Gabriel IX.: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | Seine Ermordung im Jahr 1812 im Alter von nur 22 Jahren löste die [[Winterkrise 1812/13]] aus, aus der Gabriels Onkel als [[Gabriel X. Emil]] als neuer König hervorging. | ||
=== Jugend und Thronbesteigung === | === Jugend und Thronbesteigung === | ||
| − | ''Luis Gabriel Filipe de Viena'' wurde 1790 als ältester und einziger Sohn des sagradischen Thronfolgers [[ | + | ''Luis Gabriel Filipe de Viena'' wurde 1790 als ältester und einziger Sohn des sagradischen Thronfolgers [[Philipp Maria, Prinz von Sarmay]] und dessen Frau [[Maria Luisa von Bourbon-Parma]] geboren. Er war ein Enkel König [[Gabriel VIII.|Gabriels VIII.]] und nach dem frühen Tod seines Vaters 1795 dessen Thronfolger. Nachdem sein Großvater 1797 nur zwei Jahre nach seinem Vater gestorben war, wurde der erst siebenjährige Prinz als Gabriel IX. zum König erhoben. Die Regentschaft übernahm zunächst seine Mutter gemeinsam mit seinem Onkel [[Gabriel X.|Emil Johann Gabriel]], [[Herzog von Alconía]]. |
=== Regentschaft des Herzogs von Alconía === | === Regentschaft des Herzogs von Alconía === | ||
| − | Bereits Gabriels Großvater hatte mehrere Kriege gegen das revolutionäre Frankreich geführt, in deren Folge Teile Nordostsagradiens an Frankreich abgetreten werden mussten. Gabriels Onkel | + | Bereits Gabriels Großvater hatte mehrere Kriege gegen das revolutionäre Frankreich geführt, in deren Folge Teile Nordostsagradiens an Frankreich abgetreten werden mussten. Gabriels Onkel der Herzog von Alconía versuchte daher, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Als 1799 der zweite Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich ausbrach, nahm auch Sagradien teil, scheiterte aber mit dem Versuch, die zuvor von Frankreich annektierten Gebiete in [[Armoria]] zurückzuerobern. Um dieses Ziel zu erreichen, trat Sagradien 1805 der neuen Koalition gegen den französischen Kaiser Napoléon I. bei und führte einen neuerlichen Krieg gegen Frankreich, das Sagradien in die Kontinentalsperre gegen England zwingen wollte. Schnell geriet Sagradien jedoch auf die Verliererstraße, der Krieg endete in einer Katastrophe. Nach der [[Schlacht von Menar]] im September 1805 besetzten französische Truppen große Teile des Landes. Der Regent Emil Johann Gabriel musste mit Frankreich den [[Vertrag von Challón]] schließen und wurde gezwungen, die Regentschaft niederzulegen. Zudem wurden Sagradien hohe Tributzahlungen an Frankreich auferlegt. |
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| − | Gabriel wurde 1808 für mündig erklärt und übernahm nun selbst die Herrschaft. Er verfolge eine napoleon-freundliche Politik und reihte sich widerspruchslos in die napoleonische Allianz ein. Im [[Napoleonischer Krieg 1808-1813|Krieg gegen Mikolinien und Großbritannien]] stand Gabriel auf französischer Seite, musste aber Niederlagen einstecken wie die Besetzung von [[Cuentez]] durch mikolinische sowie | + | Gabriel wurde 1808 für mündig erklärt und übernahm nun selbst die Herrschaft. Er verfolge eine napoleon-freundliche Politik und reihte sich widerspruchslos in die napoleonische Allianz ein. Im [[Napoleonischer Krieg 1808-1813|Krieg gegen Mikolinien und Großbritannien]] stand Gabriel auf französischer Seite, musste aber Niederlagen einstecken wie die Besetzung von [[Cuentez]] durch mikolinische sowie [[Cereza]] durch britische Truppen. |
| − | Auch im Inneren bemühte sich Gabriel um eine Annäherung an französische Verwaltungsformen. Er führte die von Lima begonnenen Staatsreformen fort und setzte 1810 eine | + | Auch im Inneren bemühte sich Gabriel um eine Annäherung an französische Verwaltungsformen. Er führte die von Lima begonnenen Staatsreformen fort und setzte 1810 eine [[Cortes von Diegue|Ständeversammlung]] ein, die eine Verfassung für das Land erarbeiten sollten. Die pro-französische Politik Gabriels gipfelte schließlich 1810 in der Hochzeit Gabriels mit [[Julie de Beauharnais]], der Tochter Joséphine de Beauharnais' und Stieftochter Napoleons. |
