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Ein koalitionsinterner Streit um den Haushalt des Jahres 1978 brachte die Regierung bereits im Winter 1977/78 eng an den Abgrund des Scheiterns, doch konnten die beiden Parteichefs Caval und Estrubal sich nochmals zusammenraufen und ihre Parteien auf Linie bringen. Die anhaltende Schwäche der Sozialisten bei nationalen Wahlen, faktisch die schmerzlichen Niederlagen bei den [[Regionalwahlen 1977]] brachten Parteichef Caval in immer größere Bedrängnis. Die innerparteilichen Stimmen wurden lauter, die ihm zu einer Aufkündigung der Koalition rieten, während andere eine Amtsübergabe an den eher als Parteirechter geltenden [[Francisco Montone]] vorschlugen, um die Koalition mit den Liberalen zu retten. Um seine innerparteiliche Position zu festigen, verschärfte Caval sukzessive den Ton gegenüber den Liberalen und flirtete offen mit den Kommunisten, die sich aber unbeeindruckt zeigten und die zögerliche Politik der Regierung heftig kritisierten. | Ein koalitionsinterner Streit um den Haushalt des Jahres 1978 brachte die Regierung bereits im Winter 1977/78 eng an den Abgrund des Scheiterns, doch konnten die beiden Parteichefs Caval und Estrubal sich nochmals zusammenraufen und ihre Parteien auf Linie bringen. Die anhaltende Schwäche der Sozialisten bei nationalen Wahlen, faktisch die schmerzlichen Niederlagen bei den [[Regionalwahlen 1977]] brachten Parteichef Caval in immer größere Bedrängnis. Die innerparteilichen Stimmen wurden lauter, die ihm zu einer Aufkündigung der Koalition rieten, während andere eine Amtsübergabe an den eher als Parteirechter geltenden [[Francisco Montone]] vorschlugen, um die Koalition mit den Liberalen zu retten. Um seine innerparteiliche Position zu festigen, verschärfte Caval sukzessive den Ton gegenüber den Liberalen und flirtete offen mit den Kommunisten, die sich aber unbeeindruckt zeigten und die zögerliche Politik der Regierung heftig kritisierten. | ||
| − | Entgegen seinem bisherigen Image als linker Reformer musste Caval in dieser Phase als Vertreter eines starken Staates auftreten und die von ihren Gegnern als kapitalistisch und imperialistisch verunglimpfte Gesellschaft gegen die radikale gewaltbereite Linke verteidigen. Auch das Aufkommen der grünen Anti-Atomkraft-Bewegung führte zu parteiinternen Auseinandersetzungen um die Energiepolitik und die Zukunft der Atomkraft, die auch in seiner eigenen Partei umstritten war und darüber hinaus zu Spannungen mit den überzeugten Atombefürwortern der UDS führte. Während sich Caval lange Zeit der Unterstützung durch den Großteil der Intellektuellen des Landes sicher sein konnte, bröckelte dieses Vertrauen nun. Die neuen sozialen Bewegungen entwickelten sich immer stärker zu einer Oppositionsbewegung gegen die unpopuläre Politik der rot-blauen Koalition, die auch durch eine zunehmende Stärkung des wirtschaftsliberalen Flügels in der UDS belastet wurde. Eine Haushaltsstreit zwischen ASUL und UDS führte im Dezember 1978 schließlich zum absehbaren Ende der Koalition. Die erneut [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1979|vorgezogenen Neuwahlen im April 1979]] endeten in einer Niederlage Cavals und seiner Sozialisten, die hinter der Volkspartei nur Zweiter wurde | + | Entgegen seinem bisherigen Image als linker Reformer musste Caval in dieser Phase als Vertreter eines starken Staates auftreten und die von ihren Gegnern als kapitalistisch und imperialistisch verunglimpfte Gesellschaft gegen die radikale gewaltbereite Linke verteidigen. Auch das Aufkommen der grünen Anti-Atomkraft-Bewegung führte zu parteiinternen Auseinandersetzungen um die Energiepolitik und die Zukunft der Atomkraft, die auch in seiner eigenen Partei umstritten war und darüber hinaus zu Spannungen mit den überzeugten Atombefürwortern der UDS führte. Während sich Caval lange Zeit der Unterstützung durch den Großteil der Intellektuellen des Landes sicher sein konnte, bröckelte dieses Vertrauen nun. Die neuen sozialen Bewegungen entwickelten sich immer stärker zu einer Oppositionsbewegung gegen die unpopuläre Politik der rot-blauen Koalition, die auch durch eine zunehmende Stärkung des wirtschaftsliberalen Flügels in der UDS belastet wurde. Eine Haushaltsstreit zwischen ASUL und UDS führte im Dezember 1978 schließlich zum absehbaren Ende der Koalition. Die erneut [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1979|vorgezogenen Neuwahlen im April 1979]] endeten in einer Niederlage Cavals und seiner Sozialisten, die hinter der Volkspartei nur Zweiter wurde. |
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Version vom 17:48, 2. Feb 2011
Joán Fernando Caval (*1920 in Semess) ist ein sagradischer sozialistischer Politiker. Er war von 1960 bis 1967 Bürgermeister von Semess und danach für kurze Zeit Wirtschaftsminister im Kabinett Del Pérez III. Von 1969 bis 1987 führte er als Generalsekretär die sozialistische Asul an und von 1984 bis 1989 die Sozialdemokratische Partei Europas. Caval amtierte zudem zwischen 1970 und 1979 als sagradischer Ministerpräsident.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Jugend, Exil und Rückkehr nach Sagradien
Der 1920 in Semess geborene Caval stammt aus einer Intellektuellenfamilie, engagierte sich aber bereits als Schüler für die politische Linke. Mit 15 Jahren gehörte er zu den leidenschaftlichen Anhängern der Volksfrontregierung und nannte Santiago Laval später als sein politisches Vorbild. 1938 machte Caval sein Abitur und ging kurz darauf in den offenen Straßenkampf. Nach Schlägereien mit den Truppen der faschistischen Divisionsbewegung lag er mehrere Wochen im Krankenhaus, ging nach dem Wahlsieg der rechten Comunión Nacional und der Ausschaltung der Opposition ins Exil nach Paris, wo er ein Studium der Philosophie und Literatur begann und sich einem linksextremistischen Studentenzirkel anschloss. In Frankreich trat er in die SFIO ein und schrieb seit 1939 für das sozialistische sagradische Exilblatt l'Ôculo de la Sinistra. Vor dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich im Jahr 1940 floh Caval nach London, wo er dem Exil-PS von Inácio Bersantis beitrat und für die sozialistische Parteizeitung Avante schrieb.
