Vereinigte Linkspartei: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Sagradien
Zur Navigation springenZur Suche springen
Zeile 30: Zeile 30:
 
Erst danach trat die KPS aus Protest gegen die Entscheidungen an der zu erarbeitenden Verfassung in die Opposition über und stimmte gegen die Verfassung, die als bürgerlich-reaktionär abgelehnt wurde. Dennoch wurden die Kommunisten nach den ersten [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1946|Kammerwahlen im Herbst 1946]], bei denen die Partei erneut knapp 14 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, mit drei Kabinettsposten an der breiten Koalitionsregierung des Sozialisten [[Francisco Dorado]] beteiligt, deren vornehmliches Ziel es war, die antidemokratische Rechte auszuschließen und den Wiederaufbau weiterzuführen.
 
Erst danach trat die KPS aus Protest gegen die Entscheidungen an der zu erarbeitenden Verfassung in die Opposition über und stimmte gegen die Verfassung, die als bürgerlich-reaktionär abgelehnt wurde. Dennoch wurden die Kommunisten nach den ersten [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1946|Kammerwahlen im Herbst 1946]], bei denen die Partei erneut knapp 14 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, mit drei Kabinettsposten an der breiten Koalitionsregierung des Sozialisten [[Francisco Dorado]] beteiligt, deren vornehmliches Ziel es war, die antidemokratische Rechte auszuschließen und den Wiederaufbau weiterzuführen.
  
Zu dieser Zeit entwickelte sich in Sagradien eine ausgeprägte kommunistische Gegenkultur und die Ansätze eines kommunistischen Arbeitermilieus aus der Zweiten Republik verfestigten sich. Die KPS konnte die Unterstützung zahlreicher einflussreicher Intellektueller gewinnen.
+
Zu dieser Zeit entwickelte sich in Sagradien eine ausgeprägte kommunistische Gegenkultur und die Ansätze eines kommunistischen Arbeitermilieus aus der Zweiten Republik verfestigten sich. Die KPS konnte die Unterstützung zahlreicher einflussreicher Intellektueller gewinnen. Gemeinsam mit den Sozialisten bauten Kommunisten nun auch die neue Einheitsgewerkschaft [[CSSL]] auf, welche die Interessen aller Arbeiter vertreten sollte. Im Gegensatz zur äußeren Rechten, die an den Rand gedrängt und von jeder Regierungsbeteiligung ausgeschlossen wurde, standen die Kommunisten in engem Kontakt zu den Parteien der Mitte und wurden in die wichtigsten Entscheidungen der unmittelbaren Nachkriegszeit und die politischen und sonstigen Aufbauarbeiten voll eingebunden.
 +
 
 +
=== Im Zeichen des Kalten Kriegs: Die KPS in den Fünfziger und Sechziger Jahren ===
 +
Die Phase der kommunistischen Mitarbeit innerhalb der [[Demokratische Koalition|Demokratischen Koalition]] endete im Frühjahr 1947 mit dem Beginn des Kalten Krieges, den Auseinandersetzungen um den Marshall-Plan und dem Austritt der kommunistischen Minister aus der [[Kabinett Dorado|Regierung Dorado]]. Unter dem starken Einfluss von Carles Salas, der 1949 auch zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt wurde, verfolgte die KPS das Ziel einer antikapitalistischen Einheitsfront in Anschluss an die Volksfront der Dreißiger Jahre. Für dieses Ziel gewann er auch Sozialistenführer [[Ricardo Moreno]], der sich von einem Aktionsbündnis mit den Kommunisten einen größeren Anhang unter den Intellektuellen des Landes erhoffte und ein Wiedererstarken der Rechten verhindern wollte. Nach dem Austritt der Sozialisten aus der Regierung 1949 standen Sozialisten und Kommunisten gemeinsam in der Opposition zur marktwirtschaftlich und westlich orientierten [[Zentrumskoalition]] aus [[PCC|Christ-]] und [[PSD|Sozialdemokraten]]. Die [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1950|Parlamentswahl 1950]] zeigte, dass das vom Bündnis der Linken vor allem der KPS profitierte, der in der Wählergunst auf 17 Prozent zulegte, während die Sozialisten Stimmen verloren.
 +
 