Erst nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1812, bei dem auch Sagradien Truppen stellen musste, kam es zu leichten Absetzbewegungen Gabriels, der heimlich Kontakt mit England und Mikolinien aufnahm. In der Bevölkerung war der junge König zu diesem Zeitpunkt so unpopulär wie nie, da er nach außen hin weiterhin den hohen Forderungen der französischen Besatzer nachkam und gar deren Brandschatzungen und Plünderungen duldete. Bereits seit 1810 war es vermehrt zu Aufständen gegen die französischen Truppen im Land gekommen, die sich mehr und mehr zu Guerilla-Kriegen ausweiteten. Als sich die Cortes im Frühjahr 1812 auf die Seite der Aufständischen stellten, wurden sie auf Druck Napoléons hin aufgelöst. Der Großteil der Ständevertreter floh daraufhin auf die bereits [[Mikolinien|mikolinisch]] besetzte Insel [[Cuentez]], wo sie als [[Cortes von Diegue]] weiterarbeiteten und eine liberale Verfassung erließen. | Erst nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1812, bei dem auch Sagradien Truppen stellen musste, kam es zu leichten Absetzbewegungen Gabriels, der heimlich Kontakt mit England und Mikolinien aufnahm. In der Bevölkerung war der junge König zu diesem Zeitpunkt so unpopulär wie nie, da er nach außen hin weiterhin den hohen Forderungen der französischen Besatzer nachkam und gar deren Brandschatzungen und Plünderungen duldete. Bereits seit 1810 war es vermehrt zu Aufständen gegen die französischen Truppen im Land gekommen, die sich mehr und mehr zu Guerilla-Kriegen ausweiteten. Als sich die Cortes im Frühjahr 1812 auf die Seite der Aufständischen stellten, wurden sie auf Druck Napoléons hin aufgelöst. Der Großteil der Ständevertreter floh daraufhin auf die bereits [[Mikolinien|mikolinisch]] besetzte Insel [[Cuentez]], wo sie als [[Cortes von Diegue]] weiterarbeiteten und eine liberale Verfassung erließen. | ||
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| − | Auf dem Gipfel der feindlichen Stimmung im Land wurde der König schließlich im Dezember 1812 bei einem Attentat auf sein Leben schwer verwundet und starb schließlich an den schweren Folgen. Es folgten zwei Monate schwieriger Machtkämpfe um die Nachfolge, die auch als [[Winterkrise 1812/13]] bezeichnet werden. Napoléon versuchte | + | Auf dem Gipfel der feindlichen Stimmung im Land wurde der König schließlich im Dezember 1812 bei einem Attentat auf sein Leben schwer verwundet und starb schließlich an den schweren Folgen. Es folgten zwei Monate schwieriger Machtkämpfe um die Nachfolge, die auch als [[Winterkrise 1812/13]] bezeichnet werden. Napoléon versuchte, seine Stieftochter Julie de Beauharnais, die Witwe des Königs, als regierende Königin und Lacomb als Premierminister durchzusetzen, was in Sagradien jedoch rasch zu Aufständen führte, die sich zum Befreiungskrieg ausweiteten. Die antifranzösischen "[[Cortes von Diegue]]" erhoben stattdessen Herzog Emil Johann Gabriel von Alconía zum König und forderten seine Freilassung aus französischer Gefangenschaft. In der [[Schlacht bei Colón]] im Februar 1813 konnte sich schließlich ein sagradisch-mikolinisch-britisches Heer unter der Führung des mikolinischen Generals [[Joann Osvalt Cresq]] sowie des Herzogs [[Miquel de Vuelta]] gegen das französische Heer durchsetze. Schließlich musste der geschwächte Napoleon den Forderungen der ''Antifrancistas'' nachgeben und den 1805 als Regenten abgesetzten Herzog von Alconía freilassen, der nach Sagradien zurückkehrte und dort als [[Gabriel X.]] den Thron übernahm. |
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Aktuelle Version vom 4. Januar 2026, 17:25 Uhr
Gabriel IX. (Luis Gabriel Filipe) (*1790, †1812) war zwischen 1797 und 1812 König von Sagradien und Fürst von Cuentez. Er stand die längste Zeit auf dem Thron unter Regentschaft seines Onkels und späteren Nachfolgers Emil Johann Gabriel und seiner Mutter Marie Luise von Bourbon-Parma. In den vier Jahren eigener Regierung (1808-1812) betrieb er eine am napoleonischen Frankreich orientierte Politik und heiratete dessen Stieftochter Julie de Beauharnais.
