Philipp X.: Unterschied zwischen den Versionen
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=== Jugend und Zeit als Thronfolger === | === Jugend und Zeit als Thronfolger === | ||
| − | Luis Filipe von Sagradien wurde 1837 in [[Semest]] als Sohn von Prinz [[Miquel Francès Herzog von Viça]] und Prinzessin Amalia Wilhelmine von Württemberg geboren. Sein Großvater war der sagradische König [[Gabriel X. Emil]], der bis 1849 herrschte, ehe er von seinem Sohn [[Lucién I.]], dem Onkel Luis Filipes, beerbt wurde. Die Aufstände von 1848/1849, die die letzten Lebensjahre Gabriels X. überschatteten, erlebte der elfjährige Prinz Luis Filipe in London, wohin seine Familie mehrere Monate lang geflüchtet war. Seine Jugend verbrachte der als [[Herzog von | + | Luis Filipe von Sagradien wurde 1837 in [[Semest]] als Sohn von Prinz [[Miquel Francès Herzog von Viça]] und Prinzessin Amalia Wilhelmine von Württemberg geboren. Sein Großvater war der sagradische König [[Gabriel X. Emil]], der bis 1849 herrschte, ehe er von seinem Sohn [[Lucién I.]], dem Onkel Luis Filipes, beerbt wurde. Die Aufstände von 1848/1849, die die letzten Lebensjahre Gabriels X. überschatteten, erlebte der elfjährige Prinz Luis Filipe in London, wohin seine Familie mehrere Monate lang geflüchtet war. Seine Jugend verbrachte der als [[Herzog von Lojandía]] bekannte Prinz in verschiedenen Internaten und Militärschulen u.a. in Italien und Frankreich, während unter seinem Onkel König Lucien I. in Sagradien der liberale Kronkanzler [[Jacquel de Montevil]] regierte und die so genannte "[[Era Liberal]]" prägte. |
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Die Auseinandersetzungen um die Vertretung und Nachfolge des erkrankten Königs wurde bald zu einem Politikum, als es zu Mordanschlägen gegen den Prinzregenten Philipp Emilian kam, die angeblich im Umfeld des Grafen von Tesqué geplant worden sein sollen. Die Anschuldigungen konnten aber nicht nachgewiesen werden. Das persönliche Verhältnis zwischen Luis Filipe und dem Rest seiner Familie war aber schwer beschädigt, zumal der Prinz selbst die Regentschaft für seinen kranken Onkel angestrebt hatte und darin von der politischen Rechten des Landes energisch unterstützt worden war. | Die Auseinandersetzungen um die Vertretung und Nachfolge des erkrankten Königs wurde bald zu einem Politikum, als es zu Mordanschlägen gegen den Prinzregenten Philipp Emilian kam, die angeblich im Umfeld des Grafen von Tesqué geplant worden sein sollen. Die Anschuldigungen konnten aber nicht nachgewiesen werden. Das persönliche Verhältnis zwischen Luis Filipe und dem Rest seiner Familie war aber schwer beschädigt, zumal der Prinz selbst die Regentschaft für seinen kranken Onkel angestrebt hatte und darin von der politischen Rechten des Landes energisch unterstützt worden war. | ||
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Im Jahr 1884 kam es schließlich zu einer ernsthaften Staatsaffäre im Königshaus, nachdem bekannt wurde, dass der Thronfolger in Paris heimlich und ohne das Einverständnis des Königshofs oder des Parlaments, die polnische Exilantin [[Elena Leczynska]] geheiratet hatte. | Im Jahr 1884 kam es schließlich zu einer ernsthaften Staatsaffäre im Königshaus, nachdem bekannt wurde, dass der Thronfolger in Paris heimlich und ohne das Einverständnis des Königshofs oder des Parlaments, die polnische Exilantin [[Elena Leczynska]] geheiratet hatte. | ||