Nach der alliierten Invasion auf Cuentez im Jahr 1943 meldete sich Caval als Freiwilliger für ein von den Alliierten forciertes sagradisches Befreiungsheer, das gegen die deutschen Besatzer kämpfte. Seit 1944 wohnte Caval wieder in seiner Heimatstadt und begann 1945 in Semess ein Jurastudium, das er 1950 abschloss. 1944 bereits war Caval in die wiedergegründete Sozialistische Partei eingetreten, von 1948 bis 1950 amtierte er als Nationaler Sekretär des Sozialistischen Studentenbundes (COSES). 1951 trat Caval eine Stelle als Anwalt im ligrischen Disiés an, wo er ein Jahr später für die Sozialisten in den Stadtrat gewählt wurde.
Karriere in Semess und Zeit als Bürgermeister
1954 kandidierte der 34-jährige Caval erstmals für ein Parlamentsmandat und zog für den PS in die sagradische Abgeordnetenkammer ein. 1955 kehrte er ganz nach Semess zurück, wo er 1956 in den Stadtrat gewählt wurde. Der junge Jurist machte sich hier einen Namen als fähiger Redner und politisches Talent. 1959 übernahm er den Vorsitz der sozialistischen Stadtratsgruppe und führte als Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen 1960 die Sozialisten zu einem klaren Wahlsieg. Caval wurde zum Bürgermeister der Hauptstadt gewählt und war mit 40 Jahren der bis dahin jüngste Inhaber des Amtes. Mit diesem „Hauptstadt-Coup“ katapultierte sich Caval zum Shootingstar der Sozialisten und zum Führer einer neuen jungen Generation undogmatischer Realpolitiker, die bald parteiintern und in den Medien als Guarda Jovén bezeichnet wurde. Neben Caval gehörten zu dieser Jungen Garde der ehemalige Avante-Chefredakteur und amtierende Fraktionsgeschäftsführer Paulo Centavo, der Gewerkschafrsreformer Martín Solano sowie der spätere lojandinische Regionalsekretär Francisco Fernandez.
Als Mitglied der Programmkommission war Caval an der Formulierung des 1962 angenommenen und für die sagradischen Sozialisten wegweisenden Lemezer Programms beteiligt. Hier knüpfte er auch intensive Kontakte mit den führenden Vertretern des so genannten Mitternachtskartells Iacovo Del Pérez und Stefano Nacoma, deren Parteiführung er bald kritisieren sollte. Als Caval 1964 wiedergewählt wurde, stieg er in den engeren Parteivorstand auf, wurde zum Sekretär der Partei für Staatsreformen und erlangte nationale Popularität. In der Folge machte Caval durch öffentliche Kritik an der als autoritär empfunden Parteiführung um Del Pérez, Nacoma und Carles Domínguez Arrás auf sich aufmerksam. Mit lauter werdender Kritik suchte Del Pérez als Ministerpräsident seit 1964 den Ausgleich mit den jungen Reformkräften und band einige von ihnen in seine Regierung ein.
Minister und Generalsekretär
Im Januar 1967 trat schließlich auch Caval als Wirtschaftsminister in das Kabinett Del Pérez III ein, das allerdings nur wenige Monate im Amt war und im Mai von einer Mitte-Rechts-Regierung unter Carles Angel Favale abgelöst wurde. Bei den vorgezogenen Kammerwahlen 1967 zog Caval wieder ins sagradische Parlament ein. Im Frühjahr 1968 kandidierte er auf dem ASUL-Parteitag erfolgreich für das prestigeträchtige Amt des Parteisekretärs für Wirtschafts- und Industriepolitik und gründete seinen eigenen „Corrente“, den er "Mâis Democrácia – Mâis Solidaritá" nannte und als linke Reformbewegung positionierte. Er machte sich besonders für gesellschaftspolitische Reformen stark und schuf damit große Synergien mit den revoltierenden Studenten, die ihn in großen Teilen unterstützten. Mit seiner harten Kritik am Vietnam-Krieg und seinem Engagement für internationale Abrüstung und den Ost-West-Dialog, Positionen, die seine politische Agenda fortan prägten, wurden nun erstmals lautstark vertreten und wirkten als Kontrapunkt zur stark westlich orientierten Regierung Favale. Seine Teilnahme an einer Anti-Vietnamkriegs-Demonstration in Semess brachte ihm im Juni 1968 harsche Kritik der politischen Rechten ein, stärkte aber sein Image als Mann der Jugend.