Seine Ermordung im Jahr 1812 im Alter von nur 22 Jahren löste die Winterkrise 1812/13 aus, aus der Gabriels Onkel als Gabriel X. Emil als neuer König hervorging.
Inhaltsverzeichnis
Jugend und Thronbesteigung[bearbeiten]
Luis Gabriel Filipe de Viena wurde 1790 als ältester und einziger Sohn des sagradischen Thronfolgers Philipp Maria, Prinz von Sarmay und dessen Frau Maria Luisa von Bourbon-Parma geboren. Er war ein Enkel König Gabriels VIII. und nach dem frühen Tod seines Vaters 1795 dessen Thronfolger. Nachdem sein Großvater 1797 nur zwei Jahre nach seinem Vater gestorben war, wurde der erst siebenjährige Prinz als Gabriel IX. zum König erhoben. Die Regentschaft übernahm zunächst seine Mutter gemeinsam mit seinem Onkel Emil Johann Gabriel, Herzog von Alconía.
Regentschaft des Herzogs von Alconía[bearbeiten]
Bereits Gabriels Großvater hatte mehrere Kriege gegen das revolutionäre Frankreich geführt, in deren Folge Teile Nordostsagradiens an Frankreich abgetreten werden mussten. Gabriels Onkel der Herzog von Alconía versuchte daher, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Als 1799 der zweite Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich ausbrach, nahm auch Sagradien teil, scheiterte aber mit dem Versuch, die zuvor von Frankreich annektierten Gebiete in Armoria zurückzuerobern. Um dieses Ziel zu erreichen, trat Sagradien 1805 der neuen Koalition gegen den französischen Kaiser Napoléon I. bei und führte einen neuerlichen Krieg gegen Frankreich, das Sagradien in die Kontinentalsperre gegen England zwingen wollte. Schnell geriet Sagradien jedoch auf die Verliererstraße, der Krieg endete in einer Katastrophe. Nach der Schlacht von Menar im September 1805 besetzten französische Truppen große Teile des Landes. Der Regent Emil Johann Gabriel musste mit Frankreich den Vertrag von Challón schließen und wurde gezwungen, die Regentschaft niederzulegen. Zudem wurden Sagradien hohe Tributzahlungen an Frankreich auferlegt.
Regentschaft Marie Luises von Parma[bearbeiten]
Für den fünfzehnjährigen Gabriel IX. sollte nun seine Mutter Marie Luise die Regentschaft übernehmen. Der Herzog von Alconía verbrachte die Folgejahre im französischen Château de Chambord, wo er unter Kontrolle Napoléons gehalten wurde. Das Arrangement, das Sagradien unter der Regentin Marie Luise und ihrem ersten Minister Joán Batista Colón Marquês de Lima zum französischen Satellitenstaat machen sollte, zeigte jedoch nicht die von Napoléon erhofften Effekte. Stattdessen betrieb der Marquês de Lima eine auf Eigenständigkeit gerichtete Politik, die versuchte, Sagradien aus der französischen Umklammerung zu lösen, während er im Inneren liberale Reformen anstieß. Wiederholte Verstöße gegen die Kontinentalsperre führten schließlich zur faktischen Entmachtung Marie Luises und des Marquis von Lima durch Napoléon, der im Sommer 1806 mit einem neuerlichen Heer nach Sagradien zog und mit Marie Luise im Frühjahr 1807 den Vertrag von Nalcaz schloss. Darin musste Sagradien auf den Großteil Golens verzichten, auf dessen Gebiet nun mit dem Herzogtum Alagua ein französischer Satellitenstaat errichtet wurde, der an Napoléons Marschall und Vertrauten Alexandre Lacomb, den Oberbefehlshaber der Truppen in Sagradien, fiel. Der Marqués von Lima wurde des Landes verwiesen.