 +
In der Folge kam es zu einem Auseinanderdriften der Linksparteien. Während die Sozialisten sich vom Kurs der Sowjetunion distanzierten und sich den Parteien der Mitte annäherten, blieb die KPS auf einem starr stalinistischen Kurs und kritisierte auch die Niederschlagung der Ungarischen Revolution 1956 durch sowjetische Truppen nicht, was ihr großen Schaden bereitete und in der Wählergunst absinken ließ. Bei den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1958|Kammerwahlen 1958]] verloren die Kommunisten sechs Prozentpunkte und fielen auf 10,6 Prozent der Stimmen ab. Hatte sich die KPS bis zur Mitte der Fünfziger Jahre zur dominanten und 1954 auch stimmenstärksten Partei der Linken entwickelt, so verlor sie nun rasch an Bedeutung und verlor ihre Rolle an die 1957 in der zunehmend erfolgreichen [[ASUL]] wiedervereinigten Sozialisten.
 +
 
 +
Unter Generalsekretär [[Santo Cortez]] begann in der Folge unter dem Einfluss jüngerer Politiker in der Partei eine sachte Distanzierung von der KPdSU, die der Partei Probleme und Auseinandersetzungen sowie zahlreiche Ausschlüsse von Stalinisten und Maoisten brachte. Die KPS blieb auch in den Sechziger Jahren eine kommunistische Kaderpartei mit zentralistischer Führung, doch stärkten die Wahlniederlagen von [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1963|1963]] (10 Prozent) und [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1967|1967]] (8,2 Prozent) die reformistischen Kräfte in der Partei, die zunehmend das polyzentristische Konzept der italienischen Kommunisten befürworteten und eine stärkere Loslösung von Moskau befürworteten.
 +
 
 +
=== Die Siebziger: Regierungsbündnisse und Eurokommunismus ===
 +
Der 1966 zum Generalsekretär des PCS gewählte [[Dián Aliureto Chabonet]] sah, dass der streng auf Moskau gerichtete Kurs der Partei nicht länger aufrecht erhalten bleiben konnte, wollte die Partei ihren Einfluss nicht ganz verlieren. Die Studentenproteste von 1968, der führende KP-Funktionäre ihr revolutionäres Potenzial absprachen und in der die KP nur eine geringe Rolle spielte, sowie die Niederschlagung des Prager Frühlings bestärkten Chabonet in seiner Auffassung, den Forderungen der Reformer in der Partei ein Stück weit nachkommen zu müssen. Nach dem Vorbild der KP Italiens deutete Chabonet bereits 1969 die allmähliche Lösung von Moskau im Sinne des Polyzentrismus an. Die zeitweise Zusammenarbeit der konservativen [[Kabinett Favale II|Regierung Favale]] mit der populistischen und vielen als neofaschistisch erscheinenden [[Partido de la Fraternitá Popular|Volksbruderschaftsbewegung]] [[António Álvaro Blanxard]]s weckte zudem Erinnerungen an die Spätphase der Zweiten Republik und stärkten das Bewusstsein in der KPS für die Errungenschaften der parlamentarischen Demokratie.
 +
 
 +
Vor den [[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1970|Parlamentswahlen 1970]] plädierte Chabonet für einen demokratischen Wechsel und schloss ein neues Linksbündnis nicht aus. Nach einem Kantersieg der sagradischen [[ASUL|Sozialisten]] unter dem charismatischen Spitzenkandidaten [[Joán Caval]], die erstmals mehr als 40 Prozent der Stimmen errangen und deutlich stärkste Kraft wurden, unterstützte die KPS eine sozialistische Minderheitsregierung, die mithilfe der Kommunisten zahlreiche soziale und gesellschaftliche Reformen durchsetzte. Der neue Kurs der kontruktiven parlamentarischen Arbeit blieb zwar parteiintern umstritten, brachte der KPS aber einen starken Bedeutungsgewinn ein und machte sie wieder zu einem politischen Machtfaktor. Die neue Rolle als Mehrheitsbeschaffer wurde vom Elektorat begrüßt und brachte der Partei wieder steigende Wahlergebnisse bis zu 14 Prozent der Stimmen ([[Wahl zur sagradischen Abgeordnetenkammer 1978|bei der Wahl 1978]]) ein.