In der Folge kam es zu Krisenerscheinungen des bis dahin allmächtigen Mitternachtskartells in der Partei, das dem Druck der Jungen nicht mehr standhalten konnte und darüber hinaus durch persönliche Differenzen und Machtränke geschwächt war. Die Jungen in der Partei störten sich vor allem an dem Bündnis der Parteiführung mit den Vertretern des konservativen, gewerkschaftsnahen Sugares-Kreis, die gemeinsam die Macht in der Partei monopolisiert hatten und in den Augen der Jungen den eingeforderten Gesellschaftsreformen im Weg standen. Caval brachte sich danach mit Unterstützung einiger reformorientierter Regionalverbände als potenzieller Nachfolger Del Pérez’ im Amt des Generalsekretärs der Partei in Stellung. Sein Fernziel war die Spitzenkandidatur für die Sozialisten bei den Kammerwahlen 1971. Gleichzeitig verlor Del Pérez auch zunehmend die Unterstützung seiner Mitstreiter Domínguez-Arrás und Nacoma, die zunächst Marcelo Bérgamo als Nachfolger an der Parteispitze zu favorisieren schienen.
Als ASUL-Chef Iacovo Del Pérez im Frühjahr 1969 auf das Amt des Generalsekretärs verzichtete, kandidierte Caval gegen den langjährigen Wirtschafts- und Finanzminister Marcelo Bérgamo und erhielt eine deutliche Mehrheit der Delegiertenstimmen. Bereits im Vorhinein hatte er sich die Unterstützung Nacomas gesichert, der zunehmend alleine die Rolle des Strategen und Strippenziehers hinter den Kulissen einnahm. Der Pakt mit Nacoma bedeutete auch, dass Nacoma und Domínguez-Arrás auch weiterhin in den Schlüsselpositionen stellvertretender Generalsekretäre verbleiben sollten. Mit der Unterstützung Nacomas im Rücken schaffte es Caval, einige seiner politischen Weggefährten wie Paulo Centavo oder Francisco Fernandez ins Exekutivkomitee der Partei zu bringen. Außerdem band er eine Reihe junger Talente an sich, darunter den 40-jährigen Andrés Colón, dem er in das neu geschaffene Amt des Nationalen Koordinators der Partei verhalf, oder den 35-jährigen David Cabarel, der Cavals Büroleiter und später einer seiner Staatssekretäre wurde. Colón, Solano und der ebenfalls erst 41-jährige José Helguerra waren auch für das Wahlkampfkonzept verantwortlich, das unter dem Titel „Renovación Democráctica“ weitreichende Reformen in der Sozial-, Bildungs- und Rechtspolitik versprach.
Wahlsieg 1970 und die ersten Jahre der Ministerpräsidentschaft
Als Spitzenkandidat seiner Partei bei den vorgezogenene Kammerwahlen 1970 trug Caval mit seinem Programm der „Renovación Democrática“ einen historischen Sieg davon, indem er mit knapp 41% der Stimmen das beste Ergebnis für die ASUL bei Kammerwahlen überhaupt herausholte. Cavals Sieg versetzte die politische Linke in eine ungekannte Aufbruchstimmung, die es seinem sozialistischen Minderheitskabinett erlaubte, mit Unterstützung der Kommunisten die umfassenden demokratischen und sozialen Reformen auf den Weg zu bringen, den das Land dringend benötigte. Im Vordergrund seiner Regierung standen liberale und soziale Reformen in der Justiz-, Sozial- und Sicherheitspolitik, die zum Teil auch von den Unionsdemokraten mitgetragen wurden.
In Cavals Kabinett waren mit Del Pérez als Außenminister, Domínguez-Arrás als Vizepremier und Finanz- und Wirtschaftsminister sowie Stefano Nacoma als Bildungs- und Forschungsminister alle Protagonisten der alten Parteiführung vertreten und sie alle besetzten Schlüsselressorts. Nacoma war neben der Schul- und Hochschulreform auch für die Organisation der Zusammenarbeit mit den Kommunisten verantwortlich, da er als Kontaktmann zu KP-Chef Dián Aliureto Chabonet fungierte und dem inoffiziellen Kontaktkomitee aus sozialistischen und kommunistischen Abgeordneten vorstand. Die gemeinsame Arbeit im Parlament organisierte Fraktionschef Pietro Cellar, der aber 1972 durch Nacoma selbst ersetzt wurde.
Obwohl neben den genannten drei Parteigrößen auch mit Rinaldo Sugares der Führer der konservativen Gewerkschaftler in der Partei im Kabinett Schlüsselressorts begleiteten, waren mit Ausnahme des Fraktionsvorsitzes alle unmittelbaren Organisationsposten in Partei und Regierung mit Cavals „Jungs“ besetzt: Andrés Colón als Nationaler Koordinator und David Cabarel als Leiter des Büros des Generalsekretärs kontrollierten die wichtigen Parteigremien und David Luis Aragón als Chef der Ministerratspräsidentschaft die Kabinettsarbeit. Colón folgte Aragón 1972 im Kabinett nach und wurde in der Partei durch Nícola Zamorra ersetzt, während Cabarel zeitgleich Regierungssprecher wurde und Aragón an der Seite Nacomas in die Fraktionsspitze wechselte und dem mächtigen Vizegeneralsekretär dort als Geschäftsführer auf die Finger schauen sollte. Als inneres Machtzirkel in Cavals Regierung bildete sich bald das so genannte "Zigarren-Kabinett" heraus, bestehend aus Vizegeneralsekretär Stefano Nacoma, Cavals Kabinettschef David Luis Aragón, der 1972 durch Andrés Colón abgelöst wurde, sowie zweitweise auch Pietro Cellar, Carles Domínguez Arrás und Nícola Zamorra. Hier wurden sowohl Regierungs- als auch Parteientscheidungen getroffen und zukünftige Strategien ausgeknobelt.
