Comitat von Tulis

Aus Sagradien
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Das Comitat Tulis (seltener Grafschaft Tulis) war ein, aufgrund seiner aristokratischen Regierungsweise auch als Tulinesische Republik (sagr. República Tulinêsa, azum. Repùblica Tulinêsa) bezeichneter Staat am Blauen Meer mit dem Zentrum in der Stadt Tulis.

Ursprünge des Comitats und Entwicklung zur Republik

Die Ursprünge der Republik liegen in den so genannten Comtàides Azumarèsques, ihreszeichens nominell vom Skantenreich im Norden Sagradiens abhängige Markgrafschaften, die vom Skantenkönig Roderich dem Großen nach der Schlacht von Tantallas 763 zum Schutz gegen die muslimischen Numerer im Süden der Halbinsel eingerichtet worden waren und als christliche Vorhut gegen die weitere Expansion der Numerer dienen sollten. Die Comitates standen unter der Führung eines vom skantischen König eingesetzten Militärführer (comes), der auch dafür zuständig war, dem Skantenkönig den ökonomisch wichtigen Zugang zum Blauen Meer zu sichern, der nicht nur von den Muslimen, sondern auch von einfallenden Golen bedroht war.

Von diesen als Comitates bezeichneten Markgrafschaften setzte sich bald das Tulinesische Comitat als mächtigste und de facto unabhängige Macht durch und erreichte die Unterwerfung zahlreicher kleinerer Comitates. Da die schwachen Skantenkönige in der Nachfolge Roderichs des Großen ihrer Schutzfunktion gegenüber der Comitats-Bevölkerung immer weniger nachkommen konnten, gewannen die ansässigen Maiores oder Nobiles eigenen Einfluss auf die Ernennun der Comites und einen zunehmenden Grad an Unabhängigkeit vom Skantenreich. Seit dem 9. Jahrhundert wurden die Comites von Tulis de facto immer häufiger vom Adel akklamiert, als vom König erwählt. Im 10. Jahrhundert begann sich aus dem adligen Beraterkreis des Conte ein ständiges Gremium von Nobiles herauszubilden, das als Cosèllu bezeichnet wurde. In diesem Cosèllu dominierten vor allem die in der Stadt Tulis ansässigen Familien, die sich allerdings mit dem umliegenden Landadel vermischten und eine tulinesische Oligarchenschicht bildeten.

Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur republikanischen Ordnung spielten die Machtkämpfe des 10. Jahrhunderts, in denen sich der Adel gegen zunehmend dynastische Bestrebungen der Contes, vor allem aus der Familie Gaulo zur Wehr setzte und zeitweise die Verbannung der Contes aus der Stadt Tulis erreichten. Erst mithilfe der skantisch-sagradischen Könige Martin I. und Philipp I. konnte die rebellierende Stadt wieder unterworfen werden. Innerstädtische Streitigkeiten zwischen Erzbischof, Klerus und Aristokratie führten überdies im Laufe des 10. Jahrhunderts zu einer weitgehenden Entmachtung des Klerus zugunsten der aus dem Senatsadel stammenden boni homines, die in Abwesenheit des Conte Recht sprachen und eine Art patrizische Stadtregierung, die Generalitaid de Bonhomes formten, die bald zur ständigen Regierung der Stadt unter Kontrolle des Senats wurde und den Vikar des Conte entmachteten.

Den Durchbruch zur Republik brachte schließlich das Aussterben der Gaulo-Dynastie mit dem Tod António Gaulos im Jahr 1024, woraufhin die die Bürger von Tulis den angesehenen Senator Josefe Cornell zum neuen Conte, der den Beinamen il Âudaço erhielt, was bald zum Beinamen des Grafenamtes wurde. Cornell wurde im Jahr 1027 von König Filipe III. anerkannt. Nach seinem Tod wurde 1047 Selle Machiês zum Nachgolger Josefe Cornelles zum Conte gewählt. Als er im Jahr 1067 starb, kam es in der Stadt zu Auseinandersetzungen zwischen Adel, Klerus und Bürgern um die Neubesetzung. Schließlich setzte sich der Senatsadel durch, der durch Richterspruch des Königs das Recht erhielt, einen Kandidaten zu wählen, der danach dem König vorzuschlagen sei. Damit hatte sich in Tulis faktisch das Adelsregiment durchgesetzt und der Senat war als dominierendes Organ der Stadt bestätigt. Inmitten der sagradischen Thronstreitigkeiten des Jahres 1078/1079 erreichte die Stadt Tulis vom neuen König Johann I. neben anderen Privilegien das urkundlich verbürgte Recht, in Zukunft den Conte und damit den Herrn des Comtáid de Tùles, der zu dieser Zeit bereits wichtigsten Macht im Blaumeerraum, selbst zu wählen. Damit wurde Tulis faktisch unabhängig von der sagradischen Krone und die Lehnsabhängigkeit bestand nur noch formal. Die Contes wurden de facto zu republikanischen Stadtoberhäuptern und Tulis endgültig zur freien Kommune und Adelsrepublik. Die Begriffe Res Publica Tulinensis oder Civitas Tulinorum wurden danach synonym zum lateinischen Comitatus Tulinorum oder asumarischen Comtáid de Tùles benutzt. Das Jahr 1079 kann daher als eigentliches Gründungsdatum der Tulinesischen Republik angesehen werden. Im Spätmittelalter benutzte die Republik in offiziellen Dokumenten meist die Bezeichnung Res Publica Comitatus Tulinenensis oder asumarische Republica del Comtàid Tulinês und die dem alten Rom entlehnte Abkürzung S.P.Q.T. (Senatus Populusque Tulinorum).