Version vom 13:04, 7. Jan 2011

Der Partido Comunista Sagradês (kurz PCS deutsch Kommunistische Partei Sagradiens oder Sagradische Kommunistische Partei, KPS) ist die älteste noch heute bestehende Partei Sagradiens. Sie wurde 1920 unter dem Namen Sección Sagradêsa de la Internacional Comunista gegründet und trägt ihren heutigen Namen seit 1921.

Geschichte

Ursprünge und Gründung

Die sagradische Arbeiterbewegung, die sich seit dem späten 19. Jahrhundert vor allem im Partido Socialista organisierte, war wesentlich in einen reformistischen und einen revolutionären Flügel gespalten, aus dessen Tradition heraus auch der Partido Comunista entstand. Die KPS ging 1920 als sagradische Sektion der Dritten Internationale (Komintern) aus Teilen der 1917 von der sagradischen Sozialistischen Partei abgespalteten Unabhängigen Sozialistischen Partei (PSI) hervor. Diese hatte sich besonders im Protest gegen die im August 1917 erfolgte Beteiligung sozialistischer Minister an der Regierung Calbane sowie aus einer unterschiedlichen Beurteilung der bolschewistischen Bewegung in Russland von der reformistischen Mehrheit des PS getrennt. 1919 trat der PSI zusammen mit einer linken Minderheit des Rest-PS um Julen Cresca der Dritten Internationale (Komintern) bei, woraufhin sich der reformistische Flügel abspaltete und wie im Falle der Demokratischen Marxisten Daniel Moscús in den PS zurückkehrte oder wie im Falle des Partido Marxista Integralista von Gabriel Acosta fortan eigenständig operierte. Zum 1. Januar 1920 kam es zur Fusion des Partido Socialista – Sección de la Internacional Comunista (PS-SIC) von Julen Cresca und der Rest-PSI unter Lorenzo Sabal zur Sección Sagradêsa de la Internacional Comunista (SSIC), die sich seit 1921 Partido Comunista Sagradês nannte.

Unter Sabals Führung umfasste die PCS Sabals Nascença Revolucionária, die Comunistas Internacionalistas (CI) von Julen Cresca sowie die linksradikalen rätekommunistischen Lavoradores Socialistas (LS) von María Arxet. Alle diese Strömungen begrüßten mehr oder weniger stark die Ereignisse der Russischen Oktoberrevolution und versuchten die Revolution auch im eigenen Land herbeizuführen. Dennoch kam es in der Partei schnell zu Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Gruppen mit ihren je eigenen Vorstellungen, in denen Sabals Anhänger bald die Oberhand gewannen und zahlreiche als Opportunisten diffamierte Gegner ausschließen konnte, darunter den gesamten Räteflügel.

Die Kommunisten in den Zwanziger und frühen Dreißiger Jahren

Obwohl die Kommunisten das parlamentarische System ablehnten, beteiligten sie sich bereits kurz nach ihrer Gründung an Wahlen. Bei den Parlamentswahlen 1921 konnten die Kommunisten 30 Sitze in der Abgeordnetenkammer gewinnen, 1925 33 und 1926 bereits 50. In den Zwanziger Jahren stieg die Partei zur Massenpartei auf. Ihr bestes Ergebnis erreichte sie bei den Wahlen 1932 mit knapp 15 Prozent der Stimmen. Zu Hochburgen der Kommunisten wurden bald der industrialisierte Norden Ceundalias um Portofín, die Hafenstadt Ligre North, die Industriegebiete in Bordez und Sarmay sowie die sagradischen Großstädte Semess, Óstino, Tulis und Artir.

Nachdem Lorenzo Sabal zunächst eine eigenständige Politik innerhalb der Komintern geführt hatte, gerieten die sagradischen Kommunisten nach 1924 immer stärker unter den Einfluss des Stalinismus. Politische Gegner wurden aus der Partei gedrängt und der Ton gegenüber den Sozialisten unter Joán Bertón zunehmend verschärft, deren Kurs bald als „Sozialfaschismus“ diffamiert wurde. Das parlamentarische System wurde ebenso abgelehnt wie Bündnisse mit den Sozialisten. Obwohl beide Arbeiterparteien zwischen 1925 und 1930 gemeinsam in der Opposition gestanden hatte, kam es zu keiner Zusammenarbeit.