Die ersten vier Jahre der Regierung Caval gehören mit der Verbesserung der betrieblichen Mitbestimmung, dem Ausbau des Sozialstaats, einer umfassenden Reform des Ehe- und Familienrechts sowie einer großen Bildungsreform zu den dynamischsten Phasen der Dritten Republik. Das Hochschulwesen wurde demokratisiert, die Gleichberechtigung gesetzlich verankert, Homosexualität legalisiert sowie das Abtreibungsrecht liberalisiert. Als wichtige Reformminister etablierten sich auch Isabela Defernandis, die erste Frau in einem Ministeramt, die 1972 von Nacoma das Erziehungsministerium übernahm, und José Helguerra, der die Gesundheitsreform durchbrachte sowie das Familienrecht reformierte. Die Gesellschaftsreformen der Linksregierung brachten Caval nicht nur Bewunderung und Sympathien besonders in linksintellektuellen Kreisen ein, sondern erweckten auch den erbitterten Widerstand der rechten Opposition, die das konservative Familien- und Gesellschaftsbild der Republik in Gefahr sahen. Auch der von der Linken angestoßene Diskussions- und Aufarbeitungsprozess des Faschismus in Sagradien stieß bei der Rechten auf energische Ablehnung. In Teilen der katholischen Kirche in Sagradien entstand eine erbitterte Opposition zur als atheistisch empfundenen Linksregierung. Im April 1972 konnte ein rechtsradikaler Anschlag auf Caval nur knapp verhindert werden.
Zweite und dritte Amtsperiode
Die Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1974 bestätigte die Erfolge der Sozialisten, die ihre Minderheitsregierung mithilfe der Kommunisten fortsetzen konnten, doch gestaltete sich die Zusammenarbeit zunehmend schwieriger und begann zu bröckeln, die folgende Legislaturperiode erwies sich daher auch als weitaus konfliktgeladener als noch die erste. Nach dem Abschluss der von Caval als vorrangig erachteten Gesellschaftsreformen drängten nicht nur die Kommunisten, sondern auch große Teile der eigenen Partei immer stärker zu einer Intensivierung der wirtschaftspolitischen Reformbemühungen. Vor allem die großen Betriebe der Montanindustrie sollten nun sozialisiert sowie die Rechte der Arbeitnehmer weiter gestärkt werden. Die Parteirechte der Sozialisten aber lehnte solche weitgehenden Forderungen ab und mahnte stattdessen zu einer moderaten Politik. Erschwert wurde das Klima durch die weltwirtschaftlichen Krisenerscheinungen infolge des „Ölschocks“ von 1973 und der folgenden Krisen, welche die keynesianische Wirtschaftspolitik Cavals bald an ihre Grenzen brachte. Hinzu kam der militante Terror des linken Grupo Sêcolo Rôiso (GSR), aber auch rechtsextremistischer Gruppen, welche bald die Republik erschütterten und ein stark polarisiertes und gespanntes politisches Klima erschufen, das zunehmend auch die Regierungspolitik und das Verhältnis der Linksparteien untereinander belastete. Im Herbst 1976 kündigten die Kommunisten schließlich der Regierung die Zusammenarbeit auf und stimmten bei einer Vertrauensfrage gegen Caval, der seinen Rücktritt einreichte und die vorzeitige Auflösung der Abgeordnetenkammer durch Präsident Del Pérez erreichte.
Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Dezember 1976 konnte sich Caval nochmals gegen seinen konservativen Konkurrenten Santo De la Nada durchsetzen und führte die ASUL zu einem neuerlichen Wahlsieg, der ihm ein klares Mandat für eine Fortsetzung der sozialistisch geführten Regierung brachte. Es folgten schwierige Verhandlungen mit Liberalen und Konservativen um die Bildung einer lagerübergreifenden Koalition, die sich über mehrere Monate hinzogen. Erst im April 1977 einigten sich ASUL und die von Lorenzo Estrubal geführte UDS auf die Bildung einer gemeinsamen Koalitionsregierung, die nun an die Stelle der sozialistischen Minderheitsregierung rückte.
Die Koalitionsarbeit gestaltete sich jedoch schwierig. Die Partner lagen vor allem in der Wirtschaftspolitik weit auseinander und lähmten sich oft gegenseitig. Das 1977 in Semess verabschiedete neue Parteiprogramm der ASUL, das erste seit 1962, wurde vor dem Hintergrund sich verschärfender Koalitionsspannungen als Problem für die Regierung und ließ sich als Betonung des linken Profils der Partei lesen. Im Wesentlichen zeichnete es aber den Reformweg nach, den Caval 1970 eingeschlagen hatte, und gab die Ziele der Partei für die kommenden Jahre vor, die sich in der Tat mit der UDS schwer hätten verwirklichen lassen. Der von Andrés Colón, nach einem Justizskandal 1976 entlassen und nun Parteichef der Sozialisten in der Region Semesce, geführte linke Parteiflügel zeigte auf, dass er nach wie vor stark war und vor allem in den Regionalverbänden Rückhalt genoss, während in der Regierung mit Francisco Montone und Donado Ricardes die Realpolitiker und Parteirechten dominierten.