Eigene Regentschaft[bearbeiten]
Gabriel wurde 1808 für mündig erklärt und übernahm nun selbst die Herrschaft. Er verfolge eine napoleon-freundliche Politik und reihte sich widerspruchslos in die napoleonische Allianz ein. Im Krieg gegen Mikolinien und Großbritannien stand Gabriel auf französischer Seite, musste aber Niederlagen einstecken wie die Besetzung von Cuentez durch mikolinische sowie Cereza durch britische Truppen.
Auch im Inneren bemühte sich Gabriel um eine Annäherung an französische Verwaltungsformen. Er führte die von Lima begonnenen Staatsreformen fort und setzte 1810 eine Ständeversammlung ein, die eine Verfassung für das Land erarbeiten sollten. Die pro-französische Politik Gabriels gipfelte schließlich 1810 in der Hochzeit Gabriels mit Julie de Beauharnais, der Tochter Joséphine de Beauharnais' und Stieftochter Napoleons.
Erst nach dem gescheiterten Russlandfeldzug 1812, bei dem auch Sagradien Truppen stellen musste, kam es zu leichten Absetzbewegungen Gabriels, der heimlich Kontakt mit England und Mikolinien aufnahm. In der Bevölkerung war der junge König zu diesem Zeitpunkt so unpopulär wie nie, da er nach außen hin weiterhin den hohen Forderungen der französischen Besatzer nachkam und gar deren Brandschatzungen und Plünderungen duldete. Bereits seit 1810 war es vermehrt zu Aufständen gegen die französischen Truppen im Land gekommen, die sich mehr und mehr zu Guerilla-Kriegen ausweiteten. Als sich die Cortes im Frühjahr 1812 auf die Seite der Aufständischen stellten, wurden sie auf Druck Napoléons hin aufgelöst. Der Großteil der Ständevertreter floh daraufhin auf die bereits mikolinisch besetzte Insel Cuentez, wo sie als Cortes von Diegue weiterarbeiteten und eine liberale Verfassung erließen.
Ermordung[bearbeiten]
Auf dem Gipfel der feindlichen Stimmung im Land wurde der König schließlich im Dezember 1812 bei einem Attentat auf sein Leben schwer verwundet und starb schließlich an den schweren Folgen. Es folgten zwei Monate schwieriger Machtkämpfe um die Nachfolge, die auch als Winterkrise 1812/13 bezeichnet werden. Napoléon versuchte, seine Stieftochter Julie de Beauharnais, die Witwe des Königs, als regierende Königin und Lacomb als Premierminister durchzusetzen, was in Sagradien jedoch rasch zu Aufständen führte, die sich zum Befreiungskrieg ausweiteten. Die antifranzösischen "Cortes von Diegue" erhoben stattdessen Herzog Emil Johann Gabriel von Alconía zum König und forderten seine Freilassung aus französischer Gefangenschaft. In der Schlacht bei Colón im Februar 1813 konnte sich schließlich ein sagradisch-mikolinisch-britisches Heer unter der Führung des mikolinischen Generals Joann Osvalt Cresq sowie des Herzogs Miquel de Vuelta gegen das französische Heer durchsetze. Schließlich musste der geschwächte Napoleon den Forderungen der Antifrancistas nachgeben und den 1805 als Regenten abgesetzten Herzog von Alconía freilassen, der nach Sagradien zurückkehrte und dort als Gabriel X. den Thron übernahm.