| − | Nach Bekanntwerden der "Affäre Leczynska" musste der Prinz von Sarmay auf seine Titel und seine Thronrechte verzichten, da er sich weigerte, die Ehe mit der Bürgerlichen annullieren zu lassen. Er erhielt den Titel eines "Grafen von Casigón" und wurde mit einer staatlichen Pension ausgestattet, weder Gabriel Manuel noch die aus der Ehe hervorgehenden Kinder aber sollten dem Königshaus angehören oder erbberechtigt sein. Die Affäre kostete das Königshaus zusätzliche Sympathien. Neuer Thronfolger und [[Prinz von Sarmay]] wurde Philipps zweiter Sohn [[José Filipe (Thronfolger)|Joseph Philipp]], der bisherige [[Herzog von Viça]]. | + | Nach Bekanntwerden der "Affäre Leczynska" musste der Prinz von Sarmay auf seine Titel und seine Thronrechte verzichten, da er sich weigerte, die Ehe mit der Bürgerlichen annullieren zu lassen. Er erhielt den Titel eines "Grafen von Casigón" und wurde mit einer staatlichen Pension ausgestattet, weder Gabriel Manuel noch die aus der Ehe hervorgehenden Kinder aber sollten dem Königshaus angehören oder erbberechtigt sein. Die Affäre kostete das Königshaus zusätzliche Sympathien. Neuer Thronfolger und [[Prinz von Sarmay]] wurde Philipps zweiter Sohn [[José Filipe (Thronfolger)|Joseph Philipp]], der bisherige [[Herzog von Viça]]. |
=== Kampf gegen die liberale Linke === | === Kampf gegen die liberale Linke === | ||
Aktuelle Version vom 13. März 2020, 14:14 Uhr
Philipp X. (*1837; †1919) (sagr. Filipe X, Luis Filipe) aus dem königlichen Haus Vienne war der letzte allgemein anerkannte König von Sagradien (1873-1891). Er war bereits seit 1871 als Nachfolger seines Onkels Prinz Philipp Emilian Regent des Landes für seinen regierungsunfähigen Onkel Lucién I. und folgte diesem 1873 auf den Thron. Er herrschte von da an zunehmend autoritär und beendete die Era Liberal in Sagradien.
Nachdem er in der Verfassungskrise 1887 mit seinem Versuch gescheitert war, unabhängig von der sagradischen Abgeordnetenkammer zu regieren, kam es 1891 zur Januarrevolution, in der die Abgeordnetenkammer eigenmächtig die Regierung Gustavo Conte de Montxerent stürzte und Neuwahlen herbeiführte. Nach dem Sieg der Opposition erklärte Philipp seine Abdankung und führte damit de facto die Abschaffung der Monarchie herbei, die 1893 auch formell vollzogen wurde. Philipp ist bis heute der letzte Monarch auf dem sagradischen Thron.
Inhaltsverzeichnis
Jugend und Zeit als Thronfolger[bearbeiten]
Luis Filipe von Sagradien wurde 1837 in Semest als Sohn von Prinz Miquel Francès Herzog von Viça und Prinzessin Amalia Wilhelmine von Württemberg geboren. Sein Großvater war der sagradische König Gabriel X. Emil, der bis 1849 herrschte, ehe er von seinem Sohn Lucién I., dem Onkel Luis Filipes, beerbt wurde. Die Aufstände von 1848/1849, die die letzten Lebensjahre Gabriels X. überschatteten, erlebte der elfjährige Prinz Luis Filipe in London, wohin seine Familie mehrere Monate lang geflüchtet war. Seine Jugend verbrachte der als Herzog von Lojandía bekannte Prinz in verschiedenen Internaten und Militärschulen u.a. in Italien und Frankreich, während unter seinem Onkel König Lucien I. in Sagradien der liberale Kronkanzler Jacquel de Montevil regierte und die so genannte "Era Liberal" prägte.
Luis Filipe heiratete 1858 mit 19 Jahren Prinzessin Marie-Christine von Belgien, die ihm bald die Söhne Gabriel Manuel und José Filipe gebar. Das Jahr 1860 brachte gleich mehrere Schicksalsschläge für die Königsfamilie und für Luis Filipe persönlich, als binnen kurzer Zeit sein Vater Miquel Francisco starb und sein Cousin, der Thronfolger David Alexander, von einem geistig Verwirrten auf offener Straße erschossen wurde. Mit diesem Doppelschlag wurde Luis Filipe mit einem Schlag zur Nummer Zwei der Thronfolge hinter seinem Onkel Philipp Emilian, während König Lucien bald schwer erkrankte und immer seltener an den Staatsgeschäften teilnehmen konnte. Gleichzeitig begann die politische Rechte in Sagradien um den Conte von Tesqué, den jungen Prinzen Philipp, der als Gegner liberaler Reformen bekannt war, politisch zu vereinnahmen und zum Gegenspieler Montevils und des liberalen Bruder des Königs, Prinz Philipp Emilian, aufzubauen, der bald inoffiziell und seit 1865 auch offiziell die Regentschaft für seinen Bruder ausübte.