Ein koalitionsinterner Streit um den Haushalt des Jahres 1978 brachte die Regierung bereits im Winter 1977/78 eng an den Abgrund des Scheiterns, doch konnten die beiden Parteichefs Caval und Estrubal sich nochmals zusammenraufen und ihre Parteien auf Linie bringen. Die anhaltende Schwäche der Sozialisten bei nationalen Wahlen, faktisch die schmerzlichen Niederlagen bei den Regionalwahlen 1977 brachten Parteichef Caval in immer größere Bedrängnis. Die innerparteilichen Stimmen wurden lauter, die ihm zu einer Aufkündigung der Koalition rieten, während andere eine Amtsübergabe an den eher als Parteirechter geltenden Francisco Montone vorschlugen, um die Koalition mit den Liberalen zu retten. Um seine innerparteiliche Position zu festigen, verschärfte Caval sukzessive den Ton gegenüber den Liberalen und flirtete offen mit den Kommunisten, die sich aber unbeeindruckt zeigten und die zögerliche Politik der Regierung heftig kritisierten.
Entgegen seinem bisherigen Image als linker Reformer musste Caval in dieser Phase als Vertreter eines starken Staates auftreten und die von ihren Gegnern als kapitalistisch und imperialistisch verunglimpfte Gesellschaft gegen die radikale gewaltbereite Linke verteidigen. Auch das Aufkommen der grünen Anti-Atomkraft-Bewegung führte zu parteiinternen Auseinandersetzungen um die Energiepolitik und die Zukunft der Atomkraft, die auch in seiner eigenen Partei umstritten war und darüber hinaus zu Spannungen mit den überzeugten Atombefürwortern der UDS führte. Während sich Caval lange Zeit der Unterstützung durch den Großteil der Intellektuellen des Landes sicher sein konnte, bröckelte dieses Vertrauen nun. Die neuen sozialen Bewegungen entwickelten sich immer stärker zu einer Oppositionsbewegung gegen die unpopuläre Politik der rot-blauen Koalition, die auch durch eine zunehmende Stärkung des wirtschaftsliberalen Flügels in der UDS belastet wurde. Eine Haushaltsstreit zwischen ASUL und UDS führte im Dezember 1978 schließlich zum absehbaren Ende der Koalition. Die erneut vorgezogenen Neuwahlen im April 1979 endeten in einer Niederlage Cavals und seiner Sozialisten, die hinter der Volkspartei nur Zweiter wurde.
Bilanz der Ministerpräsidentschaft
Joán Cavals Amtsperiode als Ministerpräsident, mit neun Jahren die längste nach der Paulo Luciaros (1949-1960), gilt als Blütezeit der sagradischen Sozialdemokratie und als wichtige Reformphase, welche die Republik nachhaltig geprägt und die Gesellschaft mit liberalisiert hat. Außerdem gehen wichtige Sozialreformen auf die Linksregierung zurück. Ein wichtiger Beitrag zum politischen Klima des Landes war auch Cavals Versuch, seit seiner zweiten Ministerpräsidentschaft 1974, sich um eine Entspannung das ramponierten Verhältnisses der Sozialisten zur katholischen Kirche zu bemühen und auf einen gesellschaftlichen Konsens abzuzielen, den er freilich aufgrund des zunehmend polarisierten Klimas nur vorübergehend erreichte.
Wie kaum ein anderer sagradischer Politiker prägte Caval zudem das Ansehen seines Landes im Ausland. Als scharfer Kritiker des Vietnamkriegs und Vorreiter der Entspannung im Ost-West-Konflikt erarbeitete sich der Sozialist das Image eines engagierten Friedenspolitikers und wurde so zu einer Ikone der internationalen linken Bewegung. Gemeinsam mit Olof Palme machte er sich für die internationale Abrüstung stark, daneben setzte er sich im Nahostkonflikt für die Rechte der Palästinenser ein und förderte den Nord-Süd-Dialog. Caval pflegte enge Verbindungen zu Willy Brandt und Bruno Kreisky und nutzte die Netze der Sozialistischen Internationale, deren stellvertretender Vorsitzender in den Jahren 1976 bis 1984 war.
Die Kammerwahlen im Herbst 1978 brachten schließlich nochmals einen großen Sieg für Caval. Seine ASUL konnte ein akzeptables Ergebnis von 38,4% einfahren, während die Liberalen deutlich an Stimmen verloren und von über 9% auf gut 6% zurückfielen. Auch die PCSD gewann zwar an Stimmen hinzu, wurde mit 36% aber von der ASUL klar hinter sich gelassen. Dass die Regierung ihre Mehrheit dennoch einbüßen musste, schien Cavals Flirt mit der KPS im Nachhinein zu rechtfertigen. Doch die Koalitionsverhandlungen wurden schwierig wie nie zuvor. Caval blieb nur die Zusammenarbeit mit dem PCS/PSS-Bündnis, wollte er eine Große Koalition vermeiden. Das wusste die äußere Linke und gab sich als kostspielige Braut. Immer wieder mussten die Verhandlungen ausgesetzt werden, weil sich keine Einigung finden ließ. Im Dezember 1978 schließlich riss Präsident Del Pérez nach drei Monaten schwierigster Sondierungen und Verhandlungen der Geduldsfaden. Er stellte Caval ein Ultimatum: Entweder er könne binnen einer Woche eine parlamentarische Mehrheit vorweisen oder aber der Präsident löse das Parlament wieder auf und setze Neuwahlen an. Caval stimmte einem vom Ex-Kommunisten Stefano Nacoma ausgehandelten Kompromiss zu, der von Beginn an wie ein Provisorium wirkte. Die Koalitionsverhandlungen würden