Seit 1929/1930 versuchte die Partei, die sozialen Missstände infolge der Weltwirtschaftskrise zum gewaltsamen Widerstand gegen die als kapitalistisch und imperialistisch empfundene Republik zu nutzen. Auf kommunistischer Seite wurde zwischen der bürgerlichen Republik und ihren faschistischen Gegnern nicht unterschieden. Beide wurden als Inbegriffe des rechten Nationalismus gesehen. Dabei kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den faschistischen Aktionstruppen (Trōpas Accionistas) und den KP-nahen Rotgardisten (Guardas Rôixas). Bei den Dezemberwahlen 1932 erhielten die Kommunisten 85 Mandate in der Abgeordnetenkammer und stiegen damit stark in der Wählergunst auf. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die sich nach der Ermordung des autoritären Präsidenten García d’Alema durch einen Kommunisten ausweiteten, sowie die Bedrohung der Demokratie durch rechtsautoritäre und klerikalfaschistische Bündnisse führten KPS und PS näher zueinander und ließen den Kampf der Kommunisten gegen den Parlamentarismus in den Hintergrund gegenüber dem Abwehrkampf gegen den drohendne Faschismus treten. Dem Terror der Aktionstruppen fiel im November 1934 auch KP-Chef Sabal zum Opfer, der von den Faschisten ermordet wurde. Faschistische Putschversuche und rechte Aufstände mündeten in kommunistische Aufstände in Artir, Óstino und anderen Industriestädte, die aber gewaltsam niedergeschlagen wurden. Der Blutherbst 1934 brachte die Konfrontation zwischen Linken und Rechten in der Spätphase der Zweiten Republik auf einen ersten Höhepunkt.

Volksfrontjahre

Nach den Putschversuchen der Rechten, den gescheiterten "roten Revolutionen" sowie den schmerzlichen Verlusten der kommunistischen Bewegung setzte sich innerhalb der PCS-Führung mit der Wahl Narcís Coloms zum neuen Generalsekretär eine neue Denkweise durch, die versuchte, die Republik nicht mehr zu bekämpfen, sondern von innen heraus umzugestalten und gleichzeitig die Machtergreifung der Faschisten zu verhindern. Als Hauptgegner wurden nun nicht mehr die Sozialisten und Liberalen, sondern die Faschisten angesehen, die zum Umsturz ansetzten. Dagegen schlossen sich die Kräfte der Linken nun in einem republikanischen Schutzbündnis zusammen. Bei den Parlamentswahlen 1935 trat die KPS unter Coloms Führung als Teil der linken Volksfront aus Sozialisten, Kommunisten und Radikalen an und erreichte mehr als 14 Prozent der Stimmen und 82 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Gemeinsam gewannen die Volksfrontparteien die Wahl und wählten PS-Chef Santiago Laval zum neuen Präsidenten der Republik. Dem ersten Volksfrontkabinett Colón gehörten zwar keine Kommunisten an, die Partei hatte aber die parlamentarische Unterstützung zugesagt. Als eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung wurden die Faschistischen Parteien und die Aktionstruppen verboten, diese sammelten sich jedoch in den Schwarzen Divisionen daraufhin neu. Der Volksfrontkurs wurde im August 1935 auch durch den Weltkongress der Komintern gestützt.

Die Volksfrontregierung leitete in Sagradien zahlreiche soziale Reformen ein und stärkte die Gewerkschaftsbewegung, konnte die Republik letztlich aber nicht vor einem weiteren Auseinanderdriften, einer zunehmenden Radikalisierung der Rechten und einer ständigen bürgerkriegsähnlichen Atmosphäre bewahren. In Konkurrenz zur Linksregierung sammelte sich die Rechte in zahlreichen Bewegungen neu und einte sich in der Nationalen Liga hinter Faschistenführer León Francês und UP-Chef Manuel Álamo. Die Ermordung Narcís Coloms im Jahr 1937 durch Divisionisten und zunehmende Spannungen im Volksfrontbündnis führten 1937 zum vorläufigen Ende der Zusammenarbeit. Coloms Nachfolger als Parteichef Santiago Laravilla erklärte die Volksfront bereits 1937 für gescheitert, Verhandlungen zu einer Neuauflage kamen zu keinem Ergebnis mehr. Dem rechten Militärputsch im Februar 1938 folgte die Verhaftung zahlreicher Kommunisten durch die neue Rechtsregierung der Nationalen Kommunion unter Volksunion-Führer Manuel Álamo. Bei den Aprilwahlen 1938 wurde die KPS durch den staatlich sanktionierten Terror der Divisionen sowie ein kurzfristig erlassenes neues Wahlsystem stark behindert, erreichte aber trotzdem noch 22 Mandate.