Die Auseinandersetzungen um die Vertretung und Nachfolge des erkrankten Königs wurde bald zu einem Politikum, als es zu Mordanschlägen gegen den Prinzregenten Philipp Emilian kam, die angeblich im Umfeld des Grafen von Tesqué geplant worden sein sollen. Die Anschuldigungen konnten aber nicht nachgewiesen werden. Das persönliche Verhältnis zwischen Luis Filipe und dem Rest seiner Familie war aber schwer beschädigt, zumal der Prinz selbst die Regentschaft für seinen kranken Onkel angestrebt hatte und darin von der politischen Rechten des Landes energisch unterstützt worden war.
Thronbesteigung und Auseinandersetzung mit Montevil[bearbeiten]
Als Prinzregent Philipp Emilian im Jahr 1871 starb, ohne einen Nachkommen zu hinterlassen, rückte Luis Filipe als Thronfolger nach und übernahm nun auch die Regentschaft für seinen kranken Onkel König Lucien. Philipp erhielt nun zudem den traditionellen Thronfolgertitel eines Prinzen von Sarmay. Als König Lucién 1873 im Alter von 64 Jahren starb, wurde Luis Filipe schließlich als Philipp X. neuer König. Überraschenderweise und zur Enttäuschung seiner politischen Unterstützer hatte Philipp zuvor auf eine Entlassung Montevils und eine Ernennung Tesqués zum Ministerpräsidenten verzichtet und Montevil im Amt belassen, der jedoch mehrere unliebsame Minister austauschen musste. Seit 1872 war es aber zu ernsten Spannungen zwischen dem Prinzregenten und Montevil gekommen, der gegen den Willen des Königs weitere Verfassungszusätze durchsetzen wollte. Als Montevil im Parlament scheiterte, demissionierte er schließlich nach 12 Jahren an der Spitze der Regierung.
Nach dem Rücktritt Montevils beendete Philipp seinen Versuch eines Ausgleichs mit der liberalen Parlamentsmehrheit. Noch im Jahr 1873 machte er den Grafen von Tesqué zum neuen Premierminister und löste das Parlament auf. Aus Neuwahlen ging die Rechte als Sieger hervor und Tesqué blieb im Amt. Bis 1884 konnte Filipe mit einem konservativ dominierten Parlament zusammenarbeiten, das eine von den Liberalen angestrebte weitere Parlamentarisierung des Regierungssystems blockierte.
"Affäre Leczynska"[bearbeiten]
Philipps Beziehung zu seinem ältesten Sohn und Thronfolger, Gabriel Manuel, Prinz von Sarmay, galt als äußerst angespannt. Der Prinz galt nicht nur als Sympathisant der liberalen Bewegung, sondern auch als Lebemann. Sein Lebenswandel trug ihm vor allem in konservativ-katholischen Kreisen regelmäßig Kritik ein.
Im Jahr 1884 kam es schließlich zu einer ernsthaften Staatsaffäre im Königshaus, nachdem bekannt wurde, dass der Thronfolger in Paris heimlich und ohne das Einverständnis des Königshofs oder des Parlaments, die polnische Exilantin Elena Leczynska geheiratet hatte.
Nach Bekanntwerden der "Affäre Leczynska" musste der Prinz von Sarmay auf seine Titel und seine Thronrechte verzichten, da er sich weigerte, die Ehe mit der Bürgerlichen annullieren zu lassen. Er erhielt den Titel eines "Grafen von Casigón" und wurde mit einer staatlichen Pension ausgestattet, weder Gabriel Manuel noch die aus der Ehe hervorgehenden Kinder aber sollten dem Königshaus angehören oder erbberechtigt sein. Die Affäre kostete das Königshaus zusätzliche Sympathien. Neuer Thronfolger und Prinz von Sarmay wurde Philipps zweiter Sohn Joseph Philipp, der bisherige Herzog von Viça.
Kampf gegen die liberale Linke[bearbeiten]
Mit dem Sieg der reformistischen Linken bei der Parlamentswahl 1884 endete die Phase der Entspannung und es kam zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen König und Parlament. Nachdem er das Parlament 1887 aufgelöst hatte und es zu einem neuerlichen Sieg der Liberalen gekommen war, weigerte sich der König im Streit um einen neuen Haushalt kurzerhand, das Parlament noch einmal einzuberufen und setzte unter dem Vorwand juristischer Untersuchungen den Parlamentspräsidenten Cornélio de Martín fest, um ihn an einer selbständigen Einberufung des Parlaments zu hindern. Die damit ausgelöste Verfassungskrise, in der der König ohne das Parlament regierte, kostete vor allem die gemäßigte Linke an Ansehen, die zwar gegen das Verhalten des Königs empört demonstrierte, eine gewaltsame Auseinandersetzung aber fürchtete. In der Folge kam es im ganzen Land zu einem Erstarken der radikalen Republikaner.