ausgesetzt und stattdessen unterstütze die äußere Linke vorübergehend eine sozialistische Minderheitsregierung unter Caval. Nach seiner Ernennung solle es dann weitere Verhandlungen geben. Del Pérez stimmte der Absprache der Linken schließlich widerwillig zu, hätte er doch lieber eine Mehrheitsregierung ernannt, und ernannte Caval zum Ministerpräsidenten eines Minderheitskabinetts. Die nächsten Monate waren geprägt von Chaos und Verwirrung um die neue Regierungskonstellation. Immer wieder musste bei jedem wichtigeren Vorhaben die Zustimmung der linken Parteien teuer erkauft werden, während die bürgerliche Opposition zu einem stabilen Block zusammenrückte. Bereits nach wenigen Wochen war die Minderheitsregierung Caval gescheitert, nachdem die wieder aufgenommenen Verhandlungen zwischen Sozialisten und Kommunisten um die Bildung einer formellen Koalition oder zumindest der Verabschiedung eines Tolerierungsvertrags ebenfalls ergebnislos verlaufen waren. Kurz vor dem Durchbruch zur Bildung einer Koalition Ende Januar zogen die Kommunisten ihre bereits grundsätzlich erteilte Zustimmung zurück und erklärten, keine Minister in einer Regierung Caval stellen zu wollen. Damit war das Vorhaben „Linkskoalition“ gescheitert, zumal Caval jedes weitere Entgegenkommen dem PCS gegenüber ablehnte. Als er am 27. Januar 1979 mit einer Vorlage zur Reform der Rentenversicherung in der Abgeordnetenkammer scheiterte, weil die PCS ihre Zustimmung verweigert hatte, bat Caval Präsident Del Pérez um die Auflösung der Kammer und die Einberufung von Neuwahlen. Nach Absprache mit Oppositionsführer De la Nada kam der Präsident der Bitte des Regierungschefs nach. Caval ließ es sich nicht nehmen, abermals als Spitzenkandidat seiner Partei anzutreten, doch musste er mit seiner ASUL eine herbe Niederlage einfahren. Die Sozialisten fielen von 38,4% auf 34,4% der Stimmen und damit deutlich hinter die PCSD zurück und mussten damit das politische Heft aus der Hand geben. Stattdessen war Caval darauf angewiesen, dass die PCSD sich um eine Große Koalition statt um ein Rechtsbündnis mit UDS und PSP bemühte. Dabei half, dass Präsident Del Pérez deutlich machte, eine Rechtsaußen-Koalition nicht dulden zu wollen. Doch wurde bald die Person Cavals zum Problem. Große Teile des PCSD weigerten sich, mit Caval persönlich zu verhandeln, dieser wiederum wollte sich nicht mit Vertretern des rechten PCSD-Flügels an einen Tisch setzen. Die Verhandlungen wurden abermals sehr schwierig, doch blieb beiden Parteien nichts übrig, als eine Zusammenarbeit anzustreben. Erst vier Monate nach der Wahl, im August 1979, stand die Große Koalition, mit De la Nada als Regierungschef und Francisco Montone als Finanzminister und Stellvertreter. Stützpfeiler und Schaltzentralen der Koalition wurden ausgerechnet die beiden gegensätzlichen Fraktionschefs Nacoma und Santo Moya, der als überzeugter Wirtschaftsliberaler und Neokonservativer galt. Caval hatte auf ein Ministeramt verzichtet, wollte aber auch weiterhin Parteichef der Sozialisten bleiben. Er betrieb augenscheinlich eine Strategie der kritischen Regierungsbeteiligung, in der er die Möglichkeit verfolgte, die Partei als kritische Instanz auch gegenüber der eigenen Regierungsmannschaft zu positionieren und somit „Opposition in der Regierung“ spielen zu können, wie Gegner es ausdrückten. Cavals Rechnung ging nicht auf, die Sozialisten mussten mehrere Wahlschlappen hintereinander einfahren und schafften es kaum, sich gegenüber dem einflussreichen Wirtschaftsflügel der PCSD um A.G.Guivares und Santo Moya zu behaupten. Stattdessen stritten sich die beiden Koalitionspartner kontinuierlich auf allen Politikfeldern. Erst Cavals heftige Kampagne gegen den NATO-Doppelbeschluss im Jahr 1980 brachte der ASUL einen Aufschwung, da man die Friedensbewegung an sich binden konnte, doch musste auch Caval schließlich einlenken und sich die Zustimmung zu Verhandlungen erkaufen lassen. Arbeitsminister Colón trat daraufhin von seinem Regierungsamt zurück und organisierte in der Folge unter Duldung Cavals die parteiinterne Opposition gegen die Große Koalition. Colón hatte bereits als Nationaler Koordinator der Partei und seit 1972 als Kabinettschef Cavals eng mit diesem zusammengearbeitet, hatte 1975 aber aufgrund einer persönlichen Affäre zurücktreten müssen. Spätestens seinem erfolglosen Regionalwahlkampf 1977 trat er vermehrt als Führer der Parteilinken auf und wurde nun wieder als Kronprinz Cavals gehandelt. Im Frühjahr 1981 schließlich erschütterte die Solano-Affäre die Sozialistische Partei. Bereits im Herbst 1980 waren Gerüchte über die Verwicklung hoher Parteivertreter in illegale Machenschaften des insolventen Solano-Immobilienkonzerns laut geworden. Keine gute Figur machte dabei Joán Caval selbst, der als persönlicher Freund von Névito Solano galt und bald im Fadenkreuz der Ermittler stand. Zwar wurden die Ermittlungen gegen Caval schnell eingestellt, doch nahm der ASUL-Chef dadurch