er unter Kontrolle Napoléons gehalten wurde.
Das Arrangement, das Sagradien unter der Regentin Marie Luise und ihrem ersten Minister Joán Batista Colón Marquês de Lima zum französischen Satellitenstaat machen sollte, zeigte nicht die von Napoléon erhofften Effekte. Stattdessen betrieb der Marquês de Lima eine auf Eigenständigkeit gerichtete Politik, die versuchte, Sagradien aus der französischen Umklammerung zu lösen. Wiederholte Verstöße gegen die Kontinentalsperre führten schließlich zur faktischen Entmachtung Marie Luises und des Marquis von Lima durch Napoléon, der im Sommer 1806 mit einem neuerlichen Heer nach Sagradien zog und einen Regentschaftsrat unter Führung seines engen Vertrauten Alexandre Lacomb einsetzte.
Rückkehr auf den Thron
Obwohl die Herrschaft Lacombs zunächst akzeptiert wurde, mehrten sich seit 1810 die Widerstände gegen die faktische französische Fremdherrschaft, die nach der Niederlage der Grande Armée im Russlandfeldzug 1812 schließlich in einen offenen Befreiungskrieg mündeten. Der überraschende Tod Gabriels IX. 1812 an den Folgen eines Attentats führte zu einer Nachfolgekrise, in der Napoléon es nicht vermochte, Gabriels junge Witwe Julie Bonaparte, eine Nichte Napoleons, als regierende Königin zu etablieren. Schließlich musste Napoléon den Forderungen der Aufständischen nachgeben, die eine Rückkehr Joseph Ludwigs auf den Thron forderten. Gemäß dem Vertrag von Chambord kehrte dieser schließlich im Frühjahr 1813 auf den sagradischen Thron zurück. Dort angekommen machte sich Joseph Ludwig schnell ans Werk, das Ancien Régime zu restaurieren. Außenpolitisch kehrte Joseph Ludwig der Bündnispolitik mit Frankreich rasch den Rücken und schloss sich schließlich der antinapoleonischen Allianz an. Auf dem Wiener Kongress wurde er schließlich als legitimer Herrscher des Landes anerkannt. Sagradien verlor aber den Großteil Golens an das Königreich Micolinien. Lediglich der kleinere Ostteil Golens blieb in sagradischer Hand.
Restauration, Septemberrevolution und erneute Abdankung
Auch die sagradischen Cortes erkannten ihn an, Joseph Ludwig aber verweigerte sich jeder Reform und war überzeugt, das Ancien Régime müsse wiederhergestellt werden. Er lehnte es ab, die von den Cortes von Diegue 1812 erarbeitete liberale Verfassung anzuerkennen, und setzte auch den Code Civil außer Kraft. Stattdessen wurde wieder zum alten landständischen Regierungssystem zurückgekehrt, das sich an keine konstitutionellen Prinzipien gebunden fühlte. Die folgenden vier Jahre werden daher als "Cuartênio Absoluta" bezeichnet. Die von den Cortes immer wieder gemachten Vorstöße zu einer konstitutionellen Charta wurden von Joseph Ludwig abgelehnt und gleichzeitig zeigten sich Zeichen von Altersschwäche, die den König immer wieder bei der Ausführugn seiner Amtsgeschäfte störten und ihn gleichzeitig unfähig machten, die Notwendigkeiten der politischen Realität zu erkennen.
Im Herbst 1817 kam es schließlich unter Liberalen zu einem Aufstand gegen den König, der großen Anklang im Bürgertum fand und als Novemberrevolution in die sagradische Geschichte einging. Der König wurde nun von seinem liberal gestimmten jüngsten Bruder Michael Herzog von Vuelta gedrängt, einen liberalen Siebenerrat (Septimado) als Mit-Regierung einzusetzen, der als Stellvertretung der Cortes fungieren sollte. Als er dies verweigerte, wurde er vom Staatsrat kurzerhand für unmündig erklärt und sein Bruder Miguel de Vuelta zum Regenten bestimmt. Dieser setzte den Siebenerrat ein und ließ Wahlen zu neuen Cortes durchführen, die Ende November in Semess zusammentraten und eine Verfassung nach dem Muster der von 1812 erarbeiten sollten.
Den Aufstand in Sagradien und die folgenden als "Semanas Liberales" bezeichneten Wochen nutzte der micolinische König Karl XI. und führte unter dem Vorwand der Wiederherstellung der alten Ordnung ein neues Heer nach Ostgolen. Regent Miguel de Vuelta, der umfassenden Reformen zugestimmt hatte, geriet nun unter zusätzlichen Druck, da ihm Konspiration mit Micolinien vorgeworfen wurde. Im Dezember schließlich erklärte der Regent im Namen Joseph Ludwigs I. dessen Abdankung zugunsten von beider Neffen Joseph Ludwig II., der schließlich von den Ständen als König bestätigt wurde. Der entmündigte und abgesetzte Joseph Ludwig verbrachte seinen Lebensabend in Schloss Barrestre bei Vierna.