Erst Mitte 1888 konnte die Krise beigelegt werden und das wieder zusammengetretene Parlament legitimierte nachträglich einige Entscheidungen des Königs, weigerte sich aber dem König eine Indemnität auszusprechen, sodass dieser das Haus bald wieder auflöste und Neuwahlen ansetzte, von denen vor allem die Republikaner profitieren, die trotz Zensuswahl und benachteiligendem Mehrheitswahlrecht auf 11 Prozent der Stimmen kamen und in einigen Großstädten sogar stärkste Kraft wurden. Philipps Premierminister Gustavo Conte de Montxerent reagierte mit der Verhaftung führender Republikaner und einer Verschärfung von Zensur und Versammlungsrecht. Hungersnöte in der armen Bevölkerung heizten die ohnehin gespannte Lage zusätzlich an und im ganzen Jahr 1890 kam es überall im Land zu Verhaftungen republikanischer Agitatoren und zu Aufständen gegen die Regierung Montxerent, die schließlich 1891 in die Januarrevolution mündeten.
Januarrevolution und Abdankung[bearbeiten]
Der von der Sozialistischen Partei im Dezember 1890 verhängte Generalstreik wurde durch die Staatsmacht gewaltsam niedergeschlagen, woraufhin sich die Proteste gegen die Regierung, aber bald auch gegen den König wandten. In einigen Großstädten des Landes bildeten sich Revolutionäre Räte, die von radikalen Republikanern und Sozialisten beherrscht wurden. Unter dem Druck der Straße mussten König und Regierung am 21. und 22. Januar 1891 die Stadt verlassen.
Am 26. und 27. Januar erklärte die Abgeordnetenkammer schließlich eigenmächtig die Absetzung der Regierung Montxerent und bestellte stattdessen einen "Exekutivausschuss" unter der Führung des liberalen Abgeordneten Cornel Gil-Lerma. Zudem wurden bald Neuwahlen nach dem allgemeinen Wahlrecht ausgerufen. Im Parlamentsbeschluss beriefen sich die Abgeordneten auf die "ständische Tradition der Codices Magni" und setzten sich damit über den Willen der Nobelnkammer hinweg, die erst gar nicht mehr einberufen wurde.
Philipp war in dieser Situation ohnmächtig und wartete die Entwicklung ab, unterdessen sich die Nationalversammlung in Semest zum politischen Zentrum entwickelte und zunehmend eigenmächtig agierte. Zwar verweigerte Philipp dem Vorgehen der Nationalversammlung seine Zustimmung, er sah sich aber gezwungen, auf Gegenmaßnahmen gegen den Exekutivausschuss zu verzichten.
Im Wahlkampf zu den Aprilwahlen 1891 schlug die Stimmung endgültig gegen den König um. Die "Lunes-Affäre" wurde von republikanisch gesinnten Liberalen genutzt, um das königliche Haus und vor allem den Thronfolger José Filipe als reaktionäre Feinde der Cortes zu diffamieren und erfolgreich zu diskreditieren. Nach dem folgenden Sieg der Liberalen, Radikalen und Republikaner bei den Wahlen am 25. April 1891 verließ Philipp X. noch in der Wahlnacht das Land und erklärte seine Abdankung zugunsten seines Sohnes José Filipe, den er als Philipp XI. zum König erhob.
Exil[bearbeiten]
Die Proklamation Joseph Philipps zum König blieb folgenlos, da sich der Thronfolger weigerte, die von der Nationalversammlung geforderte und de facto durchgesetzte Parlamentarisierung zu sanktionieren. Sagradien wurde daher faktisch zur Republik, auch wenn die Monarchie de jure erst am 2. Januar 1893 abgeschafft wurde.
Philipp X. verbrachte seine restlichen Lebensjahre im Exil in Servette, wo er weiterhin enge Verbindung zu sagradischen Royalisten aufrechterhielt. Alle Versuche eines monarchistischen Umsturzes und der Reinstallierung Philipps als König scheiterten aber. Er starb kurz vor seinem 82. Geburtstag 1919 im Kurbad Exeveste bei Servette. Neuer Prätendent der royalistischen Partei wurde daraufhin sein Enkel Johann Maria Ludwig von Vienne, der von Royalisten als Johann IV. geführt wird.