erheblichen Schaden, zumal sein Büroleiter Dián Costa in Folge der Ermittlungen zurücktreten musste. Die Regionalwahl 1981, die erste Wahl nach der Solano-Affäre, endete mit einem Sieg der PCSD, die in den Regionen Amoria, Sesin, Ceondalia, Óstino und Ollér ihre Mehrheiten verteidigen konnte, in Bordez und Sur Pinia die Sozialisten aus der Regierung verdrängte und in Ollér und Bordez sogar die absolute Mehrheit der Sitze erreichte. Das Ergebnis wurde in der ASUL als Erdrutschniederlage empfunden und führte zu parteiinternen Diskussion um den richtigen Führungsstil und eine mögliche Ablösung Cavals. Ein Teil der Partei versuchte, den Patriarchen auf das Amt des Präsidenten der Republik wegzuloben. Caval zeigte sich geschmeichelt, ließ eine formelle Nomination auf dem Parteitag der ASUL im Herbst 1981 aber nicht zu, sondern stellte sich erneut als Generalsekretär zur Wahl. Er gewann mit seinem schlechtesten Ergebnis seit seiner Wahl 1969. Noch im Dezember 1981 verzichtete Caval schließlich auf die ihm angetragene Präsidentschaftskandidatur. Er erklärte dies mit persönlichen Gründen und seinem ausgeprägten Profil als Parteipolitiker, das ihn nicht für das höchste Staatsamt empfehle. Viel wahrscheinlicher war es jedoch, dass Caval auch weiterhin seinen Einfluss als Parteichef der Sozialisten nicht aufgeben wollte. Gleichzeitig wurde ihm auch nachgesagt, auf eine neuerliche Spitzenkandidatur für seine Partei bei den nächsten Kammerwahlen zu spekulieren. Die Regierungspolitik der Großen Koalition gestaltete sich derweil äußerst schwierig und drehte sich immer mehr um den Umgang mit dem politischen Erbe der Regierung Caval. Die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 1982 endeten für die Sozialisten fast in einem Debakel, nachdem ihr „Ersatzkandidat“ Lorenzo Aguilera im ersten Wahlgang fast vom Liberalen Luciano Éstevez eingeholt worden wäre und in der Stichwahl deutlich gegen den Konservativen A.G.Guivares verlor. Nachdem Vizepremier Montone bereits im März 1982 auf eine Spitzenkandidatur für die Kammerwahlen 1983 verzichtet hatte, meldete mit Andrés Colón der Führer der Parteilinken Interesse an. In der ASUL begann ein Wahlkampf, der sich auf das Koalitionsklima katastrophal auswirkte. Ein Streit um die Haushaltsvorlage für das Jahr 1983 führte im Juli 1982 zum vorzeitigen Ende der Großen Koalition, nachdem die Sozialisten aus dem Kabinett ausgetreten waren. Nachdem Santo de la Nada es verpasst hatte, eine neue Koalition zu schmieden und die Sozialisten ein Misstrauensvotum gegen Nada unterstützt hatten, setztze Präsident Guivares Neuwahlen für September an. In der entscheidenden Abstimmung um die Spitzenkandidatur der ASUL setzte sich Colón als Vertreter der Linken knapp gegen den vom Wirtschaftsflügel aufgestellten Donado Ricardes und den ligreskantischen Regionalpräsidenten Luis José López durch. Damit standen sich bei den Kammerwahlen zwei geschlossene Blöcke gegenüber, da die Kandidatur Colóns als Absage an ein sozialliberales Regierungsbündnis gewertet wurde. Im Wahlkampf hielt sich Caval auffällig zurück und überließ Colón den Großteil der Kampagnenführung. An die Stelle von Iano Norriez als Nationaler Koordinator berief er den von Colón bevorzugten Miguel Cambrís, der zuvor bereits als Staatssekretär Colóns gearbeitet hatte. Die Kammerwahlen im September 1982 endeten mit einem deutlichen Sieg der Rechten. Die ASUL musste mit unter 30% der Stimmen das schlechteste Wahlergebnis seit 1958 verschmerzen und erstmals seit 1970 wieder in die Opposition gehen. Die Folge war ein zunehmender Machtverlust der Linken innerhalb der ASUL und ein kontinuierlicher Machtgewinn des wirtschaftsfreundlichen Ricardes-Flügel, dem sich nun auch der ligre-skantische Regionalpräsident Luis José López anschloss. Ricardes wurde zum neuen Vorsitzenden der Kammergruppe gewählt und an die Stelle Nacomas als Stellvertreter Cavals wurde ein vierköpfiges Team mit Ricardes, Colón, López und dem populären Semescer Bürgermeister Flávio Jimenez gewählt. Diese Maßnahme sollte die verschiedenen Flügel der Partei besser an die Parteispitze binden und Flügelkämpfe durch vorzeitige Absprache im inneren Parteizirkel verhindern. Der unglücklich agierende Miguel Cambrís wurde zudem 1983 durch Salvador La Fayet im Amt des Nationalen Koordinators der Partei abgelöst. Caval kandidierte im Sommer 1984 als Spitzenkandidat der sagradischen Sozialisten bei den Europawahlen und wurde ins Europäische Parlament gewählt. Wenige Monate später übernahm er den Vorsitz der Europäischen Sozialdemokratischen Partei SPE. Die Ereignisse um die Verwicklung von Präsident Guivares in illegale Immobiliengeschäfte, die 1984 das Land in eine ernsthafte Krise stürzten, nutzte Caval sofort, um heftige Angriffe auf die politische Rechte und die Regierung Moya zu fahren. Problematisch wurde dies erst, als die Ermittlungen sich ausweiteten und auch sozialistische Politiker unter Verdacht gerieten. Dennoch