Verbot, Widerstand und Nachkriegszeit

Nach der Wahl wurde die Kommunistische Partei ebenso wie die Sozialistische und die liberalen Parteien verboten, die Mandate der KPS wurden aberkannt und ihre Protagonisten gingen in den Untergrund. Parteichef Laravilla floh ins Moskauer Exil, aus dem er erst 1943 zurückkehrte. Im sagradischen Widerstand spielten Kommunisten wie Carles Salas und Santo Cortez an der Seite von Sozialisten und Linkskatholiken eine führende Rolle. Die Batallones Rôisas wurden landesweit berüchtigt und brachten den Kommunisten zusätzliche Sympathien ein. 1943 beteiligte sich der PCS an der Befreiung Sagradiens von der deutschen Okkupation und traten in engen Kontakt mit der militärischen Übergangsregierung unter General Oscar Rodríguez. Als erste der Vorkriegsparteien konnte sich die Partei nach der Befreiung 1943 wieder konstituieren und die Organisation wiederaufbauen.

Nachdem die Kommunisten unter Santiago Laravilla bei den Wahlen zur konstituierenden Nationalversammlung 1944 mit mehr als 14 Prozent der Stimmen zur drittstärksten Kraft hinter den Sozialisten geworden waren, traten sie der provisorischen Regierung unter Sergio Dini bei, die im Dezember 1944 ins Amt gewählt wurde. Bis Januar 1946 gehörte der PCS neben Sozialisten, Christdemokraten und Radikaldemokraten der so genannten Demokratischen Koalition unter Dini bzw. seit Oktober 1945 unter dem Sozialisten José Saviola an, in der die Kommunisten Carles Salas und Aliureto Nacesta erstmals auch Ministerposten übernahmen.

Erst danach trat die KPS aus Protest gegen die Entscheidungen an der zu erarbeitenden Verfassung in die Opposition über und stimmte gegen die Verfassung, die als bürgerlich-reaktionär abgelehnt wurde. Dennoch wurden die Kommunisten nach den ersten Kammerwahlen im Herbst 1946, bei denen die Partei erneut knapp 14 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, mit drei Kabinettsposten an der breiten Koalitionsregierung des Sozialisten Francisco Dorado beteiligt, deren vornehmliches Ziel es war, die antidemokratische Rechte auszuschließen und den Wiederaufbau weiterzuführen.

Zu dieser Zeit entwickelte sich in Sagradien eine ausgeprägte kommunistische Gegenkultur und die Ansätze eines kommunistischen Arbeitermilieus aus der Zweiten Republik verfestigten sich. Die KPS konnte die Unterstützung zahlreicher einflussreicher Intellektueller gewinnen. Gemeinsam mit den Sozialisten bauten Kommunisten nun auch die neue Einheitsgewerkschaft CSSL auf, welche die Interessen aller Arbeiter vertreten sollte. Im Gegensatz zur äußeren Rechten, die an den Rand gedrängt und von jeder Regierungsbeteiligung ausgeschlossen wurde, standen die Kommunisten in engem Kontakt zu den Parteien der Mitte und wurden in die wichtigsten Entscheidungen der unmittelbaren Nachkriegszeit und die politischen und sonstigen Aufbauarbeiten voll eingebunden.

Im Zeichen des Kalten Kriegs: Die KPS in den Fünfziger und Sechziger Jahren

Die Phase der kommunistischen Mitarbeit innerhalb der Demokratischen Koalition endete im Frühjahr 1947 mit dem Beginn des Kalten Krieges, den Auseinandersetzungen um den Marshall-Plan und dem Austritt der kommunistischen Minister aus der Regierung Dorado. Unter dem starken Einfluss von Carles Salas, der 1949 auch zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt wurde, verfolgte die KPS das Ziel einer antikapitalistischen Einheitsfront in Anschluss an die Volksfront der Dreißiger Jahre. Für dieses Ziel gewann er auch Sozialistenführer Ricardo Moreno, der sich von einem Aktionsbündnis mit den Kommunisten einen größeren Anhang unter den Intellektuellen des Landes erhoffte und ein Wiedererstarken der Rechten verhindern wollte. Nach dem Austritt der Sozialisten aus der Regierung 1949 standen Sozialisten und Kommunisten gemeinsam in der Opposition zur marktwirtschaftlich und westlich orientierten Zentrumskoalition aus Christ- und Sozialdemokraten. Die Parlamentswahl 1950 zeigte, dass das vom Bündnis der Linken vor allem der KPS profitierte, der in der Wählergunst auf 17 Prozent zulegte, während die Sozialisten Stimmen verloren.