Blütezeit der Republik

Mit der Errichtung von Außenposten auf den Zwillingsinseln Nerva und Lerça im Jahr 814 hatte Tulis begonnen, auf das Blaumeergebiet auszugreifen. 881 wurde mit der Gründung der Stadt Villagua am alten verwaisten Römerhafen im golischen Aquae die erste Kolonie jenseits des Blaumeeres errichtet, 914 folgte mit Del Piey ein Stützpunkt auf der ansonsten zum Königreich Conte gehörigen Insel Cuentez. In den folgenden Jahrhunderten wurde ein reges Handelsnetz aufgebaut, das den Warenaustausch mit allen umliegenden Mächten, auch den Numerern in Südsagradien und den Mauren in Spanien, aber auch mit Micolinien und Golen organisierte und im 11. Jahrhundert eine erste große Blütephase erlebte. Bald kamen mit [[Tinagua] und Plato wichtige Stützpunkte an der micolinischen Küste hinzu, wo auch das Hinterland besiedelt wurde.

Im 10. Und frühen 11. Jahrhundert kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen den beiden verbliebenen Comitate von Tulis und Belavís, die schließlich zur Eroberung des Comtàids de Belavís durch die Tulinesen und zur Eingliederung in den tulinesischen Herrschaftsverband führten. Das vom micolinischen Königtum abhängige Fürstentum Cuentez (micol. Principat de Cuentèse, cuentes. Principaid de Cüentìz) wurde 1048 durch die Hochzeit des tulinesischen Conte Selle Machiês mit der cuentezischen Thronerbin ins tulinesische Herrschaftskonglomerat eingegliedert. Die Contes von Tulis wurden nun auch Fürsten von Cuentez.

Über Stützpunkte im galizischen La Coruña und im nordportugiesischen Viana kam es bereits im Mittelalter zu regem Technologie- und Güteraustausch mit der iberischen Halbinsel, auch mit deren muslimischen Teilen. Im Laufe des Spätmittelalters stieg Tulis allmählich durch regen Handel mit Micolinien, Spanien, Frankreich und Portugal und als wichtigste Zwischenhandelsstation Micoliniens zu den reichsten Städten Europas auf. Mit ihrem Besitz in Cuentez und in Micolinien, wo die Städte Plato, Corell und Tinágua mit ihrem Umland kontrolliert wurden, sowie mit ihrer großen Handelsmacht mit besten Beziehungen nach Frankreich, Spanien und Portugal stieg die tulinische Grafschaft zu einer unabhängigen See- und Handelsmacht in Westeuropa auf und erreichte eine Hegemoniestellung im Blauen Meer. Mit der Gründung der Celusanto-Universität 1232 stieg Tulis zudem zu einem bedeutenden Zentrum des spätmittelalterlichen Wissens auf.

Nachdem es im 12. Jahrhundert erneut zu Konflikten zwischen den Adelsfamilien sowie mit dem ansässigen Klerus gekommen war, wurde im Jahr 1230/31 wurde die bis zum Ende der Republik gültige Verfassungsstruktur der Republik eingerichtet. Mächtigstes Organ blieb der Senat, der sich aus den wichtigsten Adelsfamilien zusammensetzte und auf Lebenszeit den Conte wählte, der jedoch von der Generalitaid de Bonhomes kontrolliert wurde. Als eigentliche "Regierung" wurde die Generalitaid durch den jährlich vom Senat neu bestellten Zehnerrat (Cosèllu de Dèze) abgelöst. Die zwölf Mitglieder der Generalitaid de Bonhomes wurden nicht vom Senat, sondern vom Großen Rat (Cosèllu Grande) gewählt, dem alle Adelsfamilien der Stadt angehörten. Die Bonhomes sollten nicht nur den Conte und den Cosellu de Dèze kontrollieren, sondern verfügten neben dem Senat auch über Gerichtskompetenzen.

Aufstieg der Santori und Ende des republikanischen Regiments

Die Wahl des Conte durch den patrizischen Senat verhinderte zunächst eine Dynastiebildung und sorgte für eine Herrschaft des seit dem 13. Jahrhundert gegenüber den unteren Schichten abgeschlossenen Stadtadels. Die Herrschaft wurde unter den wichtigsten Adelsfamilien wie den Zavarri, Callas, Delaurente und Machiês geteilt. Jedoch waren Adelsfehden an der Tagesordnung, sodass die traditionellen Familien sich im Spätmittelalter gegenseitig schwächten und Volksaufstände provozierten. In dieses Machtvakuum stieß im 14. Jahrhundert die bis dahin weniger bedeutende aus dem Umland der Stadt stammende Adelsfamilie der Santori und stieg mit der Unterstützung der Volksmassen zur führenden Familie im Senat auf. Gleichzeitig wurde der Große Rat infolge längerer Konflikte mit den aufstrebenden Kaufmannsfamilien entgegen der Abschließungstendenzen des Patriziats teilweise für Vertreter der Bürgerschaft geöffnet, was seine Bedeutung aber schmälerte.

Seit Julio de Santori 1366 stellten die Santori mit nur wenigen Unterbrechungen den Conte der Stadt und eroberten dadurch eine quasi-monarchische Machtstellung. Mit Ränkespielen und geschickten Schachzügen schaltete Julio de Santori politische Gegner aus oder band sie an sich. Sein Nachfolger António de Santori benutzte zudem vor allem Gewalt, um seine Macht durchzusetzen.