konnte Caval die Krise der Regierung Moya nutzen und Erfolge bei den Senats- und Regionalwahlen 1985 erzielen. Die Verwicklung von Mitgliedern des linken Asul-Flügels wie des Colón-Vertrauten Ariel Gallardo trug weiter zur Stärkung des rechten Parteiflügels der Sozialisten bei. Im Frühjahr 1986 nominierte die Partei Donado Ricardes als Spitzenkandidat für die kommenden Kammerwahlen. Ricardes führte die Sozialisten mit einem Ergebnis von 37,7% der Stimmen zu einem knappen Wahlsieg über die Konservativen. Er leitete unmittelbare Verhandlungen mit der UDS zur Bildung seiner sozialistisch-bürgerlichen Wunschkoalition ein. Ziel war die Bildung einer „Regierung der freien und sozialen Wirtschaft“. Mit diesem Vorhaben setzte er sich deutlich gegen Parteichef Caval durch, der zunächst eine sozialistische Minderheitsregierung unter Tolerierung der Liberalen befürwortet hatte. Nach schwierigen Verhandlungen stand die rot-blaue Regierung im Dezember 1986 und Ricardes wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Caval verzichtete erneut auf ein Kabinettsamt, blieb zunächst aber Parteichef der weiter nach rechts gerückten Sozialisen. Nachdem es bereits bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst 1986 zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen Caval und Ricardes gekommen war, setzte eine private Affäre um Cavals Sohn Fernando den Parteichef im Januar 1987 öffentlich unter Druck. Dessen Architekturbüro soll mit Cavals Hilfe ohne vorherige Ausschreibung an einen millionenschweren Auftrag der Santiago-Laval-Stiftung gekommen sein. Caval zog bereits zwei Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Notbremse und gab nach 18 Jahren an der Parteispitze bekannt, beim nächsten Parteikongress der Sozialisten im Februar, nicht mehr als Generalsekretär zu kandidieren. Sein Verzicht war bereits in den Vormonaten allgemein erwartet worden. Zu seinem Nachfolger bestimmte der Kongress der ASUL im Februar 1987 den Semescer Bürgermeister Flávio Jimenez, der jedoch nach dem Auseinanderbrechen seiner Koalition im Herbst 1987 und seiner Abwahl als Semescer Stadtherr durch ein Misstrauensvotum bereits im November 1987 wieder vom höchsten Parteiamt zurücktrat und damit den Weg für Ministerpräsident Donado Ricardes frei machte. Caval wurde vier Jahre später auf dem Parteikongress in Artir zusammen mit Iacovo Del Pérez zum Ehrenvorsitzenden seiner Partei ernannt. Caval blieb noch bis 1989 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Europas und schied gleichzeitig aus dem EU-Parlament aus. Im Jahr 1991 wurde er für Semesce in den Senat gewählt, wo er aber keine Führungsämter mehr bekleidete. Kurz vor Ende seines Mandats im Jahr 1997 wurde er von Staatspräsident Montoya zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Seither hat sich Caval immer wieder zu aktuellen politischen Fragen geäußert. Er gehörte zu den größten Kritikern des Zweiten Golfkriegs 1991 und verurteilte die sagradische Teilnahme. Auch den Irakkrieg der USA im Jahr 2003 lehnte er entschieden ab. Auf der anderen Seite unterstützte er die rot-grüne Regierung De la Costa in ihrer Teilnahme am Kosovokrieg 1999 und am Afghanistan-Einsatz seit 2001. Lange Zeit war Caval Kuratoriumsmitglied des Istituto Sagradês de Política Internacional (ISPI). Sein ursprünglicher Corrente hat seither eine Reihe von links-progressiven Nachfolgegruppen nach sich gezogen, die als Cavalistas bzw. Neo-Cavalistas bezeichnet werden. Zu bekannten Cavalistas wurden oder werden António Grande Illega, Vítor Gomes Amarón und jüngst auch Cavals Tochter Mercé Serrat Caval gezählt. Cavals ältester Sohn Maximilián Caval ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Kulturkritiker, sein zweitältester Sohn Fernando ist mittlerweile als Unternehmensberater tätig. Die jüngere Schwester der beiden Mercé Serrat Caval ist Politikerin der sozialistischen Allianz. Sie beerbte 1989 ihren Vater als Europaabgeordnete und wurde 2001 Ministerin in der rot-grünen Regierung De la Costa. Seit 2008 ist sie Generalsekretärin der Asul. Ihre Anhänger werden meist als Neo-Cavalistas oder Mercistas bezeichnet.
Oficioes Públicoes: 1960-1967 Prefeito de Semesce 1967 Ministro de la Economía i Industrías 1970-1979 Presidente del Cosiliu 1978 Ministro Executivo de Asuntoes Exterritoriales 1979 Ministro Executivo de Asuntoes Exterritoriales
Mandates Parlamentares: 1952-1954 Cosilier Municipal de Disiés 1954-1962 Deputado a la Camara 1956-1968 Cosilier Municipal de Semesce 1967-1984 Deputado a la Camara 1984-1989 Membro del Parlamento Europeu 1991-1997 Senador eleitu desde 1997 Senador apuntau
Oficioes del Partido: 1959-1960 Portavoce del Grupo Socialista nel Cosiliu Municipal de Semesce 1969-1987 Secretário General de la Alianza Socialista (ASUL) 1976-1984 Vicepresidente de la Internacional Socialista (SI) 1984-1989 Presidente del Partido Socialista Europeu (PSE) desde 1991 Presidente del Honor de la Alianza Socialista (ASUL)