In der Folge kam es zu einem Auseinanderdriften der Linksparteien. Während die Sozialisten sich vom Kurs der Sowjetunion distanzierten und sich den Parteien der Mitte annäherten, blieb die KPS auf einem starr stalinistischen Kurs und kritisierte auch die Niederschlagung der Ungarischen Revolution 1956 durch sowjetische Truppen nicht, was ihr großen Schaden bereitete und in der Wählergunst absinken ließ. Bei den Kammerwahlen 1958 verloren die Kommunisten sechs Prozentpunkte und fielen auf 10,6 Prozent der Stimmen ab. Hatte sich die KPS bis zur Mitte der Fünfziger Jahre zur dominanten und 1954 auch stimmenstärksten Partei der Linken entwickelt, so verlor sie nun rasch an Bedeutung und verlor ihre Rolle an die 1957 in der zunehmend erfolgreichen ASUL wiedervereinigten Sozialisten.

Unter Generalsekretär Santo Cortez begann in der Folge unter dem Einfluss jüngerer Politiker in der Partei eine sachte Distanzierung von der KPdSU, die der Partei Probleme und Auseinandersetzungen sowie zahlreiche Ausschlüsse von Stalinisten und Maoisten brachte. Die KPS blieb auch in den Sechziger Jahren eine kommunistische Kaderpartei mit zentralistischer Führung, doch stärkten die Wahlniederlagen von 1963 (10 Prozent) und 1967 (8,2 Prozent) die reformistischen Kräfte in der Partei, die zunehmend das polyzentristische Konzept der italienischen Kommunisten befürworteten und eine stärkere Loslösung von Moskau befürworteten.

Die Siebziger: Regierungsbündnisse und Eurokommunismus

Der 1966 zum Generalsekretär des PCS gewählte Dián Aliureto Chabonet sah, dass der streng auf Moskau gerichtete Kurs der Partei nicht länger aufrecht erhalten bleiben konnte, wollte die Partei ihren Einfluss nicht ganz verlieren. Die Studentenproteste von 1968, der führende KP-Funktionäre ihr revolutionäres Potenzial absprachen und in der die KP nur eine geringe Rolle spielte, sowie die Niederschlagung des Prager Frühlings bestärkten Chabonet in seiner Auffassung, den Forderungen der Reformer in der Partei ein Stück weit nachkommen zu müssen. Nach dem Vorbild der KP Italiens deutete Chabonet bereits 1969 die allmähliche Lösung von Moskau im Sinne des Polyzentrismus an. Die zeitweise Zusammenarbeit der konservativen Regierung Favale mit der populistischen und vielen als neofaschistisch erscheinenden Volksbruderschaftsbewegung António Álvaro Blanxards weckte zudem Erinnerungen an die Spätphase der Zweiten Republik und stärkten das Bewusstsein in der KPS für die Errungenschaften der parlamentarischen Demokratie.

Vor den Parlamentswahlen 1970 plädierte Chabonet für einen demokratischen Wechsel und schloss ein neues Linksbündnis nicht aus. Nach einem Kantersieg der sagradischen Sozialisten unter dem charismatischen Spitzenkandidaten Joán Caval, die erstmals mehr als 40 Prozent der Stimmen errangen und deutlich stärkste Kraft wurden, unterstützte die KPS eine sozialistische Minderheitsregierung, die mithilfe der Kommunisten zahlreiche soziale und gesellschaftliche Reformen durchsetzte. Der neue Kurs der kontruktiven parlamentarischen Arbeit blieb zwar parteiintern umstritten, brachte der KPS aber einen starken Bedeutungsgewinn ein und machte sie wieder zu einem politischen Machtfaktor. Die neue Rolle als Mehrheitsbeschaffer wurde vom Elektorat begrüßt und brachte der Partei wieder steigende Wahlergebnisse bis zu 14 Prozent der Stimmen (bei der Wahl 1978) ein.